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Telemonitoring - mobile Datenerfassung am Patienten

Hausarbeit 2006 15 Seiten

Informatik - Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzepte für TeleMonitoring-Systeme
2.1 Das Body Area Network
2.2 Projekt MobiHealth
2.3 Projekt BASUMA
2.4 TeleMonitoring-Systeme für Herz-Kreislauf-Überwachung

3 Kommerzielle Anwendungen
3.1 Herz-Kreislauf Monitoring: VitaPhone
3.2 Blutzucker Monitoring
3.3 Produktinnovation vor Prozessinnovation

4 TeleMedizin in Deutschland

5 Zusammenfassung

Quellenangaben

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der mobilen Datenerfassung an Patienten. Dieses Themen- feld wird auch als TeleMonitoring bezeichnet und ist ein Teilbereich der TeleMedizin. Unter Telemedizin lässt sich der „Einsatz von Telematik zur Überwindung einer räumlichen Tren- nung zwischen Patient und Arzt oder zwischen mehreren behandelnden Ärzten“ verstehen.1 Somit ist TeleMonitoring „die telemedizinische Überwachung chronisch erkrankter oder früh- zeitig aus der stationären Behandlung entlassener Patienten in deren häuslichem Umfeld.“2 Mit Blick auf den Wunsch nach Mobilität trotz einer Erkrankung und der damit verbundenen Lebensqualität bleibt TeleMonitoring allerdings nicht nur auf das häusliche Umfeld be- schränkt. Eine ständige Überwachung der Vitalparameter an jedem Ort und zu jedem Zeit- punkt gilt es als Ziel zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird auch häufig von Mobile Health gesprochen. Mobile-Health ermöglicht, neben der mobilen Datenerfassung, vor allem auch „die Online-Interaktion zwischen Ärzten, Patienten und weiteren relevanten Berufs- gruppen. Verwendet werden dabei mobile Endgeräte, wie Mobiltelefon, PDA, Notebooks und vor allem drahtlose Übertragungstechniken in allen Bereichen des Gesundheitswesens.“3 Die Begriffe TeleMonitoring und Mobile Health sind thematisch gleichwertig, im Folgenden soll jedoch nur der Begriff TeleMonitoring verwendet werden.

Die gesamte Telemedizin - und mit Ihr das TeleMonitoring - werden in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen.4 Betrachtet man einige Zahlen aus dem Gesundheits- sektor erschließt sich umgehend die ökonomische Relevanz dieses Themas. 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden beispielsweise an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Kosten für die Behandlung dieser Patientengruppe betragen jährlich rund 35 Milliarden Euro. Allein dieser enorme Kostenblock ließe sich laut dem Verband der Elektrotechnik, Elektronik Infor- mationstechnik e.V. (VDE) durch eine Prävention mit TeleMonitoring erheblich reduzieren. So würde der besonders teure stationäre Aufenthalt in vielen Fällen entbehrlich oder zumin- dest verkürzet werden.5 Besonderes Augenmerk verdient auch die zunehmende (Über-) Al- terung der Bevölkerung. Die damit immer zahlreicher auftretenden chronischen Erkrankun- gen werden für die Gesundheitsversorgung zunehmend auch zu einem logistischen Prob- lem.6 Vor diesem Hintergrund kann sich TeleMonitoring als eine zukunftsweisende Betreu- ungsform zeigen.

Neben den ökonomischen Vorteilen, kann durch TeleMonitoring auch ein handfester Quali- tätsgewinn in der medizinischen Betreuung erzielt werden. Gerade bei Herz-Kreislauf Er- krankungen kommt es nicht selten vor, dass eine Abweichung der Vitalwerte vor allem im häuslichen Umfeld oder unterwegs auftritt, während bei der Untersuchung in der Praxis oder Klinik alles in Ordnung scheint. Mit TeleMonitoring erhöht sich, aufgrund einer dauerhaften Messung in allen Alltagssituation, die Datenqualität, -quantität und -transparenz, was im Endeffekt zu einer präziseren Diagnose und einer optimalen Therapie führt.7

Derzeit herrscht allerdings noch eine Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten von TeleMoni- toring und einem flächendeckenden Einsatz dieser Technologien im deutschen Gesund- heitswesen. Deutschland steht hier noch ganz am Anfang. Aus diesem Grund werden Tele- Monitoring Projekte und kommerzielle Lösungen jeweils in Kapitel 2 und 3 getrennt vonein- ander vorgestellt. Im abschließenden Kapitel 4 werden die Potentiale der TeleMedizin, als auch die aktuellen Rahmenbedingungen, die eine rasche Einführung verhindern, kurz auf- gezeigt.

2 Konzepte für TeleMonitoring-Systeme

Die mobile Erfassung von Vitalparametern am Patienten erfordert nicht nur entsprechende Körper-Sensoren, sie benötigt vor allem geeignete Übertragungsgeräte, einen einheitlichen Übertragungsstandard und eine passende System- und Serviceinfrastruktur. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die wichtigsten Projekte gegeben werden, die sich mit der Lösung dieser Anforderungen beschäftigen bzw. beschäftigt haben.

2.1 Das Body Area Network

Im Jahr 2001 wurde am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) ein wichtiger Grundstein für die mobile Erfassung von Vitalwerten gelegt. Mit dem Body Area Network (BAN) entwickelten die Forscher eine neue drahtlose Übertragungstechnologie, mit der es möglich ist, die Daten verschiedener, am Körper getragener medizinischer Sensoren zu empfangen und anschließend über das Internet an medizinisches Fachpersonal zu übermit- teln.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Szenario für den Einsatz des BAN (Quelle: Fraunhofer Gesellschaft)

Die Körpersensoren übertragen Ihre Messwerte drahtlos mittels eines speziellen Protokolls (BANcom Protokolls9 ) automatisch an eine am Gürtel des Patienten getragene Basisstation. Die Sensoren senden mit sehr geringer Leistung -- die Reichweite liegt bei etwa 1,5 Meter. Somit wird verhindert, dass sich die Datenübertragung anderer Patienten im selben Raum möglichst wenig beeinflussen.10 Die Basisstation leitet die gesammelten Sensordaten wie- derum drahtlos mittels GSM, Bluetooth, UMTS oder DECT an eine Vermittlungsstelle, wel- che über eine direkte LAN Verbindung die empfangenen Daten ins Internet oder Kliniknetz weiterleitet und den entsprechenden Ärzten und Fachinstanzen zur Verfügung stellt. Zwar wurde das System für einen stationären Einsatz in der Klinik bzw. zu Hause entwickelt, dennoch bildet die Möglichkeit unterschiedlichste Sensoren in einem drahtlosen „Körper Netzwerk“ zu verknüpfen und deren Informationen an unterschiedlichsten Stellen zur Verfügung zu stellen, die konzeptionelle Grundlage für alle TeleMonitoring-Systeme.

2.2 Projekt MobiHealth

Das von der EU mit 5 Millionen Euro geförderte Projekt MobiHealth wurde von einem Konsortium europäischer Firmen und Universitäten unter der Leitung des Handy-Spezialisten Ericsson entwickelt. Im Jahr 2003 und 2004 wurden verschiedene medizinische Feldversuchen in Deutschland, Schweden, Spanien und den Niederlanden mit dem Ziel durchgeführt, die technische Machbarkeit unter Beweis zu stellen, Marktpotenziale aufzuzeigen und ebenso soziale und ethische Bedenken zu überprüfen.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Darstellung der MobiHealth Architektur (Quelle: MobiHealth)

Ausgangspunkt ist auch hier ein Body Area Network, in dem mehrere Sensoren die Vitalwer- te des Patienten aufzeichnen und an eine Mobile Base Unit (MBU) senden. Anders als beim Fraunhofer Konzept entfällt hier eine weitere Vermittlungsstation, da die MobiHealth Platt- form direkt für Mobiltelefone und Person Digital Assistants (PDAs) ausgelegt ist. Die Sensor- daten können somit direkt an ein Handy oder PDA mittels Bluetooth übertragen werden. Von dort gelangen sie über die übliche Mobilfunktechnik GPRS oder UMTS an einen Rechner in einem CallCenter, einer Klinik oder einem Pflegedienst. So kann, ohne Einschränkung der Mobilität, ein Feedback zum Gesundheitszustand des Patienten in kürzester Zeit erfolgen.12

[...]


1 JÄCKEL: Chanchen für eine Telematikplattform, S.10

2 MOHR/ SCHALL/ NERLICH: Telemedizin, S.35

3 PREUß/ GANTNER: Mobile Health S. 245

4 Vgl. MOHR/ SCHALL/ NERLICH, S.35

5 Vgl. VDE, Mikrosysteme in der Medizin, S.7

6 Vgl. VDE, Thesenpapier Telemonitoring, S.45

7 Vgl. VDE, Thesenpapier Telemonitoring, S. 5

8 Vgl. Body Area Network , Fraunhofer Gesellschaft: http://www.ban.fraunhofer.de/ban.pdf

9 Das BANCom Protokoll definiert eine Multiframestruktur, die lange Schlafzeiten für BSU´s (Body Sensor Unit, BSU) ermöglicht, um somit Energie, d.h. Batterieleistung zu sparen. Zusätzlich unterstützt es bidirektionale Datenübertragung, die je nach medizinischer Anwendung sowohl symmetrisch als auch stark asymmetrisch sein kann.

10 Vgl. Heise.de, http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/meldung/28597&words=BAN

11 Vgl. HERZOG: Medizinische Betreuung wird mobil, vom 08.08.2003, http://www.izmf.de/html/de/34762.html

12 Vgl. MOBIHELATH, http://www.mobihealth.org/html/ban.html

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638740531
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73076
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin – Institute of Electronic Business
Note
1,7
Schlagworte
Telemonitoring Datenerfassung Patienten Mobile Business

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