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Strukturen von Wörterbüchern und Wörterbuchartikeln

Seminararbeit 2004 33 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Das Lemma
1.1 Der Lemmabegriff
1.2 Der theoretische Status des Lemmas
1.3 Definition: Lemma
1.4 Lemmatypen
1.5 Lemmatisierung und Lemmaansatz
1.6 Das Lemma in texttheoretischer Sicht

2 Die Makrostruktur
2.1 Der Begriff Makrostruktur
2.2 Analysevoraussetzungen
2.3 Das Zugriffsprofil lexikografischer Nachschlagewerke
2.4 Initialalphabetische Anordnungsformen und ihre Probleme
2.5 Vor- und Nachteile initialalphabetischer Makrostrukturen

3 Die Mikrostruktur
3.1 Theorien zu lexikografischen Mikrostrukturen
3.2 Standardisierte Wörterbuchartikel, ihre Teile und ihre Segmentation
3.3 Segmentierungsmethoden
3.4 Definition: Mikrostruktur
3.5 Mikrostrukturelle Profile

4 Besonderheiten von Äquivalenzwörterbüchern
4.1 Grundbegriffe
4.2 Sprachrichtungen und Funktionen im zweisprachigen Wörterbuch

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

In dieser Hausarbeit zum Thema „Strukturen von Wörterbüchern und Wörterbuchartikeln“ habe ich es mir zum Ziel gesetzt einen Überblick über wichtige Aspekte der lexikografischen Sprachbeschreibung zu geben, wohl wissend, dass bei Weitem nicht alle Fragestellungen innerhalb eines solch knappen Rahmens behandelt werden können.

Zum Aufbau ist folgendes zu sagen: In die Thematik wird im ersten Kapitel durch den Lemmabegriff eingeführt, da er sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk zieht und immer wieder auf ihn verwiesen werden muss. Kapitel 2 und 3 befassen sich mit der Makro- und Mikrostruktur im Wörterbuch, wobei nicht explizit eine Unterscheidung zwischen Definitions- und Äquivalenzwörterbuch vorgenommen wurde, da den Besonderheiten der einsprachigen Wörterbücher ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Und zu guter Letzt möchte ich mit einem kurzem Fazit über Sinn und Zweck solcher Differenzierungen meine Arbeit ausklingen lassen.

1 Das Lemma

1.1 Der Lemmabegriff

Der Ausdruck Lemma geht auf das Griechische zurück, wo er besonders im Sinne von ‚Thema’, ‚Überschrift’, ‚Inhaltsanzeige’ an die moderne Lemmakonzeption erinnert. Letztere ist jedoch innerhalb einer Theorie der Lexikographie nicht einheitlich geregelt, was Wiegand (1983:411ff.) anhand etlicher Zitate belegt; ich hingegen möchte diese aus Platzgründen nicht anführen und werde mich im Folgenden vor allem am Lemmaverständnis von Wiegand (1983) orientieren; bevor es jedoch soweit ist, schicke ich zunächst einige Gedankengänge vorweg, die später bei einer Lemmadefinition behilflich sein sollen.

1.2 Der theoretische Status des Lemmas

Für eine ausführliche Erörterung des lemmatischen Status sehe ich mich gezwungen auf Wiegand (1983:418ff.) zu verweisen, da der Rahmen meiner Arbeit mir lediglich Raum für eine kumulative Aufzählung seiner Schlussfolgerungen erlaubt:

- Das Lemma ist ein ‚erwähntes Languezeichen’ und gehört als solches zu der im Wörterbuch beschriebenen, nicht aber zur Beschreibungssprache
- Lemmata existieren unabhängig von Wörterbuchartikeln, umgekehrt aber nicht. Folglich ist das Lemma als ‚obligatorischer Baustein’ Bestandteil des Wörterbuchartikels
- Lemmata gehören nicht zur Mikrostruktur, sie werden lediglich von ihr (und der Makrostruktur) geordnet[1]
- Um die Lemmakonzeption nicht vom Einzelfall bzw. den unterschiedlichen Markierungskonventionen abhängig zu machen, sollen lexikografische Angabesymbole nicht zum Lemma gezählt werden
- Platzhaltersymbole, die in Nischen- und Nestartikeln zum Einsatz kommen können (Kap.2.4), werden als zum Lemma gehörig charakterisiert, weil sie Lemmateile vertreten und erst durch den Ersetzungsprozess das vollständige Lemma offen legen

1.3 Definition: Lemma

Einige formale Aspekte des Lemmas wurden im vorausgehenden Kapitel geklärt, doch was steht inhaltlich hinter dem Begriff ‚Lemma’?

Wiegands Lemmakonzeption ist die folgende (die Ziffern verweisen auf andere Definitionen):

Ein Lemma ist entweder das Lemmazeichen (29) oder ein Teil des Lemmazeichens (29), das bzw. der als Element eines Lemmabestandes (16) einer der lexikografischen Ordnungen (X) unterworfen ist.“ (Wiegand:451)

Den fachfremden Leser bringt diese Aussage jedoch kein Stück weiter; eine zweite Definition ist erforderlich: „Das Lemmazeichen ist dasjenige Zeichen, um das es in einem Wörterbuchartikel geht bzw. zu dessen Repräsentation das Lemma angesetzt wird“ (Wiegand:429)

Folglich ist es auch das Lemmazeichen selbst und nicht das Lemma, das lexikographisch bearbeitet wird.

Mit diesen Ausführungen meine ich die begrifflichen Unklarheiten beseitigt zu haben und widme mich nun einer Unterscheidung von Lemmatypen:

1.4 Lemmatypen: Voll- und Sublemma , Nest, Nische, Verweis

Bei glattalphabetischer Anordnungsform eines Wörterbuchs (vgl. Kap.2.4.1.1) gehört zu jedem Wörterbuchartikel nur ein einziger Leitelementträger, der notwendigerweise ein Volllemma ist. Jedoch ist bei striktalphabetischen Makrostrukturen mit Gruppierungen folgende Unterscheidung erforderlich:

- Einerseits gibt es die Möglichkeit, dass die Lemmata in den jeweiligen Textblöcken die striktalphabetische Anordnungsform einhalten und sog. Nischenartikel bilden;
- Und andererseits lässt sich feststellen, dass die striktalphabetische Reihenfolge innerhalb mancher Wörterbuchartikel durchbrochen wird und sog. Nestartikel entstehen.

Sowohl bei der Nische als auch beim Nest gelangt der Wörterbuchbenutzer nur ‚durch’ das jeweilige Eingangslemma zu den gesuchten Informationen im Subartikel.

Die letzte an dieser Stelle anzusprechende Form des Lemmas ist das Verweislemma, dessen Mikrostruktur sich „(fast)“ nur auf die jeweilige Verweisangabe beschränkt; demzufolge entspricht dem Verweis an sich

eine Erweiterung des Suchpfades auf ein weiteres Element innerhalb des [...] Wörterbuches. Durch einen Verweis wird dem Benutzer an der Stelle des [...] Verweisursprungs signalisiert, dass am [...] Verweisziel weitere im Kontext des Ursprungs relevante Informationen zu finden sind.“ (Engelberg/Lemnitzer:236)

1.5 Lemmatisierung und Lemmaansatz

1.5.1 Gegenüberstellung

Die in der Literatur oftmals synonym gebrauchten Termini Lemmatisierung und Lemmaansatz werden von Wiegand (1983;444ff.) wie folgt unterschieden:

Das Lemmatisieren bezeichnet einen Prozess, bei dem auf der Grundlage einer Menge von Belegformen diejenige Form – kanonische oder Zitierform genannt – gesucht wird, die das Lemmazeichen repräsentiert und als sogenannte Lemmazeichengestaltangabe dessen Form angibt. Dabei ist der Lexikograf an bestimmte wörterbuchübergreifende Konventionen gebunden, wonach Substantive im Nominativ Singular, Verben im Infinitiv und Adjektive in der Form lemmatisiert werden, die sie in prädikativer Stellung einnehmen (Engelberg/Lemnitzer:124). Lemmata mit solch konstruierten Graphemfolgen bezeichnet Wiegand als Konstruktlemmata (1983:446).

Demgegenüber ist das Lemmaansetzen „eine komplexe lexikografische Tätigkeit, die aus der Festlegung der Form der Lemmazeichen (= lemmatisieren ) und dem Anordnen nach einer bestimmten Anordnungsmethode [...] besteht“ (Wiegand 1983:563; vgl. Kap.2.2.3).

Wiegand differenziert weiterhin zwischen automatischem Lemmatisieren mit Hilfe eines Lemmatisierungsalgorithmus und nicht-automatischem Lemmatisieren, dem eine begründete Lemmavorschrift zugrunde liegen muss. Die Gesamtheit solcher Vorschriften fasst er unter dem Ausdruck Lemmatisierungsverfahren zusammen, welcher, regelmäßig auf gleichartige Fälle angewendet ein Lemmatisierungsprinzip aufzeigt.

Eine Unterscheidung beider Termini hält Wiegand aus zweierlei Gründen für notwendig: Zum Einen lassen sich Lemmatisierungs- und Anordnungsprobleme (vgl. Kap.1.5.2) nicht gleichsetzen und zum Anderen können Lemmatisierungsentscheidungen in bestimmten Fällen – nämlich wenn die Graphemfolge des Konstruktlemmas als Leitelement fungiert – die Anordnung beeinflussen.

1.5.2 Lemmatisierungs- und Anordnungsprobleme

Nicht alle Lemmatisierungskonventionen sind für jeden potenziellen Wörterbuchbenutzer in gleicher Weise günstig. So tun sich beispielsweise ausländische Mitbürger mit der Infinitiv-Lemmatisierung starker bzw. unregelmäßiger Verben schwer, wenn sie nicht vermögen diese auf die Infinitivform zurückzuführen. (Wiegand:447)

Weiterhin gibt es Schwierigkeiten, denen die Lexikografen selbst, mit ihnen aber auch die Wörterbuchbenutzer ausgesetzt sind. Zu nennen sind hier zum Beispiel Lexeme ohne kanonische Zitierform, Mehrwortlexeme, Ausdrücke mit lautlichen oder orthografischen Varianten, das Problem der Polysemie.[2]

Um Auffindungsproblemen entgegenzuwirken wird in solchen Fällen auf lemmatisierungs- oder anordnungsbedingte Verweislemmata zurückgegriffen (Wiegand:447). Letzteres nämlich unter anderem dann, wenn nestalphabetische Makrostrukturen die striktalphabetische Anordnungsform durchbrechen (Kap.2.4.2); oder aber Polysemie und orthografische Varianten die Anordnungspraxis erschweren. (HSK, 5.1:380)

1.6 Das Lemma in texttheoretischer Sicht

Ein Blick in jedes beliebige Wörterbuch genügt, um zu sehen, dass der Wörterbuchbenutzer nicht mit Informationen in epischer Breite rechnen kann – schon Hausmann (1977:84) stufte vollständige Sätze als eine Art Luxus ein – im Gegenteil, er muss sich mit Symbolen, Abkürzungen und oftmals recht knappen Bedeutungserklärungen zufrieden geben. Entstanden aus normalsprachlichen Volltexten sind derartige Teiltexte das Ergebnis von Textverdichtung bzw. irreversiblen Textverarbeitungsprozessen. Zum Verständnis vom Urtext zum standardisierten Artikeltest äußert sich Wiegand (1988:81) folgendermaßen:

Jeder standardisierte Wörterbuchartikel kann als zweiteiliges Kondensat (= Ko) aus einem zugehörigen zweiteiligen Volltext (= VT) aufgefasst werden. VT besteht aus einem Titel und dessen Ko-Text. Bei der Kondensierung wird der Titel zum Lemma und der Ko-Text zu einer geordneten Menge von Angaben zum mit dem Lemma erwähnten Lemmazeichen [...].“

Mit diesen Äußerungen schließt sich der Kreis bezüglich des Lemmabegriffs, der schon in der Antike textbezogen mit ‚Überschrift’ oder ‚Thema’ assoziiert wurde. (HSK, 5.1:366f.)

2 Die Makrostruktur

2.1 Der Begriff Makrostruktur

Zum Anfang der neueren Wörterbuchforschung war es Rey-Debove (1971:21), die den Fachausdruck ‚macrostructure’ einführte und folgendermaßen definierte: „On appellera MACROSTRUCTURE l’ensemble des entrées ordonnées toujours soumise à une lecture verticale partielle lors du repérage de l’objet du message.“

Doch leider lässt sich – wie schon am Terminus Lemma gezeigt (vgl. Kap.1) und der der Mikrostruktur noch zeigen wird (Kap.3.4) – auch die Makrostruktur definitorisch nicht mehr auf einen Nenner bringen; diese Tatsache zwingt mich, auch zu diesem Thema Hilfestellung bei Herbert Ernst Wiegand zu suchen, auf dessen Ausführungen sich auch andere Lexikografen gut und gerne berufen.

Wesentliche ‚Bausteine’ seiner Auffassung von Makrostruktur sind die sog. Leitelemente bzw. Leitelementträger. Erstere zeichnen sich durch diejenige Eigenschaft aus, die deren Trägern (den Lemmata z.B.) eine systematische Anordnung in Strukturen wie dem Lemmabestand gewährleistet. (Wiegand, 1983:431) Darauf aufbauend ist es mir nun in Anlehnung an Wiegand möglich folgende Definition von Makrostruktur zu geben: „Eine lexikografische Makrostruktur ist eine Ordnungsstruktur, deren Trägermenge eine [...] Menge von Leitelementträgern eines lexikografischen Nachschlagewerkes ist.“ (HSK, 5.1:372)

Eine Darstellung der Makrostruktur, die alle erdenklichen Aspekte dieser berücksichtigen würde, kann ich mit dieser Arbeit nicht liefern und muss den interessierten Leser bei Fragen nach ‚äußerer Selektion’ oder ‚makrostruktureller Decke’ auf Erörterungen in Wiegand 1984 und 1989 verweisen.

[...]


[1] Gleiches äußerte Wiegand 1983 auch in Bezug auf die Makrostruktur, revidierte dies jedoch später wegen eines erweiterten Sturkturbegriffs (1989:372)

[2] Nähere Informationen dazu finden sich in Hausmann, 1977:9ff. und bei Engelberg/Lemnitzer:124f.)

Details

Seiten
33
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638736749
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73070
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,5
Schlagworte
Strukturen Wörterbüchern Wörterbuchartikeln Lexikographie

Autor

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