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Doping im Sport – Kriminalisierung oder Legalisierung von Doping – Motivation zum Doping

Hausarbeit 2007 24 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Doping im Sport – Kriminalisierung oder Legalisierung von Doping – Motivation zum Doping

2.1. Definitionen von Doping
2.2. Geschichte des Dopings.
2.3. Dopingmittel
2.4. Verbotene Methoden
2.5 Gruppen verbotener Wirkstoffe

3.1. Motivation zur Einnahme von Dopingmitteln: Biographische Risiken.
3.2. Coping durch Doping
3.3. Soziologische Betrachtungsweise
3.4. Handhabung & Prävention von Doping
3.5. Organisationen

4. Fazit: Doping legalisieren oder kriminalisieren?

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Zeit ist Leistungssport mit unterschiedlichsten Faktoren verknüpft. Nicht alleine der Sport steht an erster Stelle. Im Hintergrund eines jeden Sportlers oder Vereins sind Netzwerke von unterschiedlichsten Interessen verborgen. Diese Netzwerke beeinflussen die Leistung und den Erfolg maßgeblich. Sie sind es, die sportlichen Erfolg gewährleisten, aber diesen Erfolg auch einfordern.

Dieser fast unausweichlich erscheinende Kreislauf wird anhand bestimmter Einflüsse deutlich. Es gibt derart viele Gesellschaftsgruppen, die sich am Leistungssport indirekt beteiligen. Das allgemeine Interesse, welches dem Sport entgegen gebracht wird, sei es Publikumsmagnet Fußball, sei es der Radsport, sei es Tennis oder andere große Turniere und Wettkämpfe, haben Eigenschaften, die nicht nur Fans anziehen. Die (Sport-)Industrie, die Politik, Wirtschaft im Allgemeinen, Massenmedien und dergleichen mischen auf dem Spielfeld „Sport“ mit. Geld und Bekanntheitsgrad, Einfluss und Macht sind bestimmende Variablen.

Öffentliches Interesse bietet den Akteuren im Hintergrund die geeignete Grundlage, um sich in Szene zu setzen und in der Sportwelt ihre Fäden zu ziehen. Fans, Zuschauer und nicht zuletzt große Events, wie die Tour de France oder die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft, die fast eine komplette Gesellschaft anspricht, sind Gründe, warum Medialisierung funktioniert. Interesse am Sport bietet den Medien die Möglichkeit, ein weit gefächertes Publikum anzusprechen. Ob jung oder alt, ob Mann oder Frau. Die Zielgruppe umfasst gänzliche alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten. Sport ist zugleich eine gesellschaftliche Komponente, die verbindet. Viele Menschen hegen Interesse an verschiedensten Sportarten. Kaum ein anderer Bereich erreicht Personen, so stark wie die verschiedensten Formen von Sport und die Austragung von Wettkämpfen und Veranstaltungen. Das mediale Interesse, welches dem Sport entgegengebracht wird, ist dementsprechend groß und lukrativ. Werbeverträge und Marketingstrategien können durch das öffentliche Spektakel „Sport“ transportiert und an den eigentlichen Adressaten befördert werden – den Konsumenten. Die Sportindustrie und Sponsoren sind daran interessiert, möglichst viel Gewinn über den Sport zu erwirtschaften. Diese Bühne bietet den Konzernen die Möglichkeit, ein sehr breites Publikum zu erreichen und als Gewinner genau diese Bühne wieder zu verlassen.

Der Sport unterscheidet jedoch unwillkürlich zwischen Verlierern und Gewinnern. Der Wettkampf braucht viele Verlierer, damit es Gewinner geben kann.[1] Der Gewinner ist es, der Ruhm, Prestige, Anerkennung aber auch finanzielle Mittel erlangt. Für ihn interessiert sich die Öffentlichkeit, die mediale Darstellung, die Sportindustrie, die Sponsoren und die Fans. Dieser Erfolg ist zwar temporär und nicht auf Ewigkeiten bestimmt, dennoch gibt er dem Sportler „soziale Aufmerksamkeit“[2].

Die prekäre Situation eines Sportlers wird aber noch durch wesentlich mehr Faktoren beeinflusst. Viele weitere Komponenten veranlassen den Sport, speziell den Athleten, unter Leistungsdruck zu geraten. Diesem Leistungsdruck kann nicht jeder Hochleistungsathlet mit seiner Leistung gerecht werden, was unweigerlich dazu führt, andere Wege und Mittel zu suchen, um erfolgreich zu sein. Ein Mittel für sportlichen Erfolg ist Doping.

In dieser Hausarbeit geht es um die Motivation eines Sportlers, die ihn dazu bewegt, Doping in Betracht zu ziehen und es auch einzusetzen. Unterschiedlichste Risiken verleitet Athleten zur Einnahme von illegalen Substanzen und der Anwendung verbotener Methoden, nur um erfolgreich im weltweiten Sportwettbewerb zu sein. Damit die „Dopingfalle“[3] näher erläutert werden kann, muss zunächst geklärt werden, was Doping überhaupt bedeutet und wie es sich im heutigen Hochleistungssport niederschlägt. Formen und Methoden des Dopings sollen näher aufgeführt werden, damit ein differenziertes Bild entstehen kann. Die geschichtliche Entwicklung des Dopings sollte dabei auch nicht außer Acht gelassen werden. Des Weiteren muss Wert auf die institutionelle und rechtliche Lage von Dopingprävention und -Intervention gelegt werden, damit Strukturen und Probleme aufgedeckt werden können, um die Frage zu diskutieren, ob Doping in Zukunft kriminalisiert oder doch legalisiert werden sollte.

2.1. Definitionen von Doping

Dopingdefinition der Welt Anti-Doping Agentur WADA:

Artikel 1 Definition von Doping:
Doping wird definiert als das Vorliegen eines oder mehreren der nachfolgenden in Artikel 2.1. bis 2.8. festgelegten Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen.

Artikel 2 Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen:
2.1. Die Anwesenheit einer verbotenen Substanz, deren Metaboliten oder eines Markers in einer dem Athleten entnommenen Probe
2.2. Die Anwendung bzw. der Versuch der Anwendung einer verbotenen Substanz oder einer verbotenen Methode
2.3. Verweigerung oder Nichterfüllung (ohne ausreichende Begründung) der Abgabe einer Probe nach Aufforderung zur Dopingkontrolle entsprechend der Authorisierung durch die Anti-Doping-Regeln
2.4. Verhinderung der Verfügbarkeit bei Kontrollen außerhalb des Wettkampfes einschließlich des Unterlassens der Aufenthaltsmeldepflicht
2.5. Betrug oder der Versuch eines Betruges bei der Dopingkontrolle
2.6. Besitz von verbotenen Substanzen oder verbotenen Methoden
2.7. Weitergabe jeglicher verbotenen Substanz oder verbotenen Methode
2.8. Anstiftung, Mitbeteiligung, Unterstützung oder Ermutigung zur Anwendung oder zum Versuch einer Anwendung einer verbotenen Substanz oder verbotenen Methode oder jegliche Art der Beteiligung an einem Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln[4]

Definition des Europarates von 1963:"Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf. Außerdem müssen verschiedene psychologische Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers als Doping angesehen werden.“[5] IOC-Regel bis Ende 2003: „Doping ist die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden.“[6]

2.2. Geschichte des Dopings

Wortgeschichte: Das Wort „dope“ stammt aus einem südafrikanischen Dialekt, der einen hochprozentigen, selbst gebrannten Schnaps beschreibt, welcher bei rituellen Handlungen getrunken wurde, um Stimulierung zu erreichen.[7]

Die Geschichte des Dopings hat schon eine jahrtausendlange Tradition. Schon in der Antike haben sich Athleten „gedopt“. Sie nahmen an, dass durch Einnahme von Stierhoden oder Pilzen eine Leistungssteigerung ermöglicht würde. Im Jahre 1869 taucht das Wort „Doping“ zum ersten Mal in einem englischen Wörterbuch auf. In England wurde es im Pferdesport eingesetzt. Eine Mischung aus Narkotika und Opium wurde damals Pferden verabreicht. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Dopingmethoden im Radsport angewandt. Bei Radrennen haben die Radfahrer eine Mixtur aus verschiedenen, leistungssteigernden Mitteln zu sich genommen, die sich „schnelle Pulle“ nannte. Betreuer gaben den Radrennfahrern am Streckenrad Trinkflaschen mit den unterschiedlichsten Mischungen. Von Koffein, über Alkohol bis hin zu Nytroglycerin war alles in den Flaschen enthalten. 1886 musste der erste Dopingtote vermeldet werden. Beim Radrennen von Bordeaux nach Paris starb der Engländer Linton an einer Überdosis Trimethyl. Selbst im Zweiten Weltkrieg wurden Menschen leistungsfördernden Mitteln ausgesetzt. Die so genannte „Fliegerschokolade“ beinhaltete vor allem Amphetamine, welche den Piloten zu mehr und besserer Leistung bringen sollte. In den 50er Jahren im 20. Jahrhundert setzte die „anabole Phase“ ein. Das erste olympische Todesopfer musste bei den Spielen in Rom vermeldet werden. Der aus Dänemark stammende Knut Enemark Jensen fiel von seinem Rennrad und starb. Stimulanzien waren die Todesursache. Zwischen 1960 und 1970 begannen die ersten Anti-Doping-Vorkehrungen, die mit einer Liste verbotener Substanzen begannen und weiterführend mit ersten Dopingkontrollen vollzogen wurden. Doping wir bis dahin „individuell“. Jeder Sportler trug selbst Verantwortung für das, was er einnahm und verwendete. Anders war es in der damaligen DDR. Doping wurde hier staatlich angeordnet und kontrolliert. Sport war damals politisches Instrument für den Sozialismus. Staatsführung, Trainer, Betreuer, Ärzte und Funktionäre waren an dem Massendoping beteiligt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben sich Dopingmethoden und –Kontrollen vielseitig weiterentwickelt. Nicht nur im Hochleistungssport, sondern auch im Amateurbereich werden leistungssteigernde Substanzen verwendet. Fitness- und Bodybuilderbereich sind am stärksten davon betroffen. Die Europäische Union setzt mehr und mehr daran, Doping zu verfolgen und weitestgehend zu kontrollieren. 1998 und 2006 ereigneten sich dennoch zwei große Dopingskandale im Radsport. Die Tour de France gab großen Nährboden für Dopingeinsatz, da die Sportler über eine lange Dauer starken körperlichen Belastungen ausgesetzt ist.[8]

[...]


[1] Vgl. Bette, Karl-Heinrich; Schimank, Uwe: Biographische Dynamiken im Leistungssport. Möglichkeiten der Dopingprävention im Jugendalter, Köln: Sport und Buch Strauß (2002), S. 341

[2] Ebd.

[3] Vgl. Bette, Karl-Heinrich ; Schimank, Uwe: Die Dopingfalle. Soziologische Betrachtungen, Bielefeld: transcript (2006)

[4] Vgl. http://www.wada-ama.org/rtecontent/document/Code_deutsch.pdf , 17.2.07 (2004) (o.V.), S. 10 ff.

[5] Vgl. Donike, M.; Rauth, S.: Dopingkontrollen. Sport und Buch Strauß, Köln (1996), S. 1.

[6] Vgl. http://www.dshs-koeln.de/biochemie/rubriken/01_doping/01.html, 17.02.07 (o.V.) (o.J.)

[7] Vgl. Rathgeber, Tobias: Doping. Eine Gefahr für den Jugendsport? Berlin: Weißensee-Verlag (2004), S. 17

[8] Brockhaus Enzyklopädie, Mannheim (2002)

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638716659
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73037
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Soziologie
Note
2,1
Schlagworte
Doping Sport Kriminalisierung Legalisierung Motivation Theorien Verhaltens

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