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Probleme interner Organisationsdemokratie und das eherne Gesetz der Oligarchie nach Robert Michels

Seminararbeit 2006 17 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakteristika einer Organisation im Hinblick auf ihre Struktur

3. Probleme interner Organisationsdemokratie ausgehend von der Parteiensoziologie nach Robert Michels
3.1. Ursprung der Untersuchung von Problemen interner Organisationsdemokratie
3.2. Michels Ätiologie der Oligarchie

4. Probleme durch die Entstehung von Oligarchie in Organisationen

5. Konzepte zur Verdeutlichung der Eigenschaften und Probleme organisationsinterner Demokratie
5.1. Das Konzept der direkten organisationsinternen Demokratie
5.2. Das Konzept der repräsentativen organisationsinternen Demokratie
5.3. Das Konzept des demokratischen Zentralismus

6.Zusammenfassung und Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des von mir besuchten Seminars zur Organisationssoziologie erhielt ich in Form eines Referats die Möglichkeit, mich mit den Problemen, die in Bezug auf Organisationen und deren interne Organisationsdemokratie auftauchen, näher zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang soll nun im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit näher beleuchtet werden, inwiefern gravierende Probleme bezüglich der organisationsinternen Demokratie überhaupt bestehen beziehungsweise wo hierbei die Ursachen für das jeweilige Problem zu finden ist. Im Zuge dessen soll jedoch zu allererst geklärt werden, was grundsätzlich unter dem Begriff Organisation im Hinblick auf die innere Struktur zu verstehen ist. Des weiteren sollen die Ursprünge für die Untersuchung der genannten Problemgruppe gefunden werden und anhand der Ätiologie der Oligarchie nach Robert Michels näher erläutert werden. Zudem sollen einzelne bedeutende Faktoren der Oligarchie herausgestellt werden und verknüpft werden mit Problemen, die durch eine oligarchische Organisationsführung entstehen. Anschließend werden die Erkenntnisse bezüglich der Problematik der Oligarchie durch ausgesuchte Konzepte zur innerorganisatorischen Demokratie verdeutlicht.

Abschließend sollen die einzelnen Erkenntnisse nochmals kurz benannt und dann zu einem Fazit zur Lösung der Problematik organisationsinterner Demokratie zusammengefasst werden.1

2. Charakteristika einer Organisation im Hinblick auf ihre Struktur

Um den Begriff der Organisation in einem organisationssoziologischen Kontext näher zu erläutern und definieren, muss man ihn zunächst von seiner alltagssprachlichen Bedeutung abgrenzen. Entgegen seiner sozialwissenschaftlichen Bedeutung versteht man in der Alltagssprache unter dem Begriff Organisation entweder die explizite Tätigkeit des Organisierens oder aber den Zusammenschluss einer Gruppe von Menschen, die für eine Sache eintreten beziehungsweise etwas mit mehreren Personen durchsetzen möchten, das womöglich nicht durch eine einzelne Person durchzusetzen wäre. Fragt man nach expliziten Beispielen für Organisationen, so fallen zumeist Begriffe wie Parteien oder Gewerkschaften. Im sozialwissenschaftlichen Sprachgebrauch wird der Begriff der 3 Organisation jedoch weiter gefasst als in der Alltagssprache, da auch “Zusammenschlüsse von Menschen” wie zum Beispiel Schulen, Krankenhäuser oder Supermärkte darunter fallen, die in der Alltagssprache hingegen eher selten als Organisationen, sondern mehr als Institution oder Organisation bezeichnet werden. Grundsätzlich werden in der Soziologie solche Zusammenschlüsse von Menschen als Organisationen bezeichnet, die sich durch folgende vier Merkmale auszeichnen. Erstens entstehen Organisationen dadurch, dass die beteiligten Akteure zur Verwirklichung der angestrebten gemeinsamen Interessen bestimmte und benötigte Ressourcen zusammenlegen. Wird beispielsweise die Produktion einer bestimmten Ware angestrebt, so gibt der eine Akteur sein Stück Land, um die Produktionsanlage errichten zu lassen, während ein anderer mit seinem Kapital Maschinen zur Herstellung kauft.

Zweitens ist im Bezug auf die Merkmale von Organisationen zu bemerken, dass sie, was die Verwirklichung der angestrebten Interessen angeht, arbeitsteilig unterteilt sind, das heißt nicht alle Beteiligten beschäftigen sich mit der gleichen Aufgabe, sondern jeweils mit unterschiedlichen Teilbereichen des Projektes. Die Unterteilung in die verschiedene Aufgabenbereiche und die Zuordnung von Personen zwecks der Erfüllung der jeweiligen Aufgabe geschieht jedoch nicht willkürlich sondern nach bestimmten jeweils festgelegten Voraussetzungen wie beispielsweise durch eine bestimmte Qualifikation, die mitgebracht werden muss, oder aber anhand bestimmter ökonomischer Gegebenheiten, die beachtet werden müssen. Als drittes Merkmal ist zu erwähnen, dass Organisationen stets mit einer sogenannten Leitungsinstanz versehen sind, welche die internen Prozesse, wie zum Beispiel die Verteilung von Ressourcen und die Aufgabenzuteilung, steuert und koordiniert. Sie vertritt zudem die Organisation als leitendes Element nach außen und trägt die Verantwortung für die zweckmäßige Erreichung und Erfüllung der angestrebten Interessen. Als letzter und damit auch zugleich abschließender Punkt zum Kapitel über die Charakteristika einer Organisation soll noch erwähnt werden, dass Organisationen immer auch über eine entweder formelle oder auch informelle Verfassung verfügen, welche unter anderem die hierarchischen Strukturen innerhalb der Organisation festlegt und Rechte und Pflichten für alle Beteiligten nochmals durchsichtig macht und festhält. Die jeweilige Verfassung wird immer auch in Anlehnung an kulturelle und rechtliche Rahmenbedingungen erstellt, die in der jeweiligen Gesellschaft vorherrschen.

3. Probleme interner Organisationsdemokratie ausgehend von der Parteiensoziologie nach Robert Michels

Nachdem auf den vorangehenden Seiten erläutert wurde, was aus sozialwissenschaftlicher Sicht unter dem Terminus der Organisation zu verstehen ist, soll im Folgenden nun näher auf die Organisationssoziologie mit ihrer Fragestellung nach den Problemen interner Organisationsdemokratie eingegangen werden. Dafür soll zunächst der Ausgangspunkt für jene Diskussion erläutert und anschließend anhand der Ätiologie der Oligarchie verdeutlicht werden.

3.1. Ursprung der Untersuchung von Problemen interner Organisationsdemokratie

Obwohl sich die Diskussion und die verschiedenen Meinungen zur Problematik der internen Organisationsdemokratie bereits seit mehreren Jahrzehnten hinzieht, so fußen ihre wesentlichsten Erkenntnisse nach wie vor auf der Untersuchung des deutschen Soziologen Robert Michels aus dem Jahre 1911.

Michels nennt als Kernpunkt seiner Untersuchung das starke Missverhältnis zwischen der innerorganisatorischen Willensbildung einerseits und dem internen Wertesystem der Organisation und bezieht seine Erkenntnisse auf die Untersuchung von sozialistischen Parteien aus jener Zeit. Aufgrund seiner Beobachtungen stellt er die These auf, dass in großen und somit oft auch strukturell sehr komplexen Organisationen die angestrebte demokratische Willensbildung durch eine oligarchische Führung, das heißt eine Führung durch eine bestimmte Gruppe bzw. eine kleine Clique, welche durch die Führung persönliche Vorteile zieht, ersetzt wird.2 3

Bevor nun auf die einzelnen Probleme eingegangen wird, die eine solche Oligarchie- Tendenz mit sich bringt, soll zuvor kurz erläutert werden, warum es in Organisationen grundsätzlich im Bezug auf die demokratischen Strukturen überhaupt zu Problemen kommt. Frieder Naschhold rezitiert in seinem Werk “Organisation und Demokratie” namenhafte Soziologen wie Habermas, Weber und Presthus, welche die Hauptursache für die Problematik hauptsächlich in der Entwicklung zweier gesellschaftlicher Tendenzen sehen. Einerseits in dem entstandenen Missverhältnis zwischen der verfassungsmäßig institutionalisierten Demokratie und deren tatsächlicher Verwirklichung. Dies wirkt sich beispielsweise dadurch aus, dass die Bevölkerung zwar die Möglichkeit hat durch Wahlen eingeschränkt politisch mitzubestimmen, es aber in manchen Fällen, wie bei der Betrachtung so mancher Wahlbeteiligungsstatistik auffällt, nur in sehr geringem Maße tut. Andererseits liegt der Problemherd darin, dass moderne Gesellschaften, wie man sie heute kennt, mehr und mehr auf funktionaler Ebene ausdifferenziert werden. Dies geschieht vornehmlich durch die zunehmende Bürokratisierung der gesamten Geschäfts- und auch Lebenswelt und zum anderen dadurch, dass der Großteil der gesellschaftlichen Aufgaben in immer stärkerem Maße durchorganisiert wird, was sich durch eine verstärkte Arbeitsteilung und die Kontrolle durch hoch formalisierte Institutionen geschieht. Im Bezug auf die einzelne Organisation führt dies zu entscheidenden Vorteilen für die jeweilige Führungsschicht, da dieser auf diese Art und Weise mehr und mehr Freiheiten eingeräumt werden, da die Führungsschicht selbst die Organisationsstruktur gestaltet und sie somit auch dahin führen kann, dass die übrigen einfachen Mitglieder der Organisation beispielsweise von internen Entscheidungen ausgeschlossen werden können.4 Michels fügte diesen zentralen Erkenntnissen zwei weitere Hypothesen hinzu, ohne die eine weitere Untersuchung der Problematik überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Er sieht den Grund für den Austausch von demokratischer Willensbildung in Organisationen gegen eine oligarchische Führung zum einen in der Inkompetenz der Massen auf mehreren Ebenen, welche er massenpsychologisch zu begründen versucht, jedoch dieser Zusammenhang von vielen Soziologen kritisiert und abgelehnt wird. Zum anderen postuliert Michels den technologischen Determinismus, das heißt, er geht davon aus, dass die innerorganisatorische Oligarchie nicht mehr oder weniger ist als die Funktion der Bürokratie in Organisationen, welche sich dann wiederum auf die jeweilige Komplexität der Organisation zurückführen lässt.

Bei der Beschreibung der gesellschaftlichen Tendenzen wird bereits immer schon versteckt auf die von Robert Michels formulierte Oligarchie-Tendenz verwiesen, die von vielen Soziologen als Kernpunkt für die Entstehung der Problematik zur organisationsinternen Demokratie gesehen wird. Aufgrund dessen soll im folgenden Abschnitt noch ein Schritt 6 weiter gegangen werden und die Oligarchie-Tendenz in ihren inhaltlichen Aspekten durch die Erläuterung von Michels Ätiologie der Oligarchie erweitert werden, also mit einer Erklärung der Ursachen für die bestehende Oligarchie.

3.2. Michels Ätiologie der Oligarchie

Im Zuge seiner Untersuchungen zur Parteiensoziologie spricht Michels mehr und mehr nicht mehr nur von einer gewissen Oligarchie-Tendenz, sondern vom Gesetzescharakter der historischen Notwendigkeit der Oligarchie. Er geht davon aus, dass neben den bereits genannten Ursachen, nämlich der Bildung der Führerschichten untereinander im Zuge der Bürokratisierung und der geistigen Apathie der Massen innerhalb der Organisation, auch ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle einnimmt. Dieser Faktor lässt sich wohl am ehesten damit beschreiben, dass die jeweilige Führerschaft sich durch ein extremes Geltungsbedürfnis und sich durch die Schaffung einer technischen Notwendigkeit ihrer Tätigkeit selbst unentbehrlich für das Funktionieren einer Organisation macht.5 Gerade durch die Implementierung einer Führerschicht in einer Organisation nimmt auch die von Michels beschriebene Ätiologie ihren Lauf, denn aus den Führern, die ihre Aufgabe zuerst in aller Regel nur nebenamtlich und unentgeltlich erfüllen, da sie aus der spontanen Notwendigkeit erwächst, werden schnell zu berufsmäßigen Führern. Die Schaffung eines berufsmäßigen Führertums, zum Teil auch aus Gründen der Routiniertheit der Handlungen, wird zudem unentbehrlich, da diese sich durch ein spezielles Wissen und eine spezielle Kenntnis der Umwelt auch intellektuell von übrigen Organisationsmitgliedern abgrenzen und auf diese Art und Weise ihren größten Rechtsanspruch dadurch erhalten, dass sie in ihrer Funktion nicht mehr aus der Organisation wegzudenken sind. Die Professionalisierung der Führungsschicht ist jedoch nur die Einleitung für die Einführung eines stabilen oder auch inamoviblen Führertums. Es kommt mehr und mehr zu einer Verselbstständigung der Bewegung der Führer, die nicht mehr nur gewählte Personen zur Erfüllung einer bestimmten Pflicht sind, sondern zu Führern auf Lebenszeit werden, die nicht einfach nur delegieren, sondern ein explizites Recht auf die Delegation der Massen haben.

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1 Büschges / Abraham, Einf ü hrung in die Organisationssoziologie, Stuttgart, 1997, Teubner Verlag, S. 17 - 22

2 Naschold, Organisation und Demokratie, Stuttgart, 1972, Verlag W. Kohlhammer GmbH, S. 12f.

3 Lenk/Neumann (Hrsg), Theorie und Soziologie d. pol. Parteien II, Darmstadt, 1974, Luchterhand Verlag, S. 3-12 5

4 Naschold, Organisation und Demokratie, Stuttgart, 1972, Verlag W. Kohlhammer GmbH, S. 7f.

5 Michels, Zur Soziologie des Parteiwesens, Stuttgart, 1970, Kröner Verlag, S. 368f. 7

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638735858
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72999
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Schlagworte
Probleme Organisationsdemokratie Gesetz Oligarchie Robert Michels Seminar

Autor

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