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Individuum, Masse und Gruppe - Abgrenzung und ihre Bedeutung für die Organisation

Seminararbeit 2007 22 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Das Individuum
2.2 Die Gruppe
2.3 Die Masse und der Versuch einer Abgrenzung zur Gruppe

3. Ergänzende Anmerkungen aus anderen Bereichen

4. Bedeutung des Gruppenbegriffs für Organisation und Individuum

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

„Jeder, sieht man ihn einzeln, ist leidlich klug und verständig;

sind sie in corpore, gleich wird ein Dummkopf daraus.“

- Schiller, (in: GEYER, 1954, S. 124)

„Individuum und Gruppe“ ist das Thema des dieser Arbeit zugrundeliegenden Seminars, und diese Abgrenzung zwischen Individuum und Gruppe, ergänzt um einige Anmerkungen zur Differenzierung zwischen der Bildung einer Gruppe und der Bildung einer Masse, soll auch das Thema meiner Arbeit sein.

Einmal mehr wird - und wurde für mich im Verlaufe des Verfassens dieser Arbeit auch hier - klar, daß im Rahmen einer Hausarbeit nur ein sehr kleiner und letztlich stark reduzierter Bereich sozusagen holzschnittartig herausgearbeitet werden kann.

Insofern möchte ich mich – so ist es jedenfalls am Anfang der Arbeit als Entschluß gereift – auf die Verhältnisse in Gruppen vor allem aus psychologischer Sicht, die Abgrenzung des Einzelnen in der Gruppe sowie die grundlegenden Unterschiede und die Differenzierung zwischen den Begriffen Gruppe und Masse (Masse hier in psychologischer Sicht gemeint) beschränken.

Am Anfang steht die Klärung der Begriffe Individuum, Gruppe und Masse. Diese soll sowohl rein lexikalisch und ethymologisch, im zweiten Schritt aber auch vor dem Hintergrund verschiedener zugrunde liegender Theorien erfolgen.

Wenig Gewicht muß ich aus Gründen des beschränkten vorgegebenen Rahmens auf den viel gebrauchten und womöglich doch unscharf als Begriff definierten Terminus des Teams legen, der weiterhin einer genaueren Betrachtung harrt.

Wenn es unter Berücksichtigung des vorgegebenen Rahmens möglich sein sollte, soll ein Querverweis auf die Bereiche der Führung erfolgen, in welchen – wie in allen anderen Bereichen des Managements im allgemeinen und im Gesundheitswesen im besonderen – die Dynamik zwischen der Gruppe (Team?) und dem Einzelnen eine besonders tragende Rolle spielt oder zu spielen scheint.

Fast jeder Betrachter – oder zumindest jeder, der sich schon einmal in sozialen Bezügen mit anderen Menschen befunden hat, aus denen er aus verschiedenen Gründen nicht ausweichen konnte, hat sich sicherlich schon einmal die Frage gestellt, weshalb es so einfach zu fallen scheint, gewisse Beschlüsse für sich alleine zu fassen, und weshalb es dann – im Angesicht von mehreren (vielen?) anderen so schwierig wird, diese Beschlüsse auch „durchzuziehen“.

Dies gilt sowohl im ganz privaten Rahmen – beispielsweise bei Fragen der Partnerschaft und der Beziehung -, aber auch im Rahmen von beruflichen Prozessen aller Art. Hier sei natürlich einmal das Verhältnis zwischen Vorgesetztem und Untergebenen genannt, aber auch die oft schwierigen und widersprüchlichen Beziehungen zwischen den gleichberechtigten (?) Mitgliedern eines Teams (?) oder einer Gruppe (?).

Manchmal kann es dann auch zu Massen suggestionen oder Massen hysterien kommen, wenn ganze (Berufs-)Gruppen aufeinanderprallen oder suggeriert wird, mancherlei Entwicklung sei überflüssig oder eine (Berufs-)Gruppe entbehrlich. Beispiele aus den Bereichen der Gruppendynamik und der Prozesse, die in Gruppen und in Massen ablaufen, lassen sich sicherlich viele finden. (Konkret wird derzeit z.B. der Berufsgruppe der Pflegekräfte durch Wort und Tat suggeriert, sie sei in recht großer Zahl entbehrlich, obwohl sie es bekanntlich de facto nicht ist.)

Im folgenden möchte ich versuchen, mich weitgehend auf die absolut grundlegenden Bereiche der Gruppendynamik zu beschränken und in diesem Zusammenhang vielleicht auch einige Erkenntnisse niederlegen, die wir im Laufe des nun zurückliegenden Semesters im hier zugrunde liegenden Seminar gewonnen haben. Ein gewisser Schwerpunkt liegt hier naturgemäß auf dem Bereich Gesundheitswesen.

Ich danke der Dozentin Frau Professor Scherer für die freundliche Überlassung und Bearbeitung des Themas, besonders aber für die Arbeit mit ihr im Seminar des nun zurückliegenden Semesters, dessen Inhalte die Grundlage für diese Arbeit darstellen.

2. Begriffsklärungen

2.1 Das Individuum

Der Begriff „individuus“ oder „individuum“ heißt – entlehnt aus dem Lateinischen - zunächst einmal nichts anderes als unteilbar, das Unteilbare. Es sei die Anmerkung erlaubt, daß „atomos“, der griechische Stamm des deutschen „Atom“, letztlich nur in Nuancen etwas anderes bedeutet: unzerschneidbar, letzthin: unteilbar. Durch Erkenntnisse der Quantenphysik weiß man, daß auch dieser Begriff sehr stark relativierbar ist.

Der Begriff Individualität leitet sich vom Individuum ab und meint, daß jeder seine eigene Rolle innehat und - vor allem anderen – unverwechselbar ist oder zu sein scheint. Der Begriff der Individualität aber impliziert schon eine Wertung. Wenn man sich ins Gedächtnis ruft, wer individuell zu sein glaubt und dennoch einer Gruppe anhängt oder gar eine Massenbewegung mitmacht, muß man auch diesen Begriff relativieren. Ohne wissenschaftliche Quellen zu bemühen, stelle man sich einmal die Frage, wie Individualreisen mit mehr als einem Teilnehmer zustande kommen können. Und dennoch finden sie jedes Jahr vielfach statt. Sind die Teilnehmer nun Individuen, Individualisten oder doch eine Gruppe? Oder schon eine Masse? Tourismusforscher beklagen den Massentourismus in ökologisch sensitiven Gebieten und versuchen den Zustrom von Touristen zu begrenzen, die als Individual-Reisegruppen diese Gebiete kennenlernen wollen. Es scheint schon hier Widersprüche zu geben, die naturgemäß auch in der Organisation des Gesundheitswesens zum Tragen kommen könnten.

2.2 Die Gruppe

„In Gruppen ist die Kommunikation von allen überschaubar, man agiert face to face. Die Möglichkeit dazu ist an eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern gebunden; wo mehr als 20 Teilnehmer in einem Verband zusammen sind, kann man nicht mehr von Gruppe reden. Es ist zu beobachten, daß es spätestens ab dieser Größe zu Gruppenteilungen kommt. In Organisationen dagegen wird indirekt, das heißt über Vermittlungsinstanzen, (...) kommuniziert – eine ständige Quelle von Verunsicherung für Personen und Fehlern in der Sache.“ (HEINTEL & KRAINZ, 2000, S. 71)

Die Gruppe als Begriff an der in ihr zusammengeschlossenen Anzahl von Menschen (Individuen) festzumachen bzw. sie darauf zu reduzieren, würde wohl dem Begriff der Gruppe nicht ganz gerecht.

Vielmehr ist die Größe der Gruppe und / oder die Anzahl der Gruppenmitglieder ein Kriterium, welches sicherlich für die Abgrenzung des Gruppenbergiffs von hoher Bedeutung ist.

Ein weiteres, mir fast wichtiger erscheinendes Kriterium ist aber die Gruppen-kohäsion, um es einmal so zu bezeichnen. Unter diesem Begriff kann man alles zusammenfassen, was die Gruppenmitglieder sozusagen „zusammenschweißt“, bindet. Die wichtigsten Parameter, die eine gute Gruppenkohäsion fördern, wären wohl:

- Vertrauen
- Möglichkeit gegenseitiger Kontrolle
- Intaktes Binnenleben der Gruppe
- Abschottung nach „außen“, gegenüber „Anderem“, „dem Staat“, „der Organisation“, „dem Chef“, „denen da oben“ usw.
- Gemeinsame Ideen, Überzeugungen, Werte, ...

(entlehnt aus HEINTEL & KRAINZ, 2000, S. 72 f.)

„Gruppe bedeutet daher definitionsgemäß Ausschluß anderer.“

(HEINTEL & KRAINZ, 2000, S. 72 f.).

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Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638733496
ISBN (Buch)
9783638735179
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72938
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,3
Schlagworte
Widerstand Phänomen Organisationspsychologie Berücksichtigung Veränderungsprozessen) Seminar

Autor

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