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Neurodermitis im Kindesalter. Bedeutung der Ernährung und Patientenschulung als mögliche Interventionsmaßnahme

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 42 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG

2. DARSTELLUNG DER ERKRANKUNG
2.1. Definition
2.2. Krankheitsbild
2.2.1. Hauttrockenheit
2.2.2. Störungen der vegetativen Hautfunktion
2.2.3. Veränderte Keimbesiedlung der Haut
2.3. Krankheitsverlauf
2.4. Diagnose
2.4.1. Abgrenzung der Neurodermitis zu ähnlichen Hauterkrankungen
2.4.2. Abgrenzung der Neurodermitis zu Allergien
2.5. Ursachen/ Auslöser
2.5.1. Genetische Faktoren
2.5.2. Psychische Faktoren
2.6. Epidemiologie/ Häufigkeit
2.7.Therapien
2.7.1. Antientzündliche Behandlung
2.7.2. Maßnahmen gegen der Juckreiz
2.7.3. Vermeidung von Provokationsfaktoren
2.7.4. Darmsanierung
2.7.5. Klimatherapie
2.8. Folgen der Neurodermitis für die kindliche Entwicklung

3. ZUSAMMENHANGZWISCHEN ERNÄHRUNG / NAHRUNGSMITTELALLERGIEN UND NEURODERMITIS
3.1. Krankheitszeichen einer Nahrungsmittelallergie
3.2. Verträglichkeiten von bestimmten Nahrungsmitteln
3.3. Auf welche Weise werden Nahrungsmittelallergien ausgelöst?
3.4. Testverfahren zur Feststellung einer Nahrungsmittelallergie
3.4.1. Der Prick- und Intrakutantest
3.4.2. Der Scrach- und Reibe- Test
3.4.3. Der RAST- Test
3.4.4. Der Provokationstest
3.5. Diäten bei einer festgestellten Nahrungsmittelallergie
3.5.1. Die Eleminationsdiät
3.5.2. Die Rotationsdiät

4. SCHULUNGSMASSNAHMEN
4.1. Schulungsinhalte
4.1.1. Prävention
4.1.2. Akzeptanz und Mitwirkung bei der Behandlung
4.1.3. Soziale Fertigkeiten

5. SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

EINFÜHRUNG:

Die Neurodermitis ist die häufigste Hauterkrankung im Kindes- und Jugendalter. In ihrer Erscheinungsform und ihrem Verlauf stellt sie sowohl für die betroffenen Kinder, als auch für die Eltern und das unmittelbare Umfeld eine große Belastung dar. Die körperlichen Symptome, insbesondere der quälende Juckreiz, sowie das soziale Stigma, das die Betroffenen aufgrund der deutlich sichtbaren Entstellung der Haut erleben, wirkt sich gerade im Kindes- und Jugendalter nachteilig auf die Entwicklung der Erkrankten aus.

Obwohl die Erkrankung Neurodermitis schon seit Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben und namentlich benannt ist, ist sie für Mediziner immer noch ein kleines Rätsel. Bis heute bestehen keine genauen Kenntnisse über die Ursachen für die Entstehung der Erkrankung. Dennoch ist die Erkrankung sehr aktuell, da sie an Häufigkeit zunimmt.

Das Thema hat unser Interesse geweckt, da wir in einer Einrichtung für behinderte Menschen tätig sind und dort eine junge Frau betreuen, die an Neurodermitis erkrankt ist. Durch die intensive Arbeit mit der Klientin ist uns die Auswirkung der Erkrankung bewusst geworden und folglich die Notwendigkeit zur Beschaffung von umfangreichen Informationen.

Wir werden in unserer Arbeit zunächst einen Überblick über die Erkrankung geben. Dabei gehen wir auf das Krankheitsbild, den Krankheitsverlauf , die Diagnosestellung und mögliche Ursachen ein. Weiterhin möchten wir beleuchten, welche Faktoren die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung begünstigen und Interventionsmöglichkeiten aufzeigen. Insbesondere die Themen „Ernährung“ und „Patientenschulung“ werden wir genauer herausarbeiten.

2.1. Definition

Die Neurodermitis ist eine entzündliche Hauterkrankung, für die es verschiedene Bezeichnungen gibt. Sie ist auch unter dem Namen atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem, bekannt. Zwischen den Bezeichnungen Ekzem und Dermatitis gibt es keine bedeutsamen Unterschiede. Beides sind Begriffe, die eine Entzündung kennzeichnen. Die Entzündung ist die häufigste krankhafte Veränderung der Haut. Sie ist immer mit Juckreiz verbunden. Atopie bedeutet "erbliche Veranlagung zum Anders-Reagieren". Der Körper und sein Immunsystem neigen zu übermäßigen Reaktionen. Die Bezeichnung Neuro- dermitis besagt, dass bei den auftretenden Hautveränderungen neurologische Aspekte eine Rolle spielen, die Nerven und auch die Psyche sind beteiligt (vgl. Hellermann, Mechthild; 1999; S. 10).

2.2. Das Krankheitsbild

Die Neurodermitis ist gekennzeichnet durch auffällige Hautreaktionen, wie Rötungen, knötchenartige Verdickungen (Papeln), Bläschen (Ödeme) und Verkrustungen. Insgesamt ist die Haut der Neurodermitiker sehr trocken, überempfindlich und hyperreagibel (vgl. Allergie konkret, 3/2000, S. 36).

Störungen der Neurodermitis- Haut

Die Haut der Neurodermitiker weist verschiedene typische Funktionsstörungen auf. Die drei wichtigsten Störungen der Haut werden nachfolgend erläutert:

2.2.1. Hauttrockenheit

Die Neurodermitishaut ist insgesamt trocken. Merkmale sind die verstärkte uhigkeit und eine Schuppung der Haut. Die Folge ist eine gestörte Barrierefunktion. Das bedeutet, die Neurodermitis- Haut verliert zuviel Feuchtigkeit und enthält dadurch auch zuwenig Feuchtigkeit. Durch die gestörte Hautbarriere können Umweltstoffe, wobei es sich dabei nicht nur um schädliche Stoffe handeln muss, leichter die irritierte Haut durchdringen.

Ebenso wie eine verminderte Fähigkeit der Haut Feuchtigkeit zu speichern ist auch eine Verminderung spezieller Hautfette, besonders der Ceramide, typisch für die Neurodermitiker- Haut. Die Zusammensetzung und Funktion der Haut lässt sich durch bestimmte Methoden nachweisen. Die Veränderungen zeigen sich bereits in der nicht entzündeten Haut, die auf dem ersten Blick gesund erscheint. Im Falle der akuten Entzündung sind die Merkmale jedoch wesentlich stärker ausgeprägt. Die Bedeutung der Hautfette, besonders der Ceramide, wird in letzter Zeit vermehrt untersucht. Man geht davon aus, dass die Ceramide die Funktion eines Botenstoffes in der Zelle erfüllen können und dadurch Einfluss nehmen auf die Differenzierung der Zellen und die Regulation des Zellzyklus. Manche Experten betrachten die trockene Haut der Neurodermitiker als genetisch bedingte Eigenschaft, während andere auf die variable Natur der Trockenheit hinweisen, die sich bei vielen Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung schnell ändern kann. (vgl. Ring, Johannes; 2000; S. 17 f.)

2.2.2. Störungen der vegetativen Hautfunktionen

Das vegetative Nervensystem regelt alle automatisch ablaufenden Vorgänge im Körper, so z. B. die Weite der Blutgefäße, die Aktivität der Schweißdrüsen, die Verdauungsvorgänge usw. Bei Menschen mit Veranlagung zur Neurodermitis geht man von einer angeborenen Störung dieses komplizierten Regulationssystems aus.

Der Mechanismus der Regulationsstörung im vegetativen Nervensystem konnte bis heute noch nicht vollständig geklärt werden. Bisher bekannt ist, dass Nervenzellen Botenstoffe, sog. Neurotransmitter, in die Blutbahn oder ins Gewebe ausschütten. Welche Funktion diese Botenstoffe haben, ist nicht genau bekannt, man vermutet eine Wirkung auf die Blutgefäße und auf die in der Blutbahn befindlichen Zellen, die einen wichtigen Bestandteil des Immunsystems darstellen. Der genaue Ablauf dieser komplizierten "Dialoge" im Körper konnte noch nicht im einzelnen erforscht werden. Auf der Ebene der Neurotransmitter kann vielleicht eines Tages der Zusammenhang zwischen Hauterscheinungen und seelischen Zuständen erklärt werden. Hierzu ist jedoch bisher sehr wenig gesichertes bekannt. (vgl. Ring, Johannes; 2000; S. 18)

2.2.3. Veränderte Keimbesiedlung der Haut

Unsere Umwelt und somit auch unsere Haut sind von einer Vielzahl verschiedenster Bakterien und Pilze (Keime) bevölkert. Grundsätzlich sind nicht alle Keime schädlich. Unser Immunsystem ist so konzipiert, dass es normalerweise mit den uns umgebenden Keimen zurechtkommt. Wenn jedoch durch bestimmte Umstände das Gleichgewicht der Keime auf unserer Haut gestört ist, kann es einzelnen Keimen gelingen sich unverhältnismäßig stark zu vermehren und andere verdrängen. Diese Situation kann krank machen und den Hautzustand verschlechtern. Die Keimbesiedelung der Neurodermitis-Haut unterscheidet sich vor allem dadurch, dass der Eitererreger Staphylococcus aureus bei über 90 % der Patienten der vorherrschende Hautkeim ist. Die Anzahl dieses Eitererregers nimmt, abhängig vom akuten Krankheitsbild der Hautveränderungen, zu. Im Einzelfall kann es notwendig sein diese Keime entweder von außen oder manchmal sogar von innen mit Antibiotika zu bekämpfen. (vgl. Ring, Johannes; 2000; S. 18 f.)

2.3. Der Krankheitsverlauf

Das Ekzem zeigt grundsätzlich einen lebensalterbezogenen stadienhaften Verlauf, mit unterschiedlicher Ausprägung und unterschiedlichem Befallsmuster. Die Neurodermitis beginnt in den meisten Fällen schon sehr früh, im Säuglingsalter zwischen dem 2. und 6. Lebensmonat. Spätere Erkrankungen sind eher selten. Im ersten Lebensjahr treten die Hautveränderungen vorwiegend im Gesicht (Stirn, Kinn und Wangen) sowie an Armen und Beinen auf und äußern sich als Rötungen, Schwellungen und nasse Stellen, zum Teil mit Bläschenbildung. Ein besonders charakteristisches und für die Betroffenen belastendes Symptom ist ein intensiver Juckreiz. Der Juckreiz wird von den kleinen Patienten mit starkem Kratzen beantwortet, was vorübergehend Erleichterung verschafft. Die aufgekratzten Stellen nässen jedoch sehr bald und es bilden sich Krusten auf der Haut. Häufig entsteht eine Sekundärinfektion.

Nach dem ersten Lebensjahr zeigt sich die Neurodermitis eher als Beugenekzem, es sind dann besonders die Gelenkbeugen (Ellenbogen, Hand-, Knie-, und Fußgelenke) sowie der Nacken und die seitlichen Halspartien betroffen.

Im Laufe der Kindheit nimmt die Krankheit in der Schwere häufig ab, kann aber in der Pubertät exazerbieren. Im Jugend- und Erwachsenenalter können zusätzlich Gesicht und Oberkörper befallen sein. Im späteren Verlauf können Kontaktallergien hinzukommen. In ca. 50 % der Fälle folgen der Neurodermitis ein Asthma bronchiale oder ein Heuschnupfen (vgl. Christophers, Enno; Haut- und Geschlechtskrankheiten, 1997, S. 76).

2.4. Diagnose

Das Krankheitsbild und der Verlauf sind entscheidend. Bei typischem Verlauf ist die Diagnose einfach. Das erste Anzeichen der Entwicklung einer Neurodermitis ist häufig der Milchschorf, eine Entzündung, die bei Säuglingen auftritt. Die Kopfhaut der Babys weist Verschorfungen auf. Der Name Milchschorf hat mit dem äußeren Erscheinungsbild zu tun und weist nicht etwa auf eine Milchallergie hin.

Die Schuppung und Rötung der Haut, sowie der intensive Juckreiz sind charakteristisch für eine Neurodermitis, aber zur Diagnose allein nicht ausreichend. Hier ist zusätzlich zu beachten, welche Hautpartien betroffen sind. Typisch ist auch eine veränderte Reaktion des Immunsystems. Der Körper produziert vermehrt Abwehrstoffe, besonders Immunglobuline der Klasse E. (vgl. Hellermann, Mechthild; 1999; S. 10 ff.)

In der nicht entzündeten Haut des Erkrankten kann man nach kräftigem Bestreichen der Haut eine Weißreaktion feststellen (weißer Dermographismus). Die Haut zeigt nach dem Bestreichen keine Rötung sondern eine weiße, aufgewölbte Linie. Weitere Symptome sind Gesichtsblässe, eine doppelte Unterlidfalte und eine auffällige Verdünnung der Augenbrauen nach außen.

(vgl. Rassner, Gernot; Lehrbuch Dermatologie; 1990; S. 100)

2.4.1. Abgrenzung der Neurodermitis zu ähnlichen

Hauterkrankungen

Es gibt eine im Kindesalter ebenfalls häufiger vorkommende Hauterkrankung, das "seborrhoische Ekzem". Diese Erkrankung zeigt ähnliche Symptome wie die Neurodermitis, deshalb ist die Abgrenzung mitunter nicht leicht. Im Gegensatz zur Neurodermitis tritt sie jedoch bereits in den ersten Lebenswochen auf und hat ein anderes Verteilungsmuster (behaarter Kopf, Hals- und Brustfalten des Säuglings). Das seborrhoische Ekzem ist von einem eher schwachen Juckreiz begleitet . Die Symptome verschwinden in der Regel nach einigen Wochen oder Monaten. Es gibt keine familiäre Häufung.

2.4.2. Abgrenzung der Neurodermitis zu Allergien

Unter "Allergie" verstehen wir eine spezifische übersteigerte Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems auf bestimmte natürliche oder künstliche Stoffe aus der Umgebung, die zur Krankheit führt.

Der Begriff "Atopie" (von griech. a - topos = falsch plaziert) bezeichnet eine familiär auftretende Neigung zum anders- Reagieren und zur Entwicklung bestimmter Krank- heiten, die oft mit Allergien verbunden sind:

- allergisches Asthma bronchiale
- allergischer Heuschnupfen und Bindehautentzündung
- atopisches Ekzem oder Neurodermitis

Diese Krankheiten entstehen auf der Basis einer Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten gegen Umweltstoffe, verbunden mit einer erhöhten Ig E- Bildung (bei 80 % der Neurodermitikern).Die Atopie ist teilweise immunologisch bedingt, unterliegt aber auch wichtigen nicht-immunologischen Faktoren. Atopie und Allergie sind nicht dasselbe, in diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass die Neurodemitis keine Allergie ist. Sie tritt jedoch sehr häufig zusammen mit Allergien auf.

Im Erwachsenenalter ist die Neurodermitis abzugrenzen vom allergischen Kontaktekzem. Die Hautveränderungen bei diesem Ekzem sind nahezu dieselben, wie bei der Neurodermitis. Hierbei kommt es ebenfalls zu einem starken Juckreiz. Die Entzündungen gehen jedoch zurück, wenn kein Kontakt mehr mit dem Allergen besteht

Allergologische Diagnostik

Zu den Provokationsfaktoren der Neurodermitis zählen besonders im Kindesalter Nahrungsmittel- und Aeroallergien (Stoffe, die über die Luft verbreitet werden, z. B. Pollenkörner). Die Provokationsfaktoren haben dabei eine individuell sehr unterschiedliche Wertigkeit. Das Herausarbeiten der für den Patienten jeweiligen Relevanz, stellt eine erhebliche Herausforderung der hautärztlich-allergologischen Diagnostik dar. Die allergologische Diagnostik ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für das Erstellen eines individuellen Behandlungskonzepts.

Die Allergie-Diagnostik umfasst vier aufeinander aufbauende, sich gegenseitig

ergänzende Schritte:

- Vorgeschichte (Anamnese)
- Hauttestung
- In-vitro-Diagnostik (Blutuntersuchung zum Nachweis spezifischer IgE- vermittelter Sensibilisierungen)

- Provokationstestung (man verabreicht dem Patienten allergieverdächtige Substanzen und beobachtet seine Reaktion)

2.5. Ursachen

Die genaue Ursache für die familiär gehäuft auftretende Erkrankung ist noch nicht bekannt. Die meisten Fachleute sind sich heute darüber einig, dass viele verschiedene Faktoren als Ursachen und Auslöser für die Neurodermitis verantwortlich sind. Zunächst besteht eine Veranlagung zu einer Überempfindlichkeit der Haut und eine ererbte Neigung zur Andersreaktion. Hinzu kommen psychische Faktoren, das soziale Umfeld und die Belastungen der Umwelt, die einen Krankheitsschub auslösen können. Häufig kommen Allergien auf bestimmte Antigene hinzu, die Allergie wird jedoch nicht als Auslöser der Neurodermitis angesehen.

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Details

Seiten
42
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638146012
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7292
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf – Sozialpädagogik
Schlagworte
Neurodermitis Kindesalter Bedeutung Ernährung Patientenschulung Interventionsmaßnahme Grundlagen Sozialmedizin Teil

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