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Das Problem der Sexualsprache und der Medien für die Sexualerziehung

Hausarbeit 2003 25 Seiten

Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schulrechtliche Grundlagen – Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten

2. Sexualität als Sprachproblem in der Schule
2.1 Warum ist Sprache in der Sexualerziehung so wichtig?
2.2 Die Rolle des Lehrers in der Sexualerziehung
2.3 Sexualisierte Sprache von Kindern
2.4 Bedeutungen der Sexualsprache
2.4.1 Sprachebenen der Sexualsprache
2.4.2 Welche Form der Sexualsprache ist in der Schule angemessenen?

3. Auswirkungen von Film und Fernsehen auf die Kinder und ihre Sexualität
3.1 Geschichte der Darstellung von Sexualität in den Medien
3.2 Bedeutung von sexuellen Darstellungen in den Medien für Kinder
3.3 „Bravo“ - geeignete Aufklärung für Kinder und Jugendliche?

4. Konsequenzen für die Sexualerziehung in der Grundschule

Einleitung

Die Schule hat einen gesetzlichen Erziehungsauftrag zu erfüllen, wobei die Sexualerziehung einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt. Sexualität gehört in jedem Alter und in jeder Phase der Entwicklung zum Menschen. Sie ist sowohl in körperlicher, geistig-seelischer als auch sozialer Sichtweise ein nicht wegzudenkender Faktor, da sie zur Entfaltung des Individuums und für die Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig ist: Sie ermöglicht nicht nur die Entstehung neuen Lebens, sondern sie trägt zusätzlich zu der Ausbildung einer eigenen Identität bei und ermöglicht so Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, um Nähe, Vertrauen, Geborgenheit, Lust, Zärtlichkeit und Liebe zu erfahren.

Ein wesentlicher Aspekt der schulischen Sexualerziehung soll die Vermittlung des notwendigen Wissens für ein Leben mit Sexualität sein, so dass in Zukunft möglichst Klischees und Vorurteile vermieden werden. Denn dieses Wissen soll Schülern die Zusammenhänge personaler, partnerschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Sexualität verstehen helfen, damit sie sich selbst ein eigenes Urteil bilden können. Durch die Reflexion eigener und fremder Erfahrungen sollen die Schüler die Möglichkeit haben, ihr eigenes Verhalten und das anderer Menschen zu verstehen und zu achten. Respekt und Toleranz soll denjenigen entgegengebracht werden, die sich von eigenem sexuellen Verhalten bzw. der Orientierung unterscheiden. Zusätzlich soll den Schülern vermittelt werden, die Würde eines jeden Menschen zu achten und nicht die Sexualität von anderen für eigene Zwecke zu nutzen.

Sexualerziehung in der Schule kann daher in erster Linie als Aufklärung angesehen werden, bei der eine positive Grundhaltung zur Sexualität, Grundkenntnisse über die eigene Sexualität und das Zusammenleben von Menschen als Richtziele angesehen werden können.[1]

1. Schulrechtliche Grundlagen – Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten

§ 96 Absatz 4 des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG) beschreibt die Mitwirkung der Erziehungsberechtigten in der Schule. Es handelt sich um eine zwingende Vorschrift für jeden Klassen- oder Fachlehrer, mit den Erziehungsberechtigten bzw. Eltern die Unterrichtsinhalte, -planungen und -gestaltungen zu erörtern, um die Eltern ausreichend früh über die vorgesehenen Unterrichtsinhalte zu informieren.[2] Zusätzlich hat die Lehrkraft so die Möglichkeit, auf Anregungen und Wünsche der Eltern eingehen zu können. Die pädagogische Freiheit des Lehrers bleibt dabei unberührt.

Besonders die Sexualerziehung fällt in den Bereich, über den die Eltern noch mehr als sonst schon in das Unterrichtsgeschehen eingebunden werden müssen, damit durch den gegenseitigen Informationsaustausch die schulische Sexualerziehung eine sinnvolle Ergänzung zum Elternhaus darstellt.[3] Denn die Sexualerziehung in der Schule berührt nicht nur Unterrichtsfächer: es werden biologische Fragen beantwortet, aber auch ethische, kulturelle und soziale Inhalte vermittelt.

Wie schon in der Einleitung beschrieben, gilt es als Ziel der Sexualerziehung, dass ein junger Mensch partnerschaftliches Verhalten in Ehe und Familie erlernt.[4] Dazu gehört, dass der Partner als eigenständige Person respektiert und gleichberechtigt behandelt, aber auch Verantwortung für die andere Person übernommen wird. Mit Rücksicht auf das Schamgefühl und die Einstellungen von Minderheiten müssen von Lehrerinnen und Lehrern auch Tabuthemen der Gesellschaft angesprochen werden.[5] Aus Achtung vor dem Erziehungsrecht der Eltern und dem Persönlichkeitsrecht des Schülers dürfen Erfahrungen aus dem Elternhaus der Kinder nicht im Unterricht thematisiert werden. Aber auch das Erzählen der eigenen Erlebnisse der Schüler darf nicht durch die Lehrkraft erzwungen und den Schülern ein bestimmtes Sexualverhalten als richtig oder falsch empfohlen werden. Vielmehr muss sie Toleranz üben und jedem Einzelnen überlassen, für welche Werte er sich entscheidet.[6]

Heranwachsende sollten sich der Hilfe der Erziehenden auch gewiss sein. Es bedarf der inneren Vorbereitung auf das Kommende. Dank solcher Hilfe wird es dann nicht vorkommen, dass ein Mädchen sich seiner ersten Regelblutung schämt, sondern diesen natürlichen Vorgang in unbefangener Gelassenheit hinnimmt. Ähnlich kann es einem Jungen eine Hilfe sein, zu erfahren, dass der nächtliche Samenerguss „in Ordnung“ ist und er sich deshalb nicht zu genieren braucht.

2. Sexualität als Sprachproblem in der Schule

Um eine sinnvolle Kommunikation im Bereich der schulischen Sexualerziehung betreiben zu können, muss eine rücksichtsvolle Atmosphäre sowohl zwischen Lehrern und Schülern als auch unter den Schülern selbst herrschen. Denn trotz starker öffentlicher Präsenz in den Medien, fällt auch heute noch das Reden über Sexualität schwer.

2.1 Warum ist Sprache in der Sexualerziehung so wichtig?

Nach Etschenberg muss Sprache als das wichtigste Mittel der Sexualerziehung angesehen werden, da Kindern dieses Thema allein an Hand von Bildern nicht hinreichend vermittelt werden kann.[7] Vielmehr sollte Sprechen über Sexualität als Weg und Ziel von Sexualerziehung angesehen werden, denn durch Sprache kann das Verstehen und das Verstanden-Werden gefördert und damit Missverständnisse vermieden werden.

Vielen Menschen bereitet das Sprechen über ihre eigene Sexualität auch heute noch Probleme. Oft fehlt der Mut über die eigene Sexualität zu reden oder es werden nicht die richtigen Worte gefunden. Denn Sprache drückt Gefühle aus, so dass die Worte verletzend, demütigend oder sogar diskriminierend ausfallen können. Doch gerade das Reden dient als Chance zur Klärung und zur Versöhnung eines in einer Partnerschaft ausgefüllten und harmonischen Sexuallebens dient. Es ermöglicht nicht nur das Klären von sexuellen Vorlieben, sondern insbesondere auch des Themas Verhütung und die damit verbundene AIDS-Prävention.

Aber auch in Bezug auf sexuelle Selbstbestimmung im Kindesalter kann das Nicht-Sprechen über die eigene Sexualität zu einem Hemmnis werden: Kinder müssen über ihre Gefühle reden können, zustimmen und verneinen können, was ihnen gefällt oder auch nicht gefällt, damit sie nicht so leicht zu einem Opfer der Sexualität werden.[8]

2.2 Die Rolle des Lehrers in der Sexualerziehung

Für die Sexualerziehung in der Schule ist deshalb sehr wichtig, dass über Sexualität gesprochen und damit Stillarbeiten und Lehrervorträge vermieden werden. Durch vermehrte Gruppenarbeit, Unterrichtsgespräche und Rollenspiele sollen die Schüler die Fähigkeit bekommen, in zukünftigen Partnerschaften miteinander über ihre Sexualität zu reden.

Die Lehrperson spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Sie spricht die Kinder auf ihre Gefühle an, geht auf die Schülerinnen und Schüler ein, muss indiskrete Fragen abwehren oder aber passende Worte und Antworten finden und vernünftig auf Schülerfragen reagieren. Da die Thematik einen sehr persönlichen Bereich der Schüler berührt, ist Taktgefühl und Verantwortungsbewusstsein seitens der Lehrkräfte gefragt. Besonders in diesem Fach besteht eine Konfrontation mit einem Nähe-Distanz-Problem, in der persönliche Stellungnahmen von den Schülern eingefordert werden, aber dennoch keine spezielle Meinung für ein gelungenes Sexualleben gegeben werden darf.

Lehrerinnen und Lehrer benötigen deshalb für die Sexualerziehung die besondere Fähigkeit, eigene Einstellungen zu reflektieren , damit die Schülerinnen und Schüler nicht einseitig beeinflusst werden. Zusätzlich sollten sie über hinreichend soziale Kompetenz verfügen, um Kommunikationsprozesse zu steuern und auf einer gewissen Vertrauensbasis angemessen auf die Schülergruppe zu reagieren. Ebenso sollte die Lehrkraft das nötige Wissen über die biologischen und soziologischen Zusammenhänge zwischen Körper und Geist haben. Um diese Kompetenz zu erlangen, sollten Lehrerinnen und Lehrer spezielle Trainingskurse belegen.[9]

2.3 Sexualisierte Sprache von Kindern

Gerade die Sprache im sexuellen Bereich dient zur eigenen Standortfindung und dem Erwerb kommunikativer Kompetenz. Doch Kinder haben ihre eigene Sprache. In der Sprache der Kinder sind viele sexuelle Anspielungen und Ausdrücke zu finden: Worte wie „Wixer“ oder „geil“ gehören noch zu den harmloseren Beispielen. Schimpfwörter mit sexueller Bedeutung zeigen auf, dass das Thema Sexualität für Kinder nicht nur hoch-aktuell, sondern zugleich auch sehr geheimnisvoll ist, da Erwachsene ihnen nur ungenügend Antworten geben. Die sexualisierte Sprache kann somit als eine Möglichkeit angesehen werden, sich diesem Thema zu näheren. Santiago weist darauf hin, dass die Kinder die verschiedenen Wörter im Kindergarten, in der Schule, im Elternhaus aber natürlich auch aus den Medien auf schnappen.[10]

In diesem Zusammenhang können sie teilweise durchaus schon unterscheiden, welche Begriffe sie zu Hause oder unter Freunden aussprechen können, andere jedoch in der Öffentlichkeit meiden sollten. Die Anforderungen an die Sprachkompetenz von Kindern unterscheiden sich von daher nach den Adressaten: Kinder benutzen jeweils einen anderen Sprachcode, sobald sich der Kommunikationspartner nach Alter oder Geschlecht ändert.

Betroffen von der Ablehnung der Gesellschaft sind zum einen die kindersprachlichen Ausdrücke (verniedlichende Bezeichnungen für die Geschlechtsorgane), die ab einem bestimmten Alter nicht mehr toleriert wird, zum anderen die Vulgärsprache, die obszön wirkt. Oftmals werden Personen, die sich der Vulgärsprache bedienen, nicht nur aufgrund ihrer Ausdrucksweise abgewertet, sondern gleich die ganze Person.[11]

Aus diesem Grund wird in der Schule versucht, das sexuelle Sprachproblem zu verringern. Dabei muss unterschieden werden, wie Kinder die Worte mit sexueller Bedeutung einsetzen: Dienen sie der Beschreibung der Geschlechtsorgane oder zur Provokation bzw. Beleidigung?

Tritt in einer Klasse beispielsweise der Ausdruck „Schwule Sau“ vermehrt auf, sollte zunächst in einem Einzelgespräch die Herkunft des Wortes geklärt werden.[12] Häufig haben Kinder diese Worte in ihrem Umfeld aufgeschnappt und versuchen diese in ihrer Neugier an anderen Personen selbst auszutesten, um die Bedeutung herauszufinden.

[...]


[1] vgl. Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport. www.senbjs.berlin.de/schule/rahmenplaene/Rahmenplan/sexualerziehung.pdf

[2] vgl. Woltering/Bräth: Niedersächsisches Schulgesetz.1994. S. 255

[3] vgl. Woltering/Bräth.1994. S. 256

[4] vgl. Woltering/Bräth.1994. S. 256

[5] vgl. Woltering/Bräth. 1994. S. 257

[6] vgl. Woltering/Bräth. 1994. S. 257

[7] vgl. Etschenberg, Karla: Sexualität in der Grundschule. 2000. S. 42

[8] vgl. Etschenberg, Karla. 2000. S. 42

[9] vgl. Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport. www.senbjs.berlin.de/schule/rahmenplaene/Rahmenplan/sexualerziehung.pdf

[10] vgl. Santiago, Marlise: Sexualisierte Sprache. www.brueckenbauer.ch/INHALT/0114/14kids.htm

[11] vgl. Kluge, Norbert: Sexualunterricht in der Grundschule. 1997. S. 33

[12] vgl. Etschenberg, Karla. 2000. S. 43

Details

Seiten
25
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638739122
ISBN (Buch)
9783638739917
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72845
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Schlagworte
Problem Sexualsprache Medien Sexualerziehung Thema Sachunterrichts

Autor

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