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Die deutsche Bevölkerungsentwicklung und ihre Auswirkung auf die staatliche Altersversorgung

Hausarbeit 2006 31 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Deutschlands Bevölkerung altert

2. Ursachen für die Alterung der deutschen Bevölkerung
2.1 Zu niedriges Geburtenniveau
2.1.1 Gründe für ein zu niedriges Geburtenniveau
2.2 Sinkende Sterblichkeit und steigende Lebenserwartung

3. Der Bevölkerungsrückgang und seine Bedeutung

4. Die Alterung der Bevölkerung und ihre Kosten

5. Der Einfluss der Migration auf die Bevölkerungsstruktur
5.1 Einwanderung und demografische Alterung
5.2 Migration vs. Integration – ein kleiner Exkurs
5.3 Einfluss der Migration auf das Durchschnittsalter
5.4 Migration - Vorteile und Nachteile

6. Kurze Zusammenfassung nach Kaufmann

7. Die Geschichte der deutschen Rente
7.1 Von Bismarck bis zur Weimarer Republik
7.2 Von der Weimarer Republik bis zur BRD
7.3 Von der Gründung der BRD bis zur Wiedervereinigung
7.4 Von der Wiedervereinigung bis zum Jahr 2003

8. Die Rente – Gegenwart und Ausblick

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung hat auf jeden, von Menschen besiedelten, Raum einen enormen Einfluss auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Sehen oder merken tun wir das aber im Gegensatz zur technischen Entwicklung meistens nicht, da die so genannte demografische Entwicklung ein langsamer Wandel, ähnlich dem Altern eines Menschen ist. Man bemerkt Veränderungen erst dann, wenn sie schon geschehen sind; und auch nur, wenn man sich den Unterschied zu damals in Erinnerung zurückruft.

Es bedarf also einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Zusammensetzung der Bevölkerung, der sog. Demografie: „Die Demografie befasst sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Bevölkerung hinsichtlich ihrer Größe und Struktur sowie deren Veränderungen.“ (Roloff 2003: 8).

Es ist also wichtig zu wissen, wie die demografische Entwicklung aussehen wird, um als Gesellschaft entsprechend darauf vorbereitet zu sein. In unserer interaktiven, globalisierten und vernetzten Welt spielt da für uns die demografische Entwicklung vieler Länder und Regionen eine wichtige Rolle, insbesondere für die deutsche stark exportabhängige Industriewirtschaft.

In dieser Arbeit soll es aber aus Gründen des enormen Umfangs nur um die Schwerpunkte demografische Alterung, Bevölkerungsrückgang, dem Einfluss der Migration auf die demografische Entwicklung und um die Zukunftsperspektiven der Rente gehen. Diese vier Schwerpunkte beziehen sich nur auf Deutschland, das mit dem Phänomen der demografischen Alterung und dem bevorstehenden Bevölkerungsrückgang aber weltweit nicht alleine dasteht. Ähnliche Entwicklungen lassen sich in fast allen europäischen Staaten beobachten. Auch in vielen der sog. asiatischen Tigerstaaten lassen sich diese Entwicklungen beobachten, besonders gravierend wird, bzw. ist der Bevölkerungsrückgang aber in Deutschland, Japan, Italien, Spanien, Russland und vielen anderen osteuropäischen Staaten, um hier nur einige der größeren Länder zu nennen. Die USA stellen unter den großen Industrienationen eine Ausnahme dar, weil ihre Geburtenrate hoch genug ist, dass sie einen Bevölkerungsrückgang derzeit nicht zu befürchten brauchen. Dennoch altert auch in den Staaten die Bevölkerung und belastet zunehmend die Rentenfonds und Pensionskassen der Betriebe.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass die Bevölkerung in Deutschland seit 30 Jahren altert und nun auch anfängt zu schrumpfen. Die Auswirkung dieser Entwicklung auf unser Rentensystem möchte ich in dieser Arbeit versuchen darzustellen.

Als Erstes möchte ich die demografische Alterung, deren Ursachen und Folgen beschreiben. Danach werde ich versuchen einige Folgen des Bevölkerungsrückgangs aufzuzeigen. Als Drittes gehe ich auf den Einfluss der Migration auf die demografische Alterung ein. Das erscheint mir wichtig, da Deutschland kein isolierter Staat ist und der Faktor Migration für die demografische Entwicklung eine zu große Rolle spielt, als ihn einfach übergehen zu können. Und viertens werde ich einen Abriss der deutschen Rentengeschichte geben, um die Entwicklung hin zu den heutigen Rentenverhältnissen aufzuzeigen und um schließlich einen Ausblick auf zukünftigen Rentenverhältnissen geben zu können.

1. Deutschlands Bevölkerung altert

Mit der demografischen Alterung bezeichnet man gravierende strukturelle und quantitative Veränderung der Altersstruktur einer Bevölkerung (vgl. Roloff 2003: 10). Dabei meint der Begriff „demografische Alterung“ den Anstieg des Durchschnittsalters einer Bevölkerung, in diesem Fall also der deutschen Bevölkerung, gemessen durch den Altenquotienten. Der Altenquotient meint wiederum den prozentualen Anteil der über 60-jährigen an der Gesamtbevölkerung mit einem Alter zwischen 20 und 60 Jahren. Gelegentlich werden auch andere Schwellenwerte wie z. B. 15 und 65 Jahre verwendet

(vgl. Birg 2004: 55).

Anfang des 20. Jh. betrug das Durchschnittsalter, also die Summe der Alter in Jahren jedes Einwohners geteilt durch die Gesamteinwohnerzahl, in Deutschland 23 Jahre. Anfang des 21. Jh. hat sich das Durchschnittsalter fast verdoppelt und liegt jetzt bei 40 Jahren. Waren damals also noch rund 43% der Bevölkerung Kinder und Jugendliche, so sind es heute nur noch 21% (vgl. Roloff 2003: 89). An diesen wenigen Zahlen lässt sich das Altern der deutschen Bevölkerung schon sehr gut erkennen. Die sog. Alterspyramide hat momentan eher die Form eines Dönerspießes und wird in wenigen Jahren einen auf dem Kopf stehenden Kegels gleichen. Um bei der Bildersprache zu bleiben, kann sich wohl jeder gut vorstellen, dass ein solches Gebilde nicht lange stehen bleiben kann und umkippen wird. So muss man kein Prophet sein, um sagen zu können, dass unsere Sozialsysteme in der jetzigen Form diese Bevölkerungsentwicklung auch nicht über stehen werden.

2. Ursachen für die Alterung der deutschen Bevölkerung

2.1 Zu niedriges Geburtenniveau

Die wichtigste Ursache ist wohl das niedrige Geburtenniveau, welches statistisch anhand der zusammengefassten Geburtenziffer gemessen wird. Diese statistische Kennziffer gibt die durchschnittliche Zahl der Geburten von Frauen im gebärfähigen Alter an. Sie wird in der Regel für ein Kalenderjahr aus der Summe der altersspezifischen Geburtenziffern aller Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren berechnet

(vgl. Roloff 2003: 11). Deutschland rangiert mit einer zusammengefassten Geburtenziffer von 1,3 Kindern je Frau von 190 Staaten derzeit auf dem 185. Platz (vgl. Kaufmann 2005: 9).

Nach dem ersten Weltkrieg betrug die zusammengefasste Geburtenziffer noch 3,4 Kindern je Frau. Nach dem zweiten Weltkrieg bis zum so genannten Pillenknick Ende der 1960er Jahre stieg das Geburtenniveau in der BRD und DDR von unter 2 noch mal auf 2,5 Kinder je Frau an. Mit der Einführung der Pille und der Liberalisierung der Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch 1972 in der BRD sank dann das Geburtenniveau bis 1975 auf 1,4 und in der DDR auf 1,5 Kinder pro Frau. Während in der BRD, bzw. in den alten Bundesländern, bis heute das Geburtenniveau bei ungefähr 1,4 Kinder je Frau konstant blieb (2005 sank die Geburtenziffer auf 1,3 weiter ab), so gab es in der DDR 1977 – 1982 aufgrund einer sehr forcierten Bevölkerungspolitik noch mal einen Anstieg auf 1,9 Geburten je Frau. Noch der deutschen Einheit sank jedoch das Geburtenniveau in den neuen Ländern rapide bis zu seinem Tiefstand im Jahr 1994 auf 0,8 Kinder je Frau ab. Heute ist das Geburtenniveau in West (1,3) und Ost (1,2) wieder fast gleich und unterschreitet damit nun schon seit über 30 Jahren kontinuierlich das Bestandhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau was bedeutet, dass jede Frau heutzutage statistisch mindestens 2,1 (um 1900 waren es noch 3,0) Kinder bekommen müsste, damit die nachfolgende Generation zahlenmäßig voll ersetzt werden würde (vgl. Roloff 2003: 10ff).

Das Bestandserhaltungsniveau der Geburtenrate ist diejenige Geburtenrate, die bei einem bestimmten Niveau der Mortalität langfristig die gleiche Zahl von Geburten und Sterbefällen zur Folge hat, sodass die Bevölkerungszahl (ohne Wanderungen) konstant bleibt. Mortalität ist dabei das Niveau der Sterblichkeit in einer Bevölkerung. Die Mortalität wird durch verschiedene demografische Kennziffern gemessen, zum Beispiel durch die Sterberate (vgl. Birg 2004: 55).

2.1.1 Gründe für ein zu niedriges Geburtenniveau

Gründe für die niedrige Geburtenrate sind vielfältig und sehr individuell. Ein wichtiger Aspekt sind aber sicher die staatlichen Sozialversicherungen. In einer Gesellschaft in der Kinder weder als Arbeitskräfte in der Familie benötigt werden, noch als persönliche Garantie für eine Versorgung im Krankheitsfall oder Alter, hat es offenbar zur Folge, dass der Wunsch nach eigenem Nachwuchs geringer wird. Ein weiterer Grund ist eine weitgehende Selbstbestimmung über die eigene Schwangerschaft.

Grafik: Zusammengefasste Geburtenziffer – 1900 bis 2000

(vgl. Roloff 2003: 12)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verhütungsmittel sind überall zu bekommen und die Kosten einer Abtreibung übernimmt im Ernstfall meistens die Krankenkasse. So sind heute sicher viele Kinder reine Wunschkinder, aber der Wunsch nach Kindern steht nicht selten im Konflikt mit den Wünschen nach individueller unabhängiger Lebensgestaltung, Konsum, Freizeit und beruflicher Karriere. Gerade die Kosten, der zeitliche und der organisatorische Aufwand sind für viele eine große Hemmschwelle. Einige haben sicherlich auch Angst davor ihr bisheriges gewohntes Leben aufzugeben und gerade wenn im eigenen Freundeskreis auch noch niemand ein Kind hat, dann fällt die Entscheidung für ein Kind eventuell noch schwerer, da es niemanden gibt, der es einem vorlebt und von dessen Erfahrungen man profitieren könnte. So führen in einer relativ kinderfreien und teilweise kinderfeindlichen Gesellschaft viele Aspekte dazu, dass die Menschen sich oft gegen eigenen Nachwuchs entscheiden und so ist die niedrige Geburtenrate von 1,4 nicht weiter verwunderlich. Der geringe Nachwuchs verringert also die Zahl junger Menschen im Verhältnis zur alten Bevölkerung und verringert weiterhin die Geburtenzahlen von derzeit 767 000 auf 450 000 im Jahr 2050. Selbst wenn die Geburtenrate wieder steigen sollte, so ist der Rückgang der absoluten Geburtenzahlen unvermeidlich, denn die Geburtenraten sinken bereits seit über 25 Jahren und die in den letzten Jahrzehnten Nichtgeborenen fehlen den nächsten Generationen damit als potenzielle Eltern (vgl. Roloff 2003: 86f).

2.2 Sinkende Sterblichkeit und steigende Lebenserwartung

Unter Sterblichkeit versteht man die relative Häufigkeit von Sterbefällen einer Bevölkerung in einem bestimmten Zeitraum. Ermittelt wird diese anhand der Sterberate, die alle Sterbefälle eines Jahres mal 1000 multipliziert und durch die durchschnittliche Bevölkerungsanzahl teilt. Lag die Sterberate um 1900 in Deutschland noch bei 2,2 %, so liegt sie seit 1950 fast konstant bei nur noch 10 Sterbefällen pro 1000 Einwohner, bzw. 1%

(vgl. Roloff 2003:15). Der Rückgang der Sterblichkeit hat viele Gründe, wie z.B. die erfolgreiche Bekämpfung klassischer Infektionskrankheiten, besserer Nahrungsversorgung, neue und umfangreichere medizinische Versorgung, besseren Arbeitsbedingungen, Rückgang der Säuglingssterblichkeit, Fortschritte in der Verkehrssicherheit usw.

Die Verringerung der Sterblichkeit führt natürlich zu einem Anstieg der Lebenserwartung. Die Lebenserwartung ist definiert als die Zahl an Lebensjahren, welche Neugeborene unter den gegebenen Sterblichkeitsverhältnissen der Sterbetafel im Schnitt zu erwarten haben. So lag beispielsweise die Lebenserwartung eines neu geborenen Jungen um 1900 bei 45 Jahren und 2000 bei 75 Jahren. Die sinkende Sterblichkeit und die dadurch steigende Lebenserwartung führen also zu einem Anstieg der alten Bevölkerung in Relation zur jungen Bevölkerung.

Das niedrige Geburtenniveau und die steigende Lebenserwartung führen also gemeinsam zur demografischen Alterung Deutschlands. Das Verhältnis von Alt zu Jung verschiebt sich immer weiter in Richtung Alt, sodass heute schon jeder 5. Mann und jede 4. Frau 60 Jahre und älter ist (vgl. Roloff 2003: 18).

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Details

Seiten
31
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638734288
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72785
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – FB Erziehungswissenschaft und Psychologie
Note
2,3
Schlagworte
Bevölkerungsentwicklung Auswirkung Altersversorgung Verschärfung Ungleichheiten Deutschland Funktion Integration Bildungssystem

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Titel: Die deutsche Bevölkerungsentwicklung und ihre Auswirkung auf die staatliche Altersversorgung