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Interpretation von "La vida es sueno" von Calderón de la Barca mit Schwerpunkt auf der Verknüpfung der beiden Handlungsstränge und den Gründen für Segismundos Konversion

Seminararbeit 2006 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verknüpfung von Haupt- und Nebenhandlung
2.1 Im ersten Akt
2.2 Im zweiten Akt
2.3 Im dritten Akt
2.4 Verknüpfung der Handlungsstränge durch Clotaldo und Rosaura im Hinblick auf ihr moralisches Handeln

3. Gründe für die Konversion Segismundos
3.1 Im ersten Akt
3.2 Im zweiten Akt
3.3 Im dritten Akt

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

In Calderón’s Comedia „La vida es sueño“ finden sich zwei Handlungsstränge, die als Haupt- und Nebenhandlung bezeichnet werden. Die Haupthandlung, die auch der Titel des Stückes andeutet, beinhaltet die Wandlung Segismundos von einem tyrannischen zu einem tugendhaften Herrscher. Die Hauptfigur der Nebenhandlung ist Rosaura, die nach dem Verlust ihrer Ehre nach Polen reist um diese wiederherzustellen. Lange Zeit galt die Rosaura-Handlung als bloßes „Füllmittel“ um auf die, für die spanische Comedia erforderlichen drei Akte zu kommen, sie wurde sogar als nutzlos angesehen. Allerdings ist zu bemerken, dass die beiden Handlungen so ineinander verknüpft sind und die Nebenhandlung derart mit der Haupthandlung verbunden ist, dass die dramatische Struktur davon abhängt.[1]

In dieser Arbeit werde ich zunächst die Verknüpfungen und Verbindungen und somit die Wichtigkeit der Nebenhandlung für La vida es sueño aufzeigen.

Anschließend werde ich die Gründe für die Konversion Segismundos vom ersten bis zum letzten Akt darlegen.

2. Verknüpfung von Haupt- und Nebenhandlung

Die Verbindung zwischen Haupt- und Nebenhandlung zeigt sich auf verschiedene Art und Weise. Am eindrücklichsten ist diese durch die beiden Schicksale von Rosaura und Segismundo dargestellt. Aber auch durch andere dramatische Figuren werden eine Reihe von Verknüpfungs- und Berührungspunkten geschaffen, welche ich nun Akt für Akt darstellen möchte, um mich später noch etwas gesondert der Verknüpfung der beiden Handlungen durch Rosaura und Clotaldo zu widmen.

2.1 Verknüpfung im ersten Akt

Der erste Akt hat die Aufgabe den Leser sowohl in die Thematik der Haupt- als auch der Nebenhandlung einzuführen. Er dient somit als Exposition beider Handlungsstränge, welche noch den Anfang des zweiten Aktes einnimmt und mit Vers 1223 endet[2].

Schon in der Eingangsszene wird eine erste Grundlage für die enge Verknüpfung zwischen Segismundo und Rosaura geschaffen. Rosaura, als Mann verkleidet, gelangt mit ihrem Diener Clarín zu dem Turm, in dem Segismundo seit seiner Geburt eingesperrt ist. Dieser klagt in einem langen Monolog über sein Dasein im Kerker und verlangt eine Antwort auf die Frage, warum er nicht die Freiheit genießen darf, die einem Lebewesen normalerweise zusteht: „(…) Apurar, cielos, pretendo,/ ya que me tratáis así,/ qué delito cometí/ contra vosotros, naciendo. (…) que Dios le ha dado a un cristal,/ a un pez, a un bruto y a un ave?” (V.101-172). Rosaura vernimmt seine Worte und empfindet Mitleid mit dem Gefangenen. Auch Segismundo wird von der Gestalt des Fremden tief bewegt und ist schließlich von dessen Appell an seine Menschlichkeit so tief beeindruckt, dass er beginnt, Rosaura zu vertrauen. Das führt später dazu, dass er bereit ist sein Leben für ihres und das von Clarín zu opfern[3]. Sowohl Segismundo als auch Rosaura sind vom Unglück gezeichnet und bringen dies auch zum Ausdruck: Rosaura beendet ihre erste Rede mit den Worten „Dónde halló piedad un infelice?“ (V. 22) und auch Segismundo bezeichnet sich mehrere Male als „infelice“ (V. 78; 102). Durch ihre Wortwahl schaffen die beiden Charaktere also selbst eine erste Grundlage für ihre Verbundenheit. Sie respektieren und bemitleiden sich von Anfang an und sehen sich gegenseitig als Gefährten in ihrem persönlichen Unglück[4].

Der Gefängniswärter Clotaldo, der zugleich die einzige Person ist, mit der Segismundo je Kontakt gehabt hat, sorgt für eine weitere Verbindung zwischen dem Gefangenen und Rosaura. Als Wächter hat er den Befehl jeden Eindringling festzunehmen und unter die Todesstrafe zu stellen. In einem Gespräch mit Rosaura erfährt er allerdings, dass Rosaura sein „Sohn“ ist und er nach Polen gekommen ist, um seine verlorene Ehre wiederherzustellen. Er befindet sich nun in einem Gewissenskonflikt, da er den Auftrag hat, jeden Eindringling, der von der Existenz Segismundos erfährt zu töten, andererseits ist er aber froh, endlich seinen „Sohn“ gefunden zu haben und seinen Vaterpflichten nachgehen zu können[5]. Dass Clotaldo der Vater Rosauras ist, der sie und ihre Mutter verlassen hat, lässt eine weitere Verbindung zwischen Segismundo und Rosaura erkennen: Beide wurden von Geburt an von ihren Vätern verleugnet. Basilio, der Vater Segismundos, lässt seinen Sohn gleich nach der Geburt in den Turm einsperren und gibt vor, dass jener- wie die Mutter- bei der Geburt gestorben sei. Clotaldo verlässt seine schwangere Frau und zieht in ein anderes Land, wo er sein Kind zu vergessen scheint.

Der Schauplatz der fünften Szene ist der königliche Palast. Basilio klärt seinen Hofstaat in einer langen Rede über seinen Sohn auf und berichtet, dass er aufgrund eines Horoskopspruchs, der prophezeite dass Segismundo ein tyrannischer Herrscher werden würde, beschlossen hat, seinen Staat vor seinem Sohn zu schützen und diesen auf Lebzeiten in einem Kerker gefangen zu halten. Nun beabsichtigt er, seinen Segismundo auf Probe regieren zu lassen, da er sich nicht dazu berechtigt sieht, sich ebenfalls tyrannisch gegenüber seinem Sohn zu verhalten. Falls sich dieser wie vorhergesagt als Tyrann aufführe, werde er wieder in seinen Kerker gebracht. Träte dies ein, wolle er Astolfo und Estrella, seinen Neffen und seine Nichte, als Herrscherpaar einsetzen.

Der Beschluss des Königs bedeutet neben einer kurzzeitigen Freiheit für Segismundo und der Anerkennung durch seinen Vater auch die Begnadigung Rosauras und somit die Befreiung Clotaldos von seinem Konflikt, da die Existenz Segismundos nun offiziell ist. Hier zeigt sich, dass zwischen den beiden Charakteren mehr als eine einfache Verbindung besteht: beide Schicksale sind voneinander abhängig. Dieser Gedanke wird dadurch verstärkt, dass Clotaldo erkennt, dass sein „Sohn“ in Wirklichkeit eine Frau ist und er deshalb für ihre Ehre verantwortlich ist. Denn Rosauras Ehre wurde von Astolfo, dem möglichen Thronerben verletzt, da er sie trotz Eheversprechen verlassen hatte und nun Estrella zur Frau nehmen möchte. Besteht Segismundo seine Probe nicht, besteigt Astolfo, Segismundos Rivale, mit Estrella den königlichen Thron und dies würde für Rosaura den absoluten und endgültigen Ehrverlust bedeuten[6].

2.2 Im zweiten Akt

Am Anfang des zweiten Aktes erfährt der Leser durch Clotaldo von der Betäubung Segismundos und dessen Eintreffen im Palast. Kurz darauf berichtet Clarín, dass Rosaura nun Frauenkleidung trägt und als eine Dienerin Estrellas im Palast wohnt. Hierdurch wird Segismundo und Rosaura die Möglichkeit gegeben, sich ein weiteres Mal zu begegnen.

Der Königssohn herrscht so, wie es das Orakel vorhergesagt hat. Nach kurzem Zögern verhält er sich im Palast wie ein Tyrann, lässt Clotaldo, Astolfo und einen Diener, den er tötet, seinen Zorn spüren und begehrt Estrella, um seine Macht zu demonstrieren.

Ohne es sich bewusst zu sein, begegnet er Rosaura ein zweites Mal, denn sie trägt in dieser Szene Frauenkleidung. Er ist von ihrer Schönheit, die mehr als körperlich zu sein scheint, tief beeindruckt und möchte sie als Frau besitzen. Durch ihren Widerstand wird Segismundos Leidenschaft entfacht und nur Clotaldo kann verhindern, dass der Königssohn Rosaura vergewaltigt[7]. Daraufhin richtet Segismundo seinen Zorn auf den Gefängniswärter, dessen Leben nur durch das Eingreifen Astolfos verschont bleibt, da dieser den Prinzen daran hindert, seinen Erzieher zu ermorden[8].

Am Ende seines Palastaufenthaltes bedroht der Prinz den eigenen Vater, demütigt ihn und behandelt ihn respektlos. Durch dieses Verhalten bestätigt er allerdings den Orakelspruch und wird so wieder betäubt und in seinen Kerker zurück gebracht.

Wie bereits oben erwähnt bedeutet das Fehlschlagen Segismundos für Rosaura das absolute Unheil, da nun ihr Verlobter Astolfo eine andere Frau heiratet und mit dieser den Thron besteigt[9].

Die nächsten Szenen widmen sich komplett dem Geschehen der Nebenhandlung, die um Rosaura als zentrale Figur angelegt ist. Da durch das Versagen Segismundos, wie schon erwähnt, die Zweckehe zwischen Astolfo und Estrella geschlossen werden kann, steht dieser Ehe nur noch das Bildmedaillon, das von Astolfo um den Hals getragen wird, im Wege. Dieses Medaillon zeigt die Frau, die er verlassen hat um den polnischen Thron besteigen zu können. Astolfo muss seiner zukünftigen Frau Estrella das Schmuckstück aushändigen, um ihr zu beweisen, dass sie die einzige Frau in seinem Leben ist. Rosaura, die am Hofe die Rolle einer Dienerin Estrellas spielt, hat die Aufgabe, das Bildnis von Astolfo in Empfang zu nehmen und ihrer Herrin zu übergeben. Da Rosaura allerdings verhindern möchte, dass Estrella ihr Bild auf dem Medaillon zu sehen bekommt, greift sie zu einer List und erzählt dieser, dass das Medaillon ihr eigenes sei und Astolfo es, aus Verlegenheit darüber, dass er das Bildnis einer anderen Frau trägt, versucht habe, als das Seinige auszuweisen um das eigentliche Medaillon vor Estrella zu verbergen. Diese Verwicklungen um das Medaillon zeigen wieder die enge Verknüpfung zwischen Haupt- und Nebenhandlung. Rosaura steht hier gewissermaßen noch zwischen der Ehe von Astolfo und Estrella und sie schafft es außerdem, Astolfo in ein schlechtes Licht zu rücken[10].

[...]


[1] Sloman, A. E.: The Structure of Calderón’s “La vida es sueño”. In: Wardropper, Bruce (Hrsg.): Critical Essays on the Theatre of Calderón. New York 1965. S. 91.

[2] Dommel, Hermann: Die gedankliche und dramatische Struktur von Calderóns Drama „La vida es sueño“. Würzburg 1971. S. 96.

[3] ebenda S.97.

[4] Sloman, A. E.: The Structure of Calderón’s “La vida es sueño”. S. 92.

[5] Vgl. Calderón de la Barca, Pedro: La vida es sueño. Madrid 2005. V. 366-494.

[6] Sloman, A. E.: The Structure of Calderón’s “La vida es sueño”. S. 93.

[7] ebenda S. 94.

[8] Dommel, Hermann: Die gedankliche und dramatische Struktur von Calderóns Drama „La vida es sueño“. S. 99.

[9] Sloman, A. E.: The Structure of Calderón’s “La vida es sueño”. S. 94.

[10] Dommel, Hermann: Die gedankliche und dramatische Struktur von Calderóns Drama „La vida es sueño“.

S. 100.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638730617
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72736
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Romanisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Interpretation Calderón Barca Schwerpunkt Verknüpfung Handlungsstränge Gründen Segismundos Konversion Theater Calderóns

Autor

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Titel: Interpretation von "La vida es sueno" von Calderón de la Barca mit Schwerpunkt auf der Verknüpfung der beiden Handlungsstränge und den Gründen für Segismundos Konversion