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Megacities als Problemfeld der gegenwärtigen Urbanisierung in Entwicklungsländern

von Nink Mario (Autor) Christian Cartarius (Autor)

Seminararbeit 2005 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Megacities
2.1. Definition Megacities
2.2. Entstehung und Entwicklung

3. Probleme der Megacities in Entwicklungsländern
3.1 Soziale und strukturelle Probleme
3.1.1. Funktionale Primacy
3.1.2. Vermögensgefälle und Segregation
3.1.3. Beschäftigungsmangel und informeller Sektor
3.1.4. Marginalsiedlungen
3.1.5. Verkehr
3.1.6. Gesundheitsprobleme
3.2. Umweltprobleme
3.2.1 Wasser Ver- und Entsorgung
3.2.2 Luftverschmutzung
3.2.3 Abfallentsorgung

4. Lösungsansätze

5. Beispiel einer Megacity: Jakarta

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Die Begriffe „Megastadt“ und „Megacity“ werden synonym verwendet!

1. Einleitung

Megacities in Entwicklungsländern unterliegen heute immer noch einem hohem dynamischem Wachstum. Durch enorme Probleme, welche sich strukturell, sozial sowie ökologisch bemerkbar machen rücken sie immer wieder in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Durch die hohe Bevölkerungsdichte treten Probleme und Umstände auf, die man sich als Bewohner Europas nur schwer vorstellen kann. Im Folgenden soll nun auf einige dieser Probleme eingegangen werden, um die Ausmaße der Problematik darzustellen.

2. Definition und Entwicklung von Megacities

2.1. Definition einer Megacity

In der wissenschaftlichen Literatur bezeichnet der Begriff Megacity oder Megastadt die größte Form urbaner Agglomeration, wobei die Autoren sich uneinig sind ab welcher Bevölkerungszahl vom genannten Begriff gesprochen werden kann. Einige Autoren fassen Großstädte ab 5 Millionen (Mio.). Einwohner schon als Megacity auf, andere ziehen die Untergrenze bei 8 Mio.. MERTINS (1992) und die UN sprechen von Megacities ab der Schwelle von 10 Mio. Einwohnern. Einig sind sich die Autoren jedoch größtenteils beim Kriterium der Bevölkerungsdichte, die BRONGER (1996) auf 2000 Einw./km² festlegte. Zudem ist ein weiteres Kriterium seiner Definition die monozentrische Struktur und eine enorme, oft unkontrollierte Flächenausdehnung. (Das Ruhrgebiet zum Beispiel [z.B.], welches eine polyzentrische Struktur aufweist, die anderen Kriterien jedoch erfüllt, fällt nicht in die Kategorie Megacity) Auffällig ist, dass sich der Begriff ´Megacity´ fast ausschließlich auf urbane Agglomerationen in Schwellen- beziehungsweise (bzw.) Entwicklungsländern bezieht. Zwar gibt es auch in Industrieländern Großagglomerationen mit den Merkmalen einer Megacity, diese werden jedoch aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in der Literatur meist als Global City benannt.

(Ganzer Abschnitt: Vergleiche [vgl.] Zehner 2001, Seite [S.] 183)

2.2. Entstehung und Enwicklung

„Streng genommen sind Megastädte keine auf das Zeitalter der Moderne und Postmoderne zu begrenzenden siedlungsgeographischen Erscheinungsformen. In Relation zur jeweiligen territorialen Gesamtbevölkerung hat es bereits in Antike und Mittelalter sehr große Städte gegeben.“ (ZEHNER 2001, S. 185) Das bedeutet, dass der Begriff Megacity jeweils auch im Verhältnis zur Gesamtweltbevölkerung, zu einer bestimmten Zeit, gesehen werden kann. Dies waren jedoch Einzelphänomene von kurzer Dauer wie beispielsweise Babylon.

Megacities im engeren Sinne entstanden erst ab dem Zeitalter der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Da der Industrialisierungsprozess in den Entwicklungsländern erst später einsetzte, beschränkte sich die Ausbildung von Megacities anfangs auf Europa, Nordamerika und Japan. In den Entwicklungsländern formten sich Megacities erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Unterschied liegt aber darin, dass in den Entwicklungsländern das Wachstum viel dynamischer vonstatten gegangen ist als in Industrieländern.

(Vgl. ZEHNER 2001, S. 186)

Auch die Anzahl der Megacities stieg seit dem Zweiten Weltkrieg enorm. Gab es in den 1950ern nur 4 Städte mit mehr als 5 Mio. Einwohnern, waren es 1985, 28 und im Jahre 2000 39 Städte. Abhängig von den verschiedenen oben aufgeführten Definitionen gibt es heute 16, 24 oder 39 Megacities, von denen sich zwei drittel in Entwicklungsländern befinden (siehe Karte 1). Für 2015 wird die Zahl 60 prognostiziert. Fast alle neuen Megacities werden in Entwicklungsländern entstehen. (vgl. KRAAS 2001, S. 9)

Auffällig an Karte 1 ist auch, dass der Groteil der neuen Megacities im Südostasiatischen Raum lokalisiert seien wird. Ursache hierfür könnte der enorme Bevölkerungszuwachs in dieser Region sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte 1: Vergleichender Überblick über Megacities im Jahre 2000 und im Jahre 2015

Aus: KRAAS 2003, S. 8

3. Probleme in Entwicklungsländern

„Die Megastädte in Entwicklungsländern unterliegen einer Vielzahl spezifischer Probleme mit auffälligen Gemeinsamkeiten. Vorsicht ist geboten vor pauschalvisierenden Aussagen, denn in Megastädten existieren nicht zu vernachlässigende deutliche Unterschiede hinsichtlich der infrastrukturellen Ausstattung, den wirtschaftlichen Entwicklungsstand, der sozialen Polarisierung oder der politischen Führung und Regierbarkeit.“ (KRAAS 2001, S. 19)

Bei Betrachtung der enormen Bevölkerungszahlen, Bevölkerungsdichte und der flächenmäßigen Ausdehnung in den Megacities in Entwicklungsländern, liegt das Auftreten verschiedenster Probleme nahe. Zu den Hauptproblemen in Megacities zählen Platz- bzw. Beschäftigungsmangel, Segregation und die daraus resultierende Kriminalität. Versorgung, Entsorgung, sowie die daraus resultierenden Umweltprobleme.

Die heutigen Probleme der Megacities in Entwicklungsländern hängen aber auch damit zusammen, dass die Ausgangsbedingungen andere waren als in den Industrieländern. Neben dem schnellen Wachstum der Megacities kamen noch zusätzlich Probleme dazu, welche die Industrieländer bereits vor „Einsetzten der Metropolisierung bewältigt hatten: politische Stabilität, Unabhängigkeit, relative wirtschaftliche Stabilität, befriedigender Lebensstandard, sowie eine flexible und zugleich geordnete Sozialstruktur.“

(BRONGER 1997a, s2)

So herrschte in vielen Entwicklungsländern während der Zeit der extremen Metropolisierung politische Unruhen oder teilweise auch Militärdiktaturen. Auch in Asien hatten viele Entwicklungsländer, wie z.B. Indien, noch mit den Problemen der Entkolonialisierung zu kämpfen und mussten erst einmal das politische Gleichgewicht im Land wiederherstellen.

3.1. Soziale und strukturelle Probleme

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges und dem damit zeitgleich verbundenen Ende der Kolonialherrschaft setzte auch in den Entwicklungsländern der Prozess der Urbanisierung ein. Gründe dafür waren intensive Industrialisierung und die damit verbundene Urbanisierung, hauptsächlich der ärmeren Bevölkerungsschichten, in die sich entwickelnden Metropolen. Mit dem zunehmenden Strom von Landflüchtigen treten folgende Probleme auf:

3.1.1. Funktionale Primacy

Funktionale Primacy „ist eine ausgeprägte Dominanz der Metropolen in sämtlichen (Ausnahme: Landwirtschaft) Lebensbereichen: wirtschaftlich [...], politisch-administrativ[...], sozial-kulturell[...]. Es ist in erster Linie die [funktionale Primacy] die die Sogwirkung („Pull-Faktor“) der Metropole mit ihrer Attraktivität einschließlich Arbeitsplatzmöglichkeiten [...] bewirkt, die wiederum metropolitan gerichtete Binnenwanderung auslöst.“ (BRONGER 2004, S. 13).

Das heißt, das die Megacities in den Entwicklungsländern eine ausgeprägte Hegemonialstellung haben. Im Gegensatz zu den Megacities in Industrieländern ist dies aber nur einenationaleVormachstellung, sodass sie nicht als Global Cities bezeichnet werden können. Diese Vormachstellung ist in der Regel ein Problem für den Rest des Landes, zumindest aber für die Umliegenden Regionen, der jeweiligen Megacities, da die anderen Regionen in vielen Bereichen (z.B. Gesundheitswesen und Bildungswesen) benachteiligt werden.

3.1.2. Vermögensgefälle und Segregation

Die Einkommensabstände treten innerhalb der Megastädte in ihrer extremsten Form auf. Bei genauerer Betrachtung treten hier, wie nirgendwo sonst, die Gegensätze in räumlich unmittelbarer Konzentration am schärfsten auf. Mit Aussagen wie: „Die Slums am Rande der Städte...“, verzerrt man die Realität. Denn in vielen Megastädten der Entwicklungsländer liegt der Anteil der Bevölkerung, welche in Marginalsiedlungen lebt, inzwischen bei 50% - Tendenz steigend. (BRONGER ) Zwar sieht man in den Statistiken immer wieder, dass das Durchschnittseinkommen bzw. Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in den Kerngebieten der Megacities am höchsten ist jedoch sind hier oftmals die innerstädtischen Slums statistisch nicht mit einbezogen. (BRONGER 2004, S. 121). Man kann dies anhand von Abbildung 1 erkennen. Auch sieht man dort, dass das BIP abnimmt, je weiter man sich von der Stadt entfernt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Einkommensschwachen in den Slums lebenden Menschen werden von den Reichen, welche oftmals in ´gated communities´ leben, weitestgehend verachtet. Sie stellen für viele der Vermögensstarken

Abbildung (Abb.) 1: BIP/Kopf in Mumbai (1994)

(BRONGER 2004,S.120)

lediglich Verlierer dar, die die Straßen verstopfen, die Parks und Gehwege mit Shanty Towns verschandeln und die Luft mit Gestank von Exkrementen erfüllen. Dies ist dem Großteil der Reichen ein Dorn im Auge und stört deren ästhetisches Empfinden. (ZEHNER 2001, S.189) Die Folge ist Segregation.

Anzumerken ist außerdem, dass die Teile der Megacities in Entwicklungsländern in Zusammenhang mit der Globalisierung den Großzentren in Industrieländern immer ähnlicher werden. Dies bezieht sich aber nicht nur auf die gläsernen Hochhäuser, welche teilweise in den Zentren der Megacities entstehen. Es bezieht sich auch darauf, das sich die städtischen Eliten, also die Oberschichten der Megacities, inzwischen teilweise mehr Gemeinsamkeiten mit den städtischen Eliten der Industrieländern haben als mit den ärmeren Bevölkerungsschichten der Metropole, in der sie leben. (vgl. BRONGER 1997a, S. 6)

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Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638720021
ISBN (Buch)
9783656763109
Dateigröße
1004 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72198
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
Megacities Problemfeld Urbanisierung Entwicklungsländern Stadtgeographie

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