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Die Milgram-Experimente - Darstellung der Ergebnisse und eigene Stellungnahme

Hausarbeit 2006 14 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Milgram-Experimente

2. Eigene Stellungnahme

3. Glossar

Literatur

1. Die Milgram-Experimente

Das Buch „Psychologie der Gruppe“ von Manfred Sader befasst sich mit ausgewählten Forschungsergebnissen zur Kleingruppenforschung und Theorieansätzen. Sein Buch unterteilt er in mehrere Kapitel, die jeweils wieder durch Unterpunkte gegliedert sind. Ich werde in dieser Hausarbeit die Milgram-Experimente thematisieren, die dem Kapitel Konformität und Autonomie angehören.

Sader beginnt seine Darstellungen, indem er zunächst den Autor Dr. Staneley Milgram vorstellt, der die sog. „Milgram-Experimente“ entwickelt und durchgeführt hat. 1963 erschien in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Abnormal and Social Psychology“ ein acht - seitiger Artikel von Milgram, der den Titel „Eine Verhaltensstudie über Gehorsam“ trägt. Durch diesen erlangen die Untersuchungen und Experimente Milgrams innerhalb kürzester Zeit eine weltweite Verbreitung und Anerkennung. Seine Arbeiten befassen sich mit dem Thema Gehorsam, welches er anhand seiner Experimente erforscht. Das Ausgangsexperiment sieht vor, dass die Versuchsteilnehmer die Lernfehler Dritter mit elektrischen Schlägen zu bestrafen haben. Anhand dieser Vorgehensweise will Milgram den Gehorsam in Abhängigkeit vom Konformitätsdruck erforschen. Dies war zu den damaligen Zeiten ein sehr aktuelles Thema, da Milgram es auch im Zusammenhang sieht, zu den Konzentrationslagern in Deutschland, dem Eichmann-Prozess in Israel und den Grausamkeiten amerikanischer Soldaten im Vietnam-Krieg.

Im Anschluss an diese Darstellungen schildert Manfred Sader ausführlich die Durchführung des Ausgangsexperimentes aus Sicht eines Versuchsteilnehmers. In einer Zeitung annonciert Milgram, er suche 500 Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, die an einem Gedächtnisexperiment teilnehmen. Das Experiment dauert eine Stunde und die Teilnahme wird mit einem Lohn in Höhe von 4$ vergütet. Das Experiment findet in der renommierten Yale-Universität, in einem eleganten Laboratorium statt. Zu Beginn des Experimentes, das jeweils mit zwei Versuchsteilnehmern durchgeführt wird, lost der Versuchsleiter aus, wer die Rolle des Schülers und wer die Rolle des Lehrers übernimmt. Der Schüler ist jedoch ein engagierter Schauspieler, der vorher über den Ablauf des Experimentes instruiert wurde. Der Versuchsleiter verhält sich bei seinen Erklärungen leidenschaftslos, ruhig und streng. Anschließend wird der Schüler in einen Raum gebracht, in dem eine Art elektrischer Stuhl steht. Er wird an diesen festgeschnallt. Der Lehrer wird in einen Nebenraum gebracht, wo sich ein Schockgenerator befindet. Die Funktion des Generators wird dem Lehrer eingehend erläutert: „[...] ein imponierendes Gerät mit 30 Kippschaltern, Blaulichtern, elektrischen Summern und an den einzelnen Kippschaltern Schilder von „Leichter Schock“ über „Mittlerer Schock“ bis „Sehr schwerer Schock“ und „Gefahr. Bedrohlicher Schock“(!). Dazu waren Volt-Angaben in Stufen von 15 Volt bis 450 Volt angebracht, die letzten Schalter lagen jenseits von „Gefahr. Bedrohlicher Schock“(!) und trugen gar keine sprachlichen Bezeichnungen mehr: bei 420, 435 und 450 Volt war nur XXX angegeben.“ (Sader 2002, S. 166). Während des Experimentes soll der Lehrer dem Schüler Wortpaare vorlesen. Die Aufgabe des Schülers ist es, die richtigen Worte zu finden; gelingt ihm das nicht soll ihm der Lehrer einen Stromschlag verpassen, wobei jede falsche Antwort eine Erhöhung von 15 Volt zur Folge hat. Die Reaktionen des Schülers beschreibt Sader wie folgt: ab 75 Volt deutliches Unbehagen, ab 120 Volt rief der Schüler, dass es schmerzhaft würde, ab 270 Volt qualvolles Brüllen und ab 330 Volt herrschte nur noch konstante Stille. Wollte der Lehrer als Reaktion auf das Verhalten des Schülers das Experiment beenden, machte der Versuchsleiter immer wieder die selben vorgegebenen Aussagen:

- Bitte fahren Sie fort!
- Bitte machen Sie weiter!
- Das Experiment erfordert,dass sie weitermachen!
- Sie müssen unbedingt weitermachen!
- Sie haben keine Wahl, sie müssen weitermachen!

Der Lehrer kann das Experiment nur beenden, indem der er die Stromschläge über 450 Volt hinaus gibt oder indem er vorher das Experiment beendet. Das Ergebnis des Experimentes überrascht selbst Milgram: 26 von 40 Lehrern machen bis zum Schluss weiter, dass bedeutet, sie sind sehr gehorsam und der früheste Abbruch des Experimentes erfolgt erst bei 330 Volt. Durch weitere Untersuchungen will Milgram herausfinden, warum so viele der Versuchsteilnehmer bis zum Schluss Gehorsam zeigen.

Sader führt hierfür 17 weitere Versuchsreihen Milgrams an und fasst deren Ergebnisse knapp zusammen. In nahezu allen weiteren Versuchsreihen bleibt die Prozentzahl „Gehorsam bis zum Ende“ konstant hoch, d.h. die Ergebnisse Milgrams sind unabhängig von Variationen der Versuchsanordnung zu betrachten. Sader macht hierfür das autoritäre Auftreten des Versuchsleiters verantwortlich, der die Versuchsteilnehmer immer wieder strikt auffordert weiter zu machen. Der Gehorsam reduziert sich erst dann, wenn die Autorität des Versuchsleiters vermindert wird. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass der Versuchsleiter den Raum verläßt, zwei anwesende Versuchsleiter sich uneinig über den weiteren Verlauf des Experimentes sind, oder der Versuchsleiter lediglich ein Versuchsteilnehmer ist. Der Gehorsam ist weiterhin sehr niedrig, wenn der Lehrer die Hand des Schülers selbst auf den Elektrokontakt drücken muss, oder wenn der Schüler sich im gleichen Raum befindet wie der Lehrer. Auch wenn der Lehrer einen „Verbündeten“ bei sich hat, fällt der Widerstand gegen den Versuchsleiter deutlich leichter. Zusammenfassend führt Manfred Sader an, dass die Motive Machtausübung und Sadistische Freude bei diesem Experiment keinen Ausschlag gegeben haben, da bei freier Wahl der Volt-Höhe stets niedrige Werte gewählt wurden. Auch der Ort an dem das Experimentes stattfindet, hat hierbei keine Rolle gespielt, da das Experiment an anderen Orten gleiche Resultate zeigte.

Im Anschluss an diesen Abschnitt, in dem Sader die 17 weiteren Versuchsreihen Milgrams und deren Bedeutung erläutert, stellt er auf den folgenden Seiten die vier Hauptrichtungen der Diskussion dar, wobei er einleitend sagt, dass es kein anderes Experiment in der Psychologie gibt, dass zu so vielen methodischen Reflexionen und Weiterführungen angeregt hat, wie dieses. Der erste Diskussionspunkt, den der Autor aufgreift, ist der Unterpunkt „Täuschungsexperiment und Ethik“. Sader stellt hierbei heraus, dass eine große ethische Debatte darüber herrscht, ob das Experiment Milgrams moralisch vertretbar sei, denn seine Versuche sind so beschaffen, dass die Teilnehmer diese tatsächlich für real halten müssen. Gegner der Milgram- Experimente unterstellen dem Experiment es habe einen Verlust an Würde und Selbstachtung für die Versuchsteilnehmer zur Folge und es bestehe die Gefahr ernsthafter Nachwirkungen. Im Gegensatz dazu loben Befürworter die Intention und die Ergebnisse der Milgram-Experimente. “...Milgrams Experiment erscheint mir als eines der bestdurchgeführten dieser Generation...“(Sader 2002, S.170). Um das Experiment und seine Tragweite jedoch richtig einordnen zu können,muss man es als Teil eines Ganzen betrachten und darf es nicht isoliert und zusammenhangslos sehen. Die Frage nach der ethischen Zulässigkeit wurde.

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Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638625449
ISBN (Buch)
9783640725151
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72086
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Schlagworte
Milgram-Experimente Darstellung Ergebnisse Stellungnahme

Autor

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