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Grundlagen der Projektfinanzierung

Unter besonderer Berücksichtigung der Immobilienfinanzierung

Seminararbeit 2003 27 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang und Aufbau der Arbeit

2 Begriff der Projektfinanzierung
2.1 Definition Projektfinanzierung
2.1.1 Erkennungsmerkmale der Projektfinanzierung
2.1.2 Erkennungsmerkmal Projekt
2.2 Die Hauptbeteiligten einer Projektfinanzierung
2.2.1 Eigenkapitalgeber / Projekträger
2.2.2 Fremdkaptialgeber
2.2.3 Lieferanten
2.2.4 Abnehmer
2.2.5 Staatliche Beteiligung
2.2.6 Garantiegeber
2.2.7 Projektgesellschaft (Einzweckgesellschaft)
2.3 Projektphasen
2.3.1 Planungsphase
2.3.2 Errichtungsphase
2.3.3 Anlaufphase
2.3.4 Betriebsphase
2.3.5 Liquiditätsphase
2.4 Charakterisierung der Projektfinanzierung
2.4.1 Off-Balance-Sheet-Finanzierung
2.4.2 Cashflow Finanzierung
2.4.3 Risk-Sharing
2.5 Grundtypen der Projektfinanzierung
2.5.1 Non-resource-Projektfinanzierung
2.5.2 Limited-resource-Projektfinanzierung
2.5.3 Full-resource-Projektfinanzierung
2.6 Abgrenzung der Projektfinanzierung zu anderen Finanzierungsarten
2.6.1 Exportfinanzierung
2.6.2 Auftragsfinanzierung

3 Analyse und Beurteilung von Projektfinanzierungen
3.1 Risikoanalyse
3.1.1 Projektrisiko
3.1.2 Risikopolitische Maßnahmen
3.1.2.1 Ursachenbezogene Maßnahmen
3.1.2.2 Wirkungsbezogene Maßnahmen
3.2 Projektanalyse
3.2.1 Pre-Feasibility-Study
3.2.2 Feasibility-Study
3.2.3 Vertragsanalyse
3.2.4 Kreditprüfungsergebnisse

4 Grundlagen der Projektfinanzierung bei Immobilienprojekten
4.1 Einührung
4.2 Phasen der Projektentwicklung bei Immobilienprojekten
4.3 Ablauf der Finanzierung von Immobilienprojekten aus Sicht der Bank
4.4 Schlussbemerkung

5 Kritische Würdigung

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Projektfinanzierung ist keine neue Finanzierungsform mehr, denn bereits im vergangenen Jahrhundert wurden zur Finanzierung von besonders kapitalintensiven Vorhaben Elemente der Projektfinanzierung angewandt. Als Beispiel kann der Bau des Suezkanals angegeben werden, dessen Investitionskapital nur unter Beachtung zukünftiger Einnahmen aufgebracht werden konnte.[1]

In den dreißiger Jahren findet man Projektfinanzierungen bei der Erschließung der Erdölvorkommen im Süden der USA, was als Ursprung moderner Projektfinanzierung angesehen werden kann.[2]

Von Projektfinanzierung ist zu sprechen, wenn die Kreditgewährung vorwiegend oder vollständig auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes abgestellt ist. Die Kredite werden primär aus dem Cashflow des Projektes bedient.[3]

Mittels der Projektfinanzierung wird die Finanzierung eines „Vorhabens“ durchgeführt, und nicht die Finanzierung eines Wirtschaftsunternehmens im allgemeinen.[4]

1.2 Gang und Aufbau der Arbeit

Ziel dieser Arbeit war es, die Grundlagen der Projektfinanzierung näher zu bringen um dann speziell auf Immobilienprojekte einzugehen. Kapitel 2 beschreibt vor allem die Beteiligten, die Phasen, die Charakterisierung und die Grundtypen der Projektfinanzierung. Im Kapitel 3 wird sowohl auf die Risiko- als auch auf die Projektanalyse eingegangen, wobei das Augenmerk auf die Feasibility-Study (Durchführbarkeitsstudie) gelegt wurde. Kapitel 4 versucht dann im speziellen auf die Immobilienfinanzierung einzugehen.

2 Begriff der Projektfinanzierung

2.1 Definition Projektfinanzierung

Der Begriff der Finanzierung umfasst im engeren Sinn in der Regel nur die Kapitalbereitstellung, während er im weiteren Sinn auch die Kapitalverwendung sowie dessen Rückerstattung einschließt.[5]

In der Literatur werden eine Vielzahl verschiedener Definitionen des Projektfinanzierungsbegriffs verwendet.

Stockmayer definierte Projektfinanzierung folgend:

„Unter Projektfinanzierung wird eine Finanzierungstechnik verstanden, bei der die Kreditvergabeentscheidung davon abhängig gemacht wird, ob der zukünftige Cashflow des finanzierenden Projektes zur Aufbringung der Kapitaldienstzahlung ausreicht.“[6]

2.1.1 Erkennungsmerkmale der Projektfinanzierung

Unter dem Begriff Projektfinanzierung lassen sich im wesentlichen die folgenden Erkennungsmerkmale herausfiltern:

- Es handelt sich um die Finanzierung einzelner Projekte
- Der Projektinteressent übernimmt nicht die (volle) Haftung
- Kapitaldienst aus Cashflow und Einnahmen
- Sicherheiten bilden Cashflow und Einnahmen
- Die Projektrisiken werden auf mehreren Schultern verteilt
- Die Finanzierung sollte bilanzneutral gestaltet werden[7]

Für Frank ergaben diese Erkennungsmerkmale die folgende Definition:

Projektfinanzierung umfasst eine Mittelbeschaffung für eine selbständige wirtschaftliche Einheit, deren Kapitaldienst aus dem Cashflow und den Einnahmen bestritten wird. Zur Verwirklichung dieser Projekte bedarf es einer ausgefeilten Risikoverteilung, wobei geringe Einflüsse auf die Bilanzen der Projektträger verwirklicht werden sollten[8]

2.1.2 Erkennungsmerkmal Projekt

Das Konzept der Projektfinanzierung kann nur bei einem Projekt angewendet werden, das als selbständige Wirtschaftseinheit darstellbar ist.

Ein Projekt definiert sich in:

- Der wirtschaftliche Selbständigkeit
- Der Einzigartigkeit der Aufgabenstellung mit einer konkreten Zielvorgabe
- Der Identifikation von Anfangs- und Endpunkten
- Der zeitlich befristeten Bereitstellung von Ressourcen[9]

Projekte stellen aber auch instabile Elemente in einem auf Dauer angelegten organisatorischen System einer Unternehmung oder einer Behörde dar und bringen entsprechende organisatorische Probleme mit sich.[10]

2.2 Die Hauptbeteiligten einer Projektfinanzierung

Einer der Hauptpunkte dieser Finanzierungsform ist die Verteilung der projektimmanenten – wirtschaftlichen, technischen, finanziellen – Risiken auf die an dem Projekt maßgeblich interessierten Beteiligten.[11]

„Es soll ein Paket geschnürt werden, das das Sicherheitsbedürfnis der Fremdkapitalgeber anstelle der vollen unternehmerischen Eigenhaftung des Projektinteressenten befriedigt.“[12]

Auch wenn jede Projektfinanzierung anders liegt, lassen sich die folgenden Grundtypen erkennen:

2.2.1 Eigenkapitalgeber / Projekträger

Die Projektträger entwerfen die Projektidee, starten das Projekt, entscheiden über die Durchführung und bilden mithin das Zentrum des Vorhabens.[13]

Hinter jedem Projekt stehen zumindest ein oder mehrere zentrale Interessenten als treibende Kraft. Dabei kann es sich um die folgenden Instanzen handeln:

- Unternehmen, die wegen dem Finanzierungsvolumen und Risikoträchtigkeit nur ein begrenztes Eigenengagement eingehen wollen und deshalb zu einer Projektfinanzierung greifen.
- Anlagelieferanten oder Bauunternehmen. Aus Wettbewerbs- und Finanzierungsgründen beteiligen sie sich am Projekt, als Voraussetzung für die eigenen Leistungserbringung.
- Privatanleger, wenn das Projekt Sicherheit und wettbewerbsfähige Renditeaussichten bietet.
- Öffentliche Institutionen (Staaten, Gebietskörperschaften, öffentliche Unternehmungen wie die International Finance Corporation als Tochtergesellschaft der Weltbank) mit dem Ziel der Wirtschaftsförderung bzw. –entwicklung.[14]

Die oben angeführten Projektinteressenten werden in der Regel als Projektträger bzw. Sponsoren oder auch Promotoren genannt.

2.2.2 Fremdkaptialgeber

Laut der Definition von Frank sind „Fremdkapitalgeber Kreditgeber, die dem Projekt befristet Kapital zur Verfügung stellen, wobei für dieses Entgelt (Tilgung und Zinsen) ein Rechtsanspruch besteht. D. h. der Fremdkapitalgeber ist Haftungsberechtigter.“[15]

Auf die Fremdkapitalgeber entfällt der überwiegende Teil der Finanzierung, da die Sponsoren ihr risikotragendes Eigenkapital tendenziell stark begrenzt halten wollen. Die Fremdkapitalgeber erhalten mit dem bonitäts- und laufzeitabhängigen Zins eine vom Projekterfolg unabhängige Vergütung und sind auf der Dreh- und Angelpunkt, ob das Projekt finanzierbar ist.[16]

Folgender Überblick zeigt die vielfältigen Möglichkeiten der Fremdkapitalfinanzierung von Projekten:

- bankmäßige Projektkredite (meistens syndizierte Kredite, also Kredite, die von einer Mehrzahl von Banken unter einem Kreditvertrag zur Verfügung gestellt werden),
- Kredite nationaler und internationaler Entwicklungsbanken,
- staatliche Exportfinanzierungen,
- die Regierung des Projektlandes,
- Abnehmer- und Lieferantenkredite,
- Produktfinanzierungen,
- Finanzmarktinstrumente,
- Leasing sowie
- eigenkapitalnahes Fremdkapital (Vorzugsaktien, Genussscheine).[17]

„Es ist die Kunst der Projektfinanzierung, den Mix so zu gestalten, dass er einerseits nicht zu teuer wird, andererseits aber den Liquiditätsnotwendigkeiten des Vorhabens Rechnung trägt.“[18]

2.2.3 Lieferanten

Die Lieferanten sind jene Unternehmen, die die notwendigen Teile des Anlagevermögens zur Verfügung stellen. Abgesehen von dieser Hauptfunktion können noch Personalschulung, Bereitstellung/Vermittlung von Fremdkapital, und Betrieb der Projektanlage folgen.[19]

2.2.4 Abnehmer

Die Abnehmer sind in der Regel durch Abnahmeverträge an die Projektgesellschaft gebunden und es kann dadurch die Prognostizierung des Projekterfolges erheblich erleichtert werden.[20]

2.2.5 Staatliche Beteiligung

Eine enge Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen des Gastlandes ist notwendig, da diese Einrichtungen die Aufgabe haben, Projekte administrativ zu fördern bzw. gegebenenfalls steuerliche Anreize für Investoren schaffen können.[21]

2.2.6 Garantiegeber

Der Garantiegeber verpflichtet sich für das Nichteintreten von vertraglich fixierten zielen. Vor allem internationale Banken, öffentliche Exportkreditinstitutionen, OeKB, Versicherungen und die Weltbank kommen hierbei in Frage.[22]

2.2.7 Projektgesellschaft (Einzweckgesellschaft)

In Anlehnung an Frank soll hier unter einer Projektgesellschaft eine rechtlich selbständige Wirtschaftseinheit verstanden werden, die es aufgrund ihrer Kreditfähigkeit ermöglicht, finanzielle Verpflichtungen an das Projekt binden und die eingegangenen Verbindlichkeiten in der Projektbilanz aktivieren zu können.[23]

Die Projektgesellschaft bildet die zentrale organisatorische Einheit für die Durchführung des Projektes als Einzweckgesellschaft. Typischerweise wird der Projektgesellschaft die Rechtsform der Kapitalgesellschaft gegeben, nicht nur wegen der Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftervermögen (Projektvermögen), denn ebenso rechtlich und organisatorisch nachvollziehbare Verantwortlichkeiten der Projektgesellschafter spielen eine wichtige Rolle.[24]

2.3 Projektphasen

Jedes Projekt durchläuft verschiedene Phasen, sowohl Risikostrukturen als auch das Ausmaß an Engagement der verschiedenen Projektbeteiligten ändern sich mit diesen Phasen. Eine jede Phase stellt einen in sich abgeschlossenen Abschnitt des Projektes dar. Kein Projekt gleicht völlig einem anderen Projekt, jedoch finden sich typischerweise in etwa die folgenden Phasen:[25]

2.3.1 Planungsphase

Die Planungsphase ist der Zeitraum von Projektentwicklung und Projektvorbereitung bis zur eigentlichen Bau- bzw. Errichtungsphase. Diese Planungsphase nimmt in der Regel den größten Zeitbedarf in Anspruch und kann noch weiter unterteilt werden in: Projektidee, Projektentwicklung, Projektauswertung und Projektvorbereitung.[26]

Bei Projektbeginn werden die wesentlichen Beschlüsse über die Projektziele, Projektvorgehen, Organisation und involvierte Personen und Firmen gefasst, die letztlich für den Projekterfolg entscheidend sind. Ändernde Zielsetzungen und Anforderungen sollte man versuchen rasch zu erkennen und deren Konsequenzen (Kosten, Termine) aufzuzeigen.[27]

Die reichhaltigen Probleme, die von den Projektbeteiligten während Planungsphase zu erfüllen sind, bewirken, dass die Projektplanung bei größeren Projektvorhaben eine Länge von mehreren Jahren umfassen kann.[28]

[...]


[1] Vgl. Frank H. [Project Financing 1986], S 245

[2] Vgl. Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 31

[3] Vgl. Wratschko M. [Internationale Projektfinanzierung 1994], S 1

[4] Vgl. Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 32

[5] Vgl. Lechner/Egger/Schauer [Allgemeine BWL 2001] S 215

[6] Wratschko M. [Internationale Projektfinanzierung 1994], S 7

[7] Vgl. Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 31

[8] Vgl. Frank H. [Project Financing 1986], S 16 f.

[9] Vgl. Heilfort T. [Projektentwicklung und –finanzierung 1996], S 4

[10] Vgl. Steuri P. [Projekte sind zu lang und dauern oft zu lange 1997], o.S.

[11] Vgl. Fahrholz B. [Neue Formen der Unternehmensfinanzierung 1998], S 255

[12] Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 33

[13] Vgl. Fahrholz B. [Neue Formen der Unternehmensfinanzierung 1998], S 255

[14] Vgl. Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 33

[15] Frank H. [Project Financing 1986], S 36

[16] Vgl. Fahrholz B. [Neue Formen der Unternehmensfinanzierung 1998], S 256

[17] Vgl. Heilfort T. [Projektentwicklung und –finanzierung 1996], S 15

[18] Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 35

[19] Vgl. Wratschko M. [Internationale Projektfinanzierung 1994], S 11

[20] Vgl. Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 35 f.

[21] Vgl. Wratschko M. [Internationale Projektfinanzierung 1994], S 11

[22] Vgl. Wratschko M. [Internationale Projektfinanzierung 1994], S 12

[23] Vgl. Frank H. [Project Financing 1986], S 47

[24] Vgl Heilfort T. [Projektentwicklung und –finanzierung 1996], S 17

[25] Vgl. Reuter A. [Projektfinanzierung 1999], S 36

[26] Vgl. Wratschko M. [Internationale Projektfinanzierung 1994], S 16

[27] Vgl. Steuri P. [Projekte 1997], o.S.

[28] Vgl. Tytko D. [Grundlagen der Projektfinanzierung ], S 38

Details

Seiten
27
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638633970
ISBN (Buch)
9783638643238
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72059
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Institut für Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Grundlagen Projektfinanzierung Betriebliche Finanzierung Geld- Kreditwesen

Autor

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