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Räumliche Auswirkungen des Tourismus in den MOE–Staaten am Beispiel von Polen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 22 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Räumliche Auswirkungen des Tourismus in Polen
2.1. Geschichte und Trends
2.2. Wirtschaft
2.2.1. Arbeitsmarkt
2.2.2. Bevölkerungsbewegungen
2.2.3. Deviseneinnahmen
2.2.4. Preisbildung
2.3. Infrastruktur
2.3.1. Verkehr
2.3.2. Übernachtung
2.3.3. Einkauf
2.3.4. Handwerker
2.3.5. Medizinische Versorgung
2.3.6. Unterhaltung
2.4. Umwelt und Kultur
2.4.1. Naturschutzdenken
2.4.2. Einfluss auf die Kultur der Region
2.4.3. Imageverbesserung

3. Zusammenfassung

Literaturliste

1. Einleitung

Der Tourismus wird oft als „weiße Industrie“ bezeichnet. In Bezug auf die Umweltschädigung schneidet diese Branche im Vergleich mit der Industrie in der Tat viel besser ab. Und auch die landwirtschaftliche Nutzung erfolgt oft nicht so schonend und nachhaltig wie dies im Idealfall eines sogenannten „sanften Tourismus“ ist. Unbestreitbar verlockend ist die Entwicklung von dieser Dienstleistungsbranche für viele Regionen, die sonst über wenig oder gar keine Bodenschätze wie auch Nutzböden für die Landwirtschaft verfügen, dafür umso mehr die einzigartige Schönheit der Natur ausnutzen können. So ist es z.B. in vielen Bergregionen der MOE-Länder, aber auch in vielen Naturreservaten bzw. Naturschutzgebieten. Wenn es gelingt, in solchen Gebieten den Naturschutz mit einzubeziehen, wird es bestimmt zu einem guten Beispiel von erfolgreicher Bewirtschaftung und gleichzeitig ein Beitrag zu dem Umweltschutz, der immer mehr an Aktualität gewinnt.

Außerdem wird infolge von Tourismus die Infrastruktur des jeweiligen Landes mehr und mehr ausgebaut, sehr oft auch grenzüberschreitend. Die Öffnung der Grenzen in der EU leistet dazu ihren Beitrag und ermöglicht vielen mittel- und osteuropäischen Staaten eine bessere Anbindung an übriges Europa auszubauen.

Neben der Infrastruktur werden auch Arbeitsplätze geschaffen. Das ist ein großes Plus für die jeweilige Region, man denke dabei an die vielen verlorengegangenen Plätze in der Industrie infolge der Globalisierung. Bis jetzt waren die MOE-Staaten eher die Gewinner der Globalisierung, jedoch kann man ahnen, dass die Angleichung des Lebensniveaus an die EU-Standards auch für diese Länder nicht ohne Auswirkungen bleibt.

Ein großer Gewinn für jedes Land ist auch eine Image-Verbesserung, denn touristisch attraktive Gebiete ziehen auch Investoren in die Region. Nebenbei werden auch eine Belebung und eventuell sogar eine „Verjüngung“ in der Bevölkerungsstruktur beobachtet, vor allem durch junge arbeitende und sich erholende Leute.

Neben vielen positiven Auswirkungen auf die Region hat aber auch Tourismus seine negativen Seiten. Es kann sogar dazu kommen, dass die Natur, die eigentlich eine Grundbedingung für den z.B. Erholungstourismus ist, durch den Massentourismus zerstört werden kann. Genauso wird oft die einheimische Kultur in ihrer Einzigartigkeit gefährdet, verliert ihren kulturellen Wert und wird wie eine Ware ver- und gekauft. Die Identität der Einheimischen leidet womöglich darunter. Es kommt auch vor, dass innerhalb eines Landes große Unterschiede zwischen Stadt und Land entstehen, vor allem durch den Stadttourismus, so dass touristisch attraktive Städte und auch touristisch genutzte Gebiete über eine sehr gute Infrastruktur verfügen, dabei werden andere Regionen vernachlässigt. So entsteht eine Einseitigkeit in der Entwicklung der Infrastruktur des Landes und auch in der Wirtschaft, die vor allem in Zeiten der wirtschaftlichen Krisen, wenn Tourismus an Attraktivität verliert, eine Gefahr für das ganze Land darstellen kann. Es ist natürlich nicht tourismusspezifisch, sondern ist eine Folge von einseitiger Ausrichtung der Wirtschaft.

Weitere Auswirkungen könnten unter anderem soziale Problemfelder betreffen. Es wären zum Beispiel die Demonstrations-, Identifikations-, Imitations-, Akkulturationseffekte oder die Prostitution im Informellen Sektor.[1]

In dieser Arbeit wird es versucht, die aktuelle Entwicklung der touristischen Branche in den neuen MOE - Staaten und die vielseitigen räumlichen Auswirkungen des Tourismus am Beispiel von Polen darzustellen. „Polen ist mit 312.700 km² und 38,6 Mill. Einwohnern das größte der zehn EU-Beitrittsländer“[2] und hat ein großes touristisches Potenzial aufgrund abwechslungsreicher Naturgegebenheiten (Berge für den Kletter-, Wander- sowie Skitouristen; Seen zum Baden und Erholen; Wälder, Naturreservate zum Ausruhen; Flüsse, Wiesen für den Reiter-, Kajak-, Radsport), reicher multikultureller sowie religiöser Geschichte des Landes. So hat die tausendjährige Geschichte der katholischen Religion ihre Spuren in Form der zahlreichen Klöster, Kirchen und Kapellen hinterlassen. Außerdem verfügt Polen über zahlreiche Kunstwerke, Denkmäler, historische Bauten wie Schlösser, Paläste, verschiedene Museen. Und nette Menschen, die Gastfreundschaft pflegen, ziehen immer mehr Touristen und Besucher ins Land.

Der Zeitraum von 1980 bis 2000 ist in Polen wie auch in anderen MOE – Ländern „von einem erheblichen Strukturwandel geprägt, der auf den politischen, wirtschaftlichen und technologischen Wandel zurückzuführen ist.“[3] Deswegen habe ich versucht, auch den historischen Aspekt in meiner Arbeit zu beleuchten.

Leider findet man zu diesem Thema nicht genug aktuelle sowie geeignete Literatur. „Das statistische Datenmaterial zum Fremdenverkehr in Polen ist aufgrund häufiger Wechsel der Berechnungsgrundlagen für die Aufstellung von Zeitreihen nur schwer aufzubereiten.“[4] Aus diesem Grund habe ich versucht, das neue Medium Internet stärker zu Rate zu ziehen und teilweise auch andere MOE-Länder in die Einschätzung mit einzubeziehen.

Das weitere Problem besteht in der starken Verflechtung und Schwierigkeit der Abgrenzung des Tourismus als Wirtschaftszweig von anderen Sektoren. Dazu kommt, dass gerade im Tourismus der Informelle Sektor eine sehr wichtige Rolle spielt und es ist sehr schwer, die Recherchen in diesem Bereich durchzuführen. Aus diesem Grund habe ich versucht, mich auf mehr oder weniger sichtbare Auswirkungen zu konzentrieren und die anderen weniger zu beleuchten oder gar außer Acht zu lassen.

2. Räumliche Auswirkungen des Tourismus in Polen

2.1. Der Tourismus in Polen hat eine lange Tradition. 1873 kann man als Beginn des Fremdenverkehrs in Polen bezeichnen. Zuerst ist er religiöser und kommerzieller Natur, mit der Gründung einer Tatragesellschaft erlebt Polen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Tatraregion hat die ersten Touristen angelockt und Krakau ist zuerst nur ihr Ausgangspunkt. Im Nachhinein „wurde die Stadt selbst zum Brennpunkt des polnischen Bildungstourismus“[5], so auch Warschau ab 1906.

Erste Anzeichen des Massentourismus werden in der Zeit der Republik Polen bemerkbar. Am Anfang stehen Schul- und Jugendfahrten, erste Herbergen in Warschau und Krakau werden für diese Zielgruppen gebaut. Auch andere Städte holen diese Entwicklung nach.

Nach dem Krieg blieben 1945 nur 3800 Übernachtungsplätze erhalten. Aktivitäten der traditionellen touristischen Bewegungen tragen dazu bei, dass der Fremdenverkehr wieder eine immer größere Rolle spielt. Die zweite Welle des Tourismusbooms kann man etwa 20 Jahre nach dem Krieg ausmachen. Bis 1970 wird eine Steigerung der Übernachtungsplätze verzeichnet, wozu Urlaubsfond für Werktätige und Ferienheime (besonders 1960-1975 beliebt), aber auch betriebseigene Angebote der Firmen und Institutionen beigetragen haben. Ab 1980 setzte ein rückläufiger Trend. Der Grund dafür war die extreme Abhängigkeit der touristischen Nachfrage von politischen Einflüssen, was zur Krise der Tourismusbranche führte.[6] „Als in den 1980er Jahren die Löhne stagnierten und die Rate der Hyperinflation immer höher lag, wurde immer weniger gereist. Diese kräftigen Nachfragerückgänge führten zum Abbau von Beherbergungskapazitäten.“[7]

1989 wurde ein „Neuer Gesellschaftsvertrag“ unterschrieben und kurz danach ein Programm zur marktwirtschaftlichen Reform vorgelegt.[8] Infolge dessen verzeichneten die Einreisezahlen seit Beginn der 90er Jahre einen beständigen Anstieg. Die wachsenden Besucherzahlen und Investitionen aus dem Ausland haben zur qualitativen Verbesserung und Erweiterung des touristischen Angebotes geführt.[9] „Infolge der dramatischen Entwicklung von Unternehmenszusammenbrüchen in der Tourismusbranche entstanden freie Kapazitäten, ging die Anzahl der Betriebe stark zurück und freie Kapazitäten wurden in artfremde Nutzungen übergeführt.“[10] Außerdem entstand ein großer illegaler Teil der Privatwirtschaft.

Infolge der Stabilisierungspolitik, der Umsetzung einer „Strategie für Polen“ und des Wirtschaftsprogramm 1994-1997 trat 1998 eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung in Polen ein.[11]

1998-2001 wurden vier Reformen durchgeführt, die zu sozialen Spannungen führten. Ein solches Klima schreckte die ausländischen Gäste ab.[12] Deswegen war ab 2000 die Tendenz wieder rückläufig.

„Im Jahr 2003 nahm die Zahl der aus dem Ausland einreisenden Besucher wieder zu, jedoch lediglich um 2,7 % im Vergleich zum Vorjahr.“[13] „Bei der Analyse der touristischen Einreisen im Jahre 2003 ist zu berücksichtigen, dass ab Oktober 2003 die Visumpflicht für die im Osten an Polen grenzenden Länder eingeführt wurde (in Zusammenhang mit dem EU-Beitritt Polens). Dies resultierte in einem starken Rückgang der Einreisen aus diesen Ländern.“[14]

Eine aktuelle Entwicklung sind die Kurreisen. Vor allem deutsche Touristen kommen nach Polen zu einem Gesundheitsurlaub. „Im Jahr 2005 besuchten rund 5,7 Millionen Touristen aus Deutschland das Nachbarland Polen. Das bedeutet einen Zuwachs von rund zehn Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Damit kann Polen zum dritten Mal in Folge ein starkes Wachstum bei den Touristenzahlen aus Deutschland vermelden. Insgesamt stieg die Zahl der deutschen Gäste seit 2002 um fast ein Drittel.“[15]

2003/2004 wurde „Lebuser Land“ an der deutsch-polnischen Grenze zur Landschaft des Jahres gewählt. Die deutsch-polnische Kooperation wurde in der Grenzregion im Bereich des Tourismus bekräftigt.

Von UNESCO sind Krakow (1978), Warsaw (1980) und der Park Muzakowsi (2004) zum Weltkulturerbe erklärt.[16]

In Polen gibt es große Vielfalt ganz unterschiedlicher Landschaften, so dass es zu jeder Jahreszeit attraktive Angebote für Touristen gibt.

Zu den touristisch attraktiven Gebieten in Polen gehören Warschau, Krakau, Kolobrzeg (das ehemalige Kolberg), alte Hafen- und Hansestadt Danzig. Im Norden entlang der Seeküste und der Seelandschaft des Pommerschen Hinterlandes gibt es lange Sandstrände und Steilküsten. Im Süden bietet die Tatraregion, das höchste Gebirge Polens, Wander- und Wintersportmöglichkeiten. Auch die oberschlesischen Kurorte des Glatzer (Klodzko) Berglandes ziehen mit ihren Mineralquellen und dem Riesengebirge viele Besucher an.

[...]


[1] Vgl. Eisenstein/Rosinski, S.806

[2] Ahlert: EU-Erweiterung, S.20

[3] Jedrzejczyk, S.569

[4] Pelzer, S.271

[5] Ebenda, S.270

[6] Vgl. Jedrzejczyk, S.569

[7] Ebenda

[8] Vgl. ebenda, S.569

[9] Vgl. Jedrzejczyk,S.569

[10] Ebenda, S.570

[11] Vgl. ebenda

[12] Vgl. ebenda

[13] Business in Polen 2004, S.180

[14] Ebenda

[15] Polen aktuell 2, S.1

[16] Portal Unesco

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638722551
ISBN (Buch)
9783638771726
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71886
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Schlagworte
Räumliche Auswirkungen Tourismus MOE–Staaten Beispiel Polen

Autor

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