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Motivationale Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen

Examensarbeit 2006 156 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Motivationale Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen
2.1 Theoretische Grundlagen motivationaler Aspekte
2.1.1 Begriffe der Motive und der Motivation
2.1.2 Formen der Motivation
2.1.3 Motivklassifikation
2.1.4 Motivation und Handlung
2.1.5 Determinanten des Motivationsprozesses
2.1.6 Motivationsprozess
2.1.6.1 Handlungsantizipation
2.1.6.2 Handlungsrealisation
2.1.6.3 Handlungsinterpretation
2.1.7 Motivationsprozessmodell
2.2 Motivationale Aspekte im Sport
2.2.1 Motivklassifikation
2.2.2 Leistungsmotiv und Leistungsmotivation
2.2.3 Kennzeichen der Kausalattribuierung (Ursachenzuschreibung)
2.2.4 Verbesserungsmöglichkeiten der Motivation im Sport
2.3 Motivationale Aspekte im Schwimmen
2.4 Motivationale Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen
2.5 Spezifische Fragestellung

3. Methodik
3.1 Untersuchungsverfahren
3.1.1 Befragung allgemein
3.1.2 Mündliche Befragung
3.1.3 Fokussiertes Interview
3.1.4 Interviewleitfaden
3.2 Untersuchungspersonen
3.3 Untersuchungsdurchführung
3.4 Untersuchungsauswertung

4. Darstellung und Diskussion der Ergebnisse
4.1 Motivationale Aspekte im Schwimmen
4.1.1 Allgemeine Motive im Sport bzw. Schwimmen
4.1.2 Eigene Erwartungen der Schwimmer
4.1.3 Internale und externale Faktoren
4.1.4 Leistungsmotiv
4.1.5 Präsentation der eigenen Person und des Vereins
4.1.6 Körperliche Fitness und Gesundheitsbewusstsein
4.2 Motivationale Aspekte beim Wettkampf
4.2.1 Vor dem Wettkampf
4.2.2 Während des Wettkampfes
4.2.3 Nach dem Wettkampf

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1 Aspekte der Motivation (eigene Darstellung)

Abbildung 2.2 Hierarchie- Modell nach Maslow (1970) (vgl. Zimbaro 1995, 415)

Abbildung 2.3 Interpendenz zwischen Motivation und Handlung ... (vgl. Samulski 1986, 75)

Abbildung 2.4 Übergänge zwischen Motivation und Handlung ... (verändert nach Heckhausen 1989, 13)

Abbildung 2.5 Komponenten der Handlungssituation motivational relevanter Aspekte (vgl. Nitsch & Hackfort 1981, 278)

Abbildung 2.6 Klassifikationsmodell der wesentlichen Handlungsdeterminanten (modifiziert nach Nitsch & Allmer 1976, 44)

Abbildung 2.7 Triadische Handlungsstruktur . (modifiziert nach Gabler 1986, 230)

Abbildung 2.8 Erweitertes Motivationsmodell in handlungstheoretischer Darstellung

(modifiziert nach Heckhausen 1989, 469)

Abbildung 2.9 Motivstrukturierung nach dem Gesichtspunkt der Sportspezifität (modifiziert nach Hoff 2000, 51)

Abbildung 2.10 Hierarchiemodell zur Klassifikation von Hochleistungs-, Leistungs-, Breiten- und Freizeitsport (eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2.1 Klassifikation der Handlungsbedingungen (modifiziert nach Nitsch & Hackfort 1981, 283)

Tabelle 2.2 Klassifizierung der Motive im Sport .. (modifiziert nach Gabler 2002, 17)

Tabelle 2.3 Faktoren der Kausalattribuierung ... (vgl. Weiner 1988, 270)

Tabelle 2.4 Faktoren der Kausalattribuierung im Sport (vgl. Gabler 2002, 59)

Tabelle 3.1 Überblicksdarstellung zum Profil der Untersuchungspersonen.. (eigene Daten 2006)

Anhangsverzeichnis

Anhang 7.1 Personalisierter, empirischer Fragebogen

Anhang 7.2 Interview über die motivationalen Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen (Leitfragen)

Anhang 7.3 Liste der möglichen Motive zum Schwimmen zu gehen (eigener Entwurf)

Anhang 7.4 Liste der möglichen Motive für eine Wettkampfteilnahme (eigener Entwurf)

Anhang 7.5 Vorstellung eines ausgewählten kompletten Interviews

1. Problemstellung

Um 5 Uhr früh aufstehen, den Badeanzug anziehen, ins kühle Nass springen, um zu trainieren - nicht jeder findet diesen Gedanken angenehm. Einige motiviert es, morgens schon laufen zu gehen, weil sie sich danach fit für den gesamten Tag fühlen. Anderen würden diese Gegebenheiten nicht ausreichen, um aus dem Bett zu kommen. Der Fakt, dass verschiedene Menschen in gleichen Situationen, „[…] unterschiedliche Ziele verfolgen bzw. Situationen offenkundig verschieden beurteilen“ (Erdmann 1983,13), suggeriert das Vorhandensein von unterschiedlichen motivationalen Aspekten.

Bereits zum Beginn dieses Jahrhunderts begann die Forschungsgeschichte in der Motivationspsychologie. Das Verhalten der Menschen zu erklären, war schon immer das Ziel dieser Forschungsrichtung. Verschiedene Literaturen mit wechselnden Lösungsansätzen versuchten unter differenzierten Bezeichnungen die Thematik des „Motivs“ und der „Motivation“ zu beschreiben und die aufkommenden Fragen, mit welcher Form der Antizipation, Aktivierung, Realisation, Intensität und Dauer das Verhalten gesteuert wird, zu beantworten.

Das Vokabular dieser Historik änderte sich stets. So befassten sich die Menschen mit den „Motiven“ und „Beweggründen“ der Verhaltensweisen. Der Terminus „Motivation“ sollte einen Erklärungswert für scheinbar automatisch ablaufende Vorgänge, wie Wahrnehmen, Antizipieren und Denken geben. Später tauchten Begriffe wie „Wille“, „Instinkte“, „Triebe“ und „Bedürfnisse“ auf, welche die Ausführung der Handlungsintentionalität erklären sollten. Der Wortgebrauch „Wille“ stand lange Zeit im Mittelpunkt zur Erklärung der (Willens-) Handlungen und des (Willens-) Aktes. Die Motivationsforschung entwickelte sich allmählich zu einem selbstständigen Untersuchungsfeld mit eigenen Begriffen, Methoden und Theorien (Heckhausen 1989, 19).

1936 wurde das erste Buch mit dem Titel „Motivation and Behaviour“ (P. T. Young) veröffentlicht. Statt Willensakte waren es nun Bedürfnisse und Tendenzen, die das Verhalten bestimmen sollten. Henry Murray war einer der ersten Wissenschaftler, der 1938 eine Taxonomie 20 grundlegender menschlicher Bedürfnisse entwickelte (vgl. Punkt 2.1.3). Lediglich 25 Jahre später häuften sich die Dissertationen über das Themengebiet der Motivation (u. a. Mc Clelland 1953, Atkinson 1957, 1964; Koch 1963, Thomae 1965).

Die wissenschaftliche Bedeutung der Motivationsforschung wurde vor allem auch durch die deutschsprachigen Veröffentlichungen von Weiner (1972, 1976, 1980, 1988) und Heckhausen (1980, 1989) gefördert. In den letzten Jahren entwickelte sich das Forschungsfeld nur unwesentlich weiter (Gabler 1993, 10), weil die differenzierten Fragestellungen, Variablen, Methoden und Thematiken der verschiedenen Wissenschaftler bisher noch kein einheitliches Format gefunden haben.

Unter handlungspsychologischer Perspektive entstehen in der Motivationsforschung die Fragen, Warum? und Wozu?, d. h. zu welchem Zweck jemand eine Handlung unternimmt. Diese Fragestellungen suchen einerseits nach Anlässen für eine bestimmte Handlung, andererseits nach den Zielen, auf die das Verhalten ausgerichtet ist.

Bewegung und sportliche Aktivität gehören zu den Elementen der Lebensführung, die in jeder Lebensphase beitragen können, dass sich Menschen gesünder und glücklicher fühlen. Besonders gilt dies für die ersten Jahre des Lebens bis zur Adoleszenz. Kurz & Tietjens (1998, 95) beschreiben, dass sich Kinder und Jugendliche, „[…] die sich viel bewegen und Sport treiben, […] auf der Sonnenseite des Lebens befinden. Ihre körperliche Aktivität ist Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität, und sie ist zugleich ein Motor ihrer Entwicklung“.

Man erkannte schon sehr frühzeitig, die wichtige Bedeutung des Sportes und der Bewegung. Bereits nach dem II. Weltkrieg ist der Sport in den Industriekulturen zu einer populären Massenbewegung geworden, weil er elementare Grundbedürfnisse erfüllt. Zu diesen gehören unter anderem eigene Bewegungserfahrungen, das Erlebnis von Kraft und Schwäche, Identifikationsmöglichkeiten mit Akteuren, Erlebnisse mit Vorbildern, Möglichkeit des Spannungsabbaus und Freiraum für die Äußerung von Gefühlen (Janssen zit. nach Alfermann & Stoll 1999).

Die Untersuchungen motivationaler Aspekte im Sport nehmen einen großen Anteil in der Motivationsforschung ein. Die Motive, die Menschen dazu bewegten Sport zu treiben, sind vielfältig. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Veröffentlichungen über die Motivation im Sport enorm gestiegen (u. a. Erdmann 1983; Gieß- Stüber 1991; Alfermann & Stoll 1999; Hackfort, Munzert & Seiler 2000; Gabler 1981, 1988, 2002), wobei insbesondere Gabler umfangreiche Ausführungen und Gruppierungen zur Thematik der Motive und Motivation im Sport unternommen hat.

Die vorliegende Arbeit kann keinen vollständigen Überblick über die Ausführungen theoretischer Konzeptionen geben, sondern die Intention der Ausführungen liegt vielmehr darin, wichtige Bestimmungsstücke des Motivationsbegriffs herauszugreifen. Den Literaturhinweisen sind differenzierte Darstellungen zu entnehmen. Das Anliegen dieser Arbeit ist es, sich mit den motivationalen Aspekten, speziell bei den Jugendlichen im Schwimmen auseinander zu setzen.

Mit dem ersten Kapitel sollen die theoretischen Grundlagen skizziert werden, auf deren Hintergrund eine empirische Untersuchung unternommen wurde. Im Vordergrund dieser Analyse stehen die allgemeinen Motive sowie speziell die Motive im Schwimmen beim Training und im Wettkampf, die zu Erfolgen oder Misserfolgen führen können. Die Untersuchung wird anhand eines Interviews durchgeführt. Um möglichst weit reichende Ergebnisse zu erlangen, wurden Probanden unterschiedlicher Altersgruppen, Leistungsebenen und Geschlechter befragt.

Im Rahmen dieser Arbeit wird aufgrund einer besseren Verständlichkeit von einer Trennung zwischen weiblichen und männlichen Personenbezeichnungsformen abgesehen, so sind beispielsweise bei dem Begriff `Sportler` beide Geschlechter gemeint.

2. Motivationale Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen

Eine einführende Beschreibung der motivationalen Aspekte im Hinblick auf die Formen der Motivation, deren Klassifikationsebenen und Handlungsprozesse bildet die Grundlage der vorliegenden Arbeit. Die motivationsbedingten Faktoren werden im Sport und speziell am Beispiel des Schwimmens dargestellt. Hierbei werden Möglichkeiten aufgezeigt, die Motivation der Sportler zu erhöhen. Im Rahmen der durchgeführten Studie werden motivationale Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen untersucht und beschrieben.

2.1 Theoretische Grundlagen motivationaler Aspekte

Motivationstheoretisch fundierte Arbeiten wurden in den letzten Jahrzehnten von verschiedenen Wissenschaftlern häufig entwickelt. Autoren wie Erdmann (1983), Gabler (1986, 2002), Weiner (1988), Heckhausen (1989) und Schneider und Schmalt (1994) stellten Überlegungen an, welche Erläuterung man dem Begriff `Motiv` zuschreiben kann und welcher Zusammenhang sich daraus für den Begriff der `Motivation` ergibt.

2.1.1 Begriffe der Motive und der Motivation

Mit der Unterscheidung von Motiv und Motivation kann man die Weitläufigkeit der Termini eindeutiger fassen. Im folgenden Abschnitt sollen verschiedene Ansätze dieser Begriffe näher erläutert werden.

Der Motivbegriff (lateinisch „motivum“ – Beweggrund) bezeichnet eine „[…] relativ stabile Verhaltensdisposition, die das Resultat eines –meist- langfristigen Lernprozesses darstellt“ (Erdmann 1983, 17). Verhaltensdispositionen sind nach Hoff (2000, 19) als Generalisierung aller im Laufe des Lebens zu dieser Thematik gemachten Erfahrungen zu sehen. Den Motivbegriff als motivationale Disposition im menschlichen und tierischen Verhalten aufzufassen, hat sich in der Motivationspsychologie weitgehend durchgesetzt (u. a. Atkinson 1975, Weiner 1988, Schneider & Schmalt 1994). Gabler (2002, 14) geht wie Erdmann (1983, 26) von einem Motiv als `hypothetisches Konstrukt` aus. Diese Konstrukte können als Hilfsgrößen zur Erklärung menschlichen Verhaltens, die die Wahrnehmung, das Denken, Fühlen und Handeln von Individuen beeinflussen und die als angestrebte Zielzustände innerhalb eines bestimmten Person- Umwelt- Bezuges wirken, aufgefasst werden (Dörner 1996, Heckhausen 1989).

Motiv als ein Produkt vorheriger Lernprozesse ist ein „[…] affektiv getöntes, assoziatives Netzwerk“ (Mc Clelland 1965, 322), welches positive und negative Gefühlsstellungen beschreibt, die mit Handlungen verknüpft werden und dessen Resultat das Motiv ist. Schneider und Schmalt (1994) lehnen ihre Definition an das Instinktkonzept von Mc Dougall an.

Demnach ist ein Motiv eine „[…] ererbte oder angeborene psychophysische Disposition, welche ihren Besitzer befähigt, bestimmte Gegenstände wahrzunehmen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, durch die Wahrnehmung eines solchen Gegenstandes eine emotionale Erregung von ganz bestimmter Qualität zu erleben und daraufhin in einer bestimmten Weise zu handeln oder wenigstens den Impuls zu solch einer Handlung zu erleben“ (Mc Dougall 1928, zit. n. Schneider & Schmalt 1994, 14). Dabei wird besonders die Funktion der Wahrnehmung oder Informationsaufnahme und –verarbeitung betont.

Eine besondere Rolle in den Motivdispositionen spielen auch Emotionen, Bedürfnisse und Einstellungen, welche bei den zu erwartenden Ereignissen wirken können (Fessler 1992, Erdmann 1983).

Die Motivation stammt vom lateinischen Wort „movere“ – in Bewegung setzen, bewegen und stellt die exakte, durch das Motiv gesteuerte, angeregte Handlungsweise dar. Der Begriff der Motivation spielt in der Psychologie im Allgemeinen und in der Lernpsychologie im Besonderen eine außerordentliche Rolle. „Die Motivierung erfolgt durch das Zusammenwirken von einem Motiv als angestrebter allgemeiner Zielvorstellungs- und Situationsanreiz“ (Erdmann 1983, 17). Ohne bestimmte Motive als Auslöser wird demnach keine Motivation erreicht. Da der Motivationsprozess eine motivationsspezifische Richtung bezeichnet, bei dem eine Auswahl von Handlungsalternativen erfolgt, wird die Motivation als „[…] relativ kurzfristig und situationsüberdauernd […]“ (Heckhausen 1980, 30) angesehen. Ilg (1990) charakterisiert den Begriff der Motivation mit allen Prozessen, Zuständen und Strukturen, die im Ergebnis eine „handlungs- bzw. tätigkeitsrichtende Wirkung haben“ (Ilg 1990, 121).

Atkinson (1975, 18) bezeichnet den Begriff Motivation als „[…] aktuellen Zustand des Motiviertseins“, also die Gesamtheit der emotionalen und kognitiven Prozesse, die Verhalten steuern und antreiben. Demnach unterliegt die Motivation Willensprozessen, Vorsätzen und Entschlüssen, die durch das Bewusstsein und die Aussageabsicht gekennzeichnet sind (Schneider & Schmalt 1994, 16).

Die Begriffe der Motivation und der Motivierung werden in der Literatur oft als Synonym angegeben (u. a. Erdmann 1983, 16). Gabler (1986, 72) beschreibt jedoch, dass Motivierung den Prozess meint, der die Anregung bestimmter Motive beschreibt. Das Ergebnis der Motivierung wird demnach als Motivation bezeichnet. Pölzer (1994, 25) gibt drei Aspekte an, welche den Motivationsbegriff näher darlegen, nämlich den Aktivierungsaspekt, den Zielaspekt und die Persistenz. Diese Motivationskomponenten und deren Abhängigkeiten untereinander habe ich in der folgenden Abbildung in einem Beziehungsgefüge dargestellt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zielaspekte

Abbildung 2.1: Aspekte der Motivation (eigene Darstellung).

Die Abbildung 2.1 zeigt, dass die Handlungsresultate von der Persistenz, der Intensität und der Richtung des Verhaltens abhängig sind. Die Aktivierungsaspekte beziehen sich auf die Energie, den Anreiz, die das Individuum aufweist, um Handlungen auszuführen. Bei einer zu geringfügigen Aktivierung (Hypoaktivierung) werden unzureichende Voraussetzungen geschaffen, um das Ziel reibungslos zu erreichen. Ebenfalls stellt ein zu hohes Aktivierungsniveau (Hyperaktivierung) ein motivationales Problem dar. Die Zielaspekte sollten für eine angemessene Aktivierung vorhanden sein, denn wenn diese fehlen, ist ein Handeln kaum möglich. Zielsetzungen variieren im Laufe der Zeit und vor allem im Sport sind für eine explizite Trainingsplanung kurzfristige, mittelfristige und langfristige Trainingsziele von unabdingbarer Voraussetzung. Der Ausdaueraspekt stellt einen engen Zusammenhang zu den Zielaspekten dar.

Erfolgt bei einem langfristigen Ziel eine späte oder aufgeschobene Belohnung, so resultiert eine mangelnde Motivation. Die Pfeile geben die Richtung sich der Motivation an. Ist eine ungenügende Motivation vorhanden, so zeigt die sinngebende Richtung entgegengesetzt zu den Zielaspekten und verläuft rückläufig. Die Intensität der Motivation steigert das Erreichen des Zieles. Ist diese jedoch zu hoch, kann es bei der Ausführung der Handlungen zu Ungenauigkeit und Unvollständigkeit kommen. Eine geringe Intensität verlangsamt den Prozess der Handlung, was aber nicht gleichzeitig eine Verschlechterung der Ausführung bedeutet.

2.1.2 Formen der Motivation

Grundsätzlich wird in der Literatur zwischen 6 verschiedenen Formen der Motivation differenziert (u. a. Rosenstiel 2003). Zu ihnen zählen die primäre, sekundäre, bewusste, unbewusste, intrinsische und extrinsische Motivation. Einer Handlung geht selten ein einzelnes Motiv, sondern meist ein Motivbündel voraus.

Janssen (1995, 107) und Baumann (1993, 132) unterscheiden die primäre von der sekundären Motivation, welche sich meistens komplementieren. Die primären Motive (auch: biogene Motive) (`basic drives`) besitzen eine genetische Basis und eine phylogenetische Entwicklung und können, obwohl sie angeboren sind, durch Umwelteinflüsse überlagert und ausgestaltet werden. Die primären Motive werden durch überlebenswichtige Bedürfnisse, wie zum Beispiel Hunger, Durst, Licht und Wärme ausgelöst. Sekundäre Motive (auch: soziogene Motive) sind Ausdruck erlernter bzw. erworbener gesellschaftlicher Wertschätzungen. Für deren individualspezifische Ausprägung sind besonders die Einflüsse während der ersten Lebensjahre entscheidend. Zu diesen zählen die Leistungsmotivation, das Machtstreben, das Bedürfnis nach Anerkennung und nach Selbstachtung (Janssen 1995, 107). Baumann erläutert, dass Menschen mit primärer Motivationslage stärker motiviert sind als sekundär motivierte, „[…] da sie durch das Handeln eine unmittelbare Befriedigung ihrer Motive erleben“ (Baumann 1993, 132).

Bei der bewussten Motivation ist man sich über die Handlung im Klaren und sie wird mit einem bestimmten Ziel verfolgt. Die unbewusste Motivation betrifft nach Atkinson alle “[…] seelischen Vorgänge, die sich der Übermittlung ins unmittelbar Bewusste besonders widersetzen“ (Atkinson 1975, 98).

Die unbewusste Motivation kann zu Handlungen führen, welche einem Menschen selbst Schaden zufügen können, wie zum Beispiel Rauchen oder Drogenkonsum. Jede Handlung beginnt als unbewusste Handlung, welche entweder so bestehen bleibt oder sich weiter entwickelnd zum Bewusstsein manifestieren kann, je nach dem, ob sie auf Widerstand trifft oder nicht (ebd. 1975, 98).

Von intrinsischer Motivation spricht man, wenn eine Handlung um seiner selbst Willen geschieht, d. h. wenn eine Person aus eigenem inneren Trieb handelt (Rosenstiel 2003). Die Ausführung der Handlung ist demnach für die Person Belohnung genug und dient der persönlichen Befriedigung, z. B. dem Neugierverhalten, Spaß, Interesse. Um eine extrinsische Motivation handelt es sich, wenn der Beweggrund des Verhaltens außerhalb der eigentlichen Handlung liegt. Bei einer extrinsischen Motivation sind die Ausführungen der Handlung an äußere Belohnungen gebunden, z. B. an Lob und an gute Noten. Wiederum sind an die Nichtausführung der Handlung Bestrafungen geknüpft.

2.1.3 Motivklassifikation

In der Geschichte der Motivationspsychologie sind schon die verschiedensten Dispositionen, die Motive in Klassen zu unterteilen, aufgestellt worden. Eine präzise, eindeutige und abgrenzbare Klassifikation von Motiven ist problematisch, da nicht explizit festgestellt wurde, ob Triebe oder Anreize die Ursache für Handlungen sind. Schneider & Schmalt (1994) betonen ebenfalls, dass die Einteilung von Motiven schwierig erscheint und demnach in der Literatur meist willkürlich angegeben wird. Die Klassifikation dient zur Erklärung von „interindividuellen Unterschieden“ (Schneider & Schmalt 1994, 23). Allgemein klassifiziert die Lernpsychologie verschiedene Motivgruppen (Schorb 1975, 178):

1. Triebreduktion: Sie stellt das Zentrum der Motivation dar und liegt im Individuum selbst. Ausführende Aktivitäten verringern einen vorhandenen Triebdruck (z. B. Trainingsehrgeiz).
2. Anreizmotivation: Das Zentrum liegt in der Außenwelt des Individuums. Reize die ankommen, werden zum Anlass für neue Aktivitäten (z. B. Lob vom Trainer).
3. Verstärkung: Angenehmer Reiz, der auf eine Verhaltensweise folgt und dadurch Wiederholungen einer vergleichbaren Aktivität hervorruft (z. B. Gut erreichte Zeit in 50m Brust führt zur Wiederholung von 50m Brust im nächsten Wettkampf)

Reiss (2000) fand 16 Lebensmotive, die angeboren sind, das menschliche Verhalten bestimmen und um ihrer selbst Willen ausgeführt werden sollen: Macht, Unabhängigkeit, Neugier, Anerkennung, Ordnung, Sparen, Ehre, Idealismus, Beziehungen, Familie, Status, Rache, Romantik, Ernährung, körperliche Aktivität, Ruhe. Seinem Modell kommt jedoch eher ein geringer wissenschaftlicher Wert zu, da er auf die Angabe von Realibilität und Validität verzichtet hat. Eine Möglichkeit die individuelle Motivausprägung zu erheben, ist die TAT (Thematischer Auffassungstest), der vor allem zur Messung des Leistungsmotivs verwendet wurde (Mc Clelland 1953, Heckhausen 1963).

Schneider & Schmalt (1994, 23) lehnen sich bei ihren Untersuchungen an die Klassifikation von Murray (1938) an, in dem sie diese Motive, „die vital bedeutungsvolle und universelle Anliegen thematisieren und zu identifizieren“ versucht haben. Für die zugrunde liegenden Dispositionen wird eine Phylogenese angenommen: Hunger, Durst, Angst und Furcht, Neugier, Sexualität, Aggression, Leistungsstreben, Machtstreben, Anschlussstreben. Diese Einteilung der Motive muss sich laut Schneider & Schmalt an den letzten, ultimativen Zielen und Zwecken der Verhaltensdispositionen richten.

Ähnliche Motive werden von Mc Clelland eingeordnet. Er stellt fest, dass jeder Mensch die folgenden Motive in unterschiedlicher Ausprägung besitzt: Leistungsmotiv, Machtmotiv, Aggressionsmotiv, Hilfeleistungsmotiv und Anschlussmotiv. Eine weitere Klassifikation stammt von Mc Dougall (1908). Er versuchte in seiner Instinkttheorie alles Verhalten auf die Motivdispositionen (propensities) zurückzuführen. In der Zeit um 1908 herrschte der Instinktbegriff statt des Motivbegriffs vor. Mc Dougall führte zunächst sieben Merkmale auf die Instinkte zurück:

1. Spontaneität der Bewegung,
2. Anhaltende Ausdauer der Bewegung, unabhängig davon, ob das auslösende Ereignis andauert oder nicht,
3. Richtungswechsel der zielgerichteten Bewegungen,
4. Stillstand der Bewegungen, sobald sie die angestrebte Änderung der Umwelt erreicht haben,
5. Vorbereitung auf die neue Situation, zu der die gegenwärtige Handlung führt,
6. Gewisse Verbesserung im Wirkungsgrad eines Verhaltens, wenn dieses unter ähnlichen Umständen wiederholt wird,
7. Ganzheitlichkeit des Reaktionsverhaltens eines Organismus.

Aus diesen Merkmalen wurden letztendlich 18 instinktartige Dispositionen aufgelistet, welche zusammen ein kognitives Schema bilden. „Bezogen auf das Bild vom eigenen Selbst […]“ (Heckhausen 1989, 65), spielen diese Dispositionen eine zentrale Rolle, welche den Charakter eines jeden Individuums hervorruft. Heckhausen (1989, 65) betont die nicht eindeutige Zuschreibung und Manifestierung dieser Liste, da diese Dispositionen von Mc Dougall nicht vollständig begründet und hinterlegt werden konnten. An die Stelle des Instinktbegriffs trat später die Bezeichnung des Triebs und des Bedürfnisses.

Im Hierarchie - Modell von Maslow (1954) ist eine Abgrenzung gegenüber anderen Modellen zu erkennen. Er listete erstmals nicht einzelne Motive, sondern ganze Motivgruppen auf. Diese Gruppen wurden in eine wertbezogene Hierarchie nach der Rolle ihrer Persönlichkeitsentwicklung geordnet. Solange ein Bedürfnis unbefriedigt bleibt, aktiviert und beeinflusst es das Handeln. Letztendlich müssen immer erst die Bedürfnisse der niederen Gruppe (Mangelbedürfnis) befriedigt sein, ehe ein höher gestelltes Bedürfnis (Wachstumsbedürfnis) aktiviert wird (nach Heckhausen 1989, 65):

1. Physiologische Bedürfnisse: Hunger, Durst, Sexualität, soweit sie homeostatisch und organischer Natur sind,
2. Sicherheitsbedürfnisse: Sicherheit und Schutz vor Schmerz, Furcht, Angst und Ungeordnetheit. Bedürfnis nach schützender Abhängigkeit, nach Ordnung, Gesetzlichkeit und Verhaltensregelung,
3. Soziale Bindungsbedürfnisse: Bedürfnisse nach Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, sozialen Anschluss, Identifikation,
4. Selbstachtungsbedürfnisse: Bedürfnisse nach Leistung, Geltung, Zustimmung,
5. Selbstverwirklichungsbedürfnisse: Selbsterfüllung in der Realisierung der eigenen angelegten Möglichkeiten und Fähigkeiten, Bedürfnis nach Verstehen und Einsicht.

Die „Bedürfnispyramide“ wurde 1970 von Maslow um die Transzendenz erweitert (Abbildung 2.2). Zimbaro hat diese Erweiterung der Klassifikation ebenfalls in seinem Buch „Psychologie“ dargestellt (1995, 415).

Die Hierarchie ist vom „primitivsten“ zu dem „humansten“ angeordnet, die grundlegenden biologischen Bedürfnisse, wie Hunger und Durst, stehen ganz unten. Die Spitze der Pyramide bildet die Transzendenz. Solche Bedürfnisse führen möglicherweise zu höheren Stufen des Bewusstseins und zu einer „kosmischen“ Vision von der eigenen Stellung zum Universum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Hierarchie- Modell nach Maslow (1970) (vgl. Zimbaro 1995, 415).

Zimbaro (1992, 352ff) zeigt auf, dass die Selbstverwirklichung im Wesentlichen eine Motivation darstellt, welche offen für neue Erfahrungen, Ideen und Gefühle ist. Jedoch beinhaltet diese eine Stufe, die nur von sehr wenigen Menschen erreicht wird, d. h. Dinge, welche sich die Menschen wünschen und wonach sie streben. Typisch für den selbstverwirklichten Menschen sind Höhepunkterlebnisse, Momente des „höchsten Glücks und der höchsten Erfüllung“. Hierzu zählen Momente in der Erotik, ästhetische Wahrnehmungen, Naturerlebnisse und Erlebnisse mit intensiver, sportlicher Betätigung.

2.1.4 Motivation und Handlung

Warum handelt ein Individuum zu einem Zeitpunkt mit einem bestimmten Verhalten? Welche Intensität und Struktur bestimmt dieses Verhalten? Diese und weitere Fragestellungen ergeben sich bei der Betrachtung des Zusammenhangs von Motivation und Handlung, welche im folgenden Abschnitt geklärt werden sollen. Nitsch & Allmer (1976, 42ff) legen die Komponenten der Handlung dar, welche in Verbindung zur Motivation auftreten:

1.) Handlungsintensität - bildet die Antriebskomponente, d. h. die Aktivierungsfunktion einer Handlung. Diese Funktion zeigt einerseits Invarianzen auf, andererseits eine Verstärkung oder Abschwächung von Handlungen,

2.) Handlungsstruktur - bildet die Richtungskomponente, d. h. die Steuerungsfunktion einer Handlung. In dieser Funktion wirkt die Motivation im Hinblick auf die Informationsaufnahme, -verarbeitung und –umsetzung in expliziten Handlungen „[…] ausrichtend und selegierend […]“ (Nitsch & Allmer 1976, 42). Die Steuerungsfunktion kommt bei der Änderung der Handlungsziele, der Beibehaltung bestimmter Handlungsformen oder Handlungsziele, der Änderung der subjektiven Bedeutung von Objekten und der Verschiebung der auf sie bezogenen Reizschwellen zum Ausdruck.

Handlungen werden nach Heckhausen (1989, 11) als „[…] komplexe, zielgerichtete und koordinierte Abfolge von Aktivitäten“ verstanden. Bevor es jedoch zu der Ausführung von Handlungen kommt, werden wichtige Aspekte der Wünschbarkeit und Realisierbarkeit des ins Auge gefassten Handlungsziels elaboriert. Motivation und Handlung stehen in einer Interpendenz zueinander. Dieser Sachverhalt, welcher auf handlungspsychologischen Konzepten basiert, lässt sich nach Samulski (1986, 75) durch folgendes Schema veranschaulichen (Abbildung 2.3):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Interpendenz zwischen Motivation und Handlung (vgl. Samulski 1986, 75).

In diesem Entwurf stellt die Motivation eine entsprechende Handlungsvoraussetzung und Handlungsbedingung dar, indem sie Handlungen anregt. Rückwirkend beeinflussen Handlungsresultate die Motivation, so dass diese die Konsequenz von Handlungen darstellt. Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass es keine Verknüpfung zwischen Motivation und Handlung gibt. Das heißt, dass der Übergang der beiden Determinanten ohne Zwischenschritte abläuft. Man war der Meinung, dass der Motivationsprozess mit der stärksten resultierenden „Motivationstendenz“ (Heckhausen 1989, 11), handlungswirksam wird. Heckhausen formulierte das Nicht- Vorhandensein von Determinanten zwischen Motivation und Handlung als „Handlungsloch“ (Janssen 1995, 123). Nitsch stellt sich als einer der Ersten die Frage, wie eine Person Intentionen bildet, verwirklicht und in welcher Weise dieser Prozess volitiv reguliert wird. Er hat den Ablauf sportlicher Handlungen in einem Dreiphasenmodell beschrieben, welches an anderer Stelle dieser Arbeit näher erläutert wird.

Neben Nitsch waren Heckhausen und Kuhl weitere Wegbereiter in der Analyse menschlichen Handelns, um die „[…] Lücke zwischen Intention und Verhalten zu schließen“ (Nitsch & Allmer 1976, 91). Zur Ausdifferenzierung des Prozesses der Intentionsbildung und -verwirklichung versuchten Heckhausen und Kuhl, den langen Weg vom Wunsch bis zum Handeln nachzuzeichnen. Heckhausen (1989, 13) versteht unter Handlung „[…] alle Aktivitäten, welche auf der gleichen Zielvorstellung basieren“. Er beschreibt, dass eine Handlung anreizbedingt motiviert ist und durch volitionale Prozesse (Volition ersetzte den früher verwendeten Begriff: Wille) gesteuert und zu einem Abschluss gebracht wird. (ebd. 1989, 13).

In späteren Ausführungen gelangten u. a. die o. g. Wissenschaftler zur Erkenntnis, dass nicht nur die stärkste resultierende Motivationstendenz, sondern auch unausgeführte und unerledigte Motivationstendenzen beim Übergang von der Motivation zur Handlung auftreten. Motivationstendenzen können auch parallel fungieren, aber nur eine erhält den Zugang zur Handlung. Es gibt bestimmte Prozesse, bei denen auch schwächere Tendenzen vorangestellt werden. In der Regel bekommt lediglich die dominanteste Motivationstendenz Zugang zum Handeln, um das angestrebte Ziel zu verwirklichen. Nun stellt sich die Frage, welche Prozesse ablaufen, damit derartige Motivationstendenzen überhaupt ablaufen können. In welcher Art und Weise laufen diese Durchführungen ab, die von Heckhausen (1989, 12) als „Volition“ bezeichnet werden?

Das Handlungsziel wird nicht ausschließlich durch eine motivationale Tendenz erreicht. Unabdingbar ist hierbei die Bildung einer Intention, um den Charakter einer Handlungsabsicht herzustellen. Heckhausen benennt zwei Fragen, die sich bei dem Prozess des Übergangs zwischen Motivation und Volition ergeben:

1.) Welche Motivationstendenz darf den Übergang überhaupt passieren?

2.) Welche von den bereits bereitliegenden oder gerade neu gebildeten Intentionen erhält den Zugang zum Handeln?

Die Intentionsbildung und Handlungsinitiierung stellen Wirkgrößen aus der Sicht von Heckhausen (1989, 12) dar, die notwendig sind, um parallel zur dominierenden Motivationstendenz das Handlungsziel zu erreichen (Abbildung 2.4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Übergänge zwischen Motivation und Handlung (verändert nach Heckhausen 1989, 13).

Unter anderem beschreiben ebenfalls Kunath & Schellenberger (1991), Janssen (1995), Gollwitzer (1996) und Hackfort & Munzert (2000) das volitionale Handlungsmodell (Rubikonmodell) genauer. Diese neueren Überarbeitungen der Motivationstheorie zeigen, dass alle Handlungen eine Vierphasenstruktur besitzen, die kurz als:

1.) prädeszisionale Phase (Intensionsbildung),
2.) präaktionale Phase (Intentionsinitiierung),
3.) aktionale Phase (Intentionsbeibehaltung),
4.) postaktionale Phase (Intentionsbeendigung) bezeichnet werden.

Kunath & Schellenberger (1991, 119) fassen diese Phasen als Handlungsvorbereitung, Handlungsausführung und Handlungsnachbereitung zusammen. Jedem dieser Regulationsabschnitte kommt ein Teil der Orientierungsfunktion, Aktivierungsfunktion, Kontrollfunktion und Desaktivierungsfunktion zu (Hackfort & Munzert 2000, 96). Heckhausen betont: „Mit dem Erreichen des intendierten Zieles ist zwar das Handeln, aber noch nicht die Handlung beendet“ (1989, 15). Es schließt sich sofort eine andere Handlung an, wenn zuvor ein handlungsbewertender Rückblick und eventuell auch ein handlungsplanender Weitblick vorausgegangen ist.

In der Nachhandlungsphase fungieren postaktionale Motivationsprozesse. Diese bewerten, ob und inwieweit das angestrebte Ziel erreicht und damit die Intention erledigt ist und aufgelöst werden kann (ebd. 1989, 15).

2.1.5 Determinanten des Motivationsprozesses

Handlungen sind situationsgebunden und bestimmen den Alltag jeder Person. Auch Sportler sind als handelnde Individuen zu betrachten. Jede Handlungssituation wird durch eine spezifische Personen- Umwelt- Konstellation determiniert. Wenn diese Konstellation zum Beispiel von einem sportiven Kontext geprägt ist, so sind die Verhaltensweisen als sportliche Handlungen zu verstehen. Geht es um eine organisierte Bewegung des handelnden Subjekts, so wird dies als Bewegungshandeln bezeichnet.

Der Person- Umwelt- Bezug bestimmt grundlegend den Motivationsprozess (vgl. Punkt 2.1.6). Die Abweichung des IST- Zustandes (gegebener Zustand) von einem SOLL- Zustand (Bezugszustand) bildet die Bewertung des Person- Umwelt Bezuges. „Motivation ist in diesem Sinne zu verstehen als die grundlegende Tendenz zur Realisierung eines personenspezifischen SOLL- Zustandes des individuellen Personen/ Umwelt- Bezugs“ (Nitsch & Allmer 1976, 43).

Heckhausen nimmt 1965 eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen überdauernder und aktualisierter Motivation vor. Dabei wird unter überdauernder Motivation „[…] ein relativ stabiles personenspezifisches Bezugssystem, für die Bewertung und Modifizierung konkreter Personen- Umwelt- Bezüge […]“ (Nitsch & Allmer 1976, 43) verstanden.

Die Beschaffenheit der Person- Umwelt- Bezüge ist abhängig von den Festlegungen der überdauernden Motivation im Sinne verallgemeinerter SOLL- Lagen, um eine Befriedigung zu erleben.

„Die aktualisierte Motivation ergibt sich aus der, auf die überdauernde Motivation bezogenen, Interaktion bestimmter Person- und Umweltvariabler“ (Nitsch & Allmer 1976, 43). Charakterisierend für den Grad der aktualisierenden Motivation ist zum einen die Steilheit des Erwartungsgefälles zwischen dem jeweiligen IST- Zustand (Ausgangslage) und zum anderen der angestrebte SOLL- Zustand (Ziellage) einer Person.

Menschliche Handlungen werden von drei wesentlichen Bedingungen bestimmt, der Person, der Umwelt und der Aufgabe (u. a. Nitsch & Allmer 1981, Gabler 1986, 1993, Samulski 1986). Nitsch & Hackfort (1981, 277ff) charakterisieren alle drei Determinanten:

Die Aufgabendeterminante ist motivational über das Attraktivitätskonzept und das Lösbarkeitskonzept wirksam. Die Attraktivität einer Aufgabe ist sowohl von der persönlichen Bedeutung für die handelnde Person als auch davon abhängig, inwieweit die Aufgabenbewältigung zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Die aufgabenbezogene Kognition wird mit der Lösbarkeit der jeweiligen Aufgabe bedeutsam (z. B. Bewegungsausführung des Sportlers).

Die Personendeterminante umfasst die Einschätzung der eigenen Handlungsfähigkeit und Handlungsbereitschaft. Zum Beispiel sollte der Trainierende seine Belastung so relativieren, dass die Anforderung der gestellten Aufgabe bewältigt werden kann und dabei die Entwicklung des Körpergefühls sowie der Spaß im Vordergrund stehen. Dies steigert gleichzeitig das Selbstwertgefühl der betreffenden Person. Um eine Handlungsinitiierung und einen optimalen Handlungsablauf zu gewährleisten, ist ein adäquates Aktivierungsniveau von Relevanz. Die Handlungsbereitschaft wird durch die individuelle Motivations- und Interessenlage beeinflusst. Es erscheint daher für das Training als sinnvoll, sich Nah- und Fernziele zu setzen, so dass eine Belohnung gesichert ist und vor Selbstzweifeln geschützt wird (vgl. Pkt. 2.2.4).

Die Umweltdeterminante zeigt die materiellen und sozialen Handlungsbedingungen auf. Materielle Bedingungen sind u. a. die Ausrüstung des Athleten. Die soziale Ebene wird durch Personen aus dem unmittelbaren Umfeld (z. B. Mitspieler, Trainer) beeinflusst.

Eine Handlungsbewältigung erfolgt, wenn die Handlungsbedingungen motivational wahrgenommen werden oder als motivbefriedigende Handlungsfolgen antizipiert werden. Die handelnde Person, Trainer, Lehrer oder Eltern sollten dabei Möglichkeiten erkennen, die eigenen Fähigkeiten umzusetzen.

Die objektiven Handlungsbedingungen umfassen die „[…] objektiv vorhandenen Faktoren, ohne dass bereits subjektive Bewertungen […] vorgenommen wurden“ (Samulski 1986, 77). Dabei sind das vor allem die Kompetenzen Fähigkeit, Lösbarkeit und Möglichkeit, die diese Bedingung charakterisieren.

Die subjektiven Gegebenheiten sind gekennzeichnet von den eigenen Fähigkeiten (Fähigkeitskonzept), welche mit Aufgabenanforderungen in Beziehung gesetzt werden (Lösbarkeitskonzept) und den Möglichkeiten, die die Umwelt zur Umsetzung bietet (Möglichkeitskonzept). Durch die individuelle Interpretation der Situationsdefinition kann z. B. ein 2. Platz im Wettkampf (objektive Gegebenheit) subjektiv als Erfolg oder aber als Misserfolg gewertet werden. Die o. g. Situationskomponenten gehen doppeldeterministisch in die Handlungsorganisation und –regulation ein. Dabei wird zwischen objektiven und subjektiven wahrgenommenen Bedingungen sowie zwischen kompetenz- und valenzbezogenen Gegebenheiten unterschieden (Nitsch & Hackfort 1981, 277) (Tabelle 2.1).

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Tabelle 2.1: Klassifikation der Handlungsbedingungen (modifiziert nach Nitsch & Hackfort 1981, 283).

Je nachdem, welche Bewertung die Kompetenz und Valenz erhalten, wird sich der Athlet bei einem bedeutenden Wettkampf Siegchancen ausrechnen oder nicht. Die Summe dieser Vorüberlegungen und Bewertungen kennzeichnet die erste Phase der triadischen Phasenstruktur der Handlung (vgl. Punkt 2.1.6)

Samulski (1986, 77) zeigt auf, dass sich 12 verschiedene motivationale Probleme und Maßnahmen der Motivationsbeeinflussung in dieses Modell einordnen lassen. Diese Faktoren können zwar untereinander kombiniert werden, die Dominanz bestimmter Faktoren entscheidet aber über die hierarchische Abfolge.

Da Handlungen im optimalen Verhältnis zu Person- Umwelt- und Aufgabendeterminanten stehen sollten, wird das Handeln als „Situationsoptimierung“ aufgefasst (Nitsch & Hackfort 1981, 278ff). Nitsch & Hackfort (1981) haben dieses Handlungsmodell (Tabelle 2.1) in einem Schema veranschaulicht, um die Interpendenz der Determinanten aufzuzeigen (Abbildung 2.5).

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Abbildung 2.4: Komponenten der Handlungssituation motivational relevanter Aspekte (vgl. Nitsch & Hackfort 1981, 278).

Nach Nitsch & Allmer (1976, 44) sind die Handlung und die zugrunde liegende Motivation zweifach determiniert. Die Handlungen werden einerseits durch die persönlichen Handlungsvoraussetzungen und andererseits durch die situativen Handlungsbedingungen erklärt.

Die persönlichen Handlungsvoraussetzungen beinhalten die Fähigkeit und die Bereitschaft eines Individuums sowie individuelle Handlungsstile. Die situativen Leistungsbedingungen werden von situativen Anforderungs- und Aufforderungsbedingungen beeinflusst (Abbildung 2.6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.5: Klassifikationsmodell der wesentlichen Handlungsdeterminanten (modifiziert nach Nitsch & Allmer 1976, 44).

2.1.6 Motivationsprozess

Begründet durch den engen Zusammenhang zwischen Motivation und Handlung, welcher im Punkt 2.1.4 beschrieben wurde, kann der Motivationsprozess durch drei grundlegende Phasen im Handlungsablauf gegliedert werden: der Antizipationsphase, der Realisationsphase und der Interpretationsphase. Dieses Modell wird als „triadische Handlungsstruktur“ bezeichnet (Gabler 1986, 229) (Abbildung 2.7). Nitsch & Allmer (1976) und Nitsch & Hackfort (1981) haben diese Phasen ausführlich beschrieben und in verschiedene Teilprozesse gegliedert. Einen Überblick über den Handlungsprozess geben ebenfalls u. a. Samulski (1986), Gabler (1986), Pölzer (1994).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.6: Triadische Handlungsstruktur (modifiziert nach Gabler 1986, 230).

Besonderes Augenmerk in den ablaufenden Verläufen liegt auf den motivationalen, bedeutsamen Prozessen der Kalkulation, Basisregulation und Evaluation. Subjektive und objektive Handlungsbedingungen grenzen die Phasen voneinander ab. Die subjektiven Bedingungen resultieren aus der Grundlage subjektiver Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse (z. B. konkrete Personenmerkmale, Aufgabenstellungen). Objektive Faktoren werden unabhängig von kognitiven Bewertungsprozessen (z. B. Witterung beeinflusst körperlichen Funktionszustand einer Person) wirksam (Nitsch & Hackfort 1981, 278). In den folgenden drei Gliederungspunkten sollen die einzelnen Phasen mit ihren Teilprozessen dargelegt werden.

2.1.6.1 Handlungsantizipation

In dieser Phase wird die Erwartungsstruktur als Grundlage für Handlungsbeginn, Handlungsausführung und Handlungsbewertung gebildet (Samulski 1986, 80). Das heißt, durch eine Einschätzung der Ausgangsbedingungen wird die ausführende Handlung antizipiert.

Dabei werden bestimmte Erwartungen entwickelt und aktualisiert, je nachdem, wie die Handlung ausgeführt und nach welchen Kriterien sie bewertet wird. Folgende Teilprozesse prägen die Handlungsantizipationsphase (vgl. u. a. Nitsch & Allmer 1976, Samulski 1986):

Kalkulationsprozesse

Hier geht es um die Aufwand- Effekt- Erwartungen im Sinne konkreter Ziel- Mittel- Antizipation (Pölzer 1994, 32). Die Effektkalkulationen werden im „Anspruchsniveau“ und die Aufwandkalkulation im „Anstrengungsniveau“ operationalisiert. Das bedeutet, dass die handelnde Person festlegt, welchen Aufwand sie betreibt, um ihr Ziel zu erreichen.

Dazu sei ein Beispiel aus dem Bereich des Schwimmsports angeführt. Ein Schwimmer weiß, dass durch konsequentes und regelmäßiges Training ein guter Platz bei Meisterschaften erzielt werden kann (Effekterwartung). Gleichzeitig macht sich der Schwimmer Gedanken, welche Umstände (Aufwandserwartung) für ihn mit Erreichung des gewünschten Zielzustandes verbunden sind (Aufwand- Effekt- Kalkulation). Die Handlungsausführung hängt entscheidend von den Aufwand- Effekt- Erwartungen ab.

Planungsprozesse

Hierbei wird geklärt, welches konkrete Ziel in welcher Art und Weise erreicht werden soll. Diese Phase dient „[…] als Operationalisierung der Aufwand- Effekterwartungen im Sinne einer konkreten Ziel- Weg- Mittelvorwegnahme“ (Nitsch & Allmer 1976, 47).

Die Planung der Handlung führt zum Aufstellen von Operationalisierungsmodellen, die den konkreten Handlungsablauf regulieren. Bei der Bildung von Erwartungen werden Anforderungs- und Aufforderungssignale als Vorankündigung zukünftiger Ereignisse berücksichtigt.

2.1.6.2 Handlungsrealisation

Charakteristisch für diese Phase ist die Umsetzung der gebildeten Erwartungsstruktur in konkretes Verhalten mit bestimmter Intensität und Struktur (Handlungsaktualisierung) (vgl. Samulski 1986, 80). Nitsch & Allmer (1976, 51) führen drei Einflussgrößen auf, welche die konkrete Handlung determinieren:

- Erwartungsstruktur (aktualisierte Motivation),
- tatsächliche Leistungsfähigkeit einschließlich individueller Realisationsstile (Verhaltensgewohnheiten),
- tatsächliche situative Gegebenheiten (ggf. Probleme).

Die situativen Gegebenheiten werden dabei durch „[…] Handlungen verändert und damit in ihrer Anforderungs- und Aufforderungsstruktur modifiziert“ (ebd. 1976, 51). In der Realisierungsphase lässt sich die Prozessregulation von der Basisregulation unterscheiden. Dabei ist in der Prozessregulation von Interesse, auf welche Art und Weise sich der konkrete Funktionsablauf regulieren lässt. Gabler (1986, 256) differenziert die Planaktualisierung von der Planabwicklung in der Prozessregulation.

Die Basisregulation ist von der Bildung der Prozessregulation abhängig. Basisregulatorische Probleme, die die Motivation determinieren, ergeben sich in der Abweichung von einer optimalen Funktionslage im Sinne einer `Hyperaktivierung` bzw. `Hypoaktivierung` (Nitsch & Hackfort 1981, 296). Das bedeutet, dass extreme Motivationslagen leistungsungünstig sind, da sie zur Aktualisierung nicht- optimaler Handlungsstrukturen führen können. Diese ungünstigen Leistungsvoraussetzungen bedingen eine erhöhte Ermüdungswahrscheinlichkeit. Nitsch & Allmer (1976, 51) betonen zusammenfassend, „[…] dass mittlere Motivationslagen als optimale Leistungsvoraussetzung anzusehen sind“.

2.1.6.3 Handlungsinterpretation

In dieser Phase erfolgen eine Analyse und subjektive Bewertung der Handlungsausführung und des Handlungsresultats auf der Grundlage der anfänglichen Intensionen und Pläne (Ausgangserwartungen) (Nitsch & Allmer 1976, 52 sowie Gabler 1986, 262). Hierbei laufen SOLL- IST- Vergleiche (Kontrollprozesse) und Evaluationsprozesse ab, in denen über Attribuierung das Maß der instrumentellen und motivationalen Eigeninitiative für die Handlungen festgestellt wird. Bei den Kontrollprozessen wird überprüft, ob das angestrebte Ziel mit den Handlungsabläufen tatsächlich übereinstimmt. Anschließend wird dieses Ziel mit den Handlungsergebnissen verglichen (Samulski 1986, 81). In Evaluationsprozessen erfolgt eine subjektive Bewertung der Handlungsausführung. Das heißt, ob die erwarteten Aufwand- und Effektkalkulationen tatsächlich eingetreten sind oder nicht und welche Gründe dafür verantwortlich waren (Effizienzeinschätzung).

Unabdingbar ist in dieser Interpretationsphase der Zusammenhang der eigenen Fähigkeiten mit der instrumentalen und motivationalen Selbstverantwortlichkeit. Ist eine hohe Abhängigkeit des Handlungsergebnisses von äußeren Umständen und weniger von der eigenen Fähigkeit zu erkennen, ist eine minimale, instrumentale Selbstverantwortlichkeit gegeben. Ebenso liegt eine geringe motivationale Selbstverantwortlichkeit vor, wenn die Handlung durch Zwänge oder äußere Anregungen durchgeführt wurde (Pölzer 1994, 34).

Zur Erläuterung sei ein Beispiel zum sportlichen Handeln angeführt. Der unregelmäßige Besuch des Schwimmtrainings wird bei bestimmten Personen gerne durch äußere Zwänge, wie zu schönes Wetter, um in der Halle zu trainieren, oder ein langer Anfahrtsweg entschuldigt (geringe instrumentale Selbstverantwortlichkeit). Erfolgt die Teilnahme am Schwimmtraining hauptsächlich durch Druck von den Eltern oder durch ärztliches Drängen (geringe motivationale Selbstverantwortlichkeit), ist ein baldiger Abbruch der Handlung aufgrund großer Handlungsunzufriedenheit zu erwarten.

Handlungsdiskrepanzen zwischen dem angestrebten und dem tatsächlichen Handlungsziel werden subjektiv erklärt und auf die eigene Person (internal) oder die äußeren Umstände (external) attribuiert. Die internale Kausalattribuierung (Selbstverantwortlichkeit) „[…] bezieht sich auf alle situative und individuelle Faktoren, die sowohl kalkulierbar (vorhersehbar) als auch kontrollierbar (beeinflussbar) […]“ (Nitsch & Allmer 1976, 52) erscheinen.

Zur externalen Kontrolle (Fremdverantwortlichkeit) zählt man „[…] alle situativen und individuellen Faktoren, die subjektiv nicht kontrollierbar (nicht beeinflussbar) erscheinen“ (ebd. 1976, 52). Eine Kausalität von Motivation und Handlung wird durch Bewertungsprozesse deutlich, welche Einfluss auf das aktuelle sowie das zukünftiges Verhalten ausüben.

2.1.7 Motivationsprozessmodell

Innerhalb der Motivation gibt es zwei unterschiedliche Komponenten, die Handlungen zum Ziel oder nicht zum Ziel führen können. Diese Faktoren benennt Gabler: „[…] nämlich die Hoffnung auf…(z. B. Erfolg) und die Furcht vor… (z. B. Misserfolg) […]“ (Gabler 1986, 73). Die Prozesse, welche die Motivation bestimmen, umfassen Kognitionen und Emotionen und werden zumeist in Prozessmodellen dargestellt.

Eines dieser Modelle ist das Erwartungs- Wert- Modell. Der Ausgangspunkt von Erwartungs- Wert- Theorien ist die rationale Vorgehensweise von Handlungszielen der Individuen. Des Weiteren wird neben dem subjektiven Wert eines Handlungsziels auch die Realisierungswahrscheinlichkeit berücksichtigt. Diese hängt unmittelbar von den situationalen Umständen ab (Dörner 1996, 128). Atkinson (1957, 1964) gilt als ein Vertreter dieser Theorien und entwickelte das Risiko- Wahl- Modell leistungsmotivierenden Verhaltens. In diesem Modell wird die subjektive Erfolgswahrscheinlichkeit durch die Schwierigkeit der gestellten Aufgabe bestimmt.

Der Wert des Leistungsziels wird „[…] über den antizipierten Stolz bei Erfolg und durch die vorweggenommene Betroffenheit oder Scham bei Misserfolg“ (Dörner 1996, 128) vermittelt. Quintessenz der Risiko- Wert- Theorie ist die Vorhersage, dass Erfolgsmotivierte bei Aufgaben mittlerer Schwierigkeit stärker motiviert sind als bei leichten und sehr schwierigen Aufgaben, wobei hingegen bei Misserfolgsmotivierten die höchsten Motivationswerte bei sehr leichten und sehr schwierigen Aufgabenstellungen zu erwarten sind.

Rotter (1954) beschäftigt sich vor allem mit den Entscheidungen, die Individuen treffen, „[…] wenn sie sich mit einer Anzahl unterschiedlicher Handlungsalternativen konfrontiert sehen“ (Weiner 1988, 188). Dies stellt er im Rahmen der sozialen Lerntheorie dar, die sowohl generalisierte Persönlichkeitseigenschaften als auch spezifische, situationale Handlungsdeterminanten betont, welche er als Produkte von Lernerfahrungen ansieht.

Die Entscheidungen der Individuen werden vor allem durch zwei Komponenten bestimmt:

1.) durch die Erwartungen, dass das angesteuerte Ziel durch die Aktivität erreicht wird und

2.) durch den persönlichen Wert dieses Zieles (vgl. Zimbaro 1995, 417).

Ein weiteres Modell wurde von Heckhausen entworfen. Dieses „erweiterte Motivationsmodell“ (Heckhausen 1989, 467) weist die bisher meisten isolierten Motivationsparameter auf und ist für zielgerichtetes Handeln gedacht. Es ist ein rationalistisches Modell, welches Ansätze der Erwartungs- Wert- Theorie, Instrumentalisierungstheorie, Leistungsmotivationstheorie und Kausalattribuierungstheorie aufnimmt und fortführt. Orientiert in der Abfolge einer Handlungssequenz: Situation, Handlung, Ergebnis, Folge lassen sich nach Heckhausen (1989, 467f) folgende Formen der Ereignis- Stadien voneinander abgrenzen:

1.) Situations- Ergebnis- Erwartungen (S ® E): Sie bezeichnet die subjektive Wahrscheinlichkeit, dass eine Situation ohne Eingreifen des Handelnden zu einem bestimmten Ergebnis führt. Die externale Attribution äußert sich z. B. im Zufall, Glück oder durch andere äußere Umstände.
2.) Handlungs- Ergebnis- Erwartungen (H ® E): Sie kennzeichnet die subjektive Wahrscheinlichkeit, mit der die Situation durch eigenes Handeln in erwarteter Weise geändert werden kann. Zur internalen Attribuierung zählen u. a. die Anstrengung und das Können. Diese Form der Erwartung entspricht der Erfolgswahrscheinlichkeit von Atkinson, d. h. sie ist abhängig von Erfolgen/Misserfolgen in der Lerngeschichte der Person.
3.) Handlungs- bei- Situations- Ergebnis- Erwartung (H – S ® E): Dieser Erwartungstyp bezeichnet den subjektiven Wahrscheinlichkeitsanteil, mit dem äußere und variable Umstände die Handlungs- Ergebnis- Erwartung erhöhen oder verringern und so zu einer resultierenden Handlungs- Ergebnis- Erwartung führen (Interaktionistisches Kontrollbewusstsein).
4.) Ergebnis- Folge- Erwartung (E ® F): Diese Etappe stellt den Grad dar, mit dem ein Ergebnis instrumental für das Eintreten einer Folge mit besonderem Anreizwert verantwortlich ist. Diese Etappe kann durch eigenes Handeln nicht beeinflusst werden.

Unter anderem stellen Heckhausen (1989, 468), Samulski (1986, 29) und Dörner (1996, 130) die Struktur dieses Modells graphisch dar (Abbildung 2.8). Jede der vier Erwartungen beruht dabei auf einer besonderen Kausalattribuierung des Ergebnisses und wird durch Wahrscheinlichkeiten bestimmt. Die vierte Etappe gilt als eine Instrumentalität, welche man nicht beeinflussen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.7: Erweitertes Motivationsmodell in handlungstheoretischer Darstellung (modifiziert nach Heckhausen 1989, 469).

Der eigentliche Motivationsprozess wird durch den Aufforderungsgehalt der Situation initiiert. Im weiteren Verlauf werden Erwartungen bezüglich möglicher Handlungen, Ergebnisse und Folgen ausgebildet. Die Beeinflussung der persönlichen Motivstruktur auf den Aufforderungsgehalt der Situation und die Anreizwerte der Folgen wird von Samulski (1986, 28) näher dargestellt.

Das Handlungsergebnis stellt in diesem Modell einerseits einen zentralen Punkt dar, weil es Anreize nur durch die Folgen empfangen kann (Heckhausen 1989, 467), hat aber, für sich genommen, keinen Anreiz. Eine Trennung von Ergebnis und Folgen ist daher sinnvoll, weil:

- die handelnde Person nur Ergebnisse, jedoch keine Handlungsfolgen hervorbringen kann,
- jedes Handlungsergebnis in der Regel eine Folge aufweist, von denen nicht jede erwartet sein muss,
- unabhängig von verschiedenen Persönlichkeitsvariablen das gleiche Handlungsresultat für verschiedene Personen auch verschiedene Folgen haben kann,
- die Folgen in Bezug auf das Handlungsergebnis sowohl intrinsischer als auch extrinsischer Natur sein können (Heckhausen 1989, 467f).

Rheinberg stellte 1982 fest, dass selbst das erweiterte Modell nach Heckhausen den Tätigkeitsanreiz nicht berücksichtigt hat. Eine hohe Aversion bei der Ausführung einer Handlung lässt selbst ein begehrendes Ziel `verblassen`. Dörner (1996, 129) erläutert, dass die Berücksichtigung von Tätigkeitsanreizen die scheinbar „zwecklos“ ablaufenden Handlungen berücksichtigen, welche in erwartungswert- theoretischen Rahmen nur schwerlich einzuordnen sind.

2.2 Motivationale Aspekte im Sport

Im Jahr 2001 hat der Deutsche Sportbund in Zusammenarbeit mit Veltins eine Sportstudie an 1023 zufällig ausgewählten Probanden durchgeführt, wobei die Hauptmotivationsgründe für die allgemeine sportliche Betätigung untersucht wurden. Der Faktor "Spaß" stand mit 84 % an erster Stelle, danach folgten körperliche Fitness (80%) sowie die Förderung der Gesundheit (68%). Des Weiteren wurden Stressabbau/ Entspannung mit 54 %, Figurbewusstsein (51 %) und der Ausgleich von Bewegungsmangel (50 %) angeführt. Dies sind nur wenige von einer Vielzahl von Motiven, welche Menschen dazu animiert und befähigt, Sport zu treiben. In diesem Abschnitt wird nun speziell auf die Motive und die Motivation im Sport eingegangen. Die Klassifizierung von möglichen Motiven bildet den Anfang dieses Gliederungspunktes. Die Theorie der Leistungsmotivation und die Definition des Leistungsmotivs bilden den zweiten Teil. Abschließend wird die Kausalattribution in ihren Zügen dargestellt.

2.2.1 Motivklassifikation

Motive von Handlungen im Sport sind als die inneren und äußeren Ursachen der Tätigkeiten und des Verhaltens von Sportlern zu verstehen. „[…] Sie determinieren den dynamischen Prozess der Motivation“ (Macak 1983, 141). Das bedeutet, dass die Motivation als ablaufender Prozess die Sporttätigkeit beeinflusst. Das Motiv bildet dabei die Ursache der „[…] Entstehung, Richtung und Qualität des Motivationsprozesses […]“ (ebd. 1983, 141). Des Weiteren sind die Motive des Sportlers eng an dessen persönlichen Einstellungen und den Werten seiner Leistung und seines Handelns angeknüpft. Macak (1983, 142f) richtet seine Spezifikation der Motive im Sport nach inhaltlichen Grundgebieten aus. Er benennt dabei folgende Motivationsklassen:

1.) Die Biologische Motivation betrifft den Zustand, Bedürfnisse und Äußerungen der Sportler.
2.) Die Materielle Motivation bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Sport und Privatleben, Preise und Belohnungen für die Sportler.
3.) Die Pädagogische Motivation stellt die Entwicklung der Lehre, den Trainereinfluss, die Selbsterziehung und die Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit in den Mittelpunkt.
4.) Die Soziale Motivation beinhaltet den Wettbewerbsverlust, Beziehungen im Kollektiv, soziales Lernen und Bewältigung der sozialen Stellung des Sportlers.
5.) Die Politische Motivation stellt den Sport als Produkt des Friedens, der Friedenspolitik, Völkerverständigung, Engagement der Sportlerpersönlichkeit dar.

In der wissenschaftlichen Diskussion der „Motivation im Sport“ wird besonders den Motiven `Leistung`, `sozialer Anschluss`, `Geselligkeit` sowie `Macht` besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Pölzer (1994, 22) erläutert, dass diese genannten Motive der „Motivation im Sport“ der „Motivation zum Sport“ gegenübergestellt werden. Der Wunsch nach spielerischem Tun, Abwechslung im Alltag und der Verwirklichung bestimmter persönlicher Ziele stehen bei der Betrachtung der „Motivation zum Sport“ im Mittelpunkt (ebd.1994, 22).

Einzelne Motive sind nur im ganzen Motivbündel wirksam, welche wiederum nur im Motivbund wirken können (Pölzer 1994, 23). Dies liegt u. a. darin begründet, dass beim Ausführen von sportlichen Handlungen unterschiedliche Motive gleichzeitig gegeben sind, die den Anreiz des Sporttreibens darstellen.

Gabler zeigt 1981 sportartspezifische Motive auf, welche er aus Darstellungen verschiedener Autoren gesammelt hat. Diese Motive hat er in seinen Veröffentlichungen von 1988 und 2002 noch einmal aufgegriffen. Motive im Sport sieht Gabler als persönlichkeitsspezifische Wertungsdispositionen, welche auf sportliche Situationen ausgerichtet sind (ebd. 2002, 13). Die Vielfalt der Motive im Sport entsteht durch die hohe Zahl an sportlichen Situationen, die sich beim Sporttreiben ergeben. Da diese „Grundsituationen“ immer wieder neu auftreten und ablaufen, „[…] müssen Motive […] nicht universell und für immer gegeben sein“ (Gabler 2002, 14). Gabler klassifiziert demnach die Motive im Sport nach den häufig wiederkehrbaren Situationen, d. h. auf welchen Aspekt sie sich im Wesentlichen beziehen (vgl. Tabelle 2.2). Dabei unterscheidet er, ob sich Motive auf,

1.) das Sporttreiben selbst,
2.) das Ereignis des Sporttreibens,
3.) das Sporttreiben als Mittel für weitere Zwecke beziehen, oder
4.) in erster Linie die eigene Person („ichbezogen“) beziehen,
5.) auch auf andere Personen beziehen, die in die sportliche Tätigkeit mit einbezogen sind („sozialer Kontext“).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.2: Klassifizierung der Motive im Sport (modifiziert nach Gabler 2002, 17).

Baumann (1993, 134) bezieht sich in seinen Ausführungen auf die Primärbedürfnisse und –motivationen nach Rieder. Der Sport kann zur Befriedigung dieser Bedürfnisse einen wesentlichen Beitrag leisten. Dabei ist eine Vernetzung der emotionalen Ebene mit der sportlichen Tätigkeit unabdingbare Voraussetzung. Wenn die vorhandenen Bedürfnisse in die Richtung gelenkt werden, deren Ziel eine Befriedigung auslöst, erfolgt eine hochmotivierende Handlungsbedingung.

Baumann (1993, 134) listet folgende Primärbedürfnisse und -motive für den Sport auf:

- Freude und Lust an der Bewegung,
- Leistung ( Technik, Steigerung, Vergleich, Herausforderung, Überwindung),
- Kommunikation (Anschlussmotiv, Geselligkeit),
- Kompensation (Ausgleich, Austoben),
- Regeneration (Erholung),
- Gesundheit (Prophylaxe, Therapie),
- Körpererfahrung (Körperbeherrschung, Bewusstsein, Selbsterfahrung),
- Aussehen (Fitness, Figur),
- Selbstvertrauen (Bewusstsein des eigenen Könnens, Sicherheit),
- Sozialprestige (Jugendlichkeit, Anerkennung, Image).

Die Primärbedürfnisse können je nach Intentionalität des sportlichen Handelns auf der Ziel-, Zweck- und Sinnebene nach Nitsch in Sekundärbedürfnisse umgewandelt werden. Ilg (1990) verwendet ebenfalls die Einordnung der Motive im sportlichen Handlungsfeld in Primär- und Sekundärbedürfnisse. Die Bedürfnisse gliedert er nach Bewegung und Ausgleich, Selbstverwirklichung, Leistung und Kontakt. Darauf richtet er folgende Motivationsklassen aus (Ilg 1990, 122f): biotisch- kognitive, individuell- reflexive, sozial- interaktive und sozial- normative. Für diese Gliederung hat er umfangreiche faktoranalytische Untersuchungen bei Schülerinnen und Schülern vorgenommen. In die Motivationsklassen ordnet er die einzelnen Motive unter, die immer als „hypothetische Konstrukte“ (vgl. Punkt 2.1.1) aufgefasst werden sollen. Unter anderem sind das, das Selbstwertmotiv, Geltungsmotiv, Gesundheitsmotiv, Risikomotiv, Leistungsmotiv, Zensurenmotiv, Erkenntnismotiv, Pflichtmotiv, vital- emotionales Motiv, sozial- moralisches Motiv, Erlebnismotiv (vgl. Ilg 1990, 123). Diese Zusammenfassung zu einzelnen Bedürfnissen ermöglicht eine strukturierte Klarheit in der „[…] komplexen Mehrschichtigkeit der Antriebsregulation […]“ (ebd. 1990, 123).

Ähnlich gliedert Kunath & Schellenberger (1991, 114ff) die Motive der sportlichen Tätigkeit. Er sieht die Herausbildung der Bedürfnisse nach sportlicher Betätigung als wichtigstes Ziel von Körperkultur und Sport an. Die bedeutsamsten Bedürfnisse sind die Selbstverwirklichung, soziale Kontakte, Lebenssicherung und soziale Bedürfnisse. Tabellarisch fügt er die Motive an, die denen von Ilg sehr gleichen.

Wichtig sind dabei die psychischen Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die mit der Befriedigung der Bedürfnisse angesprochen werden (Kunath & Schellenberger 1991, 114):

1.) das Erleben der körperlichen Leistungsfähigkeit,
2.) die Funktionstüchtigkeit des eigenen Körpers,
3.) die Bindung an eine bestimmte körperlich- sportliche Aktivität,
4.) die Freude über das Ausüben einer Sportart, oder auch
5.) die ganz bewusste Anstrengung bei der Realisierung einer persönlich bedeutsamen sportlichen Zielstellung.

Samulski (1986) unterscheidet zwischen Zuwendungs- und Ablehnungsmotiven vor allem im Schulsport. Im Hinblick auf sportliche Aktivität kann nach Hackfort (1986) zwischen Zuwendungsmotiven und Ausübungsmotiven unterschieden werden. Bei sportlicher Inaktivität kann demnach von Abwendungsmotiven (Beenden der bisherigen ausgeführten sportlichen Tätigkeit) und Meidungsmotiven (grundsätzliche Ablehnung) gesprochen werden.

Eine Vielfalt von Beweggründen zum Sport- Treiben strukturiert Hoff (2000, 50f). Er greift dabei auf die Idee von Roski & Förster zurück, die die Motive in allgemeine und spezifische unterteilten (Abbildung 2.9). Die aufgeführten Motive zeigen Beweggründe auf, die vor allem zum Sport animieren können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.8: Motivstrukturierung nach dem Gesichtspunkt der Sportspezifität (modifiziert nach Hoff 2000, 51).

2.2.2 Leistungsmotiv und Leistungsmotivation

In der Motivationsforschung dominiert die wissenschaftliche Aufarbeitung der Leistungsmotivation. Einen großen und präzisen Überblick darüber geben unter anderem Weiner (1976, 1988) und Schneider & Schmalt (1994). In dem Bereich des Leistungssports berichten: Allmer (1973), Gabler (1972, 1981, 2002) und Beier (1980), im Schulsportbereich: Kleine 1980) und Samulski (1986) und im Rehabilitionssport: Bauer (1978) und Zimmermann (1985). In diesem Punkt soll die Leistungsmotivation in seinen zentralen Umrissen dargestellt werden, da sie einen hohen Maßstab an Inhaltsaspekten aufweist.

Die grundlegenden Untersuchungen zum Verständnis des heutigen Leistungsmotivbegriffs führten Atkinson (1954, 1957, 1958, 1964) und Mc Clelland (1953, 1955) durch. Im deutschsprachigen Bereich gilt Heckhausen als Exponent der Leistungsmotivationsforschung (1963, 1972, 1980). Die Theorie der Leistungsmotivation ist laut Weiner (1988, 142) eine der bekanntesten und fruchtbarsten Theorien, welche dem Erwartungs- Wert- Ansatz zuzurechnen ist. Das bedeutet, dass die Erfolgserwartung und der Anreizwert bestimmen, für welche leistungsbezogene Tätigkeit sich ein Individuum entscheidet und welche Anstrengungsbereitschaft es dafür aufbringt (Weiner 1988, 143).

Henry Murray war einer der ersten Wissenschaftler, der 1938 eine Taxonomie 20 grundlegender menschlicher Bedürfnisse entwickelte. Eines dieser Bedürfnisse war die Leistung (achievement). Leistungsbedürfnisse können bei unterschiedlichen Individuen auf unterschiedliche Art und in unterschiedlichen Situationen zum Vorschein kommen (Schneider & Schmalt 1994, 251). Eine solche relativ konstante, individuelle Ausprägung, in leistungsthematischen Umweltbezügen gerade so und nicht anders zu agieren und zu reagieren, wird mit den Begriffen: Leistungsmotiv, überdauernde Leistungsmotivation, Leistungsmotivationsbereitschaft gekennzeichnet. Die Aktualisierung einer stabil geprägten Leistungsmotivation führt zur Motivierung der Leistungsmotivation (Gabler 1981, 48). Weiterhin entwickelte Murray den ersten thematischen Apperzeptions- (Auffassungs-) Test (TAT) zur Messung von Bedürfniszuständen (Weiner 1976, 14), welches von anderen Wissenschaftlern (u. a. Mc Clelland 1953 und sein Forschungsteam) übernommen wurde.

Bei der Leistungsmotivation handelt es sich um leistungsthematische Person- Umwelt- Bezüge, die sich mit dem Gütemaßstab auseinandersetzen, welcher zu einem subjektiven Erfolg oder Misserfolg führt.

In diesem Sinne definiert Mc Clelland das Ziel der Leistungsmotivation als „[…] Erfolg in der Auseinandersetzung mit einem Gütemaßstab“ (competition with a standard of excellence) (Mc Clelland 1953 zit. nach Beier 1980).

Nach Heckhausen ist „Leistungsmotivation das Bestreben, die eigene Tätigkeit zu steigern oder möglichst hochzuhalten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält und deren Ausführung deshalb gelingen oder misslingen kann (Heckhausen 1965, zit. n. Gabler 1981, 48). Gütemaßstäbe sind vorhanden, wenn Handlungsresultate bewertet werden. Dies führt zu „[…] leistungsbezogenen Affekten, deren Auftreten das letztendlich angestrebte Handlungsziel darstellt“ (Schneider & Schmalt 1994, 252).

Der leistungsbezogene Affekt kann anschließend antizipatorisch vorweg genommen werden und in Form eines Anreizes das Motiv neu anregen. Beier betont die Prägnanz des leistungsmotivierenden Verhaltens beim Menschen, um den „[…] Ursprung der Wirkungen seines Leistungsdranges auf die Umwelt in der eigenen Person zu sehen“ (Beier 1980, 40). Diese antizipatorisch wiederhergestellten Affekte können als Erwartungseffekte als `Hoffnung auf Erfolg` und `Furcht vor Misserfolg` konzipiert werden (Schneider & Schmalt 1994, 252).

Um von einem Leistungsmotiv sprechen zu können, müssen nach Heckhausen u. a. drei Sachverhalte erfüllt sein (Heckhausen 1972, verändert nach Erdmann 1983, 45):

1. Vielfältige Bezugssysteme für die Beurteilung eigener Leistungen mit unterschiedlich hohem Generalisierungsniveau sollten aufgebaut sein (leistungsbezogene Bedürfnisse).
2. Allgemeine Normwerte, die den Grund der Schwierigkeit bestimmen, den sich Individuen in gegebener Situation zu einer bestimmten Zeit abverlangen, müssen entwickelt werden (subjektive Erfolgswahrscheinlichkeit).
3. Die Selbstbekräftigung, durch die eine vorgefundene Stabilität leistungsthematischen Verhaltens erklärt wird. Generalisierte leistungsthematische Normen bestimmen dabei die Selbstbekräftigungsfolgen der Handlungsresultate (Anreizwert von Erfolg und Misserfolg).

Mit jeder leistungsbezogenen Handlung ist die Möglichkeit von Erfolg oder Misserfolg verbunden. Die Differenz, die zwischen einem IST- Wert als subjektiv erlebte Erfolgswahrscheinlichkeit und dem Soll- Wert als der durch die normativen Bezugssysteme des Individuums gegeben ist, liefert den Anreiz und die Grundlage für die Entwicklung des Leistungsmotivs mit seiner Erfolgs- und Misserfolgsorientierung (Erdmann 1983, 45). Leistungsorientiertes Verhalten wird laut Atkinson demnach als das „[…] Ergebnis eines Konfliktes zwischen Annäherungs- und Vermeidungstendenzen aufgefasst“ (Atkinson 1957, zit. n. Weiner 1988, 152).

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Details

Seiten
156
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638623360
ISBN (Buch)
9783638715676
Dateigröße
998 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71773
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Motivationale Aspekte Schwimmen Jugendlichen

Autor

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Titel: Motivationale Aspekte im Schwimmen bei Jugendlichen