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Trajectory Work Modell- Corbin und Strauss

Praktikumsbericht / -arbeit 2003 18 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung der Institution des Praktikums: Ein ambulanter Pflegedienst

3. Methodik zur Datenerhebung für die Darstellung der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve

4. Beschreibung des Trajectory Work Modells nach Corbin und Strauss unter Einbezug der Modifikation nach Schütze und Riemann

5. Die chronische Krankheit Diabetes mellitus
5.1. Die Erkrankung und die medikamentöse Therapie bei Fr. P

6. Die Einzelfallstudie: Fr. P
6.1. Die Biografie von Frau P. bis zur Diagnose des Diabetes mellitus
6.2. Das Vorstadium: Aufschichtung des Verlaufkurvenpotentials
6.3. Hervorgehobenes auslösendes Ereignis der Verlaufskurve
6.4. Labiles Gleichgewicht
6.5. Entwicklung von Problemen „zweiter Ordnung“
6.6. Erschöpfung der inneren Handlungskapazitäten
6.7. Labiles Gleichgewicht
6.8. Labiles Gleichgewicht gerät erneut ins Trudeln
6.9. Labiles Gleichgewicht- bis heute

7. Zusammenfassung der Pflege- und Krankheitsverlaufkurve der Fr. P

8. Das Modell und seine praktische Anwendung: Eine eigene Stellungnahme

Literaturliste

Interquellen

1. Einleitung

Im Rahmen meines Studiums an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, entstand diese Ausarbeitung einer Pflege- und Krankheitsverlaufskurve einer Patientin mit Diabetes mellitus. Während eines vierwöchigen Praktikums in einer Einrichtung des Gesundheitswesens sollte ein/e Patient/in mit chronischer Krankheit gefunden werden, der/die bereit war, sein/ihr Leben bzw. Krankheitsgeschichte zu berichten. Das Modell der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve diente dabei als theoretisches Rahmenwerk. Speziell das modifizierte Modell von Schütze/Riemann wurde zur Verlaufskurvenentwicklung einbezogen.

Ich kannte meine Patientin schon aus meinem Pflegepraktikum, das ich im Grundstudium absolvierte. So brauchte es nicht lange bis eine Vertrauensbasis geschaffen werden konnte, die bei dieser Arbeit absolut wichtig ist.

Ich wählte die Patientin aus, da sie zurzeit in ihrem Krankheitsverlauf eine ausgesprochen „stabile Phase“ besitzt und sich ihr Allgemeinzustand stark gebessert hat. Was sind die Gründe dafür? Wer oder welche Maßnahmen spielten und spielen in dieser Entwicklung eine Rolle?

Ebenso eng arbeitete ich mit meinem Kommilitonen, Herrn Michael Pirsch zusammen, mit dem ich u.a. den Interviewleitfaden entwarf. Interessant bei der Zusammenarbeit war zu sehen, welche Parallelen durch die Verwendung des Modells bei unterschiedlichen chronischen Erkrankungen (bei Herrn Pirsch Multiple Sklerose) auftraten.

2. Beschreibung der Institution des Praktikums: Ein ambulanter Pflegedienst

Der ambulante Pflegedienst L. besteht seit dem 01.04.1996. Das Pflegeteam besteht aus elf Mitarbeiterinnen, darunter examinierte Pflegekräfte, Pflegehelferinnen und Haushaltshilfen. In einem Umkreis von ca. zwanzig Kilometern werden die Klienten versorgt. Es werden rund 30 Klienten betreut, welche unterschiedliche Pflegestufen haben und deshalb einen unterschiedlichen Pflegeaufwand benötigen.

Der Pflegedienst hat sich die Ziele gesetzt betagte, kranke und behinderte Menschen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld zu betreuen und zu pflegen, um einen Aufenthalt im Krankenhaus oder Pflegeheim zu vermeiden. Auch in schwierigen und anspruchsvollen Fällen wird versucht eine Versorgung in der vertrauten Umgebung zu gewährleisten.

Der Pflegedienst bietet hierbei Leistungen wie Grundpflege, Behandlungspflege, Intensivpflege, hauswirtschaftliche Versorgung, Besorgungsdienste, Verleih oder Vermittlung von Pflegehilfsmitteln, Beratung, Nachsorge und Pflege nach stationären Aufenthalten, Sterbebegleitung und eine Unterstützung der Angehörigen der Pflegebedürftigen an. Das benutzte Modell der Pflege richtet sich nach dem Vorstellungen von Juchli.

Die Pflege erfolgt unter ganzheitlichen Gesichtspunkten. Darin gelten Körper, Geist und Seele im Zusammenspiel als die wichtigsten Grundpfeiler, die es zu achten gilt. Die Dienstpläne und Touren sind so aufeinander abgestimmt, dass es zu einem möglichst geringen Bezugspersonenwechsel bei den Klienten kommt, um eine Vertrauensbasis zur Pflegeperson von Klientenseite aus aufbauen zu können.

3. Methodik zur Datenerhebung für die Darstellung der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve

Um aussagekräftige Daten zu erhalten sind wir (Alexander Loos und Michael Pirsch) unter folgenden Gesichtspunkten vorgegangen:

1. Dokumentations- und Dokumentenanalyse (Pflege und Medizin)
2. Teilnehmende Beobachtung in der direkten Pflegesituation
3. Narrative freie Interviews mit professionell Handelnden (Pflege, Medizin, Therapeuten)
4. Qualitative Leitfadengestützte Interviews mit dem Betroffenen

Zu 1. Bei der Analyse der pflegerisch-medizinischen Dokumentation wurde das Hauptaugenmerk auf die Erfassung, erkrankungs- sowie verlaufs- und bewältigungsrelevanter Inhalte gelegt, und inwieweit diese überhaupt von professionell Handelnden erkannt und berücksichtigt wurden. Weiterhin wurde darauf geachtet, ob der Klient von den „Professionellen, da abgeholt wurde, wo er sich während seines Krankheitsverlaufs befand“ und ob dies aus der Dokumentation hervorging. Hierzu haben wir auch die Dokumentationssysteme auf mögliche Formulare, mit denen man z.B. die Biographie bzw. die Pflegeanamnese erfassen kann, untersucht. Außerdem haben wir auf das der Pflege zugrunde liegende Pflegemodell geachtet und ob dementsprechend dokumentiert und gehandelt wurde.

Zu 2. Wir wählten daraufhin die teilnehmende Beobachtung um die Umsetzung des Dokumentierten auf Vollständigkeit und Angemessenheit zu überprüfen. Über die Teilnahme an der Pflegesituation wurden die Betroffenen und die Pflegenden im Vorfeld informiert.

Zu 3. Um weiterführende Informationen zum Krankheitsverlauf und dessen Bewältigung bzw. Umgang mit der Erkrankung zu gewinnen, haben wir nach Möglichkeit die aktuell behandelnden Pflegenden und Ärzte (sowie die an der Behandlung beteiligten Therapeuten; nur Michael Pirsch) befragt. Hierbei legten wir besonderen Wert auf das Verhältnis zwischen der Sicht des Betroffenen über seine Erkrankung und der Sicht professionell Handelnder, um Aufschluss über den Grad der Interventionen und mögliche Kommunikations- und Versorgungsbrüche zu erhalten.

Zu 4. Den Leitfaden für das Interview haben wir auf der Grundlage der Biographie, der Klienten entwickelt. Wir haben uns die Fragen unter Berücksichtigung der kognitiven Fähigkeiten der Klienten ausgedacht. Der kognitive Zustand war bei beiden Klienten ähnlich ausreichend, um adäquat auf die Fragestellung Antworten zu können. Die Formulierung der Fragen wurde der jeweiligen Interviewsituation angepasst. Der Inhalt jedoch wurde beibehalten. Weiterhin wurde der Leitfaden unter Berücksichtigung der drei Hauptarbeitslinien des Trajektmodells entworfen (Biographiearbeit, alltagsbezogene Arbeit, krankheitsbezogene Arbeit). Der vollständige Leitfaden ist dieser Arbeit im Anhang beigefügt.

Zur Auswertung und zur Erstellung der Interviewinhalte haben wir angelehnt an Mayring 2003 und Friedrichs 1982 gearbeitet.

4. Beschreibung des Trajectory Work Modells nach Corbin und Strauss unter Einbezug der Modifikation nach Schütze und Riemann

Juliet Corbin und Anselm Strauss entwickelten ein Modell zur Pflege chronisch kranker Menschen.

Sie haben in langjährigen Untersuchungen die auftretenden Probleme bei chronischen Erkrankungen ausgewertet. Aus diesen Erkenntnissen wurde ein Bezugsrahmen der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve entwickelt.

Im Bezugsrahmen wird davon ausgegangen, dass jede chronische Erkrankung in verschiedenen Phasen verläuft. Er beschreibt weiterhin die verschiedenen Verläufe vor und während der Erkrankung und deren Auswirkung auf die Betroffenen/Angehörigen und professionell Handelnden. Eine weitere Grundannahme dieses Bezugsrahmens ist die Beeinflussbarkeit bzw. Steuerbarkeit des Krankheitsverlaufs. Das heißt jedoch nicht, dass der Verlauf generell veränderbar ist, sondern im Idealfall durch individuell geeignete und angepasste Maßnahmen verlangsamt oder zumindest stabilisiert werden kann. Das kann bedeuten, dass der Betroffene bzw. seine Angehörigen und professionell Handelnde ein stabiles Gleichgewicht des Anbietens und der Inanspruchnahme von Hilfe anstreben.

Die Grundlage zur Anwendung des Modells ist die Erstellung von individuellen Pflege- und Krankheitsverlaufskurven. Um eine solche Kurve erstellen zu können sind detaillierte Informationen aus den Bereichen Biographiearbeit, alltagsbezogener Arbeit und krankheitsbezogener Arbeit notwendig. Diese Informationen können dann auf Grundlage qualitativer Interviews, mit Betroffenen/Angehörigen und an der Pflege/Betreuung beteiligter Personen und z.B. teilnehmender Beobachtung, ausgewertet werden.

Die Krankheitsverlaufskurve beschreibt verschiedene Phasen und Subphasen der Erkrankung und soll Aufschluss über eventuelle Einbrüche/Versorgungsbrüche und deren Ursachen geben. Hieraus können gegebenenfalls Interventionsstrategien entwickelt werden. (vgl. Woog 1998).

Corbin und Strauss nennen insgesamt acht generalisierte Stadien für den möglichen Verlauf einer chronischen Erkrankung:

- Vor der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve
- Einsetzen der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve
- Krise
- Akut
- Stabil
- Instabil
- Verfall
- Sterben

(vgl. Woog 1998, S.13)

Schütze und Riemann legen in ihrer Modifikation des Modells stärkeres Gewicht auf die „subjektiven Erleidensprozesse der Betroffenen“ (vgl.). Dieser wichtige Komplex aus verschiedensten Einflussfaktoren für das Empfinden und Erleben des Betroffenen wird nach deren Meinung, im Modell nach Corbin/Strauss, nur unzureichend beachtet.

Aus dieser Modifikation werden zusätzlich die besonderen Zusammenhänge zwischen den Bemühungen um neue Handlungsspielräume und Kontrolle über die eigene Situation und dem komplexen Zusammenspiel zwischen Betroffenen und Hilfestellenden (Angehörige sowie professionell Handelnde des Gesundheits- und Sozialwesens) deutlich.

Weiterhin fokussiert dieser Ansatz die Wirkung von Abhängigkeit/Unabhängigkeit von fremder Hilfe auf den Krankheitsverlauf, in Bezug auf die negativen Folgen für den Verlauf durch Versorgungsbrüche. So sollen die Übergänge einzelner Stadien klarer ersichtlich werden.

Der Begriff des „labilen Gleichgewichts“ wird anstatt der „stabilen Phase“ verwendet. So soll das Bewusstsein für mögliche, akute Verschlechterungen geschärft werden, damit die an der Pflege/Betreuung beteiligten möglichst früh präventiv eingreifen können. Somit wird auf das subjektive Empfinden des Betroffenen aufmerksam gemacht und der unvorhersehbare und dennoch nicht „unlenkbare“ Verlauf der chronischen Erkrankung unterstrichen.

Es werden sieben Stadien der Verlaufskurve beschrieben:

- Aufschichtung des Verlaufkurvenpotentials
- Hervorgehobenes, auslösendes Ereignis der Verlaufskurve
- Labiles Gleichgewicht
- Erschöpfung der „inneren“ Handlungskapazitäten
- Entwicklung von Problemen „zweiter Ordnung“
- Labiles Gleichgewicht gerät ins „Trudeln“
- Zusammenbruch der Handlungsorientierung

(vgl. Höhmann, 2001, S.71- 73)

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638627498
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71701
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
2,3
Schlagworte
Trajectory Work Modell- Corbin Strauss Praktisches Studiensemester

Autor

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Titel: Trajectory Work Modell- Corbin und Strauss