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Maria Montessori – Ihr Leben und Werk

Hausarbeit 2004 20 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

3. Die Reformpädagogik

4. Die Grundpositionen und Leitgedanken von Maria Montessori
4.1. Der absorbierende Geist
4.2. Die sensiblen Phasen
4.3. Die Polarisation der Aufmerksamkeit

5. Die Montessori- Pädagogik
5.1. Die vorbereitete Umgebung
5.1.1. Das Material
5.2. Der neue Erzieher
5.3. Die freie Wahl der Arbeit

6. Die Maria Montessori-Schule
6.1. Unterricht
6.2. Lernziele
6.2. Noten und Hausaufgaben

7. Schlussbetrachtung : Kritik und mögliche Zukunftsaussichten

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Liest man sich einmal in einige Büchern, zum Thema Geschichte der Pädagogik , die Namen der großen Pädagogen durch, so könnte man wohl zu der Annahme gelangen, dass Erziehung schon seit dem Altertum eine Männerdomäne darstellt. Sicherlich würden jedem auf Anhieb spontan Namen wie Rousseau, der mit seinem großen Erziehungsroman "Emile" als Entdecker des Kindes gilt[1], Comenius, Pestalozzi oder Fröbel, dem Begründer der Spielpädagogik und des Kindergartens[2] einfallen und dies wahrscheinlich auch zu recht, denn sie sind allesamt bekannte Vertreter der Pädagogik. Die Anzahl der Frauen, die sich in die lange Liste von berühmten Pädagogen der Geschichte einreihen, ist dagegen sehr gering. Es gibt jedoch eine Frau, deren Name nicht nur für eine Person steht, sondern vielmehr auch sinnbildlich für eine Erziehungsbewegung: Maria Montessori. Ihr Werk und Schaffen sind in der ganzen Welt bekannt und selbst Personen, die mit Kindern oder Pädagogik überhaupt nichts zu tun haben, kennen ihren Namen. Maria Montessoris Ideen und Methoden, die vor etwa 90 Jahren in der Welt der Erziehung für Aufregung gesorgt haben, sind auch heute noch, fast fünfzig Jahre nach ihrem Tod aktuell.

Diese Ausarbeitung will sich nun näher mit dem Leben und Werk Maria Montessoris beschäftigen, die man sicher ebenfalls als eine der bedeutendsten Pädagogen überhaupt bezeichnen kann und die sich hinter keinem Ihrer männlichen Mitstreiter verstecken muss.

2. Biographie

Maria Montessori wird am 31. August 1870, in Chiaravalle in der Provinz Ancona geboren. Sie ist das einzige Kind von Messandro Montessori (1832 - 1915), von Beruf Finanzbeamter, in vielen Bereichen ein doch eher konservativ denkender Mann und Renilde Montessori , geb. Stoppani (1840 - 1912), welche aus einer Gutsbesitzerfamilie stammt und allem Neuen interessiert und aufgeschlossen gegenüber steht. Sie ist später diejenige, die ihre Tochter in ihrem Werdegang immer wieder bestärkt.[3]

Im Alter von fünf Jahren zieht Maria Montessori mit ihrer Familie nach Rom. Mit sechs Jahren kommt Maria in die sechsjährige Grundschule, die sie von 1876 bis 1883 besucht. In den ersten 4 Jahren ihrer Schulzeit ist sie eine eher schlechte Schülerin[4], was sich aber etwa im Alter von zehn Jahren ändert. Maria Montessori beginnt intensiv zu lesen und schon bald zeigt sich auch ihre Neigung zur Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern. Deshalb entschließt sie sich im Alter von zwölf nach Abschluss der Grundschulzeit gegen den Wechsel auf das traditionelle Gymnasium. Statt dessen wählt sie einen anderen Schultyp, der den Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche und technische Lerninhalte legt.[5]

Bei ihrem Vater findet dies nur wenig Zustimmung. Sprache, allgemeine Fächer, Literatur - das erhöhte die Chancen, einen akzeptablen Ehemann zu finden.[6] Und Berufsausbildungen für Mädchen waren nur im sozialen Bereich oder als Lehrerin akzeptabel. Aber Maria kann ihren Wunsch letztendlich mit Unterstützung der Mutter durchsetzen.[7]

1890 beendet sie die Sekundarschule mit guten Noten und erlangt so auch die Berechtigung zum Hochschulstudium.

Hatte Maria Montessori zu Beginn noch den Berufswunsch Ingenieurin zu werden, so überrascht sie ihre Eltern nach dem letzten Examen damit, nun ausgerechnet Medizin studieren zu wollen[8], ein Studium, das in Italien bis dahin ausschließlich Männern vorbehalten ist.[9] Trotz der Proteste des Vaters, meldet sie sich als Vorstufe zu ihrem Berufswunsch im Herbst 1980 an der Universität Rom zunächst für die Fächer Mathematik und Naturwissenschaften an. Ihre Abschlussprüfung, die sie zum Medizinstudium berechtigt, besteht sie 1892.[10] Mit Entschlossenheit, verfolgt sie ihren Plan des Medizinstudiums.

„ In Interviews, die Maria Montessori 20 Jahre später gab, soll sie gesagt haben, sie habe an den Papst appelliert, und seinem Eingreifen zu ihren Gunsten sei es zu verdanken, dass ihr gestattet wurde, Medizin zu studieren...´.“[11]

Maria Montessori wird so die erste Frau in Italien, die ein akademisches Studium mit der Promotion in Medizin (1896) abschließt.[12] Anschließend arbeitet Maria Montessori als Assistenzärztin in der Kinderabteilung der Psychiatrischen Universitätsklinik in Rom.[13] Die Beobachtung, dass die Kinder dort in einem Raum zusammengepfercht, ohne weitere Betreuung, Anregung oder Beschäftigung dahinvegetierend erschüttert Maria sehr, so dass sie beginnt, sich mit deren Problemen zu beschäftigen.[14] Sie studiert die Werke des französischen Arztes Itard und seines Schülers Seguin, welche beide versucht hatten, Methoden zu entwickeln, mit denen man schwachsinnigen Kindern helfen konnte. Auch die Arbeiten anderer Pädagogen beeinflussten Montessori, so etwa Rousseau, Pestalozzi und Fröbel.[15]

Marias Überzeugung, dass das Problem dieser Kinder in erster Linie ein pädagogisches und kein medizinisches ist, verstärkt sich zunehmend.[16] Und so beginnt sie sich immer mehr für die Pädagogik zu interessieren und neben ihren anderen Verpflichtungen Pädagogik-Vorlesungen zu besuchen.[17] Weiterhin wird sie aktives Mitglied der ,,Nationalen Liga für die Erziehung behinderter Kinder".[18] 1900 wird Maria zur Direktorin eines Heilpädagogischen Institutes, das Lehrer für geistig behinderte Kinder ausbilden soll berufen. Dort kann sie endlich Beweis antreten, dass behinderte Kinder bildungsfähig sind. Mit Hilfe der von Itard und Seguin entwickelten Materialien, stellten sich Erfolge ein.[19] 1901 verlässt Montessori plötzlich das Institut.[20] Den Grund ist wahrscheinlich Dr. Giuseppe Montesano, der ebenfalls am Institut arbeitet. In einer Liebesbeziehung mit ihm wird Maria schwanger. Die Geburt eines unehelichen Kindes hätte damals das Ende jeder weiteren Tätigkeit in der Öffentlichkeit bedeutet, aber vor allem auch die Aberkennung ihrer Approbartion. So bringt sie ihren Sohn Mario am 31.3. 1898 heimlich zur Welt und gibt ihn zu Pflegeeltern aufs Land, wo sie ihn regelmäßig besucht. Erst 1912 nach dem Tod ihrer eigenen Mutter holt Maria ihr Kind zu sich. Weitere 3 Jahre später, als auch ihr Vater verstirbt, steht sie öffentlich zu ihrem Sohn.[21] 1906 nimmt Montessori das Angebot an, die Leitung einer Kindertagesstätte zu übernehmen. Im Januar 1907 wird das Kinderhaus, Casa dei Bambini mit mehr als fünfzig verwahrlosten Jungen und Mädchen in Roms Armenviertel San Lorenzo eröffnet. Die zu Beginn verschüchterten, interessenlosen und wilden Kinder, entwickeln mit der Zeit Beziehungen zueinander und werden völlig unbefangen.

Zum Schlüsselerlebnis ihrer Arbeit, das in der Literatur noch heute als das „Montessori-Phänomen“ bezeichnet wird, wird die Entdeckung der von ihr sogenannten „Polarisierung der Aufmerksamkeit.[22]

Ingeborg Waldschmidt sagt dazu:

„Das Zusammenspiel von freiwilliger Bewegung und Aktivierung der Sinne ohne zeitliche Begrenzung führt durch Wiederholungen zur Polarisierung der Aufmerksamkeit, zur Konzentration.“[23]

Aus dieser Beobachtung heraus entwickelt Maria Montessori ihre Erziehungslehre und Anthropologie, die aus dem Prinzip der Freiheit des Kindes und dem Prinzip der Arbeit bestehen.[24] In Rom, Mailand und der italienischen Schweiz werden bald weitere Kinderhäuser gegründet. Um das Fehlen des Lehrpersonals zu beseitigen, führt Maria 1909 den ersten Ausbildungskurs für Lehrer und Interessierte durch, in dem sie ihre Gedanken vorstellt und sie im richtigen Gebrauch ihres Materials unterweist. Währenddessen entstehen überall in der Welt neue Kinderhäuser.[25] 1913 gibt Maria Montessori ihre medizinische Tätigkeit auf[26] und reist nach Amerika, um im Rahmen der Weltausstellung eine Demonstrationsklasse einzurichten. Anschließend kehrte sie nicht nach Italien zurück, Barcelona wurde ihr Wohnort für die nächsten zwanzig Jahre.[27]

Zur Zeit des Faschismus werden die Schulen von Montessori in Italien geschlossen, ihre Bücher in Deutschland und Österreich verbrannt, ihre Arbeit kommt in Europa immer mehr zum Erliegen.[28] 1939 geht Maria mit ihrem Sohn nach Indien, wo ihre Ideen begeistert aufgenommen werden. Es entsteht dort eine Montessori-Bewegung. 1946 zieht sie in die Niederlande um, wo fortan auch die Montessori Gesellschaft ihren Sitz haben soll. Ein Höhepunkt in ihrem Leben ist sicher auch die Nominierung für den Friedensnobelpreis 1949, den sie jedoch nicht erhält. Am 6.Mai 1952 stirbt Maria Montessori in ihrem Haus in Noordwijk aan Zee.[29]

[...]


[1] Vgl. Gudjons, Herbert , Pädagogisches Grundwissen, 8. Aufl.,2003, S. 83

[2] Vgl.: Blankertz, Herwig (1982): Die Geschichte der Pädagogik, S.160

[3] Vgl. Waldschmidt, Ingeborg (2001): Maria Montessori: Leben und Werk, 2001, S. 12

[4] ebd.

[5] ebd., S.14

[6] Ebd., S. 13

[7] ebd., S. 14

[8] ebd.

[9] ebd., S.15

[10] ebd.

[11] Montessori, Maria , 10 Grundsätze des Erziehens, Ingeborg Becker-Textohr (Hrsg.), S.13

[12] Vgl. Montessori, Maria, Grundlage meiner Pädagogik, 8. Aufl., Wiesbaden, 1996, S. 5

[13] Vgl. Montessori, Maria (2003): 10 Grundsätze des Erziehens, Ingeborg Becker-Textohr (Hrsg.), S.14

[14] Vgl. Waldschmidt, Ingeborg (2003): Maria Montessori: Leben und Werk, 2001, S. 18

[15] Vgl. Montessori, Maria (2003): 10 Grundsätze des Erziehens, Becker-Textor, Ingeborg (Hrsg.), S.14

[16] ebd.

[17] Vgl. Waldschmidt, Ingeborg (2003): Maria Montessori: Leben und Werk, 2001, S. 20

[18] Vgl. Waldschmidt, Ingeborg (2003): Maria Montessori: Leben und Werk, 2001, S. 21

[19] Vgl. Montessori, Maria (2003): 10 Grundsätze des Erziehens, Ingeborg Becker-Textor (Hrsg.), S. 14

[20] Vgl. Waldschmidt, Ingeborg (2001): Maria Montessori: Leben und Werk, 2001, S. 21

[21] ebd., S.20

[22] ebd., S.22ff

[23] Waldschmidt, Ingeborg (2001): Maria Montessori: Leben und Werk, S.25

[24] Vgl. Montessori, Maria (1996): Grundlage meiner Pädagogik, 8. Aufl., Wiesbaden, S.6

[25] Vgl. Montessori, Maria (1996): Grundlage meiner Pädagogik, 8. Aufl., Wiesbaden, S. 26f.

[26] ebd., S.29

[27] ebd., S.27

[28] ebd., S.29

[29] ebd., S.30f.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638632188
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71559
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Erwachsenenbildung
Note
sehr gut
Schlagworte
Maria Montessori Leben Werk

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