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Radio-Comedy. Humor in den Medien

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

TEIL I
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Der Comedy-Begriff
2.2. Der Humorbegriff
3. Humortheorien
3.1. Die Inkongruenztheorie
3.2. Die Entspannungstheorie
3.3. Die Aggressionstheorie
4. Historische Entwicklung der Radio-Comedy
5. Besonderheiten der Radio-Comedy
5.1. Besonderheiten des Radios im Allgemeinen
5.2. Besonderheiten der Radio-Comedy im Speziellen
6. Merkmale der Radio-Comedy
7. Formate der Radio-Comedy
8. Formen der Radio-Comedy

TEIL II
9. Analyse einer Radio-Comedy am Beispiel von „Feinkost-Zipp
10. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

„Comedy ist, wenn zusammenkommt, was nicht zusammengehört, aber zusammenpasst.“

(Rainer Dachselt, Ingo Schwarz, Stefan Sprang)

„Humor ist die wunderliche Traurigkeit über das Menschenleben und das Staunen darüber, dass dies jämmerliche Leben trotzdem so schön sein kann.“

(Hermann Hesse)

TEIL I

1. Einleitung

Radio-Comedy gibt es, seit es das Radio gibt. Comedy im Radio ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch äußerst wichtig für die Hörerbindung. Eine Studie der hr-Medienforschung von 2001 ergab, dass der Traumsender unbedingt Humor haben und den Hörer zum Lachen bringen müsse. Und nicht nur das: 74% der Radiohörer wünschen sich mehr Humor.[1] So kommt Andreas Liebold vom Frühstyxradio zu dem Fazit: „Comedy ist die wichtigste Hörfunk-Innovation der Neunzigerjahre.“

Folgende Arbeit konzentriert sich auf Comedy im Radio. Im ersten Teil werden zunächst die Begriffe Comedy und Humor sowie die unterschiedlichen Humortheorien erläutert. Anschließend werden die Merkmale der Radio-Comedy und deren Formen sowie Formate erklärt. Der zweite Teil widmet sich dann der Praxis. Ziel ist es, die theoretisch abgehandelten Merkmale der Comedy anhand eines Beispiels zu analysieren.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1. Der Comedy-Begriff

Der Comedy-Begriff ist schwer zu definieren, da vom kurzen Spot bis hin zur mehrstündigen Sendung alles unter diesem Begriff subsumiert wird.

Der Begriff Comedy erschien in Deutschland Anfang der 90er Jahre als Abgrenzung gegen das politische Kabarett. Der Kabarettist hat einen hohen inhaltlichen Anspruch, während der Comedian die Welt einfach nur zum Lachen bringen will.[2] So wird in England bzw. in den USA, dem Ursprung des Wortes, Comedy definiert als alles, was Erheitern und zum Lachen bringen möchte - unabhängig davon, ob es satirisch, humoristisch, derb oder subtil ist.[3]

Auch Reinhard unterscheidet zwischen Comedy und Kabarett: Während sie Comedy als Sammelbegriff für alle Phänomene des Komischen, d.h. der „Komödie in all ihren Erscheinungsformen“[4] beschreibt, definiert sie Kabarett „als Kleinkunst, die kleine Formen der darstellenden Kunst als humoristisch-satirisch oder politisch-gesellschaftskritisches Programm zur Aufführung bringt, [und] als eigenständige Bühnenform existiert, sich aber darüber hinaus einen Verbreitungsweg im Fernsehen gesucht hat.“[5]

2.2. Der Humorbegriff

Der Begriff des Humors stammt aus von dem lateinischen Wort ‚umor’, was Feuchtigkeit bzw. Flüssigkeit bedeutet.[6] Bis ins Mittelalter hinein war Humor ursprünglich die Bezeichnung für das jedem Lebewesen eigene Temperament, das sich aus der Mischung der vier elementaren Körpersäfte ergab.[7] Der Vorherrschaft eines Körpersaftes wurde nach der antiken Temperamentenlehre von Galen ein besonderer Typ Mensch zugeordnet. Ein Ungleichgewicht dieser Flüssigkeiten wurde zunächst für Krankheiten, ab dem 16. Jahrhundert dann für Launen oder für bestimmte Charakterzüge eines Menschen verantwortlich gemacht.[8] So stand ein ausgeglichenes Verhältnis der Säfte für eine Person mit einem guten Sinn für Humor, ein Ungleichgewicht wurde mit einer humorlosen Person gleichgesetzt.[9]

Im 18. Jahrhundert entwickelt sich der Humorbegriff zu dem, was wir heute darunter verstehen: Ein heiteres und gelassenes Verhalten „inmitten aller Widerwärtigkeiten und Unzulänglichkeiten des Daseins“[10], zu dessen Eigenschaft es gehörte, mit Kritik und Spott souverän umgehen zu können. Menschen, die dazu fähig waren, hatten nach damaligem Verständnis einen Sinn für Humor, auch wenn dies damals so noch nicht formuliert wurde.[11]

Auch heutzutage versteht man unter Humor eine „Gemütsverfassung, die sich über die Unzulänglichkeiten des Lebens wohlwollend, doch lächelnd distanziert erhebt und zu einer gesunden und natürlichen Weltauffassung durchdringt. Humor gilt als Mittel der Selbstkritik und der Selbstbehauptung im unsinnigen Dasein.“[12]

3. Humortheorien

Für die Erklärungen des Phänomens Humor wurden Faktoren wie die „willkürliche Verbindung zweier sonst getrennter Ideen und Vorstellungen, die Überlegenheit gegenüber dem Belachten sowie das Ausleben unbewusster sexueller [...] Impulse“[13] geltend gemacht.

Entsprechend dieser Erklärungen lassen sich in der derzeitigen Literatur über Humor im Wesentlichen drei Humortheorien unterscheiden: die Inkongruenztheorie, die Entspannungstheorie und die Aggressionstheorie. Im Folgenden sollen die drei Theorien kurz vorgestellt werden. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass keine der drei Theorien heute noch in ihrer Reinform vertreten wird.[14]

3.1. Die Inkongruenztheorie

Bei der Inkongruenztheorie entsteht Humor durch die überraschende Zusammenführung zweier verschiedener Ideen, Konzepte oder Situationen, die eigentlich nicht zueinander passen. „Es muss eine Irritation vorliegen, etwas Unerwartetes, eine Überraschung oder eine Diskrepanz, ein Konflikt zwischen Vorstellungen oder Empfindungen. Auf diese Weise kommt etwas Absurdes zustande, das Gelächter auslöst.“[15] Die Inkongruenztheorie wird in Deutschland mit zwei großen Philosophen verbunden: Kant und Schopenhauer.

Laut Immanuel Kant ist Lachen „ein Affekt, der aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts"[16] entspringt. Auch Arthur Schopenhauer führt die Humorreaktionen auf die „Beigesellung bzw. Vermischung widersprüchlicher Sachverhalte“[17] zurück. Für Schopenhauer ist der „Ursprung des Lächerlichen [...] die paradoxe und daher unerwartete Subsumtion eines Gegenstands unter einen ihm [...] heterogenen Begriff“[18]. Dabei, so Schopenhauer weiter, kommt es zu einer „Inkongruenz zwischen einem Begriff und dem durch denselben gedachten Gegenstand, also zwischen dem Abstrakten und Anschaulichen. Je größer und unerwarteter, in der Auffassung des Lachenden, die Inkongruenz ist, desto heftiger wird sein Lachen ausfallen.“[19]

Im Gegensatz zu den beiden anderen Humortheorien wird hier „den formalen, d. h. perzeptiven, kognitiven und logischen Voraussetzungen “[20] des Lachens eine große Bedeutung beigemessen.

3.2. Die Entspannungstheorie

Die Entspannungstheorie betont die Funktion des Lachens als Mittel der Entspannung. Lachen dient dem Abbau von Anspannungen bzw. aufgestauten Energien. Im Vordergrund steht der Entspannungseffekt und nicht die verursachende Situation.

Ein wesentlicher Vertreter dieser Richtung war Sigmund Freud. Freud vertrat die Auffassung, dass Lachen ein explosives Loslassen von etwas Aufgebautem oder Aufgestautem sei, bei dem es sich um unterdrückte Energie und aufgestaute (sexuelle) Gefühle handelte.[21]

Freud sah die Quelle des „humoristische[n] Lustgewinn[s]“[22] im „ersparten Gefühlsaufwand“[23] begründet. Dieser resultiert aus ökonomischen Gesichtspunkten: Der Mensch ist nach Freud bestrebt, seinen Energiehaushalt im Gleichgewicht zu halten.[24] „Das mit dem Humor verknüpfte Lachen ist eine Ersatzreaktion auf Situationen, denen normalerweise mit sehr starken, Energie verbrauchenden Gefühlen, wie Schmerz, Klage, Wut, Empörung, entgegnet würde.“[25]

3.3. Die Aggressionstheorie

Die Aggressionstheorie, welche u.a. auf Platon zurückzuführen ist, geht davon aus, dass Lachen ein Ausdruck von Aggression ist. So ist Lachen für Platon eine „moralisch höchst anstößige Gelegenheit“[26], da sie dem „spöttischen Gefühl der Überlegenheit entspringt [und somit] eine mit Ignoranz einhergehende Form der Selbstüberhebung“[27] darstellt.

[...]


[1] Vgl. Dachselt, Schwarz, Sprang (2003): S.15.

[2] Vgl. Dachselt, Schwarz, Sprang (2003): S.16.

[3] Vgl. Dachselt, Schwarz, Sprang (2003): S.16.

[4] Reinhard (2006): S. 8 f.

[5] Reinhard (2006): S. 8 f.

[6] Vgl. Häcker, Stapf (2004): S. 417.

[7] Vgl. Meyer (2001): S. 105.

[8] Vgl. Ossowski (2004): S.3.

[9] Vgl. Merzinger (2005): S. 27.

[10] Meyer (2001): S. 105.

[11] Vgl. Ossowski (2004): S. 3.

[12] Reinhard (2006): S. 217.

[13] Häcker, Stapf (2004): S.418.

[14] Vgl. Häusermann (1998): S. 11.

[15] Vgl. Merzinger (2005): S. 27.

[16] Kant (1968): S. 273.

[17] Titze (2004).

[18] Schopenhauer (2005): S. 44.

[19] Schopenhauer (2005): S. 44.

[20] Titze (2004).

[21] Vgl. Merzinger (2005): S. 27.

[22] Freud (1970): S. 277.

[23] Freud (1970): S. 219.

[24] Vgl. Räwel (2005): S. 13.

[25] Räwel (2005): S. 13.

[26] Räwel (2005): S. 11.

[27] Räwel (2005): S. 11.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638880428
ISBN (Buch)
9783640330638
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71525
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Schlagworte
Radio-Comedy Humor Medien

Autor

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Titel: Radio-Comedy. Humor in den Medien