Lade Inhalt...

Der Mönch von Salzburg - das guldein abc

Hausarbeit 1996 17 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Mönch von Salzburg, Leben und Werk

3. Das guldein abc, ein Mariengedicht
3.1. Warum ein Mariengedicht ? Die Bedeutung Marias im hohen und späten Mittelalter
3.1.1. Marienkult, Entstehung und Ursache
3.1.2. Anrufung Marias in Sündenklagen
3.2. Die Verbindung von Loblied und Bittgedicht

4. Formale Betrachtung des Gedichtes
4.1. Aufbau
4.2. Abecedarium

5. Die verwendeten Sinnbilder zur Beschreibung Marias

6. Zahlenallegorese

7. Schluß

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Menschen im hohen und späten Mittelalter lebten in einer Zeit der Armut und der ständigen Seuchengefahr, einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den Städten einerseits und des Ideals der Armut und Entsagung andererseits. Die christlichen Dokmen waren streng und vermittelten den Gläubigen eine ständige Angst vor der eigenen Vergänglichkeit und der ewigen Verdammnis. Demzufolge brauchten die Menschen eine besondere Fürsprecherin und Mittlerin bei Gott, die sie in der Jungfrau Maria fanden. Es entstanden eine Fülle von Mariendichtungen und - liedern. Einer der wichtigsten und am weitesten verbreitete Dichter dieser Zeit war der Mönch von Salzburg, der dem Hofe des Erzbischofs Pilgrim II von Puchheim angehörte. Er hinterließ neben weltlichen und christlichen Liedern viele Werke, die speziell der Mutter Gottes gewidmet waren.

In der vorliegenden Hausarbeit untersuche ich, nach einer kurzen Darstellung des Lebens und Werkes des Mönchs, eines seiner Marienlieder das guldein abc. Ich werde nach der Bedeutung Marias im Mittelalter fragen, die Gründe für ihre Verehrung im historischen Kontext betrachten und den Bezug zum guldein abc herstellen. Weiterhin behandel ich Form und Aufbau des Gedichtes. In den beiden letzten Kapiteln gehe ich auf die vom Dichter verwendeten Beiworte und Sinnbilder zur Beschreibung Marias und die Zahlenallegorese ein.

2. Der Mönch von Salzburg, Leben und Werk

Der Mönch von Salzburg gehörte zu den bedeutendsten Dichtern und Komponisten der spätmittelalterlichen Lyrik. Da die Zeugnisse, die über ihn existieren lückenhaft sind, ist sein Leben bis heute nicht vollständig rekonstruierbar. Sicher ist, daß er in der zweiten Hälfte des 14. Jh. gelebt hat. Einige seiner Gedichte enthalten Belege darauf, daß er dem Umkreis des Salzburger Erzbischofs Pilgrim II von Puchheim (1365 - 1396) zuzurechnen ist. Hinweise finden sich beispielsweise in der Mariensequenz G2, die das Akrostichon Pylgrim erczpischof legat [1] enthält. Die häufige Erwähnung des Erzbischofs ist auch ein Hinweis darauf, daß dieser als Mäzen den Mönch gefördert hat. In der germanistischen Forschung gab es z.T. Vermutungen, daß der Mönch möglicherweise mit Pilgrim identisch sei[2], er also unter einem Pseudonym geschrieben habe, um seine hohe Herkunft zu verbergen - eine Methode, der sich einige Adelige nachweislich bedient haben, die beim Mönch von Salzburg jedoch wenig wahrscheinlich ist.

Das Erzbistum Salzburg zählte zu den größten und mächtigsten seiner Zeit und am Hofe Pilgrims war man prunkliebend und Kunst gegenüber sehr aufgeschlossen. Es hatte sich dort ein Kreis von Künstlern zusammengefunden, zu denen auch der Mönch von Salzburg gehörte. Seinen Werken nach zu urteilen, war er gebildet, kannte sich in der kulturellen Entwicklung Europas aus und war bewandert in der geistliche Dichtung sowie in der Musik. Er beherrschte die ganze Bandbreite der spätmittelalterlichen Liedkunst und beeinflußte die spätere Lyrikgeneration, wie Oswald v. Wolkenstein oder Heinrich Laufenberg, und den Meistergesang.

Die Fülle seines Schaffens ist erstaunlich. Erhalten geblieben sind 49 geistliche und 57 weltliche Lieder. Diese sind in über hundert Handschriften überliefert, die über ganz Europa verteilt sind. Ein so enorm großer Wirkungskreis wurde von keinem weiteren Dichter des Mittelalters bis ins 16. Jh. hinein erreicht. Von seinen geistliche Liedern sind 20 der Mutter Gottes gewidmet, denn um 1400 begann die Marienverehrung erneut aufzublühen. Die Marienlieder, wie auch die übrigen geistlichen Lieder des Mönche sind in zwei Gruppen zu teilen. Zum einen in die Übersetzungen aus dem lateinischen, bspw. das "Ave virginalis forma", zum anderen in die eigenen Texte. Das guldein abc zählt hierbei zu der zweiten Gruppe.

3. Das guldein abc, ein Mariengedicht

3.1. Warum ein Mariengedicht ? Die Bedeutung Marias im hohen und späten Mittelalter

3.1.1. Marienkult, Entstehung und Ursachen

Die Haltung der Ergriffenheit gegenüber der Jungfrau Maria beginnt ungefähr in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Bis dahin war die Marienliteratur eher belehrend und beruhte auf den herrschenden Mariendokmen. Die Ursache für den aufkommenden Marien- und Heiligenkult ist unter anderem sozialwissenschaftlich zu erklären. Seit dem 12. Jahrhundert blühten in den Städten Handel und Geldwirtschaft. Diese Art der Geschäfte war aber seit jeher im biblischen Sinn verwerflich und sündhaft. Im neuen Testament wurden meist die Zöllner und Händler als Sünder und Verdammte vorgeführt, die erst durch Jesus von ihren Sünden freigesprochen werden konnten. Diese Diskrepanz führte für die Städter zu einer ernsten Identitätskrise, die durch die Reformbewegungen in den Städten, die das Armutsideal wieder aktualisierten, noch verstärkt wurde. Hin und hergerissen von den täglichen materiellen Bedürfnissen und Interessen und dem Streben nach Erlösung suchten und fanden die Menschen in Maria, die göttliches und menschliches in sich vereinte, die ideale Mittlerin. Von allen Heiligen erschien Maria als die, die Gott am nächsten war. Sie wurde angerufen, um Fürbitte bei ihrem Sohn zu erbeten.

"Als Verkörperung der Jungfräulichkeit, als Gottesbraut und Gottesmutter, Himmelskönigin wirkte sie wie eine vierte Person im Gefüge der Trinität. Zugleich stand sie außerhalb des durch Strenge gekennzeichneten göttlichen Richteramtes, so daß in ihr die göttliche Barmherzigkeit vollkommen verwirklicht erschien."[3] Sie verkörperte Eigenschaften wie Reinheit, Liebe und Milde. Eigenschaften, die in dem wirtschaftlichen, von Rationalität und Profitdenken bestimmten Leben kaum noch vorhanden waren. Ihre Verkörperung der vollkommenen Schönheit hatte in einer von Not und Armut geprägten Zeit eine wichtige Bedeutung.

3.1.2. Anrufung Marias in Sündenklagen

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts beginnt eine neue Phase der geistlichen Dichtung. Neben der bis dahin bestimmenden dogmatisch ausgerichteten und für das einfache Volk schwer zu verstehenden Bibeldichtung entsteht eine geistliche Literatur, die sich um die religiöse Ergriffenheit der Laien bemüht. Die dichtenden Geistlichen, Mönche und Konvertierte unternehmen immer eindrücklichere Versuche das Volk religiös zu indoktrinieren, es zu "ergreifen".

Diese Literaturform trägt meist sehr appelative Züge, spricht den Zuhörer also direkt an. Mahnend, drohend oder beschwichtigend wendet sich der Dichter sowohl an das sittliche, wie auch an das soziale Gewissen der Menschen. Ängste werden geschürt, Versprechungen gemacht, das Leben nach Gottes Willen als Weg zur ewigen Erlösung gepriesen und tief ins Bewußtsein der Menschen gegraben. Das ewige Leben im Himmel und die Qual in der Hölle werden bildhaft ausgemalt. Dadurch wird die Angst vor dem Tod, und vor der nach dem Tod folgenden Abrechnung des eigenen Lebens geschürt, um auf diese Weise zum rechten Leben auf der Erde zu erziehen.

Die Angst vor dem Tod und vor dem zu erwartenden Greuel, wird insbesondere von den durch das Land ziehenden Bettelmönchen, hauptsächlich Franziskanern, verbreitet. Die bis dahin vorherrschende Gelassenheit dem Tod gegenüber, wandelt sich in dieser Zeit zu einer immer stärker werdenden, beinahe panischen Angst. Die Angst vor der Vergänglichkeit allen Seins ( Memento Mori) überträgt sich allmählich auf die gesamte geistliche Literatur und sogar auf die weltliche. Es verfestigt sich die Vorstellung, daß wer seine Seele retten will, allem Irdischen versagen muß. Der Ursprung dieser Entwicklung läßt sich allerdings nicht nur auf den religiösen Gedanken beschränken, sondern ist auch ein Zeichen der Lebensangst, die in diesen Jahrhunderten umsichgriff. Diese Lebensangst entsprang der schweren Situation dieser Zeit, den Hungersnöten, Krankheiten und Epidemien, denen die Menschen ausgesetzt waren. Wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse herrschte ständig Seuchengefahr. Die aus dem Orient eingeschleppte schwarze Pest war eine Katastrophe größten Ausmaßes und raffte im 14./15. Jahrhundert mehrere Millionen Menschen dahin. Der Tod war zu dieser Zeit ständiger Begleiter, woraus sich die Weltuntergangsstimmung und die religiösen Exaltionen erklären lassen.

[...]


[1] Die geistlichen Lieder des Mönchs von Salzburg. Hg. v. Franz Viktor Spechtler. Berlin, 1972. S.13.

[2] vgl. Marienlexikon, Hg. v. Remigius Baumer u. Leo Scheffcyk. St. Ottilien, 1988. Bd.2, S. 496.

[3] Nusser, Peter: Deutsche Literatur im Mittelalter. Lebensformen, Wertvorstellungen und literarische Entwicklungen. Stuttgart, 1992. S. 65.

Details

Seiten
17
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638632058
ISBN (Buch)
9783638769396
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71512
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Institut für Deutsche Philologie
Note
2,0
Schlagworte
Mönch Salzburg Spätmittelalterliche Lyrik

Autor

Zurück

Titel: Der Mönch von Salzburg - das guldein abc