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Klatsch, Gossip, Chisme - Ein Blick auf das Klatschverhalten der Geschlechter am Beispiel von Gran Hermano, Spanien

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Quellenverzeichnis:
Lexika und Wörterbücher:
World Wide Web:

1. Über Vorgehensweise und Aufbau

2. Klatsch – Herkunft, Bedeutung und Funktion in der Gesellschaft
2.1 Diachrone Veränderungen der Begriffssemantik
2.2 Das Reden über Andere und dessen psychologische Notwendigkeit
2.3 Formen, Funktionen und Geschlecht

3. Chisme en la casa – Eine Untersuchung anhand Gran Hermano 6
3.1 Erläuterung und Begründung der Untersuchung
3.2 El chisme de la mujer – vertrauliche Gespräche unter Frauen
3.3 Untypisch Mann? – Klatsch unter Männern

4. Fazit

Quellenverzeichnis

ALTHANS, Birgit (2000); Der Klatsch, die Frauen und das Sprechen bei der Arbeit;

Frankfurt/Main, Campus

CAMERON, Deborah; Performing Gender Identity; 47-65; in: JOHNSON, Sally &

MEINHOFF, Ulrike Hanna (1997); Language & Masculinity, Oxford, Blackwell Publishers

COATES, Jennifer (1986); Women, Men and Language, 2. Edition (1993), Essex, Longman

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ECKERT, Penelope / MCCONNEL-GINET, Sally (2003), Language and Gender,

Cambridge, Cambridge University Press

EVALDSSON, Ann-Carita (2002); Boys’ gossip telling: Staging and indexing

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HALL, Joan Kelly (1993); Tengo una bomba: The Paralinguistic and Linguistic Conventions

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HOLMES, Janet (1992); An introduction to Sociolinguistics, 2. Edition (2001), Essex,

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JONES, Deborah (1980); Gossip: notes on women’s oral culture; reprinted from:

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LEVIN, Jack / ARLUKE, Arnold (1987); Gossip: the Inside Scoop; New York/London,

Plenum Press

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TANNEN, Deborah (1990); You just don’t understand – Women and Men in Conversation;

New York, William Morrow and Company, Inc.

Lexika und Wörterbücher:

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OXFORD UNIVERSITY (2002); Shorter Oxford English Dictionary – On historical

principles Vol. 1 * A-M; 5. Edition, Oxford, Oxford University Press

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SLABY, Dr. Rudolf J. / GROSSMANN, Dr. Rudolf (1937); Wörterbuch der spanischen und

deutschen Sprache – II. Deutsch – Spanisch; Leipzig, Bernhard Tauchnitz

World Wide Web:

TELECINCO ESPAñA, Gran Hermano; Video: Bea: “Jany sigue el rollo a todos”,

10.03.2005, URL: http://www.granhermano.telecinco.es/desarollo_422.htm

TELECINCO ESPAñA, Gran Hermano; Video: Miguel: “Juanjo es un oportunista total”;

10.03.2005, URL: http://www.granhermano.telecinco.es/desarollo_313.htm

1. Über Vorgehensweise und Aufbau

„Hast du schon gehört?“, „Wusstest du schon?“ oder „Ich weiß ja nicht ob ich es erzählen darf, aber…“ sind nur einige der typischen Phrasen, die jenes Phänomen einleiten, welches vielen unter der Bezeichnung [Klatsch] bekannt ist. Klatsch ist fester Bestandteil unserer Kultur und kommt mehr oder minder in allen sozialen Schichten vor. Für die Medien ist er existenziell. Durch den Erfolg des Celebrity Gossips, zu Deutsch Promiklatsch, ist er in heutiger Zeit aus Presse und Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Aber auch auf politischer Ebene findet Klatsch eine übergeordnete Bedeutung. Geheimnisse und Gerüchte bedeuten in diesen Bereichen große Macht und Einfluss. Derjenige der ein Geheimnis kennt, besitzt Macht über denjenigen, den es betrifft. Oftmals kommt es jedoch zu der Annahme, dass Klatsch eine ausschließlich von weiblicher Seite her ausgehende Aktivität sei und auf keinen Fall etwas, das Männer betreiben würden. Es ist bekannt als ein charakteristisches Merkmal für die Frau. (Holmes 1992: 298)

Im Folgenden soll unter anderem anhand der sprachgeschichtlichen Entwicklung der Begriffe [Klatsch], [gossip] und [chisme], veranschaulicht werden, worin der Ursprung dieser Auffassung liegt. Des Weiteren wird untersucht, warum eigentlich geklatscht wird und was dies für Vorteile mit sich bringt. Letztendlich liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit in einem Vergleich zwischen weiblichen und männlichen Dialogen innerhalb der spanischen Sprache. Anhand dieser Dialoge, welche ursprünglich aus der Fernsehsendung Gran Hermano stammen, soll untersucht werden, ob Klatsch wirklich nur ein weibliches Phänomen ist und nicht doch unter besonderen Umständen auch unter Männern auftritt.

2. Klatsch – Herkunft, Bedeutung und Funktion in der Gesellschaft

2.1 Diachrone Veränderungen der Begriffssemantik

Selbst in heutiger Zeit werden Ausdrücke wie [Klatsch] oder [Tratsch] direkt mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht. Darüber hinaus kommt es in vielen Fällen zum negativen Verständnis der beiden Begriffe. Wer klatscht, so wird allgemein angenommen, redet schlecht oder macht sich gar über nicht anwesende Dritte lustig. Um verstehen zu können wie es zu diesen Konnotationen kommen konnte, ist es unumgänglich sich mit der Wortgeschichte des Begriffes [Klatsch] auseinanderzusetzen. Worin liegt sein semantischer Ursprung? Wie steht seine Bedeutung im Vergleich zu derer anderer europäischer Sprachen?

Birgit Althans geht in ihrem Werk „Der Klatsch, die Frauen und das Sprechen bei der Arbeit“ (2000) näher auf die Wurzel des Begriffs ein. Klatschen sei im 16. Jahrhundert ein Synonym für Waschen gewesen. Eine Tätigkeit die ausschließlich von Frauen durchgeführt und von Männern gemieden wurde. (Cf. Althans 2000: 17) Die rechtlich benachteiligten Frauen ergriffen die Möglichkeit, sich außerhalb ihrer Familie mitzuteilen. Dies war in dem damaligen, von Männern dominierten, Umfeld nur schwer möglich. Ferner bemerkt sie: „Wer klatscht hat als gossip, commérage, Klatschtante oder –base automatisch ein weibliches Geschlecht…“. (Althans 2000: 18) Man erkennt deutlich, dass der Ausdruck [Klatsch] nicht nur im Deutschen, sondern in einer Vielzahl europäischer Sprachen mit dem weiblichen Geschlecht assoziiert wird. Dass das Englische [gossip] sich jedoch auch ehemals auf das männliche Geschlecht bezog, legen Jack Levin und Arnold Arluke (1987) dar. Ihnen zur Folge leite sich der Ausdruck [gossip] von dem altenglischen [godsibb] oder [godparen] ab und bezog sich auf die Wärme und Freundschaft zwischen Männern bzw. auf den guten Trinkfreund eines Mannes. (Cf. Levin & Arluke 1987: 5) Im Vergleich zu Althans’ Untersuchungen zeigt sich jedoch, dass sich in [gossip] noch weitere Konnotationen widerspiegeln. Diese beziehen sich wiederum auf das weibliche Geschlecht. So stünde der Begriff für eine „Person, die als Taufpate für ein neu gewonnenes Familienmitglied gewonnen wurde“.(Althans 2000: 19) Als dritte Assoziation für den [gossip] nennt Althans die begleitende Freundin einer gebärenden Frau, die mittels ihrer Anwesenheit bezeugt, dass die Geburt einen anständigen Verlauf genommen hat. (Cf. Althans 2000: 19) Letztendlich komme es aber im 16. und 17. Jahrhundert zu einer Verschmelzung aller drei Definitionen. Gossip beziehe sich von nun an einzig auf die Vertraute der Frau, die bei der Geburt ihres Kindes anwesend sein sollte.(Tebutt 1995: 20; übernommen aus: Althans 2000: 20) Das Shorter Oxford English Dictionary (SOED) erwähnt zwar keine Verschmelzung der Definitionen, jedoch verweist es, neben den allgegenwärtigen Bezeichnungen „idle talk“ und „groundless rumour“, ebenfalls auf die des Taufpaten und der weiblichen Geburtsunterstützung. (Cf. SOED 2002: 1129)

Im Englischen findet sich heutzutage eine Trennung zwischen weiblichem und männlichem Klatsch. Bei [Shoptalk] handelt es sich um die männliche Bezeichnung des sonst weiblich assoziierten gossips. Er bezieht sich jedoch mehr auf karriere- und zielorientierte Gespräche, die, wie in der Regel angenommen wird, von Männern geführt werden. (Cf. Eckert & McConnel-Ginet 2003: 98-99)

Das spanische [Chisme] steht im engen Bezug zu dem Ausdruck [niñería]. (Cf. Alonso 1958: 1360) Da sich [niñería] jedoch durch Lapalie oder Kinderstreich definieren lässt, fehlt zunächst der nähere Bezug des Klatsches zum weiblichen Geschlecht. Auch die Real Academia Española gibt in ihrer Definition des [chisme] keine Art von weiblicher Bedeutung an. (Cf. Real Academia Española 2001: 362) Trotz alledem erklärt Joan Hall, die sich näher mit dem Chisme südamerikanischer Frauen auseinander gesetzt hat, das Chisme ein typisch weibliches Phänomen sei. (Cf. Hall 1998: 60f) Ein anderer Ausdruck für Klatsch im Spanischen, [comadrerías], leitet sich von [comadre] ab, einer Bezeichnung für den weiblichen Taufpaten. (Cf. Real Academia Española 2001: 403) Diese konnotative Bindung zur Frau unterstützt wiederum das Bild des ‚klatschenden Weibes’ in Spanien. Der sprachgeschichtliche Werdegang des spanischen Ausdrucks ist somit dem englischen sehr ähnlich. Daher wird der Begriff [chisme] bzw. [comadrería] in der folgenden Untersuchung dem englischen [gossip] und dem deutschen [Klatsch] konnotativ gleich gestellt, trotz einiger geringer semantischer Unterschiede.

Beim Betrachten der diachronen semantischen Entwicklung sämtlicher Ausdrücke für den Begriff [Klatsch] ist festzustellen, dass ihre Definitionen größtenteils weiblich behaftet sind. Diese Entwicklung nimmt großen Einfluss auf das, was heute unter Klatsch verstanden wird und vor allem mit welchem Geschlecht er in Verbindung gebracht wird. Ob Klatsch jedoch tatsächlich nur von Frauen praktiziert wird soll im späteren Verlauf dieser Arbeit näher untersucht werden. Im Folgenden werden zunächst die psychologischen Ursachen und Funktionen des Klatsches erläutert. Ferner wird untersucht inwiefern die negative Klatsch-Assoziation der Realität entspricht.

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Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638628525
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71320
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Romanisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Klatsch Gossip Chisme Blick Klatschverhalten Geschlechter Beispiel Gran Hermano Spanien Sprache Geschlecht

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Titel: Klatsch, Gossip, Chisme - Ein Blick auf das Klatschverhalten der Geschlechter am Beispiel von Gran Hermano, Spanien