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Fiskalpolitik und Preisstabilität

Seminararbeit 2006 24 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geldpolitik im Dienste der Preisstabilität
2.1 Definition: Preisstabilität
2.2 Definition: Geldpolitik
2.3 Strategien und Instrumente der EZB zur Erhaltung der Preisstabilität
2.4 Gesamtwirtschaftliche Stabilität als Grundlage der Preisstabilität

3. Fiskalpolitik in der EWU
3.1 Definition: Fiskalpolitik
3.2 Die Entwicklung der Fiskalpolitik
3.3 Begriffe im Rahmen der Fiskalpolitik
3.3.1 Automatische Stabilisatoren
3.3.2 Diskretionäre Feinsteuerungsmaßnahmen
3.3.3 Fiskalische Nachhaltigkeit

4. Einflüsse der Fiskalpolitik auf Preisstabilität
4.1 Kurzfristige Einflüsse
4.2 Langfristige Einflüsse
4.3 Eine vereinfachte Version von Sargent und Wallace (1981)

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Einkommensumlaufgeschwindigkeit von M3

Abb. 2: Entwicklung der Geldmenge M3 und des Preisniveaus

Abb. 3: Die Kanäle der Fiskalpolitik

Abb. 4: Einnahmen und Ausgaben

Abb. 5: Haushaltsbilanz

Abb. 6: Schuldenstand

Abb. 7: Die idealtypische Wirkungsweise automatischer Stabilisatoren während des Konjunkturzyklus

1. Einleitung

“Die Gewährleistung der Preisstabilität im Euro-Währungsgebiet ist das vorrangige Ziel der EZB – so lautet ihr im Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft festgelegtes Mandat. Eine glaubwürdige und dauerhafte Gewährleistung der Preisstabilität ist der beste Weg, auf dem die Geldpolitik den Wohlstand der Bürger im Euro-Währungsgebiet fördern kann .” (Dr. Willem Duisenberg 2001)[1]

Jede makroökonomische Politik sollte diejenigen Ziele verfolgen, für die sie am besten geeignet ist. Dies ist ein grundlegendes und durchaus auch ökonomisch nachvollziehbares Prinzip. Die wichtigste Aufgabe der Geldpolitik und somit der europäischen Zentralbank ist demnach die Erhaltung der Preisstabilität, wie Dr. Willem Duisenberg in seiner Rede verdeutlicht. Dieses Ziel kann durch eine nachhaltige, ökonomische Stabilität verfolgende Fiskalpolitik unterstützt werden, da makroökonomische Stabilität den Rahmen bestimmt, in dem die Geldpolitik zu operieren hat.[2] Da Haushalte einen im Zeitverlauf stabilen Konsum bevorzugen, ist für sie ökonomische Stabilität mit der Sicherheit von stetiger Beschäftigung und stabilem Einkommen ein wichtiger Faktor bei ihrer Zukunftsplanung.[3] Eine nachhaltige Fiskalpolitik, die zu gesunden Staatshaushalten führt, kann zu dieser Stabilität beitragen und somit das Vertrauen der Haushalte in die Zukunftsentwicklung erhöhen.

In den nächsten drei Abschnitten sollen die direkten und indirekten Einflüsse der Fiskalpolitik auf makroökonomische Stabilität und Preise sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht untersucht werden. Dazu werden zuerst die zwei großen Bereiche Geldpolitik und Fiskalpolitik dargestellt und zum besseren Verständnis einige Begriffe erläutert, bevor dann im vierten Abschnitt der Zusammenhang zwischen der Fiskalpolitik und Preisen hergestellt werden soll. Am Ende wird noch eine von Ramanararyanan Ananth (2005) vereinfachte Version der „unpleasant monetarist arithmetic“ von Sargent and Wallace (1981) vorgestellt, die zeigen soll, dass die Wahl der richtigen Geldmenge in Bezug auf Preisstabilität nicht rein intuitiv stattfinden kann, d.h. dass nicht automatisch eine möglichst geringe Geldmenge für langfristige Preisstabilität sorgen kann.

2. Geldpolitik im Dienste der Preisstabilität

2.1 Definition: Preisstabilität

Es ist wichtig, zwischen Veränderungen von Preisen einzelner Waren oder Dienstleistungen und des allgemeinen Preisniveaus zu unterscheiden. Änderungen einzelner Preise sind in einer Marktwirtschaft ganz normal, auch wenn insgesamt Preisstabilität herrscht. Aus diesem Grund müsste eigentlich von „Preisniveaustabilität“ anstatt von Preisstabilität gesprochen werden. In dieser Arbeit werden die Begriffe aber, der allgemeinen Literatur folgend, mit äquivalenter Bedeutung benutzt .[4]

Da der EG-Vertrag keine genaue Definition beinhaltet, was „Preisstabilität“ ist, hat der Regierungsrat der Europäischen Zentralbank (EZB) 1998 eine solche wie folgt festgelegt:

„Preisstabilität wird definiert als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2% gegenüber dem Vorjahr. Preisstabilität muss mittelfristig gewährleistet sein.“[5]

Dabei bezeichnet der HVPI einen Gesamtindex, in welchen die nationalen Preisindizes gewichtet mit ihrem Anteil am privaten Gesamtverbrauch einfließen. Eurostat[6] versuchte bei der Konstruktion des HVPI die Messfehler zu verringern bzw. zu beseitigen, wodurch sie geringer ausfallen als bei den nationalen Verbraucherpreisindizes.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin stellte der Regierungsrat 2003 klar, dass er im Rahmen dieser Definition darauf abziele, Preisstabilität mittelfristig unter, aber nahe an 2% zu erhalten. Diese Klarstellung soll verdeutlichen, dass auch negative Inflation, also Deflation, nicht mit dem Ziel Preisstabilität vereinbar ist. Temporäre Verfehlungen führen aber keineswegs sofort zu einem Bruch mit der Preisstabilität, solange die Inflationsrate nach einer Verfehlung schnell genug wieder gegen die 2%-Grenze konvergiert.[8]

Die mittelfristige Ausrichtung resultiert aus der Einsicht, dass geldpolitische Feinsteuerungsmaßnahmen die Preisentwicklung nicht kurzfristig beeinflussen können und dies somit gar nicht erst versucht werden sollte.[9]

2.2 Definition: Geldpolitik

„Als Geldpolitik bezeichnet man zusammenfassend alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die die Zentralbank ergreift, um ihre Ziele zu verwirklichen. In der EWU wird die Geldpolitik von der Europäischen Zentralbank wahrgenommen. Im engeren Sinn bezeichnet man eine Verknappung der Geldmenge als kontraktive oder restriktive Geldpolitik und eine Ausdehnung der Geldmenge als expansive Geldpolitik.“[10]

2.3 Strategien und Instrumente der EZB zur Erhaltung der Preisstabilität

Die geldpolitische Strategie der europäischen Zentralbank legt die Art und Weise fest, mit der das vorrangige Ziel, Sicherung der Preisstabilität, verfolgt werden soll. Mit diesem Ziel vor Augen hat sich der EZB-Rat für eine geldpolitische Strategie entschieden, die auf zwei Säulen beruht. Dieser Zwei-Säulen-Ansatz soll sicherstellen, dass zur Gesamtbeurteilung der Risiken für die Preisstabilität wirklich alle relevanten Informationen herangezogen werden.[11]

1. Die monetäre Säule

Inflation wird weitgehend als das Ergebnis von zu viel Geld für eine begrenzte Menge an Gütern und Dienstleistungen betrachtet. Aufgrund dieser engen Beziehung zwischen Geldmenge und Inflation hat die EZB der Beobachtung des Geldmengenwachstums eine besondere Rolle zugewiesen und setzte deshalb 1998 einen Referenzwert von 4,5% für das jährliche Wachstum der aggregierten Geldmenge M3. Diese Geldmenge M3 setzt sich zusammen aus im Umlauf befindlichen Zahlungsmitteln, Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren, Einlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten und von Kredit- und sonstigen Finanzinstituten ausgegebenen, verzinslichen Wertpapieren mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.[12] Der oben genannte Referenzwert soll dem EZB-Rat helfen, die in den Geldmengenaggregaten enthaltenen Informationen so zu analysieren, dass sie einen zusammenhängenden und glaubwürdigen Maßstab für seine Geldpolitik darstellen.

Um diesen Geldmengen-Preis-Zusammenhang empirisch zu fundieren, entwickelten Mitarbeiter des Federal Reserve Board den Indikator P-Stern. Der Ansatz folgt unmittelbar aus obiger Betrachtung bezüglich Geld- und Gütermengen. Er besagt, dass eine Erhöhung der Geldmenge dann zu einer Preisniveausteigerung führt, wenn sie nicht durch eine zunehmende Güterproduktion oder höhere Geldhaltung (geringere Umlaufgeschwindigkeit[13]) kompensiert wird. Geht man nun von der Quantitätsgleichung[14] aus, welche dadurch definiert ist, dass sie den Wert des Transaktionsvolumens (Preis P multipliziert mit der realen Gütermenge Y) in einer Ökonomie gleich der Geldmenge multipliziert mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes setzt, so ist das Preisniveau dann gleichgewichtig (=P*), wenn es sich bei gegebenem Geldmengenbestand M, normal ausgelasteter Kapazitäten Y* und einer gleichgewichtigen Umlaufgeschwindigkeit V* einstellt.

(1) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bzw. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

mit Kleinbuchstaben für logarithmierte Größen.

Für das tatsächliche Preisniveau P (p) dagegen gilt

(2) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bzw. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Der Unterschied zwischen den tatsächlichen und den gleichgewichtigen Preisen, die so genannte Preislücke (in logarithmischer Form) ist also gegeben durch

(3) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Sie setzt sich zusammen aus der Liquiditätslücke (v-v*) und der Kapazitätsauslastung bzw. dem „Output Gap“ (y*-y). Konvergiert nun die tatsächliche Preisentwicklung gegen die gleichgewichtige, so kann diese Preislücke als Inflationsindikator verwendet werden. Nach (3) ist dann bei einer positiven Preislücke in Zukunft mir einer geringeren Inflation zu rechnen. Dies tritt ein bei unterausgelasteten Produktionskapazitäten (y*>y) und/oder bei höherer Umlaufgeschwindigkeit (v>v*) als im langfristigen Gleichgewicht. Somit erfasst die Preislücke das Inflationspotential bereits realisierter Güternachfrage (Nachfrageüberhang) ebenso wie das der potenziellen Nachfrage (Liquiditätsüberhang).

Empirisch relevant ist das P-Stern-Modell, wenn die langfristige Geldnachfrage stabil ist und die Inflation durch die Preislücke bestimmt wird. In Deutschland wurden mit diesem Modell auf Grundlage der Geldmenge M3 gute empirische Ergebnisse erzielt. Auch auf den Fall der EWU wurde das Konzept erfolgreich angewendet.[15]

Stellt man eine weitere Quantitätsgleichung in Logarithmen für Zielgrößen auf, so ergibt sich der Zusammenhang mit Geldmengenzielen

(4) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bzw. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

mit Δ als Differenzenoperator.

Aus (4) folgt also das Inflationsziel [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus dem Geldmengenziel [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abzüglich des Wachstums des realen (gleichgewichtigen) Produktionspotentials [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und korrigiert um Veränderungen der gleichgewichtigen Umlaufgeschwindigkeit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Kombiniert man (2) und (4), so ergeben sich die Abweichungen vom Inflationsziel

(5) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Gleichung (5) sagt aus, dass eine Zentralbank, die eine Geldmengenstrategie zur Erreichung von Preisstabilität verfolgt, auch dann reagieren muss, wenn die Geldmenge sich zielgerecht verhält. Das Geldmengenziel [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ergänzt um die Veränderung der Preislücke [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bilden also die Inflationslücke. Nur wenn die Preislücke null ist, ist alleine die Geldmengenentwicklung für die Inflationsziellücke relevant.[16]

[...]


[1] Dr. Willem Duisenberg, 2001

[2] Vgl. ECB Monthly Bulletin April 2004, S. 45

[3] Vgl. ECB Monthly Bulletin April 2002, S. 33

[4] Vgl. Endler, 1998, S.64; EZB Lehrerheft, 2005 S.24

[5] Europäische Zentralbank, 2006

[6] Eurostat bezeichnet das Statistische Amt der EU

[7] Vgl. Görgens et al., 2004, S.170

[8] Vgl. Görgens et al., 2004, S.167-170

[9] Vgl. EZB Lehrerheft, 2005, S. 65

[10] Wikipedia, 2006

[11] Vgl. EZB Lehrerheft S. 67; Eijffinger/De Haan, 2000, S. 61

[12] Vgl. Die Europäische Zentralbank, 2002, S. 35; Görgens et al., 2004, S.175

[13] Die Umlaufgeschwindigkeit bezeichnet das Verhältnis von nominalem BIP und Geldmenge.

[14]

[15] näheres in Nicoletti-Altimari, 2001

[16] Vgl. Görgens et al., 2004 S.140

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638631303
ISBN (Buch)
9783638675062
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71232
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Department of Economics
Note
2,0
Schlagworte
Fiskalpolitik Preisstabilität Fiscal Policy Theory Practice

Autor

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Titel: Fiskalpolitik und Preisstabilität