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Quevedos Apollo und Dafne Thema anhand zweier Beispiele: 'A Apolo siguiendo a Dafne' und 'A Dafne, huyendo de Apolo'

Hausarbeit 2006 16 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zeitliche Einordnung: die spanische Barockzeit

3. culteranismo und conceptismo

4. Zu Quevedo

5. Gedichtsanalyse: A Apolo siguiendo a Dafne und A Dafne, huyendo de Apolo
5.1. A Apolo siguiendo a Dafne
5.2. A Dafne, huyendo de Apolo

6. Schlußbetrachtung und Ausblick

7. Bibliographie

8. Internetquellen

1. Einleitung

Humanist, Schriftsteller und Politiker, Quevedo ist eine der bedeutendsten Figuren des spanischen Barock, der mit seinem conceptismo die Lyrik prägte. Seine Fehde mit Luis de Góngora, dem Hauptvertreter des culteranismo, sowie seine Freundschaft zu Félix Lope de Vega und Miguel de Cervantes Saavedra sind legendär. Sein Leben ist gezeichnet von der Bemühung die Situation im krisengeschwächten Spanien anzuklagen und zu verbessern. Seine Angriffe auf die spanische Hierarchie und die Intrigen seiner Neider bringen in oftmals ins Gefängnis, wo er viele seiner Werke verfasst. Diese sind von seiner humanistischen Bildung beeinflußt und sind ein außergewöhnlicher Beitrag zur spanischen Prosa und Lyrik. Sie alle zu betrachten ist aufgrund ihrer Fülle ein viel zu großes Projekt, das den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Stattdessen werde ich auf den kleinen Ausschnitt seines lyrischen Werkes eingehen, der sich mit dem an Ovids Metamorphosen angelehnten Thema „Apollo und Dafne“ befasst. Quevedo hat zu diesem Thema eine Fülle an ernsten aber auch burlesken Gedichten verfasst. Ich werde mich mit zwei seiner Parodien befassen, die zusammen zu betrachten sind, da sie eine Einheit bilden und den conceptismo seiner Lyrik widerspiegeln: „A Apolo siguiendo a Dafne“ und „A Dafne, huyendo de Apolo“.

Um die Zeit des Barock und das Werk des Autors besser nachvollziehen zu können, werde ich zunächst einen zeitlichen Überblick über die spanische Barockzeit geben. Danach werde ich die zwei Hauptströmungen dieser Zeit, culteranismo und conceptismo, vorstellen, um dann gezielt auf die Biographie Quevedos einzugehen. Anschließend werde ich die beiden Gedichte analysieren und vergleichen.

2. Zeitliche Einordnung: die spanische Barockzeit

Die Barockzeit, die in Spanien nicht umsonst als zweite Hälfte der Siglos de Oro gilt, ist

ein kultureller Höhepunkt. Sie beginnt 1598 mit der Regierung Felipes III. und endet 1665 mit dem Tod seines Sohnes Felipe[1]. Die wichtigsten literarischen Vertreter dieser Zeit sind Lope de Vega, Cervantes, Quevedo, Góngora und Calderón.[2]

Die zentralen Themen des spanischen Barocks sind die Ernüchterung bzw. „Ent-Täuschung“ (Gimber 2003, 55) (desengaño) und Pessimismus. Das Leben wird als ein Gefüge von falschen Illusionen gesehen, die mit dem Tod enden.[3] Diese Themen, die einen bedeutenden Gegensatz zur Einstellung während der Renaissance darstellen[4], lassen sich durch den historischen Kontext des Barock in Spanien erklären. Die sogenannten Austrias menores, also Felipe III., Felipe IV. und Carlos II. überlassen die Regierung Ministern und Vertrauensleuten, die zwar zunächst die von Felipe II. entfesselten Konflikte lösen, dann aber unter Felipe IV. Spanien in den Dreißigjährigen Krieg einbinden, der der Nation schwere militärische Verluste zufügt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nutzt Frankreich die Instabilität Spaniens aus, um sich ihrer europäischen Besitztümer zu bemächtigen. Dies hat zur Folge, daß das spanische Imperium Anfang des 18. Jahrhunderts fast völlig ausgelöscht ist. Auch die Innenpolitik führt zu schweren wirtschaftlichen und politischen Verlusten. Die Verbannung der Morisken legt in Teilen Spaniens die Landwirtschaft lahm, Korruption und Zentralismus führen zu Aufständen im ganzen Land, die zwar größtenteils unterdrückt werden, aber im Falle Portugals mit der 1668 erreichten Unabhängigkeit enden.

Die Verbannung der Morisken und die von Krieg, Hunger und Pest verursachte hohe Sterberate haben eine demografische Krise zur Folge. Während Adel und Klerus stark priviligiert sind und Ländereien besitzen, sind Bauern dem Elend ausgesetzt. Sie versuchen ihm zu entfliehen, indem sie Zuflucht in Städten suchen, enden aber oftmals als Bettler oder Kriminelle. Die einzige Möglichkeit, die sich dem Volk in dieser Zeit bietet, um in der stark hierarchisch geprägten Gesellschaft aufzusteigen, ist dem Klerus beizutreten. Dieser Umstand und der vorherrschende religiöse Fanatismus führen im 17. Jahrhundert zu einer Verdopplung der Kleriker.

Der Humanismus, der im Europa des 17. Jahrhunderts durch Figuren wie Descartes, Leibniz und Spinoza vorangetrieben wird, findet in Spanien kaum Anhänger. Stattdessen macht sich ein Skeptizismus der menschlichen Natur gegenüber breit, der in einer pessimistischen Weltanschauung gipfelt. Vertreter dieser Strömung wie Baltasar Gracián bevorzugen den Individualismus und das Mißtrauen anderen Menschen gegenüber, um der Krise und dem Niedergang der Gesellschaft entgegenzuwirken[5].

3. culteranismo und conceptismo

Die Literatur des Barock, die trotz der allgemeinen Krise Teil des Siglo de Oro ist, weist zwei Hauptströmungen auf: während die einen – darunter auch Cervantes und Quevedo – sich nicht scheuen die Mißstände anzuprangern, ziehen es die anderen vor, die Renaissance-Tradition fortzuführen und eine rein ästhetische Literatur zu verfassen[6]. Charakteristisch für die spanische Barockliteratur ist die kreative Freiheit und die Komplexität der Formen, die den Leser staunen lassen sollen, jedoch nur für eine gebildete Minderheit bestimmt sind („Introducción al siglo XVII.“). Die Literatur des Barock, vor allem die Lyrik, läßt sich mit zwei Schlüsselbegriffen beschreiben: culteranismo und conceptismo. Ersterer entsteht zunächst als abwertender Ausdruck gegenüber dem pompösen Stil Góngoras. Seine Gedichte sind geprägt von Kultismen, übertriebenem Hiperbaton und vielen Metaphern. Diese Anreicherung der Lyrik mit Stilmitteln bis zur Unverständlichkeit hat das Ziel das Gedicht zu einem intellektuellen Werk werden zu lassen, das die reine Schönheit sucht. Hier liegt auch der Schwerpunkt des Schaffens: nicht der Inhalt, sondern die schöne Form sind entscheidend[7].

Auch der conceptismo, dessen wichtigster Vertreter Quevedo ist, bedient sich der Metapher, lehnt aber die Latinisierung der Sprache ab[8]. Er wirkt auf der Ebene der Gedanken und drückt das Verhältnis zwischen den Dingen aus, wie einst von Baltasar Gracián definiert. Stilmittel werden auch hier stark eingesetzt; die wichtigsten sind: Paradoxie, Antithese, Paronomasie, Metapher und Elipse[9]. Der Inhalt wird extrem komprimiert, Ziel ist es möglichst viel Inhalt mit möglichst wenig Worten auszudrücken, die möglichst mehrere Bedeutungen haben sollen („La lírica en el Barroco.“).

Obwohl von zwei unterschiedlichen Konzepten die Rede ist, sind sich culteranismo und conceptismo sehr ähnlich in ihrer Absicht. Beide versuchen sich von dem gewöhnlichen Sprachgebrauch abzuheben, indem sie eine kunstvolle und fast unverständliche Sprache erfinden, die auf der Anhäufung von rhetorischen Figuren basiert. Somit sind auch beide für eine Minderheit gedacht.

[...]


[1] Je nach Quelle werden auch Felipe II. und/ oder Carlos II. ebenfalls eingeschlossen.

[2] Gimber, Arno. Kulturwissenschaft Spanien. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen GmbH, 2003.

[3] „El Barroco.“roble.cnice.mecd.es. [ ] Centro Nacional de Información y Comunicación Educativa. 31. August 2006 http://roble.cnice.mecd.es/~msanto1/lengua/1barroco.htm

[4] „Características generales del Barroco.“ r inconcastellano.com. [ ] Rincón Castellano. 31. August 2006 http://pagead2.googlesyndication.com/pagead/ads?client=ca-pub-7522120999870707&dt=1158398501322&alt_color=FFFFFF&format=468x60_as&output=html&channel=9136935224&url=http%3A%2F%2Fwww.rinconcastellano.com%2Fbarroco%2Fbarroco_carac.html&color_bg=CCFFFF&color_text=000000&color_link=2269B5&color_url=000000&color_border=FFFFFF&ad_type=text_image&u_h=768&u_w=1024&u_ah=768&u_aw=1024&u_cd=32&u_tz=120&u_his=7&u_java=true&u_nplug=23&u_nmime=222

[5] „Contexto Histórico del Barroco.“ r inconcastellano.com. [ ] Rincón Castellano 31. August 2006 http://www.rinconcastellano.com/barroco/contcult_barroco.html

[6] „Introducción al siglo XVII.“lenguayliteratura.net. [ ] Lengua y literatura. 31. August 2006 http://www.lenguayliteratura.net/literatura/barroco.htm

[7] „La lírica en el Barroco.“lenguayliteratura.net. [ ] Lengua y literatura. 31. August 2006 http://www.lenguayliteratura.net/literatura/barroco.htm

[8] „Literatura Barroca.“artehistoria.com. [ ] Arte Historia. 31. August 2006 http://www.artehistoria.com/frames.htm?http://www.artehistoria.com/historia/contextos/1903.htm

[9] „Conceptismo y culteranismo.“rinconcastellano.com. [ ] Rincón Castellano. 31. August 2006 http://pagead2.googlesyndication.com/pagead/ads?client=ca-pub-7522120999870707&dt=1158398602016&alt_color=FFFFFF&format=468x60_as&output=html&channel=9136935224&url=http%3A%2F%2Fwww.rinconcastellano.com%2Fbarroco%2Fbarroco_lit.html&color_bg=CCFFFF&color_text=000000&color_link=2269B5&color_url=000000&color_border=FFFFFF&ad_type=text_image&u_h=768&u_w=1024&u_ah=768&u_aw=1024&u_cd=32&u_tz=120&u_his=7&u_java=true&u_nplug=23&u_nmime=222

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638628501
ISBN (Buch)
9783638802857
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71213
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Schlagworte
Quevedos Apollo Dafne Thema Beispiele Apolo Spanische Lyrik

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