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Entwurf und Auswertung einer Unterrichtsstunde: Die unterschiedliche Darstellung der Person Jesu bei den Synoptikern

Seminararbeit 2005 21 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 UNTERRICHTSGEGENSTAND

2 BEZUG AUF DIE RAHMENRICHTLINIEN

3 ANALYSE DER LERNVORAUSSETZUNGEN
3.1 Beobachtungen der Lerngruppe
3.2 Die religiöse Entwicklung im Jugendalter nach dem Stufenmodell von Fowler
3.3 Gegenstandsbezogene Aspekte der religiösen bzw moralischen Sozialisation

4 SACHANALYSE: FACHWISSENSCHAFTLICHE ERSCHLIEßUNG DES GEGENSTANDES
4.1 Das Markusevangelium
4.1.1 Verfasser
4.1.2 Ort und Zeit der Abfassung
4.1.3 Empfänger
4.1.4 Der Anfang des Evangeliums (Mk 1,1-3)
4.1.5 Von Reinheit und Unreinheit (Mk 7,1-23)
4.2 Das Matthäusevangelium
4.2.1 Verfasser
4.2.2 Ort und Zeit der Abfassung
4.2.3 Empfänger
4.2.4 Der Anfang des Evangeliums (Mt 1,1-17)
4.2.5 Das Abreißen der Ähren am Sabbat (Mt 12,1-8)
4.3 Das Lukasevangelium
4.3.1 Verfasser
4.3.2 Ort und Zeit der Abfassung
4.3.3 Empfänger
4.3.4 Der Anfang des Evangeliums (Lk 1,1-4)
4.3.5 Das Gleichnis vom Festmahl (Lk. 14, 15-24)

5 DIDAKTISCHE ANALYSE UND STRUKTURIERUNG
5.1 Gegenwärtige und zukünftige Bedeutung für die Lernenden
5.2 Lerninhalte
5.3 Anordnung der Lerninhalte

6 LERNZIELE DER STUNDE
6.1 Hauptlernziel
6.2 Teillernziele

7 METHODISCHE ANALYSE UND STRUKTURIERUNG

8 REFLEXION DER UNTERRICHTSSTUNDE
8.1 Interaktion mit den Schülern und Atmosphäre im Unterricht
8.2 Verhältnis von Planung und Durchführung

9 ANHANG: Arbeitsaufgaben zu den Textstellen

LITERATURVERZEICHNIS

1 Unterrichtsgegenstand

Die Unterrichtsstunde mit dem Thema Die unterschiedliche Darstellung der Person Jesu bei den Synoptikern ist eingegliedert in die Unterrichtsreihe Die Person Jesu und richtet sich an einen Grundkurs Evangelische Religion in der zwölften Jahrgangsstufe. In den vorangegangenen Stunden haben die Schüler und Schülerinnen bereits wesentliche Merkmale der Person Jesu anhand exemplarischer Bibelstellen erarbeitet. Zentrale Aspekte hierbei waren: Jesus als Gottes Sohn, die Auferstehung, sein Konflikt mit den Pharisäern, Jesus als Wundertäter, die frohe Botschaft vom Kommen des Gottesreiches und der damit verbundene Aufruf zur Umkehr und Nächstenliebe. Weiterhin wurde eingegangen auf die geschichtliche und soziale Situation dieser Zeit. Bei der Frage, inwiefern die Evangelien hierüber Auskunft geben, stellten die S.u.S fest, dass sie Widersprüche bezüglich Zeitangaben (z.B. Geburts- und Sterbejahr Jesu) aufweisen. Anhand dieser Befunde konnte herausgestellt werden, dass die Evangelien wohl nicht aus einem primär historischen Interesse ihrer Verfasser entstanden sind. An dieses Vorwissen knüpft die hier erarbeitete Unterrichtsstunde an, wobei folgende Fragen im Mittelpunkt stehen sollen: Aus welcher Motivation entstanden die Evangelien? Was wissen wir über Entstehungszeit,-ort, Autor und Adressatenschaft? Wird die Person Jesu aufgrund dessen unterschiedlich dargestellt?

2 Bezug auf die Rahmenrichtlinien

Die Obligatorik schreibt für die Konzeption von Halbjahresthemen eine Verknüpfung der Bereiche I (= inhaltliche Ebene) und II (= methodische Ebene) vor. Weiterhin müssen im Durchgang durch die Oberstufe u.a. alle fünf theologischen Themenfelder mit mindestens einem Halbjahresthema dominant erschlossen werden. Der hier konzipierte Stundenentwurf richtet sich folgendermaßen nach diesen Rahmenrichtlinien: Auf der inhaltlichen Ebene kann die Stunde in die Kategorie Aussagen von Glauben und Theologie eingeordnet werden. Diese Kategorie wiederum ist in fünf theologische Themenfelder untergliedert, wobei sich die Stunde schwerpunktmäßig in das zweite Themenfeld[1] einordnen lässt.

Auf der methodischen Ebene lernen die S.u.S. in dieser Stunde anhand von Zeugnissen der jüdisch-christlichen Tradition in biblischen Texten[2] eine Form religiösen Sprechens kennen. Durch die Arbeit mit den biblischen Texten werden ihre Kompetenzen in den Grundformen sachgerechter Textarbeit gefördert, dazu gehört: Erschließung der Textstruktur, Zusammenfassung und Wiedergabe des Inhalts, sowie die Erfassung der Argumentationsstruktur.

3 Analyse der Lernvoraussetzungen

3.1 Beobachtungen der Lerngruppe

Der Grundkurs Evangelische Religion, bei dem ich hospitierte, setzte sich zusammen aus 15 S.u.S., wobei zu Anfang des Schuljahres dieser Kurs mit dem GK Katholische Religion zusammengelegt wurde. Innerhalb des Kurses beobachtete ich eine starke Diskrepanz zwischen leistungsstarken/aktiven und leistungsschwachen/passiven, sowie zwischen interessierten und eher interesselosen S.u.S.. Generell schien der Kurs den Religionsunterricht als >>Ausruh-<< und >>Laber-<< fach zu betrachten, was durch die Lage im Stundenplan (Mo 1.+2.Std, Do 5.Std.) begünstigt wurde. Entsprechend mühsamer war es für mich, aber auch für den unterrichtenden Lehrer, die S.u.S. zu konzentriertem Arbeiten zu motivieren.

3.2 Die religiöse Entwicklung im Jugendalter nach dem Stufenmodell von Fowler

Zur psychologischen Beschreibung der Entwicklung des Glaubens entwickelte der amerikanische Psychologe James D. Fowler eine Stufentheorie. Sein Glaubensverständnis geht davon aus, dass jeder Mensch auf Sinn angewiesen ist. Diesen Sinn muss er sich im Laufe seiner Entwicklung selbst schaffen (meaning-making). Glauben (faith), verstanden als ein „sinnstiftendes Vertrauen auf letzte Werte“[3], ist etwas Allgemeinmenschliches. In Abgrenzung dazu bezeichnet er mit dem englischen Begriff belief das „Für-Wahr-Halten von Auffassungen, wie sie in den Lehren von Religionen zu finden sind.“[4] Nach seinem Modell vollzieht sich der Glaube bei jedem Menschen von Geburt bis ins hohe Lebensalter in insgesamt maximal sechs Stufen. Für die hier in Frage kommende Altersgruppe der

17-18-Jährigen ist die dritte und vierte Glaubensstufe relevant.

Auf der dritten Stufe wird der Glaube als „synthetisch-konventionell“[5] beschrieben. Hierbei ist synthetisch in dem Sinne zu verstehen, dass der jeweilige Glaube weder kohärent noch reflektiert ist, sondern ein „Bündel locker miteinander verknüpfter Elemente“[6] darstellt. Konventionell als zweite Begriffskomponente meint in diesem Zusammenhang, dass der individuelle Glaube noch kein „persönlich angeeigneter“[7] ist, sondern sich nach dem richtet, was alle glauben. Hierbei ist besonders wichtig, was Altersgenossen und die eigene Gruppe (peer-groups) glaubt.

Der individuierend-reflektierende Glaube der vierten Stufe setzt meistens im späten Jugendalter ein. Im Gegensatz zur dritten Stufe sind hier nicht mehr äußere Faktoren von entscheidender Bedeutung, sondern die individuell-kritische Auseinandersetzung mit Glaubensfragen. In Form des eigenen Gewissens wird Gott „in die eigene Person hineinverlagert“[8]. Kennzeichnend für diese Phase ist das kritische Hinterfragen und eine generelle Distanz zu Institutionen, also auch zur Kirche, und den Glaubensüberzeugungen anderer.

Die Zuordnung der Glaubensstufen nach Alter[9] ergibt, dass sich die hier in Frage kommende Altersgruppe mehrheitlich auf Stufe drei (etwa 50%), ein nicht unerheblicher Anteil (etwa 30 %) sich aber auch schon auf dem Übergang zur Stufe vier befindet und ein geringer Anteil (etwa 5 %) bereits Stufe vier erreicht hat. Aus diesen Befunden lässt sich für den Religionsunterricht in der Jahrgangsstufe zwölf die Konsequenz ziehen, ihn derart zu gestalten, dass er den S.u.S. Anreize zur individuellen, kritisch-reflektierten Auseinandersetzung mit Glaubensvorstellungen bietet und auf diese Weise auf die Stufe vier hinführend wirken kann.

3.3 Gegenstandsbezogene Aspekte der religiösen bzw. moralischen Sozialisation

In seinem Aufsatz Die unsichtbare Religion im Jugendalter[10] beschreibt H. Knoblauch den Lebensstil heutiger Jugendlicher als stark individualisiert und damit einher gehend eine generelle Ablehnung Jugendlicher von festen Strukturen und Formen. Im Vordergrund stehe bei ihnen die eigene Autonomie und Selbstentfaltung. M.E. ist es erforderlich, diese Faktoren im Religionsunterricht zu berücksichtigen. Die hier vorgestellte Unterrichtsstunde soll daher den S.u.S. Anreize zur individuellen und unmittelbaren (über die Evangelien) Auseinandersetzung mit der Person Jesu bieten.

4 Sachanalyse

4.1 Das Markusevangelium

4.1.1 Verfasser

Aus der Papiastradition wird überliefert, dass Markus, als Verfasser des Evangeliums, Jesus zwar nicht persönlich kannte, aber ein Begleiter des Petrus war und er aus dessen Lehrvorträgen sein Evangelium konzipierte. Allerdings ist die Glaubwürdigkeit dieser Tradition fragwürdig, denn aus dem Markusevangelium selbst wird keine besondere Verbindung zur petrinischen Theologie deutlich. So kommt Udo Schnelle zu dem Fazit: „Niemand würde hinter der eigenständigen Theologie des Markusevangeliums die Person des Petrus vermuten, wenn es nicht die Papiastradition gäbe!“[11] Letztendlich bleibt der Verfasser des Evangeliums unbekannt und kann nur insofern konkretisiert werden, als dass von einem aus Syrien stammenden, griechisch-sprachigen Heidenchristen ausgegangen werden kann.

4.1.2 Ort und Zeit der Abfassung

Auch diesbezüglich lassen sich keine genauen Angaben machen. Generell wird als Entstehungsort von einer Gemeinde außerhalb Palästinas ausgegangen, wobei jede weitere lokale Eingrenzung problematisch bleibt, zeitlich müsste das Evangelium um 70 n. Chr. entstanden sein, denn es nimmt expliziten Bezug zur Jerusalemer Tempelzerstörung.

4.1.3 Empfänger

Das Evangelium richtete sich vermutlich an eine heidenchristliche Gemeinde, die Heidenmission betrieb, der aber auch Judenchristen angehörten. Mk 13, 9.13 legt zudem die Vermutung nahe, dass die Gemeinde von der heidnischen und jüdischen Umwelt attackiert wurde.

4.1.4 Der Anfang des Evangeliums (Mk 1, 1-3)

Die ersten drei Verse des Evangeliums sind Bestandteil des Initiums (1,1-15).

Vers 1 ist nicht nur als eine Überschrift zu verstehen, sondern vor allem als „Zusammenfassung des gesamten markinischen Werks“[12], wodurch alles nun folgende als Evangelium von Jesus Christus verstanden werden soll, Johannes der Täufer also miteingeschlossen. Nach der Einleitungsformel (2a) folgt ein Mischzitat, zusammengesetzt aus Mal 3,1 und Ex 23,20 (2b). Es ist als ein „an Jesus gerichtetes Gotteswort“[13] zu verstehen, wodurch Johannes der Täufer und der alttestamentliche Prophet Elija[14] aufeinander bezogen werden. Es folgt mit Vers 3 ein Jesajazitat (40,3), was sich ebenfalls auf den Täufer bezieht und ihn als den Rufer in der Wüste charakterisiert, der die Wegbereitung des Herrn vollzieht, indem er das Volk zur Umkehr angesichts des drohenden Endes aufruft.

Insgesamt charakteristisch für den Anfang bei Markus ist der Beginn mit dem Wirken Johannes des Täufers im Gegensatz zu den beiden anderen Synoptikern, die mit der Kindheitsgeschichte Jesu einsteigen.

4.1.5 Von Reinheit und Unreinheit (Mk 7,1-23)

Die Perikope bei Markus lässt sich folgendermaßen gliedern: Die Verse 1-13 schildern die Auseinandersetzung Jesu mit seinen Widersachern, den Pharisäern und Schriftgelehrten. Daran schließt sich Jesu Gleichniswort zur Belehrung des Volkes an (15) und im letzten Abschnitt (17-23) erfolgt die Erläuterung des Gleichnisses im Jüngerkreis. Die Erzählung beginnt mit dem Auftreten der Pharisäer und Schriftgelehrten, die Kritik am Verhalten der Jünger üben und ihre Frömmigkeit in Frage stellen, da sie offensichtlich die jüdischen Reinheitsvorschriften missachten. Jesus reagiert darauf, indem er ihnen vorwirft, Satzungen von Menschen über Gottes Gebot zu stellen und beruft sich dabei auf Jesaja (6-8) und Mose (10). Für Jesus besteht das zentrale Gebot Gottes in der Nächstenliebe, sie ist somit entscheidendes Kriterium echter Gottesliebe und darf nicht durch das sklavische Befolgen einzelner Vorschriften außer Kraft gesetzt werden, dies aber macht er seinen Gegnern zum Vorwurf (13). Jesu Wort an die Menge (15) bildet das Zentrum der Perikope, es impliziert die Aufhebung jüdischer Reinheitsvorschriften und verkündet ein neues Gottesverständnis, das die innere Reinheit des Menschen in den Mittelpunkt rückt. Der anschließende Jüngertadel (18) und die folgenden Ausführungen Jesu weisen auf die Gefahr einer veräußerlichten Frömmigkeit hin, die als Alibi benutzt werden kann, um eine tatsächliche Umkehr zu umgehen. Jesus stellt ganz klar heraus: Die Quelle der wahren Unreinheit „liegt im Menschen, in seinem Herzen, mit dem umzukehren man zunächst bereit sein muss.“[15]. Zentrales Anliegen der Perikope ist die Frage der rechten Gottesverehrung, sie richtete sich vermutlich an ein vom Judentum entferntes, heidenchristliches Publikum.

[...]


[1] Das zweite Themenfeld lautet: Das Zeugnis vom Zuspruch und Anspruch Jesu Christi. (Rahmenrichtlinien [1999], S.17)

[2] Siehe Anhang 9.4 und 9.5 dieser Arbeit.

[3] Schweitzer [1999], S.140.

[4] Ebd., S.140.

[5] Schweitzer [1999], S.142.

[6] Schweitzer [1996], S.138.

[7] Schweitzer [1999], S.146.

[8] Ebd., S.150.

[9] Vgl. ebd., S.153.

[10] Vgl. Knoblauch [1996], S.65ff.

[11] Schnelle [2002], S.243.

[12] Gnilka [1994], S.42.

[13] Gnilka [1994], S.39.

[14] Elija galt in der jüdischen Tradition als Vorbote Jahwes und des Messias.

[15] Gnilka [1994], S.287.

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638624480
ISBN (Buch)
9783638794008
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71157
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Evangelisch-Theologische Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
Entwurf Auswertung Unterrichtsstunde Darstellung Person Jesu Synoptikern Schulpraktische Studien II/I

Autor

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