Lade Inhalt...

Beaumarchais und die Französische Revolution

Seminararbeit 2006 14 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beaumarchais zur Zeit vor der Französischen Revolution
2.1 Sein Stand in der Gesellschaft
2.2 Seine politische Gesinnung

3. „Le Mariage de Figaro“ und dessen Auswirkung auf die französische Gesellschaft und die Französische Revolution

4. Beaumarchais zur Zeit der Französischen Revolution
4.1 Sein gesellschaftliches Ansehen um 1789
4.2 Seine Reaktion auf den Ausbruch der Revolution
4.3 Beaumarchais' Unzufriedenheit mit der Entwicklung der Revolution
4.4 Die Entspannung der politischen Lage nach dem Sturz Robespierres

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais ist vor allem bekannt als Autor einer der meistgespielten Komödien Frankreichs, des „ Mariage de Figaro“. Jedoch war er neben seiner Tätigkeit als Bühnenautor auch politisch sehr aktiv und erlebte den Ausbruch der Französischen Revolution sowie einen Teil ihrer Entwicklung aus nächster Nähe mit.

Ziel meiner Hausarbeit ist es, darzulegen inwiefern Beaumarchais die Entwicklung der Revolution vorangetrieben und wie er auf die einzelnen Phasen derselben reagiert hat. Darüber hinaus werde ich erläutern, welche politischen Idealvorstellungen und Wünsche er vor und während der Revolution hatte und inwieweit diese verwirklicht werden konnten.

Aus diesem Grund werde ich zunächst Beaumarchais' gesellschaftliche Situation und seine politischen Vorstellungen zur Zeit vor der Französischen Revolution darstellen, um dann sein späteres Verhalten und seine Reaktionen auf die politischen Entwicklungen verständlich zu machen.

Grundlagen meiner Arbeit sind im Wesentlichen die Werke „ Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais views the French Revolution“[1] von Nupur D. Chaudhuri sowie „ Beaumarchais ou la calomnie“[2] von Frédéric Grendel.

2. Beaumarchais zur Zeit vor der Französischen Revolution

2.1 Sein Stand in der Gesellschaft

Pierre-Augustin Caron, geboren am 24. Januar 1732, war Sohn eines bürgerlichen Uhrmachers. Im Alter von 13 Jahren verließ er die Schule und erlernte das Handwerk seines Vaters. Mit zwanzig Jahren erfand Beaumarchais einen besonderen Mechanismus für Taschenuhren, die sogenannte Unruh, welche ihm zu einem derartigen Bekanntheitsgrad verhalf, dass König Ludwig XV. und dessen Mätresse Mme. de Pompadour auf ihn aufmerksam wurden. Sie luden ihn ein, am Königshof zu arbeiten, und so avancierte Beaumarchais schnell zum königlichen Hofuhrmacher (horloger du Roi). Seinen ersten Eindruck am Hof in Versailles beschrieb er folgendermaßen:

J'ai enfin livré la montre au roi, de qui j'ai eu le bonheur d'être reconnu d'abord, et qui s'est souvenu de mon nom. Sa Majesté m'a ordonné de la monter et de l'expliquer à tous les seigneurs qui étaient au lever, et jamais Sa Majesté n'a reçu aucun artiste avec tant de bonté; elle a voulu entrer dans le plus grand détail de ma machine.[3]

Diese erste Begegnung mit Ludwig XV. muss Beaumarchais sehr beeindruckt haben. Einige Adlige am Hofe baten ihn darum, dem Beispiel des Königs folgend, Uhren für sie herzustellen und schienen Beaumarchais als Bürgerlichen in ihrem Kreise zu akzeptieren.

1756 heiratete er eine reiche Witwe, durch die er sich gesellschaftliches Prestige erhoffte und auch erlangte. So fügte er von nun an seinem bürgerlichen Namen Pierre A. Caron den Zusatz De Beaumarchais hinzu, benannt nach dem Landsitz seiner Frau in Beaumarchais (Brie).

Nach dem Tod seiner Frau begann er am Königshof und in Paris Harfenunterricht zu geben, was ihm erneut viel Erfolg einbrachte. Daher verwundert es nicht, dass Beaumarchais 1758 zum Harfenlehrer der vier Königstöchter aufstieg. Von nun an sollte er über viele Jahre hinweg in den Diensten von König Ludwig XV. und Ludwig XVI. arbeiten – vom Hauskonzertorganisator über den königlichen Sekretär, wodurch er unmittelbar in den Adelsstand erhoben wurde, bis hin zum Geheimagenten.

In den Jahren 1772/73 spürte Beaumarchais, was es bedeutete als Bürgerlicher in den Adelsstand aufzusteigen. Im Verlaufe des Prozesses um einen ihm zustehenden Anteil an Firmenkapital von 15.000 Francs gegen den Grafen de la Blache am Obersten Pariser Gerichtshof war Beaumarchais gegenüber seinem reichen und von Geburt an hochadligen Gegner bei der Justiz stark im Nachteil. Die dadurch gerechtfertigte Kritik an der französischen Justiz brachte Beaumarchais in seinen späteren Werken „ Le Barbier de Séville“ und „ Le Mariage de Figaro“ zum Ausdruck.

Auch scheiterte ein Prozess gegen den Richter Goëzman im Jahre 1773, woraufhin Beaumarchais durch Pfändungen und Prozesskosten finanziell nahezu ruiniert war. Jedoch griff er diesmal zu seiner Waffe – der Schriftstellerei – und veröffentlichte vier Denkschriften, in denen er seine Position verdeutlichte und die Öffentlichkeit sowie den Königshof für sich gewann.

Mit der Erstaufführung seines bedeutendsten Werkes „ Le Mariage de Figaro“ im Jahre 1784 befand sich Beaumarchais auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Die folgenden Aufführungen sowie ein gewonnener Prozess gegen de la Blache brachten ihm große Summen an Geld ein, so dass seine finanzielle Lage vorerst gesichert war.

2.2 Seine politische Gesinnung

Beaumarchais lebte von 1732 bis 1799, im Zeitalter der Französischen Aufklärung. Wie seine Zeitgenossen Diderot, Voltaire oder Rousseau vertrat auch Beaumarchais philosophisches Gedankengut und setzte sich für Werte wie Moral, Gerechtigkeit und Menschlichkeit ein. Viele Gegebenheiten des Ancien Régime, wie beispielsweise die Privilegierung von Adligen, die Unterdrückung von Frauen oder das korrupte Justizsystem widersprachen seinen Vorstellungen. Die Errungenschaften der Aufklärung jedoch begrüßte er, was auf ironische Weise im ersten Akt des „ Barbier de Séville“ verdeutlicht wird:

BARTHOLO: Siècle barbare! [...] Pardon de la liberté: qu'a-t-il produit pour qu'on le loue? Sottises de toute espèce: la liberté de penser, l'attraction, l'électricité, le tolérantisme, l'inoculation, le quinquina, l'Encyclopédie et les drames... [4]

Was die französische Monarchie betrifft, verhielt sich Beaumarchais stets loyal zu seinem König. Dies zeigt sich z.B. in folgendem Zitat, entnommen aus Beaumarchais' Tarare (1787): „Oubliez-vous, soldats, usurpant le pouvoir, que le respect des Rois est le premier devoir?“[5]. Verstärkend kommt hinzu, dass er neben dem Verfassen von Theaterstücken über viele Jahre hinweg in den Diensten Ludwigs XV. und Ludwigs XVI. arbeitete.

Selbst während der Französischen Revolution bemühte er sich um die Erhaltung der Königsherrschaft und versuchte, den zunehmenden Hass des Volkes auf die Monarchie abzuschwächen. So erinnerte er das französische Volk beispielsweise an die Verdienste Ludwigs XVI. während des Amerikanischen Unabhängigkeitskampfes: „Yes, King Louis XVI, who had liberty restored to groaning America, who gives you yours, Frenchman, also gave me my position. May he be blessed through all centuries!“[6]

Auf der anderen Seite jedoch übte Beaumarchais heftige Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Zuständen im Ancien Régime, was er besonders in seinem Werk „ Le Mariage de Figaro“ zum Ausdruck brachte. Seine mitunter schärfste Kritik galt dem Geburtsadel, dessen wachsender Macht und dessen Privilegien:

Parce que vous êtes un grand Seigneur, vous vous croyez un grand génie! ... noblesse, fortune, un rang, des places: tout cela rend si fier! Qu'avez- vous fait pour tant de biens? Vous vous êtes donné la peine de naître, et rien de plus; [...].[7]

„Par le sort de la naissance, L'un est Roi, l'autre est Berger; Le hazard fit leur distance: L'esprit seul peut tout changer.[8] “ In diesem Zitat, entnommen aus der letzten Szene von „ Le Mariage de Figaro“, betonte Beaumarchais, dass allein Verdienste (Fleiß, aber auch Geist und Klugheit) die gesellschaftliche Position eines Jeden festlegen sollten und sie nicht – wie beim Adel –vorherbestimmt sein darf.

Neben der Stellung des erblichen Adels kritisierte er auch die Ungerechtigkeiten in der Justiz, die er im Verlauf seines Lebens oft zu spüren bekam (Prozess gegen Goëzman, de la Blache):

[...]


[1] Nupur Dasgupta Chaudhuri: Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais views the French Revolution.
Ann Arbor, Michigan / London, University Microfilms International 1980

[2] Frédéric Grendel: Beaumarchais ou la calomnie. Paris, Flammarion 1973

[3] Louis de Loménie: Beaumarchais et son temps. Etudes sur la société en France au XVIIIe siècle d'apr ès des documents inédits. Tome I, Slatkine Reprints, Genf 1970, S. 83

[4] Pierre-A. Caron de Beaumarchais: Le Barbier de Séville ou la précaution inutile. Pocket classiques 1999, S. 58

[5] Pierre-A. Caron de Beaumarchais: Tarare, Akt V, Szene VI. In: Théâtre Complet de Beaumarchais, Tome IV, Slatkine Reprints, Genf 1967, S. 152

[6] Beaumarchais: Requête à MM. Les Représentants de la Commune de Paris. (Paris, 2 Septembre 1789) Zitiert nach N. Chaudhuri, S. 67

[7] Pierre-A. Caron de Beaumarchais: Le Mariage de Figaro, Akt V, Szene III. In: Théâtre Complet de Beaumarchais, Tome III, Slatkine Reprints, Genf 1967, S.248

[8] Ebd., Akt V, Szene XIX, S. 291

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638631105
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71142
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Romanische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
Beaumarchais Französische Revolution Theater Frankreich

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Beaumarchais und die Französische Revolution