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Die DJane Bewegung. Weibliche DJs zwischen Aufbruch und Marginalisierung

Magisterarbeit 2007 63 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1. Geschlecht als Kategorie
1.1. Arbeitsteilung und Geschlechterkonstruktion
1.2. Geschlechtsspezifische Sozialisation
1.3. Doing gender: Die Konstruktion von Geschlecht
1.4. Exkurs: strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Musikgeschichte in Deutschland
1.5. Vorläufige Zusammenfassung

2. Kultur und Subkultur

3. DJ-Kultur und DJane-Bewegung
3.1. Der DJ und die DJane
3.2. Die Entwicklung der DJ-Kultur
3.2.1 Technische Grundlagen
3.2.2 Die Pioniere
3.2.3 Disco und die Club-Bewegung
3.2.4 Hip-Hop
3.2.5 Techno
3.3 Frauen in der DJ-Geschichte

4. Female Pressure: sichtbare Formen der DJane-Bewegung
4.1.Netzwerke und Communities
4.2. Die Clubkultur
4.3. Frauen- Netzwerke – Club
4.4. Ladyfeste und Frauenpartys
4.5. Vorwort: Massenmedien und Gesellschaft
4.6. Die Bedeutung des Internets für die DJane-Bewegung
4.7. Ladyfest-Websites – das virtuelle Netzwerk
4.8. Beispielhafte Webseiten: female:pressure, shejay.net, propellas

5. Gespräche mit DJanes - Interviews

6. Quellen

Einleitung

Vergegenwärtigt man sich die Präsenz der Frauen an den Plattenspielern in größeren Clubs[1], so scheint es weibliche DJs nicht in sehr großer Anzahl zu geben. Immer wieder fällt beim Besuch verschiedener Veranstaltungen auf, dass hier männliche DJs den Abend gestalten oder als Hauptakteure auf Plakaten angekündigt werden. Frauen hinter dem Mischpult scheinen im Club eher eine Ausnahme als die Regel zu sein. Wenn man diese Beobachtung weiter nachprüfen möchte, so fällt auf, dass weibliche DJs auch in der Literatur und in den Medien kaum erwähnt werden. Einige Artikel zu dem Thema finden sich zwar in Zeitschriften oder Büchern, aber es gibt kein Buch das explizit über Frauen in der DJ-Kultur schreibt. Gibt es also womöglich keine DJane-Kultur[2] ?

Unter den einflussreichen Persönlichkeiten der Technoszene, die 1995 im Standardwerk "Techno" porträtiert wurden, findet sich, neben acht Männern, mit Miss Djax gerade mal eine Frau. Das Raveline, größtes deutschsprachiges Magazin für elektronische Musik (Techno, House etc. | Auflage 140 000), beschäftigt zwar 4 Redakteurinnen, dennoch gibt es im Jahr höchstens einen Artikel über eine DJane. Angesichts der hier dargelegten Zahlen liegt die Frage nach einer DJane–Kultur nahe. Aber auch wenn Sie in den Medien nicht immer wahrgenommen werden oder in den großen Clubs kaum sichtbar sind, so lässt die aufmerksame Beobachtung der DJ–Szene vermuten, dass insbesondere seit den 90er Jahren immer mehr Frauen hinter das Mischpult treten.

Es scheint, dass sich hinter der Fassade Strukturen herausbilden, in denen sich eine DJane–Bewegung begründet, aber im Vordergrund überwiegend männliche DJs das Feld regieren. So lautet die These, dass weibliche DJs von Ausgrenzung betroffen sind und sie in bezug auf die Club- und DJ-Kultur, vergleichbar auch mit bestimmten Bereichen der Arbeits-, und Organisationswelt, mit eingeschränkten Aufstiegschancen konfrontiert sind. Die recht junge DJane-Bewegung ist daher gegenwärtig in einer Subkultur verankert, denn strukturelle Probleme erschweren weiblichen DJs den Zugang zur herrschenden Kultur erheblich.

Um diese These zu belegen, wird im Teil 1 der Arbeit zunächst auf die allgemeinen, gesellschaftlichen Grundlagen eingegangen, mit denen DJs und DJanes konfrontiert werden. In diesem Zusammenhang muss es zunächst um die Entstehung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und der Vergeschlechtlichung von Berufen und deren Folgen für Frauen gehen, denn geschlechtsspezifische Zuweisung und eine generell hierarchische Geschlechterordnung scheinen wesentliche Gründe dafür zu sein, dass sich bis in die Neunziger Jahre keine DJane-Bewegung formen konnte.

Ein weiterer Ansatz geht dann über die geschichtlich fundierte Erklärung hinaus. Es handelt sich hierbei um eine Thematisierung des doing-gender-Ansatzes, der eine Konstruktion von Geschlechtsnormen reflektiert. Ein geschichtlicher Exkurs über die Auswirkung dieser strukturellen Benachteiligung auf die Musikausübung schließt den ersten Teil ab.

Darauf aufbauend werden in Teil 2 der Arbeit die Begriffe Kultur und Subkultur, sowie DJ/DJane erklärt, um das Handlungsfeld der DJs und DJanes abzustecken und zu zeigen, in welchen Nischen sich gegebenenfalls männliche und weibliche DJs bewegen. Nach der Klärung dieser elementaren Grundlagen erklärt ein historische Abriss im 3. Teil der Arbeit, wie sich die DJ-Szene im Allgemeinen und die DJane-Bewegung im Besonderen entwickelt hat. Hierbei wird sich zeigen, dass Frauen in der Entwicklung der DJ-Geschichte eine untergeordnete Rolle spielen und erst in den 90er Jahren anfangen, eine Subkultur herauszubilden. Diese DJane-Subkultur beschreibe ich im letzten Teil der Arbeit genauer. Dabei wird das Gesamtnetzwerk, dass weiblichen DJs zur Verfügung steht von „oben“ beleuchtet. Das schließt vor allem den Club oder die Veranstaltung als Arbeitsumfeld ein, wie auch das Internet, als gemeinschaftsbildendes Instrument der DJane–Bewegung. Zur Konsolidierung des Ganzen gehe ich am Ende noch auf ausgewählte Beispiele der DJane-Bewegung ein.

Die Untersuchung stützt sich dabei hauptsächlich auf Literatur, Zeitschriften und auf Artikel aus dem Internet. Außerdem dienen allgemeine Informationen von Webseiten zur Unterstützung der Ergebnisse. Da die Literatur, die explizit über DJanes schreibt, eher dürftig ausfällt, schließen zur weiteren Unterstützung der Aussagen zwei Gespräche mit DJanes die Arbeit ab, die ich im Rahmen der Untersuchungen zu dieser Arbeit persönlich mit diesen führte. Ausgewählte Kernaussagen dieser beiden Insiderinnen werden auch regelmäßig zuvor in einzelnen Kapiteln aufgegriffen.

1. Geschlecht als Kategorie

Die Entstehung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, wie auch der geschlechtsspezifischen Sozialisation ist für unseren Zusammenhang deshalb wichtig, da sie zeigt, wie es zu geschlechtsspezifischen Kompetenzzuschreibungen kommen konnte. Diese Zuschreibungen vollziehen sich nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch auf institutionalisierte Mechanismen. So lässt zum Beispiel die geschlechtsspezifische Segregation am Arbeitsmarkt auch immer wieder neue Geschlechterdifferenzen entstehen. Der Ansatz des doing gender betont darüber hinaus Geschlecht als ein Produkt performativer Tätigkeiten und lenkt den Blick auf Interaktionen, in denen Gender dargestellt und wahrgenommen wird.

1.1. Arbeitsteilung und Geschlechterkonstruktion

Die Entstehung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und die Vergeschlechtlichung von Berufsarbeit beginnen mit dem Kapitalismus. Während im Feudalismus noch eine Wirtschaftsgemeinschaft vorgeherrscht hatte, in der beide Ehepartner gleichermaßen zur Existenzsicherung beitrugen und in der Wohn- und Arbeitsbereiche nicht getrennt waren, vollzieht sich im Zuge der Industrialisierung ein Strukturwandel, der Teilung von Privatsphäre und Erwerbsbereich vorsieht. Auf diese Weise kommt es zur Trennung von Wohn- und Arbeitsbereich, sowie zur Unterscheidung von Erwerbs- und Hausarbeit und einer Spaltung von Aufgaben und Kompetenzzuschreibungen. Während die Frau in diesem sogenannten bürgerlichen Familienmodell für den Haushalt zuständig ist, darf der Mann öffentliche und repräsentative Aufgaben übernehmen. Für die Frau bedeutet das auch eine Einschränkung ihrer beruflichen Möglichkeiten. Auch die Sozialwelt wird in der neu entstehenden bürgerlichen Gesellschaft auf qualitative Weise „ver-zwei-geschlechtlicht“ und - im Verständnis der Zeitgenossen – naturalisiert.[3]

Dieser Übergang von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft hat das alltägliche Verständnis der Geschlechterdifferenz stark verändert. Waren in der ständischen Gesellschaft die an die Geschlechtszugehörigkeit geknüpften Rechte und Pflichten an bestimmte soziale Positionen gebunden, so werden sie – zunächst im Bürgertum – ins Innere der Person verlagert und zur inneren Verpflichtung, die als solche alles Handeln, Denken und Fühlen bestimmt. Der Geschlechtscharakter ist gerade nicht mehr positional verankert und insofern sozial konzipiert. Er wird vielmehr zum natürlichen Geschlechtscharakter, und die an die Geschlechtszugehörigkeit geknüpften sozialen Erwartungen werden zur natürlichen Bestimmung. Die Frau findet in dem Zusammenhang im Inneren der Familie ihren naturgemäßen Platz, während der Mann in der Welt der Kultur, Berufe, Wissenschaften und der Künste verankert ist.[4]

Die im Zuge der Verbürgerlichung gelebte Verbannung von Frauen in die Sphäre des Privaten, jenseits der durch Berufstätigkeit und Gelderwerb gekennzeichneten Tätigkeiten der meisten Männer, hatte immense Auswirkungen auf den Status und die Möglichkeiten von Frauen auch als Künstlerinnen. Sie bewegten sich – wenn überhaupt – in so genannten halb-öffentlichen Räumen. Sie galten als Musen und Inspirationsquellen, aber man riet ihnen davon ab, diese Kreativität öffentlich zu machen. In letzter Konsequenz hielt man sie für schöpferisch impotent.[5]

Auf den Punkt gebracht: Die Arbeitsbereiche der Männer waren damit umfassender und manche Sphären wurden ausschließlich von Männern beansprucht. Der Zugang der Frau zu vielen Bereichen war von Ausschlussmechanismen und verschiedenen Formen der sozialen Kontrolle besetzt

So wurde es also als natürlich angesehen, dass Frauen aus bestimmten Berufszweigen und Lebensbereichen, wie auch im kulturellen oder musikalischen Bereich, ausgeschlossen wurden. Stärker als je zuvor in der europäischen Geschichte waren die Zugangschancen von der Trennung in eine private und eine Sphäre des Öffentlichen gekennzeichnet, was sich nachhaltig auf das Gefüge aus kulturellen Institutionen und Bedeutungszuweisungen auswirken sollte. In diesem Zusammenhang entstanden Zuschreibungen, die Männern Merkmale wie Kompetenz und Instrumentalität zuschreiben und Wärme und Expressivität als Kerninhalte des Frauenstereotyps deklarieren.[6] Daraus folgt, dass Männer überwiegend die Ernährerrolle bzw. Berufsrollen mit eher hohem Status ausüben und Frauen überwiegend die Hausfrauenrolle bzw. Berufsrollen mit niedrigerem Status ausüben. Aus dieser Konstellation rührt die oftmals von Frauen gemachte Erfahrung, dass sie um eine bestimmte Position in Kunst, Wissenschaft, Politik oder Wirtschaft zu erlangen, quasi doppelt so gut sein müssen wie ihre männlichen Mitbewerber. Denn eigentlich traut man ihnen eine entsprechende Position in der Gesellschaft nicht zu.[7] Einher mit dieser geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, die also Frauen von bestimmten Lebensbereichen ausschließt, geht auch eine geschlechtsspezifische Sozialisation. Diese wird im Folgenden erläutert.

1.2. Geschlechtsspezifische Sozialisation

In dem Buch „Weiblich – Männlich, Geschlechterrollen durchschauen“, von Hartmut Kasten werden Mechanismen sozialer Geschlechterkonstruktion betrachtet. Er behauptet, dass die in der Gesellschaft vorfindbaren Geschlechtsrollenstereotypen der Frau und dem Mann typische Eigenschaften zuordnen, die oft gegensätzliche Merkmalspaare bilden, unsere Erwartungen leiten und Handlungen, bezogen auf bestimmte weibliche oder männliche Personen in konkreten sozialen Situationen, steuern. Stereotypisierungen sind dabei sozial gefestigte, undifferenzierte und verallgemeinernde Wahrnehmungsmuster. Als Geschlechter-stereotypisierung sind sie historisch und kulturell eingefahrene, normative Definitionen von Weiblichkeit und Frauen und von Männlichkeit und Männern. Die Stereotype für die Geschlechter sind nicht nur komplementär, sie vermitteln oft auch eine implizite hierarchische Wertung ("starkes Geschlecht“- schwaches Geschlecht").[8] Geschlechterstereotype haben Folgen. Sie prägen die Erwartungshaltung an Verhaltensweisen, Wesenszüge, Auftreten und Charaktereigenschaften von individuellen Frauen und Männern und beeinflussen Form und Verlauf zwischenmenschlicher Interaktionen.[9] Abweichungen von Stereotypen werden gar nicht oder kaum wahrgenommen. Wenn sie wahrgenommen werden, wird das "atypische" Verhalten oft negativ gewertet und sanktioniert. Dies geschieht z.B. durch das Absprechen der Geschlechtszugehörigkeit der betreffenden Person, z.B. "Mannsweib".[10] Durch Geschlechterstereotype wird die Wahrnehmung von Leistungen, Leistungsfähigkeit, Potenzialen und Kompetenzen verhindert oder verzerrt. Stereotype können auch dazu führen, dass Inkompetenzen und Unzulänglichkeiten durch eingefahrene Wahrnehmungsmuster nicht bemerkt oder nicht gerecht bewertet werden. Geschlechtsstereotype Eigenschaften erleichtern oder erschweren dabei den Zugang zu Einrichtungen, Berufen und Gruppierungen, die in der Gesellschaft vorgegeben sind.[11]

Früher war man weitgehend der Meinung, männliches und weibliches Verhalten sei „natürlich“, d.h. von der Natur mittels Erbanlagen in uns festgelegt. Inzwischen hat sich die Auffassung verbreitet, dass jede Gesellschaft bestimmte Vorstellungen von Geschlechterrollen hat. Als typisch weibliche Eigenschaften gelten dabei Attribute wie emotional, ängstlich, passiv, schwach, einfühlsam, familienorientiert, unlogisch, unentschlossen und typisch männliche Eigenschaften wie ehrgeizig, aggressiv, bestimmend, entschlusskräftig, kontrolliert, objektiv, selbstbewusst und überlegen.[12] Darüber hinaus werden als charakteristische Interessengebiete von Männern die Bereiche Naturwissenschaft und Technik und von Frauen soziale und emotionale Bereiche deklariert. In der Umgangssprache äußert sich dieser Trend in einer Einteilung von Männer- bzw. Frauenberufen. Berufe, die einen Frauenanteil von 70% und mehr aufweisen, werden üblicherweise als Frauenberufe bezeichnet und umgekehrt. Typische Frauenberufe zeichnen sich aus durch Kontakt mit Menschen, Dienstleistungen, häufig hausarbeitsnahe Tätigkeiten und zuarbeitende Funktionen.[13]

Das Besitzen und Ausüben von Macht hingegen scheint eine stereotypisch männliche Eigenschaft zu sein, denn die Führungspositionen, die mit Verantwortungs- und Entscheidungsbefugnis ausgestatteten Positionen, sind nach wie vor in Männerhand.[14] Wie bereits im Abschnitt über die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung erwähnt, übernehmen Männer in der bürgerlichen Gesellschaft maßgeblich Positionen und Berufe in denen Entscheidungen getroffen und Macht ausgeübt werden und auch heute noch sind Frauen in Führungspositionen von Unternehmen unterrepräsentiert.[15] Zwar ist die Qualifikation und Erwerbsbeteiligung von Frauen gestiegen, doch eine horizontale wie auch vertikale geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes ist resistent.[16]

Die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Eigenschaften werden im Kindesalter ansozialisiert.[17] Ausschlaggebend für die Sozialisation sind laut Wiegand vorgegebene Geschlechterrollenerwartungen und die damit verbundenen Geschlechtsrollenstereotypisierungen. Diese bieten ihnen gleichzeitig Orientierung und sind prägend für ihr Selbstverständnis. Deutlich wird, dass Sozialisation hier den Erwerb kulturtypischer Denk- und Handlungsmuster in Bezug auf die Kategorie Geschlecht meint. Nach Bilden beginnt dieser Prozess bei der Geburt und erstreckt sich über das ganze Leben.[18] Danach richten Frauen und Männer ihre unterschiedlichen Interessen und Dispositionen aus. Segregation und auch Arbeitsteilung werden aufrechterhalten, da Männer und Frauen ihre Berufswahl in Einklang mit ihren stereotypen Dispositionen treffen und sich damit eventuell selbst für bestimmte Bereiche ausschließen.

Elisabeth Beck-Gernsheimer und Illona Ostner entwickelten Ende der 70er Jahre in Anlehnung an diese Sozialisationstheorie die These des weiblichen Arbeitsvermögens. Aufgrund der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und entsprechender Zuordnung entsteht ein auf die Frauen zugeschnittener determinierter Bereich. Dieser prägt und kennzeichnet die weiblichen Fähigkeiten. Das weibliche Arbeitsvermögen ist demnach durch Hausarbeit und eine Qualifikation bestimmt, welche die Frau durch die Hausarbeit und Kindererziehung entwickelt und die Frau damit umgekehrt gleichzeitig für bestimmte Bereiche dequalifiziert.[19] Nach diesem Schema scheiden Frauen immer noch für Berufe und Lebensbereiche aus, die nicht in Einklang mit den geschlechtsspezifischen Dispositionen gehen.

Es scheint jedoch Anzeichen zu geben, die auf eine Angleichung der Geschlechtsstereotype von Mann und Frau deuten, die getragen wird von einem gesellschaftlichen Wandel, der einen gewissen Abbau geschlechtsspezifischer Diskriminierung mit sich bringt und vor allem dazu führt, dass Frauen etwas häufiger in Domänen und Lebensbereichen angetroffen werden, die früher nur Männern vorbehalten waren.[20]

1.3. Doing gender: Die Konstruktion von Geschlecht

Zwischen den oben erwähnten Theorien lässt sich der erweiterte Sozialisationsansatz des doing gender einordnen. Das Konzept des doing gender entstammt der interaktionstheoretischen Soziologie und ist in der Geschlechterforschung zu einem Synonym für die in dieser Tradition entwickelte Perspektive einer sozialen Konstruktion von Geschlecht geworden.[21] In diesem Ansatz wird zwischen der natürlichen Geschlechtszugehörigkeit „sex“ und dem kulturell variablen sozialen Geschlecht „gender“ unterschieden. Sex beschreibt das sichtbare biologische Geschlecht und gender stellt das soziale Geschlecht dar, das als Ergebnis von Darstellung und Zuschreibung der jeweiligen Kultur interpretiert wird.[22]

Im Sinne der Ethnomethodologie wird von der Geschlechterrolle als eine in Gesellschaft und Kultur konstruierte und erworbene Verhaltensform ausgegangen.[23] Diese erlernte Verhaltensform wird in und durch Interaktionsprozesse aktualisiert und (re-) konstruiert. Da das Geschlecht omnipräsent ist, vollzieht sich dieser Prozess kontinuierlich in alltäglichen Situationen, also auch am Arbeitsplatz. Geschlecht bietet demzufolge die Grundlage der sozialen Kategorisierung und Grenzziehung. Dies bildet die Basis, aufgrund dessen Gruppen Fähigkeiten, Eigenschaften und ein bestimmter Status zugeschrieben und Verhaltenserwartungen an sie herangetragen werden. In Interaktionen werden diese bestätigt, damit aufrechterhalten und rekonstruiert. Die durch die Akteure in Interaktion gestaltete und reproduzierte (gesellschaftliche) Struktur stellt dabei den Rahmen möglicher Handlungen – ebenso, wie sie sie beschränkt.[24]

1.4. Exkurs: strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Musikgeschichte in Deutschland

Nach der allgemeinen Absteckung des theoretischen Feldes, gehen wir nun mehr ins Detail.

Denn sollten die oben dargelegten Annahmen stimmen, müssten sie sich auch generell im Bereich der Musik und im Besonderen in der DJ-Kultur nachweisen lassen. Und in der Tat finden sich Parallelen.

Wie schon erwähnt, reichen die Benachteiligungen von Musikerinnen bis zur Zeit der Aufklärung zurück, wo sich die Grundlagen für ein Patriarchat als historisches Modell männlicher Dominanz in bezug auf soziale, ökonomische und politische Macht konstituieren. Die beschriebene Unmündigkeit und totale Abhängigkeit der Frauen von den Männern stand in engem Zusammenhang mit der weitgehend fehlenden Kulturleistung – auch auf dem Gebiet der Musik. Die Aufklärung produzierte eine Ideologie von Weiblichkeit, nach der sich Musizieren und Komponieren für eine Frau nicht nur als unschicklich erwies, sondern auch gesundheitsschädlich auswirkte.[25] Ein weiteres Argument, das damals auf die praktische Musikausübung zielte und damit tiefgreifende Konsequenzen für die Verhinderung weiblicher Kreativität hatte, betraf die Körperhaltung der Frau. Ihr wurde im Zusammenhang mit dem Spielen verschiedener Instrumente immer wieder der Vorwurf der Unschicklichkeit, der Unsittlichkeit und der Lächerlichkeit gemacht. Dies hatte zur Folge, dass für Frauen nur Instrumente in Betracht kamen, die möglichst „weiblich“ und „zart“ klingen sowie sparsame Körperbewegungen erforderten. Die Verweigerung der spieltechnischen und improvisatorischen Erfahrungen eines breiten Spektrums von Musikinstrumenten sowie der Orchesterarbeit, war zugleich eine Absage an die musiktheoretische und kompositorische Auseinandersetzung mit der Musik. Wenn sich für Kompositionen von Frauen Gelegenheit fanden, öffentlich aufgeführt zu werden, wurden sie von den Musikkritikern weder objektiv noch vorurteilsfrei beurteilt. Die musikalische Bewertung erfolgte geschlechtsspezifisch nach Figur, Aussehen und Kleidung, eine musikalische Interpretation erschien überflüssig.[26]

Auch 150 Jahre später taucht dieses Argumentationsmuster wieder auf. Die Medien sorgten zum Beispiel anlässlich eines 1988 in Berlin durchgeführten Frauenrockfestivals dafür, dass nicht die musikalischen Leistungen der Frauen diskutiert und besprochen wurde, sondern dass die Frauen selbst, das heißt ihr Aussehen und ihr Outfit, Gegenstand der Beschreibungen waren.[27]

Im 19. Jahrhundert setzte sich die Tendenz fort, die geringe Ausbildung der Frau aus ihrer „Minderwertigkeit“ sowie aus ihrer „Bestimmung“ als Ehefrau und Mutter herzuleiten. Erst die bürgerliche Frauenbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte mit ihren Forderungen nach gleicher Bildung für die Geschlechter eine allmähliche Besserung der Situation. Sie wirkte sich auch auf den musikalischen Bereich aus. Zunächst war der Zugang zum Musikstudium nur über den pädagogischen Bereich möglich. 1906 fanden die ersten Musiklehrerinnen-Prüfungen in Preußen statt, wenig später gelang es den Frauen Zutritt zum Kompositionsstudium zu bekommen. Die qualifizierteren Ausbildungsmöglichkeiten führten dazu, dass sich Frauen mit größerem Erfolg in Bereiche wie Komposition, Orchesterleitung und Orchesterspiel einarbeiten konnten; gesellschaftliches Ansehen im kulturellen Leben der Gesellschaft war damit allerdings noch lange nicht automatisch verknüpft.[28]

Daher griffen Frauen zur Selbsthilfe und gründeten um die Jahrhundertwende bereits reine Frauenorchester, die als Plattform und Probebühne für Musikerinnen und weibliche Dirigentinnen nützten. Rückblickend kann festgestellt werden, dass der Frauenanteil in den Orchestern in den letzten 30 Jahren zugenommen hat. Trotzdem: patriarchiale Strukturen wirkten noch lange nach und begannen erst mit der neuen Frauenemanzipationsbewegung zu Beginn der siebziger Jahre zu bröckeln. Bis 1987 lag der Frauenanteil insgesamt in Berufsorchestern bei nur ungefähr 10% und weibliche Dirigenten sind in der Musikwelt bis heute eine Ausnahme.[29]

Die Frauenemanzipationsbewegung der siebziger Jahre löste nicht nur die Beschäftigung mit Komponistinnen vergangener Jahrhunderte aus, sondern war Ausgangspunkt für die Bildung einer Frauenrockmusikszene. Auf der Suche nach einer Identität wandten sich Frauen verstärkt der „Männerdomäne“ Rockmusik zu. Frauenbands wurden gegründet, die mit Hilfe der populären Musik feministische Botschaften transportierten. Die ersten Frauenmusikfestivals wurden organisiert, um Frauenbands und Musikerinnen eine Plattform zu geben. Auch gründeten sich Vereine und Organisationen, die sich mit den Defiziten der Vergangenheit auseinander setzten, und diese thematisierten, öffentlich machten und damit unter anderem politischen Handlungsbedarf forderten.

Seit Anfang der 90er Jahre vermehren sich Frauen- und Mädchenbands auf den Bühnen und benutzen diese als Forum feministischer Rebellion. „Riot Grrrls“, „Hot Chicks“, „Ghetto Divas“ und „Roch Queens“, „Gangsta Bitches“ und „Hardcore Dykes“ verbreiten ihre Versionen von Feminismus, Geschichten und Begehren, Sexismus und Gewalt. Weit über Musik hinaus spinnen sie ihre Netzwerke: Zines, Labels, Mode, Plattenläden, Clubs, weibliche Idole, Cybernetworks, Demos und Lippenstift sind Markenzeichen von „Girl Power“.[30] Die grelle Medienpräsenz ermöglichte die Verbreitung girlzentrierter Inhalte und nach der Verbreitung in sämtlichen pop/kulturellen Bereichen (Musik/Style, Mode, Text, Film, Kunst, Video) dient heute die Bezeichnung „Girl Power“ als Container für unterschiedlichste Ausdrucksformen, die lediglich durch den diffusen Knoten „Girl“ zusammengehalten werden. Wobei Kategorisierungen von Mädchentypen Rollenbilder schaffen, mit denen sich junge Frauen identifizieren können. Riot Girl und Pro-Girls-Gruppierungen stehen für selbstbewusste Frauen und Mädchen, die sich nicht auf eine Rolle festschreiben lassen.

Ziel jeder feministischen Subkultur ist es, zu lernen, zu verstehen, selber Musik zu machen, sich die Technik anzueignen, eigene Netzwerke aufzubauen usw. Auch wenn diese Entwicklung historisch eng mit der Punk- und Hardcore-Szene verknüpft ist, ist der Begriff nicht auf eine Musikrichtung beschränkt. Partys und Veranstaltungen nur für Frauen stellen dabei wesentliche Säulen der Bewegung dar. Denn „in diesem Umfeld können sich Frauen kennen lernen und sich ausprobieren – ohne Männer und ohne Modediktat. Wenn Jungs bei der Show dabei sind, verändert das die Atmosphäre: Frauen werden defensiver, weil sie sich gegen die wild tanzenden, stoßenden und rempelnden Männer wehren müssen.“[31] Die Bildung einer Gemeinschaft und eines Netzwerkes, das Frauen gegenseitig unterstützt und motiviert, war das Ziel der Girl-Power-Bewegung.

Bis heute sind eine Vielzahl Vereine und Netzwerke entstanden, die weibliche Musikerinnen und Akteurinnen unterstützen. Workshops, Bandcoaching, Vokal- und Instrumentalunterricht oder die Auseinandersetzung mit der Situation von Frauen in der Musik und die Verbesserung ihrer Stellung in der Öffentlichkeit, sind hier nur einige der Schwerpunkte und Aufgabenbereiche der Vereine. Diese sind mittlerweile in der ganzen Bundesrepublik zu finden und sorgen dafür, dass Frauen in der Musikausübung und Beschäftigung mit Musik jeglicher Art unterstützt werden. Auch weibliche DJs befinden sich gelegentlich unter den Aktivistinnen dieser Netzwerke. Sie sind als Teil der Girl-Power-Bewegung zu verstehen, die nun auch ihre eigenen Netzwerke gründen.

1.5. Vorläufige Zusammenfassung

Mit Einführung des bürgerlichen Familienmodells im 18. Jahrhundert wurde eine geschlechtsspezifische Zuweisung vorgenommen, die Frauen aus bestimmten Berufs- und Lebensbereichen ausschloss und einen Zugang zu Bereichen wie Technik und Macht verhinderte. Es bildeten sich zu der Zeit typische Männer- und Frauenbereiche und Agitationsrahmen heraus, die zum Teil heute immer noch Männern oder Frauen zugeordnet und reproduziert werden. In diesem Kontext wurde und wird es als selbstverständlich angesehen, dass Frauen aus bestimmten Berufszweigen und Lebensbereichen, wie auch im kulturellen oder musikalischen Bereich, ausgeschlossen werden. Die diesen Sichtweisen zugrunde liegenden Denk- und Handlungsmuster werden bereits im Kindesalter ansozialisiert. Teilweise richten Frauen und Männer ihre Interessengebiete auch nach diesen Vorgaben aus und halten diese stereotypen Dispositionen damit selber aufrecht. Gender stellt in diesem Zusammenhang eine kulturelle Schablone dar, die Wahrnehmung, Erwartung und Bewertung des Verhaltens von Individuen beeinflusst. Dieses Konstrukt wird so weit verinnerlicht, dass es den psychologischen Kern der Geschlechtsidentität bildet, der unter anderem im Habitus eines Menschen Ausdruck findet.[32]

Historisch betrachtet war es die „natürliche Bestimmung“ der Frau, die Rollenzuweisungen in der Gesellschaft, aber auch die Anpassung an die normative Geschlechterrolle, die Frauen lange Zeit aus bestimmten Bereichen, wie auch auf dem Gebiet der Musik, disqualifizierten. Das Geschlecht war hierbei eines der wichtigsten Elemente in der Entscheidung darüber, ob ein Individuum Zugang zur musikalischen Bildung, zu Musikberufen und dem gesamten kulturellem Spektrum erhielt. Musikausübung war dabei also abhängig von sozialen/sexuellen Rollen. Auch wenn sich Musikausübung in komplexen Gesellschaften vielschichtiger entwickelte, gab es so etwas wie geschlechtsspezifische musikalische Aktivitäten und Sphären.[33] Diese Polarisierung ist zwar künstlich, aber betrachtet man sie auf einer breiten historisch-geographischen Skala, sind die Aktivitäten und Arbeitsbereiche der Männer stets umfassender gewesen und manche Kategorien wurden ausschließlich von Männern beansprucht. Der Zugang der Frau zu vielen Bereichen war von Ausschlussmechanismen und verschiedenen Formen der sozialen Kontrolle besetzt.

Erst seit den 1970er Jahren haben sich immer mehr Frauen-Netzwerke und Musik-Aktivistinnen, die sich in der Musik sowie im Musikbusiness etabliert und auch in den Clubs tauchen seit den 90ern verstärkt Frauen nicht nur hinter der Bar, sondern auch hinter dem Mischpult auf. Einerseits waren die Frauen der Emanzipationsbewegung in den 70er Jahren maßgebliche Wegbereiter für eine „weiblichere Musikwelt“. Netzwerkstrukturen und Organisationen haben sich herausgebildet, um Frauen in der Musikwelt zu unterstützen und die männliche Dominanz in Musik und Kultur zu brechen. Bereits der Abbau von Vorurteilen und Gender-Barrieren in der Gesellschaft, haben dafür gesorgt, dass Frauen für Ihre Musik ernster genommen werden und auch der Umgang mit Technik war für Frauen bereits selbstverständlicher, denn Sie stammten aus einer Generation, die mit Computern und elektronischen Geräten aufgewachsen waren.

Bei alldem handelt es sich allerdings um das Agieren in einer subkulturellen Sphäre – verständlich, versperren doch die oben beschriebenen Machtstrukturen und Ausgrenzungsmechanismen Frauen weiterhin den Weg hin zu einer wirklich gleichberechtigten Kulturausübung. Daher werden im Folgenden zunächst die diesbezüglichen Definitionen von Kultur und Subkultur vorgenommen, bevor es dann um die DJ-Kultur im Allgemeinen und danach die DJane-Bewegung im Besonderen gehen wird.

2. Kultur und Subkultur

„Kultur“ soll in dieser Arbeit vor allem als Schlüsselbegriff der Soziologie verstanden werden. Obwohl Kultur zuerst vor allem mit Wissen, Kunst, Religion als nicht materiellen Errungenschaften einer Gesellschaft verbunden wird, meint sie im soziologischen Sinne das „gesamte soziale Erbe“, das Mitglieder einer Gesellschaft in einer lebenslangen Sozialisation erleben.[34]

Kultur als Bedingung und Form sozialen Handelns ist verwoben mit den Aspekten des sozialen Lebens und deshalb mit anderen soziologischen Schlüsselbegriffen.

Kulturelle Werte wie z.B. Erfolgsorientiertheit, Individualismus oder Gemeinschaftsbindung sind in die jeweilige Gesellschaft funktional integriert. Unsere Werte beeinflussen ganz entscheidend, wie wir handeln und denken, welche soziale Beziehungen wir eingehen und welche Ziele wir uns setzen. Dabei ist die Unterstellung es gebe Gesellschaft als eine Einheit, selbst eine alltagsweltliche und wissenschaftliche Abstraktion. Zumeist denken wir an die funktionale Integration im Rahmen von Staatsgesellschaften. Allerdings koexistieren innerhalb dieses Rahmens unterschiedliche Subkulturen, Wertzusammenhänge, Traditionen, regionale und persönliche Vergesellschaftungen und so weiter. Kultur ist dabei immer auch durch Gesellschaftsstruktur geprägt und die Ausbreitung kultureller Ideale wird dabei auch dadurch vorangebracht, dass Menschen existierende Gesellschaftsstrukturen in Frage stellen und herausfordern. Politische Konflikte, soziale Auseinandersetzung und historische Umbrüche sind auch immer kulturell legiert.[35]

Soziologen sehen Kultur weiter nicht als gegeben an, sondern als Ergebnis sozialen Handelns. Die westliche Kultur betont demnach die Rolle des schöpferischen Individuums, mehr noch jene der Genies in den Künsten, in der Wissenschaft und in anderen Bereichen. Die Soziologie weist in diesem Kontext darauf hin, dass Innovationen nicht nur von der Kreativität einzelner abhängen, sondern das Resultat sozialer Interaktionen und institutioneller Rahmenbedingungen sind. Wesentlich ist dabei, dass eben diese Institutionen und Individuen Teil der Gesamtgesellschaft sind, die wiederum von den oben beschriebenen geschlechtsspezifischen Kategorien beeinflusst werden, die in der Gesellschaft verankert sind. Dabei ist Kultur niemals statisch, sondern einem dauernden Wandel unterworfen. In der heutigen Welt sind es vor allem Massenmedien, besonders Fernsehen und Computer, welche zahlreiche kulturelle Wandlungen beeinflussen. Verglichen mit der ursprünglich nur gesprochenen Sprache basieren alle nachfolgenden Kommunikationsmedien auf Indirektheit, nämlich der Ablösung von der unmittelbaren Interaktion. Gedanken und Informationen können nun gespeichert und in ganz anderen Situationen, an anderen Orten und zu anderer Zeit reproduziert werden.

In den Figurationen, die Menschen miteinander bilden, wird Kultur immer wieder neu hergestellt. Sie wird nicht von oben oder außen übergestülpt, sondern ist eine permanente Aufeinanderfolge und ein vielfältiges Nebeneinander sozialer Praktiken in einem sich über die Handlungspraxis immer wieder neu strukturierendem Feld. Sie entsteht, indem Bedeutungen von und in sozialer Erfahrung produziert werden. Diese Bedeutungen können aus den gesellschaftlichen Sinn- und Symbolsystemen generiert werden, sie bilden sich aber erst in den sozialen Feldern aus. In den alltäglichen Handlungsvollzügen formen sie den Habitus und die Leitstrukturen der Menschen mit, wie umgekehrt die Bildungen des Habitus und die Leiblichkeit der Menschen auf die kulturelle Praktiken und Aneignungsprozesse zurückwirken und diese strukturieren.[36] Kultur ist also als Resultat eines Sozialisationsprozesses zu verstehen.

[...]


[1] Der Club ist eine Organisation und ein wirtschaftliches Handlungsfeld aus stark informellen und dynamischen Akteursnetzwerken und Kommunikationsstrukturen. Der Clubbesitzer fördert die Entwicklung eines bestimmten Musikstils, einschließlich diverser DJs. Der Club dient auch als Treffpunkt und Koordinationsorgan für Subkulturen und ist deshalb auch als räumliches Gegenmilieu zu verstehen ist. Wie im Laufe der Arbeit gezeigt wird, ist der Club damit für die Kultur der DJs und DJanes ebenfalls von elementarer Bedeutung. Nähere Erläuterungen zum Begriff „Club“ finden sich im Kapitel 4.2. dieser Arbeit.

[2] Weibliche DJs bewegen sich in einer Subkultur und allenfalls zwischen Subkultur und Kultur. Deshalb ist der Begriff DJane-Kultur von der Bedeutung her eigentlich falsch. Die Begriffe Kultur und Subkultur werden in Kapitel 2 der Arbeit näher erläutert. Im weiteren Verlauf der Arbeit scheint der Begriff DJane-Bewegung anstelle der Bezeichnung DJane-Kultur und DJane-Subkultur deshalb treffender.

[3] Wetterer, Angelika, Konstruktion von Geschlecht: Reproduktionsweisen der Zweigeschlechtlichkeit, in „Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Theorie, Methoden, Empirie, Becker/Kortendiek (Hrsg.), Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage 2004, S.123

[4] Wetterer, Angelika, Konstruktion von Geschlecht: Reproduktionsweisen der Zweigeschlechtlichkeit, in Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Theorie, Methoden, Empirie, Becker/Kortendiek (Hrsg.), Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage 2004, S. 126

[5] Binas, Susanne, Erfolgreiche Künstlerinnen – Arbeiten zwischen Eigensinn und Kulturbetrieb, Klartext Verlag, Juni 2003, S. 31

[6] Eckes, Thomas, Geschlechterstereotype: Von Rollen, Identitäten und Vorurteilen, in Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Theorie, Methoden, Empirie, Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.), Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage 2004, S. 167

[7] Binas, Susanne, Erfolgreiche Künstlerinnen – Arbeiten zwischen Eigensinn und Kulturbetrieb, Klartext Verlag, Juni 2003, S. 31

[8] Kasten, Hartmut, Weiblich – Männlich, Geschlechterrollen durchschauen, Ernst Reinhardt Verlag, 2003, S. 30

[9] Eckes, Thomas, Geschlechterstereotype: Von Rollen, Identitäten und Vorurteilen, in Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Theorie, Methoden, Empirie, Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.), Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage 2004, S. 172

[10] Artikel „Effekte von Stereotypisierung“ unter http://www.gender-mainstreaming.net

[11] Kasten, Hartmut, Weiblich – Männlich, Geschlechterrollen durchschauen, Ernst Reinhardt Verlag, 2003, S. 30

[12] Kasten, Hartmut, Weiblich – Männlich, Geschlechterrollen durchschauen, Ernst Reinhardt Verlag, 2003, S. 30

[13] Ebd. S. 13

[14] Ernst, Stefanie, Geschlechtsverhältnisse und Führungspositionen, Eine figurationssoziologische Analyse der Stereotypenkonstruktion, Westdeutscher Verlag, 1999, S. 17

[15] Goos, Gisela/Hansen, Karin: Frauen in Führungspositionen. Erfahrungen, Ziele Strategien, Waxmann Verlag, Münster 1999, S. 103

[16] Krumpholz, Doris, Einsame Spitze – Frauen in Organisationen, Verlag für Sozialwissenschaften, 2004, S. 13

[17] Wiegand, Heike, Berufstätigkeit und Aufstiegschancen von Frauen: eine (nicht nur) ökonomische Analyse, Duncker & Humblot GmbH, Berlin, S. 101

[18] vgl. Wiegand (1995) S. 101, nach Bilden (1989)

[19] Deppe, Alexandra, Frauen in Führungspositionen – eine Betrachtungsweise sozialer Wirklichkeit von Gleichberechtigung am Beispiel von Frauen in führenden Positionen der Wirtschaft, Diplomarbeit im Fachbereich Sozialwissenschaft an der Fachhochschule Bielefeld, Bielefeld, 28.Oktober 2003, S.16

[20] Ebd. S. 101

[21] Gildemeister, Regine, Doing Gender: Soziale Praktiken der Geschlechterunterscheidung, in „Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Theorie, Methoden, Empirie, Becker/Kortendiek (Hrsg.), Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage 2004, S. 132

[22] Heintz, Bettina/Nadai, Eva/Fischer, Regula/Ummel, Hannes, Ungleich unter Gleichen, Studien zur geschlechtsspezifischen Segregation des Arbeitsmarktes, Campus verlag GmbH, 1997, S. 55

[23] Ebd. S. 58

[24] Wimbauer, Christine, Organisation, Geschlecht, Karriere: Fallstudien aus einem Forschungsinstitut, Leske & Budrich, 1999, Opladen, S.33

[25] Funk-Hennings, Erika, Ursachen und Wirkungen der strukturellen Benachteiligung von Musikerinnen in Deutschland, in Frauentöne – Beiträge zu einer ungeschriebenen Musikgeschichte, Barber-Kersovan/Kreutziger-Herr/Unseld(Hrsg.), Coda Musikverlag, 2000, S.37

[26] Funk-Hennings, Erika, Ursachen und Wirkungen der strukturellen Benachteiligung von Musikerinnen in Deutschland, in Frauentöne – Beiträge zu einer ungeschriebenen Musikgeschichte, Alenka Barber-Kersovan/Annette Kreutziger-Herr/Melanie Unseld(Hrsg.), Coda Musikverlag, 2000, S. 40

[27] Ebd., S. 40

[28] Ebd., S. 43

[29] Ebd., S. 46

[30] Baldauf, Anette/ Weingartner, Katharina (Hrsg.), Lips, Tits, Hits, Power? – Popkultur und Feminismus, folio Wien, 1998, S.17

[31] Shell, Sheddy, Die Geschichte der Riot-Grrrl-Revolution, in Baldauf/ Weingartner (Hrsg.), Lips, Tits, Hits, Power? – Popkultur und Feminismus, folio Wien, 1998, S. 31

[32] Karsten, Christa, „Did you shag him?” in testcard – Beiträge zur Popgeschichte, Ventil Verlag, 1993, S.75

[33] Bowers, Jane, Feministische Forschung in der amerikanischen Musikwissenschaft in, „Von der Spielfrau zur Performance Künstlerin – auf der Suche nach einer Musikgeschichte der Frauen“, Hoffmann/Rieger(Hrsg.), Furore Verlag 1992, S. 23

[34] Joas, Hans, Lehrbuch der Soziologie, Campus Verlag, 2001, S. 63

[35] Joas, Hans, Lehrbuch der Soziologie, Campus Verlag, 2001, S. 63

[36] Klein, Gabriele, Electronic Vibration – Pop, Kultur, Theorie, Verlag für Sozialwissenschaften, Band 8, 2004,S. 265

Details

Seiten
63
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638617635
ISBN (Buch)
9783638937757
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71116
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Musikwissenschaft
Note
noch keine
Schlagworte
DJane Bewegung Weibliche Aufbruch Marginalisierung

Autor

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Titel: Die DJane Bewegung. Weibliche DJs zwischen Aufbruch und Marginalisierung