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Die Problematik der Belastung des Lehrers

Referat (Ausarbeitung) 2006 7 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Im folgenden Abschnitt werde ich auf die Belastungsproblematik des Lehrkörpers eingehen und das damit zusammenhängende Problem moralischen Denkens.

Sabina Larcher geht in ihrem Aufsatz „Richtig für mich“ – Das Problem der Kohärenz in der Belastung von Lehrkräften mit Moral auf diese Problematik ein. Ihrer Meinung nach müssen moralisches Handeln und Denken immer im Einklang mit der Belastung des Lehrers sein. Nur so ist das Zustandekommen eines idealen Lehrkörpers gewährleistet. Dem Lehrer sind hierfür so genannte Tugendkataloge vorgegeben nach welchen er handeln soll. Hält der Lehrkörper sich an die vorgegebenen Handlungsanweisungen, so vermittelt er durch diese Moralisierungsstrategie Moral an seine Schüler. Außerdem ist er verpflichtet sein moralisches Handeln zu begründen. Sabina Larcher spricht von einer „Begründungslast“ (S.216): “Lehrerinnen und Lehrer sehen sich in ihrem Arbeitsalltag permanent in der Situation, ihre Handlungen situativ oder hinsichtlich von Handlungsfolgen erklären und/oder begründen zu müssen.“ Problematisch wird es, wenn die Lehrkraft nicht fähig ist sein moralisches Handeln zu erklären oder wenn Zweifel an den Handlungsvorgaben aufkommt beziehungsweise wenn die Handlungsanweisungen nicht eindeutig gesetzt oder widersprüchlich sind. In solchen Fällen sind die moralischen Vorgaben nicht kohärent zum eigenen Handeln. (vgl Nida-Rümelin 2002) Aus verschiedenen Gründen kann es also vorkommen, dass der Lehrer die vorgegebenen moralischen Anforderungen nicht einhalten kann.

Oft sind die Anforderungen zu hoch gesteckt. Der Lehrer ist überfordert und kann die Ansprüche die das Moralisierungskonzept an ihn stellt nicht hinreichend einhalten. Beispiel für diese Art von Belastung durch Moral war der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein. Wittgenstein wurde am 26. April 1889 in Wien geboren. Er besuchte die Realschule in Linz und begann 1906 sein Ingenieurstudiums an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Er besuchte außerdem noch die Universitäten in Manchester und Cambridge, arbeitete als Gärtner und als Schreiner und erst im Alter von dreißig Jahren entschloss er sich dann zu einer Lehrerausbildung. Beweggründe dafür waren unter anderem das Verfassen seines „Tractatus logico-philosophicus“ (1921) und die intensive Beschäftigung mit den Lektüren „The Varieties of Religious Experience“ (James, 1902) und „Kurze Darlegung des Evangeliums (Tolstois, 1892). Er nimmt sich zur Aufgabe seinen Schülern das Evangelium nahe zu bringen. Er ist sehr motiviert und freut sich auf die Arbeit mit den Schülern. Doch er ahnt, dass der Lehrerberuf nicht sehr einfach werden wird und viele Schwierigkeiten und Konflikte auf ihn zukommen werden. Dies wird deutlich in Briefen, die er an seinen Freund Keynes schreibt: „Ich habe beschlossen, so lange Lehrer zu bleiben, wie ich das Gefühl habe, dass mir die Schwierigkeiten , in die ich auf diese Weise gerate, vielleicht gut tun.“ (L.Wittgenstein, 1925). Hier wird deutlich, dass Wittgenstein sich der Schwierigkeiten des Lehrerberufes schon bewusst war. Doch er ging nicht davon aus, dass er diese Schwierigkeiten nicht bewältigen könnte. In einem weiteren Brief noch im selben Jahr verfasst, wird deutlich, dass Wittgenstein ziemlich schnell merkt, dass das Lehren von Schülern nicht für ihn geschaffen ist: „Ich glaube kaum, dass ich noch ein Jahr Lehrer bleiben werde (…) Vielleicht geht es jetzt mit meiner Lehrerei zu Ende. Es ist zu schwer für mich.“

Und tatsächlich bricht Wittgenstein nach sechs Jahren Unterrichten seine Tätigkeit als Volkshochschullehrer ab. Auslöser dafür war, dass ein Schüler unter seinen Ohrfeigen zusammenbricht. Wittgenstein wurde bewusst, dass er nicht dem Idealbild eines Lehrers, was er sich in seiner Phantasie vorgestellt hatte, entsprach. Für ihn muss ein professioneller Lehrer ein Lehrer sein, der als „Erzähler und nicht als strafende Autorität Kultur weiter vermittelt“ agiert. (zitiert nach Sabina Larcher) Wittgenstein überfordert seine Schüler. Inhaltlich kommen sie nicht mehr mit und auch der Leistungsdruck ist zu hoch. Die Schüler haben Angst zu versagen, da ihnen ansonsten körperliche Bestrafung droht. Diese autoritäre, mittelalterliche Art Lehrstoff in Form von Bestrafung zu vermitteln spricht genau gegen die Prinzipien der Vorstellungen eines idealen Lehrers und somit dem guten Berufsethos. Nachdem Wittgenstein zu dieser Erkenntnis kam, brach er abrupt sein Lehrerdasein ab. Dass er nicht dem Bild eines idealen Lehrers entsprechen konnte, war eine zu hohe psychische Belastung für ihn. Sabina Larcher bezeichnet dieses Phänomen als „Kohärenzproblematik der moralischen Überzeugung“ (S.220).

Eine weitere Belastung des Lehrkörpers in Zusammenhang mit Moralvermittlung entsteht in so genannten „Dilemma-Situationen“. Hier wird deutlich, dass moralisches Denken oft schwer umzusetzen ist in moralisches Handeln. Die Ausführung des moralischen Denkens ist meistens situationsbedingt. Man kann nicht nach einem bestimmten, moralischen Schema handeln, sondern man muss die Situation abwägen, Vor- und Nachteile des moralischen Handelns in den einzelnen, spezifischen Situationen erkennen und bestmöglich handeln. Zum besseren Verständnis werde ich im Folgenden eine typische Dilemma-Situation näher erläutern und erklären:

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Details

Seiten
7
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638620307
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71095
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Universität Marburg
Note
1,7
Schlagworte
Problematik Belastung Lehrer Schule

Autor

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Titel: Die Problematik der Belastung des Lehrers