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Bürgerbewegungen auf dem Weg in die Regierungsverantwortung 1969-1989 - Von der Bürgerbewegung zur 'Volkspartei' Bündnis 90/Die Grünen

Seminararbeit 2004 35 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Definition der sozialen Bewegung

2. Die Neue Frauenbewegung
2.1. Die Neue Frauenbewegung in der BRD
2.1.1. Zum politischen Hintergrund und der Entstehung der Bewegung
2.1.2. Die Struktur und Organisation der Bewegung
2.1.3. Aktionen und Veranstaltungen
2.1.4. Institutionalisierung der Frauenbewegung
2.2. Die Neue Frauenbewegung in der DDR
2.2.2. Beginn einer Neuen Frauenbewegung

3. Die Neue Friedensbewegung
3.1. Die Neue Friedensbewegung in der BRD
3.1.1. Vorgeschichte der Neuen Friedensbewegung
3.1.2. Anfänge der Neuen Friedensbewegung
3.2. Die Friedensbewegung in der DDR

4. Die Umweltbewegung
4.1. Die Umweltbewegung in der BRD
4.2. Die Anti-AKW-Bewegung in der BRD
4.2.1. Die Geschichte der Bewegung
4.2.2. Mitglieder der Bewegung
4.2.3. Anfänge der Bewegung - von Wyhl bis zum Tag X
4.2.4. Die Antwort des Staates und Kriminalisierung der Bewegung
4.2.5. Hoffnung auf ein anderes Leben
4.3. Umweltbewegung in der DDR

5. Gründung einer grünen Partei
5.1. Gründung der Partei Die Grünen in der BRD
5.1.1. Erste Phase der Entwicklung 1977 bis 1983
5.1.2. Zweite und dritte Phase der Entwicklung 1983-1990
5.2. Gründung der Grünen und des Bündnis 90 in den neuen Bundesländern
5.3. Die „Doppelte Vereinigung“

6. Fazit

Anhang:

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit behandelt die drei neuen Bürgerbewegungen – die Frauenbewegung, die Friedensbewegung und die Umweltbewegung – in Ost- und Westdeutschland und soll ver­suchen einige Fragen zu klären.

Es soll die Bedeutung, die diese drei Bewegungen für die Gründung einer Grünen Partei in beiden deutschen Teilstaaten hatten, geklärt werden. Weiterhin soll die Beeinflussung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten und Voraussetzungen auf das Entstehen der Bewegungen aufgezeigt werden. Zudem soll dargestellt werden, welche Ak­tivitäten, Zielsetzungen, Erfolge, aber auch Misserfolge die Bewegungen hatten. Letztend­lich soll beantwortet werden wie es dazu kam, dass sich aus den Bewegungen eine „politi­sche Partei“ gründete und wieso diese grüne Partei keine „Eintagsfliege“ war, sondern bis heute politisch bedeutsam ist bzw. ihre Bedeutung steigern konnte.

1.1. Definition der sozialen Bewegung

„Soziale Bewegung ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kon­tinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifika­tion mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegende­ren sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“ [1]

2. Die Neue Frauenbewegung

2.1. Die Neue Frauenbewegung in der BRD

Der Beginn der Neuen Frauenbewegung geht auf die Studentenbewegung der Jahre 1967/68 zurück. Ihren Ursprung hat die Neue Frauenbewegung zwar in den USA, in Deutschland entwickelte sie sich jedoch zu einer eigenen Bewegung mit besonderem Charakter, bedingt durch die politischen und gesellschaftlichen Ge­gebenheiten.[2]

2.1.1. Zum politischen Hintergrund und der Entstehung der Bewegung

In der Zeit, als sich die Neue Frauenbewegung formierte, war die Große Koalition (CDU/CSU und SPD) in der Regierungsverantwortung. Deutschland befand sich in einer wirtschaftlichen Rezession und die beiden großen Parteien wollten dieser gemeinsam begegnen. Durch die Koalition der beiden großen Parteien fehlte es an einer wirksamen Opposition; dies führte zu Studentenprotesten und Unruhen und mündete in der Gründung der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und der Bildung der Studentenbewegung. Es kam zu einer heftigen Diskussion, die über sämtliche Themen, wie Innen- und Außenpolitik und Wirtschafts- und Gesell­schaftsstruktur geführt wurde. Alte Normen und Werte wurden hinterfragt und teilweise auch abgelehnt (liberale Haltung zur Sexualität u. a. m.).

1968 kam es innerhalb des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) zu Spannungen zwischen den Geschlechtern. Die Frauen empfanden das Verhalten der Männer ihnen gegenüber als autoritär, obwohl diese von der Gesellschaft for­derten, die Autorität abzuschaffen. Während die männlichen Studenten die an­spruchsvolleren Arbeiten wahrnahmen, bekamen die weiblichen Kommilitonin­nen von ihnen niedere Aufgaben zugewiesen. Bei Versammlungen des SDS wur­den die Frauen nicht ernst genommen.[3] Gegen dieses Verhalten lehnten sich im­mer mehr Frauen auf. In West-Berlin entstand deshalb 1968 der Aktionsrat zur Befreiung der Frau, der von sieben SDS- Frauen gegründet wurde. Bei der nächs­ten Sitzung des Bundes legten sie eine Resolution vor. Sie forderten eine andere Aufteilung der Geschlechterordnung und warfen den Männern vor, nach außen hin die Klassen abschaffen zu wollen, aber ihre Frauen auch nicht anders zu be­handeln, als die Gesellschaft die unteren Schichten. Sie forderten weiterhin die Aufhebung der Trennung zwischen Privatleben und Öffentlichkeit, denn engagiert sich die Politik nicht gegen Unterdrückung im Privaten, leistet sie dieser Vor­schub. Diese Veränderungen sollen politisch geschehen, als Teil einer Kulturre­volution, als Teil des Klassenkampfes.

Im September 1968, als der SDS in Frankfurt tagte, hielt eine der SDS -Frauen eine Rede, die die Männer als unwichtig abtun wollten. Eine der Teilnehmerinnen rea­gierte derart wütend und warf mit Tomaten. Dies ging als „Tomatenwurfaktion“ in die Geschichte ein und gab Frauen in vielerlei Orten den Anlass, eine Frauen­gruppe zu gründen. Ausschlaggebend für die Gründung weiterer Frauengruppen war das veränderte politische Klima, die antiautoritäre Bewegung und eine verän­derte sexuelle Einstellung (u. a. § 218 Abtreibungsparagraph) – damals kam die Parole auf „Mein Bauch gehört mir“.[4]

2.1.2. Die Struktur und Organisation der Bewegung

In der Frauenbewegung gab es keine Institutionalisierung, sie verfügte über kei­nen Dachverband. Es war Absicht, dass es keine übergeordnete Organisations­struktur gab, um hierarchische Strukturen zu vermeiden. Aus den privaten Tref­fen, auf denen die Frauen tätig wurden, gingen die späteren Frauenzentren hervor. In der Bundesrepublik entwickelte sich eines der am dichtesten strukturierten Netzwerke von Frauenzentren in Europa. Im Juni 1971 fand die erste Delegier­tenkonferenz statt, auf der sich alle Frauen, die gegen Paragraph 218 waren, tra­fen. 1972 wurde dann der erste Bundes-Frauen-Kongress ausgerufen.[5]

Zu den bekanntesten Organisationen in denen Frauen tätig waren zählen der Akti­onsrat zur Befreiung der Frau, der sich später in Sozialistische Frauenbund West-Berlin umbenannte, sowie der Frankfurter Weiberrat und die Demokratische Fraueninitiative. Es bildeten sich mit der Zeit auch radikal-feministische Positio­nen heraus, sowie die Glorifizierung des Lesbianismus. Simone de Beauvoir, die zu einer der bekanntesten Vertreterinnen der Neuen Frauenbewegung gehörte, wandte sich gegen diesen radikalen Feminismus.[6]

Differenzen gab es zwischen der Neuen Frauenbewegung und den etablierten Frauenverbänden, die der Ansicht waren, dass Frauen sich innerhalb von beste­henden Strukturen einbringen können, wie z.B. in Parteien, Gewerkschaften, Kir­chen und anderen Verbänden und so eine Verbesserung ihrer Situation erreichen können. Es bestanden jedoch Kontakte zwischen beiden Lagern und es gab Ereig­nisse, die gemeinsam in Angriff genommen wurden, so z. B. die Kampagne gegen den Paragraphen 218, welche zur Folge hatte, dass 1975 die Indikationslösung in Kraft trat.[7] Auf internationaler Ebene etablierte sich ein internationaler Frauenkon­gress, der International Interdisciplinary Congress on Women – Treff­punkt für Frauen aus Führungspositionen.[8]

2.1.3. Aktionen und Veranstaltungen

Zur Neuen Frauenbewegung gehörten Frauen ganz unterschiedlicher politischer Richtungen, die die soziale Lage der Frau verändern wollten und dies ohne das Zutun von Männern. Sie gründeten Selbsterfahrungsgruppen, in denen sie consci­ousness-raising betrieben, es entstanden Kurse, in denen die Frauen jeweils ihr Wissen weitergaben (z. B. Selbstverteidigung).[9] Gesundheitszentren und Therapie­zentren für Frauen, sowie Mädchenhäuser und Frauenhäuser wurden gegründet. Frauenhäuser bieten Frauen (und ihren Kindern) Zuflucht und einen Platz für Neuorientierung. 1978 beschäftigte sich die Neue Frauenbewegung auch mit der Vergewaltigung von Frauen und mit der Vergewaltigung in der Ehe. Es kam außerdem zu Entwicklungen im kulturellen Bereich, so entstanden mehrere Frauenverlage und feministische Zeitungen wurden gegründet. Die bekannteste Zeitschrift ist EMMA, die von Alice Schwarzer 1977 gegründet wurde. 1976 fand erstmals eine Sommeruniversität statt.[10]

2.1.4. Institutionalisierung der Frauenbewegung

Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Frauen innerhalb der Frauenbewegung, die festere Strukturen forderten, also eine striktere Institutionalisierungsform. Auf der nationalen und internationalen politischen Ebene hat die Institutionalisierung zu­genommen. Frauen aller Bewegungen tauschten sich aus und versuchten ihre Ziele in Parteien und Verbänden umzusetzen.[11]

Von der UN wurde 1975 die Dekade der Frau ausgerufen und es wurden Pläne ausgearbeitet, wie man die Frau international besser stellen kann. 1979 wurde eine Konvention zur Beseitigung jeglicher Diskriminierung der Frau aufgestellt, die 50 Länder unterzeichneten. Regelmäßige Weltfrauenkonferenzen wurden ins Leben gerufen, die UNESCO bemüht(e) sich darum, dass die Benachteiligung der Frau überwunden wird und der Europarat behandelt Themen wie die „Gleichbehand­lung im Beschäftigungssystem“ (1976) und die „gleiche soziale Sicher­heit“(1976).[12]

In der BRD erhielt 1972 der Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit auch die Zuständigkeit für Frauenfragen. Es kam die Frauenquote auf, die den Frauen den Zugang in höhere Positionen ermöglichen sollte. Die Partei der Grü­nen trat gleich mit dem Anspruch an, dass mindestens 40% der Posten von Frauen bekleidet werden sollen. Per Gesetz wurde 1994 dafür gesorgt, dass Unternehmen und Betriebe ab einer bestimmten Größe (200 Beschäftigte)einen Frauenbeauf­tragte/Frauenbeauftragten einstellen. Auch in Verbänden und Universitäten wur­den Gleichstellungsbeauftragte eingestellt.[13]

2.2. Die Neue Frauenbewegung in der DDR

2.2.1. Zum historischen und politischen Hintergrund

Bereits 1946 wurden von der SED Forderungen zur Gleichheit aller DDR -Bürger laut, was auch die Frauen einschließen sollte. Frauen sollten im Beruf und im öf­fentlichen Leben gleich gestellt werden. Noch im August desselben Jahres wurde von der sowjetischen Militäradministration festgelegt, dass alle Arbeiter unabhän­gig von Geschlecht und Alter gleich entlohnt werden sollten (Frauen sollten nur nicht gesundheitsschädigende Arbeiten verrichten). Bereits in dieser Zeit entstan­den Frauenausschüsse (1947 entstand der Demokratische Frauenbund Deutsch­lands), schon 1949 wurde die Gleichberechtigung konstitutionell festgehalten. In der marxistischen Ideologie galt die Nichterwerbstätigkeit der Frau als Unterdrü­ckung und wurde deshalb abgeschafft. Innerhalb der SED gab es Abteilungen und Kommissionen für Frauenfragen. 1950 entstanden verschiedene Gesetze, welche dann Grundlage für einen erweiterten Mutterschutz, für Kinderbetreuung und für die berufliche Förderung waren.[14]

1961 wurden Maßnahmen ergriffen, um mehr Frauen für Leitungsfunktionen zu gewinnen und es fanden Qualifizierungsmaßnahmen statt.

[...]


[1] Raschke 1987: 21

[2] Nave-Herz 1997: 53/54

[3] Nave-Herz 1997: 54

[4] Nave-Herz 1997: 54-56

[5] Nave-Herz 1997: 57

[6] Nave-Herz 1997: 60/61

[7] Nave-Herz 1997: 62

[8] Nave-Herz 1997: 72

[9] Nave-Herz 1997: 58/59

[10] Nave-Herz 1997: 63-66

[11] Nave-Herz 1997: 75-78

[12] Nave-Herz 1997: 78-81

[13] Nave-Herz 1997: 75-85

[14] Nave-Herz 1997: 86-88

Details

Seiten
35
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638627245
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71009
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Politikwissenschaft
Note
sehr gut (1,0)
Schlagworte
Bürgerbewegungen Regierungsverantwortung Bürgerbewegung Volkspartei Bündnis Grünen Geschichte

Autor

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Titel: Bürgerbewegungen auf dem Weg in die Regierungsverantwortung 1969-1989 - Von der Bürgerbewegung zur 'Volkspartei' Bündnis 90/Die Grünen