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Verwendungseignung und Zierwert von Clematisarten und -sorten mit Wildcharakter

Bachelorarbeit 2006 91 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Gliederung

1. Abkürzungsverzeichnis

2. Einleitung

3. Einführung in die Clematis-Kultur

4. Material und Methode
4.1 Standortbeschreibung Zepernick
4.2 Klimabedingungen
4.3 Vorgehensweise

5. Zielstellung

6. Sortenbeschreibungen
6.1 Clematis terniflora DC. var. mandshurica (RUPR.) OHWI (Rispenblütige Waldrebe)
6.2 Clematis serratifolia REHDER ’Golden Tiara’ (Koreanische - Waldrebe)
6.3 Clematis- Hybride ‚Paul Farges’ (Waldrebe)
6.4 Clematis x eriostemon DECN. ’Hendersonii’ (Hybrid-Waldrebe)
6.5 Clematis viticella L. ’Royal Velours’ (Italienische Waldrebe)
6.6 Clematis viticella L. ’Polish Spirit’ (Italiensiche Waldrebe)
6.7 Clematis viticella L. (Italienische Waldrebe)
6.8 Clematis viticella L. ’Rubra’ (Italienische Waldrebe)
6.9 Clematis viticella L. ’Minuet’ (Italienische Waldrebe)
6.10 Clematis x jackmanii T. MOORE ’Blekitny Aniol’
6.11 Clematis integrifolia L. ’Aljonushka’ (Ganzblättrige Waldrebe)
6.12 Clematis macropetala LEDEB. (Großblumige Waldrebe)
6.13 Clematis montana BUCH.- HAM. ex DC. ’Grandiflora Alba’ (Berg-Waldrebe)
6.14 Clematis tangutica (MAXIM.) KORSH. ’Lampton Park’ (Mongolische Waldrebe)

7. Diskussion
7.1 Vergleich
7.2 Verwendungseignung
7.3 Zierwert

8. Literaturdiskussion
8.1 Clematis terniflora DC. var. mandshurica (RUPR.) OHWI (Rispenblütige Waldrebe)
8.2 Clematis serratifolia REHDER ’Golden Tiara’ (Koreanische - Waldrebe)
8.3 Clematis- Hybride ‚Paul Farges’ (Waldrebe) (Syn. Clematis fargesioides = Summersnow)
8.4 Clematis x eriostemon DECN. ’Hendersonii’ Hybrid- Waldrebe
8.5 Die Viticella-Gruppe
8.6 Clematis x jackmanii T. MOORE ’Blekitny Aniol’
8.7 Clematis integrifolia L. ’Aljonushka’ Ganzblättrige Waldrebe
8.8 Clematis macropetala LEDEB. (Großblumige Waldrebe)
8.9 Clematis montana BUCH.- HAM. ex DC. ’Grandiflora Alba’ (Berg-Waldrebe)
8.10 Clematis tangutica (MAXIM.) KORSH. ’Lampton Park’ (Mongolische Waldrebe)
8.11 Fazit

9. Zusammenfassung

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

Diese Arbeit über Verwendungseignung und Zierwert von Clematisarten und -sorten mit Wildcharakter bezieht sich auf ein bestehendes Sortiment, das 2005 auf dem Gelände der Versuchsstation Gartenbauwissenschaften, Standort Zepernick der Humboldt-Universität zu Berlin für die AG Vermehrungstechnologie/ Baumschulwesen angepflanzt wurde. Die dort noch erhaltenen Pflanzen sollen im Rahmen dieser Bachelorarbeit bonitiert und ausgewertet werden.

Die Beschränkung der Arbeit auf Pflanzen mit Wildcharakter ist in der problembehafteten Kultur der großblumigen Clematis-Hybriden begründet. Die Pflanzung des Sortiments mit Wildcharakter wurde in Hinblick auf die Eignung dieser Arten und Sorten zur Empfehlung für Gärtner und Laien ohne spezifische Pflegekenntnisse der Clematiskulturen (Clematisliste für Einsteiger - Clematis List for Beginners, KÖRBER 2004) mit pflegeleichtem robustem Charakter trotz guten Zierwerten vorgenommen. Die Beschränkung auf dieses Sortiment aus dem breiten Spektrum der existierenden Clematisarten und -sorten wurde aufgrund einer Vorauswahl in Veithöchsheim 2004 in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau vorgenommen und bezieht sich auf die sich an diesem Standort bewährten Arten und Sorten (KÖRBER 2004).

Ebenso ist eine Prüfung der Verwendungseignung für die ausgewählten Clematiskulturen unter den am Standort vorherrschenden Klimabedingungen angestrebt.

Die in der Literatur zu findenden Sortenempfehlungen sollen mit der tatsächlichen Vitalität der am Standort Zepernick gepflanzten Kulturen verglichen und dazu Einschätzungen gegeben werden.

Somit ist einer der Hauptbestandteile dieser Arbeit die Bonitierung und anhand dieser die Erstellung von Beschreibungen der Sorten für diesen Standort bzw. ähnliche Klimate. Auch ein Vergleich der durch die Bonitierung entstanden Sortenbeschreibungen mit den in der Literatur zu findenden Sortenbeschreibungen, wird Bestandteil dieser Arbeit sein, um eventuelle Unterschiede zwischen den Sortenbeschreibungen aufzudecken und zu diskutieren.

3. Einführung in die Clematis-Kultur

Die Waldrebe ist zumeist ein kletternder Strauch, in allen gemäßigten Zonen der Erde verbreitet. Sie gehört zu der Familie der Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse), die rund 50 Gattungen (BÄRTELS 1989, S.11) mit etwa 1750 Arten (ROTHMALER 2002, S.131) umfasst. Clematis trägt Ihre Blüten in blattachsel- oder endständigen Trugdolden und die Blüte wird durch normalerweise 4 bis 6 Kelchblätter (Tepalen) gebildet. Die Kronblätter fehlen. „Die Blüten besitzen zahlreiche Staubgefäße, die oft anders gefärbt sind als die Blütenblätter und damit wesentlich zum Reiz der Blüten beitragen.“ (BÄRTELS 1989, S.13) Die freien Fruchtblätter mit jeweils einer Samenanlage und einem Griffel, liegen in größeren Gruppen nebeneinander und bilden nach Abblüte durch Streckungswachstum der Griffel einen zumeist aparten fedrig-silbrigen Fruchtstand der teilweise bis in den Winter hinein als zierender Fruchtschmuck an den Pflanzen verbleibt.

Unter den Kletterpflanzen ist die Clematis den Klimmpflanzen, genauer den links windenden Blattkletterern mit Blattstielranken zuzuordnen.

Im Gegensatz zu den meisten Vertretern dieser Familie sind die Blätter dieser Gattung gegenständig angeordnet. Die Pflanzen tragen je nach Art und Sorte einfach oder doppelt unpaarig gefiederte Fiederblätter mit deren Blattstielen sie sich an Gerüsten, Masten anderen Sträuchern oder Bäumen empor klimmen.

„Alle Waldreben sind mehrjährige Pflanzen, entweder Stauden, Halbsträucher oder holzige Lianen.“ (BÄRTELS 1989, S.12)

Die Anfälligkeit der Clematis für Clematiswelke, die laut MENZEL (1988, S.137) hauptsächlich durch zwei Pilze Ascochyta clematidina und Coniothyriom clematidis-rectae hervorgerufen wird, ebenso wie für diverse andere pilzliche Schaderreger ist eines der Probleme in der Clematiskultur. Ebenfalls durch die beschränkte Verträglichkeit der Bodenreaktion dieser Pflanzenfamilie auf einen pH zwischen 5,5 bis 7,5 ist die Kultivierung der Clematis für den Hobbygärtner und Laien nicht ohne Komplikationen. Auch eine Beschattung des Wurzelbereiches z.B. durch Begleitbepflanzung oder andere Beschattungsmaßnahmen am Fuß der Pflanzen ist zum Schutz vor Austrocknung des Wurzelbereichs für eine erfolgreiche Kultivierung nahezu unabdingbar.

Clematis alpina, C. vitalba, C. viticella, C. montana, C. tangutica sowie C. texensis bilden die Gruppe der Wildarten aus der durch zahlreiche Einkreuzungen und Hybridisierungen ein beachtliches Sortiment an Arten und Sorten mit Wildcharakter sowie großblumige Hybriden hervorgegangen sind.

Es gibt eine Fülle von rund 230 (LAPPEN 2001, S. 104) bis 250 Wildarten (BÄRTELS 1989, S.17) und weit mehr Hybriden und Sorten, eine genaue Zahl der existierenden Vertreter ist schwerlich auszumachen. Im derzeitigen Baumschulsortiment sind bei LAPPEN (2001, S.104ff.)

15 bei LORBERG (2002/2003, S.70ff.) 30 verschiedene Arten, Sorten und Hybriden zu finden, des Weiteren gibt es Baumschulen mit speziellem Schwerpunkt auf der Clematiskultur, die ein weit größeres Spektrum bieten. Neben der in Deutschland beheimateten Alpen-Waldrebe Clematis alpina, und einigen wenigen anderen Sorten, die sowohl von Clematis montana,

C. viticella und C. tangutica angeboten werden, sind hauptsächlich Hybriden aus der Jackmanii- Gruppe, Lanuginosa- Gruppe, Patens- Gruppe und Viticella- Gruppe zu erhalten. Die bei weitem Bekannteste ist die Jackmanii- Gruppe aus der beliebte Hybriden wie z.B. die purpurrote C. ’Gipsy Queen’ (LAPPEN 2001, S.107), die dunkelviolettpurpurne C. ’Jackmanii’ ( LAPPEN 2001, S.107),die samtig purpurn blühende C. ’Lady Betty Balfour’ ( LAPPEN 2001, S.107), die magentarote C. ’Hernest Markham’ (LORBERG 2002/2003, S.70) als auch die rosa- hellviolette C. ’Hagley Hybrid ’(LORBERG 2002/2003, S.70) ihren Platz im Angebot finden. Das große Engagement einiger Züchter erweitert das Sortiment fortlaufend. Die Vielfalt der großblumigen Hybriden ist beachtlich, doch ein Züchtungserfolg mit gelbblütigen Vertretern konnte bisher nicht verzeichnet werden. So bleiben die leuchtend gelben Blüten vorerst exklusiv einigen Wildarten vorbehalten.

4. Material und Methode

Die zu dieser Arbeit gemachten Beobachtungen, dienen der Bewertung und Einschätzung für Verwendungseignung und Zierwert der behandelten Clematisarten und -sorten mit Wildcharakter für den Standort Zepernick bzw. klimatisch gleichwertiger Regionen. Ein Vergleich der im Rahmen dieser Arbeit erfassten Bonitierungsergebnisse mit den vorhandenen Empfehlungen aus dem derzeitigen Sortiment, bzw. den vorhandenen Sortenbeschreibungen aus Kultur ähnlicher Klimate wird angestrebt.

4.1 Standortbeschreibung Zepernick

Der Versuchsstandort Zepernick im Norden Berlins ist naturräumlich Bestandteil einer flachwelligen Grundmoränenlandschaft. Ausgangsmaterial für die Bodenbildung ist Geschiebesand über Geschiebemergel mit periglazialer Deckzone unterschiedlicher Mächtigkeit. Der Standort liegt 60,2 m über NN.

Die Hauptbodenform ist Sandtieflehm- Fahlerde (80%) und wird durchsetzt mit SandRosterde (20%). Der Versuchstandort hat eine mittlere Ackerzahl von 27. Durch die langjährige landwirtschaftlich-gärtnerische Nutzung hat sich ein 30 - 40 cm mächtiger schwach-humoser Ap-Horizont gebildet. Das Grundwasser steht bei einer Tiefe von 1,5m an. Während der Oberboden vorwiegend einen pH-Wert von 6.4 bis 6.1 aufweist, liegt der pHWert im unteren Bereich zwischen 4.8 und 5.5.

Das langjährige Mittel der Niederschläge liegt bei 565,9mm, die langjährige mittlere Temperatur bei 8,5 °C (1971-2000).

Der großklimatisch zum maritim beeinflussten Binnenland gehörende Standort weist aufgrund kleinklimatischer Besonderheiten bereits einen ausgeprägten kontinentalen Einfluss auf.

4.2 Klimabedingungen

Das betrachtete Sortiment war von Beginn der Pflanzung bis zum Zeitpunkt der Bonitierung einigen klimatischen Besonderheiten ausgesetzt. Der klimatisch kontinentale Einfluss wird bei genauerer klimatischer Betrachtung des Zeitraums von September 2005 bis August 2006 deutlich (siehe Abb.1). Beginnend mit der Betrachtung der monatlichen Mittel der Lufttemperatur in 2 m über dem Boden, gemessen am Versuchsstandort Zepernick, verglichen mit den langjährigen monatlichen Mittel der Lufttemperatur in 2 m über dem Boden vom nahe gelegenen Versuchsstandort Blumberg wird deutlich, dass das Sortiment zwischen Dezember 2005 und März 2006 bis zu 5 K tieferen Temperaturen ausgesetzt war als im langjährigen Mittel verzeichnet. Von April 2006 bis August 2006 lagen die monatlichen Mittel der Lufttemperatur in 2 m über dem Boden jedoch über denen des langjährigen Mittels und erreichten im Juli 2006 mittlere Differenzen von über 4 K.

Auch die monatliche Summe der Niederschläge von September 2005 bis August 2006 weist starke Differenzen mit der monatlichen Summe der Niederschläge im langjährigen Mittel auf. So lag die Summe der Niederschläge von September 2005 bis Januar 2006 deutlich unter der Summe der Niederschläge der langjährigen Mittel. Die stärksten Unterschreitungen dieser Zeitspanne konnten im November 2005 mit einer Differenz von rund 20 mm verzeichnet werden. Die Niederschläge im Februar und März 2006 hingegen überstiegen die des langjährigen Mittels um bis zu 37,2 mm. Von April bis Juli 2006 lagen sie wieder deutlich unter den Werten des langjährigen Mittels. Die stärkste Abweichung des ganzen verglichenen Zeitraums konnte im Juni 2006 mit 42,1 mm unter der Summe der Niederschläge des langjährigen Mittels für Juni gemessen werden.

Im August 2006 stieg die Summe der Niederschläge wieder leicht über die Summe der Niederschläge des langjährigen Mittels.

In dieser genaueren Betrachtung der Klimawerte für ein Jahr von September 2005 bis August 2006 wird deutlich, dass die Klimawerte des langjährigen Mittels für den Standort von den tatsächlichen Klimabedingungen stark abweichen. Das Sortiment war bis Januar 2006 einem sehr kalten und trockenen Winter, dann einem sehr feuchten und weiterhin kalten Frühjahrsbeginn und anschließend einem trockenen und warmen Frühsommer und Sommer ausgesetzt. Aufgrund dessen sind klimatisch bedingte Schäden nicht auszuschließen.

Abb.1: Klimavergleich Winter 2005/2006 mit dem langjährigen Mittel 1971-2000

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Vorgehensweise

Die Anzucht der Pflanzen erfolgte in der Baumschule Westphal (Prisdorf, Schleswig- Holstein). Die Lieferung der zweijährigen Pflanzen erfolgte im Januar 2005 in Containern mit 2 Litern Volumen. Die Pflanzen waren zurückgeschnitten und erreichten sortenabhängig eine Wuchshöhe von 40 bis 90 cm. Alle Pflanzen wurden Anfang 2005 am Standort Zepernick ins Freiland gepflanzt. Eine Bodenverbesserung erfolgte durch die Zugabe von Rindenhumus bei der Pflanzung. Eine regelmäßige Bewässerung über druckkompensierende CNL- Tropfer bzw. Supernet-Sprinkler der Firma NETAFIM am Rande des Rhododendren-Quartier, sowie Kletterhilfen wurde allen Pflanzen gewährleistet. Die Düngung erfolgte im Jahr der Beobachtung am 04.04.2006 mit dem Blaukorndünger „Triferdo“ , mit einer Zusammensetzung von N 12, P 12, K 17, Mg 2. Genaue Düngemengenangaben konnten nicht in Erfahrung gebracht werden.

Zu jeder der nachstehend aufgeführten Sorten (siehe Tab.1) wurden jeweils drei Pflanzen auf dem Versuchsgelände der Humboldt- Universität in Zepernick angepflanzt. Im Rahmen dieser Arbeit wurden alle Pflanzen mittels Bonitierung erstmals aufgenommen und photographisch erfasst.

Tab.1: Sortiment Arten und Sorten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bonitierung erfolgte durch Sichtung des Kulturbestandes und genauer Aufnahme der in der Bonitierung enthaltenen Merkmale (siehe Tab.2) durch die Autorin der Arbeit. Alle angegebenen Maße wurden mittels Schiebelehre oder Maßband ermittelt. Bei Größenangaben zu Blattlänge, Blütengröße und Knospenlänge wurden je Pflanze und Merkmal nach Möglichkeit zehn Werte gemessen und daraus das arithmetische Mittel gebildet. Die Farbbestimmung erfolgte mit Hilfe der genormten RHS-Farbtafel (Royal Horticultural Society).

Tab.2: Erfasste Merkmale und ihre Erfassungsverfahren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkungen Verbal

Vitalitätsbewertungen werden auf einer Skala von 0 bis 5 angegeben. Die Vitalitätsbewertungen erfolgten auf Basis optischer Sichtung anhand des nachfolgenden Boniturschlüssel (siehe Tab.3). Fünf Parameter, Wüchsigkeit, Schaderregerbefall, Zustand der Triebe, Zustand des Blattwerks und klimabedingte Schäden sind in Abstufungen in die Bewertung der Vitalität eingegangen. Mindestens zwei Parameter müssen in jeweiliger Form zum Erreichen der Vitalitätsstufe vorhanden sein.

Die Abstufung der Wüchsigkeit wird von ‚sehr gering’ bis ‚gut’ vorgenommen, wobei das Augenmerk auf die art- und sortenspezifische Entwicklung der Verzweigung, des Blattwerkes, der Wuchsform und des Triebwachstums gelegt wird.

Aufgetretene tierische Schaderreger waren Blattläuse und Ameisen. Das Auftreten pilzlicher Schaderreger war gering.

Die Schäden an Blattwerk und Trieben sind hinsichtlich der Häufigkeit und Schwere des Auftretens von ‚stark’ bis ‚nicht vorhanden’ mit in die Vitalitätsbewertung eingeflossen. Da die klimabedingten Schäden anhand einer einmaligen Bonitierung schwer einzuschätzen sind, sie aber nicht außer Acht gelassen werden sollten, basieren diese auf Einschätzungen. Als leichte klimabedingte Schäden werden leichte Blattschäden durch hohe Sonneneinstrahlung gewertet. Andere stärkere klimabedingte Schäden, durch Frost, lange Feuchteperioden, lange Trockenperioden oder Ähnliches werden angenommen.

Tab.3: Boniturschlüssel für die Bewertung Vitalität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle Bewertungen der Blütenfülle erfolgen auf einer Skala von 0 bis 9, dabei wird die Verteilung der Blüten, sowie die Relation von Blüten und Blattwerk miteinbezogen. Die Bewertung der Blütenfülle anhand des Boniturschlüssels (siehe Tab.4) bezieht sich auf den Zeitpunkt der Vollblüte.

Tab.4: Boniturschlüssel für die Bewertung der Blütenfülle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fehlende Angaben in der Bonitierung durch eventuelle Ausfälle aufgrund zeitlicher Lage außerhalb des Beobachtungszeitraums, mangelnder Vitalität oder nicht Erreichen des erforderlichen Entwicklungsstandes werden bei den entsprechenden Sorten bzw. Arten explizit vermerkt und in den von der Autorin erstellten Sortenbeschreibungen nicht durch eventuelle Informationen aus der vorhandenen Literatur ersetzt.

Im Folgenden sollen die einzelnen Sorten morphologisch und phänologisch beschrieben und vorgestellt werden, wobei der Fokus auf den durch die Bonitierung erhaltenen Angaben liegen soll.

Die Reihenfolge ist unwillkürlich und nach den Standorten auf dem Versuchsgelände gewählt und enthält keine Wertung.

Alle in den Sortenbeschreibungen aufgeführten Daten und Fakten können durch Einsicht in die sich im Anhang befindlichen Bonitierungstabellen überprüft werden. Ein Vergleich mit der in der Literatur vorkommenden Sortenbeschreibungen findet erst nach Deskription der beobachteten Pflanzen anhand der Bonitierungstabellen statt, um eine möglichst klare Trennung zwischen Literaturangaben und Beobachtungsergebnissen zu gewährleisten.

5. Zielstellung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, das in Veithöchsheim als besonders robust und für Hobbygärtner und Laien als Anfängerpflanzen zu empfehlende selektierte Sortiment einer Prüfung unter den kontinentalen Bedingungen Nord-Ost-Deutschlands zu unterziehen. Das angepflanzte Sortiment soll auf seine Verwendungseignung in besagtem Klima, sowie auf die dort entwickelte Zierwirkung untersucht werden. Eine Bonitierung des Sortiments wird hierbei als Grundlage zur morphologischen und phänologischen Beschreibung der auszuwertenden Clematis am Standort Zepernick verwendet. Darüber hinaus soll eine Einschätzung der Verwendungseignung und eine Bewertung der Zierwerte erfolgen. In einem nachfolgenden Literaturvergleich sollen für jede beobachtete Art oder Sorte Übereinstimmungen, Differenzen und Probleme genannt und diskutiert werden.

6. Sortenbeschreibungen

6.1 Clematis terniflora DC. var. mandshurica (RUPR.) OHWI (Rispenblütige Waldrebe)

Die Blüte dieser weiß- und kleinblütigen Sorte (White Group 155A) erstreckte sich von Mitte Juni ca. 4-6 Wochen bis Ende Juli, wobei die Vollblüte zwischen zweiter und dritter Blühwoche erreicht wurde. Ein einzelner, im Halbschatten liegender Trieb einer der drei beobachteten Pflanzen, hatte auch im August noch sehr vereinzelt Blüten. Dies war jedoch wahrscheinlich der beschatteten Lage geschuldet.

Die einfach unpaarig gefiederten Blätter erreichten eine durchschnittliche Länge von ca. 16,45 bis 18,5 cm. Die Blättchen waren ganzrandig.

Der jährliche Austrieb begann bei dieser Sorte aus der Basis. Alle beobachteten Pflanzen hatten mindestens drei neue, kräftige Bodentriebe, wobei maximal fünf neu gebildet wurden. Pro Pflanze wurden drei Sprosse gemessen. Von den insgesamt neun ausgewerteten Trieben waren sieben, also mehr als zwei Drittel, während der Blüte über 200 cm, ein einzelner über 250 cm lang.

Die Vitalität der beobachteten C. ternifolia DC. var. mandshurica (RUPR.) OHWI war durchweg gut. Es wurden Vitalitätsnoten von 4 bis 5 erreicht, wobei es bei zwei der drei Pflanzen vereinzelt zu Blattchlorosen kam.

Die Blütenknospen trugen nicht wesentlich zum Schmuckwert bei, da sie in ihrer ovalen Form und ihrer geringen Länge von ca. 1 cm sehr unauffällig waren.

Die Rispenblütige Waldrebe fiel insbesondere durch ihre enorme Blütenfülle, die mit einer Boniturnote von 9 bewertet werden konnte, und die ungleichmäßige Blütengestalt auf. Ein zierender Kontrast zwischen den schmückenden Kelchblättern und den Griffeln war nicht auszumachen.

Die 4 bis 5 kronblattähnlichen Hüllblätter waren teilweise verwachsen, nicht symmetrisch angeordnet und es konnte keine Gesetzmäßigkeit in ihrer Anordnung festgestellt werden. Die ca. 3 cm großen Blüten strömten einen leicht süßlichen honigähnlichen Duft aus. Der in der zweiten Juliwoche sich langsam auszubilden beginnende Fruchtschmuck blieb ohne besonderen Zierwert, da die Fruchtblätter pro Blüte nicht sehr zahlreich und sternförmig angeordnet waren (siehe Abb.2). Die grünlichen, leicht fedrigen und schwach geschwungenen Griffel blieben meist unter 2,5 cm.

Die Sprossstränge dieser krautigen Art wiesen eine ausgeprägte Kletterfreude auf und verliehen der Rispenblütigen Waldrebe einen dichten, bis 3 m hohen strauchigen Habitus.

Abb.2: Wuchsform, Blüte und Fruchtschmuck von

Clematis terniflora DC. var. mandshurica (RUPR.) OHWI (Zepernick 2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.2 Clematis serratifolia REHDER ’Golden Tiara’ (Koreanische - Waldrebe)

Die Knospen dieser Clematis saßen in fast runden, intensiv gelb gefärbten Glocken an langen Stielen. Vier symmetrische, weit gespreizte Tepalen bildeten nickende Blüten, die ihre purpurnen Staubgefäße dem Betrachter von unten zeigten (siehe Abb. 3). Bis zur Ausreife des Fruchtschmucks, der die silbrig bis anthrazit glänzenden, gestreckten Griffel zu runden Büscheln trugt, wies die Koreanische-Waldrebe eine ausdauernde Zierwirkung auf. Zusätzlich verströmten die gelb leuchtenden Blüten einen schwach süßlichen, leicht zitrusähnlichen Duft.

Die Blütenfülle bei den in Zepernick beobachteten Pflanzen lag mit 7 Punkten im oberen Drittel und wurde durch die oben beschriebene ausdauernde Zierqualität der Pflanzen unterstützt.

Mitte Juni begann die Blüte und reichte bis Ende August. Der Beobachtungszeitraum endete Anfang September und von einer Blüte bis weit in den September ist auszugehen. Die Vollblüte wurde in der ersten Juliwoche erreicht und der erste Fruchtschmuck schon Mitte bis Ende Juli ausgebildet.

Die Vitalität der Pflanzen erreichte einheitlich die Boniturnote 4 und war insgesamt mit gut zu bewerten. Blattchlorosen bis zu einer Höhe von 2 m traten bei allen beobachteten Pflanzen auf. Ein leichter Blattlaus- und Ameisenbefall verursachte jedoch keine starken Vitalitätseinbußen. Die Knospen waren mit ihrer Länge von rund 1,5 cm recht auffällig und wurden durch das leuchtende Gelb (Yellow-Orange Group 14A) der Hüllblätter in ihrer Wirkung unterstützt. Die Griffellängen des Fruchtschmuckes lagen um 3 cm und bildeten in Kombination mit ihrer geschwungenen Form ansehnliche, wattebauschähnliche Fruchtstände mit hübscher Zierwirkung.

Die in Bodennähe verzweigten, schon verholzten Sprossstränge trieben wieder neu aus. Ein Rückschnitt wäre vermutlich empfehlenswert, da der Neuaustrieb zwischen 35 cm und 60 cm über dem Boden lag und die Belaubung noch höher ansetzte (siehe Abb. 3). Die starkwüchsige Art wies bei den beobachteten Pflanzen Trieblängen der neuen Bodentriebe zwischen 134 cm und >250 cm auf. Die Blattgröße zwischen im Mittel 17,5 cm und 21,5 cm wirkte durch die doppelte Fiederung, sowie Zähnung der Blätter filigran und der Blütengröße von ca. 5,5 cm angemessen.

Insgesamt eine schöne wüchsige Sorte mit ausladendem Habitus und starker Kletterneigung, die auf Schädlingsbefall nur mit geringen Vitalitätseinbußen reagierte.

Abb.3: Habitus 0 - ca. 2,5 m, Habitus >2,5 m und Blüte von Clematis serratifolia REHDER ’Golden Tiara’

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.3 Clematis- Hybride ‚Paul Farges’ (Waldrebe)

Diese mit Clematis vitalba artverwandte weiß- und kleinblütige Sorte trieb sowohl neu aus dem Wurzelstock als auch aus altem Holz wieder aus.

Alle Sprossstränge konnten mit Vitalitätsnoten von 5 bewertet werden. Die reich blühenden Pflanzen erreichten hinsichtlich ihrer Blütenfülle Boniturnoten von 6 bis 7. Die Längen der Austriebe lagen ohne Ausnahmen über 2 m.

Die runden bis ovalen Blütenknospen waren mit einer Länge von 1 cm bis 1,2 cm und einer Breite von unter 1 cm klein und unauffällig, jedoch durch Ihre mehlige Behaarung bei genauer Betrachtung durchaus schmückend.

Die mit Durchschnittlich 3,7 cm bis 4 cm großen Blüten, öffneten sich von Mitte Juni bis Ende August, wobei die Vollblüte etwa Mitte Juli erreicht wurde. Die Blüten wurden von 5 bis 6 weit öffnenden kronblattähnlichen Hüllblättern der Farbe White Group 155B gebildet, die nur einen ganz schwachen Duft während der Vollblüte verströmten. Ein auffälliger Kontrast zwischen den Tepalen und den Staubgefäßen ist nicht aufgetreten. Der Fruchtschmuck bildete sich erst langsam mit der Abblüte aus (siehe Abb. 4). Das Streckungswachstum der Griffel vollzog sich in den letzten beiden Juliwochen vorerst zögerlich. Die gestreckten Griffel wurden ca. 1,4 cm lang, blieben meistenteils gerade und bildeten an der Spitze einen Haken.

Die Anzahl der vitalen Triebe pro Pflanze lag mit 5 bis 6 über der durchschnittlichen Triebanzahl aller beobachteten Clematispflanzen.

Die Heterogenität der Kelchblattanzahl wiederholte sich in der Fiederung der Blätter. Das erste der drei Blättchenpaare war gefiedert. Das zweite Blättchenpaar war leicht gelappt, teilweise auch abermals gefiedert. Das Dritte war ungefiedert, ebenso wie das endständige Einzelblatt. Die Blättchen waren alle gesägt. Die Blattgröße lag im Schnitt zwischen 20 cm und 25 cm.

Abb. 4: Blüten, Habitus und Fruchtschmuck von Cleamtis- Hybride ‚Paul Farges’

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.4 Clematis x eriostemon DECN. ’Hendersonii’ (Hybrid-Waldrebe)

Diese violett blühende Hybrid-Waldrebe (Violett Group 93 B) gehört zu den krautigen Vertretern der Waldreben ohne überirdische Überdauerungsorgane. Sie wies pro Pflanze fünf neue Bodentriebe mit Wachstumshöhen zwischen 178 cm und 244 cm auf. Die Vitalität der Pflanzen war durchweg sehr gut und mit Vitalitätsnoten von 5 anzugeben. Ende August trat jedoch bei einer der Pflanze die Clematiswelke auf. Bis auf einen waren alle Triebe abgestorben ohne dabei die Vegetationsperiode abzuschließen. Die anderen Vertreter dieser Sorte wiesen keine ähnlichen Symptome auf.

Die Wuchsform der Stauden war durch die geringe Kletterneigung buschig und mit etwa 180 cm mannshoch.

Die reichblühenden Triebe neigten unter ihrer Blütenlast etwas zu Boden.

Die siebenzähligen Fiederblätter waren bis auf das gefiederte endständige Blättchen ganzrandig und teilweise gelappt. Die durchschnittliche Gesamtlänge der Fiederblätter lag zwischen 16, 5 cm und knapp 21 cm.

Die Knospenlängen waren mit durchschnittlich 1,7 cm bis 2,04 cm recht groß und durch ihre lanzettlich-spitz zulaufende Form und violett glänzende Färbung sehr auffällig. Die Tepalen waren nicht ganz öffnend, wodurch das glockige Erscheinungsbild der Blüte unterstützt wurde. Sie standen nickend an langen Blütenstielen.

Die spitz zulaufenden Kelchblätter zeigten bei Öffnung der Blüten drei stark ausgeprägte glänzende Mittelrippen (siehe Abb. 5). Die Blattränder waren matt und locker auslaufend. Durch die glockige Blütenform waren die hellen Staubblätter, die einen Kontrast zu den violetten Hüllblättern bildeten kaum sichtbar.

Einen spezifischen Duft konnte diese Hybrid-Waldrebe nicht aufweisen.

Die Blüte begann in der zweiten Junihälfte. Etwa vier Wochen später wurde die Vollblüte erreicht. Die Ausbildung des Fruchtschmucks begann direkt anschließend an die Abblüte der ersten Blüten und setzte daher kurz nach der Vollblüte vereinzelt ein. Das Blühende dieser Sorte befand sich zwischen Mitte und Ende August. Der sich dann ausbildende Fruchtschmuck war sehr klein. Die kaum geschwungenen Griffel erreichten Längen um ca. 1,5 cm waren am Grund silbrig und zur Spitze hin purpurn gefärbt.

Bei Berührung lösten die Nüsschen sich sehr leicht vom Blütenboden und fielen ab.

Die Blütenfülle dieser Sorte lag im oberen Drittel mit Boniturnoten zwischen 7 und 8, wobei es kleinere Unterschiede zwischen den beobachteten Pflanzen gab (siehe Boniturblatt im Anhang).

Die geringe Öffnungsweite der Blütenblätter begründete den doch eher geringen Blütendurchmesser trotz relativ großer Tepalen. Aufgrund der Tepalenlänge, die mit der Knospenlänge vergleichbar war, und des Blütendurchmessers zwischen 3,8 cm und 4,3 cm waren die Blüten dieser Sorte schon recht groß und durch ihre intensive Färbung sehr auffällig.

Abb.5: Habitus und Blüten von Clematis x eriostemon DECN. ’Hendersonii’

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.5 Clematis viticella L. ’Royal Velours’ (Italienische Waldrebe)

Mit Ende des Junis begann auch diese Clematis zu blühen.

Angaben zur Blüte konnten jedoch nur auf Grundlage der Blüten einer der drei Pflanzen gemacht werden, da die Überschneidung des Blühzeitraumes mit dem Beobachtungszeitraum nicht optimal war. Die anderen Pflanzen waren mit Beginn des Beobachtungszeitraums schon verblüht.

Außen wie bemehlt, innen blaß violett (Purple Group 79A) zeigten sich die wenigen Blüten dieser Sorte, deren Blütenfülle nur mit der Boniturnote 1 einzustufen war. Aber nicht nur die Blütenfülle, sondern auch die Vitalität der Pflanzen litt am beobachteten Standort unter einigen Einbußen. Die Pflanzen hatten jeweils nur zwei und einmal drei verholzte Triebe, bei denen der Neuaustrieb Längen zwischen 68 cm und 199 cm erlangte. Von Blattlaus- und Ameisenbefall noch dazu geschwächt, erreichten die Pflanzen nur eine Vitalitätsstufe von 2.

Die Blütenknospen dieser Sorte waren lanzettlich-spitz zulaufend und stark gerippt. Alle beobachteten Knospen waren unter 1,5 cm lang.

Bei Öffnung der Blüten zeigten die Tepalen eine herzähnliche Form, die an der Basis breit begann, um sich zur Spitze stark zu verjüngen (siehe Abb. 6). Die messbaren

Blütendurchmesser bewegten sich zwischen 3,9 cm und 4,6 cm. Die am Grund weißlichen, zur Spitze violett gefärbten Griffel steigerten den Zierwert der Blüten.

Ein Duft der Blüten blieb zu vermissen.

Die teilweise doppelt gefiederten Blätter wiesen eine doppelte Fiederung am ersten und am zweiten Blättchenpaar auf, letzteres mit einseitiger Verwachsung. Am endständigen Einzelblatt trat keine weitere Fiederung auf.

Die Ausbildung des Fruchtschmucks setzte mit Beginn der zweiten Juliwoche ein. Abgesehen von den vereinzelt stark geschwollenen Nüsschen blieb der Fruchtschmuck, mit Griffellängen zwischen 0,81 cm und 1,14 cm und seiner grünen Färbung unauffällig.

Abb. 6 : Habitus und Blüte von Clematis viticella L. ’Royal Velours’

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.6 Clematis viticella L. ’Polish Spirit’ (Italienische Waldrebe)

Der Blühbeginn von Clematis viticella L. ’Polish Spirit’ erstreckte sich von Ende Juni bis Anfang Juli.

Die vier bis sechs Tepalen waren lanzettlich-spitz zulaufend, violett und wie bemehlt.

Beim langsamen Öffnen der Blüten waren die Hüllblätter zu Schiffchen gefaltet.

Die Knospenlänge betrug rund 1 cm bei den noch vorhandenen Knospen. Zwischen knapp 4 cm und 5,4 cm lag die mittlere Größe der violetten Blüten (Purple Group 79 B).

Zum Zierwert der Blüten trugen die am Grund hell gefärbten, an der Spitze ebenfalls violetten Staubblätter bei. Auch das lockere Auslaufen der Hüllblätter und deren hellere Nervatur trugen zum Schmuckwert der Blüten bei. Ein Blütenduft war nicht vorhanden. Die Blüten standen vertikal und nicht nickend an den Stielen. Die Vollblüte wurde kurz vor Mitte Juli erreicht.

Der einfache Fruchtschmuck wurde von zahlreichen Fruchtblättern gebildet, deren grün gefärbte Griffel Längen bis ca. 1,2 cm erreichten.

Die Trieblängen des Neuaustriebes aus dem alten Holz lagen zwischen 100 cm und 199 cm. Unter teilweisem Ameisen- und Blattlausbefall erlitt die Vitalität der Pflanzen mittlere Einbußen und konnte durchweg nur mit Boniturnoten von 3 bewertet werden. Der Austrieb aus dem alten Holz war tief ansetzend.

Nur bei einer der drei beobachteten Pflanzen dieser Sorte wurde ein neuer Bodentrieb gebildet. Alle Fiederblätter waren einfach gefiedert und ganzrandig. Nur das erste Fiederblattpaar war teilweise gelappt.

Der Habitus der beobachteten Pflanzen war als schlank und lang gestreckt mit geringer Verzweigungsneigung zu beschreiben (siehe Abb. 7).

Die Blütenfülle dieser Sorte lag mit einer Boniturnote von 5 im mittleren Bereich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: Habitus, Fruchtschmuck und Blüte von Clematis viticella L. ’Polish Spirit’

6.7 Clematis viticella L. (Italienische Waldrebe)

Diese Clematisart war auf Grundlage der Bonitierung schwierig zu beschreiben. Die geringe Vitalität der in Zepernick angepflanzten Vertreter ließ einige Beobachtungen nicht zu. Eine der Pflanzen hat während des Beobachtungszeitraums die Blüte nicht erreicht und war durch Blattlausbefall, Nekrosen und Chlorosen stark geschwächt.

Die anderen beiden Pflanzen sind zwar bis zur Blüte gelangt, aber auch dort war die Vitalität stark eingeschränkt.

Vier seitlich nach außen gebogene Tepalen bildeten die leicht glockigen ca. 2,8 cm großen Blüten (siehe Abb. 8). Die dunkelviolette Blütenfarbe (Violett Group 83B) war bei den beiden blühenden Exemplaren zu unterschiedlichen Zeiten zu beobachten. Eine der Pflanzen begann

Ihre Blüte Anfang Juli, die andere fing erst Mitte Juli an zu blühen. Die Blütenfülle war bei beiden blühenden Vertretern nur mit der Boniturnote 1 zu bewerten. Entsprechend des unterschiedlichen Blühbeginns war auch die Vollblüte beider zur Blüte gelangter Pflanzen sehr unterschiedlich und wurde durch die geringe Blütenanzahl sehr schnell, etwa fünf Tage nach Einsetzen der Blüte, erreicht.

Ein Duft der Blüten trat nicht auf.

Die Blätter dieser Art waren teilweise doppelt gefiedert. Das erste Blättchenpaar war doppelt gefiedert und das Zweite blieb ungefiedert. Das endständige Einzelblatt war wiederum doppelt gefiedert. Alle Blättchen waren ganzrandig.

Die durchschnittliche Blattgröße bewegte sich zwischen 9 cm und 10 cm.

Die Trieblängen der Neuaustriebe aus dem alten Holz lagen zwischen 72 cm und 214 cm. Wobei zu erwähnen ist, dass nur bei einer der Pflanzen die Trieblängen aller Neuaustriebe über 100 cm lagen. Dieselbe Pflanze war auch diejenige die als einzige einen neuen Bodentrieb bildete.

Allen Pflanzen wiesen ein Blattlaus- und Ameisenbefall auf.

Zu den Blütenknospen konnten nur zu einer Pflanze Angaben gemacht werden. Die Knospenform war lanzettlich-spitz zulaufend, die Färbung war dunkelviolett und die Größe der Knospen bewegte sich zwischen 1 cm und 1,4 cm.

Der Fruchtschmuck blieb mit Griffellängen von ca. 0,8 cm unauffällig und grün. Nur vereinzelt war eine starke Ausbildung der Nüsschen zu beobachten, die seitlich leicht rot gefärbt waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8: Knospen, Blüte und Spross mit Blüten von Clematis viticella L.

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Details

Seiten
91
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638617048
Dateigröße
15.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70763
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Gartenbauwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Verwendungseignung Zierwert Clematisarten Wildcharakter Clematis terniflora var. mandshurica Clematis serratifolia 'Golden Tiara' Clematis- Hybride 'Paul Farges' Clematis x eriostemon 'Hendersonii' Clematis viticella L. 'Royal Velours' Clematis viticella L. 'Polish Spirit'

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Titel: Verwendungseignung und Zierwert von Clematisarten und -sorten mit Wildcharakter