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Vergleich christlicher und nichtreligiöser Partnerschaften - Eine Fragebogenstudie

Diplomarbeit 2004 110 Seiten

Psychologie - Religionspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Partnerschaft heute
2.1 Der Scheidungstrend - Erklärungsansätze
2.2 Theoretische und empirische Ansätze zur Partnerschaft
2.2.1 Sternbergs trianguläres Modell der Liebe
2.2.2 Die gelungene Gestaltung von Partnerschaften
2.2.3 Zusammenfassung
2.3 Soziale Unterstützung

3 Die an der Untersuchung beteiligten Gruppen
3.1 Die Nichtreligiösen
3.1.1 Allgemeines
3.1.2 Ehe und Partnerschaft
3.2 Die Christen
3.2.1 Allgemeines
3.2.2 Ehe und Partnerschaft
3.3 Das Unterstützungsnetzwerk der beiden Gruppen

4 Hypothesen und Fragestellungen

5 Methode der Untersuchung
5.1 Vorüberlegungen zur Wahl der Forschungsmethode
5.2 Die Rekrutierung der Versuchspersonen
5.3 Der Fragebogen

6 Auswertung

7 Ergebnisse
7.1 Soziodemographische Angaben
7.2 Hypothesenkomplex 1 (abhängige Variable: „Partnerschaftszufriedenheit“)
7.3 Hypothesenkomplex 2 (abhängige Variable: „Soziale Unterstützung“)
7.4 Hypothesenkomplex 3 (abhängige Variable: „Einstellungsskala“)

8 Diskussion und Interpretation der Ergebnisse

9 Zusammenfassung

10 Anhang

1 Einleitung

Die gesellschaftliche Einstellung zu Partnerschaft und Ehe hat sich in den letzten 30 Jahren stark geändert. Das derzeitig bestehende Modell für die Ehe, in welche die meisten subjektiv glücklichen Partnerschaften auch heute noch münden, setzte das Christentum in unserer westlichen Welt im 12. Jh. durch (Thatcher, 1999). Die zu damaliger Zeit damit verknüpften Gebote von Unauflöslichkeit und Monogamie verlieren allerdings jüngst immer mehr an Bedeutung. Dieser Trend setzt sich fort, obwohl wissenschaftliche Untersuchungen die negativen Auswirkungen von Scheidungen auf die psychische und körperliche Gesundheit für die Betreffenden und ihrem nahen verwandtschaftlichen Umfeld belegen (Bochmann, 2004) und zur Lösung von Partnerschafts- bzw. Eheproblemen zahlreiche Ratgeber und Hilfen theoretischer und praktischer Art zur Verfügung stehen (z.B. hatte amazon.de am 07.12.04 allein 1495 Partnerschaftsratgeber im Verkaufsangebot).

Diese Entwicklung ist nicht nur für Einzelpersonen von Interesse, sie hat ebenso höchste gesellschaftspolitische Bedeutung. Die Leistungen, die im Rahmen familiärer Beziehungen erbracht werden, sind ebenso unverzichtbar für alle anderen Gesellschaftsbereiche (Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, 1995). Begründen die einen die Ursachen dieser Entwicklung z.B. durch die Individualisierungsthese (Beck & Beck-Gernsheim, 2000), sehen andere eine Überlastung der Institution Ehe bzw. Überforderung der Paarbeziehung u.a. durch die strukturelle Rücksichtslosigkeit anderer Gesellschaftsbereiche, wie z.B. Wirtschaft und Staat (Kaufmann, 1990). Auf die Gefahr von Stress und seine Auswirkungen auf Partnerschaften verweisen auch psychologische Studien (z.B. Bodenmann & Cina, 2003).

Betont werden vom Bundesministerium außerdem die Bedeutung kultureller Identität von Familien und die Vermittlung bestimmter Wertvorstellungen durch die Gesellschaft, die die Verhaltensweisen zwischen Mann und Frau bestimmen. Hier wird u.a. auch auf die Verantwortung der Kirche hingewiesen (Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, 1995, S.XXXIV). Dabei bleibt offen, ob diese dem Trend wirklich etwas entgegenzusetzen hat. Dass Konfessionszugehörigkeit tatsächlich scheidungshemmend wirkt ist nachgewiesen (vgl. z.B. Diefenbach, 2000; Hartmann, 2003). Aber sind die Menschen deswegen auch zufriedener in ihren Ehen bzw. Partnerschaften?

Die vorliegende Arbeit basiert darauf, dass in jeder Ehe und Partnerschaft Belastungen, Konflikte und Spannungen auftreten. Diese werden jedoch je nach Erfahrung, Überzeugungen und Werten sowie mit Hilfe sozialer Unterstützung verschieden gelöst und beeinflussen die Partnerschaftszufriedenheit dadurch in unterschiedlich starkem Maße. Diese Arbeit beschäftigt sich mit bekennenden christlich bzw. nichtreligiös orientierten Menschen und ihren Partnerschaften, mit dem Ziel, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in verschiedenen Aspekten von Partnerschaft aufzuzeigen. Es wird den Fragen nachgegangen, wie die Partnerschaftszufriedenheit verteilt ist, welche Auswirkung dabei die Unterstützung durch das nahe soziale Umfeld auf die Partnerschaftszufriedenheit haben kann und welche Vorstellungen in den einzelnen Gruppen in Partnerschaftsfragen vertreten werden.

Aufgrund bereits existierender Forschungsarbeiten ist anzunehmen, dass es Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen und auch innerhalb der christlichen Gruppe je nach Stärke der Bindung an christliche Glaubensgemeinschaften bzw. nach Ausmaß der christlichen Orientierung gibt. Allerdings dürften diese nicht zu stark ausfallen bzw. sollte es auch viele Gemeinsamkeiten geben, da christlich orientierten Menschen der heutigen Zeit keine komplett von den allgemeingesellschaftlichen Einflüssen isolierte Gruppe darstellen und zum anderen nichtreligiös orientierte Menschen unserer Gesellschaft noch maßgeblich durch das christliche Kulturerbe mitgeprägt sind.

Im theoretischen Teil werde ich die Entwicklung heutiger Partnerschaften bzw. Ehen und deren Interpretationen genauer analysieren, im Folgenden die psychologischen Befunde zur Gestaltung gelungener Partnerschaften vorstellen, um dann näher auf die Gruppen der Nichtreligiösen und Christen einzugehen.

2 Partnerschaft heute

2.1 Der Scheidungstrend - Erklärungsansätze

Verfolgt man in den Medien jüngste Forschungsergebnisse, Umfragen und Berichte, entsteht leicht ein düsteres Bild, was das Glück und den Erfolg heutiger Partnerschaften angeht. Die derzeitige Scheidungsrate liegt bei ca. 50% - Tendenz steigend (Bochmann, 2004). Wie die Zahlen der Ehescheidungen ansteigen, nimmt proportional ebenso die Anzahl unehelicher Lebensgemeinschaften bzw. gemeinsam geführter Haushalte immer mehr zu (siehe Tabelle 1). Im Jahr 2003 wurden sogar schon 214 000 Ehescheidungen registriert (Graupner, 2004). Der Trend ist eindeutig: es ist immer schwerer eine dauerhafte, erfolgreiche Ehe zu führen, nichteheliche Lebensgemeinschaften und das Single-Dasein werden zunehmend als alternative Lebensform akzeptiert.

Tab. 1: Veröffentlichungen des statistischen Bundesamtes (2003)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sozialwissenschaftler sind sogar der Auffassung, das traditionelle Bild von Ehe und Familie für die nahe Zukunft als allgemeines Modell nicht mehr standhalten wird (Willi 2002). Selbst in kirchlichen Kreisen mehren sich kritische Stimmen gegen das Dogma „Ehe“ (Czell, 1995), denn auch hier scheint die Tendenz nicht anders zu liegen: „Die Scheidungsrate in der Gemeinde scheint sich der Scheidungsrate in der Gesamtbevölkerung immer mehr anzugleichen.“ (Bochmann & Treek, 2000, S.25). 1

Als subjektive Gründe für Scheidungen werden nach Bodenmann & Cina (2003) Unzufriedenheit mit dem Partner, Kommunikationsschwierigkeiten, sexuelle Probleme, außereheliche Beziehungen, geringe emotionale Bindungen an den Partner sowie Gewalt, Alkohol und Drogenmissbrauch angegeben. Doch das sagt noch wenig darüber aus, wie es im Einzelnen dazu kommt.

Es gibt eine Vielzahl psychologischer, soziologischer und ökonomischer Theorieansätze, die sich mit Scheidungsursachen auseinandersetzen. Die Modernisierungstheorie geht von einem Funktionswandel der Familie aus. Der moderne Mensch löst sich aus der traditionellen Familie, die lange Zeit Grundlage von Stabilität und Identität waren. Dies beinhaltet die Chance, aber auch die Herausforderung einer freien und eigenverantwortlichen Lebensgestaltung, deren Dynamik allerdings auf eine personenbezogene Stabilität zusteuert. Das Bedürfnis, dem Leben Sinn und Verankerung zu geben, sowie die eigene Identität auszubilden, wird auf die Zweierbeziehung gerichtet (Beck & Beck-Gernsheim, 2000, S.71). Dies bewirkt eine affektiv-emotionale Überfrachtung dieser Institution und belastet die Partnerschaft aufgrund der hohen Erwartung, dass sie glücklich machen und die Entwicklung des Individuums unterstützen muss. Gefördert wird diese Idealisierung der Partnerschaft auch durch das Bild, das die Medien davon zeichnen. Auf die Gefahr falscher Vorstellungen von Partnerschaft verweisen einige Autoren und sehen hier einen bedeutenden Grund für das Scheitern von Beziehungen (z.B. Gottman & Silver, 2002; Hybels, 1997; Prince, 1993; Sternberg, 1998b; Thurman, 1998)

Im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung verändert sich auch die weibliche Normalbiografie, ausgelöst durch die ökonomische Unabhängigkeit der Frau. Dies stellt ebenfalls eine Herausforderung für die Partnerschaft dar, da es die Notwendigkeit hervorruft, zwei (Berufs-) Biografien aufeinander abzustimmen und somit das Konfliktpotential und die Gefahr einer Destabilisierung von Ehe und Familie erhöht (Beck & Beck-Gernsheim, 2000).

Möller (2002) ist der Meinung, dass es den Paaren in der modernen Gesellschaft an Zeit für sich selbst und damit zur Kommunikation fehlt. Er sieht drei Bereiche, die sich durch das rasante Tempo der „psychosozialen Beschleunigung“ stark verändern und ihren Einfluss auf die heutige Partnerschaftsgestaltung geltend machen:

Die wirtschaftliche Entwicklung, die immer mehr Leistung vom Arbeitnehmer einfordert und Leben (und Lieben) als Privatsache deklariert,

die Massenmedienkultur, die Beziehungslosigkeit forciert, weil man nicht mit den Medien kommunizieren kann und zudem die Kommunikation untereinander blockiert sowie

der fundamentale Wandel seelischer Entwicklungsbedingungen, bei dem es einen Trend zum „Narzissmus“ gibt, hervorgerufen durch die überlastete Mutter in einer vaterlosen Gesellschaft. Möller (2002) sieht einen Wechsel von den neurotischen zu den narzisstischen Störungen seit dem letzten Weltkrieg, welche durch eine Uneinfühlbarkeit (Einfühlung sieht er als Eigenschaft der Beziehung, nicht der Person) bedingt ist sowie durch einen rapiden Beziehungsverlust der ersten Kindheitsjahre: „Kleinstfamilie, Vaterentzug, Geschwisterlosigkeit“. Die überforderte, selbst an Beziehungsarmut leidende und enttäuschte Mutter wird später bei jedem intensiveren Paarleben als sogenannte negative Mutter wechselseitig übertragen. Diese Aktualisierung ist kaum vermeidbar und macht die Beziehung unwirtlich und beschwerlich. Auch sie lässt die Zweierkommunikation veröden.

Diese theoretischen Positionen spiegeln auch Teile der diskutierten und zumindest für Westdeutschland nachgewiesenen intergenerationalen Transmissionshypothese wieder (Diefenbach, 2000), bei der davon ausgegangen wird, dass das Ehescheidungsrisiko im Sinne einer „intergenerationalen Vererbung“ von den Eltern auf die Kinder übertragen wird. Die bisher besonders im anglo-amerikanischen Sprachraum ermittelten Erklärungen zur Scheidungstransmission beinhalten folgende Faktoren:

soziales Lernen sowie Lernen am Modell,

größere Bereitschaft zur Ehescheidung,

ökonomische Deprivation infolge elterlicher Scheidung,

unzureichende soziale Kontrolle infolge elterlicher Scheidung,

schwächere Bindung an bzw. geringere Investitionen in die Ehe,

Selektivität durch spezifische Subkulturen, Persönlichkeitsmerkmale oder genetische Vererbung,

Stress infolge kritischer Lebensereignisse.

Diefenbach (2000) prüfte diese Erklärungen für den deutschen Raum und kam zu dem Ergebnis, dass sie unabhängig voneinander zu betrachten sind, also in keinem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Außerdem greifen sie teilweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben eines Kindes und können sich kumulativ ergänzen.

Gesellschaftskritisch äußert sich Czell (1995), der Strukturen, Interessen und Bedingungen unserer Gesellschaft, die das Zusammenleben von Paaren und Familien negativ beeinflussen oder sogar unmöglich machen, als Ursachen benennt. Hierzu zählen für ihn bspw.:

Mangel an angemessenen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen,

Mangel an angemessenen Verbindungswegen zwischen Lebens- und Wohnraum sowie Kindertagesstätten, Schulen, Arbeitsplätzen,

Mangel an ausreichenden Plätzen in Kindertagesstätten sowie

Mangel an mütter- und väterfreundlichen Arbeitszeiten und Organisationsformen.

„Und hierzu gehören ganz offensichtlich die zentralen Werte einer durch und durch ökonomisierten Gesellschaft: Konsum, Wechsel, Verbrauchen, Wegwerfen.“ (Cell, 1995, S.339)

Offensichtlich sind viele Menschen mit Stresssituationen aus dem Umfeld konfrontiert, die sich auch auf die Partnerschaft übertragen. Bodenmann & Cina (2003) schlussfolgern aus ihren Studien, dass eine gute Kommunikation unter Stress zusammenbricht. „Gestresste Partner reagieren zurückweisender, ein Austausch findet immer seltener statt, die Interaktionen sind oft geprägt durch Gehässigkeit, Genervtheit, Ungeduld, Abwertung, Kritik, Vorwürfe und längerfristig durch Rückzug.“(Bodenmann & Cina, 2003, S.25). Scheidungspaare sind seiner Meinung nach darin überfordert, offen miteinander zu kommunizieren, kompetent Probleme zu lösen und mit Stresssituationen umzugehen.

Zusammenfassend ist zu sagen: Keiner dieser Faktoren wirkt allein oder ist ein ausreichendes Kriterium. Die derzeitige Entwicklung ist als multikausal anzusehen, was obige Erläuterungen verdeutlichen und die Geschichtswissenschaft bestätigt (vgl. Weber-Kellermann, 1981): Die Gestaltung von Partnerschaften steht in starker Abhängigkeit zum jeweiligen familiären, kulturellen und moralischen Umfeld sowie den individuellen Persönlichkeiten. Die obigen Ausführungen lassen erkennen: Die heutigen Bedingungen stellen eine relativ große Belastung für Ehe und Partnerschaft dar.

2.2 Theoretische und empirische Ansätze zur Partnerschaft

Die Feststellung, dass immer mehr Paare so unzufrieden miteinander sind, dass ihre Verbindung nicht für eine lebenslange Gemeinschaft geeignet scheint (s.o.), hat in den letzten Jahren viele Therapeuten und Wissenschaftler bemüht, sich mit der Funktionalität von Partnerschaft auseinander zu setzen. In diesem Abschnitt sollen ihre Erfahrungs- und Forschungsergebnisse zur Beantwortung von Fragen zur Interaktion der Partner aufgezeigt werden. Welche Bedingungen beeinflussen die Partnerschaft positiv bzw. negativ? Was lässt eine Partnerschaft gelingen?

2.2.1Sternbergs trianguläres Modell der Liebe

Allgemein wird auch heute die Liebe als Grundmotiv für Partnerschaften angegeben. Deswegen soll zum besseren Verständnis in diesem Kapitel auf dieses Konstrukt näher eingegangen werden, denn das Wort „Liebe“ ist heutzutage bei der Allgemeinheit ziemlich verschlissen. Über die Liebe wird „...entweder gespottet, oder sie wird in strahlendem, kitschigem Glanz dargestellt.“ (Lauster, 2001, S.60). Über ihre psychologischen Hintergründe erfährt der „Laie“ so gut wie nichts. Auf die Frage, warum dieses Wort trotzdem so oft in aller Munde ist, antwortet Jaeggi: „...weil in unserer Zeit nichts wichtiger ist als die Liebe, weil Liebe unser Leben so sehr bestimmt wie nie zuvor – und zwar Liebe in jeder Form, auch in solcher, die normalerweise nicht „Liebe“ genannt wird.“ (Jaeggi, 1999, S.1).

Es gibt eine Reihe empirischer Untersuchungen, bei denen geeignete Messinstrumente zur Überprüfung der theoretischen Konzepte der Liebe entwickelt und eingesetzt wurden (vgl. Übersicht bei Bierhoff & Grau, 1999). Aus der Fülle des Materials möchte ich mich im Rahmen dieser Arbeit auf das trianguläre Modell der Liebe von Sternberg (1986, 1998a) beschränken, da sein Konzept umfangreichen, auch neueren Überprüfungen standgehalten hat (vgl. Übersicht Freudenfeld, 2002).

Intimität

Leidenschaft Entscheidung/

Verbindlichkeit

Abb. 1: Das Dreieck der Liebe nach Sternberg (1998a)

In der psychologischen Forschung geht man mehrheitlich von einem vielschichtigen Konstrukt der Liebe aus. Sie findet ihren Niederschlag in Einstellungen, Gefühlen und Verhaltensweisen einer Person gegenüber einer anderen und wird von jedem Menschen, zu jeder (Ziel-) Person und in verschiedenen Situationen (auch vom Beziehungszeitpunkt bzw. der -dauer abhängig) anders erlebt. Dabei liegen diese Unterschiede im Erleben in qualitativer und ebenso quantitativer Form vor. Nach Sternbergs 1986 erstmalig veröffentlichter Theorie unterteilt er drei Komponenten der Liebe (Sternberg, 1998a), die er in einem Dreieck darstellt, wobei jede Ecke eine Komponente abbildet: Intimität, Leidenschaft und Verbindlichkeit (siehe Abbildung.1).

Die emotionale Komponente der Liebe umfasst die Gefühle, die in einer Liebesbeziehung zu dem Erleben von Nähe, Vertrautheit und Zusammengehörigkeit führen. Sternberg fasst sie unter den Begriff der Intimität. Faktorenanalytische Untersuchungen von Sternberg & Grajek (1984) ergaben zehn Merkmale von Intimität (Sternberg, 1998a):

(1) den Wunsch, zur Förderung des Wohlergehens der geliebten Person
(2) in der Gegenwart des Partners glücklich sein
(3) den geliebten Menschen hoch zu achten
(4) Verlässlichkeit, wenn man den Partner braucht,
(5) gegenseitiges Verständnis
(6) sich selbst und seinen Besitz mit dem anderen zu teilen
(7) emotionale Unterstützung von der geliebten Person zu erhalten und
(8) sie ihr auch zu gewähren
(9) intime Kommunikation und
(10) den anderen als wichtigen Teil des Lebens zu schätzen.

Es ist dabei nicht notwendig, dass all diese Elemente in einer Beziehung vorhanden sind, um Intimität zu erleben, da ihre Mindestanzahl persönlichkeitsabhängig ist. Intimität entsteht aus stabiler, regelmäßiger und vielseitiger Interaktion zwischen den Partnern, welche das Vertrauen schafft, sich dem Partner mit allen guten und schlechten Seiten der eigenen Persönlichkeit zu zeigen. Der Aufbau von Intimität geht folglich mit einem Abbau von Fassaden einher.

Die Leidenschaft umfaßt hauptsächlich den Ausdruck des Verlangens und der Bedürfnisse (wie z.B. Selbstachtung, Zugehörigkeit, Versorgung, Dominanz, Unterwerfung und die sexuelle Erfüllung), welche sich in unterschiedlicher physiologischer und psychologischer Erregung manifestieren. Sie ist bei Sternberg (1998a) also nicht, wie gemeinhin angenommen, auf die sexuelle Leidenschaft beschränkt. Vielmehr kann danach alles, was eine psychophysiologische Reaktion auslöst, auch Leidenschaft erzeugen.

Willentlich beeinflussen läßt sich am ehesten die dritte Komponente: die Entscheidung/Verbindlichkeit. Sie hat vor allem kognitiven Charakter und besteht zum einen aus der kurzfristigen Entscheidung, jemanden zu lieben und beinhaltet als zweiten Aspekt die Absicht, eine langfristige Bindung einzugehen. Diese Komponente der Liebe wirkt vor allem in den Tiefen einer Beziehung und hält sie durch diese Zeit zusammen. Die Verbindlichkeit kann essentiell sein und lebt dabei vom Vertrauen und von der Hoffnung, die harten Zeiten durchzustehen und zu den besseren zurückzukehren.

Diese drei Komponenten können einzeln oder in Kombination bei den Liebenden auftreten. Ist die jeweilige Liebe durch alle drei Komponenten charakterisiert, bezeichnet Sternberg sie als vollkommen. In Kombination ergeben sich sieben Möglichkeiten, die jeweils einen bestimmten Liebestyp bezeichnen (siehe Abbildung 2). Die Form spiegelt die Balance der einzelnen Komponenten durch die entsprechenden Seitenlängen wider, die sich aus der Gewichtung der einzelnen Komponenten ergeben.

Zuneigung

(nur Intimität)

Romantische Liebe Freundschaftliche Liebe

(Intimität+Leidenschaft) (Intimität+Verbindlichkeit)

Verliebtheit Leere Liebe

(nur Leidenschaft) (nur Verbindlichkeit)

Närrische Liebe

(Leidenschaft+Verbindlichkeit)

Abb. 2: Liebestypen entsprechend ihrer Kombination nach Sternberg (1998a)

Wie eingangs bereits erwähnt, unterliegt die Liebe einer gewissen Dynamik, der Sternberg auch in seinem Modell gerecht wird. Dabei wird die Liebe meist mit der Leidenschaft entfacht, die schon zu Beginn sehr schnell eine starke Ausprägung erreichen kann, aber auch die Tendenz besitzt, relativ schnell wieder abzufallen. Innerhalb der Beziehung mäßigt und transformiert sie sich, was nicht unbedingt mit weniger Zufriedenheit einhergeht.

Die Intimität dagegen entwickelt sich langsam und steigt theoretisch unbegrenzt und kontinuierlich an. Daraus resultiert eine ebenfalls steigende gegenseitige Verbundenheit, die manchmal sogar nicht mehr wahrnehmbar ist2. Daraus entsteht die Schwierigkeit, eine wirklich enge Beziehung von der Beziehungs losigkeit zu unterscheiden.

Die Entscheidung/Verbindlichkeit beginnt, wenn sich zwei Menschen kennen lernen, und steigt allmählich an, bis die beiden Menschen übereinkommen, den Versuch zu starten, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Entscheidung/Verbindlichkeit annähernd ihr maximales Niveau. Dies kann sich im Falle von Zweifel oder Revision in seiner Ausprägung verändern, wobei selbst die erfolgreichsten Partnerschaften hier ihre Ups and Downs haben.

Die Ausprägungen der einzelnen Bahnen von Intimität, Leidenschaft und Verbindlichkeit differieren dadurch, dass es individuelle Unterschiede in engen Beziehungen gibt, die die Partner in die Beziehung mit einbringen. Durch die unterschiedlichen Bahnen der einzelnen Komponenten und somit ihrer unterschiedlichen Gewichtung ist jede Beziehung auch ständiger Veränderung der Liebestypen unterworfen. Sternberg (1998a) weist hier abschließend auch darauf hin, dass die Entwicklung der Liebe kein Selbstgänger ist, sondern ständiger Pflege bedarf (vgl. z.B. auch Beck & Beck-Gernsheim, 2000; Moeller, 2002). Überlässt man sie sich selbst, so zerfällt sie. Wie diese Pflege aussieht, was also notwendig ist, um die Liebe am Leben zu erhalten und wachsen zu lassen, soll im Folgenden Abschnitt erläutert werden.

2.2.2 Die gelungene Gestaltung von Partnerschaften

Die Ausführungen in diesem Abschnitt sollen sich auf Erkenntnisse über die Interaktion eines bereits bestehenden Paares beschränken. Wie oben schon angedeutet, existiert auf dem deutschen Buchmarkt eine Vielzahl von Ratgebern, die Anleitungen für glücklich geführte Partnerschaften und Ehen zum Inhalt haben. Die wenigsten Autoren argumentieren dabei auf wissenschaftlicher Grundlage, sondern begründen ihre Theorien mit Beispielen aus der therapeutischen Praxis. In der Auswahl der für diese Arbeit verwendeten Materialien beschränke ich mich weitestgehend auf wissenschaftliche oder populär-wissenschaftliche Publikationen. Ihre Aktualität aber auch der Bekanntheitsgrad der Autoren waren dabei ebenfalls hilfreiche Filter.

Sind zwei Menschen zu der Überzeugung gelangt, dass sie sich lieben und partnerschaftlich zusammenkommen wollen, beginnt im Miteinander der Partner ein besonders relevanter Prozess der Erschaffung einer neuen gemeinsamen Wirklichkeit. Willi (2002) nennt sie das „Dyadische Konstruktsystem“ (Willi, 2002, S.67), das durch verbale Kommunikation (Austausch von Sichtweisen, Gedanken und Gefühlen) sowie durch gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen aufgebaut wird. Wie oben schon erwähnt, wird heute davon ausgegangen, dass ein hohes Engagement („Liebesarbeit“ (Moeller 2002, S.114)) in die Partnerschaft eingebracht werden muss, damit Liebe und damit eine auf Dauer angelegte Partnerschaft gelingen kann.

Wodurch sich die Interaktion zwischen Partnern gelungener Partnerschaften auszeichnet, evaluierte Christine Schmid-Fahrner (1997):

Sie gehen entspannt, wohlwollend und interessiert miteinander um.
- Sie sehen sich an, können sich zulächeln und spontan berühren,
- nehmen Anteil an allem, was der andere empfindet, sei es Freude oder auch Leid oder Ärger.
- Bei Konflikten verletzen sie nie die Grenze der persönlichen Würde.
- Die Kritik am anderen ist nie vernichtend, sondern speziell und sie betonen auch bei Zerwürfnissen die positiven Seiten des anderen.
- Sie bemühen sich, einander zu verstehen, nehmen sich Zeit für ehrliche Gespräche in angenehmer Atmosphäre.
- Sie stehen fürsorglich und pflegerisch füreinander ein und sind finanziell großzügig zueinander.
- Geben und Nehmen hat eine gute Balance.
- Sie möchten, dass es dem anderen gut geht, können aber auch für sich selbst sorgen und es sich allein gut gehen lassen.

Grundlage dafür ist die Anerkennung der prinzipiellen Getrenntheit vom Partner. Das bedeutet, ihn in seinem Anderssein wahrnehmen und akzeptieren zu können (Schmid-Fahrner, 1997). Hilgers (2001) sieht darin große Vorteile, weil es das Paar immer wieder vor neue Überraschungen stellt. Es erweitert die eigene Identität und erhöht die erotische Spannung, da diese von der Distanz zum anderen lebt. Willi (2002) meint sogar, dass sich die Verwirklichung der Liebe gerade erst in dem Spannungsbogen zwischen symbiotischem Verliebtsein und dem Leiden an der Einsamkeit und dem Getrenntbleiben in der Liebe vollzieht. „Diese Spannung ist nicht zu beklagen oder zu pathologisieren, sondern bleibt die bleibende Kraft in der Liebe.“ (Willi, 2002, S.346). Diese Spannung veranlasst die Partner, einander zu suchen und sich gegenseitig zu erklären, so Willi (2002). Das fördert dadurch Selbsterkenntnis und Selbstwerdung in der Liebe.

Moeller (2002) verweist ebenfalls auf die Bedeutung der Akzeptanz der Andersartigkeit des Partners und setzt sie als erste von fünf Bedingungen einer guten Beziehung. „Um uns geborgener zu fühlen unterschlagen wir die Andersartigkeit des anderen.“ (Moeller, 2002, S.156), aber erst die offene Andersartigkeit und Formulierung von Bedürfnissen macht seiner Meinung nach einen befriedigenden Kompromiss möglich.

Die zweite Bedingung ist die Erkenntnis, dass es ein gemeinsames, unbewusstes Zusammenspiel zwischen den Partnern gibt: „Diese Einsicht heißt: was immer ich erlebe, tue und träume, es ist nicht nur von mir, es ist ebenso von Dir.“ (Moeller, 2002, S.163). Durch diese Einsicht ist der Boden für Vorwürfe und Selbstvorwürfe innerhalb der Beziehung genommen und verweist andererseits auf die eigene Verantwortung dem Partner gegenüber, aber auch auf die gegenseitige Abhängigkeit.

Der dritte Punkt hebt die Bedeutung der regelmäßigen Gespräche der Partner miteinander hervor. Sie führen dazu, dass sich die Partner selbst besser wahrnehmen und sich wechselseitig zu intensiverer Entwicklung befähigen. Neues wird dadurch von Anfang an gemeinsam geschaffen und stärkt die Beziehung, da Bedürfnisse abgestimmt werden, Konflikten vorgebeugt wird und man erkennt, dass man bestenfalls sich selbst, aber nie den anderen ändern kann.

Wie beschrieben, sind die verbale Kommunikation und die gemeinsamen Erlebnisse Grundlage des Aufbaus einer gemeinsamen Wirklichkeit. Moeller (2002) verbindet beide Komponenten in seiner vierten Bedingung, da der Austausch anhand von Bildern gemeinsamer Erlebnisse die Chance erhöht, sich in die Unterschiedlichkeit des Erlebens des Partners einzufühlen.

Die letzte Bedingung einer guten Beziehung ist die Aufforderung „...eigenständig zu handeln, selbstverantwortlich zu sein, bei sich zu bleiben und zu sich zu stehen.“ (Moeller, 2002, S. 202). Im Gespräch findet dies durch die Offene Ich-Aussage und der aktiven Gestaltung der Partnerschaft seinen Ausdruck, denn Passivität „...lässt schlechte Bedingungen bestehen und führt dazu, sich letztlich abrackern zu müssen, weil nichts sich richtig abstimmen kann: ich mich mit mir nicht und schon gar nicht mit Dir.“ (Moeller, 2002, S.208).

Die verbale Kommunikation besteht folglich daraus, sich selbst mit seinen momentanen Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen mitzuteilen, aber auch empathisch Zuzuhören. Das wiederum setzt voraus, dass die eigenen Grenzen klar wahrgenommen werden: „In einer Liebesbeziehung funktioniert wechselseitige Empathie nur, wenn der rasche Wechsel zwischen Einfühlung in den Partner mit zeitweiliger Aufgabe der Selbstgrenzen und anschließender Rückkehr zu eigenem Empfinden und Erleben gelingt. (...) Wer sicher sein kann, dass sich dabei die eigene Identität nicht auflöst, kann sich gefahrlos auf andere einstellen.“ (Hilgers 2001, S.54f). Ist dies der Fall, fördern die Zwiegespräche durch gegenseitige Kenntnis und Akzeptanz die Intimität (Revenstorf, 1999), die der stärkste Prädiktor für Partnerschaftszufriedenheit ist (Hassebrauck & Fehr, zit. nach Felser, 2003; Lemieux & Hale, 1999; Sternberg, 1997).

Der verbale Austausch ist also ein bedeutender Teil in der Interaktion des Paares, bei dem sich die Partner wechselseitig nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch in der Selbstwahrnehmung, dem Selbstwertgefühl und in den verinnerlichten Erfahrungen (als Teile des persönlichen Konstruktsystems) beeinflussen. Passen persönliche Konstrukte eines oder beider Partner nicht mehr mit dem dyadischen Konstruktsystem zusammen, kann es zu Krisen oder Phasen sich aufdrängender Veränderung kommen. Eine konstruktive Bewältigung dieser Veränderungsprozesse durch gegenseitige Beeinflussung wird von Willi (2002, S.217) als Ko-evolution bezeichnet. Willi (2002) zeigt dabei einige notwendige Bedingungen auf, die nötig sind, damit dieser Prozess konstruktiv verlaufen kann und zur Partnerschaftszufriedenheit beiträgt. Dabei sollte:

zu einem gewissen Teil eine Kompatibilität der Konstruktsysteme beider Partner vorhanden sein (Integration und Organisation der Konstrukte zu innersten Überzeugungen, Wertvorstellungen und Leitbildern, welche das Gerüst des jeweiligen Weltbildes ausmachen);
- in der Beziehung eine altruistische Grundtendenz vorliegen;
- eine Gerechtigkeits- und Gleichwertigkeitsbalance bestehen (gekennzeichnet durch ein Klima von Gerechtigkeit, Fairness, Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, gegenseitiger Verfügbarkeit und persönlichem Einsatz sowie einem ausgewogenen Selbstwertgefühl zwischen den Partnern);
- auch eine gezielte gegenseitige Beeinflussung stattfinden, durch Unterstützen (mit der Wahrung größtmöglicher Autonomie und Selbstverantwortlichkeit), Begrenzen, Konfrontieren (als absolute Notwendigkeit) und Herausfordern (mit Hilfe von Aufmuntern, Bitten, Konfrontieren), wobei die gezielte Beeinflussung das „Loslassen“ können als wichtige Bedingung voraussetzt (es verzichtet auf ein Muss der Beeinflussung und respektiert Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit des Partners);
- eine Identifikation mit dem Partner vorhanden sein (zeigt sich im Gemeinsinn, im Wir -Gefühl), bei der die Partner sich als unaustauschbar, kostbar und lebenswichtig wahrnehmen;
- die Eigenverantwortlichkeit als Voraussetzung für gute Auseinandersetzungen verstanden werden.

Nach Gräser, Brandtdtädter & Felser (2001) sind Unterschiede und längsschnittliche Veränderungen in der individuellen Ehezufriedenheit vor allem mit der erlebten Unterstützung eigener Entwicklungsziele durch den Partner in Verbindung zu bringen. Je größer dabei die wahrgenommene Unterstützung, umso zufriedener wurde die Beziehung eingeschätzt. Gibt es Änderungswünsche an den Partner, so ergeben sich negative Effekte auf den Zufriedenheitsstatus, während sich günstige Wirkungen auf den Verlauf andeuten. Kritik und Unzufriedenheit könnten ihrer Meinung nach möglicherweise auch Ausdruck von regulatorischen Prozessen sein, die langfristig zu Kohäsion und Koorientierung innerhalb des Beziehungssystems beitragen.

Spielt während dieser regulatorischen Prozesse Angst beim Veränderungswilligen eine bedeutende Rolle, kann es bei den Auseinandersetzungen zu radikalem und unerbittlichem Kampf gegen den Partner kommen. Hier besteht die Gefahr, die Chancen zu verpassen, die Bewältigung des Emanzipationsprozesses als Paar zu durchlaufen. Die Partner steigern sich dann in eine destruktive Machtspirale, dessen Eskalation zur Scheidung bzw. Trennung führt (Willi 2002).

Ähnliche Beobachtungen machte die Arbeitsgruppe um Gottman & Silver (2002). Sie untersuchten in ihrem Laborexperiment besonders das Konfliktverhalten von Paaren und konnten aufgrund ihrer empirischen Ergebnisse feststellen, dass die Art und Weise, wie Auseinandersetzungen ausgetragen werden, ausschlaggebend für die Stabilität und Qualität einer Ehe sind und nicht, wie oftmals angenommen, die Häufigkeit der Konflikte (siehe auch Hilgers, 2001). Scheidungsgefährdete Paare weisen seinen Beobachtungen zufolge typische Zeichen auf, die es ihm sogar möglich machten, 91% der Scheidungspaare richtig vorherzusagen (Gottman & Silver, 2002, S.10). Diese Zeichen sind:

Grober Auftakt der Diskussion: Dies beinhaltet negative oder anklagende, verachtende Kritik bzw. sarkastische Bemerkungen, mit denen eine Diskussion begonnen wird und diese mit größter Wahrscheinlichkeit zu einem negativen, verletzenden Ende führen.

Die „Vier Apokalyptischen Reiter“: Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern. Kritik greift den Charakter oder die Persönlichkeit an und macht Schuldzuweisungen, während seine positive Form, die Beschwerde, einfach auf ein vermeintliches Fehlverhalten fokussiert bleibt. Verachtung findet seinen Ausdruck in Sarkasmus und Zynismus, Verfluchen, Augenrollen, Verhöhnen und respektlosen, abschätzigen Humor und führt unvermeidlich zur Demütigung des Partners und somit zum Konflikt anstelle einer Bereinigung der Situation. Verachtung ist der Gefährlichste, der vier Reiter. Rechtfertigung ist oft die Antwort auf einen persönlichen Angriff, bringt aber nur selten den gewünschten Erfolg, da es in Wirklichkeit die Beschuldigung zurück gibt und den Konflikt eskalieren läßt. Mauern ist meist das Resultat eines scheinbar endlosen Kreisens im Rad von Kritik, Verachtung und Rechtfertigung, bei dem sich einer der Partner aus der Diskussion ausklinkt, weil die erzeugte Negativität zu überwältigend wird.

Überflutung: Bezeichnet die Überwältigung durch die Negativität und der Suche nach Schutz durch emotionale Distanz zum Partner. Je häufiger sie auftritt, umso gefährdeter ist auch die Beziehung.

Körpersprache: Überflutung führt zu zahlreichen körperlichen Reaktionen: Puls steigt, hormonelle Schwankungen, Ausstoß von Adrenalin, der Blutdruck steigt. Das führt wiederum zu eingeschränkter Informationsaufnahme und -vermittlung, welche das Problemlöseverhalten einschränkt.

Gescheiterte Rettungsversuche (Rettungsversuch = jede Botschaft oder Handlung, die versucht, Spannung aus der Situation zu nehmen): Je verachtender und rechtfertigender sich die Partner verhalten, desto größer ist die Gefahr der Überflutung und desto schwieriger ist es, einen Rettungsversuch wahrzunehmen oder darauf zu reagieren. Das Scheitern von Rettungsversuchen ist ein deutliches Zeichen für eine unglückliche Zukunft.

Schlechte Erinnerungen: Paare, die in einer negativen Wahrnehmung von sich und ihrer Partnerschaft verhaftet sind, neigen dazu, ihre Vergangenheit zum Schlechteren umzuschreiben und Negatives hervorzuheben.

Ausschlaggebend für den Zustand einer Partnerschaft ist nach Gottman & Silver (2002) folglich die Balance zwischen interpersonaler Kommunikation, Wahrnehmungsmustern und psychophysiologischen Prozessen. Wird eine Relation von 5:1 des Verhältnisses von positiver zu negativer Kommunikation unterschritten, kippt die Wahrnehmung der gesamten Beziehung zur negativen Seite und Konflikte führen in diesem Zustand zu einer massiven psychophysiologischen Erregung, die sich wiederum negativ auf die Wahrnehmung und das Kommunikationsverhalten auswirken. Aus ursprünglich situativen Wahrnehmungen entwickeln sich stabile Wahrnehmungs- und Attributionsmuster. Eheprobleme werden nun als sehr schwerwiegend betrachtet und es erscheint immer sinnloser, Dinge durchzusprechen. Die Partner versuchen allein die Probleme zu lösen, distanzieren sich immer mehr und beginnen nebeneinander und nicht mehr miteinander zu leben. Das Gefühl der Einsamkeit verstärkt sich und führt schließlich zur Trennung des Paares (Gottman & Silver, 2002).

Nach Gottman & Silver (2002) ist trotz alledem nicht das Beibringen von Streitfähigkeit der Schlüssel, sondern wie glückliche Ehen funktionieren, das heißt, wie man sich einander gegenüber verhält, wenn man nicht streitet. Oberste Priorität ist für ihn dabei, die Freundschaft zu stärken, die er als „...das Herz einer jeden Ehe...“ bezeichnet (Gottman & Silver, 2002, S.64).

Gottman & Silver (2002) entwickelten anhand ihrer Daten, von über 640 beobachteten und untersuchten Paaren, 7 Strategien, die es einem Paar ermöglichen sollen, eine glückliche Ehe zu führen. Diese Strategien sollen im Folgenden kurz erörtert werden.

Partner-Landkarte auf neuesten Stand bringen

Glückliche Paare sind vertraut mit der Welt des anderen. Gegenseitige Aufmerksamkeit, dem unbewussten Kümmern darum, was der andere denkt und fühlt hilft erheblich bei den Herausforderungen des Lebens. Einander zu kennen und zu verstehen erzeugt nach Gottman & Silver (2002) bei den Partnern in bedeutendem Maße Freude und erleichtert es, den Kontakt zueinander zu bewahren.

Zuneigung und Bewunderung füreinander pflegen

Das Gefühl von Respekt verringert die Gefahr, sich ablehnend seinem Partner gegenüber zu verhalten. Zuneigung und Bewunderung sind für Gottman & Silver (2002) daher auch zwei der wichtigsten Bestandteile einer erfüllten und langwährenden Beziehung. Tägliches Lob und Anerkennung heben die Beziehungszufriedenheit in Ehe und Partnerschaft und erhöhen die Chance einer glücklichen Zukunft.

Sich einander zu- , nicht abwenden

Hier verweisen Gottman & Silver (2002) auf die Bedeutung von Gesten und Situationen, die zeigen, dass das Paar einander gern seine Aufmerksamkeit, Zuneigung, den Witz oder die Unterstützung schenkt. Sie nennen es „ein Angebot machen“ (Gottman & Silver, 2002, S.102). Dies wirkt stabilisierend und ist die Grundlage für eine emotionale Verbindung, Romantik, Leidenschaft und ein gutes Sexualleben. Jedes angenommene Angebot dient als Rücklage für schlechtere Zeiten, bei schweren Lebensproblemen oder Konflikten. Entstehen Konflikte, verweisen die Autoren darauf, dass die Paare sich einzugestehen haben, dass sie selbst auch immer eine Rolle bei der Entstehung des Problems gespielt haben.

Sich vom Partner beeinflussen lassen

In einer guten Freundschaft stellen Meinungsverschiedenheiten niemals die Beziehung in Frage, weil ein Machtgleichgewicht besteht. Sich einander zu ehren und zu respektieren lässt es leichter gelingen, die Meinung des anderen zu akzeptieren, auch wenn sie anders ist. Sind die Partner in der Lage, sich gegenseitig in ihre Entscheidungsfindungen mit einzubeziehen und aktiv nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, so sind diese Partnerschaften auf lange Sicht die glücklichsten und stabilsten. Gottman & Silver (2002) sehen die Ursache in der größeren Wahrscheinlichkeit, eine Lösung für konträre Situationen zu beiderseitiger Befriedigung zu finden.

Lösen lösbarer Probleme

Nach Gottman & Silver (2002) lassen sich Partnerschaftskonflikte in zwei Kategorien einteilen. Es gibt die lösbaren und die ewigen Probleme, wobei der Anteil der letzteren sich ihrer Meinung nach auf bis zu 69% beläuft. Im Umgang mit lösbaren Problemen geht es in erster Linie um das Wie der Auseinandersetzungen. Konstruktiv verlaufen solche Konflikte, wenn:

a) sie mit sanftem Ton beginnen,
b) Rettungsversuche unternommen und angenommen werden,
c) versucht wird, sich selbst zu beruhigen,
d) Kompromisse eingegangen werden,
e) die Fehler des anderen toleriert werden.

Die häufigsten und sensibelsten Bereiche aus denen sich lösbare Probleme ergeben sind Beruf, Schwiegereltern, Geld, Sex, Hausarbeit und Kinder.

Pattsituationen überwinden

Pattsituationen sind ein Zeichen für ewige Probleme, die durch harte Fronten und meistens auch die „vier Reiter“ gekennzeichnet sind. Diese können minimiert werden, indem die Partner einander helfen ihre Träume und persönlichsten Hoffnungen Wirklichkeit werden zu lassen. Ein derartiges Beziehungskonzept trägt dazu bei, die Partnerschaft zu bereichern und zu bewahren. Es schränkt die Beziehungsqualität nicht zwangläufig ein, wenn diese ewigen Probleme nicht gelöst sind. Als Bedingung verweisen die Autoren auf die deutliche Botschaft der Akzeptanz der anderen Persönlichkeit, der grundsätzlichen Zuneigung und des Respekts aber auch die Erlaubnis des Mitteilens der auftretenden Gefühle, wie Wut, Gereiztheit, Enttäuschung und Verletztheit.

Einen gemeinsamen Sinn schaffen

Partnerschaft kann auch eine spirituelle Dimension haben mit einem Sinn für miteinander verbindende Rollen und Ziele. Konflikte treten dadurch nicht so stark hervor und ewige Probleme führen mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht zu Pattsituationen. Je häufiger man respektvoll und freundlich miteinander redet, umso wahrscheinlicher ist nach Meinung der Autoren eine Annäherung in der Vorstellung von Sinnhaftigkeit.

2.2.3 Zusammenfassung

Die Ehe hatte in der früheren Geschichte rein pragmatische Funktionen. Ab dem späteren 18. Jh. waren Eheglück und eheliche Liebe, also affektiv-emotionale Faktoren immer mehr das Leitmotiv eines bürgerlichen Ehe- und Familienlebens. Der Grund, warum Partnerschaften eingegangen werden, ist auch heute ein Sich-Sehnen nach Zärtlichkeit, Akzeptanz, Verstandenwerden, nach Verwöhnung, Umsorgung oder Bestätigung. Sternberg (1998a) vereint diese Facetten in seinem Dreiecksmodell in den Komponenten Intimität, Leidenschaft und Verbindlichkeit, welches auch der Tatsache gerecht wird, dass die Liebe einer gewissen Dynamik in seinem Entwicklungsverlauf unterliegt. Damit die Liebe sich entwickeln kann, bedarf es in der Partnerschaft bzw. Ehe in der heutigen Zeit eines hohen Engagements – nicht nur aufgrund fehlender Beziehungskompetenzen, die nach Schneewind & Wunderer (2003) erlernbar sind, sondern auch aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen an die Paare.

Je größer die von den Partnern mit eingebrachte „emotionale Intelligenz“ (Gottman & Silver, 2002, 12), um so wahrscheinlicher ist, dass sich im Alltag eine Dynamik entwickelt, die verhindert, dass die negativen Gedanken und Gefühle (die es bei allen Paaren gibt) die positiven überdecken und um so wahrscheinlicher ist eine beiderseitige Zufriedenheit bis ans Lebensende. Hohe emotionale Intelligenz ermöglicht ein hohes Maß an Akzeptanz der befremdlichen Seiten des Partners und ein Eingehen darauf mit Fürsorge, Zuneigung und Respekt, wodurch Konflikte und Krisen genutzt werden können, sich wechselseitig zu intensiver Entwicklung zu befähigen und die Partnerschaft zu vertiefen. Grundlage ist eine tiefe Freundschaft. Eine steigende Vertrautheit mit den Vorlieben, Abneigungen, persönlichen Eigenarten, Hoffnungen und Träumen des Partners fördert eine Identifikation mit ihm, ein Wir-Gefühl und die Freude an gemeinsam verbrachter Zeit bzw. gemeinsamer Unternehmungen.

Konflikte entstehen durch das Zusammenspiel beider Partner, was die Einsicht in Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit herausfordert. Gegenseitige Verletzungen werden dadurch minimiert, dass bei Auseinandersetzungen die Kritik gegenüber dem Partner die Grenzen der persönlichen Würde nicht überschreitet. Das trägt auch zu einer ausgewogenen Gerechtigkeits- und Gleichwertigkeitsbalance bei, die es dem Paar leicht macht, bei wichtigen Fragen gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Geben und Nehmen haben in zufriedenen Partnerschaften eine Balance, wobei mit steigender Partnerschaftszufriedenheit auch eine größere altruistische Tendenz der Partner zu verzeichnen ist.

Nicht zuletzt ist auch eine befriedigende Sexualität Ausdruck einer gelungenen Paarbeziehung. Das zentrale Geschehen für eine gute Erotik ist die Entwicklung der Beziehung: Gewinn an Intimität, befriedigende Kompromisse, größere Vertrautheit, vielfältige Eigenbefähigung, größere Kooperationsbereitschaft und gegenseitige Wertschätzung.

2.3Soziale Unterstützung

Bisher wurden nur Komponenten der Interaktion des Paares miteinander und deren Auswirkungen auf die Partnerschaft aufgezeigt. Weiterhin hat auch das soziale Netzwerk des Paares Einfluss auf deren Partnerschaft. Obwohl den sozialen Beziehungen sowie dem sozio-normativen Umfeld besonders im Bereich der Sozialwissenschaften eine große Bedeutung beigemessen wird und deren allgemeine gesellschaftliche sowie im Speziellen deren familiäre Ausgestaltung sich in den letzten Jahrzehnten verändert haben, wurde ihnen in der Partnerschaftsforschung bisher eine untergeordnete Rolle zugeschrieben (Bodenmann, 2000; Hartmann, 2003).

Bis heute gibt es weder zum sozialen Netzwerk noch zur sozialen Unterstützung allgemein akzeptierte Begriffsstrukturen (Geser, 2000). Eine grobe Beschreibung für das soziale Netzwerk liefert z.B. Laireiter (1993). Danach ist es ein komplexes soziales System, das sich aus unterschiedlichen Formen sozialer Beziehungen und sozialer Kontakte zusammensetzt. Ein Teil davon bildet das Unterstützungsnetzwerk. Nach Geser (2000) beschreibt dieses die Menge an Personen, die einem Individuum bei Alltagsproblemen oder größeren Belastungen als Unterstützer zur Verfügung stehen würde bzw. steht oder gestanden hat. Studien von Laireiter & Baumann (1992) haben gezeigt, dass dabei vor allem die nahestehendsten Personen (wie Partner, enge Freunde, Verwandte) von zentraler Bedeutung sind.

Die Frage der sozialen Unterstützung ist besonders im Kontext stressreicher und krisenhafter Zeiten von großer Wichtigkeit. Nach Reicherts (1993) hat sie dabei eine problem- und situationszentrierte Funktion, indem sie hilft, Stress aufzuheben oder zu mindern. Andererseits hat sie ebenso eine emotionszentrierte Funktion durch bereitgestellte Möglichkeit persönlichen Kontakts sowie von Zuspruch oder Wertschätzung. In diesem Sinne wird in der Unterstützungsforschung zwischen instrumenteller und psychologischer Unterstützung unterschieden, die sich aufgrund der Ergebnisse mehrerer Studien (vgl. Übersicht Laireiter, 1993) in folgende Komponenten systematisieren lassen (Laireiter, 1993):

Emotionale Unterstützung, gekennzeichnet durch emphatisches Verstehen und Einfühlung, Ermöglichen von Gefühlsausdruck,

Selbstwertstützung, die Validierung von Gefühlen, Stärkung des Selbstwerts und Vermittlung von Verständnis beinhaltet,

kognitive und evaluative Unterstützung mit Informationen zum Umgang mit Belastung, Aufklärung, Sinngebung und Sinnerklärung,

problemlösungsbezogene Unterstützung durch Ermunterung zu und Verstärkung von Selbsthilfe und eigenständigen Problemlöseversuchen,

Merkmale der Beziehung und Haltung mit bestenfalls offener, nicht fordernder, anteilnehmender Haltung und warmer Beziehungsgestaltung.

Tritt also eine Belastung auf, die nach Perkonigg (1993, S.119) dann vorliegt, “...wenn das Ereignis als bedrohlich, schädigend oder beeinträchtigend erlebt wird und eine Störung der Homöostase darstellt.“, beeinflusst die wahrgenommene verfügbare Unterstützung bei der Situationseinschätzung die emotionalen Reaktionen und die Entwicklung von Zielen zur Wiederherstellung der gestörten Homöostase. Dabei können die betroffenen Personen sich bewusst um Unterstützung bemühen, oder die Unterstützungspersonen greifen ohne Aufforderung in die Belastungsverarbeitung ein, wenn sie das Ereignis, die emotionalen Reaktionen oder das Bewältigungsverhalten der Person wahrnehmen. Das Bewältigungsverhalten und die möglicherweise erhaltene Unterstützung können dann die gestörte Homöostase wiederherstellen.

Das soziale Netzwerk stellt somit ein Potential an Unterstützung zur Verfügung, abhängig von der jeweiligen sozialen Integration der Person, welche als wichtige Voraussetzung für soziale Unterstützung angesehen werden kann. Allerdings kann es neben den entlastenden Faktoren (s.o.) auch belastende Komponenten beinhalten wie z.B. durch soziale Konflikte. „Hohe Belastungen aus dem Netzwerk schwächen langfristig das wahrgenommene Potential an sozialer Unterstützung.“, so Strehmel (1993, S.175). In ihrer Untersuchung konnte sie einen hohen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an wahrgenommener Unterstützung, sozialer Kompetenz und subjektiver Belastungen aus dem Netzwerk feststellen. Je größer die soziale Kompetenz, umso geringer die subjektive Belastung aus dem Netzwerk und umso größer die wahrgenommenen Netzwerkressourcen.

Nach Thoits (1984) sind positive Konsequenzen für emotionale Reaktionen auf Belastungen zu erwarten, wenn sicherheitsvermittelnde Wirkungen von Identitätsbestimmung und Gefühle der Zugehörigkeit durch die Rollenverteilung in Netzwerken die Widerstandsfähigkeit durch situationsübergreifende Faktoren verstärken (wie z.B. bei der Zugehörigkeit zu Verein, Organisation oder Gruppe). Hier ist auch die Orientierung an anderen Personen zu nennen, die nicht nur als Bewältigungsversuch eine Rolle spielt, sondern auch entlastungsförderlich sein kann, wenn sie situationsübergreifende Zielvorstellungen beinhaltet.

Nach Hartmann (2003) kann sich die Identität mit einer Gruppe andererseits auch negativ auswirken, wenn Verhaltenserwartungen dieses sozialen Umfeldes, Restriktionen für das eigene Handeln darstellen. Beispielsweise ist in einem engeren sozialen Netzwerk mit strikten Normen gegen die Auflösung von Ehen eine Scheidung mit höheren sozialen Kosten verbunden als in einer Umgebung mit schwächeren Normen. Positiv wirken sich solche Gruppengefüge nach Laireiter & Lettner (1993) wiederum deswegen aus, weil sie dichtere Netzwerke darstellen, die im Gegensatz zu großen Netzwerken „im Unterhalt“ weniger aufwendig sind, da hier die Ressourcen konzentrierter eingesetzt werden können (z.B. durch die gleichzeitige Pflege mehrerer Kontakte).

Kurzfristige Wirkungen sozialer Unterstützung erkennt man an ihrer situationsspezifischen Angemessenheit, die sich an der jeweiligen Belastungssituation orientiert. Längerfristige situationsunspezifische Wirkungen können laut Perkonigg (1993) sein:

Aufrechterhaltung oder Steigerung des Selbstwertgefühls
- Optimierung persönlicher Bewältigungsanstrengungen
- Keine längerfristigen vermeidbaren Verpflichtungen
- Erhalt der Eigenständigkeit
- Erhalt der sozialen „Funktionstüchtigkeit“
- Erhalt bedeutsamer Beziehungen
- Keine oder positive Veränderung im sozialen Ansehen

Bei der Betrachtung des Zusammenhangs zwischen sozialer Unterstützung und der Beziehungsqualität in Partnerschaften ist nach Geser (2000) mit einer Wechselwirkung zwischen Beziehungsqualität und sozialer Unterstützung zu rechnen. Unger, Jacobs und Cannon (1996) fanden einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen erhaltener sozialer Unterstützung seitens der Familie und der Partnerschaftszufriedenheit. Auch Dickson-Markman & Markman (1988) konnten die positiven Effekte sozialer Unterstützung durch paarexterne Personen nachweisen. Für sie kommen diese dann zustande, wenn sie qualitativ eindeutig positiv ist und nicht mit den Paarinteressen oder Bedürfnissen des Partners interferiert. Auch Geser (2000) findet einen positiven Zusammenhang zwischen der Größe des Unterstützungsnetzwerks und der Beziehungszufriedenheit. Ein kleines soziales Netzwerk kann seiner Meinung nach bedeuten: „..., dass die Partnerschaft überfordert ist, und andererseits, dass zu wenig soziale Ressourcen zur Verfügung stehen.“ (Geser, 2000, S.135). Den Einfluss der Netzwerkdichte auf die Partnerschaftszufriedenheit konnten Cotton, Cunningham & Antill (1993) ausmachen und stellten fest, dass insbesondere die Anzahl gemeinsamer Freunde des Paares positiv mit der Partnerschaftszufriedenheit korreliert.

Hartmann (2003) verweist darauf, dass ein gemeinsames Netzwerk, also die Zugehörigkeit zu einer Gruppe die Kommunikation zwischen den Partnern fördert und damit die eheliche Zufriedenheit. Zum einen durch Themen, die durch Einbindung und Interaktion in der Gruppe entstehen und zum anderen durch positiv bewertete Interaktionen der Partner in der Gruppe. Seiner Meinung nach wirkt die normative Integration auf jeden Fall ehestabilisierend. Geser (2000) konnte nicht replizieren, dass das gemeinsame Netzwerk vor allem die Bindung zwischen den Partnern verstärkt, sondern findet positive Zusammenhänge zwischen der Unterstützung durch das soziale Umfeld und der Partnerschaftszufriedenheit, wobei die Frauen mehr von der instrumentellen und die Männer von der emotionalen Unterstützung profitieren. Der sozialen Unterstützung durch Verwandte misst er dabei die größte Bedeutung bei, wobei Frauen signifikant stärker als Männer ihre emotionale Unterstützung vom Partner und den Verwandten beziehen.

Gesers Studie deutet auch auf andere geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Effekten sozialer Unterstützung auf die Partnerschaftszufriedenheit hin. Danach ist die Unterstützung der Mutter für die Männer eher mit negativen Auswirkungen auf die Partnerschaftszufriedenheit verbunden (für die Frauen hat die Unterstützung der Schwiegermutter einen positiven Effekt). Unterstützende Beziehungen zu den Arbeitskollegen beeinflussen nur bei den Frauen die Partnerschaftszufriedenheit positiv und Männer haben signifikant mehr unterstützende Beziehungen durch Vereins- oder Clubkollegen (z.B. Musikvereine, kirchliche oder politische Vereinigungen), was in positiven Zusammenhang mit „Verbindlichkeit“ und „Unauflösligkeit“ der Sternbergskala (vgl. S.9) steht, aber negativ mit der Partnerschaftszufriedenheit korreliert. Bei Letzterem konnte allerdings nachgewiesen werden, dass dies auf das Alter zurückzuführen war, das positiv mit der Höhe der sozialen Unterstützung durch Vereins- und Clubkollegen korrelierte.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine hohe soziale Unterstützung auch mit einer höheren Partnerschaftszufriedenheit einhergeht. Voraussetzung ist eine gute soziale Integration. Diese kann durch Einzelpersonen und/oder der Zugehörigkeit zu einer Gruppe erreicht werden. Die Identifikation mit einer Gruppe kann ambivalente Effekte haben. Einerseits kann sie stabilisierend auf die Partner wirken, da sie Orientierungshilfe bietet und Entlastung durch übergeordnete Zielvorstellungen bewirkt. Außerdem kann sie zu einer besseren Kommunikation zwischen den Partnern beitragen. Auf der anderen Seite können Verhaltenserwartungen das Wohlbefinden senken, wenn sie Restriktionen für das eigene Handeln darstellen.

3 Die an der Untersuchung beteiligten Gruppen

Der Mensch braucht Orientierung, um die Probleme und Widersprüche unterschiedlichster Situationen seines Lebens, also auch die der Partnerschaft, lösen zu können (Montada, 1998). Wie in Abschnitt 2.1 beschrieben, verweisen einige Autoren auf die Gefahr falscher Vorstellungen von Partnerschaft für die Partnerschaft selbst. Einige psychologische Studien bestätigen den Zusammenhang bestimmter handlungsleitender Überzeugungen von Partnerschaft und der Partnerschaftszufriedenheit. Kurdek (1993) konnte z.B. mit einer Längsschnittstudie nachweisen, dass Partner, die vermehrt falschen irrationalen Überzeugungen zustimmten, später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit getrennt waren. Brandtstädter & Felser (2003) weisen auf das deutliche Maß der Beeinflussung der Partnerschaftsqualität durch bestimmte Vorstellungen gelingender Partnerschaft hin. Sie konnten zum einen feststellen, dass Ziele, die auf partnerschaftliche und persönliche Stabilität bezogen sind (z.B. harmonische Partnerschaft, Einfühlungsvermögen, Sicherheit der Familie), erwartungsgemäß vorwiegend positive Effekte auf das Basisniveau der Partnerschaftsqualität haben. Veränderungen vorhandener Zielvorstellungen im Verlauf der Partnerschaft führen ebenfalls zu Veränderungen auf das Basisniveau der Partnerschaftsqualität. Zum anderen deuten individualistische, auf Selbstaktualisierung und persönlichen Erfolg gerichtete Ziele bei Frauen auf belastende und desintegrative Effekte hin, während sie bei Männern einen positiven Zusammenhang bewirken. Ein gleiches Befundmuster ergibt sich für sie, wenn sie die Beziehungsqualität aus der Zielbewertung des Partners vorhersagen. Daraus folgt: „Es ist also für beide Partner die Partnerschaftsqualität umso geringer, je höher die Frau die eigene Selbstaktualisierung und Sinnsuche bewertet, und die Beziehungsqualität ist für beide Partner um so höher, je stärker der Mann diesen Bereich betont.“ (Brandstädter & Felser, 2003, S.69). Wird Erfolgs- und Durchsetzungsorientierung im Laufe der Beziehung aufgewertet, verringert sich parallel die Beziehungsqualität, besonders, wenn die Frau den Bereich stärker betont als der Mann. Hohe subjektive Partnerschaftsqualität wird dagegen erreicht, wenn der Aspekt der Gemeinsamkeit betont wird. Autonomie und Individualität haben einen gegenteiligen Effekt (dieser negative Beitrag ist in der weiblichen Teilstichprobe deutlich stärker als in der männlichen).

Wie einleitend angeführt, wird von den Kirchen gefordert, ihren Beitrag zur Stabilisierung von Ehe und Familie zu leisten und ihre moralische Autorität verantwortlich einzusetzen. Diese Forderung legt die Vermutung nahe, dass eine christliche Orientierung sich positiv auf die Partnerschaft auswirken könnte. Im Folgenden soll die Gruppe der Nichtreligiösen und die der christlich Orientierten genauer betrachtet werden; zwei Gruppen, deren unterschiedliche Identifikationen mit Differenzen in der Partnerschaftsgestaltung einhergehen könnten.

3.1 Die Nichtreligiösen

3.1.1 Allgemeines

Personen, die keiner Religionsgemeinschaft/Konfession angehören, bilden keine eigene einheitliche Gruppe, auch wenn sie teilweise statistisch so behandelt werden, „...da ihre Zunahme ein offensichtliches Phänomen der Veränderung der „religiösen Landschaft“ in Deutschland ist.“ (Henkel, 2001, S.263). Konfessionslosigkeit war bis zum Ersten Weltkrieg im Deutschen Reich eine große Ausnahme. Austritte aus der Kirche waren bis 1875 nicht möglich, außer als Übertritt in eine andere Konfession. Nach Aufhebung des Staatskirchentums durch die Weimarer Verfassung und der Einführung der vollen Religionsfreiheit, wurden 1925 im Deutschen Reich 1,14 Millionen Menschen gezählt, die „keiner Religionsgesellschaft und keiner Vereinigung zur gemeinschaftlichen Pflege einer Weltanschauung angehören.“ (Henkel, 2001, S.263). Das waren schon 1,8% der damaligen Gesamtbevölkerung, die hauptsächlich aus den Großstädten und den norddeutschen, protestantischen Gebieten entstammten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Entchristianisierungsprozess besonders in der ehemaligen DDR gewaltige Ausmaße an. Waren es 1964 schon 31,9% der Gesamtbevölkerung, die sich konfessionslos betrachteten, stieg ihr Anteil bis 1986/88 auf 61% (Statistisches Jahrbuch der DDR 1990, S.451) und selbst nach der politischen Wende von 1989 setzte sich dieser Prozess fort, der den Anteil in Ostdeutschland auf 68% bis zum Jahre 1996 ansteigen ließ (Henkel 2001, S.267). Betracht man die soziale Zugehörigkeit der Nichtreligiösen, so sind diese vorwiegend unter Akademikern und der Arbeiterklasse vorzufinden. Hinsichtlich der Altersdifferenzierung steigt der Anteil mit sinkendem Alter der jeweiligen Bevölkerungsgruppe.

In Westdeutschland dagegen war kein so starker Anstieg zu verzeichnen. Waren es 1961 nur 2,8% der Bevölkerung, stieg der Prozentsatz der Nichtreligiösen bis 1970 leicht auf 3,9% und bis 1987 auf 8,0%, was über 4,9 Millionen Menschen entsprach. In den nächsten neun Jahren bis 1996 verdoppelt sich diese Zahl auf 9,7 Millionen, was 15,1% der westdeutschen Gesamtbevölkerung ausmacht. Es ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zu erkennen, was darauf zurückzuführen ist, dass der überwiegende Teil der Nichtreligiösen aus evangelisch geprägten Regionen und aus Großstädten stammt.

Werden die Zahlen von Ost- und Westdeutschland zusammengerechnet, ist in der Bundesrepublik um 1996 ca. ein Viertel der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft zugehörig. Berücksichtigt man die Beteiligung der Kirchenmitglieder an kirchlichen Aktivitäten, sind die Unterschiede zwischen Ost und West nicht mehr so groß. Zählt man diejenigen, die nicht in kirchliche Aktivitäten involviert sind, wie die Konfessionslosen zu den „nichtkirchlich Orientierten“, so beträgt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Ostdeutschland 93% und in Westdeutschland 74%. Außerdem lassen sich 50% der Bevölkerung Westdeutschlands hinsichtlich ihrer religiösen Einstellung (Religiosität, Kirchlichkeit) identifizieren, welche sich kaum von der der ostdeutschen Konfessionslosen unterscheidet, obwohl 80% dieser Gruppe Mitglied einer Konfession sind (Pickel, 2000, S.212) .

Die Bezüge zwischen Sozialstruktur, Herkunftsmilieus und Konfessionslosigkeit sind in West- und Ostdeutschland erstaunlich ähnlich. So sind Männer in beiden Gebieten eher konfessionslos und ein höheres Bildungsniveau, was besonders bei der jüngeren Bevölkerung zu finden ist, unterstützt zusammen mit geringerer Sozialintegration in größeren Städten ebenfalls die Distanz zu einer christlichen Religionsgemeinschaft (Pickel, 2000).

Folgende Gründe für Konfessionslosigkeit sieht Pickel (2000):

Effekt der voranschreitenden Individualisierung (bes. in Westdeutschland), was allerdings nicht mit der generellen Distanz zu Religiosität, sondern eher mit Distanz zur Kirche als Institution gleichzusetzen ist

Ablehnung traditioneller Muster, welche Ablehnung der Religion überhaupt beinhaltet

Mangelnde Relevanz der Religion für das alltägliche Leben

Konfessionslosigkeit aus Gewohnheit und Sozialisationseffekt

„Konfessionslos sein“ als identitätsstiftendes Element besonders für Ostdeutsche und legitimierter Anker zur Vergangenheit in der ehemaligen DDR

Konfessionslosigkeit als Antwort auf die finanzielle Belastung durch die Kirchensteuer, wobei davon auszugehen ist, dass diese Personen der Kirche bereits vorher skeptisch bis gleichgültig gegenüberstanden

Andere religiöse Überzeugungen die den christlichen Glauben kompensieren könnten (ein Indiz für individulisierungstheoretische Überlegungen) wird als Grund selten angegeben und scheint tatsächlich „...kaum, und wenn, dann vornehmlich in Westdeutschland von Bedeutung zu sein.“ (Pickel 2000, S.226) Der Aspekt einer generellen Irrelevanz oder Gleichgültigkeit scheint nach Pickel die größte Bedeutung zu besitzen: „Die formale Trennung von der Kirche geht überwiegend mit einer gestiegenen Distanz zum Glauben an Gott einher.“, so Pickel (2000, S.222). Zum gleichen Ergebnis kommt Pollack (2000) bei seinen Untersuchungen und kann ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen Bedeutungsrückgang des Christentums und Hinwendung zu alternativen Religionen finden, was mit Bedeutungsrückgang von Religion schlechthin gleichzusetzen ist. Auch Wolf (1999) sieht einen generellen Bedeutungsverlust von Religion und stellt fest, dass Kirchennähe vorausgesetzt werden muss, um überhaupt religiöse Vorstellungen zu haben.

Clusteranalytisch lassen sich die Konfessionslosen in Ostdeutschland durch folgende Typen charakterisieren (Pickel, 2000, S. 230ff):

Die Individualisten besitzen eine starke Orientierung nach links und daneben ist ein gewichtiger Grund für ihre Konfessionslosigkeit eine stark individualisierte Betrachtungsweise, die zwischen Glauben und Kirche trennt (ca. 5-7%).

Die Herkunftschristen kommen aus konfessionell homogenen Milieus und besitzen aus der Sozialisation heraus noch Beziehungen zur Religion, die sich aber mit der Zeit abschleifen (ca. 9%).

Eine der größten Gruppen ist die der Volldistanzierten, welche ohne religiöse Überzeugungen auskommt und bei der Religion auch im Alltag überhaupt keine Rolle spielt, und sogar von einer starken Ablehnung von Kirche und jedweder Art von Religion, mit manchmal sogar aggressiven Tendenzen, geprägt ist. Sie sehen sich deutlich links der Mitte.

Die gläubigen Konfessionslosen sehen Religion als wichtig für ihr Leben an, gestalten ihr Glaubensleben allerdings ohne die Kirche und weisen starke individualistische Tendenzen auf (ihr Anteil ist in Westdeutschland größer).

Ähnliche Merkmale wie die der Volldistanzierten weisen die nichtgläubigen Rechten auf, allerdings weisen sie nur geringe individualistische Orientierung auf und stehen linken Überzeugungen fern.

Die größte Gruppe sind die durchschnittlichen Konfessionslosen (ca.40%). Eine starke Ablehnung von Glauben und Kirche ist bei ihnen etabliert, wobei für sie insbesondere die fehlende Alltagsrelevanz von Kirche, Religion und Glauben kennzeichnend ist.

Zur letzten Gruppe zählen die traditionalistischen Konfessionslosen. Sie sind zwar traditionell und konservativ ausgerichtet, doch hat Religion für sie eine besonders niedrige Alltagsrelevanz – sie ist letztlich irrelevant. Auch in anderen Lebensbereichen (z.B. Politik und Freizeit) zeigen sie erhöhte Interesselosigkeit.

In Westdeutschland besteht keine so stark ausgeprägte Heterogenität unter den Konfessionslosen. Von allen wird die Trennung von Kirche und Glauben betont, wobei bei der eigenen Gläubigkeit differenziert wird und die große Mehrheit Religion als irrelevant für ihr Leben betrachtet. Es gibt eine kleine traditionelle Gruppe (ca. 12%) mit relativ hohen Glaubenswerten. Zwanzig Prozent besitzen ein individualisiertes Muster und sind der Meinung, ihren Glauben auch außerhalb der Kirche leben zu können. Für Pickel (2000, S.232f) ergibt sich aufgrund seiner Ergebnisse folgendes Fazit: Persönlicher Glaube und kirchliche Integration sind eher eng miteinander verbunden. Bei 90% der Konfessionslosen sind keine der Merkmale persönlicher Religiosität und persönlichen Glaubens festzustellen. Selbst für außerkirchliche Spiritualität zeigen sich oft nur mittlere Werte und nur wenige Hinweise, die auf eine von christlich-traditioneller Religiosität unabhängige Form des Glaubens hindeuten. Andererseits muss davon ausgegangen werden, dass eine erhebliche Gruppe innerhalb der Konfessionsmitglieder aufgrund ihrer starken Distanzierung von christlichen Glaubensinhalten als „areligiös“ bezeichnet werden müsste, wobei Pickel (2000) sich keine endgültige Beurteilung anmaßt, da nicht eindeutig klar ist, wie weit die Begriffe Glauben und Religiosität ausgedehnt werden können und was darunter zu verstehen ist.

3.1.2Ehe und Partnerschaft

Über die Gestaltung von Ehe und Partnerschaft speziell unter konfessionslosen bzw. nicht religiös orientierten Menschen in der BRD lassen sich keine empirischen Befunde auffinden. Sämtliche deutsche Studien, die recherchierbar sind, geben keinen Hinweis auf den Anteil der konfessionslosen Probanden, so dass hierüber keine Aussagen getroffen werden können.

Lediglich Lukatis & Lukatis (1989) konnten feststellen, dass für Konfessionslose die Wichtigkeit des Bereichs von „Familie und Kinder“ gegenüber dem von „Freizeit und Erholung“ deutlich zurücktrat und außerdem Konfessionslose signifikant stärker als Kirchenmitglieder dazu votieren, dass auch verheiratete Frauen ihren Beruf ausüben sollen - also weg von der traditionellen Frauenrolle und dem Verzicht eigener Karriere zu Gunsten des Mannes.

3.2Die Christen

3.2.1Allgemeines

Das Christentum ist die größte religiöse Bewegung der Welt, der sich nach Schätzungen knapp ein drittel der Weltbevölkerung zugehörig fühlen. Die Anhänger (Christen) sind auf der ganzen Welt verteilt, wobei die Mehrheit auf der südlichen Erdhalbkugel lebt. So unterschiedlich die Kulturen in den einzelnen Ländern sind, so unterschiedlich sind auch die christlichen Glaubensgemeinschaften. Nicht nur horizontal (geographisch), sondern auch vertikal (historisch) sind sie ständigen Veränderungen unterworfen, so dass äußerlich oftmals kaum Gemeinsamkeiten (z.B. in der Gottesdienstgestaltung) zu finden sind (Wolf 1999).

Die christlich-religiöse Gesellschaft in Deutschland ist durch eine konfessionelle Pluralität gekennzeichnet, welche besonders seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugenommen hat. Die römisch-katholische Kirche und die evangelischen Landeskirchen waren bis zum 19. Jahrhundert alleinige Staats- und Territorialkirchen, denen fast jeder Bürger angehörte. Als zu dieser Zeit die bürgerlichen Rechte allmählich auch unabhängig der Kirchenzugehörigkeit zugestanden wurden, konnten sich nach und nach ebenso freie christliche Kirchen organisieren, die durch ihre staatliche Unabhängigkeit charakterisiert waren. Dazu zählen heute z.B. die Orthodoxe Kirche, die evangelischen Freikirchen (z.B. Baptisten, Freie evangelische Gemeinde, Methodisten, Adventisten, Pfingstler, Mennoniten), das Bistum der Altkatholiken als Rom-unabhängige katholische Kirche und die Altlutheraner. Die ebenfalls wachsende Zahl christlicher Sondergemeinschaften (wegen ihrer starken Abweichung zur Theologie der Landeskirchen auch als „Sekten“ bezeichnet), sollen hier nicht weiter aufgeführt werden3.

Tabelle 2: Anzahl der Mitglieder nach Konfessionszugehörigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laut der Veröffentlichungen der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) beträgt der Anteil der Christen zur Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik ca. 65,7%. Tabelle 2 gibt zur Veranschaulichung die Verteilung der Christen nach Konfessionszugehörigkeit in Deutschland 2002 wieder (Zahlen für Orthodoxe und andere christliche Kirchen von 1999).

Was alle Christen miteinander verbindet, ist der gemeinsame Glaube an Jesus Christus. Der Internationale Arbeitskreis für Verantwortung in der Gesellschaft e.V. (IAVG, 2001) verweist auf die Definition des Urhebers der Bezeichnung des „Christen“ im Neuen Testament (Apostelgeschichte 11,26) und demnach bedeutet Christsein Schüler von Jesus Christus zu sein und die Autorität des Auferstandenen anzuerkennen.

Wie stark allerdings Christen auch religiös orientiert sind, bzw. als religiös oder weniger religiös beschrieben werden können, hängt von verschiedenen Merkmalen ab. Kecskes & Wolf (1995: 505ff) konnten in ihren Untersuchungen, bei denen sie Religiosität in vier Dimensionen unterteilten (Glauben, Praxis, Empfinden und Wissen), feststellen, dass u.a. die Konfessionszugehörigkeit eine Rolle spielt und dabei Katholiken als religiöser zu betrachten sind als Protestanten. Frauen scheinen religiöser als Männer (allerdings nur in der religiösen Praxis signifikant im 5 % Niveau) und je älter ein Mensch ist, umso höher ist der Grad der Religiosität. Die Bildung hat in ihren Untersuchungen unterschiedliche Effekte auf die einzelnen Dimensionen: so steigt mit zunehmendem Bildungsstand auch die religiöse Praxis, während Empfinden und Glauben mit der Höhe der Bildung keinen Zusammenhang mehr erkennen lassen.

Pollack (2000), der ebenfalls versuchte, sich dem Konstrukt der christlichen Religiosität mit einer Definition zu nähern, verweist auf zwei Dimensionen, die er als zusammengehörig betrachtet und unter den Begriff „kirchlich-christliche Religiosität“ (Pollack, 2000, S.297) fasst. Er stellt aufgrund seiner Untersuchungen fest: „Je kirchlicher jemand eingestellt ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er Aussagen des christlichen Glaubens bejaht.“ (Pollack, 2000, S.304) und verweist auf hohe Korrelationen von r = ,79 in West- und r = ,87 in Ostdeutschland.

Was sind die wesentlichen christlichen Glaubenspunkte? Ein unverzichtbares Grundmuster des christlichen Glaubens stellt nach Pöhlmann (2003) das evangelisch-lutherische apostolische Glaubensbekenntnis dar, indem sich die christliche Identität ausdrückt. Darin ist Jesus der von Gott gesandte Sohn, der am Kreuz unter Pontius Pilatus starb, nach drei Tagen auferstand und 40 Tage später in den Himmel kam, um dort über die Lebendigen und die Toten zu richten. Durch ihn kommt es zur Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und zum „Ewigen Leben“. Jesus´ Opfertod brachte die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen. Jesus war der Gesandte Gottes, der alle Menschen erlösen soll (Schwikart, 2002).

Die besondere Bedeutung Jesus` stellt Ryrie (1996, S.293f.) wie folgt dar:

Er gibt ein neues Gebot einander zu lieben, so wie er die Menschen geliebt hat (Joh. 13,34).

Er eröffnet eine neue Hoffnung: eine neue Wohnung, die er bereiten und in die er vorausgehen wird (Joh. 14,1-3).

Er verheißt einen anderen Beistand, der den Gläubigen in mancher Weise dienen wird: als Ratgeber, Ermahner, Tröster, Fürsprecher, Überführer, Lehrer usw. (Joh.14,16).

Er enthüllt neue Beziehungen: der Heilige Geist in den Gläubigen, nicht nur bei ihnen, die Gläubigen in Christus und Christus in den Gläubigen (Joh.14,17+20).

Er errichtet eine neue Grundlage für das Gebet in seinem Namen (Joh.16, 24+26).

Wie oben erwähnt, ist auch eine Pluralisierung der Einstellungs- und Wertüberzeugungen christlicher Glaubensgemeinschaften und ihrer Mitglieder zu verzeichnen. Allerdings scheinen sich diese Unterschiede nach einer Studie von Lukatis & Lukatis (1989) zu relativieren, je stärker die kirchliche Bindung der einzelnen Mitglieder ausfällt. Dies ist insofern plausibel, als es das Ergebnis von Pollack (2000) unterstreicht .

3.2.2Ehe und Partnerschaft

Die gegenwärtige Grundlage des christlich-theologischen Verständnisses von Partnerschaft/Ehe bildet die Bibel. In dieser Arbeit möchte ich mich allerdings auf allgemeine Aussagen dazu beschränken, da eine erschöpfende Darlegung der Theologie der Ehe an der eigentlichen Fragestellung vorbei führen würde4.

Die Erklärungen hierzu beginnen mit dem Schöpfungsbericht im Alten Testament: “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei...“ (1.Mose 2,18). “Der mit sich einsame Adam ist noch nicht ´der´ Mensch, er ist noch nicht die Erfüllung der Menschenschöpfung.“ Es fehlt ihm noch ein Gegenüber, von dem er selbst erkennt, dass er für ihn Beistand sein kann.“ (Bräumer, 1997, S.75). Aus seiner Rippe wurde Eva gemacht. Beide sind nicht nachträglich zusammengeführt, sondern bilden von Anfang an eine Einheit, „...sie kommen voneinander her.“ (Bräumer, 1997, S.76). Im evangelischen Lexikon für Theologie und Gemeinde erklärt Cochlovius (1992, S.471) weiter: „Mit der komplementären Erschaffung von Mann und Frau ist die Ehe gesetzt. Indem Adam eine Frau – und nicht mehrere – als sein Gegenüber bekommt, ist die Ehe monogamisch konstitutiert. Indem Eva zur ganzheitlichen Hilfe für Adam bestimmt wird, ist die lebenslange Dauer der Ehe begründet, denn eine Gemeinschaft auf Abruf vermag kein Programm ganzheitlicher Hilfe zu vermitteln (1. Mose 2,18).“.

Nach Böckle (1993) spiegelt sich in dem, was Jesus selbst zur Ehe sagt, die Grundstruktur seiner Botschaft überhaupt wieder (vgl. Mk 10, 2-10; Mt 19,3-12). Er greift auf den ursprünglichen Schöpferwillen zurück, „...die eigentliche Absicht Gottes mit den Menschen, zur gegenwärtigen Möglichkeit im Glauben.“ (Böckle, 1993, S.120). Er lehrt die Liebe, welche alles (sogar Untreue und Enttäuschung) in der Bereitschaft zum Verzeihen überdauert. Dies bedeutet Verantwortung für den Gatten bis zum Tod, für immer in Liebe für den anderen da zu sein. „Das ist der Weg, auf dem durch Christi erlösende Liebe die menschliche Institution von innen her erneuert werden soll.“ (Böckle, 1993, S.120). Böckle (1993) hebt also die geistliche Komponente der dauerhaften Beziehung zwischen Mann und Frau hervor, nämlich die Ehe als Heiligungsweg, um Gottes bedingungslose Liebe kennen zu lernen, zu erfahren und selbst zu praktizieren. Diese Bindung setzt die Annahme des anderen mit all seinen Facetten voraus und wirkliche Annahme geschieht nur dort, wo der Partner ohne Wenn und Aber mit all seinen Schwächen und mit allen Belastungen angenommen wird, die im Laufe eines Lebens zutage treten. Liebe wird dann zur „...existentiellen Wirklichkeit in der Treue.“ (Böckle, 1993, S.122).

Neben Jesus wird zur theologischen Auslegung der Bibel zum Thema Ehe auch Paulus aus dem Epheserbrief (Eph 5, 21-33) zitiert. Darin wird die Gemeinschaft von Frau und Mann als Bild „...für die Beziehung zwischen Christus, dem erhöhten Herrn, und seiner Gemeinde, der Kirche.“ gedeutet (Böckle 1993, S.120). Cochlovius (1992) weist darauf hin, dass der Glaube zwar keine vollkommene Ehe gewährleistet, aber heranreifen kann zu dem Abbild der Gemeinschaft, die Jesus mit der Gemeinde pflegte. Dabei soll die Ehefrau durch die Liebe Gottes die Kraft empfangen, sich dem Mann nicht zu überheben und die Weisheit, ihm helfen zu können. Der Mann lässt sich durch das Bild Christi zu Hingabe und Verantwortungsbereitschaft verändern. Hier gibt es also eine geschlechtsspezifische Zuordnung, bei der Mann und Frau „...an der Ehre, die Christus Gott als seinem Haupt gibt, die ihnen gebotene spezifische Ehrerbietung lernen und verwirklichen.“ (Cochlovius, 1992, S.471).

Männer und Frauen haben nach dieser Ansicht unterschiedliche Aufgaben in einer Partnerschaft bzw. Ehe, die auch eine ergänzende Andersartigkeit voraussetzt (Cochlovius, 1992). Smalley (1998a/b), einer der populärsten Paartherapeuten der USA, sieht gerade in den daraus resultierenden Unterschieden von Mann und Frau die Hauptursache für Beziehungskonflikte.

In Deutschland durchgeführte empirische Studien zu christlichen Partnerschaften lassen sich kaum finden. Neben Lukatis & Lukatis (1989) sowie Bochmann & Näther (2002) lassen sich nur amerikanische Studien heranziehen, um sich eventuell ein Bild christlich orientierter Paare machen zu können.

Nach Lukatis & Lukatis (1989) befinden sich unter den Menschen, für die der religiöse Bereich von großer Bedeutung ist besonders häufig Personen, die Familie und Verwandte besonders hochschätzen und eher traditionelle Familienstrukturen befürworten.

Bochmann & Näther (2002) explorierten die Sexualität unter Christen und kamen zu dem Ergebnis, dass eine überdurchschnittlich hohe sexuelle Zufriedenheit bei freikirchlich orientierten Christen zu verzeichnen ist, was dem oftmals vertretenen Vorurteil von „verklemmt und prüde“ widerspricht. Die sexuelle Treue stellte in ihren Untersuchungen dabei den entscheidenden Faktor für die sexuelle Zufriedenheit in einer christlichen Ehe dar. Außerdem konnten sie eine hohe Korrelation zwischen Glauben und sexueller Zufriedenheit finden. „Christen haben eine erfüllte und erfüllende Sexualität: Je gläubiger, um so mehr.“ (Bochmann & Näther, 2002, S.141), was sie thesenartig damit begründen, dass Christen eine höhere Bindungsbereitschaft und -fähigkeit besitzen, eher an Intimität interessiert und zu Intimität befähigt sind und eine geringere sexuelle Erwartung als Nichtchristen haben. Christen betrachten Sexualität demnach eher als Geschenk und nicht etwa als Droge oder Ersatzreligion.

Der Zusammenhang von Religiosität und Partnerschaftszufriedenheit konnte in einigen amerikanischen Studien nachgewiesen werden. So konnten Larson & Olson (2004) in ihrer Studie eine hohe Korrelation von r=.52 zwischen Ausprägung der Religiosität und der ermittelten Nähe bzw. Verbundenheit der Partner ausmachen. Bei einer Metaanalyse von 94 in Zeitschriften veröffentlichen Studien konnten Mahoney, Pargament, Tarakeshwar & Swank (2001) feststellen, dass hohe Religiosität mit einer verminderten Scheidungswahrscheinlichkeit und verbesserter Funktionsfähigkeit der Ehe einhergeht, obwohl aus diesen Studien nicht klar ersichtlich ist, in welcher Art und Weise der Glaube tatsächlich vom Paar in die Partnerschaft integriert wurde. Olson & Olson (2000) konnten nachweisen, dass Zufriedenheit und Übereinstimmung im Ausdruck religiöser Werte und Überzeugungen die glücklichen Paare von den unglücklichen trennt. Konfessionsverschiedene Partnerschaften stellen deswegen auch eine besondere Herausforderung dar, da sie ein hohes Maß an Toleranz und Verständnis erfordern. Sie funktionieren nach Joanides, Mayhew & Mamalakis (2002) nur dann gut, wenn sie ihre Betonung auf die Gemeinsamkeiten im Glauben legen. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Larson & Olson (2004) bei der Bewertung von Daten aus einer Stichprobe mit 24671 Paaren. Paare mit hoher positiver Übereinstimmung (mind. 70%) schnitten in den Skalen Ehezufriedenheit, Persönlichkeitsprobleme, Kinder und Elternschaft, Kommunikation, Konfliktbeseitigung, Finanzmanagment, Freizeitaktivitäten, Sexualität, Paarnähe und Paarflexibilität deutlich besser ab als die Gruppe mit niedriger Übereinstimmung (max. 30%). 36% der Paare mit hoher Übereinstimmung zählten dabei zu den „vitalen“ Paaren aber nur 5% der Paare niedriger Übereinstimmung. Im Gegensatz dazu machten 23% und 9% der Paare hoher Übereinstimmung den Anteil der „gespannten“ und „unvitalen“ Paare aus, während diese Paartypen bei Paaren niedriger Übereinstimmung einen Prozentsatz von 19% und 62% ausmachten5. Vitale Paare haben laut früherer Studien die beste Prognose für eine stabile und zufriedene Ehe, wohingegen gespannte und unvitale Paare mit einer sehr hohen Scheidungswahrscheinlichkeit zu rechnen haben.

Ein Ausdruck von Übereinstimmung ist das gemeinsame Gebet. Die Auswirkungen des gemeinsamen Gebets der Partner benennt Greeley (1991) als entscheidendsten Faktor für die Stabilität einer Ehe. Gemeinsames Gebet steht in starkem Zusammenhang mit Intimität und dieses wiederum mit der Partnerschaftszufriedenheit (vgl. 2.2.2).

3.3Das Unterstützungsnetzwerk der beiden Gruppen

Da auch für das Soziale Netzwerk christlich orientierter und konfessionsloser Personen bisher wenig erforscht ist und die wenigen existierenden Studien zu diesem Thema diese beiden Gruppen meist gemeinsam betrachten, sollen die Ergebnisse unter diesem Abschnitt ebenfalls zusammen gefasst werden. Es lassen sich keine Studien direkt zum Unterstützungsnetzwerk auffinden - die Ergebnisse der vorliegenden Studien zum sozialen Netzwerk können aber Hinweise zur Hypothesenbildung über das Unterstützungsnetzwerk liefern.

Die schon angesprochene Entkirchlichung geht auch mit einer Auflösung konfessioneller Milieus einher. Konfessionelle Milieus bezeichnen soziale Zusammenschlüsse (wie z.B. die der Protestanten oder Katholiken) mit gemeinsamen Überzeugungen und einer komplexen Konfiguration religiöser, regionaler, sozialer und wirtschaftlicher Faktoren. Diese Milieus sind umso stabiler, je mehr sie sich von ihrer Umwelt abkapseln. Je geschlossener sie sind, umso homogener sind auch ihre Mitglieder bezüglich ihres Glaubens und ihrer Wertvorstellungen. Dies erleichtert die Weitergabe und Sanktionierung religiöser Überzeugungen und Verhaltensweisen. Der Zerfall konfessioneller Milieus könnte mit einem Rückgang an sozialer Integration einhergehen. Kecskes und Wolf (1996) gehen in ihrer Untersuchung der Frage nach, ob sich die Auflösung konfessioneller Milieus auch nachweisen lässt. Bei der Befragung zur Struktur der Netzwerkpersonen von 671 Protestanten, Katholiken und Konfessionslosen wurden durchschnittlich 9,3 Netzwerkpersonen genannt, allerdings bestehen deutliche Unterschiede in der Fokussierung der Beziehungen bei konfessionell gebundenen Personen auf der einen und den konfessionslosen Befragten auf der anderen Seite. Konfessionslose nennen deutlich weniger Verwandte, weniger Vereins- bzw. Gruppenmitglieder, etwas mehr Arbeitskollegen und Bekannte und erheblich mehr Freunde (Unterschiede zwischen den Konfessionen fallen kaum ins Gewicht). Zu einem ähnlichen Ergebnis (vgl. 3.1.2) kamen Lukatis & Lukatis (1989), die eine geringere Bedeutung der „Verwandtschaft“ für die Konfessionslosen gegenüber Kirchgängern ausmachten, dafür eine größere Bedeutung der „Freunde“6.

Nach Kesces und Wolf (1995) lassen sich signifikante Effekte christlicher Religiosität auf die Netzwerkgröße und Netzwerkdichte – sie beschreibt, wie gut sich die Personen untereinander kennen – nachweisen, wobei die einzelnen Dimensionen unterschiedliche Einflüsse ausüben. Glauben und Erfahrung haben keine Effekte; die religiöse Praxis steht in positivem Zusammenhang zur Netzwerkgröße, aber in einem negativen zur Dichte. Bei der Akzeptanz christlicher Rituale verhält es sich genau umgekehrt und das religiöse Wissen steht in einem positiven Zusammenhang mit der Zahl der angegebenen Netzwerkpersonen.

Neben der Aufteilung des sozialen Umfeldes wurde auch die räumliche Ausbreitung von Kecskes und Wolf (1996) analysiert. Dabei stellten sie fest, dass Katholiken in stärkerem Ausmaß als Konfessionslose Beziehungen zu Personen pflegen, die in unmittelbarer Nähe wohnen. Keinen Einfluss hat die Konfessionszugehörigkeit auf die Reziprozität (auf das Geben und Nehmen) in sozialen Netzwerken. Hier hat nur das Alter einen Effekt: Jüngere Altersgruppen erbringen mehr Unterstützungsleistung als sie erhalten, während es sich bei den älteren Altersgruppen genau umgekehrt verhält. Auch bei Prüfung der Religiosität können in ihrer Untersuchung kaum Unterschiede zwischen Konfessionslosen und Kirchenmitgliedern festgestellt werden. Die Annahme, dass die Interaktionen sich insgesamt mehr durch das Geben auszeichnen, konnte nicht bestätigt werden. Lediglich die Interaktionen alter Menschen (über 64 Jahre), die als religiös betrachtet wurden, sind seltener ausgeglichen als die der gleichen Altersgruppe nichtreligiöser Menschen. Ansonsten konnten keine Unterschiede hinsichtlich der Reziprozität zwischen religiösen und nichtreligiösen Menschen ausgemacht werden.

Abschließend kann zusammenfassend festgestellt werden, dass sich nur wenige Hinweise für Unterschiede der sozialen Netzwerke sowohl hinsichtlich der Netzwerkgröße als auch der erbrachten Leistungen zwischen religiösen und nichtreligiösen Personen finden lassen. Während das Hochhalten von christlichen Ritualen mit eher traditionellem Netzwerk (großer Anteil von Verwandten und konfessionell Gleichgesinnten) zusammen hängt, zeichnen sich Personen mit hohen Werten der Dimension christlicher Praxis durch ein großes heterogenes Netzwerk mit kleiner Dichte aus. „Egal, ob eine Person religiös ist oder nicht, fast alle besitzen ein soziales Netzwerk, das sowohl von der Größe als auch von den bereitgestellten Leistungen als intakt bezeichnet werden kann.“ (Kecskes & Wolf, 1996, S.158).

4Hypothesen und Fragestellungen

Die Partnerschaftszufriedenheit ist ein bedeutendes Maß für die Stabilität einer Ehe. In Anbetracht der seltenen Forschungsergebnisse zur Gestaltung christlich und nichtreligiös orientierter Partnerschaften verfolgt diese Arbeit das Ziel, diese beiden Gruppen hinsichtlich ihrer Beziehungszufriedenheit, der wahrgenommenen Unterstützung aus dem näherstehenden Netzwerk und den Vorstellungen zur Partnerschaftsgestaltung zu untersuchen. Da bisher wenig Studien existieren, die diese beiden Gruppen explizit vergleichen, sind Hypothesen bezüglich erwarteter Mittelwertsunterschiede schwer generierbar.

Die Ergebnisse von Lukatis und Lukatis (1989) besagen, dass Personen, für die der religiöse Bereich von großer Bedeutung ist, den Wert „Familie“ hochschätzten und traditionelle Familienstrukturen befürworteten. Konfessionslose schenkten dagegen diesem Bereich deutlich weniger Beachtung und sprachen sich außerdem deutlicher für die eigene Berufstätigkeit der Frau aus. Die Ergebnisse von Brandstädter & Felser (2003) verweisen auf eine höhere Zufriedenheit in der Partnerschaft für Paare, deren Ziele auf die Stabilität der Partnerschaft ausgerichtet sind. Deshalb ist anzunehmen, dass die Gruppe christlich-religiöser Personen zufriedener ist und mit wachsender religiöser Orientierung die Partnerschaftszufriedenheit steigt. Deshalb lauten meine ersten Hypothesen:

Hypothese 1a): Die Mittelwerte der Partnerschaftszufriedenheit von Personen christlich-religiöser Orientierung sind größer als die nichtreligiöser Personen.

Hypothese 1b): Die Werte der Partnerschaftszufriedenheit steigen mit zunehmender religiöser Praxis.

Ein Schwerpunkt der Operationalisierung der „Christlichen Praxis“ ist das Gebet. Die Arbeit von Greeley (1991) konnte nachweisen, dass für amerikanische Paare das gemeinsame Gebet der Partner eine wichtige Komponente für die Stabilität einer Ehe darstellt. Die durch das gemeinsame Gebet erreichte Intimität erhöht die Partnerschaftszufriedenheit. Dies ist auch für deutsche Paare zu verifizieren.

Hypothese 1c): Steigende Werte des „gemeinsamen Betens“ gehen mit größeren Werten der Partnerschaftszufriedenheit einher.

Die wenigen vorhandenen Studien zum sozialen Netzwerk konnten keine großen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen erkennen lassen. Deshalb sind auch hier keine Mittelwertsunterschiede im Unterstützungsnetzwerk zu erwarten.

Hypothese 2a): Die Gruppe der Nichtreligiösen hat eine ähnlich große Anzahl nahestehender Personen in ihrem Netzwerk wie die Gruppe der christlich orientierten Personen.

Hypothese 2b): Die Mittelwerte der wahrgenommenen Unterstützung unterscheiden sich zwischen der christlichen Gruppe und der Gruppe der Nichtreligiösen nicht signifikant.

Kecskes & Wolf (1995) verweisen auf den Zusammenhang zwischen der religiösen Praxis und der Netzwerkgröße für die Gruppe der Personen, die als religiös bezeichnet wurden. Hieraus resultiert die folgende Hypothese:

Hypothese 2c): Steigende Werte der Skala „Christliche Praxis“ gehen mit einer größeren Anzahl genannter Netzwerkpersonen einher.

Es ist außerdem zu verifizieren, ob die Ausprägung der Religiosität einen Einfluss auf die wahrgenommene Unterstützung hat. Da hier keine Hypothese möglich ist, soll zur weiteren Exploration eine Fragestellung formuliert werden:

Fragestellung 2d): Kann ein Zusammenhang zwischen den Werten der „Christlichen Praxis“ und den Werten der wahrgenommenen Unterstützung festgestellt werden?

Unabhängig der Orientierung der einzelnen Personen kann aufgrund der Ergebnisse diverser Forschungsarbeiten (Cotton et al., 1993; Dickson et al., 1988; Geser, 2000; Hartmann 2003; Kecskes & Wolf, 1996) antizipiert werden, dass ein hoher Wert in wahrgenommener sozialer Unterstützung auch mit einem hohen Wert der Partnerschaftszufriedenheit einhergehen kann. Dabei ist in einem großen Netzwerk auch mit mehr Unterstützung zu rechnen.

Hypothese 2e): Eine größere Anzahl genannter nahestehender Personen geht mit höheren Werten der Partnerschaftszufriedenheit einher.

Hypothese 2f): Höhere Werte der Skala „Soziale Unterstützung“ gehen mit höheren Werten der Partnerschaftszufriedenheit einher.

Kurdek (1993) sowie Brandstädter & Felser (2003) verweisen auf den Zusammenhang bestimmter Vorstellungen bzw. Überzeugungen von Partnerschaft und der Partnerschaftszufriedenheit. Falls die Mittelwerte der Partnerschaftszufriedenheit von christlich orientierten Personen signifikant höher liegen, als die der Nichtreligiösen, ist somit auch mit höheren Werten bei der Einstellungsskala zu rechen. Da mir aber dazu keine bekannten empirischen Studien zur Einstellungserfassung bei christlich orientierten bzw. nichtreligiösen Personen vorliegen, ist es nicht möglich eine entsprechende Hypothese aufzustellen. Auch hier sollen zur weiteren Exploration Fragestellungen formuliert werden:

Fragestellung 3a): Gibt es Mittelwertsunterschiede bei den Fragen zur Einstellungserfassung zwischen der christlichen und nichtreligiösen Gruppe?

Fragestellung 3b): Kann ein Zusammenhang zwischen den Werten der „Christlichen Praxis“ und den Werten der „Einstellungsskala“ festgestellt werden?

Aufgrund der Ergebnisse von Kurdek (1993) und Brandstädter & Felser (2003) sowie der theoretischen Herleitung der Items der Einstellungsskala aus den Befunden zur gelungenen Partnerschaft, ist auch ein hoher Zusammenhang zur Partnerschaftszufriedenheit zu erwarten. Daraus resultiert folgende Hypothese:

Hypothese 3c): Ein höherer Wert der „Einstellungsskala“ geht mit größeren Werten der Partnerschaftszufriedenheit einher.

5 Methode der Untersuchung

5.1 Vorüberlegungen zur Wahl der Forschungsmethode

Da in dieser vorliegenden Arbeit eventuelle Unterschiede zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen exploriert werden sollen, ist eine qualitative Untersuchungsmethode nicht angezeigt. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen sind möglichst große Stichproben notwendig, die nur mit der quantitativen Methode erreicht werden können. Die Technik des Interviews erlaubt zwar eine ausführlichere Befragung über Ansichten und Erlebnisse, eignet sich aber neben dem Nachteil der kleinen Stichprobenmenge eher zur Identifizierung von Gemeinsamkeiten.

Ich entschied mich deshalb für eine quantitative Untersuchung mit einer Stichprobe, die möglichst 30 Personen pro Gruppe übersteigen sollte, um einen gewissen Grad an Repräsentativität zu erzielen. Die quantitative Methode gewährt außerdem eine hohe Durchführungs- und Auswertungsobjektivität und die Anwendung statistischer Verfahren, die eine strukturierte und leichter zu kontrollierende Vorgehensweise erlauben.

Durch die Verwendung eines Online-Fragebogens7 sollte mit relativ geringem Aufwand eine umfangreiche und ortsunabhängige Stichprobe erhoben werden. Außerdem hat diese Form der Datenerhebung nach Batinic & Bosnjak (2000) noch weitere Vorteile:

Zeitunabhängige Befragung

Hoher Stichprobenumfang

Automatisierte Durchführung und Auswertung der Untersuchung

Bessere Dokumentierbarkeit

Objektivität der Durchführung und Auswertung aufgrund fehlender direkter Interaktion zwischen Versuchsleiter und Testperson

Ökonomischer durch Zeit- und Kostenersparnis

Die Validität psychologischer Online-Forschung konnte in jüngeren Studien für verschiedene diagnostische Instrumente belegt werden (Noller, 2000 zit. nach Späth, 2002). Dem gegenüber steht z.B. der Nachteil, dass die Motivation der Teilnahme an Befragungen nicht festgestellt oder kontrolliert werden kann. Nach Reips (2000) muss davon ausgegangen werden, dass sich an Online-Befragungen hauptsächlich Personen beteiligen, die sich in irgendeiner Form für das entsprechende Thema interessieren. Dies kann zur Verzerrung der Stichprobe führen und somit die Repräsentativität einschränken. Um freiwillige Probanden, für die kein Internetzugang zur Verfügung stand, nicht von der Untersuchung auszuschließen, setzte ich neben der Online-Version auch den konventionellen Papierfragebogen ein.

5.2 Die Rekrutierung der Versuchspersonen

Für meine Untersuchung benötigte ich Personen, die sich selbst als christlich bzw. nichtreligiös beurteilten und mind. 2 Jahre in einer festen Partnerschaft lebten. Die Entscheidung, das Internet mit einzubeziehen, war mit der Konsequenz verbunden, dass ich mit den meisten Probanden keinen persönlichen Kontakt herstellen konnte, um sie zur Mitarbeit zu bewegen. Deswegen musste ich versuchen, Institutionen zu gewinnen, die wiederum ihren Personenkreis für dieses Projekt anwerben sollten. Wie unter Abschnitt 4.1 festgestellt wurde, brauchte ich Personen, die sich in irgendeiner Form für das Thema interessierten, weswegen ich hauptsächlich nach Institutionen suchte, die irgendwie mit dem Thema Partnerschaft zu tun hatten. Durch meine eigene Arbeit in der christlichen Studentenbewegung und meinen Kontakten zu vielen christlichen Gemeinden war dies leichter als erwartet. Mitarbeiter verschiedener freikirchlicher und überkonfessioneller Institutionen (z.B. Prepare+Enrich, IGNIS, BidE) sagten mir schnell und unkompliziert ihre Bereitschaft zur Unterstützung zu.

Die rekrutierung nichtreligiös orientierter Probanden zeigte sich dagegen mit großen Schwierigkeiten verbunden. Meine schriftlichen und/oder telefonischen Anfragen bei verschiedenen Institutionen (wie z.B. verschiedenen Paarberatungsstellen, therapeutischen Schul- und Forschungseinrichtungen, online-forschung.de) wurden zumeist negativ oder gar nicht beantwortet, so dass mit großer Wahrscheinlichkeit der an der Untersuchung beteiligten nichtreligiösen Probanden durch die Anwerbung aus meinem eigenen Verwandtschafts- und Bekanntenkreis sowie deren Umfeld stammt.

5.3Der Fragebogen

Mit Hilfe des Fragebogens soll untersucht werden, in wieweit sich nichtreligiös und christlich orientierte Menschen in Deutschland hinsichtlich verschiedener Aspekte von Partnerschaft unterscheiden.

Der Fragebogen, der in mehrere Abschnitte eingeteilt ist, beinhaltet 69 Items. Zu Beginn erfolgt die Erhebung soziodemographischer Daten (Alter, Beruf, Geschlecht und Dauer der Partnerschaft) zusammen mit den Fragen der eigenen Orientierung und der des Partners. Danach schließen sich die Skalen zur „Christlichen Praxis“, zur „Partnerschaftszufriedenheit“ und zur „sozialen Unterstützung“ an. Der letzte Abschnitt beinhaltet die „Einstellungsskala“ mit den Items zu Vorstellungen einer gelungenen Partnerschaft. Alle Skalen sind Selbstbeurteilungsverfahren und beruhen somit auf der subjektiven Selbsteinschätzung der Probanden.

Christliche Praxis“

Da die Intensität christlicher Orientierung unter den Christen stark variiert (vgl. Abschnitt 3.2.1) wurde von mir eine Skala zur Erfassung der christlichen Praxis erstellt (siehe Tabelle 1), was nach Kecskes & Wolf (1995) zwar nur eine Dimension christlicher Religiosität ausmacht, diese aber den stärksten Zusammenhang mit kirchlicher Bindung aufweist (Kecskes & Wolf, 1996, S.82). Wie unter Abschnitt 3.2.1 schon dargestellt wurde, werden mit steigender kirchlicher Bindung auch zunehmend Aussagen des christlichen Glaubens bejaht und verschwinden Konfessionsunterschiede in Einstellungs- und Wertüberzeugungen. Konfessionsunterschiede in der christlichen Orientierung können somit minimiert werden.

Beim Entwurf der Skala (siehe Tabelle 3) orientierte ich mich an den Arbeiten zur Erfassung christlicher Religiosität von Kecskes & Wolf (1995), Lukatis & Lukatis (1989) und Pollack (2000).

Tab. 3: Operationalisierung der Skala „Christliche Praxis“

Wie oft beten Sie?

Wie oft beten Sie mit ihrem Partner zusammen?

Wie intensiv beschäftigen Sie sich mit der Bibel und anderer Literatur, die Ihnen den Glauben nahe bringt?

Wie oft sind Sie in christlicher Gemeinschaft (Gottesdienst, Hauskreis, andere Aktivitäten)?

Wie oft denken Sie bewusst in Alltagssituationen daran, Ihre christlichen Grundsätze praktisch anzuwenden?

Diese Fragen sind rein quantitativ zu beantworten auf einer 4-stufigen Skala („gar nicht“, „täglich“, „wöchentlich“, „monatlich“), wobei „wöchentlich“ und „monatlich“ noch acht Unterstufen (ein- bis acht Mal) aufweist. Daraus kann ein Score der Häufigkeiten zwischen 0 („gar nicht“) und 30 („täglich“) errechnet werden.

Partnerschaftszufriedenheit“

In Deutschland hauptsächlich angewendete Fragebögen zur Erfassung der Ehezufriedenheit sind die Dyadic Adjustment Scale (DAS, Spanier, 1976; deutsch: FBZ, Hank, Hahlweg & Klann, 1990) und der Partnerschaftsfragebogen von Hahlweg (PFB, Hahlweg, 1996). Diese Fragebögen sind fast identisch komplex und korrelieren hoch miteinander, so dass bei der Auswahl pragmatische Gründe im Vordergrund standen. Der PFB ist mit seinen 3 Faktoren (Streitverhalten, Zärtlichkeit und Gemeinsamkeit/Kommunikation) differenziert genug, besitzt einen guten Wert der internen Konsistenz (α = ,95) sowie gute diskrimitative und prognostische Validität (vgl. Hahlweg, 1996) und wurde wegen seiner kürzeren Bearbeitungszeit (5-10 min; FBZ ca. 15min) übernommen. Kleine Veränderungen wurden in der Reihenfolge der Items zum Faktor „Zärtlichkeit“ vorgenommen, um eine langsame Hinführung zu den sehr intimen Fragen zu ermöglichen und des Weiteren wurden die Pronomen „Er/Sie“ der Einfachheit halber mit „Mein Partner“ ersetzt.

Soziale Unterstützung“

Übersichten der Messinstrumente zur Erfassung ego-zentrierter Netzwerke sind in Diaz-Bone (1997) und Lairaiter (1993) zusammengestellt (z.B. das Burt-Instrument von Burt, 1984, das Social Support Ouestionare von Sarason, Levine, Basham & Sarason, 1983, Mannheimer Interview zur sozialen Unterstützung von Veiel, 1987). Allerdings ist ein Teil dieser Messinstrumente nicht direkt zur Messung der sozialen Unterstützung vorgesehen, ein anderer Teil beinhaltet zu viele Items (zu lange Bearbeitungszeit) oder war als Interviewverfahren vorgesehen, oder es fehlten Angaben von Reliabilität und Validität, so dass auch hier kein für meine Fragestellung geeignetes Messinstrument zur Verfügung stand. In Anlehnung der Ergebnisse der Netzwerkforschung (vgl. Abschnitt 2.3) wurden von mir auch hier die Items zur Operationalisierung der sozialen Unterstützung selbst erstellt (siehe Tabelle 4).

Tab. 4: Operationalisierung der Skala „Soziale Unterstützung“

Wie viele Ihnen nahestehende Personen haben Sie neben Ihrem Partner?

Wie stark fühlen Sie sich insgesamt von einem oder mehreren dieser Personen bei Partnerschaftskonflikten getröstet?

Wie stark dienen eine oder mehrere Ihrer nahestehenden Personen Ihnen als Vorbild in der Partnerschaftsgestaltung?

Wie stark werden Sie von den Ihnen nahestehenden Personen ermutigt in schwachen oder unsicheren Momenten Ihrer Partnerschaft?

Wie stark ist ihre Bereitschaft sich von einem oder mehreren Ihrer nahestehenden Personen in Fragen zu Ihrer Partnerschaft beraten zu lassen und diese Ratschläge umzusetzen?

Als wie stark empfinden Sie die Hilfsbereitschaft ganz allgemein Ihrer Ihnen nahestehenden Personen?

Dabei erfasst eine Frage die soziale Integration (Item 1.) sowie jeweils zwei weitere Items, die sich auf die Stärke der wahrgenommenen psychologischen (2., 4.) und informellen (3., 5.) Unterstützung speziell bei Partnerschaftsproblemen beziehen. Item 6. erfragt die Stärke der Wahrnehmung der allgemeinen Hilfsbereitschaft, während die anderen Items auf Partnerschaftsprobleme bezogen sind. Item 1. hat fünf Einstufungsmöglichkeiten, um die Anzahl der nahestehenden Personen anzugeben, und diese variieren zwischen 0 = „keine“, 1 = „ein-zwei“, 2 = „drei-fünf“, 3 = „sechs-acht“ und 4 = „neun u. mehr“. Die anderen fünf Items besitzen eine 6-stufige Skala von 0 = „gar nicht/sehr schwach“ bis 5 = „sehr stark“. Die Entscheidung für eine sechsstufige Skala war empfehlenswert, um eine Antworttendenz zur nichtdifferenzierenden Mitte auszuschalten.

Einstellungsskala“

Hiermit soll ermittelt werden, welche Vorstellungen die Probanden von einer gelungenen Partnerschaft besitzen. Wie unter Abschnitt 2.4 festgestellt wurde, beeinflussen falsche Überzeugungen und überzogene Erwartungen auch die Partnerschaftsqualität negativ.

Tab. 5: Operationalisierung der „Einstellungsskala“

Bei Partnerschaftsproblemen ist es immer ratsam, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Loyalität und Treue sollte dem Partner gegenüber bedingungslos sein.

Das aktive Erforschen der Persönlichkeit des Partners mit seinen Gefühlen, Gedanken, Verhaltensweisen und Träumen ist von großer Wichtigkeit.

Die Ursache von Konflikten liegt immer bei beiden Partnern.

Größtmögliche Offenheit und Ehrlichkeit kann gefährlich sein und sich langfristig negativ auf die Beziehung auswirken.

In glücklichen Partnerschaften besteht die Grundtendenz, in erster Linie auf das Wohl des Partners bedacht zu sein.

Die Qualität der gegenwärtigen freundschaftlichen Beziehung zwischen den Partnern bestimmt auch die Qualität der Sexualität.

Eine gute Beziehung zu gestalten, heißt, auch daran arbeiten zu müssen und Unangenehmes für gewisse Zeit in Kauf zu nehmen.

Die Meinung des Partners sollte bei wichtigen Entscheidungen immer ernsthaft mit berücksichtigt werden.

Offen für Kritik vom Partner zu sein, ist ein Zeichen hoher Beziehungsqualität.

Viele Unstimmigkeiten entstehen durch die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau.

Viele gemeinsame Erfahrungen und Unternehmungen zu machen, bedeutet viel Freude und vertieft die gegenseitige Verbundenheit.

Konflikte und Krisen sind Ausdruck einer lebendigen Partnerschaft und eine Chance beiderseitiger Persönlichkeitsbildung sowie der Partnerschaftsvertiefung.

Wenn beide Partner über die eigenen Gefühle sprechen, verbessert das die Beziehungsqualität.

Sich gegenseitig zu Herausforderungen anzuspornen, erhöht die Lebendigkeit einer Partnerschaft.

Die Qualität einer Partnerschaft wird auch durch die Entwicklung der Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Partner verbessert.

Auch wenn es ab und zu in der Partnerschaft Gefühle der Ungerechtigkeit oder Minderwertigkeit geben sollte, so können diese durch die Auseinandersetzung mit dem Partner immer wieder beigelegt werden.

Alle Fähigkeiten, die die Partner für eine dauerhafte glückliche Partnerschaft benötigen, sind auch erlernbar.

In guten Partnerschaften kommt es praktisch nie zu gegenseitigen Verletzungen.

Das Einzige mir bekannte Messinstrument stammt von Eidelson & Epstein (1982). Mit ihrem Relationship Beliefs Inventory werden fünf ausgewählte irrationale Überzeugungen durch 32 Items erfasst. Dieser Fragebogen ist aber wiederum zu umfangreich und spiegelt trotzdem nicht in ausreichendem Maße die unter Abschnitt 2.2.2 dargestellten Erkenntnisse gelungener Partnerschaft wieder. Deswegen entschied ich mich hier ebenfalls für eine eigene Skalenkonstruktion, die anhand der theoretischen Analyse der unter Abschnitt 2 verwendeten Literatur vorgenommen wurde (siehe Tabelle 5). Die Items besitzen eine 6-stufige Skala von „stimmt gar nicht“ bis „stimmt genau“. Die Items 5 und 19 sind negativ gepolt. Auch hier wurde eine sechsstufige Skala verwendet, um eine Antworttendenz zur nichtdifferenzierenden Mitte auszuschalten.

Die nach der Itemanalyse in die Berechnungen eingegangenen Skalen, deren Entwurf von mir stammt, können im Anhang E eingesehen werden.

6Auswertung

Die statistische Auswertung wurde mit Hilfe des Programms SPSS (Statistical Package for Social Sciences), Version 11.5, mit folgenden Anwendungen vorgenommen:

6.1 Reliabilitätsanalyse

Da die Items der im Fragebogen eingesetzten Skalen „Christliche Praxis“, „Soziale Unterstützung“ und die der „Einstellungsskala“ selbst entwickelt wurden, mussten sie nach der Datenerhebung einer Itemanalyse unterzogen werden. Ebenso wurde der PFB zur Ermittlung der Partnerschaftszufriedenheit überprüft, da er leicht verändert wurde.

Die Brauchbarkeit der Items wird durch die Trennschärfe beurteilt. Sie gibt an, wie gut sich der Testwert aus dem Item vorhersagen lässt und berechnet sich als Korrelation zwischen dem Item und dem Testwert. Steht fest, dass die Items dasselbe messen, so implizieren hohe Werte zwischen den Items eine hohe Reliabilität der Skala. Der Reliabilitätskoeffizient gibt die Genauigkeit an, mit der ein Merkmal erfasst wird. Auf die Betrachtung der Varianz und Itemschwierigkeit kann verzichtet werden, da keine individualdiagnostische Fragestellung vorliegt.

Die Skala „Christliche Praxis“ besitzt mit einem Cronbach`s Alpha von  = ,73 einen ausreichend hohen Wert, so dass alle fünf Items übernommen werden können (vgl. Tabelle 6, die Tabellen aller weiteren Reliabilitätsanalysen können im Anhang B eingesehen werden). Der Verzicht auf ein Item würde keine Verbesserung weder in der Trennschärfe noch von Alpha bewirken. Die Skala erweist sich somit als reliabel.

Tab. 6:Reliabilitätsanalyse der Skala „Christliche Praxis“ (N=328)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ebenso konnte für die Skala „Soziale Unterstützung“ ein hoher Wert der internen Konsistenz von =,85 ermittelt werden, der sich leicht verbesserte, als das Item 6. (allgemeine Hilfsbereitschaft) eliminiert wurde. Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil die anderen Items sich direkt auf die soziale Unterstützung bei Partnerschaftsschwierigkeiten beziehen, während Item 6. die Zufriedenheit mit der Hilfsbereitschaft allgemein abfragte. Bei der Reliabilitätsberechnung der Einstellungsskala wurden sehr geringe Werte der Tennschärfe für die Items 1., 4., 5., 11. und 19. zwischen r(it) = ,097 und r(it) = ,245 bei einer internen Konsistenz von  = ,75 gemessen (vgl. Anhang, Tabelle B4). Nach Bereinigung der Skala erhöhte sich Cronbach`s Alpha auf  = ,79, der seinen Höchstwert erreichte, als Item 13 ebenfalls noch aus der Skala gelöscht wurde. Die Reliabilitäten (vgl. Tab. 7) der Skalen „Christliche Praxis“, „Soziale Unterstützung“ und der „Einstellungsskala“ können vor dem Hintergrund, dass sie selbst entwickelt wurden, als recht befriedigend betrachtet werden.

Tab. 7: Interne Konsistenz der selbst entworfenen Skalen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Cronbach`s Alpha der Subskalen des PFB entsprachen in etwa den Angaben aus dem Testheft (vgl. Tabelle 8) mit Werten zwischen  = ,81 und  =,89 (Gesamtwert der Skala  = ,91), so dass sich auch diese Skala als äußerst reliabel erweist.

Tab. 8: Interne Konsistenz des PFB nach Hahlweg (1996) und in eigener Stichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.2 Clusterzentrenanalyse

Um die christliche Gruppe hinsichtlich ihrer Ausprägung und Schwerpunktsetzung in der christlichen Praxis zu unterteilen, entschied ich mich für die Clusterzentrenanalyse. Sie ist eine spezielle Form der Clusteranalyse, deren Ziel es ist, Objekte bzw. Personen (Fälle) derart in Gruppen einzuordnen, dass in einem Cluster hinsichtlich bestimmter vorliegender Variablen möglichst gleichartige bzw. ähnliche Objekte zusammengefasst werden. Bei der Clusterzentrenanalyse werden alle Objekte derart in Cluster gruppiert, dass sie die kleinste Euklidische Distanz zum Zentrum der Cluster haben und sich die Streuungsquadratsumme innerhalb der Cluster minimiert. Die christliche Gruppe sollte in dieser Untersuchung hinsichtlich ihrer Schwerpunkte der Skala der „Christlichen Praxis“ unterteilt werden, weswegen alle Items dieser Skala als Variablen miteinbezogen wurden. Es ergaben sich drei Untergruppen, die sich in der Ausprägung ihrer christlichen Praxis voneinander unterschieden. Gruppe 1, bestehend aus 48 Probanden, beinhaltet alle Probanden der christlichen Gruppe, die in ihrer Selbstbewertung zur eigenen christlichen Praxis niedrige Werte besitzen. Lediglich das eigene Gebet und die Anwendung ihrer christlichen Grundsätze hat mittlere Ausprägung. Die Schwerpunkte der mittleren Gruppe liegen im eigenen Gebet, im Bibel lesen und im bewussten Anwenden der christlichen Grundsätze. Die beiden anderen Items besitzen nur einen niedrigen Wert. Ihre Anzahl beträgt 124 Personen. In Abgrenzung zu den beiden anderen Gruppen, besitzt die dritte Gruppe mit 156 Personen in fast allen Bereichen sehr hohe Ausprägungen, lediglich die Häufigkeit in christlicher Gemeinschaft hat einen mittleren Wert. Die Darstellung der Gruppen und ihre Clusterzentren sind in Tabelle 9 dargestellt.

Tab. 9: Clusteranalytische Gruppierung der christlichen Gruppe nach ihren Schwerpunkten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.3 Mittelwertsvergleich (T-Test, Mann-Whitney U-Test, Kruskal-Wallis H-Test, mehrfaktorielle Kovarianzanalyse)

Mit Hilfe dieser Verfahren soll geklärt werden, ob sich Mittelwerte signifikant voneinander unterscheiden. Dabei zeigen diese Tests auf, ob der Unterschied (mindestens einer) zwischen multiplen Vergleichsgruppen signifikant ausfällt. Zur Anwendung parametrischer Tests (T-Test, univariate Kovarianzanalyse) wird mindestens Intervallskalenniveau der Kriteriumsvariable, deren Normalverteilung und in etwa gleiche Fehlervarianzen der Vergleichsgruppen vorausgesetzt. Die Normalverteilung war in den meisten Fällen verletzt. Die Ergebnisse der Normalverteilungsüberprüfung können im Anhang C eingesehen werden. Der verwendete Test auf Normalverteilung ist der Kolmogorov-Smirnov Test. Die parametrischen Tests reagieren allerdings nach Bortz (1999) äußerst robust auf Verstöße gegen die Normalverteilung, wenn die Varianzen homogen sind. Die Prüfung auf Varianzhomogenität erfolgt mithilfe des Levene-Tests und wird von SPSS automatisch mit ausgeführt. Bei vorliegender Signifikanz dieses Tests, wurde auf nonparametrische Tests zurückgegriffen (U-Test, H-Test).

Zur Klassifikation der Ergebnisse wurden folgende Signifikanzniveaus verwendet:

Nicht signifikant: p  0.05

Signifikant (*): p  0.05

Sehr signifikant (**): p  0.01

Hoch signifikant (***): p  0.001

6.4 Korrelationsberechnungen

Zur Überprüfung der Zusammenhänge unabhängiger und abhängiger Variablen wurden Produkt-Moment-Korrelationen nach Pearson berechnet und zur Überprüfung auf Scheinkorrelationen wurden gegebenenfalls Variablen herauspartialisiert. Nach Bortz (1999) muss für die Signifikanz der Pearson-Korrelation die Stichprobe bivariat normalverteilt sein, was sich allerdings schlecht überprüfen lässt, weswegen abhängige und unabhängige Variablen auf ihre Normalverteilung hin überprüft werden.

Lagen keine intervallskalierten Variablen vor, oder wurden Korrelationen innerhalb der männlichen nichtreligiösen Stichprobe (n=9) berechnet, wurden diese nach Spearman`s-Rho berechnet.

Die Korrelationen wurden alle 2-seitig auf dem Signifikanzniveau von 5% geprüft.

Einstufung der Korrelationskoeffizienten nach Zöfel (2002):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7Ergebnisse

7.1Soziodemographische Angaben

Insgesamt nahmen 388 Probanden an der Untersuchung teil, von denen 367 in die Datenauswertung aufgenommen werden konnten. Eine Person füllte den Fragebogen (konventioneller Art) unvollständig aus und 20 Probanden wurden ausgeschlossen, weil deren Partner nicht die gleiche Orientierung aufwiesen wie sie selbst. Dieses Ausschlusskriterium wurde aufgrund der Ergebnisse von Joanides et al. (2002), wonach dieses Faktum die Partnerschaftszufriedenheit zusätzlich belasten kann, zusätzlich aufgenommen. Die Gesamtstichprobe bestand aus 328 christlich orientierten Personen und 39 Nichtreligiösen, mit insgesamt 230 Männern (62,7%) und 137 Frauen (37,3%). Der Anteil der Männer in der Gruppe der Christen beträgt mit 221 Personen 67,4% während ihr Anteil bei den Nichtreligiösen mit gerade 9 Personen nur bei 23,1% liegt. Der Anteil der Frauen verteilt sich diametral. 107 christlich orientierte Frauen (32,6% aller christlichen Probanden) stehen 30 nichtreligiösen Frauen gegenüber, was einen Anteil von 76,9% der Gruppe der Nichtreligiösen ausmacht (vgl. Abbildung 3).

Abb.3: Geschlechterverteilung der Gruppen

Die Überprüfung der Konfessionszugehörigkeit der christlich orientierten Personen ergab einen hohen Anteil freikirchlicher Christen (198 Personen), ca. ein Drittel (116 Personen) gab an evangelisch zu sein sowie 14 Katholiken nahmen an der Untersuchung teil (vgl. Abbildung 4).

Abb. 4: Aufteilung der Christen nach Konfessionszugehörigkeit in Prozent

Die Altersspanne der Befragten lag zwischen 20 und 73 Jahren. Das Durchschnittsalter der Probanden der Gesamtstichprobe beträgt 39 Jahre, 36,8 Jahre bei den Nichtreligiösen und 39,8 Jahre bei den Christen (vgl. Abbildung 5).

Abb.5: Altersverteilung in der Stichprobe

Die Dauer der Partnerschaften variierte zwischen 2 und 48 Jahren. Dabei lag der Mittelwert der Nichtreligiösen bei 13,3 Jahren, der der christlichen Stichprobe nur geringfügig höher bei 14,3 Jahren. Abbildung 6 macht außerdem deutlich, dass ein größerer Prozentsatz der nichtreligiösen Stichprobe eher niedrige Werte dieser Variable aufwies.

Abb. 6: Verteilung der Partnerschaftsdauer in Jahren

Die Probanden wurden außerdem aufgefordert, ihren Beruf zu nennen. Bei der Sichtung ihrer Angaben kann davon ausgegangen werden, dass der Großteil beider Gruppen einen gehobenen Bildungsstand aufweist. Viele der genannten Berufe erfordern einen Studiumsabschluss bzw. waren die Personen zum Zeitpunkt der Erhebung im Studium.

7.2 Hypothesenkomplex 1 (abhängige Variable: „Partnerschaftszufriedenheit“)

Hypothese 1a): Die Mittelwerte der Partnerschaftszufriedenheit von Personen christlich-religiöser Orientierung sind größer als die nichtreligiöser Personen.

Werden die Mittelwerte der Partnerschaftszufriedenheit in Tabelle 10 betrachtet, so ist deutlich, dass die Probanden einer recht zufriedenen Population zuzurechnen sind. Angaben von Hahlweg (1996) zufolge ist ab einem Score von 54 die Partnerschaft als „zufriedenstellend“ einzustufen. Der Mittelwert zufriedener Paare liegt seinen Angaben zufolge bei 64 Punkten. Die in den vorliegenden Stichproben ermittelten Durchschnittswerte bewegen sich ebenfalls um 64 Punkte (siehe Tabelle 10). Aufgrund der äußerst unterschiedlichen Stichprobengrößen und der Geschlechterverteilung wurde zuerst die Gesamtstichprobe auf einen Geschlechterunterschied hin überprüft. Hier konnte ein sehr signifikanter Unterschied auf dem 1%-Niveau festgestellt werden (vgl. Tabelle 11). Aus diesem Grund wurde der Gruppenvergleich zwischen Nichtreligiösen und den Christen mithilfe der zweifaktoriellen Kovarianzanalyse durchgeführt, um den Faktor Geschlecht beim Vergleich mit zu berücksichtigen. Die Kovariablen stellten das Alter und die Dauer der Partnerschaft dar, da sie ebenfalls einen höchstsignifikanten negativen Zusammenhang mit der Partnerschaftszufriedenheit von r = -,305 und r = -,300 erkennen ließen (vgl. Tabelle 12).

Tab. 10: Gruppenstatistik zur Partnerschaftszufriedenheit (Gesamtstichprobe)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 11: T-Test zwischen den Geschlechtern der Gesamtstichprobe (N=367)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 12: Korrelationen der VariablenAlter und Dauer der Partnerschaft mit dem Gesamtscore des PFB

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

** signifikant auf dem 1% Niveau

Die Daten erreichen Intervallskalenniveau und die Varianzhomogenität konnte ebenfalls vorausgesetzt werden (vgl. Tabelle im Anhang C).

Anhand einer zweifaktoriellen univariaten Kovarianzanalyse wurde die abhängige Variable Partnerschaftszufriedenheit auf die Faktoren Gruppenzugehörigkeit NRCHR (nichtreligiös-christlich) und das Geschlecht mit den Kovariablen Alter und Dauer der Partnerschaft auf vier Haupteffekte und eine Interaktionshypothese überprüft. Tabelle 13 zeigt zusammengefasst die Ergebnisse. Da keine signifikante Interaktion besteht, können die Haupteffekte überprüft werden. Die Mittelwerte der Partnerschaftszufriedenheit unterscheiden sich zwischen den beiden zu untersuchenden Gruppen nicht signifikant und selbst der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist durch die Berücksichtigung der Kovariablen nicht mehr nachzuweisen. In der vorliegenden Stichprobe ist somit kein Unterschied bei Nichtreligiösen und Christen in der Partnerschaftszufriedenheit zu verzeichnen und die Hypothese abzulehnen.

Tab. 13: Zweifaktorielle univariate Varianzanalyse mit Partnerschaftszufriedenheit als abhängige Variable (Gesamtstichprobe, N=367)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hypothese 1b): Die Werte der Partnerschaftszufriedenheit steigen mit zunehmender religiöser Praxis.

Um auch hier die Zusammenhänge von möglichen Scheinkorrelationen zu befreien, wurden die Partnerschaftszufriedenheit der christlichen Gruppe und die Christliche Praxis wiederum auf Zusammenhänge mit dem Alter und Dauer der Partnerschaft hin überprüft.

Tab. 14: Gruppenstatistik der Geschlechter (Christen, N=328)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 15: T-Test zwischen den Geschlechtern (Christen, N=328)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

** signifikant auf dem 1%Niveau

Wieder sind hochsignifikante Zusammenhänge auf dem 1%-Niveau wie in der Gesamtstichprobe festzustellen. Die Korrelationskoeffizienten betragen r = -,283 zwischen Alter und PFB, r = -,269 zwischen Dauer der Partnerschaft und PFB und der Zusammenhang zwischen dem Alter und dem Gesamtscore der Skala zur „Christlichen Praxis“ beträgt r = ,152 bei p = ,006. Hiermit kann bestätigt werden, dass die Religiosität mit dem Alter zunimmt, auch wenn dieser sehr signifikante Zusammenhang als sehr gering zu bewerten ist. Der Einfluss des Geschlechts wurde wieder mittels T-Test überprüft, und hier ist ein hochsignifikanter Unterschied in der Ausprägung der Partnerschaftszufriedenheit festzustellen, was aus den Tabellen 14 und 15 ersichtlich wird. Der Unterschied ist dabei in allen 3 Gruppen recht deutlich (vgl. Tabelle 16). Aufgrund dieser Ergebnisse wurde auch hier eine zweifaktorielle univariate Kovarianzanalyse zur Bestimmung des Zusammenhangs der Partnerschaftszufriedenheit und der Ausprägung der Christlichen Praxis vorgenommen, deren Ergebnisse in Tabelle 17 dargestellt sind. Da keine Wechselwirkung zwischen der Gruppenzugehörigkeit und dem Geschlecht besteht, können wiederum die Haupteffekte betrachtet werden. Es bestehen signifikante Unterschiede (1% Niveau) zwischen den Gruppen und zwischen den Geschlechtern, was das Ergebnis aus dem T-Test bestätigt. Demzufolge gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Christlichen Praxis und der Partnerschaftszufriedenheit.

Tab. 16: Gruppenstatistik zur Partnerschaftszufriedenheit (Christen; N=328)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 17: Zweifaktorielle univariate Varianzanalyse mit Partnerschaftszufriedenheit als abhängige Variable (Christen, N=328)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

** signifikant auf dem 1%Niveau ; *** signifikant auf dem 1‰-Niveau

Um die Ausprägung des Zusammenhangs zu bestimmen, wurde eine Partialkorrelation zwischen dem Gesamtscore der Skala „Christliche Praxis“ und der Partnerschaftszufriedenheit durchgeführt (mit den Kovariablen Alter und Dauer der Partnerschaft), die einen Korrelationskoeffizienten von r = ,238, also eine geringe Stärke ergab, bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p = ,000. Geschlechtergetrennt weichen die Werte nur geringfügig voneinander ab. Der partialisierte Korrelationskoeffizient der Frauen liegt im Signifikanzniveau von 5% bei r = ,224 (p = ,021), der der Männer höchstsignifikant bei r = ,246 (p = ,000).

Zur Veranschaulichung der Mittelwerte der drei christlichen Gruppen wurde ein Mittelwertediagramm erstellt (siehe Abbildung 7), woraus deutlich wird, dass der signifikante Unterschied sich zwischen den Gruppen 2 und 3 ergibt. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich in der Ausprägung der „Christlichen Praxis“ hauptsächlich durch das Gebet mit dem Partner und die Häufigkeit in christlicher Gemeinschaft (vgl. Abschnitt 6, Tabelle 9). Für die letztgenannte Variable konnte kein signifikanter Zusammenhang mit der Partnerschaftszufriedenheit nachgewiesen werden, weswegen der Unterschied der beiden Gruppen hauptsächlich auf das gemeinsame Gebet zurückzuführen ist.

Abb. 7: Mittelwertediagramm zum PFB (Christen)

Um den Zusammenhang der Skala „Christliche Praxis“ auf die Partnerschaftszufriedenheit ohne Item 2. (Gebet mit dem Partner) zu kontrollieren, wurde erneut eine Partialkorrelation wie oben durchgeführt, bei dem vom Gesamtscore dieser Skala der Score von Item 2. abgezogen wurde. Tatsächlich konnte nur ein kleiner Korrelationskoeffizient von r = ,141 (bei p = ,011) für die gesamte christliche Gruppe ermittelt werden, der bei der Überprüfung des Geschlechts für die Frauen gar keinen signifikanten Zusammenhang mehr erkennen lies (r = ,105; p = ,285) und bei den Männern dieser leicht anstieg auf r = ,159 (p = ,019). Es besteht also auch hier ein sehr geringer Zusammenhang auf einem Signifikanzniveau von 5%, der ohne das gemeinsame Gebet nur noch für die männliche christliche Stichprobe gültig ist.

Hypothese 1c): Steigende Werte des „gemeinsamen Betens“ gehen mit größeren Werten der Partnerschaftszufriedenheit einher.

Wie eben schon erwähnt, ist durch die vorher geführten Berechnungen ein deutlicherer Zusammenhang zu erwarten. Bivariat korreliert ergibt sich für die gesamte Gruppe ein Korrelationskoeffizient von r = ,268, der sich durch Berücksichtigung der Kontrollvariablen Alter, Dauer der Partnerschaft und dem Geschlecht auf r = ,335 erhöht (Abbildung 6 zeigt das dazugehörige Streudiagramm).

1 Diese Schlussfolgerung ist aufgrund von Daten aus der Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten getroffen worden - offizielle Daten der Scheidungsrate in anderen Denominationen liegen leider nicht vor.
2 Von Sternberg (1998a) als „hidden intimicy“ bezeichnet.
3 Für weitere Informationen siehe z.B. auf Reller (2000).
4 Für eine ausführlichere Darstellung sei hier z.B. auf Thatcher (1999) verwiesen
5 Zur genauen Bedeutung der Begriffe „vital“, „gespannt“ und „unvital“ vgl. Larson & Olson (2004).
6 Tatsächlich konnten Kecskes & Wolf (1996) eine Schwächung konfessioneller Milieus feststellen. Auch sie belegen eine Zunahme von Personen, die nie in die Kirche gehen und wenig oder gar nicht religiös sind. Dem steht aber eine gestiegene Effizienz der religiösen Sozialisation gegenüber. Dies könnte: „... als Anzeichen für eine Polarisierung von religiösen bzw. kirchlichen und nichtreligiösen Menschen gedeutet werden.“ (Kecskes & Wolf, 1996, S.104). So scheint die Rolle der Konfession an Bedeutung zu verlieren, während sich die Bedeutung der manifesten Merkmale der Religiosität verstärkt. Also verschiebt sich die Trennungslinie von ehemals zwischen den Konfessionen nun scheinbar zwischen religiösen und nichtreligiösen Personen.
7 Veröffentlicht unter der website: http://uni-hh-FragenzurPartnerschaft.deroot.de

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Details

Seiten
110
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638616430
ISBN (Buch)
9783638682039
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70517
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Psychologisches Institut II der Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Vergleich Partnerschaften Eine Fragebogenstudie

Autor

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Titel: Vergleich christlicher und nichtreligiöser Partnerschaften - Eine Fragebogenstudie