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Formen offenen Unterrichts: Das Lernen an Stationen und der Projektunterricht

Seminararbeit 2006 21 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

I. Einleitung

1. Einleitung

Die deutsche Schulpädagogik besinnt sich seit den 1980er Jahren verstärkt auf Konzepte der Reformpädagogik und es wird unter dem Schlagwort „Öffnung von Unterricht“ nach Möglichkeiten gesucht, Unterricht so zu gestalten, dass Schüler ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend ihren Lernprozess individuell und aktiv mitbestimmen können. Diese Arbeit gibt einen Einblick in zwei Teilkonzeptionen eines solchen „offenen Unterrichts“: das Lernen an Stationen und die Projektarbeit. Daher lautet das Thema der vorliegenden Arbeit „Formen offenen Unterrichts: Das Lernen an Stationen und der Projektunterricht“.

2. Vorgehensweise

In Kapitel II wird zunächst der Versuch unternommen den Begriff „Offener Unterricht“ zu definieren. Außerdem werden kurz einige bekannte Formen des offenen Unterrichts erläutert. In den Kapitel III und IV wird dann näher auf zwei dieser Formen eingegangen, nämlich auf das Lernen an Stationen und den Projektunterricht. Dabei werden zunächst die Hauptmerkmale sowie die Vor- und Nachteile dieser Unterrichtsformen erläutert. Es folgt je ein Anwendungsbeispiel für das Lernen an Stationen und den Projektunterricht.

II. Offener Unterricht

1. Versuch einer Definition

Offener Unterricht ist eine Organisationsform des Unterrichts.[1] Der Terminus geht ursprünglich auf die aus den USA stammenden Ansätze der „open education“ zurück, welche einen engen Bezug zu den im Laufe der englischen Primarstufenreform entwickelten Konzeptionen zur Neugestaltung des Unterrichts haben („informal education“).

„Offener Unterricht“ kann jedoch nicht abschließend und einheitlich definiert werden, da kein eindeutiges Konzeptverständnis existiert und die weitere Entwicklung je nach zugrunde liegender konzeptioneller Ausgangslage weder in ihrer Reichweite noch in ihrem Verlauf absehbar ist. Meist allerdings soll mit der Bezeichnung „offener Unterricht“ darauf hingewiesen werden, dass die jeweils angesprochene Unterrichtsform offener ist als Frontalunterricht. Offener Unterricht unterscheidet sich von anderen Unterrichtsformen dadurch, dass:

1. die individuellen fachlichen und überfachlichen Lerninteressen der Schüler das Lerngeschehen (mit)bestimmen und darüber hinaus auch
2. das soziale Geschehen und
3. die über die Lerngruppe hinausgehenden Interaktionen - auch die außerschulischen – von den Schülern selbst geregelt werden

Im „offenen Unterricht“ findet systematisches und geplantes Lernen statt. Der Unterschied zum so genannten „lernzielorientierten“ Unterricht besteht also nicht darin, dass auf Lernziele und deren Beschreibung verzichtet wird, sondern lässt sich am Präzisierungsgrad und an der Limitierung bzw. Aufhebung des Planungsmonopols der Lehrperson erkennen. Je mehr Entscheidungen zusammen mit den Schülern bzw. von diesen allein gefällt werden, desto offener ist ein Unterricht.

Beim „offenen Unterricht“ handelt es sich um eine vielgestaltige Bewegung, in deren Verlauf die Wiederentdeckung reformpädagogischer Grundgedanken und Unterrichtsformen, wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit und Projektarbeit einen besonderen Stellenwert einnimmt.

2. Methoden des „offenen Unterrichts“

Als besondere Formen des „offenen Unterrichts“ lassen sich u. a. folgende Unterrichtsformen erkennen.

- Der Projektunterricht (siehe Kapitel III)
- Das Lernen an Stationen (siehe Kapitel IV)
- Die Wochenplanarbeit: Ihre Wurzeln findet die Wochenplanarbeit z.B. bei den Reformpädagogen Celestin Freinet, Maria Montessori und Helen Parkhurst (Dalton-Plan).[2] Das Wochenplan-Konzept stellt für den Lehrer ein pragmatisch und flexibel variierbares Mittel dar, um erste Schritte mit den Schülern in Richtung selbsttätiges und selbständiges Lernen zu gehen und das Lernangebot auf die Heterogenität der Lerngruppe abzustimmen (innere Differenzierung). Beim Wochenplanunterricht erhalten die Schüler zu Anfang eines bestimmten Zeitraumes (z.B. eine Woche) einen schriftlichen Plan, der Aufgaben verschiedener Art aus unterschiedlichen Themenbereichen beinhaltet. In den dafür vorgesehenen Unterrichtsstunden (z.B. eine Stunde täglich) erarbeiten die Schüler diesen Plan selbstständig (allein oder in Partnerarbeit). Sie nehmen Hilfe in Anspruch, soweit dies nötig ist. Nach der Bearbeitung einzelner Aufgaben sollen diese von den Schülern selbst kontrolliert und auf dem Plan als erledigt markiert werden. Die Arbeit mit dem Wochenplan besteht gewissermaßen in einer Zusammenfassung und Ausweitung der sonst über die Woche verteilten Kurzphasen von Still-, Partner- und Gruppenarbeit. Die Schüler sollen lernen, einen umfangreichen Plan eigenverantwortlich zu bearbeiten. Dabei werden die Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit der Schüler unterstützt und ihre methodischen und sozialen Kompetenzen gefordert und gefördert.
- Das Werkstattlernen / die Lernwerkstatt: Eine Lernwerkstatt bezeichnet in der modernen Pädagogik eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen.[3] Fokussiert werden praktisches und eigenaktives Lernen. Lernwerkstätten haben unterschiedliche Konzepte, doch oft werden sie heutzutage als Sammelort von gedrucktem Lernmaterial verstanden.

In den folgenden Kapiteln wird speziell auf die Unterrichtsformen „Stationenlernen“ und „Projektunterricht“ eingegangen.

III. Projektunterricht

1. Charakteristika

In der Projektmethode sind die Bedürfnisse, Neigungen und Interessen der Teilnehmer von großer Bedeutung.[4] Sie fließen in die Entwicklung des Betätigungsgebietes ein. Die Teilnehmer bearbeiten das Gebiet oft so, dass am Schluss ein vorzeigbares oder für sie verwendbares Produkt vorliegt. Projektunterricht muss also eine Lebensweltorientierung aufweisen, sowie sich an den Interessen der Beteiligten (Lehrer und Schüler) orientieren. Weitere wichtige Aspekte sind Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Teilnehmenden.[5] Außerdem weist Projektunterricht eine zielgerichtete Projektplanung auf, d.h. es handelt sich nicht um ein Lernen mit offenem Ende. Auch impliziert projektorientierter Unterricht immer eine Produktorientierung, d.h. am Ende des Projektes soll ein vorzeigbares Produkt stehen, das der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und sich der Bewertung und Kritik stellt. Eine Projektarbeit sollte versuchen möglichst viele Sinne mit einzubeziehen Soziales Lernen durch Konfliktlösung und kooperatives Arbeiten sind weitere Merkmale dieser Unterrichtsform.

Eine vollständige Projektarbeit umfasst sieben Komponenten.[6] Bei der ersten Komponente handelt es sich um die so genannte Projektinitiative: Schüler oder Lehrer bringen eine Idee, eine Anregung, ein Problem oder einen Betätigungswunsch ein. Entscheidend ist, dass die Projektinitiative eine offene Ausgangsposition darstellt. Ziel ist es, dass die Schüler lernen ein Gebiet selber strukturieren, selber nach Bearbeitungsoptionen suchen und die Beschaffung von Informationen eigenständig organisieren. Es geht also nicht nur um die Anwendung von vorhandenen Wissenselementen.

Als zweite Komponente folgt die Auseinandersetzung mit der Projektinitiative. Nachdem Vorschläge gesammelt worden sind, muss nun geklärt werden was sinnvoll und durchführbar ist. Die Schüler wählen (zusammen mit der Lehrperson) eine der Projektinitiativen aus. Sie präzisieren sie mit Hilfe von Stichwörtern, grenzen sie ein, formulieren sie genauer oder setzen Schwerpunkte. Das Ergebnis ist die Projektskizze.

Die dritte Komponente befasst sich mit der Entwicklung des Betätigungsgebietes. Das Ergebnis ist der Projektplan. In dieser Phase wird ein Arbeitsplan erstellt. Dafür ist es notwendig zunächst das Thema/Problem genauer zu definieren sowie geeignete Verfahren zu Lösungsstrategien zu finden. Es wird ein Plan erstellt: der Projektplan. Entscheidend in dieser Phase ist wie der Projektplan zustande kommt. Die Projektteilnehmer müssen ihre Betätigungswünsche artikulieren können. Auch müssen die Schüler erkennen können, warum etwas getan werden soll. Die Arbeiten können verteilt werden. Dabei sollte allerdings angestrebt werden, dass die einzelnen Aktivitäten für die betreffenden Schüler hilfreich sind. So ist es nicht erstrebenswert, wenn ein guter Sprecher die Texte vorträgt oder ein handwerklich versierter Schüler etwas baut.

[...]


[1] Die folgende Darstellung stützt sich auf Jürgens, Eiko (1994): Die „neue“ Reformpädagogik und die

Bewegung Offener Unterricht, Sankt Augustin, S. 40-49.

[2] Die folgende Darstellung stützt sich auf Vaupel, Dieter (1996): Das Wochenplanbuch für die Sekundarstufe,

Weinheim/Basel, S. 14-16 und 22-24.

[3] Der folgende Abschnitt stützt sich auf Pallasch, Waldemar (1990): Pädagogische Werkstattarbeit,

Weinheim/Basel, S. 14 und Pallasch Waldemar (2002), in: Wiechmann, Jürgen: Zwölf Unterrichtsmethoden,

Weinheim/Basel, S. 143-153.

[4] Die folgende Darstellung stützt sich auf Frey, Karl (1993): Die Projektmethode, Weinheim/Basel, S. 12.

[5] Die folgende Darstellung stützt sich auf Schwill, Andreas (Universität Potsdam): Projektunterricht –

Grundlagen und Beispiele, S. 5,

http://ddi.cs.uni-potsdam.de/Forschung/VortragsfolienProjektunterricht.pdf .

[6] Die folgende Darstellung stützt sich auf Frey, Karl (2002): Die Projektmethode, in: Wiechmann, Jürgen, S.

155-157 und Bossing, Nelson L. (1977), in: Kaiser, Annemarie und Franz-Josef Kaiser (Hrsg.): Projektstudium

und Projektarbeit in der Schule, S. 123-128.

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638616218
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70473
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
Formen Unterrichts Lernen Stationen Projektunterricht

Autor

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