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Geschlechternormen in Paarbeziehungen. Wie verändert sich die Aufgabenteilung nach der Geburt des ersten Kindes?

Hausarbeit 2019 11 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Geschlechternormen in Paarbeziehungen

3 Partnerschaft im Wandel

4 Ubergang zur Elternschaft

5 Fazit

1 Einleitung

In heterosexuellen Partnerschaften zeichnet sich am deutlichsten ab, welche Normen und unterschiedlichen Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft verankert sind. In diesen kleinen Einheiten leben Mann und Frau in groBter Nahe miteinander und es ist deshalb wert, betrachtet zu werden, wenn man die Entstehung und Verbreitung von Geschlechternormen in der Gesellschaft untersuchen mochte, aber auch in welcher Beziehung beide Geschlechter zueinanderstehen.

Aus vielen Studien geht hervor, dass die Frau trotz fortschreitender Gleichberechtigung noch immer den groftten Teil der Haus- und Familienarbeit ubernimmt. Ich mochte uberprufen, ob dies an Geschlechtsnormen, die in unserer Gesellschaft reproduziert werden, liegen konnte und betrachte dazu zunachst, wie Geschlechternormen in Paarbeziehungen entstehen und konstruiert sind. Weiter mochte ich untersuchen, wie sich Partnerschaften im Laufe der Jahre gewandelt haben, urn daraus schlieGen zu konnen, aus welchen Grunden und in welchen Phasen des Lebens heterosexuelle Paare wieder besonders in traditionelle Rollenbilder verfallen.

Im letzten Kapitel mochte ich besonders den Ubergang zur Elternschaft eines Paares betrachten: Was verandert sich nach der Geburt des ersten Kindes, konkreter gefragt: Wer ubernimmt nun die meisten Aufgaben im Haushalt, auch wenn zuvor die absolute Gleichberechtigung herrschte?

Schon oft wurde von einer Traditionalisierung in der Partnerschaft nach der Geburt des Kindes gesprochen: Die Frau bleibt zuhause, kummert sich urn Kinder und den Haushalt, wahrend der Mann zum alleinigen Ernahrer der Familie wird und mehr Zeit in die Erwerbsarbeit steckt als noch zuvor. Ich mochte in dieser Arbeit untersuchen, woran das liegen konnte und ob dies mit Rollenbildern und Geschlechternormen zusammenhangt, die noch immer in unseren Kopfen verankert sind.

2 Geschlechternormen in Paarbeziehungen

Oft werden in Paarbeziehungen die jeweiligen Differenzen zwischen den Partnern als Geschlechterdifferenzen verstanden, bestimmte Charakterzuge werden dann mit dem Geschlecht begrundet. Dies entlaste oft Konflikte in der Partnerschaft („Er handelt so, weil er ein Mann ist"), fordere aber gleichzeitig die Konstruktion von Geschlechternormen. So werden individuelle Eigenschaften eines Menschen seiner/ihrer Rolle als geschlechtstypisch gelesen und konstruiert.

Dem zu Grunde liegt die Heteronormativitat in unserer Gesellschaft, d.h. es gibt immer noch einen gewissen Druck und eine Erwartungshaltung, in einer heterosexuellen Partnerschaft zu leben - und auch sich einem der beiden Geschlechter zuzuordnen. Auch wenn es seit einiger Zeit offiziell moglich ist, das dritte Geschlecht „divers" eintragen und anerkennen zu lassen, ist zu vermuten, dass es noch lange Zeit dauern wird, bis sich diesbezuglich ein Wandel in der Gesellschaft vollzieht, der die Norm der Zweigeschlechtlichkeit auflost. Diese Heteronormativitat wird vor allem in Zweierbeziehungen ausgedruckt und auch wieder reproduziert (Vgl. Menz 2011, S. 4). Die heterosexuelle Paarbeziehung ist in unserer Gesellschaft also noch immer die Norm und nimmt daher als Institution grofien Einfluss auf Geschlechterrollen- und normen.

Es wird in der Soziologie, vor allem im Konstruktivismus heute davon ausgegangen, dass es keine Unterschiede der Geschlechter gibt, die sich aus der Biologie ableiten lassen, vielmehr werde Geschlecht sozial konstruiert und naturliche Unterschiede kulturell definiert (Vgl. Burkart 2018, S. 229)

Es wird heute unterschieden zwischen biologischem Geschlecht (sex), dass das Geschlecht auf der Ebene sichtbarer Geschlechtsmerkmale, Chromosomen und Hormone definiert und einem sozio-kulturellem Geschlecht (gender), das vom biologischen Geschlecht unabhangig ist (Vgl. Burkart 2018, S. 230). Diese Theorie wird kritisiert, da sie von einem naturlich gegebenen Unterschied der Geschlechter ausgeht. Etwas abgegrenzt davon steht das Konzept des doing gender, was bedeutet, dass Geschlecht nicht als individuelles Merkmal betrachtet wird, sondern ein Produkt sozialer Prozesse ist und immer wieder reproduziert wird (Vgl. Gildemeister 2010, S. 137).

Wenn wir also von biologischen Unterschieden zwischen Mann und Frau ausgehen, werden diese zunachst korperlichen Unterschiede in unserer Gesellschaft, sehr groG gemacht und verstarkt. Es wird aus ihnen ein Ruckschluss auf das ganze Verhalten eines Menschen gezogen. Doing Gender beschreibt also unser ganzes Verhalten, auch das, was unbewusst geschieht: Korpersprache, Gang und Haltung (Vgl. Burkart 2018, S. 234).

So werden beiden Geschlechtern aufgrund vermeintlich von Natur aus gegebener Unterschiede Merkmale und Eigenschaften zugeschrieben, die in unserer Gesellschaft als „mannlich" und „weiblich" konnotiert sind und Geschlecht wird sozial konstruiert und reproduziert. Mannlichkeit wird z.B. haufig durch Eigenschaften wie Kraft, Starke und Erfolg definiert. Die traditionelle mannliche Geschlechterrolle sieht den Mann im Berufsleben und als Versorger der Familie. Gleichzeitig gilt es als „unmannlich" zum Beispiel Emotionen wie Schwache, Schmerz oder Trauer zu zeigen. Es wird erwartet, dass er diese Gefuhle kontrolliert und unterdruckt (Vgl. Majdanski 2015, S. 11-12).

Dagegen wird die Frau traditionell eher in der Familie als Hausfrau und Mutter verortet. Ihr werden z.B. Eigenschaften wie Einfuhlsamkeit, Expressivitat und Beziehungsohentierung zugeschrieben (Vgl. Athenstaedt 2011, S. 10), um hier nur einige Beispiele zu nennen. Dies sind naturlich Stereotype, die sich im Wandel befinden, jedoch immer noch tief verankert sind und Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen. So entstehen Geschlechtsnormen, die in der Partnerschaft durch Erwartungen an das jeweils andere Geschlecht entstehen. Sie erklaren Asymmetrie und Differenz und reproduzieren diese in der Partnerschaft.

Dagegen gibt es Partnerschaftsnormen, die zunachst unabhangig vom Geschlecht beschreiben, was einen guten Partner ausmacht. Sie bauen auf Symmetrie, Gleichheit und Gleichberechtigung der Paare. Es ergibt sich ein Spannungsverhaltnis der beiden Normen (Vgl. Burkart 2018, S. 244f.)

3 Partnerschaft im Wandel

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es bereits einiges Streben der Frauen zu mehr Gleichberechtigung, auch in der Partnerschaft: Viele Manner waren gefallen und Frauen ubernahmen deren Aufgaben in den Fabriken. Dort wurden sie in den 50er und 60er Jahren jedoch wieder vertrieben und erneut verstarkt in eine Hausfrau- und Mutterrolle gedrangt. Es entstand die klassische Hausfrauen-Versorger-Ehe, bei der Frauen vorwiegend heirateten, urn ihren Lebensunterhalt zu sichern. Aus dieser finanziellen Abhangigkeit, entstand ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern und eine systematische Benachteiligung von Frauen, die, zum Beispiel die Erlaubnis ihres Ehemannes brauchten, urn eine Erwerbstatigkeit aufzunehmen. In dieser Zeit entstand auch das Ehegatten-Splitting, das bis heute gultig und umstritten ist. (Vgl. Menz2011, S.11).

Aus diesem Ungleichgewicht wurde im Laufe der Zeit den Frauen eine finanzielle Unabhangigkeit zunehmend wichtiger und sie begannen selbst berufstatig zu werden. Es entstand zunachst ein Drei-Phasen-Modell fur den Lebenslauf von Frauen in den 70er Jahren (Ausbildung und erste Erwerbstatig, Unterbrechung der Erwerbstatigkeit fur Erziehung und Betreuung der Kinder und Wiedereinstieg ins Erwerbsleben). Frauen beginnen also mehr und mehr Teilzeit- und prekare Beschaftigung, es gibt heute ein Modell, in der noch immer der Mann das Meiste des Haushaltseinkommens beitragt, wahrend die Frau einen geringeren Teil dazu verdient. (Vgl. Ebd. 12). Da heutige Partnerschaftsnormen, wie bereits erwahnt, auf Gleichberechtigung grunden, ist dies auch das Ideal vieler junger Paare.

Auch wenn heute viel mehr Frauen unabhangig und berufstatig sind, verfolgen sie langfhstig auch das Ziel, Kinder zu bekommen und eine Familie zu grunden. Wahrend man sich als Frau lange Zeit zwischen Kindern und Karriere entscheiden musste, wollen Frauen heute beides: Studien belegen zum Beispiel, dass Frauen heute weniger bereit dazu sind, fur eine Partnerschaft ihre Erwerbsarbeit aufzugeben (Vgl. Brigitte-Studie, Abb. 3).

Heute bestehen Ehen und Beziehungen nicht mehr auf der Grundlage einer finanziellen Abhangigkeit, sondern auf der Basis romantischer Liebe und rein urn ihrer selbst willen. Dadurch ist auch ihre Stabilitat mehr als vorher bedroht. (Vgl. Schreyogg 2013, S. 77f.). Dass Partnerschaften trotzdem weiter bestehen, liegt daran, wie gleich und ahnlich sich die jeweiligen Partner erleben, dazu gehoren z.B. eine ahnliche Sozialisation und Bildung (Ebd. S. 79).

Waren Frauen fruher haufig finanziell abhangig von ihrem Mann, gab es ebenso haufig ein Gefalle, was den Bildungsgrad betraf. So war es fruher Normalitat als Frau mit der Ehe „eine gute Partie" einzugehen und einen Mann zu heiraten, der der Frau in einer gesellschaftlichen Stellung uberlegen war.

In heutigen Beziehungen sind Frauen mehr und mehr gleichberechtigt gegenuber ihren Mannern. Nur wenige Frauen konnen sich heute noch vorstellen, dass einer der Partner allein fur die finanzielle Versorgung der Familie zustandig ist (Vgl. Brigitte-Studie, Abb. 4). Auch immer mehr Manner nehmen ihre Vaterrolle starker wahr und sind presenter in der Kinderbetreuung, nur was die Arbeit im Haushalt betrifft, gibt es weiterhin starke Unterschiede, was die unterschiedlichen Tatigkeiten und die Zeit, die sie in Anspruch nehmen, betrifft.

Rohler zeigt mit Verweis auf zahlreiche empirische Studien auf, dass Frauen sowohl mehr Zeit in Hausarbeit investieren als Manner, als auch mehr Aufgaben ubernehmen: So zeigt sich, dass Frauen haufig fur Putzen, Kochen, Wasche waschen, Einkaufen, die Betreuung und Pflege von Kindern und pflegebedurftigen Haushaltsangehorigen zustandig sind, wahrend Manner lediglich Reparaturen ubernehmen und das Auto waschen. Wahrend Manner durchschnittlich zehn Stunden pro Woche im Haushalt arbeiten, sind es bei Frauen 10 bis 60 Stunden (Vgl. Rohler, 2009, S. 23). Die moglichen Grunde hierfur mochte ich im nachsten Kapitel erlautern.

4 Ubergang zur Elternschaft

Wenn Paare Eltern werden, ist dies immer ein grower Schritt, der viele Veranderungen mit sich bringt und einige Kompromisse und Aushandlungsprozesse notwendig macht. Ob ein Paar Kinder hat oder (noch) nicht, ist einer von mehreren Faktoren, der Auswirkung auf die Aufgabenverteilung im Haushalt hat. Rohler entnimmt mehreren Studien, dass bei der Aufgabenverteilung das Alter, das Bildungsniveau der Partner, die Berufstatigkeit der Frau, die Dauer einer Beziehung und das Vorhandensein von Kindern im Haushalt eine Rolle spielen: Er stellt fest, dass „je junger die Partner sind und je hoher ihr Bildungsniveau ist, desto gleichverteilter ist die Hausarbeit" (Rohler, 2009, S.23).

Er stellt fest, dass Kinder im Haushalt einen „Traditionalisierungseffekt" haben, der bewirkt, dass Frauen sich im Vergleich zu Mannern mehr engagieren und mehr Aufgaben ubernehmen. Dies habe auch dam it zu tun, dass Vater mehr Zeit fur die Erwerbsarbeit aufbringen als vor der Geburt des Kindes, urn den Verdienstausfall der Frau zu kompensieren und den Lebensstandard halten zu konnen (Vgl. Ebd. S. 24).

Auch Cornelia Koppetsch und Gunter Burkart stellen in ihren Milieustudien fest, dass milieuubergreifend Frauen mehr Aufgaben im Haushalt ubernehmen und dabei nur in bestimmten Bereichen von Mannern unterstutzt werden. So gibt es Bereiche des Haushaltes, die als spezifisch „weiblich" und „mannlich", selten auch als geschlechtsneutral angesehen werden. Sie begrundet die ungleiche Aufgabenverteilung also u.a. mit der Ausubung von klassischen Geschlechterrollen, die in alien Milieus noch immer wirken, selbst in individualisierten betont gleichberechtigten Familien (Vgl. Koppetsch, Burkart, 1999, S. 205f.)

Als spezifisch weibliche Haushaltsaufgaben gelten dabei z.B. das Bugeln der Wasche und das Putzen der Kuche. Spezifisch mannlich sind Tatigkeiten wie Reparaturen, Handwerkerarbeiten rund urns Auto und den Garten. Aufgaben, die zwar von Mannern verhchtet, aber unter Anleitung und Aufsicht der Frauen erfolgen, sind zum Beispiel das Einkaufen oder Planen von Familienausflugen. Dies erfordert ein hoheres Mali an Verantwortung als der Mann normalerweise fur den Haushalt bereit ist, zu ubernehmen und findet darum unter Anleitung der Frau statt. Bei kleineren, unkomplizierteren Aufgaben verschwimmen die traditionellen Rollenbilder schon eher, beispielsweise beim Geschirrspulen oder Mulleimer leeren. Dies sind Tatigkeiten, die haufiger von Mannern ubernommen werden. Koppetsch erklart dies dam it, dass diese Aufgaben nicht nur aufgrund des geringeren Aufwandes ubernommen werden, sondern auch weil sie nicht in die sonstige Organisation des Haushaltes eingreifen.

Desweiteren gibt es exklusive Aufgaben, die von Mannern uberwiegend am Wochenende erledigt werden urn die Frau, Familie oder Gaste zu uberraschen (z.B. Groftputz, Grofteinkauf, Zubereitung des Fruhstucks oder aufwendiges Kochen). Koppetsch und Burkart sind der Meinung, dass bei diesen Tatigkeiten der Charakter von Arbeit verloren geht. Stattdessen dienen sie dazu, die Fahigkeiten des Mannes herauszustellen: „ Fur die Frau stellt sich die Erledigung der anfallenden Arbeiten uberwiegend als selbstverstandliche Routine dar, wahrend der Mann seine Mithilfe vorzugsweise als etwas Auflergewohnliches inszeniert, fur das man besondere Beachtung und Anerkennung verdient hat" (Ebd. S. 208).

Unterschieden wird also in weiblich-routinierte Aufgaben, fur die keine besondere Kompetenz vorausgesetzt wird und in mannlich-exklusive Tatigkeiten auf der anderen Seite.

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Details

Seiten
11
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346177704
ISBN (Buch)
9783346177711
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v703994
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg – Soziale Arbeit
Note
2,0
Schlagworte
aufgabenteilung geburt geschlechternormen kindes paarbeziehungen

Autor

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