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Periandros: Tyrann über Korinth

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Tyrannis

3. Die Anfänge der Tyrannis Periandros’
3.1 Die Errichtung der Tyrannis in Korinth durch Kypselos
3.2 Machtübernahme durch Periandros
3.3 Herrschaftssicherung
3.3.1 Gesetze
3.3.2 Leibwache
3.3.3 Steuern
3.4 Kolonien
3.5 Auswärtige Beziehungen
3.5.1 Epidauros
3.5.2 Milet
3.5.3 Lydien
3.5.4 Schiedsspruch über Sigeion
3.6 Familie

4. Das Ende der Tyrannis in Korinth

5. Schluss

6. Bibliographie
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Gegenstand der Untersuchung des Hauptseminars Die griechische Tyrannis im Sommersemester 2003 waren ausgewählte Beispiele verschiedener Tyrannen bzw. tyrannenähnlicher Herrscher im archaischen Griechenland. Die Untersuchungen erstreckten sich von den Anfängen bis hin zum Niedergang der jeweiligen Tyrannis. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Tyrannen Periandros, die wohl bedeutendeste Gestalt der Kypseliden von Korinth.

Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich kurz auf die Errichtung der Tyrannis in Korinth durch Kypselos, den Vater des Periandros’, eingehen, bevor ich mich dann auf das „politische“ Leben des Periandros beziehen werde. So soll zum einen die Machtübernahme genauer ins Visier genommen werden und zum anderen die Stabilisierung jener Macht, sei es, durch Schaffung neuer Gesetze, durch Koloniegründungen oder auch durch auswärtige Beziehungen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei immer das Verhältnis zum Volk, so dass dies nicht außer Acht gelassen werden darf und ebenfalls erläutert werden muss. Als Resümee der Herrschaft des Periandros’ werde ich noch kurz einige Taten und die daraus entstehenden Konsequenzen aufzählen, welche dem Periandros vielleicht zugeordnet werden können. Dies geschieht, um Einblicke in eine womöglich weit entwickelte Wirtschaft zu erhalten.

In der Schlussbetrachtung werde ich dann das Ergebnis hinsichtlich meiner Leitfragen präsentieren. Wie schon bereits oben erwähnt spielen das Volk und auch der Adel eine nicht ganz unwichtige Rolle, so dass ich mir die Frage stellte, wie sich jenes Verhältnis wohl im Laufe der Zeit entwickelte und ob es die Pfeiler, auf denen Periandros’ Macht beruhte, ins Wanken bringen konnte.

Bevor ich nun mit dem Hauptteil dieser Arbeit beginne, möchte ich noch einen Blick auf die verwendete Literatur werfen. Als Grundlage meiner Arbeit dienen 2 verschiedene Werke, denen ich in Aufbau und Quellenverwendung größtenteils folgen möchte. Dies ist zum einen das aus dem Jahre 1967 stammende, 2-bändige Werk von Helmut Berve, Die Tyrannis bei den Griechen[1], und zum anderen die im Jahre 1996 überarbeitete Version der Habilitationsschrift von Loretana de Libero, Die archaische Tyrannis[2]. Die Quellenlage ist sehr gut, wobei des öfteren die Glaubwürdigkeit des Verfassten in Frage gestellt werden muss, nicht auch zuletzt, weil mehrere hundert Jahre zwischen dem Ereignis und der Quelle liegen können. So kommt es auch des öfteren vor, dass ein Autor von einem anderen Autor abschreibt oder eine Geschichte gegenteilig beschrieben worden ist. Hierauf werde ich nochmals im Verlauf der Arbeit an geeigneteren Stellen eingehen.

2. Der Begriff Tyrannis

In erster Linie assoziiert man den Begriff Tyrann mit einer Herrschaft eines einzelnen Machtmenschen, der dem jeweiligen Herrschaftsgebiet „seinen Stempel aufzudrücken vermochte“[3]. Eine Tyrannis beschränkt sich auf das Einflussgebiet einer Polis und resultierte oftmals aus Konflikten und Spannungen zwischen den führenden Familien einer Polis. Wer als Sieger eines solchen Machtkampfes hervorging wurde zum Tyrann. Während Thukydides einen Auslöser für solche Konflikte im „wirtschaftlichen Auftrieb“ und den somit verbundenen wachsenden Einkünften ein jeder Polis sieht[4], behauptet Aristoteles, dass „die Oligarchien und Aristokratien in Dynastenherrschaften umschlagen und sich wegen der langen Amtsdauer in den Oligarchien und Demokratien Tyrannenherrschaften bilden.“[5] Aber auch Aristoteles bringt diesen Umschwung mit dem Wachstum der Staatskasse in Verbindung. Interessant bei den Diskussionen um das Wort Tyrann ist seine in heutiger Zeit immer negativ konnotierte Bedeutung. Herodot, Aristoteles u.a., alles keine Zeitgenossen der archaischen Tyrannen, aber trotzdem unsere wohl einzigen schriftlichen Überlieferer, erweisen sich eher als antityrannisch eingestellt und waren somit maßgeblich an der heutigen und auch damaligen Vorstellung von Tyrannen beteiligt.[6] Tatsächlich war das Wort Tyrann eine weitere Variante eines Titels, welcher jene Herrschaftsfunktionen wie Herrschaft, Leitung, Regierung oder Macht zu vereinen suchte, wie es auch z. B. auch die Titel Basileus oder Monarchos tun. Berve weist dem Wort Tyrann schon im 5. Jahrhundert eine negative Bedeutung zu, legt aber darauf Wert, dass jene diesem Wort „bis zu einem gewissen Grade von Anfang an eigen gewesen und um so schärfer ausgeprägt worden [ist], je tiefer eine erstarkende Staatsgesinnung die Ungesetzlichkeit der Tyrannis empfand.“[7]

Schon aus dieser recht kurzen Diskussion ist deutlich erkennbar, welch Tragweite die Bedeutung und Verwendung des Begriffs Tyrann hat. Im folgenden gilt nun zu erläutern, wie Periandros seine Macht erhalten und verwendet hat, so dass ihn sämtliche antike Geschichtsschreiber als Tyrann bezeichneten.

3. Die Anfänge der Tyrannis Periandros’

3.1 Die Errichtung der Tyrannis in Korinth durch Kypselos

Dass Periandros von der Forschung als die interessanteste Gestalt der Kypseliden betrachtet wird, erwähnte ich bereits in der Einleitung. Doch als „Urheber“ der Tyrannis in Korinth gilt dennoch der Vater des Periandros’, Kypselos. Im Folgenden soll die Errichtung der Tyrannis durch Kypselos kurz beschrieben und erläutert werden, damit wir an späterer Stelle einen Vergleich zu Periandros’ Herrschaft anstellen können. Auf eine ausführliche Darstellung Kypselos’ Leben und Machtübernahme wird bewusst verzichtet, da dies nicht Thema dieser Arbeit ist.

Nikolaos von Damaskos behauptet, dass Kypselos vor seiner Tyrannis das Amt des Polemarchen in Korinth inne hatte und deshalb schon einiges an Ansehen genossen haben durfte.[8] Berve und auch de Libero weisen darauf hin, dass es für diese Behauptung keine eindeutigen Quellen gebe, so dass diese Begebenheit auch eine „Erfindung“ der Geschichtsschreiber des 4. Jahrhunderts sein könnte.[9] Trotzdem musste Kypselos über beträchtliche Macht verfügt haben, wenn wir Nikolaos’ Aussage weiterverfolgen, Kypselos habe adlige Standesgenossen um sich geschart, um die Bakchiadenherrschaft zu stürzen und den obersten Magistraten zu ermorden.[10] In dieselbe Richtung gehend urteilt Aristoteles, wenn er schreibt, dass „es in allen diesen Fällen leichte Arbeit gab, wenn bei den betreffenden Männern nur der Wille vorhanden war, weil sie die nötige Macht schon im voraus besaßen, [...]; so erhoben sich [...] andere anderswo aus königlicher Herrschaft zur Tyrannis, [...], dagegen schwangen sich [...], Kypselos in Korinth und andere mehr in derselben Weise vom Demagogentum zur Tyrannis auf.“[11]

Den Beginn der Kypselidenherrschaft über Korinth datieren die Forscher nicht ganz unumstritten auf die Jahre 657/56 v. Chr. Berve versucht diese Jahreszahlen mit der ungefähr 90 Jahre andauernden Herrschaft der Bakchiaden in Verbindung zu bringen, wenn die Annahme richtig ist, dass die Bakchiaden ihre Vormachtsstellung in Korinth in der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. etablierten.[12]

Kypselos’ Machtstellung war aber noch nicht gefestigt. Zu erst musste er seine Feinde aus dem Weg räumen, ein gutes Verhältnis zum heimischen Adel schaffen und Akzeptanz beim Volk finden. Ersteres vollbrachte er, indem „er eine Menge Korinther verbannte, vielen das Vermögen und weitaus den meisten das Leben raubte.“[13]

Ein wichtiges Indiz, was das Verhältnis zum Volk beschreibt, ist die Tatsache, dass Kypselos 30 Jahre lang Korinth regierte, ohne aber einer Unterstützung von Leibwächtern oder sogar einer Armee zu bedürfen. Zudem beschreibt Nikolaos von Damaskos seine Herrschaft als friedlich und milde. Einige der geraubten Ländereien ließ er sogar unter dem Volk verteilen.[14] Was die Beziehung zum heimischen Adel betrifft, so muss sich diese gezwungenermaßen verbessert haben, da er gleich zu Beginn seiner Herrschaft diejenigen ausschaltete, die ihm nicht gut gesinnt waren und somit eine Gefahr für ihn dargestellt hätten. De Libero weist zudem auf die Möglichkeit hin, dass die nichtverbannten aristokratischen Standesgenossen Kypselos deshalb unterstützten, weil sie während der Regierung der Bakchiaden keines der prestigeträchtigen Ämter bekleiden durften und unter Kypselos ein solches erhoffen konnten.[15]

Wie bereits oben erwähnt konnte Kypselos somit 30 Jahre bis zu seinem Tod, welcher natürlicher Art war, über Korinth herrschen.[16]

[...]


[1] Berve, Helmut: Die Tyrannis bei den Griechen, Band 1 u. 2, München 1967.

[2] Libero, Loretana de: Die archaische Tyrannis, Stuttgart 1996.

[3] Barceló, Pedro: Basilea, Monarchia, Tyrannis, Stuttgart 1993, S. 83.

[4] Thukidides, Geschichte des Peleponnesischen Krieges, I,13.

[5] Arist. pol. 1308 a 18 ff.

[6] vgl. Barceló, S. 87 und Berve, Bd. 1, S. 4.

[7] Berve, Bd. 1, S. 5.

[8] Nikolaos von Damaskos FgrHist 90 F 57,4; in: http://www.classics.uiuc.edu/fauber/HIST202/files/nikdam.pdf

[9] Tyrannen des 4. Jahrhunderts missbrauchten des öfteren das Feldherrenamt, um eine Tyrannis zu errichten. vgl. Berve, Bd. 1, S. 16 und de Libero, S. 139 f.

[10] Nikolaos von Damaskos FgrHist 90 F 57, 4-6.

[11] Arist. pol. 5, 1310 b 23 ff.

[12] Berve, Bd. 1, S. 14. vgl. Barceló, S. 153: Er hält an der Theorie fest, dass Kypselos erst in der Zeit von 620-550 an die Macht gelangte und beruft sich dabei auf die Forschungen von Will und Mossé.

[13] Herodot, 5, 92.

[14] Nikolaos von Damaskos, FgrHist 90 F 57, 8.

[15] de Libero, S. 144.

[16] Herodot, 5,92; Nikolaos von Damaskos, FgrHist 90 F 57,8.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638614917
ISBN (Buch)
9783638754606
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70172
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Schlagworte
Periandros Tyrann Korinth Tyrannis

Autor

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Titel: Periandros: Tyrann über Korinth