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Religiöse Stadtentstehung am Beispiel von "Exulantenstädten"

Hausarbeit 2006 30 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Exulanten
2.2. Exulantenstädte

3. Stufen der Stadtentstehung in Mitteleuropa

4. Vertriebene Religionen
4.1. Protestanten
4.2. Böhmische Brüder
4.3. Waldenser
4.4. Hugenotten
4.5. Lutheraner
4.6. Mennoniten
4.7. Hussiten
4.8. Katharer

5. Historischer Hintergrund der Exulantenstädte
5.1. Die Lage in Deutschland
5.2. Die Situation in Europa
5.3. Die wichtigsten Exulantenströme
5.4. Zusammenfassung und Entstehung von Exulantenstädte

6. Exulantenstädte
6.1. Neuwied
6.1.1. Geographische Lage
6.1.2. Geschichte
6.2. Hanau
6.2.1. Geographische Lage
6.2.2 Geschichte
6.3. Neu-Isenburg
6.3.1. Geographische Lage
6.3.2. Geschichte
6.4.2. Geschichte
6.5. Glückstadt
6.5.1. Geographische Lage
6.5.2. Geschichte

7. Literaturverzeichnis
Internet - Quellen
Multimedia - Quelle

1. Einleitung

Die Genese von Städten bzw. der Stadtentstehung können unterschiedliche Ursachen haben. Zu den Stadtentstehungstheorien gehören die Hydraulische-, Ökonomische-, Militärische und Religiöse oder theologische Theorie.

In meiner Hausarbeit möchte ich explizit auf die Religiöse Stadtentstehung am Beispiel von Exulantenstädte eingehen.

Die mitunter in der Geschichte der deutschen Städte und ihrer Entstehung/Gründung in der Frühen Neuzeit, eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Die „Exulantenstädte“ gehören laut Edith Ennen, zu den frühzeitlichen Sondertypen der frühneuzeitlichen Stadtenstehung. „Die Geschichtswissenschaft hat sich bei der Beschäftigung mit den frühneuzeitlichen Städtetypen vor allem jener Gattung zugewendet , die zu den mittelalterlichen Handels- und Gewerbestädten Bischofsstädten, Pfalz- und Burgstädten hinzutraten und die für die frühneuzeitlichen Entwicklungen als charakteristisch empfunden wurden.[1] Als solche gelten dann, Bergstädte, Exulantenstädte, Residenz- und Hauptstädte, Festungsstädte und Manufakturstädte.

Anhand ausgewählter Beispiele der Städte: Neuwied, Hanau, Neu-Isenburg, Mannheim

und Glückstadt werde ich die zum Teil unterschiedliche Entwicklung/Entstehung der Exulantenstädte aufzeigen.

„Ich bin ein armer Exulant,

also muss ich mich schreiben.

Man tut mich aus dem Vaterland

Um Gottes Wort vertreiben.

Doch weiß ich wohl, Herr Jesu mein,

es ist dir auch gangen,

jetzt soll ich dein Nachfolger sein,

machs Herr nach deinm Verlangen!“[2]

Joseph Schaitberger (1658-1733)

2. Definitionen

2.1. Exulanten

„Exulanten sind Leute, die in der Zeit der „Gegenreformation“[3] ihre Heimat verlassen mußten, weil sie am Evangelischen Bekenntnis festgehalten haben. "Exulant" (von lateinisch exulare = ausserhalb des Vaterlandes leben, in der Verbannung oder als Verbannter leben) ist seit dem „30 jährigen Krieg“[4] der Fachausdruck für die zahllosen Protestanten, die wegen ihres evangelischen Glaubens aus den habsburgischen und anderen katholisch beherrschten Gebieten oder rekatholisierten Ländern vertrieben worden sind.“[5]

2.2. Exulantenstädte

„Exulantenstädte (Flüchtlingsstädte/Glaubensflüchtlingsstädte) (zwischen 16. und 18 Jh.) waren räumlich an landesfürstliche Gebiete mit protestantischem Glaubensbekenntnis gebunden. Triebkraft zur Gründung derartiger Städte war die Flucht aus dem Machtbereich der Gegenreformation.“[6] Die Flüchtlingsgruppen, (...) -häufig in Neustädten oder neuen Stadtgründungen angesiedelt - kamen z.B. aus Böhmen (Böhmische Brüder) in den Raum Schlesiens und Polens, aus Flandern in das Niederrein- und das nordwestdeutsche Küstengebiet, aus Frankreich (Hugenotten) in das Rheingebiet oder

über Hessen nach Schlesien bis in die Mark. „Exulantenstädte wurden häufig nach dem fördernden Fürsten benannt (z.B. Friedrichsstadt an der Eider); z.T. hat sich in der Städtenamen das „Gefühl neugewonnener Sicherheit“ niedergeschlagen wie Freystadt in Posen, Glückstadt an der Elbe oder Freudenstadt im Schwarzwald.“[7]

3. Stufen der Stadtentstehung in Mitteleuropa

Abb.1: Stufen der Stadtenstehung In Mitteleuropa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Stoob, Heinz. (1970): Forschungen zum Städtewesen in Europa. S. 21.

Das Diagramm von Stoob soll einen zeitlichen Überblick, über den Entstehungszeitraum von Exulantenstädten geben. Es verdeutlicht wann und wie viele Städte durch Religionsflüchtlinge in Mitteleuropa entstanden sind.

„In die Gesamtkurve sind für ausgewählte Typen, „Bergstädte“[8], Flüchtlingsstädte und „Akzisestädte“[9], Teilkurven eingezeichnet; da sich oft mehrere Impulse über­decken oder ablösen, wie noch zu zeigen ist, bleiben gegen diese Teilkurven noch stärkere Vorbehalte wach, als gegen das Gesamtbild.“[10]

Von einem Tiefstand vor 1450 steigt die Kurve an, wobei die Entstehung neuer Bergstädte klar dominiert. Die allgemeine zeigt, das ab 1470 die Zahl stetig steigt und um 1520/30 einen Höhepunkt erreicht, sie fällt jedoch 1540 wieder zum ersten Tief ab und läuft gegen 1680 aus.

„Ganz anders entwickelt sich die Zuwachsrate der unter Flüchtlingsbeteiligung entstandenen Städte: erst um 1520 setzt sie ein, steigt mit Schwankungen zu einer Höhenmarke vor 1600 an, gewinnt aber erst um 1620-60 ausschlaggebenden An­teil an der Gesamtkurve, die sie dann um 1700 für kurze Zeit völlig beherrscht. Danach wird sie nur noch durch Schlußlichter ergänzt.“[11] Die dritte Teilkurve gehört gänzlich dem 18. Jahrhundert an und hat einen letzten Höhepunkt des Gesamtbildes zwischen 1720 und 1730 zur Folge. „Faßt man zusammen, so zeigen sich Periodeneinschnitte um 1550/60, um 1610/20, um 1670/80 sowie endlich um 1730 und wir entnehmen daraus, daß nicht nur zeit­lich, sondern auch räumlich differenziert werden muß, wenn die begrenzte Aus­sagekraft des Diagramms nicht überzogen werden soll. Bergstädte gibt es eben nur über Bodenschätzen, Flüchtlingsstädte nur in bestimmten Aufnahmegebieten evangelischer Konfessionen, Akzisestädte nur im Bereich der preußischen Steuer­politik.“[12]

4. Vertriebene Religionen

In diesem Kapitel, werde ich kurz auf die unterschiedlichen Religionen eingehen, die bei der Bildung von Exulantenstädte eine Rolle gespielt habe um einen kleinen Überblick und ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Religionen zu schaffen.

4.1. Protestanten

Der Begriff Protestant bezeichnet im engeren Sinne die Angehörigen der christlichen Konfessionen, die im deutschen Sprachraum durch die Reformation entstanden sind.

„Allgemeiner werden diejenigen Konfessionsrichtungen als protestantisch bezeichnet, die sich gegenüber der katholischen Hauptkirche distanzieren wollten und daher zum Beispiel eine Autorität des Papstes nicht anerkennen.“[13]

4.2. Böhmische Brüder

Böhmische Brüder (oder auch Mährische Brüder) waren eine religiöse Gemeinschaft, die sich aus Mitgliedern der Taboriten und Waldenser bildeten, sie traten hauptsächlich im 15. Jahrhundert und 16. Jahrhundert in Böhmen auf.

4.3. Waldenser

„Die Waldenser sind eine protestantische reformierte Kirche insbesondere in Italien. Ursprünglich entstanden sie im Mittelalter in Südfrankreich, (…) doch die französischen Waldenser gingen größtenteils während der Reformation in den französischen Protestanten, den so genannten Hugenotten, auf.“[14]

4.4. Hugenotten

„Hugenotten ist die seit etwa 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten. Ihr Glaube ist stark von der Lehre Johannes Calvins beeinflusst.“[15] „Die Hugenotten wurden in Frankreich insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert stark verfolgt. Besonders die Verfolgungen unter Ludwig XIV. ab 1685 lösten eine Fluchtwelle von einer Viertelmillion Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder aus. Nach dem Ende der Verfolgung und dem Inkrafttreten der französischen Verfassung 1791 setzte sich immer mehr die Bezeichnung Protestanten durch.“[16] Die Bezeichnung Hugenotten ist also eigentlich nur für calvinistische Gläubige für die Zeit ihrer Verfolgung in Frankreich gerechtfertigt.

4.5. Lutheraner

Die Lutheraner sind eine christliche Konfession die auf das Wirken von Martin Luther im Zuge der Reformation zurückgeht. Ihre Selbstbezeichnung war und ist eigentlich: evangelisch christlich oder apostolisch. „Die Bezeichnung Lutheraner ist ursprünglich eine polemische Fremdbezeichnung von katholischer Seite (aduersus Lutheranos et alios hostes Ecclesiae Johann Eck 1520 ) zur Identifizierung der Protestanten als Ketzer.

Erst später wird der Begriff zur Selbstbezeichnung um eine Abgrenzung sowohl zu den Katholiken als auch zu den Reformierten zu demonstrieren. Lutheraner lehnen die Marienverehrung und das Papsttum als blasphemisch ab. Ihre Kirchen bzw. Gemeinden nennt man daher "Lutherische Kirchen" (bzw. Gemeinden) oder "Evangelisch-Lutherische Kirchen" (bzw. Gemeinden).“[17]

[...]


[1] Gerteis, Klaus. (1986): Die deutschen Städte in der Frühen Neuzeit. Zur Vorgeschichte der ,bürgerlichen Welt‘. Darmstadt. S.18.

[2] Exulanten: http://de.wikipedia.org/wiki/Exulanten

[3] Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Gegenreformation.html: Die Gegenreformation bezeichnet die Versuche der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert eine Rekatholisierung einzuleiten nachdem die protestantische Reformation bereits über 90% der Gebiete Europas erfasst hatte. Sie wurde zunächst mit Mitteln der Überzeugung später unter Verwendung staatlicher Repression und ideologischer Überredung durchgeführt

[4] Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Drei%DFigj%E4hriger_Krieg.html: Der Dreißigjährige Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz und endete mit dem Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück im Jahr 1648 .

[5] Exulanten: :http://www.gf-franken.de/exulanten_frm.html

[6] Heineberg, Heinz. (2003): Einführung in die Anthropogeographie/Humangeographie. Paderborn. S.330.

[7] Heineberg, Heinz. (2003): Einführung in die Anthropogeographie/Humangeographie. Paderborn. S.330.

[8] Vgl. .http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Bergstadt.html : Eine Bergstadt ist historisch gesehen eine Siedlung in der Nähe von Rohstofflagerstätten welche vor allem zum Zwecke der Ansiedlung von Arbeitskräften und Unternehmen mit dem Stadtrecht anderen besonderen Rechten ( Bergregal ) Steuerbefreiungen oder -erlass und ähnlichem ausgestattet wurden.

[9] Vgl. Pauler, Roland. "Akzise." Microsoft® Encarta® 2006 [DVD]. Microsoft Corporation, 2005.

DEF A.: Akzise, Bezeichnung für zahlreiche Formen der indirekten Besteuerung des Verbrauchs und Verkehrs, seltener der gewerblichen Produktion seit dem Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert. Bereits im 11. Jahrhundert war die Akzise in Spanien und Venedig bekannt. In Deutschland tritt sie nachweislich erstmals 1206 in Köln auf und im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts dann in allen Gegenden Deutschlands. Ursprünglich war die Akzise für städtische Bedürfnisse bestimmt und wurde von den städtischen Behörden mit Genehmigung des Stadtherrn erhoben, doch wurde sie noch im Lauf des 13. Jahrhunderts vielfach von den Landesherren in ihren Städten selbst erhoben. Als Verbrauchssteuer betraf sie hauptsächlich den Wein- und Bierkonsum. Ähnliche Steuern gab es unter anderen Bezeichnungen auch in anderen europäischen Ländern.

[10] Stoob, Heinz. (1970): Forschungen zum Städtewesen in Europa. Bd. 1: Räume, Formen und Schichten der mitteleuropäischen Städte. Eine Aufsatzfolge. Köln/Wien. S. 253.

[11] A.a.O., S.253.

[12] A.a.O., S.253.

[13] Protestant: http://de.wikipedia.org/wiki/Protestantismus

[14] De Lange, Albert. (1998): Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland. Herkunft und Geschichte. 1. Auflage. Karlsruhe. S.18.

[15] Hugenotten: http://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten

[16] A.a.O.

[17] Lutheraner: http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Lutheraner.html

Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638624299
ISBN (Buch)
9783638674041
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70122
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,3
Schlagworte
Religiöse Stadtentstehung Beispiel Exulantenstädten Oberseminar Geisteshaltung Kulturlandschaft Siedlungssystem

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