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Mediation in Schulen. Oder: Das Streit-Schlichter-Programm

Hausarbeit 2005 36 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung
1.1.) Bedeutung und Geschichte der Mediation

2.) Konflikte und Gewalt in Schulen
2.1.) Definition der Konflikte, Typologien
2.2.) Definition von Gewalt
2.3.) Konflikte und Gewalt im Schulalltag
2.4.) Der Umgang mit Konflikten und Gewalt in Schulen
2.5.) Chancen und Grenzen von Konflikten und Gewalt im Schulalltag
2.6.) Konflikte ohne Gewalt
2.7.) Konflikte und Konfliktaustragung im Schulalltag

3.) Mediation in der Schule
3.1.) Definition der Mediation
3.2.) Die Idee der Mediation im Schulalltag
3.3.) Besondere Merkmale der Mediation in Schulen
3.4.) Wie die Schule mit Konflikten und Gewalt umgeht
3.5.) Mediation als Verfahren konstruktiver Konfliktbearbeitung
3.6.) Die Anwendungsbereiche der Mediation
3.7.) Ziele einer Mediation in der Schule

4.) Die Schule als Organisation und Lebenswelt
4.1.) Mediation und Schulprogramm
4.2.) Chancen und Grenzen der Mediation in der Schule
4.3.) Ziele der Schulmediation
4.4.) Schulexterne und interne Mediation
4.5.) Ablauf einer Mediation in der Schule
4.6.) Die Rolle, Aufgaben und Haltung der Mediatoren/Streitschlichter in der Schule
4.7.) Peer – Mediation

5.) Möglichkeiten zur Mediation in der Schule/Schulprogrammarbeit
5.1.) Verbesserung des Schulklimas
5.2.) Fallbeispiel
5.3.) Mediationsprojekte
5.4.) Trainingsprogramme

6.) Resümee

7.) Quellenverzeichnis

1.) Einleitung

Das Thema dieser Arbeit lautet „Mediation in Schulen - oder: Das Streit – Schlichter – Programm“. Ich habe dieses Thema gewählt, da ich mich dafür sehr interessiere, denn ich persönlich finde, dass die Einführung des Streit – Schlichter – Programms in den Schulen eine ganz tolle Sache ist. Dadurch lernen die Schüler engagierter, einfühlsamer, reflektierender und kritikfähiger zu sein und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Die Mediation, aus dem amerikanischen „mediation = Vermittlung“, ist ein Verfahren der Streit – Vermittlung, welches in vielen Schulen Kanadas, Australien, den USA und nun auch in Deutschland und Europa zur friedlichen Beilegung von Schüler – Schüler – Konflikten u.a. eingesetzt wird. Als Alternative zu Schulstrafen können die Schüler bei Auseinandersetzungen im Schulhof, Klassenzimmer etc. in den Schlichtungsraum gehen und dort mit Hilfe eines ausgebildeten Schüler – Mediators über die Hintergründe des Streites reden und eine versöhnliche Einigung erzielen. Lehrer werden dadurch im Unterricht entlastet und Schüler – Beziehungen verbessern sich, da einmal geschlichtete Konflikte nicht so schnell wiederaufflammen. 1 In dieser Arbeit möchte ich als Erstes zur Einstimmung die Bedeutung und Geschichte der Mediation nahe bringen. Anschließend beschäftige ich mich mit Konflikten und Gewalt in Schulen bzw. im Schulalltag, dem Umgang und Lösungen, die sich daraus resultierende Mediation in der Schule mit ihren besonderen Merkmalen und als Verfahren konstruktiver Konfliktbearbeitung sowie die Ziele. Im Anschluss erläutere ich die Schule als Organisation und Lebenswelt mit ihren Chancen und Grenzen der Mediation in der Schule, befasse mich mit der schulexternen und internen Mediation, dem Ablauf sowie mit der Rolle, der Haltung und die Aufgaben des Mediators und der Peer - Mediation. Als letzten Gliederungspunkt nenne ich Möglichkeiten zur Mediation in der Schule/Schulprogrammarbeit, als Beispiel die Mediationsprojekte und Trainings­programme.

Nach der Befassung mit den Themen dieser Arbeit erfolgt das abschließende Resümee.

1.1.) Bedeutung und Geschichte der Mediation

Schulmediation ist in Deutschland ein neues Konfliktlösungs – Verfahren, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Ursprünge liegen im „Collective Bargaining“ (gemeinsames Verhandeln/Übereinkommen). Die Verhandlungsarbeit der Quäker (Religiöse Gesellschaft der Freunde), die an verschiedenen politischen Verhandlungen der USA mit dem Nahen Osten erfolgreich waren, hatten großen Einfluss auf die Anerkennung des Mediationsverfahrens. Noch in den 60er Jahren begann die Mediation sich als außergerichtliche Einigung, besonders in der Trennung/Scheidung zu verbreiten. Ab Anfang der 70er Jahre wurden in den USA Trainingsprogramme für Schüler und Lehrer entwickelt. Die Quäker führten 1972 an öffentlichen Grund- und Hauptschulen in New York ein Programm, genannt „Children`s Creative Response to Conflict“ (CCRC) ein, das „Abhängigkeit von Konkurrenz und Gewalt auf der psychischen, verbalen und physischen Ebene zu reduzieren“ versuchte. 2 Fortbildungsveranstaltungen informierten Lehrer über den Nutzen und Aufbau des Programms. Die Klassen der interessierten Lehrer wurden eine Zeit lang beobachtet, um somit das Programm am effektivsten zu implementieren. Das „CCRC Programm“ bestand aus einstündigen, wöchentlichen Workshops im Klassenzimmer, die mit Absprache des Lehrers von zwei bis drei Trainern geleitet wurden. Die Workshops basierten auf Spielen und Übungen zu den Themen Kommunikation, Bestätigung/Stärkung des Selbstwertgefühls und Konfliktlösung. Durch den Aufbau des Selbstbewusstseins und des Gemeinschaftsgefühls wurden die Schüler zur Anwendung von konstruktiven Konfliktlösungsstrategien befähigt. Denn erst wenn Kinder (und Erwachsene) ein positives Selbstbild entwickelt haben, werden sie es wagen, in einer Konfliktsituation auch die Argumente und Bedürfnisse anderer ernst zu nehmen und sich damit für konstruktive Lösungen zu öffnen. Weiterentwickelt wurden die Ideen des New Yorker Quäkerprojekts von der „Kingston Friends Workshop Group“ in der Nähe von London. In deren Seminaren wurden zum Einstieg Kennenlernspiele veranstaltet, um konstruktive Gruppenarbeit zu gewährleisten.

Danach folgte ein theoretischer Teil, in dem das „Eisberg – Prinzip“ der Problemlösung erläutert wurde. Die zwischenmenschliche Problemlösung wurde als die Spitze des Eisberges gesehen, unter der die notwendigen Fähigkeiten der Kommunikation, Kooperation und Bestätigung des Selbstwertgefühls liegen.

Genau diese Fähigkeiten versuchte die „Kingston Friends Workshop Group“ durch Spiele, Übungen, Rollenspiele und Diskussionen den Teilnehmern anzutrainieren. Ähnliche Bemühungen, Schüler konfliktfähiger zu machen, haben sich auch Anfang der 80er Jahre in San Francisco aufgezeigt. Das „Conflict Management Program“, 1982 in San Franciscos öffentlichen Schulen als Testprojekt eingeführt, zählt als Vorreiter der schulischen Peer – Mediations – Programme. Zwei Jahre später, 1984, erhielt das Projekt eine spezielle Auszeichnung vom kalifornischen Minister für Bildung und Lehre, „Superintendent of Public Instruction“, und von der „California State Legislature“ für eine vorbildliche, schulische Lehrplankonzeption und beispielhafte, schülerorientierte Konfliktbehandlung. Seitdem gilt das „Conflict Management Program“ als Modell für viele ähnliche Projekte in USA und Kanada. Jetzt, wo Peer – Mediation auch in Deutschland bekannt geworden ist, haben die verschiedenen Programme in den USA und Kanada schon große Erfolge erzielt. 3

2.) Konflikte und Gewalt in Schulen

2.1.) Definition der Konflikte, Typologien

Die Definition nach Friedrich Glasl: „Ein sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren, wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken/Vorstellen/ Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor erfolgt.“4

Beim Versuch einer Typologienbildung werden Konflikte oftmals nach den Gesichtspunkten „Streitgegenstand“, „Erscheinungsform der Auseinandersetzung“ und „Merkmale der Konfliktparteien, ihre Positionen und wechselseitigen Beziehungen“ eingeteilt. Zunächst erscheint es jedoch wichtig, zwischen intrapersonellen und interpersonellen Konflikten zu unterscheiden. Während intrapersonelle Konflikte sich im Inneren des Individuums abspielen (z.B. Entscheidungskonflikte), bestehen interpersonelle Konflikte zwischen verschiedenen Personen und Gruppen.

Dabei kann es sich um Normkonflikte oder Interessenkonflikte handeln. Normkonflikte können auf unklaren oder fehlenden, auf besonders zahlreichen und/oder restriktiven oder auf widersprüchlichen Normen beruhen. Interessenkonflikte entstehen bei unterschiedlichen Zielvorstellungen oder konkurrierenden Vorteils- bzw. Gewinnererwartungen.

Für eine effektive Konfliktbearbeitung ist es daher sinnvoll zu analysieren, in welchem Stadium sich ein Konflikt befindet. Oftmals wird von „latenten“ und „manifesten“ Konflikten gesprochen, je nachdem, ob die gegensätzlichen Ansichten zu feindseligen Handlungen führen oder nicht. Als „heiße Konflikte“ werden die Situationen beschrieben, in denen die Konfliktparteien mit großem Engagement offen die Auseinandersetzung betreiben, während sie bei „kalten Konflikten“ eher im Verborgenen agieren und nach außen Desinteresse oder konstruktive Verhaltensweisen demonstrieren. 5

2.2.) Definition von Gewalt

Gewalt wird definiert als Einwirkung auf einen anderen, der dadurch geschädigt wird. Als Gewaltformen werden psychische oder physische, personale oder strukturelle, statische oder dynamische sowie direkte oder indirekte unterschieden. Ein enger, auch als „materialistisch“ bezeichneter Gewaltbegriff beschränkt sich auf die zielgerichtete, direkte physische Schädigung einer Person, der weiter gefasste Gewaltbegriff bezeichnet zusätzlich die psychische bzw. verbale Gewalt, teilweise auch den Vandalismus und in seinem weitesten Sinn die „strukturelle Gewalt“. 6

2.3.) Konflikte und Gewalt im Schulalltag

Für viele Kinder und Jugendliche ist Gewalt das einzige Mittel, um Probleme zu lösen. Dies tun sie nicht, weil sie Gewalt gut finden, sondern weil sie keine andere Möglichkeit sehen. Sie lernen von Erwachsenen, dass man um des eigenen Vorteils willen andere wegschieben kann. Sie sehen Filme, die belegen, dass man nur mit Gewalt etwas erreichen kann, und sie wollen in ihrer „Peer-Group“ nicht als schwach abgestempelt werden. Konflikte werden demnach grundsätzlich als störend, bedrohlich und destruktiv betrachtet. Außerdem konzentriert sich die Aufmerksamkeit zumeist auf dramatische Aktionen oder Gewalttaten. Oft wird überhaupt erst über einen Umgang mit Konflikten nachgedacht, wenn „etwas passiert“ ist und dies öffentlich bekannt wird. Das Hauptproblem ist nicht die so genannte zunehmende Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen, sondern die Tatsache, dass die Lösungen für Konflikte und das Herangehen an Konfliktlösung unzulänglich sind. Die zunehmende Komplexität der Welt und die wachsenden Anforderungen an Kinder und Jugendliche zwingen einen dazu, die Methoden der Konfliktlösung zu überdenken und nach neuen Wegen und Methoden zu suchen. Diese Notwendigkeit ergibt sich aus den schon länger laufenden, aber sich in den letzten Jahren verstärkenden gesellschaftlichen Prozessen der Individualisierung. Die traditionellen Milieus, Familienstrukturen und Nachbarschaftsverhältnisse, welche Orientierungs-, Sinngebungs-, und Konfliktregulierungsfunktionen erfüllten, haben sich mehr und mehr verändert und teilweise aufgelöst.

Dieser gesellschaftliche Wandel bietet einerseits Chancen zur größeren Selbstverwirklichung, andererseits erhöhen sich für das Individuum Leistungsdruck und Konkurrenz, was vor allem für Kinder und Jugendliche zum Problem werden kann. Besonders der Wegfall von allgemeinen akzeptierten Formen der Konfliktregulierung verstärkt den Trend zu gewalttätigen Lösungsversuchen. 7

2.4.) Der Umgang mit Konflikten und Gewalt in Schulen

Gewalt als Mittel der Konfliktregelung in allen gesellschaftlichen Bereichen muss verhindert werden, Konflikte gehören aber zum Alltag und damit auch zum Schulalltag. Doch wo besteht in der Schule die Möglichkeit, Konflikte unter den Schüler/innen konstruktiv auszutragen oder gar in beiderseitigem Einvernehmen beizulegen? Tatsächlich erleben Erwachsene Konflikte im Schulalltag häufig als negativ, als Störung oder Belastung, Beleidigungen, Gemeinheiten und Grenzübertretungen halten den Schulbetrieb auf und vermiesen die Stimmung in der Klasse. Lehrkräfte sehen zwar die Notwendigkeit, Konflikte auszutragen, nach Lösungen zu suchen, finden aber im stressigen Schulalltag keine Zeit dazu. Sie ärgern sich über einzelne Schüler, die immer wieder in Streit geraten, und stellen bei vielen Schüler/innen eine geringe Fähigkeit oder Bereitschaft fest, ihr eigenes Verhalten kritisch zu überdenken bzw. dieses zu verändern. 8 Auf Konfliktursachen wie z.B. das soziale Umfeld, der (empfundene) Realitätsverlust von Kindern durch Medienkonsum, räumliche Enge oder überfüllte Klassen haben Lehrkräfte kaum Einfluss. Sie versuchen, den Werten einer „Ellenbogengesellschaft“ entgegenzuwirken, in der alle auf der Gewinner- und keiner auf der Verliererseite stehen will. Lehrer/innen fühlen sich durch die Übernahme von Erziehungsaufgaben überlastet und ärgern sich über Eltern, die sich ihrer Verantwortung entziehen. Tatsächlich sind der Konfliktaustragung enge strukturelle Grenzen gesetzt, denn es besteht permanenter Zeitdruck, es mangelt an Zeit und Raum für die Konfliktbearbeitung. Durch die Beschäftigung mit Konflikten fällt manchmal der Unterricht aus, auch für die unbeteiligten Schüler. Interventionen sind ständig gefordert, Fortschritte aber schwer zu erkennen. Viele Lehrkräfte sind unzufrieden mit ihrem eigenen Verhalten bei schulischen Konflikten, denn ihnen fehlen häufig effektive Handlungsmöglichkeiten zur Intervention. Manchmal sehen Lehrkräfte Konflikte oder Gewalt, die nach Ansagen der Schüler unproblematisch sind. 9

Oft erschwert die Konfliktdynamik eine konstruktive Konfliktaustragung, denn aufgrund mangelnder Konfliktfähigkeit bzw. – kompetenz hören sich Schüler (und Lehrer) häufig gar nicht zu, sind nicht bereit, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, zeigen keine Betroffenheit, bagatellisieren Konflikte, streiten jegliche (Mit-) Verantwortung für den Konflikt ab bzw. verleugnen den eigenen Anteil am Konflikt und zeigen kein Unterrichtsbewusstsein. Manche Jugendliche verwickeln ihre Lehrer/innen in endlose Diskussionen darüber, wer an der Situation schuld sei, jeder will Opfer, keiner Täter sein, Angriffe werden als Reaktion verteidigt. Die Schüler suchen üblicherweise Lösungen nach dem Muster „gewinnen – verlieren“; die Konflikte wiederholen sich, einmal gefundene Lösungen greifen nicht, die Konflikte lassen sich nicht schnell und rezeptartig lösen. Konfliktsituationen eskalieren sowohl durch Gruppenbildung bzw. Parteinahme unter den Schülern als auch durch das Anheizen sensationslustiger Mitschüler/innen. Als sehr belastend empfinden die Lehrkräfte die zunehmende Brutalität, auch bei jüngeren Schülern beiderlei Geschlechts. Lautstarke verbale Entgleisungen und mutwillige Sachbeschädigungen gehören in manchen Klassen zum Umgangston, diese arten teilweise in körperliche Auseinandersetzungen aus. 10

2.5.) Chancen und Grenzen von Konflikten und Gewalt im Schulalltag

Durch Konflikte gewinnt man Erkenntnisse über das Erleben von Kindern und Jugendlichen; man nimmt Anteil am Leben der Beteiligten. Man erfährt Neues über sich selbst, lernt eigene Grenzen kennen und kann verschiedene Methoden ausprobieren. Spannend sind vor allem die Reaktionen aller Beteiligten im Konflikt. Bei der Konfliktaustragung erfährt man Ursachen und Entstehungsgeschichte des Konfliktes. Die Konfliktdynamik wird aufgearbeitet, verändert sich aber auch im Laufe der Bearbeitung.

Gefühle werden ausgesprochen, die Kontrahenten nehmen Blickkontakt auf, die Stimmung schwenkt um und langsam baut sich Vertrauen auf. Es beginnt sich etwas zu bewegen, Schüler zeigen unerwartete Reaktionen, man ahnt, welches Potenzial in ihnen steckt. Die Suche nach Lösungen gestaltet sich als Prozess: Kinder entwickeln eigenständig kreative Lösungen. Sie arbeiten dann nicht mehr gegen-, sondern miteinander.

Interventionen wirken sich positiv aus und die Wirksamkeit vereinbarter Lösungen wird erfahrbar. Durch Konflikte lernen Schüler einander besser kennen und einschätzen. Sie erwerben soziale Kompetenzen und werden selbstständiger. Nicht selten schaffen sie es, Konflikte allein, das heißt, ohne Erwachsenenunterstützung zu regeln. Die gemeinsame Konfliktbewältigung stärkt die Beziehung und fördert die Solidarität unter den Jugendlichen. Gelöste Konflikte setzen Energie frei, die Atmosphäre und das Lernklima verbessern sich. Konflikte halten die Schule aber auch in gewisser Weise lebendig und bieten von daher die Möglichkeit, Veränderungen in Gang zu setzen. 11

2.6.) Konflikte ohne Gewalt

Mit Streit gewaltfrei umgehen?

Raufereien am Schulhof, Erpressung von Mitschülern, Schubsen, Drangsalieren u.a. nimmt immer mehr zu. Es lässt sich nicht vermeiden, dass Kinder mit Gewalt in Berührung kommen. Ob in der Schule, zu Hause oder in den Medien: Gewalttätiges Handeln ist keine Seltenheit. Die Bereitschaft, brutale Gewalt anzuwenden, ist nicht nur bei erwachsenen Straftätern gestiegen. Auch in den Schulen wird immer häufiger geschlagen, getreten und gewürgt. Selbst Waffen wie Messer, Schlagringe und Gaspistolen werden mitunter von Kindern und Jugendlichen eingesetzt, um andere zu bedrohen oder zu erpressen. Für die Gewalthandlung wird oft ein unbedeutender Anlass gesucht, der mit dem eigentlichen Geschehen noch nicht einmal zusammenhängen muss. Die wirklichen Ursachen der Gewalttätigkeit reichen jedoch tiefer.

Dabei spielt die Familie für die Entwicklung der Heranwachsenden eine zentrale Rolle. Mangelnde Zuwendung, Unzufriedenheit, Frustration und Aggression in der Familie führen bei den jungen Menschen oft zu ungelösten Problemen, die die Neigung zur Feindseligkeit und Gewalttätigkeit begünstigen. Verstärkt wird dies noch durch Gewaltdarstellungen in Videos, Filmen und im Fernsehen, die nicht selten als „Vorbild“ für die brutalen Handlungen junger Menschen dienen. Hinzu kommt, dass die ständig steigenden Wünsche und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in unserer konsumorientierten Gesellschaft immer mehr Geld erfordern. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für Erpressungen mit Gewaltandrohung sein.

Das Vorbildverhalten der Eltern, schon lange vor der Einschulung, und die pädagogische Vermittlung von sozialen Verhaltens normen in der Schule sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass und wie Kinder lernen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Der Kontakt der Schüler – Lehrer sollte aktiv gefördert werden, und ein Eltern-Schule-Arbeitskreis kann sich der konkreten Probleme besser annehmen als ein herkömmlicher Elternabend. Es sollte viel mit den Schülern über die Schule gesprochen werden. Eltern sollten ihre Kinder öfters nachfragen, wenn es von Gewalttaten erzählt oder mit Verletzungen nach Hause kommt. Gewalthandlungen sollen nicht länger zwischen Schülern tabuisiert und verschwiegen werden. 12

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Details

Seiten
36
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638624183
ISBN (Buch)
9783638674003
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70076
Institution / Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Braunschweig – Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbuettel
Note
2,3
Schlagworte
Mediation Schulen Streit-Schlichter-Programm Sozialmediation

Autor

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