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Die Judenverfolgung und Ritualmordlegenden im Mittelalter am Beispiel von Simon von Trient

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Simon von Trient

III. Der Trienter Prozess: Hintergründe, Personen
III.1 Das christliche Bild eines Juden
III.2 Der Fürstbischof
III.3 Bernhardin da Feltre und Giovanni de Salis Einfluss auf den Trienter Prozess

IV. Der Prozess gegen die Juden von Trient
IV.1 Die Ausgangslage
IV.2 Die Folterkammer

V. Die Stellung des Vatikan zum Fall von Trient
V.1 Der Vatikan und der Ritualmord vor 1475
V.2 Der Vatikan und der Trienter Prozess
V.3 Der Vatikan und die Entwicklung von Simons Märtyrertum

VI. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Appendix – Die Ikonographie des Simon von Trient

I. Einleitung

Der Antisemitismus durchzieht die ganze Weltgeschichte. Es gab zu jeder Zeit an einem bestimmten Ort auf der Welt starke antisemitistische Bewegungen. Während des Mittelalters war der Hass auf Juden in Europa wieder stärker aufgekommen. Durch die angebliche Hostienschändung[1], sowie während der Pest durch das Gerücht der Brunnenvergiftung, gerieten die Juden sehr stark in Verruf.[2] Eine weitere und sehr bedeutende Ursache ist sicherlich in den Ritualmordlegenden zu suchen, die sich seit dem 12. Jahrhundert mit dem Fall des jungen William of Norwich durch ganz Europa zogen und immer wieder in anderen Ländern zu Judenverfolgungen führten. Während in den Anfängen der Ritualmordlegenden noch die jährliche Kreuzigung eines Christen im Vordergrund stand, wurde dieses ab 1235 mit der Variante des Christenknabenmordes um des Blutes Willen erweitert. Die Juden benötigten das Blut angeblich für ihre Rituale und als Medizin[3], damit sie die Hörner der Judenkinder beseitigen , ihren Judengestank lindern, sowie das Blut bei komplizierten Geburten als Medizin einsetzen konnten.[4]

Die wichtigste Ritualmordlegende neben der des William of Norwich ist aber sicherlich die des Simon von Trient aus dem Jahre 1475. Sie führte damals zu einem Wandel in der Prozessführung gegen vermeintliche Ritualmörder.[5] Hier ging es nun nicht mehr um den Einzelfall, sondern darum zu beweisen, dass so eine Tat dem jüdischen Naturel entspricht.[6]

Es ist gleich an dieser Stelle festzuhalten, dass es niemals wirklich einen Ritualmord gegeben hat.[7] Trotzdem kann man dieses Thema nicht als veraltet darstellen, da der Vorwurf des Ritualmordes bis ins letzte Jahrhundert auf eine schrecklich lebendige Art und Weise präsent war und teilweise auch heute noch ist.[8]

In dieser Arbeit soll die Judenverfolgung im Zusammenhang mit den Ritualmordlegenden am Beispiel von Simon von Trient erläutert werden.

Sie soll Aufschluss über die Verfahren und ihre Durchführung im Mittelalter geben. Weiterhin soll hier geklärt werden, weshalb es im Prozess von Trient zu einem Wandel kam, der einen starken Einfluss auf die folgenden Prozesse gegen Ritualmörder hatte. Die Gründe, weshalb auf einmal zwanghaft nach der Methodik für den Ritualmord gesucht wurde und mit welchen Methoden man dies erreichen wollte. Ebenfalls wird hier auf die Hintergründe eingegangen, welche den Fall von Trient im Jahre 1475 stark beeinflussten und auf die Stellung des Vatikans zu den Trienter Geschehnissen. Die anderen Aspekte des Falles werden bewusst nicht behandelt, da dies sonst den Umfang dieser Arbeit mindestens verdoppeln würde.

II. Simon von Trient

Im Jahre 1475 verschwindet am Gründonnerstag in Trient ein zweieinhalbjähriges Kind - Simon, der Sohn des Gerbers Andreas Unverdorben[9].[10]

Am Ostersonntag findet der Jude Samuel das Kind in einem Rinnstein, der in sein Haus führt. Nachdem die Juden den Fund des toten Kindes dem Podestà (Amtsträger für Verwaltung, Rechtssprechung und Heerwesen ) gemeldet haben, werden sie aufgrund des Tatverdachtes, einen Ritualmord begangen zu haben, verhaftet.

Unter massiven Folterungen gestehen die Juden die Tat und liefern den Verfahrensleitern, die Geständnisse, die man von ihnen haben will.

Papst Sixtus IV. beauftragt eine Kommission, um die Schuldfrage und den einwandfreien Ablauf des Verfahrens zu klären.

Der Papst versucht die Unparteilichkeit zu wahren indem er Baptista Dei Giudici ernennt, womit er dem Aufruf der Juden nachkommt, das Verfahren auf seine Richtigkeit zu prüfen und gleichzeitig auch Trienter Einwände gar nicht erst aufkommen lässt, da Dei Giudici für seine antisemitistischen Predigten bekannt ist.[11]

Nachdem das Verfahren bald “geklärt“ ist, wird das Trienter Verfahren von Papst Sixtus IV. für formell einwandfrei erklärt, trotzdem verbietet er, die Juden weiter zu verfolgen. Die angeblichen acht Mörder sowie fünf weitere Juden sind zu diesem Zeitpunkt allerdings schon hingerichtet worden.[12]

III. Der Trienter Prozess: Hintergründe, Personen

Die Anschuldigung des Ritualmordes gegen die Juden von Trient war wie schon erwähnt nicht die erste und bei weitem auch nicht die letzte ihrer Art.

Doch wie konnte es dazu kommen, dass man auf einmal die jüdische Gemeinde von Trient, welche schon seit Jahren dort sesshaft war und auch einen guten Ruf genoss, des Mordes am kleinen Simon bezichtigte?

Die Ursachen dafür sind zum einen im allgemeinen Verständnis der Christen über das Judentum sowie im engeren Kreise beim Fürstbischof von Trient und dem Einfluss des Predigers Bernhardin von Feltre zu suchen.

III.1 Das christliche Bild eines Juden

Die Kirche des Mittelalters verstand es, durch Geschichten der angeblichen Hostienschändung, Kindstötung bis hin zum Kannibalismus, blasphemische Rituale in ihre Kirchenschriften aufzunehmen, um sie dann gegen Ketzer, Juden und Hexen einzusetzen.[13]

Durch die schwere Zeit der Pest wurde das ganze noch gefördert, indem man behauptete, dass die Juden die Brunnen vergiften würden, um alle anderen Religionen auszulöschen.[14]

Durch diese Umstände begünstigt, näherten sich der kirchliche, weltliche und volkstümliche Antisemitismus sehr stark aneinander an. Die Hauptantriebskräfte dieses Antisemitismus waren der wirtschaftliche Neid und der religiöse Hass.

Die Polemik der Kirche auf der einen Seite wurde durch die antisemitischen Predigten gegen den Zinswucher durch Bettelorden unterstützt. Dadurch schürte man natürlich die Unruhe und den Neid unter dem Volk. Zum weltlichen Anteil trugen die Herrscher bei, die in Krisenzeiten dem Ruf des Volkes nachkamen und einen jüdischen Sündenbock hinrichten ließen. In den Fürstentümern, wo der Herrscher Macht über die weltliche und kirchliche Rechtsprechung hatte, konnten die religiösen Minderheiten sehr schnell zum Täter allen Übels erklärt werden. Trient war eines dieser Fürstentümer, in dem ein Fürstbischof regierte, und war somit prädestiniert für eine Ritualmordlegende.[15]

[...]


[1] Behauptung, Juden würden die Passion Christi an geweihten Hostien wiederholen (hielt sich bis ins 17.Jahrhundert – diverse Wunderhostienkulte hielten sich noch bis ins 20. Jahrhundert)

[2] van Banning, Joop: Der Vatikan und der Ritualmord, in: Buttaroni, Susanna (Hg): Ritualmord – Legenden der europäischen Geschichte, Wien Köln Weimar 2003, S.78; vgl. Graus, Frantisek: Pest – Geissler – Judenmorde: das 14. Jahrhundert als Krisenzeit, 3. Auflage, Göttingen 1994

[3] Angerstorfer, Andreas: Jüdische Reaktionen auf die mittelalterliche Blutbeschuldigung vom 13. bis zum 16. Jahrhundert, in: Erb, Rainer (Hg): Die Legende vom Ritualmord – zur Geschichte der Blutbeschuldigung gegen Juden, Berlin 1993, S.133

[4] Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende, in: Buttaroni, Susanna (Hg): Ritualmord : Legenden der europäischen Geschichte, Wien Köln Weimar 2003, S.15

[5] Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende, S.15

[6] Treue, Wolfgang: Der Trienter Judenprozess: Vorraussetzung – Abläufe – Auswirkungen; (1475 – 1588), Hannover 1996, S.203

[7] Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende, S.19 Anmerkung 2

[8] Erb, Rainer: Zur Erforschung der europäischen Ritualmordbeschuldigung, in: Erb, Rainer (Hg): Die Legende vom Ritualmord : Zur Geschichte der Blutbeschuldigung gegen Juden, Berlin 1993, S.10

[9] Der Name Unverdorben ist zu Unrecht oft als ein späteres hagiographisches Attribut verstanden worden, das auf die Unschuld des Kindes hinweisen soll, war aber in Wirklichkeit der Name des Vaters (Treue: Der Trienter Judenprozess, S.78)

[10] Buchberger, Michael (HG): Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg 1937, Bd.9 Sp. 579

[11] Hsia, R. Po-chia: Trient 1475: Geschichte eines Ritualmordprozesses, Frankfurt am Main 1997, S. 101

[12] Hsia: Trient 1475, S.166

[13] Hsia: Trient 1475, S.24

[14] Treue: Der Trienter Judenprozess, S.38

[15] Hsia: Trient 1475, S. 25

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638622646
ISBN (Buch)
9783638757799
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69837
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Judenverfolgung Ritualmordlegenden Mittelalter Beispiel Simon Trient Deutschland Spätmittelalter

Autor

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