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Mobbing am Arbeitsplatz

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mobbing in der aktuellen Diskussion

3. Stand der empirischen Forschung

4. Betriebswirtschaftliche Aspekte von Mobbing

5. Angriffsbereiche für Mobbing am Arbeitsplatz
5.1 Verlauf und Formen von Mobbing am Arbeitsplatz
5.2 Der Ablauf

6. Auswirkungen für das Opfer

7. Ursachen von Mobbing am Arbeitsplatz

8. Mobbinginterventionen
8.1 Individuelle Maßnahmen
8.1.1 Rechtliche Handlungsmöglichkeiten für Betroffene
8.2 Präventive Maßnahmen gegen Mobbing
8.2.1 Prävention seitens des Betriebes

9. Schlussbetrachtung

10. Literatur

1. Einleitung

Konflikte und Streitigkeiten am Arbeitsplatz sind nicht neu. Wo Menschen aufeinander treffen existiert auch immer ein Konfliktpotential. In der Vergangenheit ist der Begriff „Mobbing“ vermehrt in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt und auch zunehmend wissenschaftlich, gerade im Bezug auf Präventions- und Interventionsmöglichkeiten, diskutiert worden. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass sich die Zahl der Frühverrentung und Krankheitsfälle durch psychologische Belastungen in wenigen Jahren verdoppelt hat, und dies zu keinem geringen Teil dem Phänomen „Mobbing“ zugeschrieben wird. Wurde Mobbing früher fast ausschließlich als Schikane durch den Vorgesetzten verstanden, zeigt sich heute, dass Mobbing vorwiegend unter hierarchisch Gleichgestellten Arbeitnehmern auftritt. Die vorliegende Arbeit versucht diesem Aspekt, gerade aus der Perspektive der Betroffenen gerecht zu werden. Im zweiten Kapitel soll der Begriff „Mobbing“ kurz diskutiert werden. Das dritte Kapitel umreißt alle wesentlichen empirischen Erkenntnisse zum Thema Mobbing. Das vierte Kapitel behandelt wesentliche betriebswirtschaftliche Aspekte durch Mobbing am Arbeitsplatz. Im fünften Kapitel sollen der ablaufende Prozess von Mobbing näher erläutert werden, um dann im sechsten Kapitel die Folgen für Betroffene näher zu beschreiben. Im siebten Kapitel sollen mögliche Ursachen für die Entstehung von Mobbing genannt werden. Das achte Kapitel beschäftigt sich mit möglichen Interventions- und Präventionsmöglichkeiten seitens aller Beteiligten.

2. Mobbing in der aktuellen Diskussion

Der Begriff „Mobbing“ für eine Form von Psychoterror am Arbeitsplatz existiert erst seit wenigen Jahren. Historisch gesehen reicht das Phänomen weit zurück, doch erst durch den schwedischen Wissenschaftler Heinz Leymann wurde die Problematik publik gemacht. Ursprünglich fand der Begriff Mobbing Verwendung von Konrad Lorenz für bestimmte Verhaltensweisen bei Tieren. Erst Leymann benutzte den Begriff für ähnliche Verhaltensweisen im Arbeitsleben. Seine Forschungen über direkte und indirekte Angriffe in der Arbeitswelt begannen gegen Ende der siebziger Jahre. Anfang der neunziger Jahre veröffentlichte er seine erste Arbeit, die die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenfasste. Leymanns Berichte weckten zunächst nur Interesse in den nordeuropäischen Staaten und, mit zeitlicher Verzögerung, später auch im mitteleuropäischen Raum. Durch Publikationen, eindringliche Fallschilderungen, öffentliche Diskussionen und Seminare von Unternehmensberatern und auch durch die Aufnahme der Thematik durch Gewerkschaften und Verbände, wurde das Thema Mobbing auch zunehmend in der breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Der Mensch verbringt einen großen Teil seines aktiven Lebens in seiner beruflichen Umgebung. Dort stehen die meisten Menschen in mehr oder weniger regelmäßigem Kontakten mit anderen Menschen wie Mitarbeitern, Kollegen, Vorgesetzte, Untergebene, Kunden etc. Ein jeder bringt seine eigenen Wertvorstellungen, Interessen und Ziele mit ein, die allerdings auch ein Konfliktpotential bergen können. Schwierigkeiten und Belastungen am Arbeitsplatz, auch durch gesundheitsschädigende Arbeit, sind seit langem bekannt, allerdings, und dies ist neu, häufen sich psychische Belastungen zunehmend. Der Anteil der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Belastungen frühzeitig in Rente gehen, hat sich, laut amtlicher Statistik, in einem Zeitraum von nur zehn Jahren verdoppelt (vgl. Kupfer, 2003: 9ff).

3. Stand der empirischen Forschung

Es gibt eine Reihe von Studien, die die Häufigkeit von Mobbing am Arbeitplatz untersucht haben. Eine norwegische Untersuchung zeigte anhand einer Stichprobe von 4742 Personen aus einer Grundgesamtheit von 10 611 Gewerkschaftsmitgliedern, dass 10, 3 % im letzten halben Jahr von Mobbing betroffen waren. Davon gaben 2,2 % an, wöchentlich oder öfter pro Woche einem Mobbing ausgesetzt gewesen zu sein und der Rest von 8,1 % gab an, ab und zu oder eher selten in Mobbinghandlungen involviert gewesen zu sein.

Eine eher jüngere Untersuchung, die im Auftrag der europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Dublin-Stiftung) durchgeführt wurde, zeigt, dass in der europäischen Union 12 Millionen ( dies entspricht einem Anteil von rund 12 %) in den letzten 12 Monaten an ihrem Arbeitplatz unter Mobbing gelitten haben. Den Erfahrungen entsprechend geht das europäische Parlament von einer weit höheren Dunkelziffer aus. Die Ergebnisse der Studie resultieren aus einer Direktbefragung von 21 500 ArbeitnehmerInnen in den EU-Mitgliedstaaten.

Eine weitere Studie kommt im Rahmen eines Forschungsprojekts der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Deutschland in der erwerbtätigen Bevölkerung auf eine Mobbingquote von 2,7 %. Für einen Betrieb mit 100 Beschäftigten bedeutet dies, dass 3 Mitarbeiter aktuell unter Mobbing leiden. Die ebenfalls erhobene „Betroffenheitsquote“ betrug nach dieser Studie 11,3 % Daraus folgt, dass jede neunte Person im Alter zwischen 15 und 65 Jahren mindestens einmal im Laufe ihrer Erwerbstätigkeit gemobbt worden ist (vgl. Kolodej, 2005: 25f).

Mobbing kann sowohl auf einer vertikalen Beziehungsebene, vom Vorgesetzten gegen Untergebene oder umgekehrt, also auch auf der horizontalen Beziehungsebene, zwischen Kollegen stattfinden.

Am verbreitetsten ist jedoch Mobbing unter gleichgestellten Personen. Hierfür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Manchen Angriffen liegt eine persönliche Feindschaft zugrunde. Manchmal wird die eigene Unzufriedenheit an sozial Schwächeren oder andersartigen ausgelassen. Manchmal dient Mobbing dazu, Gruppenmitglieder an die Gruppennormen anzupassen oder es wird aus Langeweile und zum Zeitvertreib gemobbt. Auch Konkurrenz um bessere Arbeitsaufgaben, um einen besseren Status oder ein besseres Gehalt kann ein Grund für Mobbing unter Kollegen sein.

Als zweithäufigste Form kommt Mobbing vom Vorgesetzten gegenüber dem Untergebenen vor. Diese Form des Mobbings wird auch „Bossing“ genannt. Untersuchungen zeigten, dass Vorgesetzte und Kollegen sich oft zusammen tun, um jemanden zu schikanieren oder zu disziplinieren. Übergriffe durch Vorgesetzte zeichnen sich oft durch unangemessene, willkürliche oder überzogene Machtausübung aus (vgl. Kolodej, 2005: 26 ff)

Eine schwedische Studie von Leyman zeigt, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Mobbingbetroffenheit und der Branchenzugehörigkeit gibt. Lediglich wurden Tendenzen festgestellt, die für eine unterschiedliche Mobbingwahrscheinlichkeit in den Branchen spricht. Die Bereiche Produktion, Handel, Land- und Forstwirtschaft und Gesundheitswesen zeigen demnach einen geringeren Grad an Mobbing auf. Hingegen wurde im Bereich Verwaltung, Dienstleistung und Information ein recht hoher Grad nachgewiesen: In dem letzteren Bereich waren nur 6,5 % der Befragten tätig, allerdings gaben 14,1 % also proportional doppelt so viele an, Mobbingopfer zu sein (vgl. Kolodej, 2005: 29, vgl. Niedl, 1995: 48f). Auch bei der Unterscheidung nach Berufen, liegen bisher nur wenige Ergebnisse vor. Eine skandinavische Studie berichtete über signifikante Unterschiede zwischen Universitätsangestellten. Die Aufgabenbereiche Administration, Verrechnung und Dienstleistung erwiesen sich mit einem Anteil von 24 % der gemobbten Personen, als wesentlich anfälliger für Mobbing als die übrigen Bereiche wie Lehre und Forschung. Obwohl eine gewisse Tendenz dafür spricht, dass Verwaltungsberufe im höheren Maße von Mobbing betroffen sind, ist die Datenbasis insgesamt zu lückenhaft um begründete Aussagen zu machen (vgl. Niedl, 1995: 48f)

Eine norwegische Studie ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen steigendem Alter und der Mobbingbetroffenheit. Demnach war die Altersgruppe der über 61-jährigen am häufigsten betroffen. Ein Grund hierfür mag die Rezession der Wirtschaftslage und die damit verbundene Verdrängung kostenintensiver älterer Mitarbeiter zugunsten jüngerer Mitarbeiter sein.

In dieser Studie wurde auch der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsfaktoren „soziale Angst“ und „Selbstachtung“ in Beziehung zum Mobbing gesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen die gemobbt worden sind, einen höheren Grad an sozialer Angst und einen geringeren Grad an Selbstachtung aufwiesen. In einer Studie von Leymann, die die Persönlichkeiten der gemobbten Personen untersuchte, zeigte sich zwar, dass Mobbingopfer keine typischen Persönlichkeitsmerkmale aufwiesen. Allerdings war bei ihnen der Trend zu einer langsamen Persönlichkeitsveränderung erkennbar, die sich in Form von Hilflosigkeits- und Misstrauensgefühlen bemerkbar machten. Diese Persönlichkeitsveränderungen sind eher als Folgen und nicht als Auslöser von Mobbing zu verstehen.

Die Untersuchung der Geschlechterverteilung der Mobbingopfer zeigte in fast allen Studien, dass Frauen zu zwei Drittel häufiger von Mobbing betroffen sind als Männer. Ein Grund hierfür mag sein, dass Männer auch heutzutage noch in hierarchisch höheren Positionen von Betrieben sitzen und ihnen mehr innerbetriebliche Macht zuteil wird.

Eine landesweite Studie in Schweden zeigte, dass Männer zu 76 % von Männern, zu 3 % von Frauen und zu 21 % von beiden Geschlechtern gemobbt werden. Frauen werden zu 40 % von Frauen, zu 30 % von Männern und zu 30 % von beiden Geschlechtern angegriffen. Der Anteil der mobbenden Männer liegt demnach wesentlich über dem der mobbenden Frauen. Darüber hinaus besteht ein hoher Prozentsatz des gleichgeschlechtlichen Mobbings. Dies mag an einer noch immer bestehenden Geschlechterteilung in der Berufswahl liegen (vgl. Kolodej, 2005: 29ff).

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Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638622219
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69698
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Mobbing Arbeitsplatz

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