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Im Bann der Gerüchte: Die letzten Pläne und der Tod Alexanders des Großen

Seminararbeit 2007 22 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Relevante Quellen

3. Forschungsüberblick

4. Das Jahr 323 und die Ereignisse rund um den Tod Alexanders des Großen
4.1. Zwischenfazit

5. Die letzten Pläne
5.1. Zwischenfazit

6. Schlussbetrachtungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Auch du, Sohn?“ (Caesar)

„Mehr Licht!“ (Goethe)

„Lasst mich zum Haus des Herrn gehen.“ (Papst Johannes Paul II.)

Große Männer sterben nicht ohne große Worte; eine Tradition, die sich bis in die Gegenwart durchgesetzt hat. Weder bei Caesar, Goethe noch Papst Johannes Paul II. ist allerdings geklärt, ob sie diese Aussprüche mit ihrem letzten Atemzug tatsächlich taten – oder ob die Fiktion sich hier nicht doch ein schöneres Ende erdacht hat. Ähnlich erging es auch Alexander dem Großen. Auf die Frage hin, wem er sein schier endloses Reich überlassen wolle, soll er geantwortet haben: „dem Stärksten“, beziehungsweise „dem Besten.“[1]

Diese Arbeit befasst sich mit Gerüchten. Fiktionen um Alexanders Tod sollen ebenso besprochen werden wie die Debatte um die angeblich letzten Pläne des Makedonen, die so genannten Hypomnemata. In einem ersten Teil werden die entscheidenden Quellen für diese Ereignisse im Jahr 323 vorgestellt, bevor einige Forschungskontroversen und divergierende Ansätze aufgezeigt werden. Der Hauptteil befasst sich mit den Vorgängen rund um Alexanders Tod und um sein Vermächtnis. Hat er oder hat er nicht noch weitere Welteroberungspläne schriftlich fixieren lassen? Hier soll die entsprechende Diodor-Quelle analysiert werden. Dabei ist die vorliegende Arbeit anachronistisch aufgebaut. Bevor die angeblich letzten Pläne, die Alexander ja vor seinem Tod verfasst haben muss, untersucht werden, sollen die Ereignisse rund um Alexanders Tod schemenhaft aufgezeigt werden. Für die bessere Übersicht, ist nach jedem der beiden Hauptkapitel ein Zwischenfazit eingefügt.

In den Schlussbetrachtungen wird versucht, die Forschungskontroverse zu bündeln.

2. Relevante Quellen

Die Quellenlage zu den angeblich letzten Plänen Alexanders und zu seinem Tod stellt sich sehr unterschiedlich dar. Während sein Tod scheinbar gut dokumentiert ist, sprechen nur zwei historische Autoren über angeblich letzte Pläne. Wie auch in der restlichen Alexanderforschung können wir uns natürlich nur mit den erhaltenen literarischen Texten griechischer und lateinischer Autoren auseinandersetzen, die zum Teil mehrere Jahrhunderte nach Alexanders Tod ihre Werke verfassten. Die Primärquellen sind für uns nur durch diese Autoren noch greifbar. Die wichtigste Quelle für die letzten Pläne liefert uns Diodor (XVIII 4.2-5), der zugleich einer der frühesten erhaltenen Alexanderhistoriker ist. Er verfasste seine Universalgeschichte zur Zeit Caesars. Das 17. Buch (von insgesamt 40) befasst sich mit der Herrschaft Alexanders. Diodor kompiliert seine zusammenhängende Darstellung, daher schwankt auch die Bedeutungs- und Aussagekraft unterschiedlicher Passagen stark, abhängend davon, wen er sich zur Vorlage nahm. Hauptsächlich beziehen soll sich Diodor auf Kleitarch. Vermutet wird bei der Stelle um die Hypomnemata, dass Diodor hier auf den zeitgenössischen Schriftsteller Hieronymus zurückgreift, der die letzten Pläne verkürzt in seiner Diadochengeschichte veröffentlicht haben soll.[2] Aber auch dies ist bereits in der Forschung umstritten; so weist William Woodthorpe Tarn diese Behauptung weit zurück.[3] Ebenfalls letzte Pläne erwähnt Curtius Rufus (X 1.16-18), der über Zwischenquellen sich unter anderem von Kleitarch und auch wohl Timagenes ableitet und die einzige erhaltene lateinische Alexandergeschichte liefert. Er schrieb zur Zeit des Kaisers Claudius, also etwa 300 Jahre nach Alexanders Ableben.

Für die Ereignisse um Alexanders Tod gibt es zwei entscheidende Quellen. Zum einen die Ephemeriden, die königlichen Tagebücher. Diese wurden wohl von Eumenes von Kardia, Alexanders Hofsekretär, verfasst. Sowohl Plutarch (76.1-9) als auch Arrian (VII 25.1-26.2) geben an, nahezu wörtlich die Ereignisse um das Ableben des Königs aus den Ephemeriden entnommen zu haben. Plutarch schrieb etwa 100 nach Christus und versuchte, ein Lebensbild Alexanders des Großen zu zeichnen. Diese Alexandermonographie findet sich in der Reihe der 24 bioi paralleloi ; hier wird Alexander mit Caesar verglichen. Um 120 n. Chr. schrieb Arrian seine Alexandrou Anabasis, dessen Werke besonders wertvoll sind, weil sie auf Teilnehmer der Alexanderfeldzüge zurückgehen, auf die sich Curtius Rufus, Iustin und Diodor anscheinend nicht beziehen, namentlich Ptolemaios, Nearch und Aristobul. Die zweite, durchaus weniger seriöse Quelle zu Alexanders Tod, ist der Alexanderroman. „Ein Pamphlet, das in keinem Geschichtswerk zu finden ist [...] von notorischem Einfallsreichtum.“[4] Der Alexanderroman, auch bekannt unter Pseudo-Kallisthenes, ist ein Pamphlet, das größtenteils fünfhundert Jahre nach Alexanders Tod entstanden ist und dessen Autorenschaft zunächst dem Philosophen und Historiker Kallisthenes zugeschrieben worden war. Der Verfasser war aber wohl ein Kompilator in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts. Überliefert ist uns der Alexanderroman in vier unterschiedlichen Texten, die alle von späterer Hand noch verändert worden sind. Ein übersichtliches Schaubild über den Weg, den der Alexanderroman genommen hat, liefert Michael Pfrommer in seinem Werk „Alexander der Große. Auf den Spuren eines Mythos“[5].

3. Forschungsüberblick

Die Geschichtswissenschaft hatte viel Zeit sich über Alexander den Großen auszulassen – und sie hat diese auch genutzt. Der Anspruch, eine vollständige Darstellung über die bisherige Alexanderforschung zu bieten, kann nicht mal in Ansätzen erhoben werden. Einen guten Forschungsüberblick bietet Jakob Seibert[6], auch wenn ein ähnliches Werk aus heutiger Sicht sehr wünschenswert wäre, nachdem seit dem Erscheinungsdatum nunmehr auch ein Vierteljahrhundert vergangen ist. Auf Grund der genannten Problematik werden nur einige wenige Werke der Sekundärliteratur vorgestellt, da auch schon der Fundus für diese Hausarbeit den Rahmen des Kapitels sprengen würde.

Genannt werden müssen natürlich die Arbeiten von Hans-Ulrich Wiemer[7] und Hans-Joachim Gehrke[8], bilden sie doch als Überblickswerke in der deutschsprachigen Forschung einen zwischenzeitlichen Endpunkt. So wichtig und übersichtlich beide Werke auch für die moderne Alexanderforschung sind, so unterschiedlich fällt ihre Bewertung für das vorliegende Themenfeld aus. Gehrke tut die Gerüchte um Alexanders Tod mit einer schnellen Handbewegung ab und geht mit den letzten Plänen genauso um. „Wenig glaubhaft sind auch die Berichte über ‚letzte Pläne’, die sich angeblich in den offiziellen Papieren Alexanders fanden.“[9] Anders stellt sich die Lage bei Wiemer dar, der in einem – allerdings sehr knappen – Kapitel auf die letzten Pläne Alexanders eingeht und die entsprechende Quelle Diodors als durchaus möglich interpretiert.[10] Die angebliche Vergiftung Alexanders Ende Mai 323 hält er ebenso wie Gehrke für ein antikes Gerücht.

Generell lässt sich ein gewisser Konsens in der Frage um Alexanders Tod feststellen. Die Meinungen scheinen hier kaum zu divergieren. So sprechen neben Gehrke und Wiemer auch Wolfgang Will[11], Fritz Schachermeyr[12], A.B. Bosworth[13] und Gerhard Wirth[14] von einer eher natürlichen Todesursache, die auf eine Mischung aus Fieberkrankheit, Alkoholkonsum und menschlicher Überanstrengung zurückzuführen ist. Einzig Peter Green hält eine Vergiftung für möglich, da sie in so vielen uns bekannten Quellen erwähnt wird. Aber auch er mag kein zu eindeutiges Urteil fällen und gibt als zweite Todesoption eine Malaria-Erkrankung an.[15] Ein „geheimnisvolles Rätsel“[16] bleiben die Ereignisse rund um Alexanders Tod für Robin Lane Fox, der in seinem Werk „Alexander der Grosse. Eroberer der Welt“ detailliert die verschiedenen Todesmöglichkeiten durchspielt und so einen hilfreichen Überblick bietet.

Ein weitaus differenzierteres Bild findet sich in der Auslegung der letzten Pläne, die uns Diodor am ausführlichsten überliefert hat. Wolfgang Will, Hans-Joachim Gehrke und William Woodthorpe Tarn schenken Diodor und den angeblichen Westplänen Alexanders keinen Glauben. Anders sieht dies bei Hans-Ulrich Wiemer aus, der es dem Wesen Alexanders durchaus zurechnet, solche Pläne verfasst und verfolgt zu haben.[17] Fritz Schachermeyr und Ulrich Wilcken verfolgen eine ähnliche Argumentationslinie. Wilcken versucht sogar detailliert zu beweisen, dass Alexander schon in sehr frühen Stadien seiner Regierungszeit die Westpläne verfasste und auch systematisch verfolgte.[18] Zumindest teilweise sieht auch John Maxwell O’Brien die letzten Pläne als durchaus realistisch an.[19] Verschiedene Versionen wiegt Gerhard Wirth in seiner Alexanderbiographie ab und kommt zu dem Schluss, dass die Pläne zumindest in Teilen durchaus von Alexander verfolgt worden sind.

[...]


[1] Diodor 18,1,4

[2] vgl. Högemann, Peter: Alexander der Große und Arabien. München 1985.

[3] vgl. Tarn, William Woodthorpe: Alexander der Grosse. Darmstadt 1968, S. 720f.

[4] Lane Fox, Robin: Alexander der Grosse. Eroberer der Welt. Stuttgart 2004, S. 614.

[5] vgl.: Pfrommer, Michael: Alexander der Große. Auf den Spuren eines Mythos. Mainz 2001.

[6] vgl.: Seibert, Jakob: Alexander der Große. Darmstadt 1981.

[7] Wiemer, Hans-Ulrich: Alexander der Große. München 2005.

[8] Gehrke, Hans-Joachim: Alexander der Große. München 22000.

[9] Gehrke, Hans-Joachim: Alexander der Große, S. 96.

[10] vgl. Wiemer, Hans-Ulrich: Alexander der Große, S.169f.

[11] Will, Wolfgang: Alexander der Große. Geschichte Makedoniens, Band 2. Stuttgart 1986

[12] Schachermeyr, Fritz: Alexander der Grosse. Ingenium und Macht. Wien 1949.

[13] Bosworth, A.B.: The Death of Alexander the Great: Rumour and Propaganda. In: Gould, John und Winterbottom, M. (Hrsg.): The Classical Quarterly, Oxford 1971, S. 112-136.

[14] Wirth, Gerhard: Alexander der Große. Hamburg, 122002.

[15] Green, Peter: Alexander der Grosse. Mensch oder Mythos? Freiburg im Breisgau 1974.

[16] Lane Fox, Robin: Alexander der Grosse. Eroberer der Welt. Stuttgart 2004, S. 626.

[17] vgl. Wiemer, Hans-Ulrich: Alexander der Große, S.169f.

[18] Wilcken, Ulrich: Die letzten Pläne Alexander des Großen. In: ders.: Berliner Akademieschriften zur Alten Geschichte und Papyruskunde (1883-1942). Teil 2: 1932-1942. Mit 4 Tafeln, Leipzig 1970, S. 192-207.

[19] Maxwell O’Brien, John: Alexander the Great: The Invisible Enemy. A biography. London 1992.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638613309
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69260
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
Bann Gerüchte Pläne Alexanders Großen

Autor

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