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Erklärungsversuch einer Brandenburger Identität unter Zuhilfenahme sozialisationsbildender Faktoren bei den Kohorten der frühen DDR-Generationen

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kurzer Überblick über historische Besonderheiten Brandenburgs
II.1 Brandenburg heute – wirtschaftliche und politische Lage

III. Brandenburgs Bevölkerung als Spiegelbild der Brandenburger Identität
III.1 Milieustrukturen in DDR-Zeiten – Werteprägung für die Generation mit dem heute größten Bevölkerungsanteil im Land Brandenburg
III.2 Werteprägung bei der Arbeiter- und Bauerngesellschaft
III.3 Werteprägung bei den Geschlechtern, Familien und Jugend
III.4 Fazit der DDR-Werteprägung – Gleichmacherei im Geiste?

IV. Brandenburg Identität nach der Wende & heute – Gesellschaft unter Einfluss von Problemen aus DDR und Bundesrepublik

V. Quellenangaben

Matthias Platzeck über die Märker: „Den Märker an sich gibt es nicht. Allerdings, ganz allgemein kann man sagen, dass die Brandenburger etwas zurückhaltender sind als die Sachsen und etwas skeptischer als die Thüringer. (…) Die Märker sind sehr verlässlich, arbeiten hart und erwarten keine Wunder – das ist ihnen in die Gene übergegangen in den vergangenen Jahrhunderten. Die Mark war nun mal nie ein Landstrich mit großen Bodenschätzen, mit entsprechender Aufbruchstimmung und Industrialisierung. Der Rhythmus in Brandenburger mag etwas langsamer sein als im Süden, dafür sind wir Brandenburger sehr verlässlich. Und ich glaube, die Märker möchte, dass man bei ihnen ist“[1]

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand auf Grundlage des Seminars „Zwischen preußischer Tradition und europäischem Aufbruch: Brandenburger Identität“ unter der Leitung von Frau Dr. Kletzin im Sommersemester 2005 an der Universität Potsdam. Schwerpunkt des Seminars war die Darstellung einer Brandenburger Identität im Kontext politischer Theorie.

Wie sich im Verlauf des Seminars zeigte, lassen sich mit dem Land Brandenburg spontan mehrere Stichwörter unterschiedlicher Natur verbinden; so reicht die Palette von Spreewaldgurken und Fontane über den muffligen Märker bis hin zu blühenden Landschaften ohne Frankfurter Chipfabrik, dafür mit Lausitzring. Genauer betrachtet bleibt aber die Identität des fünftgrößten Bundeslandes in Deutschland und des Flächengrößten unter den neuen Bundesländern sehr diffus und lässt keine einfachen Verknüpfungen aus Erklärungsmustern sortiert nach regionalen Spezialitäten, berühmter Literatur oder gescheiterten Investitionsobjekten zu. Identität eines Landes entsteht vornehmlich durch seine Bewohner, letztendlich durch die Historie, welche die Bevölkerung in und mit ihrer Heimat erlebt. Der Ansatz dieser Arbeit soll daher eine Untersuchung der Entwicklung der für das Land Brandenburg typischen Milieustrukturen von Arbeiter- und Bauerngesellschaft in der Zeit nach von 1950 bis heute darstellen. Diese Eingrenzung erscheint am sinnvollsten, da die Kohorten der entsprechenden Generationen in einer anfangs prosperierenden, später in einer DDR des wirtschaftlichen Niedergangs und des politischen Stillstandes (bis 1989) aufwuchsen und lebten. Dazu stellen diese Kohorten heute den Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung im Land dar.[2] Deshalb soll neben einem kurzen historischen Abriss Brandenburgs / Preußens auch eine Darstellung der Bevölkerungsentwicklung gegeben werden, um dem Leser ein differenziertes Bild von Einflussfaktoren zu geben, die sich auf die Sozialisation dieser Generationskohorten auswirkten. Damit soll innerhalb der Debatte um die „Ostdeutsche Wärmestube“ oder auch dem oft zitierten Gefühl der Brandenburger, als „Bürger zweiter Klasse“ im wiedervereinigten Deutschland zu leben, auf die Problematik der Sozialisation aufmerksam gemacht werden. Nicht das Synonym an sich zählt, sondern vielmehr die Frage, was dahinter steckt. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass für die Brandenburger im wiedervereinigten Deutschland ein Identitätskonflikt vorliegt, der in der Wendezeit ausgelöst und durch die Transformation verstärkt wurde. Diese Arbeit soll deshalb dazu beitragen, ein Stück der Brandenburger Identität deutlicher zu machen.

(Als Anmerkung soll noch vorausgeschickt werden, dass in den Abschnitten, die von der DDR-Zeit handeln auch der Begriff Land Brandenburg verwendet wird. Sachlich richtig wäre es, die Namen der fünf Verwaltungsbezirke zu nennen, in welche das DDR-Regime Brandenburg aufteilte. Trotzdem soll in dieser Arbeit immer von Brandenburg die Rede sein.)

II. Kurzer Überblick über historische Besonderheiten Brandenburgs

Manfred Stolpe zur Geschichte Preußens: „Preußen war sicherlich viel zu sehr Staat und zu wenig Gesellschaft.“[3]

Preußen, seine Geschichte und die Prägung seiner Monarchen haben das spätere Brandenburg stark beeinflusst. Nach dem verheerenden 30-jährigen Krieg lud der Kurfürst Friedlich Wilhelm mit seinem Edikt von Potsdam die Hugenotten ein, sich in Preußen niederzulassen. Sie brachten Handwerksfertigkeiten, Landwirtschaftskenntnisse und Kultur in das zerstörte Land. Währenddessen einigte der Kurfürst die Verwaltung seiner Landesteile und schuf ein behördenähnliches Netz der Staatsverwaltung. Er vergrößerte Preußen zusätzlich durch den Erwerb neuer Territorien, die weit über die Landesgrenzen Brandenburgs hinausreichten. Seinem Enkel Friedrich Wilhelm I. hinterließ der Kurfürst ein Novum zu jener Zeit: er schuf ein stehendes Heer, und begründete damit Preußens lange Militärtradition. 1701 wurde aus dem Kurfürstentum das Königreich Preußen, sein Regent Friedrich I. konsolidierte Land und Staatskasse mit der Ansiedlung von Menschen aus westlich gelegenen Gebieten und der finanziellen Unterstützung von Handwerkern und Bauern. Friedrich Wilhelm I. dann, auch als Soldatenkönig bekannt, verordnete dem Staat eine im modernen Sinne zu bezeichnende Verwaltungsreform und installierte damit ein für die damalige Zeit umfassendes Administrationssystem, das einer staatlichen Vereinheitlichung gleichkam. Die alleinige Entscheidungsgewalt blieb letztendlich immer beim Monarchen. Das Individuum als solches trat in der Hintergrund; die Bürokratie wurde zum Maß aller Dinge und prägte Begrifflichkeiten wie Fleiß, Pünktlichkeit, Gehorsamkeit und Treue. Der Sohn Friedrich Wilhelms I. war es dann auch, der einerseits mit den militärischen Hinterlassenschaften des Vaters durch Kriege das Territorium Brandenburgs vergrößern, andererseits durch Augenmerk auf die Probleme des Landes selbst Fortschritte in Kultivierung und Entwicklung erzielen konnte. Erstmal gewannen unter diesem Regent in Preußen die Wissenschaft und Kunst entscheidend an Bedeutung. Die Besetzung Brandenburgs durch die Truppen Napoleons nach 1806 bedeutete einen weiteren Tiefpunkt in der Entwicklung des Landes. Von Hardenberg und Von und zum Stein begannen in dieser Zeit mit Reformmaßnahmen, welche den hoch verschuldeten und wirtschaftlich kaum leistungsfähigem Staat in dezentrale Provinzen unterteilte. Durch den Wiener Kongress gingen zudem noch Landesteile verloren, so dass Preußen territorial nun vollkommen anders aussah als unter den Kurfürsten. Die Französische Revolution, durch den auch das inzwischen französisch geprägte Preußen, wie auch der Rest von Europa beeinflusst wurden, verursachte nachhaltige Wirkungen im Verfassungs-, Sozial- und Nationalstaat, auch wenn die Revolution kurzfristig an der Uneinigkeit der Nationalbewegung scheiterte. Der Wechsel in eine andere Zeit vollzog sich, als 1871 die preußische Krone per Reichsverfassung fest mit der Deutschen Krone verbunden war und Wilhelm I. zum Kaiser gekrönt wurde. Der Provinzialverband der Provinz Mark Brandenburg, der des brandenburgischen Gebiets erstarkten in jener Zeit an mehreren Faktoren. Einerseits wurde die Selbstverwaltung der Gebietskörperschaften gestärkt; andererseits zeigte auch Industrialisierung der um die Reichshauptstadt Berlin gelegenen Regionen ihre Wirkung und schuf neben der bereits ausgeprägten Agrarwirtschaft florierende, moderne Industrien wie Chemie- oder Stahlwirtschaft. Bestimmend war schon zu dieser Zeit, dass sich Industrie eng um Berlin herum ansiedelte, während die weiter außerhalb gelegenen Gebiete deutlich ruraler Prägung blieben. Die Industriegebiete wurden nach dem ersten Weltkrieg im Zuge der Konstitution von Groß-Berlin der Stadt zugeschlagen, zudem kam noch hinzu, dass wegen des Versailler Vertrages Brandenburg Grenzland zu Polen wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg musste das Land, in welchem durch Angriffe alliierter Bomber große Industrieanlagen und größere Städte zerstört worden war, die Gebiete rechtsseitig der Oder an Polen abtreten und wurde zur sowjetischen Besatzungszone. Preußen wurde mit dem Kontrollratsgesetz von 1947 aufgelöst und die Provinz Mark Brandenburg 1949 der DDR beigefügt. Die Provinz mit Verfassung und Selbstverwaltung wurde jedoch kurz darauf von der SED liquidiert und in fünf Verwaltungsbezirke Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Cottbus und Frankfurt umgewandelt. Unter dem DDR-Regime wurden zunächst Reparationen an die Alliierten, vornehmlich an die Sowjetunion gezahlt. Das beeinflusste auch in hohem Maße jene Brandenburger Industriebetriebe, welche den Krieg überstanden hatten. Unter der Ägide des DDR-Regimes entstanden in Brandenburg ab den 1960er Jahren wieder große Industriegebiete. In der Niederlausitz wurde Braunkohle abgebaut, das Stahlwerk bei Brandenburg (Havel) sorgte zuletzt für ein Viertel der gesamten Stahlproduktion der DDR. Die einschneidenste Änderung erfuhren jedoch die Bauern, deren Höfe und Länderein zwangskollektiviert und den LPGs einverleibt wurden. Damit wurden althergebrachte Strukturen unter den Bauern, vor allem die Erbfolge beseitigt.

[...]


[1] Broschüre der SPD über M.PLATZECK.

[2] Die Zielgruppengeneration ist 15-65 Jahre alt und ist im Land Brandenburg zum 31.12.2004 Mio. 1.891.537 groß. In: Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg. Statistische Berichte A I 3 – j / 04.

[3] STOLPE: 2001

Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638613262
ISBN (Buch)
9783638673334
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69253
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Erklärungsversuch Brandenburger Identität Zuhilfenahme Faktoren Kohorten DDR-Generationen Zwischen Tradition Aufbruch

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