Lade Inhalt...

Vergleich der Herausbildung der spanischen Literatursprache mit der Herausbildung der italienischen Literatursprache

Seminararbeit 2004 16 Seiten

Romanistik - Fächerübergreifendes

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Begriffsabgrenzungen

2. Die Herausbildung der spanischen Literatursprache

3. Die Herausbildung der italienischen Literatursprache
3.1 Die Entstehung einer einheitlichen italienischen Literatursprache
3.2 Die Questione della lingua

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es gegenüberzustellen, wie die spanische und die italienische Literatursprache entstanden sind. Bei der Herausbildung einer Literatursprache handelt es sich um einen von vielen verschiedenen Faktoren beeinflussten Prozess, der hier nur im Wesentlichen umrissen werden kann. Im Rahmen eines allgemeinen Überblicks, den diese Arbeit darstellen soll, können nicht alle Faktoren gleicher-maßen berücksichtigt und analysiert werden. Für intensivere Darstellungen zu einzelnen Punkten sei auf die dieser Arbeit zugrunde liegende, unter dem fünften Gliederungspunkt aufgeführte Literatur verwiesen.

Zunächst gilt es mit der Definition des Begriffes ‚Literatursprache’ das Thema der vorliegenden Arbeit zu spezifizieren. Aus diesem Grunde ist ein Kapitel, das einige Termini, wie sie im Rahmen dieser Arbeit verwendet bzw. aufgefasst werden, unab-dingbar. Die anschließenden beiden Teile zeigen die Entwicklung der spanischen und der italienischen Sprache vom Ursprung bis zur ersten einheitlichen in der Literatur verwendeten Sprache. Die komplette Darstellung der Sprachgeschichten eben genannter Idiome ist nicht Gegenstand dieser Arbeit; sich bereits in den bear-beiteten Zeiträumen anbahnende Entwicklungen werden aber dennoch teilweise an-gerissen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird versucht, die an der Herausbildung der beiden relevanten Literatursprachen beteiligten Faktoren chronologisch dar-zustellen, wobei das Ziel jedoch nicht eine sprachgeschichtliche Periodisierung ist. Abschließend wird das vorliegende Werk im vierten Kapitel noch einmal bezüglich der grundlegenden Aspekte zusammengefasst und kommentiert.

1. Begriffsabgrenzungen

Wie bereits erwähnt ist es nicht möglich, die Herausbildung zweier Literatursprachen zu vergleichen, ohne vorab einige Begriffe für den Rahmen dieser Arbeit zu definieren. Am Problematischsten wie auch am Wichtigsten in Bezug auf das Ziel dieser Arbeit ist die Festlegung des Begriffes „Literatursprache“.

Die Problematik ergibt sich hierbei daraus, dass der Begriff ein Abstraktum benennen muss, wobei die Vielfalt der existierenden Formen von Literatursprachen eine Fest-legung allgemeingültiger Merkmale unmöglich macht und somit einen klaren Umriss des Begriffes verhindert. Nach T. Lewandowski werden dem Begriff Literatursprache folgende Bedeutungen zugeschrieben: 1. „Verschriftete Sprache (im Gegensatz zu Sprachen, die keine ‚Literatur’ haben). 2. „Sprache der (schöngeistigen) Literatur.“ 3. „Im Sinne von poetischer oder ästhetischer Sprache, in der die Struktur der Sprache bzw. das ‚Textgeflecht’ selbst informationshaltig wird [...].“ 4. „Jede durch (historisch bedingte) Selektion geformte und genormte mündliche oder schriftliche Sprache [...].“ 5. „Im Sinne von Standardsprache oder Hochsprache. [...] (Lewandowski 1990: Bd. 2; 690). In Anlehnung an Lewandowski ist Literatursprache im Rahmen dieser Arbeit „im Sinne von Standard- oder Hochsprache“, wie sie in der Produktion von „(schöngeistige[r]) Literatur“ Anwendung findet, zu verstehen. Ergänzend dazu wird der Terminus Standardsprache folgendermaßen erläutert: „Standardsprache [...] Auch: Hochsprache, Nationalsprache, Landessprache. Die historisch legitimierte und institutionalisierte überregionale Verkehrssprache einer Sprachgemeinschaft, die Umgangssprache(n) und Dialekte überlagert und durch Normen des korrekten mündlichen und schriftlichen Gebrauchs festgelegt und tradiert wird“ (Lewandowski 1990: Bd. 3, 1096). Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der schriftlichen Sprache. Der Begriff Schriftsprache, der im allgemeinen Sprachgebrauch oft synonymisch mit dem Begriff Literatursprache verwendet wird, bezieht sich vordergründig auf die schriftliche Form der Literatursprache. Im weitesten Sinne bezeichnet der Terminus die schriftliche Repräsentation von Lauten. Dichtersprache hingegen bezeichnet v.a. eine besonderen stilistischen Regeln unterworfene Sprache, deren Wirkung oft von rhetorischen Elementen abhängt.

2. Die Herausbildung der spanischen Literatursprache

Die spanische Sprache entstand aus dem Vulgärlatein der römischen Besatzungszeit (ca. 200 v.Chr.). Mit der Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Römer hielt auch deren Kultur Einzug in das bisher u.a. von Iberern, Kelt-Iberern, Lusitaniern und Tartessiern bewohnte Gebiet. Der kulturelle Einfluss der Römer auf die eroberten Völker war so groß, dass diese nach einer Periode der Mehrsprachigkeit ihre eigenen Sprachen zu Gunsten des Vulgärlatein aufgaben. Die verschiedenen Substrate wirkten allerdings auf das Vulgärlatein: es kam zu verschiedenen Dialektisierungen (Vgl. Pomino: 151).

Der Einfall germanischer Stämme im 5. Jahrhundert hatte – im Gegensatz zu dem der Römer– sprachlich nur geringe Einflüsse auf die Herausbildung der spanischen Sprache. Die nun neue, westgotische Macht auf der Iberischen Halbinsel gab im Laufe der Zeit ihre Sprache zu Gunsten der Eroberten auf. Der sprachliche Einfluss des Westgotischen bestand hauptsächlich in Eigen- und Ortsnamen (Vgl. Dietrich 2000: 148).

Einen weiteren großen Abschnitt in der Geschichte des heutigen Spaniens stellt die arabische Herrschaftsperiode (8.-13. Jh.) dar. Erneut wurde die Bevölkerung mit einer fremden Kultur konfrontiert. Die Araber nannten das neu eroberte Gebiet Al-Andalus und gaben ihm eine neu geordnete Verwaltung. In Al-Andalus kam es durch das Aufeinandertreffen von verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die im Wesentlichen aus Juden, Christen, Moslems und Sklaven aus aller Herren Länder bestanden (Vgl. Vilar: 20), zu einer Mischung der Sprachen und Kulturen. Kultursprache war das Arabische. Die Christen jedoch sprachen Mozarabisch, einen von der arabischen Sprache beeinflussten, romanischen Dialekt.

Der Norden der Pyrenäenhalbinsel, der erst spät und unvollständig romanisiert wurde und der auch für die moslemischen Eroberer weitestgehend uninteressant blieb, war Ausgangspunkt für die christliche Offensive gegen die maurische Herrschaft: die Reconquista. Die nördlichen, um die Jahrtausendwende entstandenen Königreiche wurden im Gegensatz zum maurischen Süden nicht zentral verwaltet. Es gab „Adelsaufstände und interne Erbfolgestreitigkeiten, verschiedenste Koalitionen und dynastische Beziehungen und trotz der Gleichheit des Glaubens auch kriegerische Auseinandersetzungen“ (Neuschäfer 2001: 10). Im 11. Jahrhundert zerfiel Al-Andalus in 38 Kleinkönigtümer. Der Wegfall der zentralen Verwaltungsmacht begünstigte die von den nördlichen Reichen ausgehende, christliche Rückeroberung der maurischen Gebiete (Vgl. Neuschäfer 2001: 9). Im Laufe der Reconquista, deren Ende mit dem Sieg in Granada auf das Jahr 1492 datiert wird, konnte sich Kastilien besonders hervortun. Infolgedessen legte sich der ursprünglich in der Gegend von Burgos gesprochene kastilische Dialekt über das Land. Die Mauren wurden vertrieben und auch das Mozarabische wurde verdrängt (Vgl. Pomino 2004: 154). Andere ibero-romanische Dialekte wie z.B. Leonesisch-Asturisch und Aragonesisch wurden überlagert. Abgesehen von einigen regional eingeschränkten, ländlichen Dialekten blieben nur Portugiesisch, Katalanisch und Galizisch von der Expansion der kastilischen Sprache verschont (Vgl. Dietrich 2000: 166).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638613040
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69211
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
Vergleich Herausbildung Literatursprache Stellung Spanischen Sprachen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Vergleich der Herausbildung der spanischen Literatursprache mit der Herausbildung der italienischen Literatursprache