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August Stramms Kriegslyrik

Hausarbeit 2006 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Biographie

3. Stramms Poetologie
3.1 Stramms dichterische Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg
3.2 Stramms Kriegspoetologie

4. Interpretation
4.1 „Urtod“
4.2 „Krieg“
4.3 „Patrouille“
4.4 „Schrapnell“

Schluss

Literatur

1. Einleitung

August Stramm (1874-1915) gilt als einer der radikalsten Dichter des Expressio-nismus, da er im experimentellen Umgang mit der deutschen Sprache am weitesten ging. Vor allem seine Kriegslyrik zeichnet sich durch ihren einzigartigen Stil aus, der von extremer Sprachkonzentration und –rhythmisierung, zahlreichen Neologismen und von Dynamik geprägt ist. Diese außergewöhnliche Sprache ist besonders gut geeignet, dem Rezipienten die Emotionen der im Ersten Weltkrieg kämpfenden Sol-daten nahe zu bringen.

Die vorliegende Arbeit wird sich vor allem mit vier Gedichten aus der 1919 posthum erschienen Sammlung „Tropfblut“ beschäftigen: „Urtod“, „Krieg“, „Patrouille“, „Schrap-nell“

Am Anfang soll kurz auf Stramms Biographie eingegangen werden, um die Hinter-gründe zu beleuchten, vor denen der Dichter sein Sprachtalent entfaltete.

Anschließend steht eine Betrachtung der Poetologie Stramms, der dichterischen Ent-wicklung bis zum Ersten Weltkrieg und der Anwendung der in der Vorkriegszeit ent-wickelten Methoden in den „Tropfblut“-Gedichten.

Danach folgt eine Interpretation der oben genannten Gedichte.

2.Biographie

Geboren am 29. Juli 1874 in Münster, fiel der Reservehauptmann August Stramm als letzter seiner Kompanie am 1. September 1915 an der Ostfront bei Horodec in Russ-land. Bis zu seinem Tod hatte er etwa 70 Schlachten überlebt und über 30 Kriegs-gedichte geschrieben.[1]

Vor dem Krieg war Stramm als Postbeamter im höheren Dienst tätig und fing mit über 30 ein Studium der Nationalökonomie und Philosophie an, das er mit einer Dissertation zum Thema „Historische, kritische und finanzpolitische Untersuchungen über die Briefpostgebührensätze des Weltpostvereins und ihre Grundlagen“ abschloss. Sein tatsächliches Interesse aber galt der Philosophie des deutschen Idealismus, vor allem Nietzsche.[2]

Stramms literarisches Schaffen, das lange Zeit nicht mehr als eine Feierabenbe-schäftigung war, widersprach in seiner Progressivität seinem konservativen Lebens-stil und spiegelt seine innere Zerrissenheit wieder. Sein Umfeld reagierte auf Stramms Arbeiten mit Ablehnung und Unverständnis. Erst der Kontakt zu Herwarth Walden und dessen Sturm-Verlag im Frühjahr 1914 brachten August Stramm An-erkennung und künstlerischen Austausch mit den anderen Mitgliedern des Zirkels.[3]

Als Hauptmann der Reserve wurde August Stramm bereits am ersten Tag der Mobil-machung, dem 2. August 1914, eingezogen. Im Gegensatz zu anderen deutschen In-tellektuellen war Stramm von den Ereignissen nicht fasziniert oder begeistert, son-dern nahm sie eher fatalistisch hin. Er klammerte sich an den preußischen Pflicht-begriff. Als Walden ihm die Möglichkeit eröffnete, vom Kriegsdienst befreit zu wer-den, lehnte er ab.[4]

Von August 1914 bis zum Januar 1915 war Stramm Kompanieführer eines Infanterie-Regimentes bei Rastatt und Neubreisach in den Vogesen. Danach kam er in den Schützengraben bei Chaulnes/Chilly an der Somme, was für den Dichter eine deutliche Steigerung des Kriegshorrors bedeutete. Die Versetzung an die Ostfront im April 1915 brachte eine weitere Zunahme des Schreckens und bewirkte die allmähliche Zerstörung von Stramms Persönlichkeit. Die erhaltene Feldpost-korrespondenz verdeutlicht Stramms schlechten psychischen Zustand: „Ich bin seelisch furchtbar runter.“[5]

Halt fand Stramm in der künstlerischen Arbeit. Angesichts des möglichen Todes ent-wickelte er einen ungeheuren Schaffensdrang und schrieb 31 Gedichte, begann ein bis heute verschollenes Kriegsdrama („Krieg“, bzw. „Bluten“), vollendete ein weiteres Drama („Geschehen“), sowie das lange Gedicht „Weltwehe“.[6] Irgendwann kam Stramm aber auch mit Dichten nicht mehr gegen die Verzweiflung an. Bereits drei Monate vor seinem Tod hatte er damit aufgehört.

3. Stramms Poetologie

3.1 Stramms dichterische Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Seine avantgardistische Poetik entwickelte Stramm erst kurz vor Kriegsbeginn. Seit 1902 hat er epigonale sozialkritische Dramen verfasst. Um 1912/13 begann er schließlich mit der experimentellen Beschäftigung mit der deutschen Sprache, die ihn zum radikalsten Neuerer des Expressionismus werden ließ. In die gleiche Zeit fällt auch der erste Kontakt mit Herwarth Walden und dessen Sturm-Verlag, der das Zen-trum der europäischen Avantgarde war (Apollinaire, Marinetti, Kokoschka, Kan-dinsky, Marc, Kraus, Döblin, Lasker-Schüler). Ab März 1914 erschienen Stramms Gedichte und Dramen regelmäßig im „Sturm“.[7]

Stramms Glaube an die Schöpferkraft der Kunst korrelierte mit den Zweifeln an der eigenen künstlerischen Potenz:

„Künste taumeln dahin! Kunst bleibt! Sie ist nicht Schöpfung. Sie ist Urquell...

Ich bin oft sehr unzufrieden mit mir. Ich bin unglücklich, weil ich nichts kann!

Unfähig zu irgendeiner Haltung!“[8]

Diese Zweifel verbanden sich mit einer Skepsis der traditionellen Sprache gegen-über. Stramm war der Ansicht, dass der Dichter, um Wortkunst herstellen zu können, die vorhandene Sprache verändern müsse. Die daraus resultierenden Sprachex-perimente machten den Dichter zum Hauptvertreter des abstrakten Expressionismus und der Wortkunsttheorie , die Walden in der Zeitschrift „Sturm“ entwickelte.

Somit stand Stramm an der Nahtstelle zwischen Tradition und Moderne, indem er konventionelle ästhetische Ziele mit neuen poetischen Wegen verband.[9]

[...]


[1] Vgl.: Brockington, Joseph L.: Vier Pole expressionistischer Prosa, New York, 1987, S.151.

[2] Vgl.: Mandalka, Kristina: August Stramm – Sprachskepsis und kosmischer Mystizismus im frühen zwanzigsten Jahrhundert, Herzberg, 1992, S.12.

[3] Vgl.: Mandalka: S.13.

[4] Vgl.: Rehage, Georg Philipp: „Wo sind Worte für das Erleben“ Die lyrische Darstellung des Ersten Weltkrieges in der französischen und deutschen Avantgarde, Heidelberg, S. 2003, S. 167.

[5] Vgl.. Rehage, S.167-168.

[6] Vgl.: Ebd.: S.168.

[7] Vgl.: Rehage: S.163.

[8] Vgl.: Mandalka: S.11.

[9] Vgl.: Ebd.: S.11-12.

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638612869
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69167
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
August Stramms Kriegslyrik Apokalypse

Autor

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Titel: August Stramms Kriegslyrik