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Thema: Frauensprache - Frauengespräche

Hausarbeit 2007 19 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Forschungsüberblick
1.2 Gesellschaftlich konstruierte Ungleichheit
1.2 Differenz- oder Dualitätsgedanke
1.3. Die Theorie der kulturellen Stile
I.4 Deborah Tannen: report talk/rapport talk

2. weibliches Sprachverhalten
2.1 Funktionen der Sprache
2.2 Informationsaustausch und Kontakt
2.3 Hypothesen zum weiblichen Sprachverhalten

3. Frauengespräche
3.1 Jennifer Coates
3.2 Senta Trömmel-Plötz
3.3 Diana Bauer

Schluss

Literatur

Einleitung

Kommunikation ist ein grundsätzliches Bedürfnis und ein fester Bestandteil der menschlichen Existenz. Von einer erfolgreichen Kommunikation hängt auch die Qualität unseres Lebens ab. Nachdem in letzter Zeit unzählige Publikationen über die Kommunikation zwischen Mann und Frau und deren Störungen den Markt überschwemmt haben, wird sich diese Arbeit auf die Kommunikation unter Frauen beziehen. Bei meinen Recherchen musste ich leider feststellen, dass dieses Thema nur am Rande bzw. überhaupt nicht thematisiert ist. Der geschlechtsspezifische Sprachgebrauch von Mann und Frau wird meist in Abgrenzung zueinander definiert. Die feministische Linguistik beschäftigt sich dabei in erster Linie mit dem Einfluss der patriarchalen Gesellschaften auf den weiblichen Sprachgebrauch und der daraus ableitbaren Diskriminierung und Unterdrückung der Frauen. Auch hier habe ich wenig Antworten auf meine Fragen gefunden. Tatsache ist jedoch, dass die Kommunikation unter Frauen einen hohen Stellenwert im Leben von Frauen hat. Ich möchte hier nicht herausfinden, warum dieses Bedürfnis so groß ist, sondern wie Frauen diesen Raum von Nähe, Trost und Intimität über sich spannen.

Am Anfang meiner Arbeit möchte ich eine kurze Einführung in die feministische Sprachwissenschaft geben, um zu verdeutlichen, dass dieses wissenschaftliche Feld sehr wenig beforscht wurde und wie eingeschränkt der Blickwinkel auf Frau und Sprache ist, durch die wenigen Linguistinnen, welche überhaupt Forschungsergebnisse zusammentrugen.

Im weiteren Verlauf der Hausarbeit folgen einige allgemeine Aussagen zum Sprachverhalten und erste Hypothesen über den weiblichen Gesprächsstil.

Im letzten Teil der Arbeit, wurde mit einem Buch von Senta Trömmel-Plötz gearbeitet, welches die Arbeiten verschiedener Linguistinnen zusammenfasst, um den Themenkreis: Frauengespräche.

Leider ist der wissenschaftliche Buchbestand zu diesem Thema sehr gering gewesen, so dass sich in dieser Arbeit auf dieses Buch gestützt wurde, in welchem eine Auswahl zu inhaltlichen Schwerpunkten, sowie zu linguistischen Merkmalen des Frauengesprächs zu finden war.

1. Forschungsüberblick

Wie sich weibliches und männliches Kommunikationsverhalten in unserer Gesellschaft unterscheidet, interessiert Linguistinnen seit der zweiten Frauenbewegung Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Begründerinnen im deutschsprachigen Raum waren vor allem Marlis Hellinger, Luise Pusch, Senta Trömel-Plötz und Gisela Schönthal.[1] Die Anfänge der Konzentration auf den Faktor Geschlecht in den 70er und frühen 80 Jahren sind wie in der feministischen Bewegung insgesamt durch die Perspektive der „Frau als Opfer“ geprägt, deren Ohnmacht sich auch in der Sprache zeigt. Im Folgenden möchte ich die grundlegenden Ansätze und die Vertreterinnen der feministischen Linguistik vorstellen.

1.2 Gesellschaftlich konstruierte Ungleichheit

Den klassischen Ansatz in der Geschichte der Erforschung von weiblichen bzw. männlichen Stil fasst Schönthal unter den Stichworten Dominanz, Defizit, Egalität zusammen.[2] Die Grundlage dieser Theorie ist die Annahme, dass gesellschaftliche Ungleichheit gemacht und somit auch veränderbar ist. Im Rahmen der Gesprächsanalyse gilt das Interesse feministischer Frauenforschung dem Zusammenhang von Geschlechterbeziehung und Macht, vor allem mit dem Anspruch, männliche Formen der Machtausübung aufzudecken. Zu Beginn der feministischen Bewegung Mitte der 70er Jahre wird das Geschlecht als zentraler Einflussfaktor im Gespräch herausgearbeitet. Es wird betont, dass die Frau aufgrund der gesellschaftlichen Hierarchie in der unterlegenen Position ist. Folglich werden nach diesem Ansatz ihre Gesten und kommunikativen Handlungen als Anpassungs- und Beschwichtigungsleistungen bewertet. Die Frau agiert als im Status niedrigere Person gegenüber der im Status höheren Person des Mannes, dessen Gesten Macht ausdrücken und verfestigen.² Hier verweist Schoenthal auf Trömel-Plötz,[3] die mit der Gleichsetzung von Sexismus und Rassismus und der Charakterisierung einer Rhetorik der Unterdrücker diese Betrachtungsweise untermauert. Im englischsprachigen Raum hat Nancy Henley zu dieser Statushypothese gearbeitet.[4] Sie geht davon aus, dass geschlechtliche Unterschiede im nonverbalen Verhalten sich auf Machtunterschiede zurückführen lassen und dazu dienen, das bestehende System von Macht und Privilegien zu stärken.

Diese soziale Kontrolle funktioniere am Besten bei den zu Sanftmut und Passivität sozialisierten Frauen. Henley stützt ihre These auf empirische Untersuchungen, nach denen Frauen mehr lächeln als Männer, Männer aber Frauen im Gespräch mehr berühren als umgekehrt.

Zahlreiche Untersuchungen aus verschiedenen Ländern zur Unterrichtskommunikation belegen, dass Mädchen kommunikativ zu Opfern gemacht werden. Hier verweist Schoenthal auf Dale Spender, die in einer Arbeit von 1982 die Chancengleichheit der Geschlechter als Mythos beschreibt, denn Unterrichtsgestaltung und -materialen seien an den Interessen der Jungen orientiert und Jungen erhielten zwei Drittel der Aufmerksamkeit.[5] Auch eine deutsche Untersuchung aus demselben Jahr von Heidi Frasch und Angelika Wagner kommt zu unterstützenden Ergebnissen, nach denen Lehrerinnen Jungen stärker wahrnehmen als Mädchen.[6]

Im deutschsprachigen Raum hat sich Senta Trömel-Plötz mit der Statushypothese beschäftigt. Anhand von Fernsehdiskussionen zeigte sie zu Beginn der 80er männliches Dominanzverhalten auf, welches sich in folgenden Punkten äußert:[7]

- Männer bestimmen die Gesprächsthemen
- Männer unterbrechen Frauen systematisch
- Männer ergreifen öfter das Wort als Frauen und reden länger,

während Frauen die Gesprächsarbeit leisten müssen (Fragen stellen,

aufmerksam zuhören etc.)

1.2 Differenz- oder Dualitätsgedanke

Ausgehend von der Auseinandersetzung mit der These „Frauen leisten die Gesprächsarbeit“ von Pamela Fishman aus dem Jahr 1984,[8] fand Ende der 70er und in den 80ern eine genauere Untersuchung des weiblichen kommunikativen Beitrags statt. Dadurch kam es zu einer Umdeutung und Neubewertung weiblicher sprachlicher Leistungen. Bisher negativ bewertete kommunikative Einheiten wurden nun als positiv deutbar interpretiert, wie bestimmte Hörerinnenaktivitäten, kommunikative Abschwächungen und Vergewisserungsfragen. Solche Darstellungen führen zu einer Abwertung männlichen Kommunikationsverhaltens. Denn gemessen an der Norm des idealen Gespräches, verwirklichen unter diesen Gesichtspunkten viel eher die Frauen diese Norm. Das Anliegen der Vertreterinnen dieses Ansatzes zielt also darauf ab, weibliche kommunikative Leistungen positiv wahrnehmbar zu machen, um so eine Richtschnur für eine anzustrebende Veränderung zu bieten.

1.3. Die Theorie der kulturellen Stile

Eine weitere These, die aber in Deutschland nur wenig empirisch gestützt ist, besagt, dass die Unterschiede im Kommunikationsverhalten im Auge des Betrachters liegen und allein durch die unterschiedliche Wahrnehmung entstehen.[9] Die „Theorie der kulturellen Stile“ nach Ruth Borker und Daniel Maltz basiert auf einer Vielzahl von Untersuchungen in verschiedenen Ländern.[10] Demnach sind die Unterschiede in der Interaktion zwischen den Geschlechtern bedingt durch unterschiedliche Vorstellungen von einem freundlichen Gespräch und dessen Durchführung. Die Autoren schließen aus den ihnen vorliegenden Untersuchungen, dass die soziale Geschlechtsidentität in getrennten Welten auf der Erfahrung gleichgeschlechtlicher Gruppen aufgebaut wird, die getrennte Gruppenkulturen und -stile entwickeln. Ihr Erklärungsansatz findet sich bei der amerikanischen Gesprächsforscherin Deborah Tannen populärwissenschaftlich aufbereitet und erweitert, auf deren Thesen im nächsten Abschnitt eingegangen werden soll.[11]

I.4 Deborah Tannen: report talk/rapport talk

Deborah Tannen ist Professorin für Linguistik an der Georgetown University in Washington, D.C. Seit Jahren widmet sie sich in Forschung und Lehre speziell der Soziolinguistik. Ihr erstes Buch, »Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden«,[12] wurde über Nacht zu einem Bestseller. In ihrem Buch führt Tannen die Unterschiede von weiblichem und männlichem Kommunikationsverhalten auf die sprachliche Sozialisierung im Kindesalter zurück. Sie spricht von „geschlechtsklassenspezifischem Verhaltensmuster“, sieht also die Beziehung zwischen Sprache und Geschlecht nicht als eine Sache der Identität sondern der Darstellung an. Tannen hat für das männliche Kommunikationsverhalten den Begriff "report-talk" geprägt. Es ist auf die Etablierung von Status ausgerichtet und führt zu einer Berichtsprache. Männer wollen im Gespräch ihre Unabhängigkeit bewahren und ihren sozialen Status behaupten und etablieren. Das tun sie, indem sie während einer verbalen Interaktion Wissen und Kenntnis demonstrieren und versuchen, im Mittelpunkt zu stehen. Männer lernen von Kind auf durch Sprechen Aufmerksamkeit zu erwecken und zu halten. Deshalb sind sie es gewohnt, in größeren Gruppen ihnen wenig bekannter Menschen, zu sprechen. Diese Erfahrung führt nach Tannen dazu, dass Männer sogar in privaten Situationen diese berichtende Sprache verwenden, was dann zu Missverständnissen mit der Partnerin führt. Weibliches kommunikatives Verhalten beschreibt Tannen im Gegensatz zum männlichen als „rapport-talk“. Es ist ein auf den privaten Rahmen ausgebildetes Kommunikationsverhalten und auf die Etablierung von Bindung ausgerichtet. Dies führt zu einer empathischen Beziehungssprache. Frauen fühlen sich, so Tannen, in Gesprächen mit wenigen ihnen vertrauten Personen am wohlsten- in privaten Gesprächen also. Dass sogar die öffentlichsten Situationen in diesem privaten Stil abgewickelt werden, führt wiederum zu Missverständnissen. Denn öffentliches Sprechen ist nach wie vor eine Männerdomäne, in der, wie oben gezeigt, der berichtende Stil vorherrscht.[13]

[...]


[1] Schoenthal in Schoenthal 1998, 157

[2] Schoemthal in Besch/Betten 2000, 2087 ff.

[3] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2087 ff

[4] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2087 ff

[5] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2088

[6] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2088

[7] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2088

[8] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2089

[9] Vgl. Schönthal 1985, 168.

[10] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2089

[11] Schoenthal in Besch/Betten 2000, 2089

[13] Tannen 1997, 211.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638612753
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69126
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,3
Schlagworte
Thema Frauensprache Frauengespräche

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Titel: Thema: Frauensprache - Frauengespräche