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Freies Schreiben - Offener Schreibanlass zum Thema 'Abenteuer im Weltall' durch die Methode der Jeux Dramatiques

Unterrichtsentwurf 2002 10 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einordnung und Begründung des Themas

2. Überlegungen zur Sache
2.1. Freies Schreiben – Offene Schreibanlässe
2.2. Jeux Dramatiques

3. Didaktische Analyse

4. Methodisch-didaktische Überlegungen

5. Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten

6. Literatur

7. Verlaufsskizze

1. Einordnung und Begründung des Themas

In den vorangegangenen Stunden haben sich die Schüler und Schülerinnen fächerübergreifend mit dem Thema Sonne beschäftigt. Das Alltagswissen der Schül. wurde durch naturwissenschaftliche Informationen ergänzt und sie erfuhren von der Sonnensymbolik der Steinzeitmenschen. Mittlerweile sind sie durch das Weltall geflogen, haben durch Fantasiereisen ihr inneres „Kino im Kopf“ aktiviert, haben ihre Flüge mündlich und schriftlich mitgeteilt, haben zu unterschiedlich thematisch passenden Rahmenwörtern assoziiert und haben ihre Vorstellungen handlungs-orientiert im Ausdrucksmalen und Ausdrucksspielen dargestellt. Das Thema Weltall ist eine organische Fortsetzung der bisherigen Arbeit und entstanden aus dem Interesse der Schül. Außerdem bietet es eine breite Dimension zum Schreiben, da jeder Schül. eine Schreibidee finden kann. Konfrontiert mit dem Unterrichtsinhalt „Abenteuer im Weltall“ suchten die Schül. zunächst Überschriften. Mit einem Partner spielten sie nach den Regeln des Ausdruckspiels kleine Szenen ohne Worte. In dieser Phase erleben die Schül. im kooperativen Gesprächsaustausch und im Zusammenwirken mit ihren Mitschülern ihre eigene lebendige sichtbare Fantasie. Die Auswahl der Rollen befand sich auf einem sehr hohen kreativen Niveau. Die beobachtbare Handlung bei allen war jedoch ausschließlich kämpfen und wurde in der Verarbeitungsphase durch die Schül.aus-sagen bestätigt. Zu einer differenzierteren Reflexion kamen wir durch den Impuls: Was stand in deinem Weltraum-Drehbuch? und Was kann noch alles in deinem Weltraum-Drehbuch stehen? Nun konnten wir weitere Wörter zur Wortfamilie kämpfen sammeln: besiegen, zerstören, einfrieren…und weitere interessante Handlungen für ein zukünftiges Spiel benennen. Unser Vorratsschrank von Wortmaterial wurde erweitert und mehr Sprachkompetenz zu diesem Thema erschlossen. In der heutigen Stunde wird das Abenteuer Spiel und Sprache nun weitergeführt.

2. Überlegungen zur Sache

2.1. Freies Schreiben – Offene Schreibanlässe

Die heutige Schreibdidaktik versteht unter Schreibanlässen alle Situationen, die zum Schreiben anregen. Derartige Schreibanlässe können sich einerseits intrinsisch entwickeln, andererseits aber auch von außen initiiert werden. Diese von außen herangetragenen Angebote sollen dem Kind möglichst vielfältige Anregungen bieten, eigene Ideen und Assoziationen zu einem Thema zu entfalten und selbst eine Schreibidee zu finden. Als zentrales Element von unterrichtlich organisierten Schreibanlässen gilt deshalb ihr Anregungsgehalt. Hegele (2000,10) spricht in diesem Zusammenhang auch von einer „erlebnisorientierten Anregungsdidaktik.“

Auch der Schreibdidaktiker Sennlaub verwendet den Begriff „erlebnisorientiert“. „Er propagiert einen erlebnisorientierten Schreibunterricht, bei dem den Schül. freigestellt wird, ob sie schreiben wollen, wann und wo sie schreiben wollen und welches Thema sie wählen möchten“ (Moers/Zühlke 1999,18). Er vertritt damit eine Form des spontanen und freien Schreibens. Im Gegensatz dazu geht Blumenstock davon aus, dass Kinder beim Schreiben nicht ausschließlich sich selbst überlassen bleiben sollen. Er sieht in der völligen Freiheit eher eine Überforderung, weshalb er die unterstütz-ende Tätigkeiten – z.B. die Bereitstellung motivierender Schreibanlässe – als notwendig erachtet, (Blumenstock/Renner 1993, 37ff).

Ähnlich argumentiert Altenburg bei der Vorstellung ihres Konzepts der offenen Schreibanlässe. Sie grenzt das Konzept zum freien Schreiben ab: „Im Unterschied zum freien Schreiben werden bei „offenen Schreibanlässen“ thematische Anregungen gegeben“ (Altenburg 2000, 12). Wichtig ist dabei, dass die Schreibanlässe so gestaltet sind, dass das ganze breite Spektrum möglicher Text-sorten dem einzelnen Kind zur Verfügung steht und dass auch – im Sinne Blumenstocks (1993, 39) – das „Kontinuum zwischen Offenheit und Gebundenheit“ voll ausgeschöpft wird, dass für die Schü. immer noch die Möglichkeit besteht, die Entscheidung über Art und Form ihres Textes selbst zu treffen. Altenburg (2000, 14) gibt zu bedenken, dass die Entscheidung eines Schül. teilweise von persönlichen Neigungen bestimmt wird, teilweise in Abhängigkeit vom Bezug zum Thema oder aber auch in Abhängigkeit von der aktuellen „Tagesform“, wodurch der Vielfalt der Schreibanregungen eine besondere Bedeutung zukommt. So macht der Lehrplan der Grundschule (1984, 61) auf den Zusammenhang von Motivation und Vielfalt der Schreibanregungen aufmerksam: Für die Motivation der Schüler ist die Auswahl der Schreibanlässe von besonderer Bedeutung. Die Aufgabenstellungen sollten in vielfältige Schreibsituationen einführen.“ Insgesamt kann gefolgert werden, dass sich das Konzept der offenen Schreibanlässe gut mit der Methode der Jeux Dramatiques verknüpfen lässt. Die Auswahl und Bereitstellung geeigneter offener „Spiel- und“ (S.K.) Schreibanlässe stellt in diesem Zusammenhang eine sehr bedeutsame Aufgabe für die Lehrperson dar. Für Jürgen Reichen ist diesbezüglich „das Schaffen, Anregen, Erkennen und Aufgreifen motivierender Schreibgelegenheiten eine der wichtigsten – und schwierigsten – didaktischen Aufgaben“ (Reichen zut. n. Moers/Zühlke 1999,19).

2.3. Jeux Dramatiques

Der französische Pädagoge Leon Chancerel entwickelte die Jeux Dramatiques. Jeu bedeutet für ihn zum einen lustbetonte Bewegungsfreude, zum anderen freiwillige Unterordnung unter die Spielregeln. Dramatique, bewusst abgegrenzt von „theatrale“ drückt für ihn aus, dass nicht das Auftreten vor Publikum angestrebt wird, sondern die eigene Freude und persönliche Entwicklung im Vordergrund stehen (vgl. Frei, 1990,7).„Mit der Methode der Jeux Dramatiques kann durch Bewegung und Gebärde“ inneres Erleben spielerisch ausgedrückt werden (Arbeitsgemeinschaft für Jeux Dramatiques, 1984,5).Die Jeux Dramatiques bieten einen Alternative zum normalen Theaterspiel und unterscheiden sich von diesem in wesentlichen Punkten:

Keine Festlegung von Dramaturgie, Bühnenaufbau, Verkleidung von außen

alle können mitspielen; Rollen werden durch Thema/Text angeboten; es können neue

Rollen dazu erfunden werden; Doppel- und Mehrfachbesetzungen sind möglich; keine

Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenrollen

(meist) nonverbales Agieren der Spieler durch Bewegung, Mimik, Gestik, stimmliche

Laute und Geräusche, häufig begleitet von einem vorgelesenen Text; kein

Auswendiglernen von Texten

Betonung liegt auf Prozess, nicht auf Ergebnis

(vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Kreative Ruhe – Kreativer Unterricht, 78).

Das praktische Ziel der Jeux Dramatiques ist das Spielen zu einem Thema oder zu einem Text. Als zentrales Anliegen sind zu nennen: Inneres Erleben spielerisch auszudrücken, schöpferische Fähig-keiten erwecken, entwickeln eines Gemeinschaftsgefühls durch das spielerische Miteinander, Ent-spannung, Ergänzung zur intellektuellen, leistungsbezogenen Erziehung, entdecken / entwickeln / freilegen affektiv-emotionaler Kräfte, ausprobieren neuer Möglichkeiten. Es werden verschiedene Spielarten unterschieden: Einstiegsspiele (S.K.), Ausdrucksspiel zu Text, Ausdrucksspiel ohne Text (Naturspiele, Symbolspiele, freies Märchenspiel, Situationsspiel) und Ausdrucksspiel mit Musik (vgl. Arbeitsgemeinschaft für Jeux Dramatiques, 11984,17ff). In der vorliegenden Stunde findet das Ausdrucksspiel ohne Text Umsetzung. „Beim Spiel ohne Textvorlage kommt es vor allem auf die kreativen Ideen der Spieler und des Spielleiters an. Wir unterscheiden hier ver-schiedene Spielarten (s.o.), die sich in der Praxis oft überschneiden“ (vgl.ebd.). „ Das Ausdrucks-spiel aus dem Erleben entwickelt sich aus dem Bedürfnis der Kinder, sich in einer Rolle auszu-drücken und spielend die Welt zu entdecken“ (vgl. Frei, 1990,7). Frei empfiehlt vor dem eigent-lichen Spiel, hinführende Spiele und Übungen anzubieten. Durch Spiele zum Einfühlen und Wahrnehmen wird die Aufmerksamkeit zentriert, die innere Erlebnisfähigkeit kann aktiviert werden. Die Schül. werden zu einem behutsamen Umgang miteinander geführt, um es ihnen in einer vertrauensvollen Atmosphäre zu ermöglichen ihre spontanen Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken. „Die Intensität des Spielens und Erlebens bei den Jeux Dramatiques wird wesentlich durch die Verkleidung mit bunten Tüchern getragen“ (Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Kreative Ruhe – Kreativer Unterricht, 78). Es bietet sich an bei dem Einstieg die Schül. mit diesem Material vertraut werden zu lassen. Auch das Hinführen auf zentrale Themen oder Motive durch vorbereitende Spiele erweist sich als günstig (vgl. ebd.).Der Spielaufbau erfolgt in vier Phasen. Um deren Struktur zu verdeutlichen übernahm Heidi Frei 1978 den R-S-P-V Zirkel in wesentlichen Teilen von Anna Halprin. Die vier Spielschritte gliedern sich in:

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638595209
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68991
Note
1,0
Schlagworte
Freies Schreiben Offener Schreibanlass Thema Abenteuer Weltall Methode Jeux Dramatiques Examenslehrprobe

Autor

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