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Formen von Entlehnungen und historische Sprachkontakte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 23 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen der Entlehnung
2.1 Transferenzen: Voraussetzungen und Ausprägungsgrade

3. Entlehnungen im Deutschen
3.1 Römerzeit (50v.Chr. -500 n. Chr.) 1.lateinische Welle
3.2 Christianisierung (500-800 n. Chr.) 2. lateinische Welle
3.3 Höfische Zeit (1150- 1250) Französische Welle
3.4 Humanismus (Ende 15 Jh. bis 16 Jh.) 3 lateinische Welle
3.5 30-jähriger Krieg (17 Jh.) Romanische Sprachen
3.6 19.-20. Jahrhundert :Internationalismen (Griechisch- Latein)
3.7 Nach dem 2. Weltkrieg (Angloamerikanismen)

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Sprache in ihrem wirklichen Wesen aufgefasst, ist etwas beständig und in jedem Augenblick Vorübergehendes. Selbst ihre Erhaltung durch die Schrift ist immer nur eine unvollständige, mumienartige Aufbewahrung, die es doch erst wieder bedarf, dass man dabei den lebendigen Vortrag zu versinnlichen sucht [..] “ (Wilhelm v. Humboldt, Schriften zur Sprachphilosophie, Werke III, Darmstadt 1963 in Polenz, P. 2000,S.2)

Der sprachphilosophischen These von Wilhelm von Humboldt liegt die Aussage der Veränderbarkeit von Sprache zugrunde. Denn Sprache ist nicht nur ein „jeweils gültiger synchroner (gleichzeitiger) Bestand von Regeln und Zeichensystemen“ (vgl. v. Polenz, 2000, S.3) - konstant und ausreichend um Sprache ganzheitlich zu verstehen.

Sprache muss immer auch historisch, sich wandelnd und veränderbar wahrgenommen werden. Auf diese Art und Weise finden wir auch heraus, woher ein Wort ursprünglich kommt, wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat und welche linguistischen Einflüsse dafür maßgeblich waren. Beispielsweise heißt es im Deutschen „Sonne n schein“, wo jedoch Sonne in unserem Wortschatz nur im Singular existiert. Diachronisch lässt sich aber feststellen, dass „Sonnen die alte Genitivform der schwachen Feminina“ (Stedje, 1989, S.9) war und daher diese Form im Plural bis heute besteht.

Auch muss bei Betrachtung von Sprache immer der kulturelle Kontext berücksichtigt werden. Denn „Sprache als soziale Erscheinung [..] spiegelt immer Sitten, Gebräuche, geistige Strömungen, Veränderung von Lebensbedingungen und den Wandel gesellschaftlicher Strukturen wider“ (Stedje, 1989, S.10).

Viele Wörter haben ihren Weg aus fremden Ländern und Kulturen in die deutsche Sprache gefunden. Bei der Übernahme von syntaktischen, semantischen oder grammatikalischen Merkmalen einer Sprache in eine andere aufgrund von Sprachkontakten, sprechen wir von Entlehnungen.

Sprachkontakte gab es bereits in voralthochdeutscher Zeit mit den Römern und den Germanen, vorangetrieben durch die Christianisierung hatte dann das Latein großen Einfluss auf die deutsche Sprache, später wurden viele Wörter aus dem Französischen entlehnt, bis heute überwiegt der englische Einfluss. So lassen sich sprachhistorisch betrachtet verschiedene Entlehnungswellen erkennen, die alle von tragenden „zwischensprachlichen Beziehungen zeugen“ (Stedje, 1989, S.25) und eine Fülle von Lehn- und Fremdwörter in der deutschen Sprache hinterlassen haben.

Es gibt Wörter, die direkt entlehnt wurden, andere wurden mehr oder weniger angepasst an die deutsche Sprache, wieder andere haben in fremden Sprachen „pausiert“ und sind dann in die deutsche Sprache zurückgekehrt. Es gibt viele Formen der Entlehnung, daher soll in einem ersten Teil der Arbeit ein systematischer Überblick über die Erscheinungsformen gegeben werden. Danach sollen die verschiedenen Entlehnungswellen in diachronischer Abfolge beleuchtet, sowie historische Sprachkontakte aufgezeigt und anhand von Beispielen verdeutlicht werden. Ein letzter Teil schließt mit Aussichten auf zukünftige sprachliche Entlehnungen in der deutschen Sprache.

2. Formen von Entlehnung

Nach Astrid Stedje (1989) kommt die Mehrzahl der fremden Wörter in Form eines Lehnguts in die deutsche Sprache. Diese werden dann entweder „direkt“ (Stedje, 1989, S. 23) als Lehnwort oder in der ursprünglichen fremden Gestalt als Fremdwort übernommen. Oder aber sie werden mit sprachlichen Mitteln dem fremden Wort angepasst, was unter dem Begriff Lehnbildung zusammengefasst werden kann. Es kann aber auch sein, dass durch den Einfluss eines fremden Wortes ein heimisches Wort eine andere Bedeutung erhält. Im Folgenden soll genauer auf die einzelnen Lehnkategorien eingegangen werden.

Grundsätzlich unterscheidet sie Lehnwort und Fremdwort. „Fremdwort ist ein aus einer anderen Sprache in den allgemeinen Wortschatz übernommenes (lexikalisiertes) Wort“ (Stedje, 1989, S. 23). Das Wort ist solange Fremdwort, solange es seine fremde Schreibweise, Aussprache und Konjugationsform beibehält. Bsp.: die Saison <frz. saison; die Comics < eng. comics; die Pizza < ital. pizza, - ze.

Sobald das fremde Wort an die Sprache angepasst ist und mit sprachlichen Mitteln dieser verändert wurde, nennen wir es Lehnwort. Bsp.: Bischof, e < gr. e piskopos; pfeifen < lat. pipare. Dies sind Beispiele für Lehnwörter, die sehr stark an die deutsche Sprache angepasst wurden, wohingegen Wörter wie der Klub < engl. Club oder die Memoiren < frz. les mémoires weniger angepasst und ihrer fremden Form ähnlicher sind.

Bei Lehn- und Fremdwörter werden jeweils der Wortlaut und die Bedeutung übernommen. Bsp.: engl. test > dt. Test; it. citrone > dt. Zitrone.

Nur die Bedeutung aber nicht die Wortform wird bei einer Lehnbedeutung übernommen. Astrid Stedje (1989, S.24) führt hierzu einige Beispiele auf: Das deutsche Wort buchen, bekam erst durch den englischen Spracheinfluss zusätzlich zu seiner Bedeutung: 'in ein Rechnungsbuch eintragen', die Bedeutung 'einen Platz reservieren'. Ebenfalls ist die zweite Bedeutung von schneiden - 'eine Person schneiden' vom Englischen 'to cut a person' abgleitet. Lehnbedeutungen, so Stedje (1989, S.24) „entstehen durch Interferenzen“, so zu sagen, durch „Einwirkung eines sprachlichen Systems auf ein anderes, welches durch Vertrautheit entsteht aber auch zu Verwechslungen führen kann“ (DUDEN, 1974).

Bei einer Lehnbildung wird das Lehngut mit Mitteln der eigenen Sprache nach dem Vorbild eines fremdsprachlichen Wortes neu gebildet. Es handelt sich hierbei um „Ableitungen oder Zusammensetzungen, die aus einheimischen Sprachelementen bestehen“ (Stedje, 1989, S.24): Lehnbildung ist der Überbegriff für Lehnübersetzung, Lehnschöpfung und Lehnübertragung.

Bei der Lehnübersetzung wird das fremde Wort mit eigensprachlichen Mitteln Glied für Glied übersetzt und nachgebildet. Bsp.: engl. pocket-book > dt. Taschenbuch; frz. ordre du jour > dt. Tagesordnung; lat. compassio > dt. Mitleid.

Im Gegenzug zur Lehnübersetzung steht die Lehnübertragung. Hierbei werden nicht alle Komponenten wortwörtlich übersetzt, sondern nur Teile. Bsp.: lat. paeninsula ('beinahe Insel', vgl. frz. presqu`île) > dt. Halbinsel; griech.-lat. geographia ’Erdbeschreibung’ > dt. Erdkunde (vgl. Stedje,1989, S.24). engl. sky scraper > Wolkenkratzer; (von Polenz, 2000, S.41).

Bei einer Lehnschöpfung wird ein neues Wort geschaffen, um ein fremdes Wort wiederzugeben, ohne sich jedoch formal in irgendeiner Weise an diesem fremden Wort zu orientieren, „eine vom Vorbild, strukturell unabhängige freie Verdeutschung“ (Polenz, 2000, S.41). Eine Lehnschöpfung, so Stedje (1989, S.24), „entsteht [..] immer in dem Bedürfnis, ein fremdes Wort durch ein einheimisches zu ersetzen“. Bsp.: engl. blue-jeans > dt. Nietenhose; frz. vélocipède (lat. velox ’schnell’ + pes ’Fuß’) > dt.Veloziped > Fahrrad. Oder auch frz. Cognac (nach der frz. Stadt Cognac benannt) > dt. Kognak > dt. Weinbrand. Im Versailler Vertrag wurde festgelegt, dass der Markenname Cognac geschützt werden sollte und das deutsche Weinbranderzeugnis ab sofort nicht mehr so heißen durfte (vgl. Stedje, 1989, S.24).

2.1 Transferenzen: Voraussetzungen und Ausprägungsgrade

Der Verlauf von Entlehnungsprozessen teilt Peter von Polenz (2000, S.43) in verschiedene Entwicklungsstufen ein. Zunächst einmal bedarf es einer Grundlage, einer kommunikativen Plattform, die den Austausch zwischen verschiedenen Sprachen ermöglicht und die Voraussetzung für sprachliche Entlehnungen schafft: die sogenannte Bilingualität. Einige Benutzer des Sprachsystems müssen in der Lage sein, diese Zweisprachigkeit zu beherrschen (z.B. Deutsch – Englisch). Im Kontext ergibt dies das sogenannte „Code-Switching“ (v. Polenz, 2000, S.42), wie es beispielsweise die lateinisch-deutsche Mischsprache der humanistischen Gelehrten war. Dabei handelt es sich zunächst um „Gelegenheitsentlehnungen“ (v. Polenz, 2000, 42), um Interferenzen, die auch zu sprachlichen Verwirrungen führen können, zunächst einmal aber nur als subjektive Neuerungen im sprachlichen System bestehen. Bürgen sich diese Neuerungen jedoch mehr und mehr in die Sprache ein und werden auch von nicht fremdsprachkundigen Sprachbenutzern verwendet, dann erst spricht man von Entlehnungen.

Die Übernahme fremdsprachiger Wörter, Wortverbindungen, Bedeutungen etc. in die deutsche Sprache untergliedert Polenz (2000, S.43) weiter nach Kriterien der Integration (Anpassung, Eingliederung, Eindeutschung). Diese teilt er den verschiedenen Sprachebenen zu:

Phonemische Integration: Lautwerte werden durch einheimische Phoneme/ Phonemverbindungen ersetzt, z.B. engl. [ st ] wie bei Stopp wird durch das dt. [Scht] substituiert.

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Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638600859
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68957
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau – Institut für Deutsche Sprache und Literatur
Note
2,0
Schlagworte
Entlehnungen

Autor

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