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Unterrichtsentwurf: Argumentation und das Verfassen einer Einleitung für eine schriftliche Arbeit

Unterrichtsentwurf 2001 23 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Lernvoraussetzungen der Klasse

2. Lehrplanbezug

3. Sachanlayse

4. Didaktische Überlegungen

5. Unterrichtsziele

6.Methodische Analyse

7.Planungsraster

8.Literaturliste

9.Anlagen

1. Lernvoraussetzungen der Klasse

Unterricht sollte immer auf die eigene Klasse zugeschnitten sein, da jede Klasse auf Sozialformen, Medien und Methoden anders reagiert, je nachdem über welche Sozial-, Handlungs- und Methodenkompetenzen die Klasse verfügt.

Deshalb müssen bei der Planung von Unterricht die Lernvoraussetzungen der Klasse Berücksichtigung finden.

Die Klasse 9 besteht aus insgesamt 27 Schülerinnen und Schülern. Auffallend ist, dass in dieser Klassen häufig Disziplinprobleme vorherrschen, dies zeigt sich beispielsweise auch in der Tatsache, dass eine Schülerin in diesem Schuljahr bereits schon fünf Einträge zu verzeichnen hat. Zum Ende des letzten Schuljahres mussten sich drei Schüler aus dieser Klasse verabschieden.

Der Deutschunterricht dieser Klasse findet im Kunstraum statt; dieser Raum ist ansprechend ausgestattet und relativ geräumig, sodass die Schülerinnen und Schüler in insgesamt vier Reihen, welche hintereinander angeordnet sind, bequem sitzen können. Zwischen diesen vier Reihen befindet sich ein ´Mittelgang´. Diese Sitzordnung bietet den großen Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler von allen Sitzplätzen aus, relativ gut zur Tafel schauen können, ohne dass sie dabei den Kopf besonders stark drehen müssten. Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden, dass diese Sitzordnung gerade für eine Gruppenarbeit erhebliche Nachteile mit sich bringt, da die Tische in diesem Fall zunächst einmal umgestellt werden müssen, wodurch der Unterrichtsverlauf beeinträchtigt wird.

Im Vergleich mit Schülerinnen und Schülern gleicher Altersstufe ist gerade im Deutschunterricht auffallend, dass die Schülerinnen und Schüler auf Fragestellungen nur äußerst knapp und unzureichend antworten. Die Schülerinnen und Schüler haben offenbar bisweilen noch nicht gelernt, vollständige Sätze zu sprechen, stattdessen ist auffallend, dass sie vorwiegend ´Wortbrocken´ von sich geben und notwendige Satzteile völlig auslassen. Es ist daher äußerst wichtig, fehlerhafte Aussagen seitens der Schülerinnen und Schüler aufzugreifen, damit die Schülerinnen und Schüler ein ´Verständnis´ für den Satzbau der deutschen Sprache bekommen. Der zuletzt erwähnte Aspekt zeigt sich natürlich auch im Leistungsverhalten der Klasse: Es gibt nur wenige ´gute´ Schülerinnen und Schüler, ein breites Mittelfeld und auch einige sehr schwache Schülerinnen und Schüler. Dies macht sich auch im Unterrichtsgeschehen bemerkbar. Die besseren Schülerinnen und Schüler sind auch diejenigen, die den Unterricht durch mündliche Beteiligung mittragen, sodass die Mitarbeit insgesamt als ´nicht homogen´ zu bezeichnen ist. Trotzdem arbeiten auch die anderen Schülerinnen und Schüler geistig mit, sie beteiligen sich eben weniger am Unterrichtsgeschehen. Bei Gruppen- oder Partnerarbeit sind aber auch diese Schülerinnen und Schüler aktiv und bringen ansprechende Leistungen zustande. Auch dies ist eigentlich ein Gesichtspunkt, der für den Einsatz verschiedener kooperativer Lernformen in dieser Klasse spricht.

Aufgrund der bereits erwähnten Disziplinschwierigkeiten in dieser Klasse, kommt es im Unterrichtsverlauf teilweise zu Störungen, welche sich meines Ermessens aber noch im ´Mittelbereich´ bewegen. Es ist daher hin und wieder dringend erforderlich, einige Schülerinnen und Schüler zu ermahnen, um einen möglichst störungsfreien Unterrichtsverlauf sicherzustellen.

2. Lehrplanbezug

Im Jahrgangsplan der Klassen 8-10 nimmt das Argumentieren und Erörtern eine zentrale und wichtige Stellung ein.

Bereits in Klasse 8 haben die Schülerinnen und Schüler einfache Formen des Argumentierens kennen gelernt.

Im Arbeitsbereich 1 „Sprechen und Schreiben“ der 8. Klasse heißt es hierzu:

„Die Schülerinnen und Schüler werden mit einfachen Formen des Argumentierens bekanntgemacht.“1

Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei, die einzelnen Bestandteile eines Arguments (Behauptung – Begründung – Beleg / Beispiel) kennen.

Auch im Aufsatzunterricht der Klasse 9 bildet die Erörterung einen Schwerpunkt. Im Jahrgangsplan der Klasse 9 heißt es zu den erwähnten Themen:

„Die Schülerinnen und Schüler lernen, komplexe Sachverhalte zu klären und sich mit Problemen argumentativ auseinander zu setzen.

Das Beobachten und Untersuchen von Gesprächen und Gesprächsverläufen fördert ihre Fähigkeit zu angemessener sprachlicher Auseinandersetzung.“2

Auch im Bereich des Abwägens bestimmter Berufssparten ist dieses Thema bedeutsam. Darüber hinaus leistet dieses Thema einen Beitrag zur Unterstützung des Sprachverständnisses, indem besonders das Verknüpfen von Sätzen und Satzteilen geübt wird.

3. Sachanalyse

Das Argumentieren stellt für das gemeinsame Zusammenleben der Menschheit eine zentrale Funktion dar und setzt dabei neben notwendiger sprachlicher Gewandtheit auch Einfühlungsvermögen, Mut, Rücksichtnahme und Urteilskraft voraus.

Voraussetzung für das Argumentieren ist allerdings stets, dass es um etwas Strittiges geht, denn nur so lassen sich Meinungen austauschen. Eine Person, welche gesagte Dinge einfach nur hinnimmt, findet keinen wirklichen Anlass zum Argumentieren. Andererseits verhindert auch die- bzw. derjenige, der die eigens getroffenen Argumente keinem Gültigkeitsanspruch unterzieht, eine sinnvolle Argumentation des Gegenübers. Daher muss bei einer Argumentation konstruktiv vorgegangen werden, was auch die Bereitschaft verlangt, eigene Aussagen in Zweifel zu stellen. Folglich kann eine bestimmte Person vor Beginn einer eigentlichen Argumentation niemals ganz genau wissen, ob ihre / seine Argumente letztlich auch ausschlaggebend sind. In diesem Zusammenhang ist es daher von entscheidender Bedeutung, die eigenen als auch die fremden Argumente auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang ein gewisser Einblick in die Logik der Argumentation; Argumentationen können inhaltlich unzureichend oder gar fehlerhaft sein, weil eine der entscheidenden Prämissen nicht korrekt ist oder weil das Fazit, also die Art und Weise, nach welcher die jeweiligen Prämissen aufeinander bezogen werden, nur wenig überzeugen können.

In diesem Zusammenhang ist meines Erachtens unbedingt darauf hinzuweisen, dass im Rahmen einer Argumentation eine bestimmte Äußerung je nach Sinnzusammenhang und der Art des Kontextes, in welchem die entsprechende Äußerung steht, verschiedene Rollen einnehmen kann; z.B. die Rolle einer These oder die Rolle eines Arguments.

Als These lässt sich eine sprachliche Äußerung dann klassifizieren, wenn die jeweilige Sprecherin oder der jeweilige Sprecher einen Anspruch auf Anerkennung ihrer Berechtigung erhebt. Dies kann dann als eine Behauptung oder als eine Forderung formuliert werden (Bsp.:

´Im Gymnasium werden die Schülerinnen und Schüler mit analytischer Geometrie überfordert´[eigenes Beispiel]).

Als Argument kann eine sprachliche Äußerung dann aufgefasst werden, wenn mit ihrer Hilfe

eine These begründet werden soll (Bsp: ´Die Klagen der Eltern über die ständige Belastung der Kinder häufen sich in alarmierender Weise.´).

Daher muss im Rahmen der Argumentation auch zwischen ´ Tatsachenaussagen ´ („deskriptive Aussagen“3), welche sich belegen, beweisen oder gar widerlegen lassen und ´ Werturteilen ´ („normative Aussagen“4), welche sich nicht eindeutig als ´richtig´ oder ´falsch´ erweisen lassen – und somit eine Argumentation erheblich erschweren – unterschieden werden.

Wie die bereits angesprochenen Ausführungen verdeutlicht haben, ist das entsprechende Mittel, die Zuhörer von der Glaubwürdigkeit einzelner Aussagen im normativen Gebrauch zu überzeugen, das Argument: Von einem Argument kann allerdings nur dann gesprochen werden, wenn dieses aus einer Behauptung, einer Begründung und einem Beispiel / Beleg besteht. Gerade diese Bedingung stellt aber allzu oft ein Problem in einer Diskussion oder in so manchem Erörterungsaufsatz dar, da es oftmals schwer fällt, in einem bestimmten Kontext sogleich logische Begründungen oder Belege abzurufen. So kommt es dann allzu oft dazu, dass man kein Argument aufbauen kann und sich somit nicht sprachlich zur Wehr setzen kann; einem Aspekt, welchen Salmon wie folgt erläutert:

„Um zu überzeugenden Überlegungen zu kommen, ist [...] ein freies Spiel des Denkens und der Phantasie erforderlich. Die Bindung an strenge Methoden oder Regeln würde nur zu einer Behinderung des Denkens führen. Die fruchtbarsten Gedanken sind oft gerade diejenigen, auf die man durch Regelanwendung nicht kommen kann.“5

Argumentierende Texte werden im Unterrichtsgeschehen vor allem im Rahmen der Erörterung geschrieben. Hierbei geht es darum, komplexe Sachverhalte und Probleme zu erfassen, diese von verschiedenen Standpunkten aus betrachten zu können, sie ferner in größere Zusammenhänge einzuordnen und selbstständig darüber zu urteilen.

Nach dem inneren und äußeren Aufbau unterscheidet man zwei Formen des Erörterungsaufsatzes: die lineare, sich entwickelnde Erörterung und die kontroverse, dialektische, diachronische Erörterung, sich gegenüberstellende Argumentation.6

Im Vordergrund der momentanen Unterrichtseinheit steht die lineare Erörterung, in welcher der jeweilige Sachverhalt – wie bereits erwähnt – entwickelnd darzustellen ist. Dies bedeutet, dass eine Zusammenstellung jener Gesichtspunkte erfolgen muss, die für die inhaltliche Bewältigung des Themas als wesentlich erscheinen. Dabei müssen die Gedanken streng nach dem ´ Gesetz der Steigerung ´ - also vom ´weniger wichtigen zum wichtigsten Argument – abgehandelt werden. In dieser Art kann die eigene Meinung zum Sachverhalt abgegeben werden, in der kontroversen Erörterung ist sie dagegen zwingend notwendig. Sie bildet - nachdem die Thesen (Argumente, die dafür sprechen) und Antithesen (Argumente, die dagegen sprechen) dargestellt wurden, den 3. Teil, die sogenannte Synthese. Hier bringt der Verfasser nach einer sorgfältigen Abwägung von Thesen und Antithesen seine klare Entscheidung zum Ausdruck. Diese ´klare Entscheidung´ ist allerdings zumeist in der Gestalt eines Kompromisses gefasst.

Darüber hinaus gibt es noch die synchrone Erörterung einzelner Aspekte auf gleicher Ebene (Argument I – Gegenargument I – Synthese / Schlussfolgerung I), welche aber nicht zuletzt aufgrund der Gefahr der häufigen Wiederholung, als äußerst problematisch anzusehen ist.

Beim Verfassen des Erörterungsaufsatzes sind dann zwei weitere Schwierigkeiten zu meistern: die Disposition (die sachgerechte Gliederung der eigenen Gedanken) und die angemessene, ansprechende sprachliche Fassung der Gedanken.

[...]


1 Bildungsplan für die Realschule, Lehrplanheft 3/1994, 221.

2 Bildungsplan für die Realschule, Lehrplanheft 3/1994, 294.

3,4 Hebel, Franz, 1986: Lesen Darstellen Begreifen A10. Offenbach: Cornelsen.

5 aus: Praxis Deutsch 2000,19.

6 vgl. Knöbl, Stephan, 398.

Details

Seiten
23
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638611855
ISBN (Buch)
9783638721523
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68876
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
Schlagworte
Unterrichtsentwurf Argumentation Verfassen Einleitung Arbeit

Autor

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Titel: Unterrichtsentwurf: Argumentation und das Verfassen einer Einleitung für eine schriftliche Arbeit