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Fotografische Abbildungstechniken in der Medizin - Die Veränderung des Blicks durch die Fotografie

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Fotografie im Alltag – Veränderung der Wahrnehmung

3. Fotografie in der Medizin
3.1. Spezielle fotografische Techniken in der Medizin: Endoskopie
3.2. Spezielle fotografische Techniken in der Medizin: Röntgenfotografie
3.3. Medizinische Anwendungen der klassischen Fotografie

4. Funktionen der Fotografie in der Medizin
4.1. Dokumentation
4.2. Instruktion
4.3. Kommunikation
4.4. Illustration

5. Bewertung der Fotografie in der Medizin

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen des Hauptseminars „Zur Mediengeschichte des Körpers“ im Sommersemester 2006 entstanden. In meinen Ausführungen möchte ich einen Eindruck geben in die wichtigen Veränderungen, die die Fotografie nicht nur auf gesellschaftlich-sozialer Ebene, sondern auch im Bereich der Medizin verursacht hat. Das erste inhaltliche Kapitel beschäftigt sich dann auch mit den allgemeineren, gesellschaftlichen Auswirkungen der Entwicklung und Anwendung der Fotografie. Im dritten Kapitel liegt der Fokus dann auf den Anwendungsbereichen der Fotografie in der Medizin, wobei auch verwandte bildgebende Verfahren berücksichtigt werden und auf verschiedene speziell-medizinische Anwendungsmöglichkeiten der Fotografie eingegangen wird. Im vierten Kapitel geht es dann hauptsächlich um die unterschiedlichen Funktionen, die eine Fotografie übernehmen kann, also um die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Mit einer Bewertung der Fotografie in der Medizin und einem anschließenden Fazit findet diese Hausarbeit ihren Abschluss.

2. Fotografie im Alltag – Veränderung der Wahrnehmung

Ein Fotoapparat versetzt uns heutzutage nicht mehr ins Staunen. Ein Fotograf wird auch selten mehr Mittelpunkt eines Menschenauflaufes, nur weil er Stativ und Fotoapparat aufbaut, um ein Foto zu schießen. Ein Fotoapparat ist – sicherlich auch ob seiner Größe – zu einem Alltagsgegenstand geworden. Dies war jedoch naturgemäß nicht immer so. So berichtet Kleffe (1988) in seinen überaus informativen wie unterhaltenden Ausführungen über die Geschichte der Fotografie. So beschreibt er, dass sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts, zu Beginn der Amateurfotografie, auch Fotografen mit diesem Apparat nicht auf die Straße trauten und sogar Auftragsfotografien im Freien ablehnten. Denn es war sicher, dass sich sofort mit dem zeigen der Kamera und mit Beginn des Aufbaus Menschenmengen um sie versammeln würden. In einem Lehrbuch zur Fotografie, so schreibt er, gab es den Hinweis, dass man, wenn man denn im Freien fotografiere, ein Geldstück hochhalten solle und dies den umherstehenden Kindern zeigen sollte. Gleichzeitig sollte man ein kleines Steinchen bereithalten, welches dann, anstelle des Geldstückes, kurz vor dem Auslösen der Belichtung in die zur Fotorichtung entgegen gesetzte Richtung werfen sollte. Nur so war es – wenigstens für eine Aufnahme - möglich das Objektiv freizubekommen. Gleichzeitig bemerkt Kleffe (1988) dass diese hohe gesellschaftliche Aufmerksamkeit dazu führte, dass man mehr oder weniger auffallende Geheimkameras z.B. in Form von Spazierstöcken, Zylindern oder gar in Form von komplett zum Versand vorbereiteten Postpaketen konstruierte (vgl. Kleffe, 1988, S. 158f).

Das neue Medium der Fotografie und die damit verbundene Veränderung der Wahrnehmung reiht sich nahtlos in die menschlichen Bestrebungen nach Grenzüberschreitung ein. Wollte man zunächst den Horizont als Ende des Sichtfeldes nicht als Grenze akzeptieren und versuchte bestehende geografische Gegebenheiten wie beispielsweise Berge zu nutzen, um den eigenen Horizont zu erweitern, so wurden im 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Aussichtstürmen konstruiert oder sogar Ballonfahrten unternommen wobei man völlig unabhängig von natürlichen oder künstlichen Aussichtsplattformen war und so seinen persönlichen Horizont erweitern konnte (vgl. Scheurer, 1987, S. 55). Aber auch der sich dadurch bietende Ausblick konnte den Menschen nicht von dem Wunsch abbringen, seinen Blick in die Ferne, fernab seines Alltags, schweifen zu lassen. Auch gab es ja noch immer den Nachteil, dass man, wenn man denn solch ein Panorama sehen wollte, sich an den entsprechenden Ort der Aussichtsplattform oder eben eines der Kaiserpanoramen auf Jahrmärkten, wo man derartige Ausblicke durch Sehschlitze betrachten konnte, begeben musste. Die Fotografie war in dieser Hinsicht das erste Medium, was einem eine Erweiterung des Horizontes ohne jegliche räumliche Veränderung ermöglichte. Gleichfalls knüpft die Fotografie jedoch an die Malerei an, indem sie ein künstliches Bild der Wirklichkeit erschafft und nur einen Blickwinkel, nur eine Perspektive zulässt (vgl. Scheurer, 1987, S. 57). Die Vorteile der Fotografie als Massenmedium liegen jedoch auf der Hand: „Fotografie ist flexibel, einem großen Publikum zugänglich, billig und vor allem detailgenau“ (Scheurer, 1987, S. 58). Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Rezeption fotografischer Aufnahmen jedem ohne jegliche Vorbildung möglich ist und dieses Medium demokratisch (wenigstens in seiner Rezeption) keine Bildungsschicht ausschließt.

Das Foto konnte auch eine Erfahrung aus weit entlegenen Teilen der Erde bieten. Da Reisen trotz aller Industrialisierung dennoch den eher wohlhabenderen Schichten vorbehalten waren, waren Fotografien ein dankbarer Ersatz der wirklichen und wahrhaftigen Reiseerfahrungen. August Fuhrmann zählte beispielsweise zu den Reisenden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, weltweite Reisen zu unternehmen, um Fotos zu machen und dadurch der gesamten Bevölkerung die Eindrücke zu vermitteln, die auch er gehabt hatte. Innerhalb kürzester Zeit verfügte er durch seine weltweit beauftragten Fotografen ein Archiv von 125.000 verschieden Bildern und gab so jedermann die Möglichkeit, mit den eigenen Augen ferne Länder zu sehen und genau zu betrachten, da ihnen ja die Geschwindigkeit genommen ist und die nur ein statisches Abbild der Realität sind (vgl. Scheurer, 1984, S. 60). Mit der Reisefotografie wurde nicht nur ein Abbild der Realität geschaffen, sondern auch die Welt durch den Sucher der Kamera entdeckt. Gleichzeitig ergab sich dadurch die Möglichkeit in immer kürzeren Zeitabständen in die unterschiedlichsten und entlegendsten Orte der Welt zu schauen, was die Wahrnehmung sehr stark änderte. In diesem Zusammenhang ist auch die Erhöhung der Reisegeschwindigkeit durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes zu erwähnen, der nun auch das reale Zusammentreffen von ganz unterschiedlichen Orten mit immer kürzeren Zeitabständen ermöglichte. Nun dauerte es nicht mehr Wochen und Monate bis man zu Fuß oder in der Kutsche zu seinem Reiseziel kam, sondern man war dank der Eisenbahn bereits innerhalb weniger Stunden am Reiseziel. Dadurch wird die Wahrnehmung insofern stark verändert, als dass schon während der Reise die Natur, die durchreiste Landschaft nur so an einem vorüberzieht und man nicht mehr selbst die langsame Veränderung der Natur wahrnehmen kann. Plötzlich ist man von der See ins Hochgebirge gelangt, was sich naturgemäß völlig anders darstellt. Durch diese Zunahme der Reisegeschwindigkeit, treffen innerhalb kürzester Zeit zwei – möglicherweise – komplett verschiedene Welten aufeinander, was erstmal zu Problemen führen kann. Eine langsame Gewöhnung an die geografischen und vielleicht klimatischen Bedingungen kann nicht stattfinden.

Ähnliches passiert durch die Fotografien aus anderen Ecken der Welt: Es treffen innerhalb weniger Augenblicke völlig unterschiedliche Natürlichkeiten aufeinander – im Fall des Fotos jedoch nur als vermittelte und nicht reale Erfahrung, also fehlen auch die Emotionen die man vielleicht mit der realen Erfahrung als Reisender verbunden hätte.

Es liegt jedoch auch in der Natur des Menschen sich bald an gewisse Zustände zu gewöhnen. Und genauso wenig wie uns heutzutage ein Fotoapparat in der Öffentlichkeit in den Bann zieht, verwundert uns eine Fahrt mit dem ICE von Berlin nach Nürnberg. Wir durchqueren Landschaften und werden uns dem oftmals noch nicht mal gewahr, da wir in unsere Reiselektüre vertieft oder mit der Erstellung einer Power-Point-Präsentation für das nächste Seminar beschäftigt sind. Wir steigen am Reiseziel aus dem Zug aus und sind nicht im Geringsten verwundert über die Kürze der vergangenen Zeit und die große Veränderung der Umgebung.

Auch heute noch dient das Foto der Abbildung der Wirklichkeit, gewissermaßen der Reproduktion der Wirklichkeit nach festen Gesetzen der Chemie und Physik und der Mensch wird zum Produzenten des Fotos, indem er autonom über den Bildausschnitt entscheidet. Die Loslösung des Fotografen vom Fotoatelier und der Beginn der Amateurfotografie steht in enger Verbindung mit George Eastman, der als erster einen Fotoapparat entwickelte, der mit einem unbelichteten Film ausgestattet war und mühelos ohne jegliche technische Vorkenntnisse zu bedienen war (vgl. Scheurer, 1987, S. 100). Scheurer (1987) bezeichnet die Fotografie sogar als „Lebenskonserve“ (Scheurer, 1987, S. 87), d.h. als detaillierte Darstellung der körperlichen Physiognomie, zum Teil auch überlebensgroß.

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Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638611749
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68848
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
Fotografische Abbildungstechniken Medizin Veränderung Blicks Fotografie

Autor

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Titel: Fotografische Abbildungstechniken in der Medizin - Die Veränderung des Blicks durch die Fotografie