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Neue Konflikte - neue Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung?

Hausarbeit 2002 24 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Das Wesen neuer Konflikte
2.1. Partikularistische Politik der Identität
2.2. Kriegsführung und Wirtschaft
2.3. Schwierigkeiten bei der Lösung Neuer Konflikte

3 Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung
3.1. Methoden auf der staatlichen Ebene
3.1.1. Klassische Vermittlungsdiplomatie
3.1.2. Staaten und Internationale Organisationen als Vermittler
3.1.3. Bedingungen für den Erfolg der Mediation
3.1.4. Nutzen der klassischen Vermittlungsdiplomatie für die Lösung neuer Konflikte
3.2. Zivile Konfliktbearbeitung auf gesellschaftlicher Ebene
3.2.1. Track-Two-Diplomacy
3.2.2. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und ihr Beitrag zur Konfliktbearbeitung
3.2.3. Problemlösungs-Workshops
3.2.4. Nutzen für die Lösung neuer Konflikte

4 Integrative Ansätze

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Neue Konflikte – Neue Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung?

1 Einleitung

Mit Ende des Ost-West-Konfliktes, der über Jahre das prägende Element der internationalen Beziehungen war, entstand die Hoffnung auf eine zukünftige friedliche Welt. Bald schon stellte sich aber heraus, dass es keine friedliche Entwicklung geben werde. Stattdessen sind seit dem Auseinanderbrechen der relativ großen Stabilität durch die „Pattsituation“ der beiden Großmächte, verschärft Konflikte aufgetreten. Auffällig ist dabei, dass sich die Art der Konflikte geändert zu haben scheint. Oft handelt es sich nicht mehr um Auseinandersetzungen zwischen Staaten, sondern um Konflikte innerhalb einer Gesellschaft.[1] Die Zunahme neuer Kriege und ihre lange Dauer führte dazu, dass es immer mehr „Konfliktherde“ auf der Welt gibt.[2] Einher damit ging die Notwendigkeit neuer Überlegungen zur Konfliktbearbeitung. Darunter versteht man Methoden, mit denen versucht wird, die Beziehungen von gegensätzlichen Gruppen zu verändern, die Gesellschaft umzustrukturieren und die Beilegung des Konfliktes möglich zu machen. Heute wird dafür oft der Begriff „Konflikttransformation“ benutzt.[3] Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entstanden, schienen die traditionellen Methoden für die Neuartigkeit der aktuellen Konflikte nicht mehr ausreichend geeignet zu sein. Darum wurden seit Anfang der 90er Jahre immer mehr neue Theorien entwickelt. Unumstritten ist dabei nicht einmal der grundsätzliche Sinn der Zivilen Konfliktbearbeitung. So sagen beispielsweise radikale Stimmen, die Konfliktbearbeitung versöhne Interessen, die nicht versöhnt werden sollen. Auch der Vorwurf, Zivile Konfliktbearbeitung sei zu weich und unwirksam, wird immer wieder laut.[4]

Ich werde in meiner Hausarbeit darum untersuchen, welche Formen von Konfliktbearbeitung es gibt und inwiefern sie für die Lösung neuer Konflikte geeignet sind. Dazu gehe ich im ersten Punkt auf die Frage ein, was eigentlich das Neue an den jüngsten Konflikten ist, also welche Merkmale sie auszeichnen.

Danach werde ich die klassischen Methoden der Konfliktbearbeitung untersuchen, die sich hauptsächlich auf staatlicher Ebene abspielen, und anschließend die gesellschaftlichen Formen der Konfliktbearbeitung betrachten. Im letzten Punkt schließlich werde ich neuere, umfassende Ansätze darstellen, da diese für die Lösung von neuen Konflikten am Sinnvollsten erscheinen.

2 Das Wesen neuer Konflikte

Spricht man von Ziviler Konfliktbearbeitung und ihrer Anwendbarkeit bei Konflikten unserer Zeit, so muss zuerst einmal zwischen Konflikt und Krieg unterschieden werden. Im alltagssprachlichen Gebrauch oft synonym verwendet, sind die Begriffe in der Wissenschaft doch unterschiedliche abzugrenzen. Ein Konflikt ist demnach ein Zusammenprall von Interessen zweier Parteien. Die unterschiedlichen Interessen werden von mindestens einer Partei so wahrgenommen, dass sie nicht gleichermaßen realisiert werden können. Ein Krieg dagegen ist ein gewaltsamer Massenkonflikt., bei dem sich zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte gegenüberstehen. Mindestens eine der Streitkräfte ist von der Regierung, die Organisation des Kampfes ist zentral gelenkt und die bewaffneten Operationen erfolgen kontinuierlich. Ein Konflikt kann also vor oder nach dem Ausbruch eines Krieges existieren und ist Ursache eines Krieges. Allerdings entsteht nicht zwangsläufig aus jedem Konflikt ein Krieg.[5]

2.1. Partikularistische Politik der Identität

In vielen Konflikten der neueren Zeit stehen sich nicht mehr zwei relativ gleich mächtige Parteien gegenüber. Vielmehr handelt es sich um asymmetrische Konflikte, die dadurch gekennzeichnet sind, dass eine Seite weitaus schwächer ist als die andere, es also einen „topdog“ und einen „underdog“ gibt, wie Johan Galtung diese beiden Seiten bezeichnet.[6] Eine Partei hat also zum Beispiel weniger Ressourcen, ist kleiner, hat keine so gut organisierte Armee oder eine schwächere soziale Position. Oft sind es Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb eines Staates. Es geht meist um Fragen der Zusammensetzung einer Gesellschaft.

Die unterschiedlichen Gruppen betreiben nach Auffassung Kaldors eine „Partikularistische Politik der Identitäten“[7], d.h. scheinbar traditionelle Identitäten wie Nation, Stamm oder Religion werden dazu benutzt, eine Gruppe zu mobilisieren und politische Macht zu gewinnen. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Ethnie ist nicht angeboren. Die politische Elite, die ihre Macht erhalten will, versucht aber, den Menschen weiszumachen, dass ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie unabänderlich ist. Die Politik ist auf Ausschluss angelegt – es wird also eine Identität gesucht, die andere ausschließt und somit die Gesellschaft fragmentiert.

Oft leben diese Gruppen von der Geschichte, indem sie heldenhafte Taten der Vergangenheit hervorheben und auf alte Auseinandersetzungen mit einer anderen Gruppe verweisen. Dadurch soll gerechtfertig werden, dass auch jetzt nicht mit diesen Gruppen zusammengelebt oder gar kooperiert werden kann. So werden Feindbilder geschaffen.[8]

Die Problematik ethnopolitischer Konflikte liegt darin, dass die Ethnien eine Grenze zu anderen Ethnien, meist der Mehrheit, ziehen müssen, um sich von einer Diskriminierung befreien zu können: Sie fühlen sich von der mehrheitlichen Bevölkerungsgruppe wirtschaftlich benachteiligt, kulturell überfremdet und haben keine politische Einflussmöglichkeiten.[9] So entstehen die Forderungen nach eigener Sprach- und Kulturpolitik und politischer Mitsprache. Bei dieser Abgrenzung kann es passieren, dass die Minderheit „die Grenze zu anderen Ethnien überzeichnet“[10], die Kommunikation abbricht und so eine kompromisslose Auseinandersetzung entsteht, die aufs Erbitterste ausgetragen wird. Konfliktursache ist also die „Bewusstwerdung von Unvereinbarkeiten zwischen einer ethnischen Gemeinschaft und der Gesellschaft, in der sie lebt.“[11]

2.2. Kriegsführung und Wirtschaft

Vor allem eine zunehmende Brutalisierung kann in den neuen Kriegen beobachtet werden. Es gibt keine Regeln mehr, an die sich die Seiten halten müssen. Die Verbitterung in solchen Kriegen und der enorme Einsatz von Gewalt hängt damit zusammen, dass der Konflikt selbst zur identitätsstiftenden Kraft werden kann. „Indem Gemeinschaften, Volksgruppen und entsprechende Kollektive sich zu Konfliktparteien herauskristallisieren, definieren sie in diesem Vorgang allmählich ihre eigene Identität“.[12]

Geändert hat sich auch die Art der Kriegsführung und Gewaltanwendung. Diese richtet sich nämlich vor allem gegen die Zivilbevölkerung, es gibt nur selten Schlachten zwischen den Streitkräften der beiden Seiten. Teile der feindlichen Seiten kooperieren miteinander, wenn sie sich davon einen Vorteil erhoffen. Laut Kaldor kommt es zu einer „Privatisierung der Streitkräfte“. Dies geschieht meist dann, wenn der Staat eine Wirtschaftskrise nicht bewältigen kann, beispielsweise beim Übergang von der Plan- in eine Marktwirtschaft.

Die Umstrukturierung erzeugt Probleme, die Schulden des Landes steigen, es kommt zu Inflation. Schafft der Staat es nicht, eine Lösung zu finden, die alle Gruppen des Landes unterstützen, kommt es wird die Wirtschaft kriminalisiert. Der Staat verliert sein Gewaltmonopol und kann das Territorium nicht mehr sichern. Das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat geht verloren. An seine Stelle treten paramilitärische Gruppen, Selbstverteidigungseinheiten, ausländische Söldner, reguläre ausländische Truppen oder sogenannte „Warlords“.[13]

[...]


[1] Miall, Hugh/Ramsbotham, Oliver/Woodhouse, Tom: Contemporary conflict resolution: the prevention, management and transformation of deadly conflicts, Cambridge, 2000, S. 2

[2] Marfurt Gerber, Edith: Konfliktlösungsstrategien in Bürgerkriegen. Dritte Parteien und ihr Beitrag zur politischen Konfliktvermittlung, Zürich, 1998, S. 96

[3] Ropers, Norbert: Friedensentwicklung, Krisenprävention und Konfliktbearbeitung. Technische Zusammenarbeit im Kontext von Krisen, Konflikten und Katastrophen, Dt. Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Eschborn, 2002, S. 11

[4] Miall et. al.: S. 3

[5] Drechsler, Hanno/Hilligen, Wolfgang/Neumann, Franz (Hrsg.): Gesellschaft und Staat. Lexikon der Politik, München, 1992, S. 419/420 und 435/436

[6] Galtung, Johan: Theorien des Friedens, in: Meyer, Berthold: Formen der Konfliktregelung. Eine Einführung mit Quellen, Opladen, 1997, S. 41/42

[7] Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege, Frankfurt/Main, 2000, S.111

[8] Kaldor, S. 121-124

[9] Senghaas: Therapeutische Konfliktintervention in ethnonationalistischen Konflikten, in: ders.: Friedensprojekt Europa, Frankfurt/Main, 1992, S. 117

[10] ebd., S. 124

[11] Marfurt Gerber: S. 35

[12] Senghaas: S. 123

[13] Kaldor: S. 61144 –147

Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638610322
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68459
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Fakultät für Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Neue Konflikte Methoden Zivilen Konfliktbearbeitung Proseminar Frieden Krieg Theorie Praxis

Autor

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