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Kultur der Gewalt? Der Konflikt auf den Molukken und die Intervention religiöser Gruppen

Magisterarbeit 2006 109 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Sonstige Staaten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen und Glossar

1 Problemstellung

2 Gewalt als konstitutiver Bestandteil der Kultur in Indonesien

3 Hintergründe der Gewalt auf den Molukken
3.1 Geschichte der Molukken
3.2 Die Transmigrasi-Politik der „Neuen Ordnung“
3.3 Stationen der Auseinandersetzungen auf den Molukken
3.3.1 Süd-Molukken und Zentralmolukken
3.3.2 Nord-Molukken

4 Ausbruch der Gewalt auf den Molukken
4.1 Lokale Faktoren des Ausbruchs der Gewalt
4.1.1 Süd-Molukken und Zentralmolukken
4.1.2 Nord-Molukken
4.2 Nationale Faktoren des Ausbruchs der Gewalt

5 Verschärfung der Gewalt auf den Molukken
5.1 Zusammenhang von Religion, Identität und Konflikt
5.2 Die Armee als Akteur auf den Molukken
5.3 Religiöse Organisationen als Akteure auf den Molukken
5.3.1 Christliche Organisationen
5.3.2 Muslimische Organisationen
5.4 Lokale Faktoren der Verschärfung der Gewalt
5.4.1 Süd-Molukken und Zentralmolukken
5.4.2 Nord-Molukken
5.5 Nationale Faktoren der Verschärfung der Gewalt

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis
7.1 Klassische Medien
7.1.1 Primärliteratur
7.1.2 Sekundärliteratur
7.2 Zeitschriften
7.3 Internetquellen

8 Bildverzeichnis

9 Appendix

Abkürzungen und Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Indonesien[1] ist eine relativ junge Nation, die sich nach dem 2. Weltkrieg aus den niederländischen Kolonialbesitzungen Niederländisch-Ostindien löste. Die Molukken[2] sind eine indonesische Inselgruppe zwischen Sulawesi und Neuguinea. Sie umfassen ein Gebiet von 74.505 km² mit ungefähr 2,05 Millionen Einwohnern. Die Hauptstadt der Molukken ist Ambon[3]. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Malaien und Alfuren. Der seit der Kolonialzeit traditionell hohe Anteil an Christen ist durch die zahlreichen muslimischen Einwanderer aus anderen Teilen Indonesiens als direkte Folge der Transmigrasi-Politik in den letzten zwanzig Jahren stark zurück gegangen.[4]

Auf den Molukken gab es seit geraumer Zeit Spannungen zwischen muslimischen Migranten auf der einen Seite und der indigenen christlichen und muslimischen Bevölkerung[5] auf der anderen Seite. In der Öffentlichkeit wurden die gewalttätigen Auseinandersetzungen, die ab Januar 1999 die Süd-Molukken und ab August 1999 auch den Norden erfassten, vereinfacht als Religionskonflikt zwischen Christen und Muslimen[6] dargestellt. Fraglich ist, ob die Auseinandersetzungen von Beginn an einen religiösen Hintergrund hatten. Aus diesem Grund möchte ich in meiner Arbeit den Konflikt auf den Molukken dahingehend untersuchen, wie sich Christen und Muslime auf den Molukken verhalten haben, welche Faktoren für den Ausbruch und die Verschärfung der Konflikte maßgeblich waren und inwieweit externe religiöse Gruppen als Akteure auftraten. Darüber hinaus ist die Rolle des Militärs von großer Bedeutung.

Die Molukken sind keine homogene Region, sondern bestehen aus knapp tausend Inseln, hunderten Gemeinschaften und dutzenden regionalen Machtzentren. Ebenso wenig homogen war die Gewalt während den Auseinandersetzungen zwischen 1999 und 2003 auf den Molukken.[7] Es ist prinzipiell falsch von Gewalt auf den Molukken in dem Sinn zu sprechen, dass es ein homogenes Ereignis war, welches sich durch ein einziges Motiv oder eine gemeinsame soziale Geschichte erklären lässt. Die Gewalt bestand vielmehr aus hunderten kleinen Aufständen. Jeder hatte seine eigenen Ursprünge, Motivationen und Dynamiken. Dennoch sind generell alle Gewaltausbrüche ähnlich konstruiert und hatten verwandte Hintergründe.[8] Es lassen sich bei den Konflikten viele Parallelen ausfindig machen. Die größte Gemeinsamkeit aller Kämpfe ist, dass es sich bei der Gewalt auf den Molukken im fortgeschrittenen Stadium um Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen handelte.

Durch ähnliche Abläufe und Ursprünge der Gewalt lassen sich die Auseinandersetzungen geographisch in zwei Teile, Nord-Molukken und Süd- und Zentralmolukken, aufgliedern. Aus diesen Gründen, aber auch unter Berücksichtigung des begrenzten Platzgehalts dieser Arbeit, werde ich zusammenfassend den Begriff des ‚Konflikts auf den Molukken’ verwenden, wo dies angebracht erscheint. Prinzipiell soll aber zwischen den Nord-Molukken und den Süd- und Zentralmolukken unterschieden werden. So kam es auf Ambon, der Hauptinsel der Süd- und Zentralmolukken, zu einem früheren Zeitpunkt zu gewalttätigen Konfrontationen als auf Halmahera, der Hauptinsel der Nord-Molukken. Während der Ausgangspunkt bei den Konfrontationen auf Halmahera und seinen Nebeninseln Tidore und Ternate ab der zweiten Hälfte des Jahres 1999 in erster Linie in territorialen und machtpolitischen Streitigkeiten zu suchen ist, so ist der Ursprung der Gewalt in Ambon auf den ersten Blick unklar. Auf den Süd-Molukken kämpften zu Beginn Muslime und Christen gemeinsam gegen die eingewanderte Bevölkerung, die sich größtenteils aus Muslimen zusammensetzte und in Folge der Transmigrasi-Politik in den 1970er Jahren auf die Molukken kam. Auch wenn es unterschiedliche lokale Faktoren für die Gewalt auf Ambon und Halmahera gab, so waren die nationalen Faktoren nahezu identisch. Aus diesem Grund werde ich in dieser Arbeit die nationalen Faktoren der Auseinandersetzungen und der Verschärfung der Gewalt in einem Punkt zusammenfassen.

Bereits vor dem offiziellen Ausbruch der Gewalt auf Ambon im Januar 1999 gab es kleinere Auseinandersetzungen zwischen der eingeborenen Bevölkerung und zugezogenen Migranten, überwiegend muslimische Bugis, Butonesen und Makassari. Doch auch in anderen Regionen Indonesiens kam es in der jüngeren Geschichte zu gewalttätigen Konfrontationen. Fraglich ist, ob sich aus der Vergangenheit ableiten lässt, dass in Indonesien ein traditionelles Konfliktpotenzial existiert und Gewalt ein konstitutiver Bestandteil der Kultur ist. So ist in verschiedenen lokalen kultischen Handlungen auf den Molukken, wie dem Pattimura-Kult, Gewalt auch heute noch Bestandteil der alltäglichen Kultur. Im zweiten Kapitel soll daher untersucht werden, ob in Indonesien Gewalt ein konstitutiver Bestandteil der politischen Kultur ist und es eine Tradition von Gewalt gibt, die Auseinandersetzungen unumgänglich macht.

Der geschichtliche Hintergrund der Molukken, mit ihrer speziellen Rolle innerhalb Niederländisch-Ostindiens während der Kolonialzeit und die Transmigrasi-Politik unter Suharto[9] sind für die Entstehung der Spannungen auf der Inselgruppe ein einflussreicher Faktor. Im dritten Kapitel werde ich daher auf die Geschichte der Molukken eingehen und die Transmigrasi-Politik in den 1970er Jahren erläutern. Dabei soll auf die verschiedenartigen Hintergründe der Kämpfe aufmerksam gemacht werden, um zu verdeutlichen, dass seit geraumer Zeit Anlässe für Konflikte bestanden. Zum Abschluss des Kapitels schaffe ich einen Überblick der Stationen der Kämpfe; dies soll einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die Untersuchung der Auseinandersetzungen gewähren soll. Dabei ist zu beachten, dass aus Platzgründen lediglich besondere und herausragende Ereignisse, die für diese Arbeit von Wichtigkeit sind, geschildert werden können.

Der Auslöser der Auseinandersetzungen ist nicht einzig auf nationaler oder lokaler Ebene zu suchen. Für den Ausbruch und die Verschärfung der Kämpfe spielten verschiedene Faktoren eine Rolle, die ich in meiner Arbeit aufzählen möchte. Der Schwerpunkt soll aber bei den wichtigsten Gründen der Verschärfung der Gewalt liegen, die aber ohne die Nennung der Anlässe für den Ausbruch nicht auskommen. Daher werde ich im vierten Kapitel die Faktoren für den Ausbruch der Gewalt nennen.

Die Ansicht, dass die Gewalt auf den Molukken von politischen oder militärischen Hintermännern provoziert oder inszeniert worden ist, ist weit verbreitet. Doch lokale wie nationale Faktoren sorgten dafür, dass Religion zum identitätsbestimmenden Faktor im Konflikt werden konnte. Religion kann Beobachtern wie Beteiligten dienen, einen Konflikt begreifbar und erklärbar zu machen. Doch dies führte im Fall der Molukken zu einer Vereinfachung der sehr komplexen Konfliktstrukturen. Dennoch ist es hilfreich, den identitätsstiftenden Sinn von Religion im Konflikt näher zu betrachten. In Zeiten von Gewalt und Not beziehen sich Menschen immer auf gemeinsame Identitäten, um so Schutz in der Gemeinschaft zu finden. Auf den Molukken waren diese Identitäten die Religionen des Islam und des Christentums. Daher erscheint es sinnvoll auf den Zusammenhang von Religion, Identität und Konflikt einzugehen und zu untersuchen, ob die Identifizierung mit einer Religion für eine Verschärfung der Gewalt verantwortlich sein kann. So werde ich die Polarisierung und Mobilisierung durch Religion betrachten und Rückschlüsse auf den Molukkenkonflikt ziehen.

Dem Militär wird im Konflikt eine besondere Rolle zugeschrieben, da ihm von beiden Seiten nachgesagt wurde, die jeweilige andere Gruppe im Kampf unterstützt zu haben. Im fünften Kapitel möchte ich aus diesem Grund unter anderem die Rolle der Armee als Akteur auf den Molukken untersuchen. Darüber hinaus sollen die einflussreichsten christlichen und muslimischen Organisationen dargestellt und dahingehend untersucht werden, ob und wie sie an einer Verschärfung der Auseinandersetzungen beteiligt waren. Die Analyse der lokalen und nationalen Faktoren der Verschärfung der Gewalt bildet den Abschluss dieser Arbeit und berücksichtigt alle erarbeiteten Erkenntnisse.

Das Thema dieser Arbeit ist sehr komplex. Um innerhalb des vorgegebenen Rahmens der Arbeit zu bleiben, lässt sich eine Vereinfachung bei manchen Dingen daher nicht vermeiden. Dennoch werde ich auf die wichtigsten Faktoren eingehen, um die Verschärfung des Konflikts untersuchen zu können. Das Auftreten von religiösen Gruppen, die größtenteils aus anderen Regionen Indonesiens anreisten und maßgeblich für die Verschärfung der Auseinandersetzungen mitverantwortlich waren, soll erklärt werden.

Im Appendix habe ich Bilder aufgeführt die aus dem privaten Besitz von Rainer Lamotte stammen, der im Juni 2002 als Repräsentant des Evangelischen Missionswerkes Stuttgart e.V. an der ersten Synode der protestantischen Kirche von Halmahera nach dem Bürgerkrieg teilgenommen hat.

2 Gewalt als konstitutiver Bestandteil der Kultur in Indonesien

In diesem Kapitel soll untersucht werden, ob in Indonesien Gewalt ein konstitutiver Bestandteil der politischen Kultur ist und gewalttätige Auseinandersetzungen, aufgrund der Verankerung von Gewalt in der Tradition und Kultur, unumgänglich sind.

Gewalt ist der Einsatz physischer Kraft zur Beseitigung eines wirklichen oder vermuteten Widerstandes.[10] Munir[11] unterscheidet drei Kategorien von Gewalt: Die erste Kategorie ist Gewalt durch den Staat, die weiter unterteilt ist in Gewalt, die durch Gesetze legalisiert ist, in Gewalt, die öffentliche Begehren oder Reformen unterdrücken soll und Gewalt, als Antwort auf Gewalt durch Massen. Als zweite Kategorie definiert Munir Gewalt zwischen Mitgliedern der Gesellschaft, die unterteilt ist in Gewalt mit einem religiösen Hintergrund, Gewalt, bei der eine bestimmte Gruppe versucht die Oberhand in der Gesellschaftsordnung zu erlangen und Gewalt über thematische Angelegenheiten. Als dritte Kategorie gilt Gewalt durch die Gemeinschaft gegen den Staatsapparat, die unterteilt ist in Gewalt, die durch Enttäuschung und Frustration motiviert ist, Gewalt, die durch Selbstverteidigung oder Protest gegen das Verhalten des Staatsapparates motiviert ist und Gewalt, die durch Rache in Verbindung mit Ungerechtigkeit motiviert ist.

In der Psychologie werden die Möglichkeiten eingeräumt, dass Aggression genetisch bedingt sein könnte oder das Produkt von beobachtendem Lernen sei.[12] Diese Eigenschaft könnte sich über Generationen als Mittel des Überlebens entwickelt haben. Alle in Herden lebenden Wirbeltiere kennen eine soziale Hierarchie, zu der häufig rituelle Kämpfe gehören, die zur Feststellung der Rangordnung dienen und langfristige Gewalt ausschließen. Nur Menschen haben durch ihre Kultur und ihre militärische Technologie die Kapazitäten, sich gegenseitig über längere Zeit und massenhaft Gewalt anzutun.[13]

Doch der Hinweis, dass Aggression genetisch bedingt sein könnte oder das Ergebnis von Lernprozessen sei, scheint für die Erklärung der Gewaltausbrüche in Indonesiens Geschichte nicht ausreichend. Ein Ansatz für eine Erklärung der Gewalt könnte in der Kultur zu suchen sein.[14] In der Politikwissenschaft ist der Begriff Kultur in der Wendung politische Kultur präsent. Dabei bezieht sich politische Kultur auf bestimmte Gruppen und den ihnen zugeschriebenen Denk- und Verhaltensweisen. „Sie umfasst alle politisch relevanten individuellen Persönlichkeitsmerkmale, latente in Einstellungen und Werten verankerte Prädispositionen zu politischem Handeln, auch in ihren symbolhaften Ausprägungen, und konkretes politisches Verhalten.“[15] Kollektive Erfahrungen, wie Kriege, politische Krisen oder Revolutionen, wirken prägend auf die politische Kultur ein und daher sind Identität und Identifizierung zentrale Aspekte der politischen Kultur einer Gesellschaft.

Die Anwendung von Gewalt ist in der ambonesischen Kultur verwurzelt. „It is embedded in the Pattimura cult, developed by Indonesian independence fighters to symbolise one of the earliest acts of resistance against Dutch colonial rule, but was equally embedded in the Captain Jonker cult, used by the Dutch Colonial Army, KNIL (Koninklijke Nederlands Indische Leger) to recruit Ambonese soldiers.”[16]

Jo Ann M. Farver hat in Testreihen mit ungefähr sechs Jahre alten Kindern aus Schweden, Deutschland, den USA und Indonesien nachgewiesen, dass die Kinder aus Indonesien sich weniger aggressive Spiele mit Spielsachen wie Puppen ausdachten als die europäischen Gleichaltrigen. Des Weiteren wurden balinesische und batak Jugendliche als halb so aggressiv eingestuft wie deutsche Jugendliche.[17] Diese kontrollierten Experimente mögen sich nicht genau auf das wirkliche Leben übertragen lassen, dennoch sind Rückschlüsse darauf zu ziehen, dass indonesische Jugendliche anscheinend eine gute Selbstbeherrschung haben und nicht zwangsläufig als von Natur aus aggressiv zu bezeichnen sind.

Weiterhin kann Gewalt nicht als das bloße Erbe der Politik angesehen werden, die Gewalt als das Mittel zur Machterlangung wählte.[18] Es drängt sich die Frage auf, ob Indonesien eine politische Kultur der Gewalt besitzt.[19] Hierfür ist eine genauere Betrachtung der Bräuche und Traditionen Indonesiens und der Hintergründe der Konflikte im indonesischen Staatsgebiet notwendig.

Der viertgrößte Staat und die größte muslimische Nation der Erde, Indonesien, ungefähr 88% der Bevölkerung sind Muslime, ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt an Sprachen, Traditionen, Kulturen und Religionen. Indonesien besteht aus mehr als 17.000 Inseln, von denen etwa 6.000 bewohnt sind und hat ungefähr 210 Millionen Einwohner[20], die etwa 300 verschiedenen Volksgruppen angehören und mehr als 200 Sprachen und Dialekte sprechen. Auf dem Staatswappen der Republik Indonesien steht seit der Unabhängigkeitserklärung 1945 „Bhinneka Tunggal Ika“, was übersetzt „Einheit in Vielfalt“ bedeutet.[21] Das Bild von Indonesiens wirtschaftlichem Fortschritt verschleierte lange Jahre innerstaatliche Spannungen.

Die Verfassung Indonesiens garantiert prinzipiell allen indonesischen Staatsbürgern ohne Unterschied die Freiheit der religiösen Überzeugung und räumt das Recht ein, gemäß der eigenen Religion Gottesdienst zu feiern. Nach Gesetz Nr. 1/1965 werden die Religionen Islam, Christentum mit den Konfessionen Protestantismus und Katholizismus (ca. 8% der Bevölkerung), Buddhismus (ca. 1%), Hinduismus (ca. 2% vornehmlich auf Bali und Ostjava) und Konfuzianismus offiziell anerkannt.[22] Aber auch Judentum, Zoroastrismus, Schintoismus und Taoismus sind nicht verboten. Ferner sind die Ausübung der Sikh-Religion und die mystischen und traditionellen Anschauungen der Aliran Kepercayaan[23] erlaubt.[24] Neben der Religion spielt die Tradition (adat)[25] in der indonesischen Kultur eine große Rolle. Diese Gewohnheitsrechte haben Kolonialzeit und Missionare überdauert und bestimmte Rituale existieren bereits seit einigen hundert Jahren.

Das Konzept von Gemeinschaft und Integrität ist in Indonesien seit der Staatsgründung ein Sinnbild des allgegenwärtigen Staates, der darin Gehorsam und Unterwürfigkeit gegenüber dem Willen der Regierung sieht. Pluralität und allgemeine Differenzen gelten als Gefahr für den Vielvölkerstaat und wurden häufig gewaltsam unterdrückt. Soziale Harmonie ist in Indonesien Voraussetzung für Gleichheit, Einheitlichkeit und Zentralität.

Das Inselreich Indonesien ist keine gewachsene und keineswegs eine homogene Nation, sondern ein historisches Konstrukt der kolonialen Geschichte in Südostasien.[26] In der jüngeren Geschichte Indonesiens kam es, trotz des seit der Unabhängigkeitserklärung 1945 auf dem Staatswappen fixierten Staatsmottos „Bhinneka Tunggal Ika“ und der in der Verfassung[27] verankerten Staatsideologie Pancasila[28], immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Nasikum[29] schrieb 1984, dass die Konflikte um nationale Integration auf lange Sicht ein ernstes Problem Indonesiens werden könnten. Die Interessen unterschiedlichster Gruppierungen würden immer bedeutender werden, sodass sie weiter divergieren und es schließlich zu Spannungen käme.[30]

Gewalt ist kein neues Phänomen in Indonesien. Als eine Form des sozialen Systems ist sie, wie in anderen Ländern auch, Teil der Kultur. Dennoch gilt speziell für Indonesien: „[…] The recent series of acts of violence, the mass scale of these bloody events, can not be pushed aside with the argument that such things also happen in other parts of the world.“[31] In der Politik hat Indonesien gezeigt, dass ein friedliches Miteinander möglich ist und die Folge sozialen Lernens sein kann. So trifft das Parlament seit geraumer Zeit schon Entscheidungen per Konsens. Doch für Auseinandersetzungen innerhalb des Staatsgebietes gibt es anscheinend noch keinen Lösungsansatz, der darüber hinaus präventiv wirkt.

So kam es in folgenden Regionen Indonesiens wiederholt zum Ausbruch von Kämpfen: In West- und Zentral-Kalimantan bekämpfen sich Dayaks und Maduresen; in Aceh gab es seit der Unabhängigkeit Indonesiens immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Bewegung Freies Aceh (GAM) und dem Militär; in Situbondo und Tasikmalaye wurden im Jahre 1996 Kirchen und das Eigentum von Chinesen zerstört; in Poso (Zentral Sulawesi) töteten Christen Muslime; kurz vor dem Rücktritt Suhartos im Mai 1998 wurden Demonstranten in Jakarta auf offener Straße erschossen; in Ost-Java wurden 1998 Anhänger von Naturreligionen der Hexerei angeklagt und Hunderte ermordet und in den Selbstmord getrieben; in der Provinz Papua gibt es Gewalt als Folge von Separationsbemühungen seitens der Bevölkerung; in Ost-Timor wurden nach dem Unabhängigkeitsreferendum am 30. August 1999 Separatisten vom Militär getötet und Gebäude in der Hauptstadt Dili zerstört; in Auseinandersetzungen auf den Molukken bekämpfen sich seit 1999 Christen und Muslime. Es gab über 1,3 Millionen registrierte Flüchtlinge von den Molukken, Ost-Timor, Aceh, Zentral-Sulawesi, West- und Zentral-Kalimantan und Papua (Stand: 20. August 2001).[32] Adam Schwarz spricht in diesem Zusammenhang von einem „paroxysm of violence“[33]. Hinzu kommt, dass seit dem Sturz von Suharto 1998 in Indonesien vermehrt Spannungen zwischen Christen und Muslimen oder ethnischen Gruppen auftreten.

Die Konflikte in Indonesien haben häufig ähnliche Gründe. So liegt der Ursprung für die Auseinandersetzungen in Aceh und Irian Jaya (West Papua)[34] darin, dass sich diese Gebiete ausgebeutet und ungleich behandelt fühlen und die Unabhängigkeit anstreben. Auch wenn es Separationsbemühungen bereits früher gab, so können die heutigen Auseinandersetzungen nicht als pure Weiterführung der Geschichte gesehen werden. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der GAM, wie sie heute existiert, können nicht mit den vergeblichen Bestrebungen der DI/TII[35] in den 1950er Jahren in Aceh verglichen werden, da einige Faktoren allein schon wegen epochaler Unterschiede nicht miteinander vergleichbar sind.

Nach einer Auflistung von Ingrid Wessel[36] gab es in den 1990er Jahren mindestens 50 Fälle unterschiedlichster Gewalt in Indonesien, die größtenteils ihre Wurzeln in der Vergangenheit hatten. Diese Beispiele zeigen, dass nicht immer das Volk Ausgangspunkt von Gewalt war. Häufig war es erst die Intervention des Militärs, die das Volk zu einem gewalttätigen Mob werden ließ.

Vielfach handelte es sich in Indonesien um staatlich organisierte Gewalt. Dies bedeutet, dass entweder staatliche Organisationen und Behörden, wie zum Beispiel die Armee oder die Polizei, direkt mit Waffengewalt beteiligt waren oder im Hintergrund als Organisatoren, die Hilfe bei der Logistik und sogar Waffen bereitstellten, und ideologische Initiatoren auftraten. Dennoch hat sich Gewalt immer wieder vom kalkulierten Mittel, das sparsam eingesetzt wird, um bestimmte Ziele zu verfolgen, zu einem nicht zu kontrollierbaren Produkt entwickelt, das allen Schaden bringt und eigenen Gesetzen gehorcht.

Bereits in der Kolonialzeit unter der Herrschaft der Niederlande gibt es Beispiele für staatlich organisierte Gewalt, die das Ziel hatte, die Einheit des Archipels zu wahren.[37] So unterdrückten die Niederlande in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nationalistische Bewegungen gewaltsam.

„Das zwar nur dreijährige, für die weitere Geschichte jedoch zentrale japanische Zwischenspiel (1942-1945) zeichnete sich ebenfalls durch ein hohes Maß an Gewalt und eine zunehmende gesellschaftliche Durchdringung mit gewaltförmigen Organisationen sowie eine mobilisatorische Ideologie des bewaffneten anti-imperialistischen (d.h. gegen die westlichen Mächte gerichteten) Kampfes aus. Gewaltsam verlief auch der Weg in die Unabhängigkeit (1947-1949) […].“[38]

Die Armee trat während der Gewalt in den Jahren 1965 und 1966 häufig nur im Hintergrund als Akteur auf. Die meisten Opfer der Gewaltwelle von 1965/66 fielen nicht Soldaten, sondern besonders Jugendorganisationen islamischer Gruppierungen und anderen anti-kommunistischen Aktivisten zum Opfer.[39] Dies ist ein Beleg dafür, dass es das Militär verstand, die Massen zu mobilisieren und zu instrumentalisieren. Hinzu kam, dass ab dem Jahr 1988 staatliche Gewalt zunehmend privatisiert wurde. Strategische Industrien einschließlich der großen internationalen Konzerne sollten eigens abgestellte Schutztruppen erhalten. Dadurch verwandelten sich Teile der Armee in private Milizen, die de facto durch private Unternehmen befehligt wurden. Als Folge fiel es der zentralen Militärführung schwierig, Kontrolle über einzelne Einheiten auszuüben, sodass Teile der Armee häufig eigene Interessen verfolgten.

In Aceh agierte das Militär als Akteur, als die wiederauflebende GAM[40] ab 1990 durch die Armee immer stärker unterdrückt und verfolgt wurde. Das Militär bildete unter Zwang sogar Zivilisten aus, auf GAM-Milizen Jagd zu machen.[41] Das gleiche gilt für Ost-Timor[42], wo Indonesien am 7. Dezember 1975 einmarschierte und besonders nach dem Unabhängigkeitsreferendum am 30. August 1999 mit Gewalt die Zugehörigkeit zur Republik sichern wollte.[43] Besonders in Aceh wird deutlich, dass der Konflikt in seinen Grundstrukturen in die Zeit kolonialer Eroberung zurückreicht und an den Prozess von De-Kolonialisierung und Nation-Building anknüpft. So berief sich die GAM zur Legitimation des Feldzuges auf ihre Wurzeln im Kampf gegen die niederländische Kolonialmacht und die japanische Besatzung im Zweiten Weltkrieg.[44]

Ein weiteres Beispiel für staatlich angefachte und unterstützte Gewalt ereignete sich in Poso, Zentral-Sulawesi. Dort gab es Mitte April 2000 gewalttätige Auseinandersetzungen, die sechs Menschen das Leben kosteten. 138 Familien mussten evakuiert werden, 250 Häuser, ein Gotteshaus, drei Schulen und eine Polizeistation wurden niedergebrannt. Anlass der gewalttätigen Auseinandersetzungen war das Gerücht, dass die Polizei drei Menschen erschossen hätte.[45]

Freek Colombijn führt in seinem Essay „What is so Indonesian about Violence?“[46] weitere Exempel für örtlich begrenzte Gewalt durch den Staatsapparat auf. So können die Unruhen während der Wahlen 1974 in Verbindung mit dem Malari-Aufstand oder die so genannten „Petrus Morde“[47] als Beispiel dafür gesehen werden, dass der Staat organisierte Gangs anheuerte oder durch die Armee selbst als Akteur auftrat, um für Unruhen zu sorgen und diese zu schüren. Es gibt noch weitere Exempel für diese so genannten „civil-military cooperation“[48], bei denen das Militär mit Teilen der Bevölkerung zusammenarbeitet. So zum Beispiel die gewalttätigen Auseinandersetzungen nach dem Putschversuch durch Kommunisten am 1. Oktober 1965, die vom Staat instrumentalisiert und angefacht wurden. In Ost-Timor führte die Armee infolge der Invasion einen regelrechten Genozid durch, bei dem nahezu ein Drittel der Bevölkerung Ost-Timors ihr Leben lassen musste. Dieser knappe Überblick verdeutlicht, dass Gewalt als Mittel der Politik über Jahrzehnte angewendet wurde.

Die letzten vier Jahre der Herrschaft Suhartos (1994-1998) waren gekennzeichnet durch Gewalt, im Besonderen gegen Indonesier chinesischer Abstammung.[49] Auffällig hieran ist, dass die Gewalt gegen die hauptsächlich in der Mittelklasse angesiedelten Chinesen auftrat, bevor die wirtschaftliche Krise in Indonesien begann, also in erster Linie nicht mit ökonomischem Neid zu erklären ist.

Grundsätzlich sind gewalttätige ethnische, religiöse und kulturelle Auseinandersetzungen ein integraler, konstitutiver und allgegenwärtiger Bestandteil Indonesiens. In diesem Zusammenhang wäre es aber unangemessen zu verallgemeinern und von einer Erfahrung mit ethnischer, religiöser und kultureller Gewalt zwischen Christen und Muslimen zu sprechen, die ganz Indonesien betrifft. Vielmehr ist jede Region für sich selbst zu betrachten, da sie unterschiedliche Ethnien beheimaten. „It seems that a very strong social identity and its corollary of dehumanized Other lies at the root of all sorts of Indonesian violence. This is exacerbated by the problems Indonesians experience in accepting a defeat (at a referendum, a football match, and so on).“[50] Kennzeichnend für Indonesien sind nicht die Gewalt oder die Beteiligten der Gewalt, sondern unter anderem das Vokabular, welches verwendet wird.[51]

Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass in Indonesien ein Machtwechsel selten geregelt ablief. Könige hatten ihre Nachfolger entweder unter Blutsverwandten oder wurden mit Gewalt vom Thron gedrängt und der Staatsgründer Sukarno wurde von Suharto mit Hilfe des Militärs nach blutigen Aufständen des Amtes enthoben. Bei Regimewechseln fanden also nicht selten tausende Menschen den Tod. „Zeiten des Umbruchs – die Revolution von 1945/46 ebenso wie die Krise im Gefolge der Wahlen von 1955 oder aber die Jahre vor dem Putsch von 1965 – erwiesen sich bislang als Zeiten der Massenmobilisation und -agitation, als Zeiten politischer Morde und bewaffneter Kämpfe zwischen Hunderten von autonom agierenden Gruppierungen.“[52] Menschen, die umgeben von Not und Gewalt sind, definieren sich stärker über ethnische und religiöse Identitäten. Ökonomische, politische oder soziale Gewalt produziert immer neue Identitäten und die Rollen von Täter und Opfer werden neu definiert.

In Indonesien kam es durch die historische Entwicklung der gesellschaftlichen Praxis von Gewalt und die Unterstützung durch das politische Handeln zu einem gewaltfördernden Rahmen in der Gesellschaft. Dennoch würde ich nicht mit Samuel Huntington übereinstimmen, der islamisch geprägten Kulturen eine besondere Aggressivität zuschreibt.[53] Die zahlreichen Ausbrüche der Gewalt in Indonesien seit dem Ende der Suharto-Ära sind nicht alleine mit dieser Begründung zu erklären. Die wirtschaftliche Krise, in die Indonesien ab 1996 geriet, sorgte für große Verunsicherung und eine politische Krise, die das Ende der Regierung Suharto zur Folge hatte und von gewalttätigen Auseinandersetzungen begleitet wurde.

Bei der Suche nach den Wurzeln von Auseinandersetzungen besteht die Gefahr, dass man sich auf die geschichtlichen Faktoren beschränkt. Problematisch bei der rein historischen Betrachtung von Gewalt, ist die Verallgemeinerung von Verhaltensmustern. Dies kann zu kulturellen Vereinfachungen führen, die Gewalt inhärent und als Charakteristika bestimmter Kulturen sehen.[54] So wird Molukkern nachgesagt, dass sie Heißsporne wären und die Provinz Aceh außerhalb jeglicher Kontrolle stünde und Autoritäten immer Widerstand leisten würde.[55] Solche Annahmen würden jegliche Hoffnung auf Frieden zerstören und stellen Kultur als ein statisches System dar. „If the violence is embedded in Indonesian culture, no individual can be held responsible for the violence; violence is located outside free will.“[56] Gewalt muss immer im historischen, lokalen und gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden, sonst gerät man in Gefahr einer kulturalistischen Vereinfachung, die sehr leicht in Rassismus münden kann. Kultur kann im Zusammenhang mit Identität helfen, die Wurzeln von Gewalt zu erklären, aber nur dann, wenn beides als dynamische Prozesse verstanden werden.

Die Rolle des Militärs und sozialer Gruppen, ethnische Spannungen, eine starke soziale Identität und sogar eine ‚Dehumanisierung’ des Anderen können auch in anderen Kulturkreisen gefunden werden. Was aber so charakteristisch für Indonesien scheint, ist die Kombination der Faktoren.

Eine Kultur der Gewalt existiert nicht flächendeckend über das gesamte Indonesien. Dies ist daraus abzuleiten, dass jede Region unterschiedliche Bevölkerungsgruppen beheimatet und jeder Konflikt unterschiedliche auslösende Faktoren hatte. Dennoch kann in einer bestimmten Region eine Kultur der Gewalt geschaffen werden. Zum Beispiel dann, wenn die traditionelle Ordnung durch äußere Einflüsse verändert wird und die Menschen die vorherrschenden Identitäten gegen traditionelle Identitäten wie Religion oder Ethnie, die Sicherheit suggerieren, eintauschen. An diesen Grenzen der Identitäten bricht dann häufig Gewalt aus, die die Menschen prägt und ganze Gesellschaften verändern und beeinflussen kann. Die geschaffene Angst vor der Instabilität der Gesellschaft und neuen Ausbrüchen der Gewalt wirkt lange Zeit nach und kann über Jahrzehnte fortgetragen werden.

3 Hintergründe der Gewalt auf den Molukken

Bei den Auseinandersetzungen auf den Molukken spielten verschiedene Kategorien von Gewalt eine große Rolle und häufig bedingten sich diese gegenseitig. Für ein besseres Verständnis der Auseinandersetzungen sind ein knapper geschichtlicher Überblick sowie eine Erläuterung der Transmigrasi-Politik unter Suharto hilfreich, da sie die Ursprünge der lokalen Faktoren der Gewalt beinhalten.

3.1 Geschichte der Molukken

Die Molukken waren in kolonialer Zeit unter dem Namen Gewürzinseln bekannt.[57] Die ersten europäischen Stützpunkte wurden zwischen 1509 und 1512 von den Portugiesen errichtet, die die Gewürzroute von den Molukken nach Europa kontrollierten. Die 1602 gegründete niederländische Vereinigte Ostindien-Kompanie (VOC; Vereenigde Oostindische Compagnie)[58] kontrollierte bis 1799 von Batavia, dem heutigen Jakarta, aus den Gewürzhandel. Anschließend wurde die bankrotte VOC aufgelöst und die niederländische Krone übernahm die Kontrolle. Diese gliederte den Archipel Indonesien nach und nach ihrem Kolonialreich ein. Ein Vorgang, der erst Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Aufnahme von Bali und Aceh abgeschlossen wurde.

Im Krieg mit Napoleon wurden die niederländischen Besitzungen von Großbritannien besetzt (1796-1802 und 1810-1816).[59] Während des 2. Weltkriegs besetzte Japan die Inseln. Bis Ende September 1945 wurde die Japanische Armee von britischen und amerikanischen Streitkräften von den Inseln vertrieben. Am 17. August 1945 erklärte sich Indonesien mit der Ausrufung der Republik in Jakarta unabhängig. Zwischen 1945 und 1947 führte Indonesien einen Befreiungskrieg gegen die Niederlande, die immer noch Anspruch auf den Archipel einforderten. Am 27. Dezember 1949 wurde mit dem Vertrag von Den Haag die Unabhängigkeit für ganz Indonesien, außer Westirian und die Süd-Molukken, beschlossen. Am 24. März 1950 gewährten die Niederlande der christlich geprägten Republik Süd-Molukken (RMS; ‚Republik Maluku Selatan’) mit der Hauptstadt Ambon die Unabhängigkeit.[60] Folgende Inselgruppen gehörten zur RMS: Ambon, Buru, Seram, Kai, Aru, Tanimbar, Babar, Leti und Wetar. Der Sezessionsversuch wurde 1952 von der indonesischen Armee jedoch mit Waffengewalt beendet. Die Kämpfe hatten einen traumatischen Einfluss auf die Bevölkerung.[61]

Viele Einwohner der Molukken kooperierten während der Kolonialzeit mit den Niederländern, nahmen den christlichen Glauben und niederländische Sitten und Gebräuche an.[62] Missionarsschulen wurden gegründet, wo die Schüler eine bessere Ausbildung als auf anderen Schulen genossen. In der niederländischen Kolonialarmee stellten Molukker einen Großteil der Soldaten. Im Kampf der Niederländer gegen die ‚Javanische Befreiungsarmee’, die ein unabhängiges und geeintes Indonesien anstrebte, hielten die Molukker bis zuletzt neben der Kolonialmacht Niederlande aus.[63] Im Gegenzug versprachen die Niederlande bei den Vereinten Nationen eine unabhängige, christliche Republik Maluku Selatan gegen den Willen Indonesiens durchzusetzen. Nach dem gescheiterten Versuch der Unabhängigkeit Maluku Selatans wanderten ungefähr 40.000 Molukker in die Niederlande aus, wo sie eine noch heute bestehende Exilregierung einsetzten.[64] Christlichen Ambonesen wurde in der Armee der Kolonialmacht Niederlande mehr Sold bezahlt, als Javanischen Soldaten. Dies wurde damit begründet, dass Ambonesen durch den christlichen Glauben eine größere Loyalität gegenüber den ebenfalls christlichen Kolonialherren hätten.

Auf den Molukken beanspruchen Dorfvorsteher eine besondere Stellung in der Gesellschaft. So haben sie auf Ambon seit der niederländischen Kolonialzeit den Titel eines Königs (raja negeri). Die Abstammung spielt für Molukker auch mit dem Ende der unabhängigen Republik Süd-Molukken immer noch eine große Rolle. Mit Hilfe der Herkunft aus bestimmten Dörfern unterscheiden die Bewohner zwischen Dazugehörigen und Außenstehenden.

Neben der Herkunft ist die soziale Einteilung der Gesellschaft in der Vergangenheit bis heute von Bedeutung. Diese sozialen Segmente waren traditionell in drei unterschiedliche Klassen aufgeteilt, den Adel, das Bürgertum und die Sklaven. Auch wenn diese Einteilung etwas überholt erscheint, so herrscht sie in großen Teilen der Molukken immer noch vor und die Abstammung aus dem Adel war bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch eine Notwendigkeit, um der provinzialen Regierung angehören zu dürfen.

Auf den Molukken war aufgrund der Vergangenheit das Potenzial für Spannungen entlang zweier Linien angeordnet: Die örtliche und die soziale Herkunft. Entlang dieser beiden Konfliktlinien kam es in der Vergangenheit häufig zu lokal begrenzten Auseinandersetzungen, die hauptsächlich zwischen ganzen Dörfern ausgetragen wurden.

[...]


[1] Die Bezeichnung „Indonesien“ wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts durch die gegen die niederländischen Kolonialherren geprägte Unabhängigkeitsbewegung aus der ehemaligen Bezeichnung „Niederländisch-Indien“ erschaffen.

[2] Der Inselname Molukken geht auf das einheimische Wort „Maluku“ zurück, was soviel wie „Hauptinseln“ heißt. Die Molukken sind in zwei Provinzen geteilt: Nord-Molukken und Molukken. So weit nicht anders gekennzeichnet, beziehe ich mich bei der Verwendung des Begriffs Molukken auf die gesamte Region und nicht nur auf die Provinz gleichen Namens.

[3] Ambon ist sowohl der Name der Hauptstadt der Molukken („Kota Ambon“) als auch der Insel („Pulau Ambon“), auf der die gleichnamige Stadt liegt.

[4] Von den rund zwei Millionen Einwohnern der Provinzen Nord-Molukken und Molukken sind ca. 59% Muslime, 35,3 % Protestanten, 5,2% Katholiken und der Rest Hindus, Buddhisten und andere. In den Nord-Molukken machen die Muslime in etwa 70% der Bevölkerung aus, in den Molukken ca. 50%. Quelle: www.websitesrcg.com/ambon/Malukupop.htm Abruf am 17. Juni 2006. In Gesamt-Indonesien ist der Anteil der Muslime ca. 88%.

[5] Indigen wird in dieser Arbeit in Abgrenzung zu Migranten und zugezogener Bevölkerung verwendet.

[6] In dieser Arbeit werde ich im Allgemeinen weder zwischen Sunniten und Schiiten noch zwischen Katholiken und Protestanten unterscheiden, sondern die jeweiligen Überbegriffe für die Glaubensrichtungen verwenden. In Indonesien wird zwischen Protestanten, die als „Christen“ (Kristen) bezeichnet werden, und Katholiken (Katolik) unterschieden.

[7] Das Ende der Auseinandersetzungen wird von der Mehrheit der Literatur in den Verlauf des Jahres 2003 gelegt. Am 25. April 2004 kam es aber zu gewalttätigen Kämpfen zwischen Christen und Muslimen in die auch die Polizei hineingezogen wurde. vgl.: Crisis Center PGI; Chronology of Ambon Unrest. Ambon 25 April 2004; http://www.websitesrcg.com/ambon/documents/PGI-April25-2004.htm abgerufen am 12.9.2006

[8] vgl.: Bubandt, Nils; Malukan Apokalypse – Themes in the dynamic of violence in eastern Indonesia; S. 231 in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 228-253

[9] Anmerkung zur Schreibweise: Die indonesischen Namen und Begriffe werden in dieser Arbeit nach der neuen Rechtschreibung von 1972 behandelt, außer in Zitaten.

[10] vgl.: Meyers Großes Taschenlexikon; Mannheim/Wien/Zürich: B.I. Taschenbuchverlag 1990; Band 8, S. 176

[11] vgl.: Munir; Indonesia , Violence and the Integration Problem; in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 17-24

[12] Russel G. Geen vertritt die These, dass Aggression die direkte Folge sozialen Lernens sei. Demnach ist Aggression eine durch Beobachtung angeeignete Antwort auf das Verhalten Anderer. vgl.: Geen, Russel G.; Aggression and antisocial behavior; in: Gilbert, Daniel T. et al. (edt.); The handbook of social psychology; Boston: McGraw-Hill 1998; S. 317-356

[13] vgl. weiterführende Literatur über den Zusammenhang von Gewalt, sozialem Zusammenleben und Entwicklungspsychologie:

- Eskola, Antti; Human consciousness and violence; S. 19-22; in: Väyrynen, Raimo et al., (edt.); The quest for peace. Transcending collective violence and war among societies, cultures and states. London: Sage 1987; S. 19-31
- Geen, Russel G.; a.a.O.; S. 318-319; a.a.O.; 1998
- Genoves, Santiago; Is peace inevitable? Aggression, evolution, and human destiny. S. 43-61; New York: The Free Press of Glencoe; 1961

[14] vgl. zum Thema von Gruppengewalt in Indonesien: Varshney, Ashutosh, Rizal Panggebean, Mohammad Zulfan Tadjoeddin; Patterns of Collective Violence in Indonesia (1990-2003). United Nations Support Facility for Indonesian Recovery – UNSFIR: Jakarta 2004

[15] Berg-Schlosser, Dirk; Politische Kultur. S. 389; in: Dieter Nohlen (ed.); Kleines Lexikon der Politik; München: Beck 2001; S. 389f.

[16] Aditjondro, George Junus; Guns, Pamphlets and Handie-Talkies. How the military exploited local ethno-religious tensions in Maluku to preserve their political and economic privileges; S. 106; in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 100-128

[17] vgl. zur Testreihe: Farver, Jo Ann M. et al.; Toy stories. Aggression in children´s narratives in the United States, Sweden, Germany, and Indonesia; Journal of cross-cultural psychology, Vol. 28, Nr. 4, S. 393-420

[18] vgl.: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 14

[19] vgl. zum Konzept der Kultur der Gewalt: Rupesinghe, Kumar und Marcial Rubio C. (edt.); The culture of Violence. Tokyo, New York, Paris: United Nations University 1994

[20] nach amtl. Zensus 1999 soll die Bevölkerungszahl nur 203 Mio. betragen; alte Werte sind bisher nicht revidiert (kontinuierliches Bevölkerungswachstum in den letzten Jahren von rund 2%); Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=2&land_id=61; abgerufen am 4. April 2006

[21] vgl.: http://www.bmz.de/de/laender/partnerlaender/indonesien/index.html; abgerufen am 3. April 2006

[22] vgl.: http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=2&land_id=61; abgerufen am 4. April 2006

[23] indon. Bezeichnung. Die Aliran Kepercayaan ist eine mystische Gruppierung und kulturelle Richtung, die dem Javanismus sehr eng verbunden ist.

[24] vgl.: Morigi, Andrea; Vittorio Emanuele Vemole; Chiara Verna (edt.): Religionsfreiheit weltweit; Schriftenreihe Kirche in Not/Ostpriesterhilfe, Spanien, 2001

[25] adat (indon./arab.: „Bräuche“, „Gewohnheit“): Bezeichnung für das ungeschriebene Recht/Tradition. Das Adat-Recht steht häufig als Parallelstruktur neben dem kodifizierten staatlichen Recht und religiösen Rechtsnormen. Das Adat-System kann Besitzverhältnisse, Rituale, Kleidungsvorschriften, Regeln für Feste und Heiratsbeziehungen, Austauschverhältnisse, Vererbungsregeln, Titel und Entscheidungsstrukturen in Gemeinden regeln. Eine Adat-Sitzung kann auch als Ältestenrat bezeichnet werden.

[26] vgl.: Aditjondro, George Junus; The Tragedy of Maluku; http://www.geocities.com/ambon67/noframe/gja2k_1.htm abgerufen am 20.9.2006

[27] Kompletter Text der Verfassung Indonesiens auf Englisch unter http://inic.utexas.edu/asnic/countries/indonesia/ConstIndonesia.html; abgerufen am 28. August 2006

[28] indon.: „Fünf-Lehre”; Nach der Pancasila ruht die indonesische Weltordnung auf fünf fundamentalen weltanschaulichen Prinzipien: Glaube an einen (allmächtigen) Gott; Humanität; Nationale Einheit; auf Konsens basierende/beratende Demokratie; soziale Gerechtigkeit. Die Pancasila zielt auf eine kulturell unabhängige Identität ab, die den Ansprüchen einer kulturell heterogenen Bevölkerung entsprach.

[29] vgl.: Nasikum; Sistem Sosial Indonesia; Jakarta: CV Rajawali 1984

[30] vgl. dazu auch: Munir; a.a.O.; S. 18; 2001

[31] Wessel, Ingrid; The Politics of Violence in New Order Indonesia in the Last Decade of the 20th Century; S. 64; in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 64-81

[32] vgl.: Dijk, Kees van; A country in despair; Indonesia between 1997 and 2000. Leiden: KITLV Press 2001; S. 185-216, 359-398; Schwarz, Adam; A nation in waiting; Indonesia´s search for stability. Second Edition. St. Leonards: Allen and Unwin 1999; S.354-358, 387f., 400f.

[33] Schwarz, Adam; a.a.O.; 1999; S. x

[34] ab 1969 Gebiet für Militärische Operationen (DOM; Daerah Operasi Militer) gegen die “Organisation Freies Papua” (OPM; Organisasi Papua Merdeka); vgl. zum Konflikt in Irian Jaya und der dortigen Anwendung besonders von sexueller Gewalt durch das Militär: United Nation Report of the Special Rapporteur on violence against women, its causes and consequence; Radhika Coomaraswamy, Economic and Social Council, Distr. General, E/CN. 4/1999/68/Add.3, 21. Januar 1999; S. 11-15; Amnesty International and Human Rights Watch; Indonesia . Release Prisoners of Conscience Now! A Joint Report. 4. Juni 1998

[35] Darul Islam/Tentara Islam Indonesia; indon. Haus des Islam/Islamische Armee Indonesien

[36] vgl.: Wessel, Ingrid; a.a.O.; S. 79-81; 2001

[37] Zum Beispiel der Padri-Krieg in West-Sumatra (1821-1838) oder der Java-Krieg (1825-1830). Vgl.: Schulte Nordholt, Henk und Margreet van Till; Colonial Crimes in Java, 1870-1910. in: Rafael, Vicente L. (edt.); Figures of criminality in Indonesia, the Philippines and colonial Vietnam. Ithaca: Cornell Southeast Asia Program 1996; S. 47-69; Stoler, Ann Laura; Capitalism and confrontation in Sumatra’s plantation belt, 1870-1979. New Haven and London: Yale University Press 1985; S.47-92

[38] Kreuzer, Peter; Politik der Gewalt – Gewalt in der Politik. Indonesien. HSFK-Report 4/2000; Frankfurt/Main: Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung; S. 43

[39] vgl.: Kreuzer, Peter; a.a.O.; 2000; S. 45

[40] Gerekan Aceh Merdeka; indon.: Freiheitsbewegung Aceh/Bewegung Freies Aceh

[41] Durch die einsetzende internationale Hilfe wurde die im Mai 2003 per militärischem Notstandsrecht verhängte Isolierung der Provinz Aceh faktisch aufgehoben. Doch trotz des enormen Ausmaßes der Katastrophe hielten die Auseinandersetzungen zwischen indonesischem Militär und der GAM weiter an, bevor sie formal im August 2005 durch ein Friedensabkommen beendet wurden. Dabei ist davon auszugehen, dass der internationale Druck von Hilfsorganisationen und Geberländern den Friedensprozess beschleunigt hat.

[42] mehr zum Konflikt in Ost-Timor vgl.: Carey, Peter; Historical Introduction; in: Cox, Steve und Peter Carey; Generations of resistance in East Timor. London: Cassel 1995; Jardine, Matthew; East Timor . Genocide in Paradise. Tucson: Odonian Press 1995

[43] vgl.: Colombijn, Freek; What is so Indonesian about Violence?; S.33; in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 25-46

[44] mehr zum Konflikt in Aceh vgl.: Barter, Shane Joshua; A Cosmopolitan Conflict? Aceh as a New War; S. 27-40; Patrick Ziegenhain; Politische und materielle Interessen im Aceh Konflikt; S. 41-58; beide in: Waibel, Michael, Rolf Jordan und Helmut Schneider (edt.); Krisenregion Südostasien – Alte Konflikte und neue Kriege; Bad Honnef: Horlemann 2006

[45] vgl.: Munir; a.a.O.; S. 22; 2001

[46] Colombijn, Freek; a.a.O.; 2001

[47] Petrus steht für „penembak misterius“, was so viel bedeutet wie „mysteriöse Schützen“. In den Jahren 1982-1985 ermordeten Militärkräfte verdächtige Verbrecher auf offener Straße, stellenweise aus dem Hinterhalt, ohne gerichtliches Verfahren.

[48] Robinson, Geoffrey; The dark side of paradise. Political violence in Bali; S. 298; Ithaca und London: Cornell University Press 1995

[49] vgl.: Sidel, John T.; Riots, Church Burnings, Conspiracies – The moral economy of the Indonesian crowd in the late twentieth century. S. 48; in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 47-63

[50] Colombijn, Freek; a.a.O.; S. 39; 2001

[51] So gibt es besondere Begriffe für Jugendliche, die an Gewalt beteiligt sind: z.B. jago (Leiter einer Gruppe) oder preman (Rowdy oder Gangster), die beide eine tendenziell revolutionäre Bedeutung haben. Vgl. u.a.: Berry, John W. et al. (edt.); Cross-cultural psychology. Research and applications. S. 66-67; Cambridge etc.: Cambridge University Press 1992; Smith, Peter B. und Michael Harris Bond; Social psychology across cultures. 2. Edition; S. 86; London: Prentice Hall Europe 1998

[52] Kreuzer, Peter; a.a.O.; 2000; S. 51

[53] Huntington, Samuel; Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. München, Wien 1998; S. 415ff.

[54] vgl.: Colombijn, Freek und J. Thomas Lindblad; Roots of Violence in Indonesia. Contemporary violence in historical perspective. S. 9; Leiden: KITLV Press 2002

[55] für eine Widerlegung des kulturalistischen Vorwurfes vgl.: Colombijn, Freek; What is so Indonesian about Violence?; in: Wessel, Ingrid und Georgia Wimhöfer (edt.); Violence in Indonesia; Hamburg: Abera 2001; S. 25-46; Robinson, Geoffrey; Rawan is as rawan does; The origins of disorder in New Order Aceh; S. 129-133; Indonesia 66; S. 127-156

[56] Colombijn, Freek und J. Thomas Lindblad; Introduction; S. 9; in: Colombijn, Freek und J. Thomas Lindblad; Roots of Violence in Indonesia. Contemporary violence in historical perspective; Leiden: KITLV Press 2002; S. 1-31

[57] vgl. für eine ausführliche Darlegung der Geschichte Indonesiens bis zum Jahre 2001: Lustermann, Henning; Die vertikale Staatsorganisation Indonesiens zwischen föderalen und unitarischen Strukturelementen: Indonesien auf dem Weg zum Bundesstaat?; Schriftenreihe des Europäisches Forum für Außenwirtschaft, Verbrauchssteuern und Zoll e.V. an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Hrg.); Band 6; Aachen: Mendel Verlag 2002; S. 89-140

[58] Die VOC war die erste börsennotierte Aktiengesellschaft der Welt.

[59] Die Niederlande wurde im Rahmen der Napoleonischen Kriege von Frankreich unterworfen, sodass die Engländer versuchten, das durch die Niederlande hinterlassene Machtvakuum in „Niederländisch-Indien“ auszufüllen.

[60] Weiterführende Literatur: Decker, Günter: Republik Maluku Selatan: Die Republik der Süd-Molukken; Untersuchungen und Dokumente zum Selbstbestimmungsrecht der Ambonesen, zum Föderalismus und Kolonialismus in Indonesien. Göttingen: Schwartz, 1957. Becker, Petra Maria; Die ethnische Sonderstellung der Ambonesen in Indonesien in der Zeit vor und nach Erlangung der politischen Unabhängigkeit. MA, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Ethnologie und Afrikastudien 1994, III, 97Bl.

[61] Die übrig gebliebenen Truppen der RMS versteckten sich im Inneren von Seram und führten einen Guerilla-Krieg gegen die Armee bis 1964, als der RMS-Präsident in Jakarta zum Tode verurteilt wurde. Vgl.: Wolff, Xenia Y. & Margaret Florey; Foraging, agricultural, and culinary practices among the Alune of West Seram, with implications for the changing significance of cultivated plants as foodstuffs; S. 270; in David Mearns und Chris Haley (eds). Remaking Maluku: social transformation in Eastern Indonesia; Special Monograph No. 1, Darwin: Centre for Southeast Asian Studies, Northern Territory University 1996

[62] vgl. für ausführliche Informationen zur Geschichte der Molukken: Kreuzer, Peter; a.a.O.; 2000; S. 13-21

[63] Weitere ethnische Gruppen, wie die Javanesen und die Batak, waren auch in der Armee der niederländischen Kolonialmacht, größtenteils jedoch nur bis zum Ausbruch des Unabhängigkeitskriegs. Suharto, Indonesiens zweiter Präsident, war ein Sergeant in der Kolonialarmee und kämpfte für die japanisch-unterstützten paramilitärischen Truppen im Unabhängigkeitskrieg.

[64] vgl.: Cohen, Margot; Long road home: Moluccan exiles trickle back after 40 years. Far Eastern Economic Review, 30. März 1995; S. 22-23

Details

Seiten
109
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638594486
ISBN (Buch)
9783638866415
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68364
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Kultur Gewalt Konflikt Molukken Intervention Gruppen

Autor

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Titel: Kultur der Gewalt? Der Konflikt auf den Molukken und die Intervention religiöser Gruppen