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Die Bedeutung Jesu Christi im Islam und die sich daraus ergebenen Konsequenzen aus der Sicht christlicher Theologen

Hausarbeit 2006 19 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jesus Christus im Islam
2.1 Die Ankündigung und Geburt Jesu
2.2 Jesus, der Sohn der Maria
2.3 Jesus als Prophet und Gesandter
2.4 Die Rettung Jesu
2.5 Die Wiederkunft Jesu

3. Zwischenbetrachtung

4. Eine Stellungnahme christlicher Theologen: Welche Konsequenzen entstehen dadurch für die Christen?

5. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Die derzeitigen Sozialstudien zum Verhältnis von Muslimen und Christen häufen sich und stoßen auf ein großes Interesse in der Öffentlichkeit. Dabei geht es vor allem darum, die Weichen für einen christlich – islamischen Dialog zu stellen. Doch dieser Dialog kann nicht ohne die Berücksichtigung der theologischen Ebene geführt werden. Für Christen beeinflusst vor allem das Bild, das der Koran vom Christentum hat, die Bereitschaft zum Dialog. Daher ist ein Grundverständnis über jene im Koran gekennzeichneten Vorstellungen von großer Bedeutung. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Thematik in der Form, dass sie die Stellung Jesu Christi im Islam, die durch den Koran definiert ist, und die Reaktion christlicher Theologen darauf wiedergibt.

Ich beziehe mich im ersten Teil meiner Hausarbeit allein auf das Jesus – Bild im Koran, weil die Darstellung aller auf das Christentum bezogenen Aspekte zu weitläufig wäre. Diese Eingrenzung erscheint mir sinnvoll, da dies ein zentrales Thema des christlichen Glaubens ist.

Da der Koran seine Aufgabe darin sieht, das christliche Jesus – Bild zu berichtigen, werden dort nicht alle Lebensstationen Jesu ausgeführt. Im Vordergrund stehen die Aspekte, die der islamischen Anschauung widersprechen, sodass der Koran jene zu widerlegen versucht. Infolgedessen ist die Darstellung Jesu im Koran gleichzeitig auch ein Vergleich mit der christlichen Vorstellung von Jesus Christus.

Den ersten Teil der Hausarbeit schließe ich mit einer Zwischenbetrachtung ab. Diese soll nach der Gegenüberstellung Ansätze an möglichen Erklärungen für leicht miss zu verstehende Vorstellungen auf christlicher Seite und die daraus resultierende Ablehnung durch den Koran finden.

Im zweiten Teil gebe ich drei christliche Theologen, Hans Küng, Reinhard Leuze und Ralf Geisler, wieder, die sich zu dem Anspruch des Islam äußern und daraus Konsequenzen für das Christentum ziehen. Alle Ausführungen werden stets in Hinblick auf den christlich – islamischen Dialog beleuchtet, da dieser von aktueller Relevanz ist.

2. Jesus Christus im Islam

Jesus Christus und seine Mutter Maria spielen im Koran und damit im Islam eine besondere Rolle. Jesus werde insgesamt 25 mal mit dem arabischen Namen ´Isa genannt[1].

2.1 Die Ankündigung und Geburt Jesu

Bevor Jesus überhaupt Erwähnung findet, berichtet der Koran von seiner Mutter Maria, die wegen ihrer Reinheit „[...] vor den Frauen der Menschen in aller Welt [von Gott] auserwählt[2] wurde. In Sure 3 kündigen Engel Maria an, dass Gott sie auserwählt und rein gemacht habe, um das Wort Gottes in Form von Jesus Christus zu empfangen[3]. An dieser Stelle wird bereits ausgesagt, dass Jesus „[...]einer von denen [ist], die (Gott) nahe stehen“[4] werden. Die Sure 19 widmet sich allein der Mutter Jesu. Der erste Teil dieser Sure, deren Titel auch Maria lautet, schildert, wie sie sich von ihrer Familie entfernt, der Geist ihr erscheint und dieser ihr offenbart, dass sie einen Sohn gebären werde[5]. Der Geist verkündet: „ Und (wir schenken ihn [Jesus] dir) damit wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen, und weil wir (den Menschen) Barmherzigkeit erweisen wollen.“[6] Das Auftreten des Geistes bedeutet die Ankündigung und gleichzeitig die Empfängnis Jesu. Auch hier trifft der Bote Gottes bereits Aussagen über die spätere Aufgabe Jesu: „Und (wir schenken ihn dir) damit wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen, und weil wir (den Menschen) Barmherzigkeit erweisen wollen[7]. Er soll als ein Zeichen auf Gott verweisen und ein Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit sein[8].

In den folgenden Versen wird die Geburt Jesu, die sich unter einer Dattelpalme abspielt, geschildert. Als Maria mit dem Kind im Arm zu ihrem Stamm zurückkehrt, werfen ihre Stammesleute ihr vor, ein uneheliches Kind zur Welt gebracht zu haben. Daraufhin wendet sich der/das Neugeborene, Jesus, an sie, indem er sagt: „Ich bin der Diener Gottes. Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht. Und er hat gemacht, dass mir, wo immer ich bin, (die Gabe des) Segen(s) verliehen ist, und mir das Gebet (zu verrichten) und die Almosensteuer (zu geben) anbefohlen, solange ich lebe [...]“[9]. Insofern verteidigt Jesus seine Mutter vor ihrem Volk und rettet ihr das Leben. Er deutet gleichzeitig an, welche heilsgeschichtliche Bedeutung ihm zukommen werde[10]. Von seiner Geburt an ist Jesus ein Prophet Gottes[11].

2.2 Jesus, der Sohn der Maria

Um einem falschen Verständnis vorzubeugen, spricht der Koran sich unmissverständlich gegen das christliche Jesus – Bild aus. Der Koran versteht Jesus zwar als bedeutenden Propheten und Gesandten Gottes, jedoch keinesfalls als Sohn Gottes oder gar Gott selbst. Zum Beispiel ist der Vers 35 einer von vielen Koranstellen, welche das streng monotheistische Verständnis des Islam betonen: „Es steht Gott nicht an, sich irgendein Kind zuzulegen. Gepriesen sei er! (Darüber ist er erhaben.) Wenn er eine Sache beschlossen hat, sagt er zu ihr nur: sei!, dann ist sie.[12] Gott hat Jesus nicht wie nach leiblicher Vorstellung gezeugt, sondern allein durch sein Wort geschaffen: „Jesus ist (was seine Erschaffung angeht) vor Gott gleich wie Adam. Den schuf er aus Erde. Hierauf sagte er zu ihm nur: sei!, da war er.[13] Damit versteht der Koran Jesus als einen Menschen ohne irdischen Vater[14], räumt aber auch eindeutig die Möglichkeit aus, dass Jesus Gottes Sohn ist. Muslime glauben, wie Christen, an die Jungfrauengeburt.

Der Koran weist nicht nur ein völlig anderes Bild von Jesus Christus auf, sondern wirft den Christen vor, dass sie die ursprüngliche Botschaft Jesu verfälscht haben, indem sie glauben, Jesus sei Gottes Sohn.

Aus dem Koran geht hervor, dass Jesus abstreitet, sich selbst neben Gott gestellt zu haben. Stattdessen verstand Jesus seine Aufgabe darin, allen Menschen zu verkünden, dass sie ihrem einen Gott dienen sollen.[15]

Indem die Christen mit ihrem Glauben an Jesus als Gottessohn dem einen Gott eine andere Gottheit beistellten, begehen sie die Sünde der Vielgötterei, welche nach islamischen Verständnis die größte Sünde des Menschen sei[16].

2.3 Jesus als Prophet und Gesandter

In Sure 2 beschreibt der Koran den Ursprung und Auftrag der Propheten, die entsandt wurden, um „[...] als Verkünder froher Botschaft und als Warner [...]“[17] aufzutreten. Jeder Prophet brachte den Menschen „[...] die Schrift mit der Wahrheit [...]“[18], welche sie anleiten sollte[19]. Nach der Sendung der Thora wurde Jesus herabgesandt. „Und wir ließen hinter ihnen her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätigte, was von der Thora vor ihm da war. Und wir gaben ihm das Evangelium, das (in sich) Rechtleitung und Licht enthält, damit es bestätige, was von der Thora vor ihm da war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.[20] Somit stellt Jesus ein Glied in der Kette der Propheten dar. Der Koran versteht die Aufgabe eines Propheten darin, die Botschaft der Vorgänger zu bestätigen und den kommenden Propheten anzukündigen[21].

Im Grunde ist die Aufgabe Jesu aus der Sicht des Korans dieselbe wie Mohammeds. Im Koran sagt Jesu: „“Ich bin mit der Weisheit zu euch gekommen, und um euch einiges von dem, worüber ihr uneins seid, klarzumachen. Daher fürchtet Gott und gehorchet mir! Gott ist mein Herr und euer Herr. Dienet ihm!“[22] “.

[...]


[1] vgl. Renz; Leimgruber, 2004, S. 152

[2] vgl. Sure 3, 42

[3] vgl. Sure 3, 42-48

[4] vgl. Sure 3, 45

[5] vgl. Sure 19, 16-21

[6] vgl. Sure 19, 21

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. Renz; Leimgruber, 2004, S. 154

[9] vgl. Sure 19, 30 f.

[10] vgl. Renz; Leimgruber, 2004, S. 154

[11] vgl. ebd.

[12] vgl. Sure 19, 35

[13] vgl. Sure 3, 59

[14] vgl. Troll, 2004, S. 27

[15] vgl. Sure 4, 171; 5, 116-119

[16] vgl. Renz; Leimgruber, 2004, S. 156

[17] vgl. Sure 2, 213

[18] vgl. ebd.

[19] vgl. ebd.

[20] vgl. Sure 5, 46

[21] vgl. Busse, 1991, S. 133; s.a. Sure 61, 6

[22] vgl. Sure 43, 63

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638608978
ISBN (Buch)
9783638768382
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68192
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Schlagworte
Bedeutung Jesu Christi Islam Konsequenzen Sicht Theologen

Autor

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