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Wissenstransfer in Unternehmen. Die Überwindung personeller Barrieren bei der Kommunikation von implizitem Wissen

Analyse der Problematiken

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Implizites Wissen innerhalb des Wissenstransfers – Definition und Begriffsabgrenzung
2.1 Implizites Wissen – eine bedeutende menschliche Ressource
2.2 Der Wissenstransfer in Unternehmen – Schlüsselfunktion des Wissensmanagement

3 Personelle Barrieren bei der Kommunikation von implizitem Wissen
3.1 Grundlegendes zur vorliegenden Problematik
3.2 Barrieren auf Seiten des Wissenssenders
3.2.1 Mangelnde Teilungsbereitschaft
3.2.2 Mangelnde Teilungsfähigkeit
3.3 Barrieren auf Seiten des Wissensempfängers
3.3.1 Mangelnde Aufnahmebereitschaft
3.3.2 Mangelnde Aufnahmefähigkeit
3.4 Barrieren innerhalb der Beziehung von Sender und Empfänger

4 Lösungsansätze zur Reduktion personeller Barrieren
4.1 Schaffung einer konkurrenzfreien „Sharing-Kultur“
4.2 Schaffung von Anreizsystemen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir wissen mehr als wir zu sagen wissen.

Michael Polanyi

In ihrem renommierten Werk „The Knowledge-Creating Company“ aus dem Jahr 1995 belegen die Japaner Nonaka und Takeuchi, dass sich westliche Manager bei ihrer Arbeit hauptsächlich an explizitem Wissen orientieren, wohingegen laut den Autoren jedoch bis zu 80% des Wissens in Organisationen impliziter Natur ist.

Um dem steigenden Wettbewerbsdruck gerecht zu werden, rückt das „Know-How“ der Mitarbeiter in den kommenden Jahren auch in der westlichen Managementwelt immer stärker in den Mittelpunkt des unternehmerischen Denkens und Handelns.

Vermehrt werden in Unternehmen Maßnahmen eingeführt, die den Austausch des in den Köpfen der Mitarbeiter schlummernden Wissens fördern sollen. Ziel dieser Maßnahmen ist, die Wissensbeschaffung innerhalb von Unternehmen voranzutreiben und somit die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu sichern bzw. zu steigern.

Ein Teilprozess des Wissensmanagement, der Wissenstransfer, beschreibt den Vorgang der Weitergabe und Explizierung impliziten Wissens. Nonaka und Takeuchi sprechen hier von den Prozessen der Sozialisation und Externalisierung, bei dem das stillschweigende Wissen der Mitarbeiter an andere Kollegen weitergegeben und/oder dem Unternehmen zugänglich gemacht wird.

Hier ergeben sich jedoch Fragen: Inwieweit ist dieser Transfer von implizitem Wissen in der Realität überhaupt möglich? Welche Barrieren treten in der Praxis auf? Und inwieweit können die in der Literatur beschriebenen Lösungsansätze zur Eliminierung dieser Barrieren beitragen?

Das Ziel der vorliegenden Arbeit beinhaltet zwei Aspekte:

Zunächst soll eine strukturierte Beschreibung und Erläuterung möglicher in der Praxis auftretender personeller Barrieren innerhalb des Wissenstransferprozesses geliefert werden. In der Literatur finden sich hier meist nur recht oberflächliche Auflistungen bzw. Statistiken dieser möglichen Hemmnisse – systematische Darstellungen fehlen jedoch. Darauf aufbauend soll verdeutlicht werden, dass die meisten in der Literatur vorliegenden Lösungsansätze zur Eliminierung dieser Barrieren unspezifisch sind und wenn überhaupt plausibilistisch argumentieren. Die Gründe für diese unzureichende wissenschaftliche Fundierung liegen vermutlich in der Charakteristik des Gegenstandbereichs selbst: Die menschlichen Ressource des impliziten Wissens liegt unterschwellig vor. Sie ist nicht offensichtlich und kann für den Manager und/oder Wissenschaftler somit nicht greifbar bzw. messbar gemacht werden. Ob überhaupt und wie eine Überprüfung des Erfolgs oder Nicht-Erfolgs der Wissensweitergabe und -verteilung möglich ist, stellt die Wissenschaft somit vor eine komplexe und bis heute nicht ausreichend beantwortete Frage.

Das Vorgehen der Arbeit sieht wie folgt aus:

In einem ersten Schritt (Kapitel 2.1) werden die grundlegenden Begriffe Wissen und implizites Wissen definiert und erläutert. Kapitel 2.2 beleuchtet den Begriff Wissensmanagement, um im Anschluss die Bedeutung und Stellung des Teilprozesses des Wissenstransfers herauszuarbeiten. Beispielhaft wird hier auf zwei klassische, in der Praxis häufig verwendete Instrumente dieses Bausteins eingegangen.

Kapitel 3 beschreibt die Bedeutung personeller Barrieren bei der Kommunikation von implizitem Wissen innerhalb des Wissenstransferprozesses.

Darauf aufbauend erfolgt in Kapitel 4 eine kritische Betrachtung der in der Literatur beschriebenen Lösungsansätze für die zuvor dargestellten Barrieren.

Kapitel 5 zieht aus dem dargestellten Gang der Argumentation dieser Arbeit ein Fazit und gibt einen Ausblick auf die mögliche, weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Themenbereich.

In Kapitel 3 und 4 wird deutlich werden, dass die Literatur zum Thema Wissenstransfer nicht an wissenschaftlichen Maßstäben, sondern meist ausschließlich an Verkaufszahlen und Profit orientiert ist. Dies bereitete große Probleme bei der Auswahl und Auswertung der für diese Arbeit verwendeten Literatur. Es zeigt zugleich, dass sich hier offensichtlich ein großes Betätigungsfeld für die Sozial- und Organisationswissenschaften befindet.

2 Implizites Wissen innerhalb des Wissenstransfers – Definition und Begriffsabgrenzung

Im Folgenden werden die für diese Arbeit relevanten Begriffe definiert und abgegrenzt. Dazu wird in Kapitel 2.1 Wissen allgemein und implizites Wissen im Speziellen begrifflich abgestimmt. Kapitel 2.2 bestimmt danach, was unter Wissensmanagement und dem Prozess des Wissenstransfers zu verstehen ist.

2.1 Implizites Wissen – eine bedeutende menschliche Ressource

In der Literatur herrschen eine Vielzahl verschiedener Definitionen von Wissen, wobei hier besonders zwei Merkmale von Wissen in allen Begriffsbestimmungen Beachtung finden: Zum Einen ist Wissen immer personengebunden, d.h. es existiert kein Wissen losgelöst von Menschen. Zum Anderen ist die Abgrenzung zu Daten und Information für das Verständnis von Wissen unabdingbar.

Daten sind beliebige Zeichen oder Zeichenabfolgen, wie z.B. die Zahlen 1,2,3, welche isoliert betrachtet keinen Zweck erfüllen und somit das Rohmaterial der Unternehmung bilden (vgl. North 1998: 33). Versieht man Daten mit einem Bedeutungsinhalt, wie z.B. „2,31% Produktivitätssteigerung durch Optimierung der Fertigungsabläufe pro Jahr“, entstehen daraus Informationen. Diese Informationen können als Rohstoffe der Wissensgenerierung dienen. Durch die Vernetzung von Informationen, d.h. durch Informationsverarbeitung individueller Erfahrungen und Kontextbezug entsteht aus Informationen Wissen (vgl. ebd.: 33).

Probst et al. (1999: 46) bezeichnen Wissen als „die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden. Es wird von Individuen konstruiert und repräsentiert deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.“

Weiterhin wird in der Literatur zwischen unterschiedlichen Wissensarten differenziert.

Grundlegend für den in dieser Arbeit betrachteten Prozess des Wissenstransfers in Unternehmungen ist die von Michael Polanyi (1985) geprägte Unterscheidung zwischen explizitem und implizitem Wissen. Unter explizitem Wissen (engl.: explicit knowledge) wird das sichtbare und artikulierbare Wissen verstanden. Es lässt sich formal, d.h. z.B. in mathematischen Ausdrücken oder Handbüchern festhalten und kann somit mittels Informationstechnologie verarbeitet, übertragen und in künstlichen Speichermedien aufbewahrt werden. Mertins/Finke (2004: 35) bezeichnen diese Wissensart auch als „Oberflächenwissen“, da es dem Träger bewusst vorliegt.

Im Gegensatz dazu steht das – in dieser Arbeit betrachtete – verborgene bzw. stillschweigende implizite Wissen (engl.: tacit knowledge). Dieses Wissen beruht auf konkreten subjektiven Erfahrungen und ist eng mit dem eigenen Wertesystem bzw. der Gefühlswelt der jeweiligen Person verbunden. Es stellt das Handlungswissen einer Person dar, welches meist sehr komplex ist, jedoch nicht korrekt sein muss. Mertins/Finke (2004: 36) verdeutlichen durch ihre Bezeichnung des „Tiefenwissens“, dass es dem Träger nicht unbedingt bewusst und somit nur schwer artikulierbar, übertragbar und teilbar ist. Die für diese Arbeit relevante Art des impliziten Wissens wird in der Literatur auch als „prozedurales Wissen über Strategien und Vorgehensweisen“ (Büssing/Herbig 2003: 52) bezeichnet. Hierunter fallen z.B. schwer artikulierbare, auf Erfahrung beruhende Fähig- und Fertigkeiten, was in der Praxis meist unter „Know How“ (Fink 2000: 31) verstanden wird. Ein Mitarbeiter, der lange Jahre in der Fertigung gearbeitet hat, entwickelt durch die Erfahrungen reiche Expertenkenntnisse, so dass er Maschinenzustände z.B. rein an den Geräuschen der Maschine erkennen kann. Sein Wissen über die Maschine „wirkt unterhalb einer subjektiven Schwelle“ (Büssing/Herbig 2003: 52), wodurch der Zugang zu einer für das Unternehmen bedeutenden menschlichen Ressource grundlegend erschwert bzw. z.T. unmöglich ist.

Aufgrund der Komplexität und der Nicht-Verbalisierbarkeit stellt das Aufdecken und die Weitergabe impliziten Wissens eine große Herausforderung für das Wissensmanagement innerhalb von Unternehmen dar. Trotzdem ist sich der Großteil der heutigen Unternehmen darüber bewusst, dass gerade dieses in den Köpfen der Mitarbeiter schlummernde Wissen eine bedeutende Ressource für die Innovationen und somit die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen ist.

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Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638606820
ISBN (Buch)
9783640859900
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68178
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Wissenstransfer Unternehmen Problem Barrieren Kommunikation Wissen Thema Wissensmanagement

Autor

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Titel: Wissenstransfer in Unternehmen. Die Überwindung personeller Barrieren bei der Kommunikation von implizitem Wissen