Lade Inhalt...

Biomechanik und Bewegungsverhalten älterer Menschen am Beispiel manueller Fähigkeiten

Hausarbeit 2001 32 Seiten

Biologie - Humanbiologie

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Biomechanik der Hand
1. Definition und Thematik der Biomechanik
2. Anatomie der Hand
2.1. Knochen der Hand
2.2. Karpaltunnel
3. Gelenke
3.1 Gelenktypen und Freiheitsgrade
3.2. Handgelenk
3.3. Gelenke der Finger
3.4. Weitere Gelenke, die den Bewegungsradius der Hand vergrößern
4. Muskeln
5. Mechanorezeption
6. Bewegungen der Hand
6.1. Greifformen nach Matev und Bankov
6.2. Greifforman nach Bullinger und Solf

III. Manuelle Fahigkeiten älterer Menschen
1. Altersbedingte Krankheiten
1.1 Karpaltunnelsyndrom
1.2 Gicht
1.3 Arthrose
1.4 Rheuma
1.5 Dupuytrensche krankheit
1.6 Infektionen
2. Bewegungsverhalten älterer Menschen
2.1. Versuche zur Untersuchung des Bewegungsverhaltens älterer Menschen
2.2. Ergebnisse der Versuche
2.3. Weitere Versuche

IV. Fazit

V. Literatur

I. Einleitung

Frank Wilson (Neurologe, 2000): „Unsere Hände, ... erst durch sie wird der Mensch zum Mensch“

Hält man sich vor Augen welche Aufgaben unsere Hände im Laufe eines einzigen Tages übernehmen , so erkennt man, dass sie in unserem Leben eine tragende Rolle spielen. Die Hände dienen neben dem „Begreifen“ unserer Umwelt dazu, Ergebnisse von Denkprozessen in Materie zu manifestieren. Aristoteles bezeichnete ohne Kenntnis sowohl der Theorie der „Koevolution von Hand und Gehirn“ (Wilson 2000), deren „Zusammenspiel...den Homo Sapiens zum intelligentesten Lebewesen“ (Wilson 2000) macht, mit einem geringen neurobiologischen Wissen die Hände als „äußeres Gehirn“. Die Hände stellen somit als „Effektor“ auf die von den Sinnesorganen und im Gehirn verarbeiteten empfangenen Informationen, für den Menschen ein lebenswichtiges Element unseres Körpers dar.

Im Laufe unseres Lebens lässt die Leistung der menschlichen Sinnesorgane Auge und Ohr, mit denen die Hände in ständigem indirektem wechselseitigen Informationsaustausch stehen nach (Füsgen 1995) :

- Abnahme der Hörfähigkeit, wobei Schwerhörigkeit als eine Minderung des Hochtonhörvermögens zu verstehen ist (Füsgen 1995).

Nach der Faustregel von Davis:

Hörvermögen nimmt bei 4000Hz nach dem 28. Lebensjahr pro Lebensjahr um ein Dezibel ab (Füsgen 1995).

- Abnahme der durchschnittlichen Sehfähigkeit aufgrund von:

1. Ausfällen sensorischer Elemente in der Netzhautperipherie, die in einer Einschränkung des Gesichtsfeldes resultieren (Füsgen 1995)
2. Altersichtigkeit (=Presbyopie) aufgrund von Abnahme der Linsenelastizität (Silbernagel, Despopoulos 1991; Füsgen 1995)
3. Abnahme der Linsentransparenz, was sich in einer Linsentrübung (=grüner Star / Katarakt) niederschlägt. (Silbernagel, Despopoulos 1991; Füsgen 1995)

Auch Veränderungen des Nervensystems sind indirekt für die Defizite der Leistungen der Sinnesorgane, die auch den taktilen und thermischen Wahrnehmung mit einschließen, verantwortlich. So verlangsamt sich die Nervenleitgeschwindigkeit und die synaptische Übertragunsgeschwindigkeit, was insgesamt ein Nachlassen des Reaktionsvermögen hervorruft (Nikolaus 2000). Die Ursachen hierfür sind neurobiologisch in:

- Verringerung der Neurotransmittermenge (Füsgen 1995)
- Bildung seniler Plaques (Füsgen 1995)
- neurofibrilläre Veränderungen (Füsgen 1995)
- Störungen des Glukose- und Kalziumstoffwechsels (Füsgen 1995)

zu finden. Trotz heutzutage vieler technischer und medizinischer Möglichkeiten diese Defizite in der Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane älterer Menschen so gering wie möglich zu halten, resultieren sie in Verminderung der Koordinationsfähigkeit dieser Altersgruppe. Daher nimmt die Hand in diesem Lebensstadium eine zunehmend wichtige Rolle in der Koordination ein (Platt 1992). Wohl am einfachsten lässt sich dieses Phänomen an einem Kinderspiel, dem „Topfschlagen“ nachvollziehen. Durch Ausschalten des optischen Sinneskanals, ist man zum Erleben seiner Umwelt auf die Hände angewiesen. Dabei wird den Händen eine Art „nicht-optisches Sehen“ (Wilson 2000) zugeschrieben, aufgrund ihrer speziellen mechanorezeptorischen Eigenschaften.

In einer Gesellschaft mit wachsendem Anteil älterer Menschen, ist es interessant nicht nur aus naturwissenschaftlichem Interesse die Biomechanik und das Bewegungsverhalten der Hände älterer Menschen zu untersuchen, sondern auch aus sozialpolitischer Perspektive. Ein Mensch gilt nach Definition der World Health Organisation (WHO) bei Vollendung des 65. Lebensjahres als alt (Füsgen 1995). In vielen Industrienationen hat der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre bald die 20%-Marke bei abnehmender Geburtenrate überschritten ( Appold 1997; Nikolaus 2000), was früher oder später zu Engpässen aufgrund fehlender Beiträge der Erwerbstätigen in der Rentenversorgung führen wird. Eine generelle Erhöhung des Rentenalters um diesen Konflikt zu lösen, ist daher ohne die manuellen Fähigkeiten älterer Menschen genau untersucht zu haben nicht ratsam.

II. Biomechanik der Hand

1. Definition und Thematik der „Biomechanik“:

Die Biomechanik ist ein Teilgebiet der Biophysik. Sie untersucht die mechanischen Bewegungen in lebenden Organismen, ihre Ursachen und Erscheinungen. Sie erforscht dabei die Bewegungshandlungen von Lebewesen als System zusammenhängender aktiver Bewegungen und Haltungen des jeweiligen Körpers. Das Gebiet der Biomechanik beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Gebiet der von außen sichtbaren Körperbewegungen, sondern auf alle im lebenden Organismus stattfindenden mechanischen, sprich ortsverändernden Bewegungen, wie das Fliessen von Flüssigkeiten in den Gefäßen (Flüssigkeit =Blut Þ Rheologie), Drüsen oder von Gasen im Atemsystem. Aufgabe der Biomechanik ist es dabei Bewegungen zu charakterisieren, generalisieren und evtl. zu optimieren ( z.B. Sportwissenschaften).

Die Biomechanik findet nach Schewe (2000) heute hauptsächlich Anwendung in den Bereichen:

- funktionelle Anatomie: Sie untersucht den Bau und die Funktion von Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern, Bindegewebe in Hinblick auf ihre Wechselwirkung mit Belastungen und die Anpassungen der o.a. verschiedenen Bestandteile des Körpers an die Belastungen.
- Ergonomie: Sie untersucht die Wechselwirkungen zwischen Menschen und Arbeitsumgebung zur Optimierung der Leistungsfähigkeit und zur Vermeidung von Schäden sowohl am Menschen als auch an Arbeitselementen
- Sport und Sportwissenschaften: Hier kann die Biomechanik, durch Simulation von Bewegungsabläufen helfen Bewegungsabläufe zu erlernen und zu vermitteln, sowie Sportgeräte und Ausrüstungsgegenstände mit höchstmöglicher Sicherheit zu konstruieren.
- Orthopädie und orthopädische Chirugie: In diesem Bereich spielt die Biomechanik eine wichtige Rolle, da sich durch sie Belastungen des Bewegungsapparates unter gesunden wie pathologischen Bedingungen darstellen lassen bzw. durch Simulation vorraussagen lassen. Hier ist die instrumentelle Ganganalyse zu erwähnen durch die unter Zuhilfenahme kinematografischer und dynamografischer Verfahren das Gangverhalten untersucht und eine notwendige Therapie entwickelt werden kann. Eine weitere Bedeutung besitzt die Biomechanik auch in der Implantologie, z.B. künstliches Hüftgelenk. In diesem Bereich spielt sie nicht nur in der individuellen Herstellung einer Prothese eine gewichtige Rolle, sondern auch in der Wahl des Prothesenmaterials hinsichtlich Verträglichkeit und Festigkeit/Belastbarkeit.
- Rehabilitation und Prävention: Die Biomechanik hilft hier dem Betroffenen Bewegungsabläufe unter den gegebenen Bedingungen zu entwickeln und einzuüben.

2. Anatomie der Hand

Zu Beginn einer biomechanischen Untersuchung wird eine sog. Nominalanalyse vollzogen, bei der alle an einem zu untersuchenden Bewegungsablauf beteiligten Elemente, wie Muskulatur, Gelenke, Knochen und Sehnen aufgeführt werden.

2.1. Knochen der Hand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Handskelett der rechten Hand, dorsal (Sobotta, 1993)

Die Hand gliedert sich anatomisch in (Abb.1):

- Handwurzel = Carpus, bestehend aus 8 unregelmäßig geformten Handwurzelknochen = Ossa carpalia, die sich in eine proximale und eine distale Reihe Gliedern. Der proximalen Reihe gehören von radial nach ulnar folgende Handwurzelknochen an:

1. Kahnbein, Os scaphoideum
2. Mondbein, Os lunatum
3. Dreieckbein, Os triquetum
4. Erbsenbein, Os pisiforme

Der distalen Reihe gehören folg. 4 Knochen an (radialÞulnar):

5. Trapezbein, Os trapezium
6. trapezähnlicher Knochen, Os trapezoideum
7. Kopfbein, Os capitatum, als Zentrum der Handwurzel
8. Hakenbein, Os hamatum, mit hakenartigem Vorsprung = Hamulum ossis hamati

- Mittelhand = Metacarpus, aufgebaut aus 5 Röhrenknochen, pro Finger ein Knochen
- Fingerknochen = Ossa digitorum / Phalanges, setzen sich pro Finger, mit Ausnahme des

Daumen aus drei Fingergliedern:

- Grundphalanx, Phalanx proximalis
- Mittelphalanx, Phalanx media
- Endphalanx, Phalanx distalis

zusammen. Der Daumen dagegen besteht nur aus Grund- und Endphalanx.

2.2. Karpaltunnel

Betrachtet man eine Hand so stellt die Handinnenseite/ palmare Seite ein Gewölbe dar, das durch die besondere Zusammensetzung der Handwurzelknochen, bei der Trapezium, Scaphoideum, Pisiformis und Hamulus ossis hamati die Gipfelpunkte darstellen, gebildet wird. Dieses Gewölbe wird durch die Mittelhandknochen bis zu den Phalanges proximali fortgesetzt. Der Halt dieses Gewölbes wird durch einen Bandstreifen dem sog. Retinaculum flexorum, der auf der ulnaren Seite am Hamulus ossis hamati ansetzt und sich auf die radiale Seite zum Os scaphoideum zieht, garantiert. Durch diese Wölbung entsteht ein Durchlass für lange Fingerbeugesehnen, und den Nervus medianus. Dieser Durchlass wird als Karpaltunnel = Canalis carpi bezeichnet (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Querschnitt durch die distale Karpalreihe (Hochschild, 1998)

3. Gelenke

3.1. Gelenktypen und Freiheitsgrade

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Gelenkarten (Flügel, Greil, Sommer,1986)

Um die Bewegungsfähigkeit von Gelenken zu definieren, findet der Begriff der Freiheitsgrade der Bewegung Anwendung.

[...]

Details

Seiten
32
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638142984
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6807
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Zoologie
Schlagworte
Biomechanik Bewegungsverhalten Menschen Beispiel Fähigkeiten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Biomechanik und Bewegungsverhalten älterer Menschen am Beispiel manueller Fähigkeiten