Lade Inhalt...

Geheimbünde als Träger von Geheimlehren im Zeitalter der Aufklärung

Seminararbeit 2006 25 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geheimbünde als Träger organisierter Geheimlehren im Zeitalter der Aufklärung
2.1. Die Rosenkreuzer
2.1.1. Die Entstehung des Rosenkreuzertums
2.1.2. Die Rosenkreuzer in der heutigen Zeit
2.2. Freimaurer
2.2.1. Vorgeschichte und Gründungsphase
2.2.2. Freimaurerei und Aufklärung
2.2.3. Die Gegner der Freimaurerei
2.3. Die Illuminaten
2.3.1 Die Entstehung des Illuminatenordens vor dem Hintergrund der deutschen Spätaufklärung
2.3.2. Gründung, Aufbau und Ausbreitung des Illuminatenordens
2.3.3. Die Verfolgung und Aufhebung der Illuminaten

3. Rosenkreuzer, Freimaurer und Illuminaten: Ein Vergleich

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich einen Überblick über die Entstehungs­geschichte, die Hintergründe und Entwicklung der Geheimgesellschaften „Rosenkreuzer“, „Freimaurer“ und „Illuminaten“ vorlegen. Das Ziel wird es sein, die einzelnen Geheimgesellschaften kurz in ihrer Entwicklungsgeschichte und ihren Zielvorstellungen darzustellen. Die Entwicklung der Geheimgesellschaften wird in den Kontext der aufklärerischen Aktivitäten eingebettet, da sie sich in der Zeit der Aufklärung, vor der Französischen Revolution, gegründet haben und im Übrigen auch nur innerhalb dieses Kontextes zu begreifen sind. Im Anschluss an diese Darstellungen erfolgt ein kurzer Vergleich der drei Geheimgesellschaften „Rosenkreuzer“, „Freimaurer“ und „Illuminaten“.

2. Geheimbünde als Träger organisierter Geheimlehren im Zeitalter der Aufklärung

Geheimbünde , auch Geheimgesellschaften genannt, hat es in der menschlichen Kultur seit jeher gegeben. Sie lassen sich bereits bei prähistorischen Völkern durch Höhlenmalereien u.ä. nachweisen. Der Begriff der „Geheimlehre“ lässt sich als eine „esoterische Lehre“ beschreiben, d.h. sie ist eine „nach innen“ gerichtete Lehre und damit auch nur wenigen „Eingeweihten“ zugänglich.[1] Als „geheim“ gilt alles, was sich nicht auf rationaler Ebene erklären lässt. „Das Mysterium ist höchster Ausdruck des Geheimnisvollen“.[2]

Laut FRICK ist die Bezeichnung Geheimgesellschaften und –lehren , bezogen auf unsere heutige Zeit , im eigentlichen Sinne unzutreffend, weil sich heute jeder das Wissen einer Geheimgesellschaft aneignen kann. Der Verrat eines esoterischen Geheimnisses führte in früheren Zeiten zu einer Bestrafung durch die jeweiligen Geheimgesellschaften. Das ist in modernen Gesellschaften nicht mehr so. Heute hat der „Verräter“ lediglich eine „moralische Verurteilung“ zu erwarten.

Aus diesem Grunde ist die Bezeichnung der Geheimgesellschaften und –lehren eher obsolet, denn derartige Gruppen stellen vielmehr eine vertraute Gemeinschaft von Gleichgesinnten dar und vertreten häufig Interessen und Ideologien, die der Öffentlichkeit nicht näher bekannt sind oder erst gar kein Interesse erwecken. Es muss ganz klar zwischen einer politischen, also rein weltliche Ziele verfolgenden exoterischen Lehre und einer nur für das „Seelenheil“ des Menschen überlieferten, erdachten oder unter „göttlichem Einfluss“ eines „Erleuchteten“ verkündeten esoterischen Lehre unterschieden werden.[3]

Des Weiteren bezeichnet FRICK die Bezeichnung Geheimgesellschaften und –lehren als besonders zweckentfremdet, weil das Wissen heute bestehender Geheimbünde sehr häufig durch materielle Leistungen „käuflich“ zu erwerben ist.[4]

Zu den „Geheimlehren“ zählen neben den ideengeschichtlichen älteren Lehren wie die Magie und Astrologie auch die jüngeren Lehren der Alchemie, Theosophie und Kabbala. Bei den benannten Geheimlehren ist die Magie die älteste Lehre, die in ihrer Ausübung meist nur Priestern, Zauberern und Beschwörern vorbehalten blieb. Die Magie übt in allen Epochen bis in unsere Zeit eine große Anziehungskraft aus. Eine besondere Bedeutung erfährt die Magie auch heute in der modernen Tiefenpsychologie.[5] Im Folgenden möchte ich auf drei ausgewählte Geheim-gesellschaften eingehen: Die Rosenkreuzer, die Freimaurer und die Illuminaten.

2.1. Die Rosenkreuzer

Das Rosenkreuzertum gehört zu den „esoterischen Geheimlehren“, genau genommen zu den „illuministischen Geheimlehren“. Um keine Verwirrung zu bewirken, möchte ich zunächst einige Fachausdrücke erläutern, die zum Verständnis der Rosenkreuzer notwendig sind. Die Rosenkreuzer lassen sich in die Kategorie der Illuministen einordnen. Mit den Illuministen sind nicht die Anhänger des „Illuminatenorden“, gegründet durch Adam Weishaupt, gemeint, sondern Menschen, die auf der Suche nach dem „Unendlichen“, dem „allerhöchsten Wesen“ oder einem „göttlichen Prinzip“, also im Metaphysischen zu einer Erkenntnis, sozusagen zu einer „Erleuchtung“ gelangen wollen.[6] Der spirituelle Inhalt derartiger „Erleuchtungen“ ist denen der älteren Geheimlehren wie der Magie, Astrologie, Alchemie, Kabbala und Theosophie erwachsen, daher werden von den Rosenkreuzern ältere philosophische und religiöse Denksysteme genutzt. Die „modernen“ Rosenkreuzer unserer Zeit schließen seit dem 19.Jahrhundert buddhistische und hinduistische Vorstellungen mit in ihre Lehre ein. Die Rosenkreuzer übernahmen neben der Entsprechungstheorie, (die besagt, dass alles, was im Makrokosmos existiert, sich im Mikrokosmos widerspiegelt) auch die „antike Lichtmetaphysik“[7], welche auch als Illuminationstheorie bekannt ist. Daher erhielt die Gruppe auch ihren Namen „Illuministen“.

2.1.1. Die Entstehung des Rosenkreuzertums

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte sich in einer Zeit religiöser Kämpfe, ökonomischer und politischer Verkümmerung des Bürgertums und der Arbeit, eine religiös-philosophische Bewegung , „das Rosenkreuzertum“. Die Rosenkreuzer entstanden angesichts einer noch wenig entwickelten Wissenschaft, die auf der Suche nach Auswegen aus dem Übel der Zeitverhältnisse war. In einem Umfeld von „Pseudowissenschaften“ wie der Magie, Alchemie etc. entstanden Schriften, die nach dem sagenhaften Christian Rosenkreuz aus dem 14./15.Jahrhundert benannt werden sollten. Die ideologische Ausrichtung des Rosenkreuzertums war es, sich von der Kirchendespotie loszulösen, sich aber dennoch den individuellen Willen, dem Willen Gottes unterzuordnen.[8]

Alle Rosenkreuzer wurden von kirchlichen und staatlichen Stellen verfolgt, daher mussten ihre Mitgliedschaft und ihr Handeln streng geheim bleiben.

Die Rosenkreuzer vertraten eine unorthodoxe Weltanschauung des Christentums. Nach der rosenkreuzerischen Auffassung war das Christentum nicht eine erste, „[…] sondern nur eine abermals geoffenbarte und ebenso durch die Natur wie durch die Bibel bestätigte uralte Geheimlehre. Natur und Bibel bildeten eine Konkordanz.“[9] Diese Auffassung bedeutet, dass die Lehre der Rosenkreuzer eine größere Toleranz nach außen hin aufwies als der orthodoxe Kirchenglaube seiner Zeit.

Die Gesellschaft der Rosenkreuzer erregte in jener Zeit große Aufmerksamkeit mit der Veröffentlichung dreier gesellschaftskritischer und reformatorischer Manifeste. Das erste Manifest mit dem Titel „Allgemeine und General Reformation der gantzen weiten Welt. Beneben der Fama Fraternitatis, Deß löblichen Ordens des Rosenkreutzes, an alle Gelehrte und Häupter Europä“, kurz Fama Fraternitatis, wurde 1614 anonym in Kassel veröffentlicht. Das Ziel dieser Schrift war die „[…] Herbeiführung einer Generalreformation der Welt durch die harmonische Verschmelzung der beiden großen Errungenschaften des 16. und 17. Jahrhunderts: der christlichen Reformation und der modernen Naturwissenschaften.“[10] In dieser Schrift wurde durch eine „Responsion“ die klare Tendenz gegen den 1540 gegründeten Jesuitenorden deutlich.

Die „Confessio Fraternitatis“ erschien 1615 ohne Autorenangabe. Der volle lateinische Titel war Confessio Fraternitatis R. C. Ad Eruditos Europae, der volle deutsche Titel Confession oder Bekandnuß der Societet und Brüderschaft R. C. An die Gelehrten Europae. Diese Schrift umfasst 111 Druckseiten ohne Vorrede oder Anhänge. Erneut kommt hier, wie zuvor in der „Fama“, die Anklage gegen die Philosophie der Zeit vor, wie etwa, dass sie „[…] ganz krank und mangelhaft“ sei.[11]

Im Jahre 1616 erschien die „Chymische Hochzeit“ in Straßburg bei Lazare Zetzner. Sie gilt als das dritte große Rosenkreuzer-Manifest. Als Autor wird der Theologe „Johann Valentin Andreae“ vermutet, da dieses Werk zur damaligen Zeit anonym erschienen ist. Die Schrift ist voll von symbolischen Handlungen. Die „Chymische Hochzeit“ wird in Form eines alchemistischen Romans formuliert. Innerhalb dieses Romans erzählt ein achtzigjähriger Greis namens Christian Rosenkreutz ein selbst erlebtes Abenteuer.[12]

Auf Grund der Nachweisbarkeit für die wirkliche Existenz des Rosenkreuzertums im 17. Jahrhundert unterscheidet man grundsätzlich zwischen „älteren“ und „jüngeren“ Rosenkreuzern. Die Existenz der „jüngeren“ Rosenkreuzer im 18. Jahrhundert gilt geschichtlich als verifiziert. Denn im 18. Jahrhundert beginnt die Epoche des tatsächlichen Ordens der Rosenkreuzer.[13]

In Süddeutschland (1756 und 1769) und im übrigen Deutschland (1770-1780) entstanden Zirkel der Rosenkreuzer, die sich auf Ziele und angebliche Erkenntnisse der „alten Rosenkreuzer“ beriefen. Rosenkreuzerzirkel entstanden u.a. in Bayreuth, Augsburg, München, Regensburg, Leipzig, Hamburg, Potsdam, Berlin, Kassel und in Wien. Im letzten Drittel des 18. Jahrhundert gewannen die Rosenkreuzer ihre Mitglieder unter anderem aus dem Freimaurerorden.[14]

Das die Rosenkreuzer bei derartiger unorthodoxer Einstellung nicht ohne Gegner bleiben konnten , liegt durchaus nahe.

Eine Gruppe der Gegner entstammte aus dem orthodoxen Luthertum, denn für sie galten die Rosenkreuzer als Verräter der Werke Luthers. Gelassener als die orthodoxen Lutheraner reagierte die katholische Kirche, denn für sie waren die Rosenkreuzer ohnehin primär lutherische Ketzer, da sie den Protestantismus im Allgemeinen bekämpfte.[15]

Das Interesse an der Rosenkreuzerliteratur wurde zwar zunächst durch den Dreißigjährigen Krieg gemindert, bleib aber dennoch bis ins ganze 17. Jahrhundert bestehen. Eine Vielzahl von Philosophen und namenhaften Personen wie Giordano Bruno, René Descartes, Robert Fludd u.a. fühlten sich vom Rosenkreuzertum angezogen. Das Interesse bleibt bis ins 20. Jahrhundert erhalten.

2.1.2. Die Rosenkreuzer in der heutigen Zeit

Im deutschen Sprachraum haben sich im 20. Jahrhundert vor allem drei rosenkreuzerische Gesellschaften formiert, die jedoch nicht direkt der Geheimge­meinschaft zugerechnet werden können, weil sie ihre Mitglieder auf öffentlichem Wege anwerben. Jedoch werden ihre Lehren vor Außenstehenden solange geheim gehalten, bis sie zu einem Mitglied der „modernen Rosenkreuzer“ werden. Als deutsche Ordensgründer sind Karl Keller (1850-1905) und Theodor Reuß (1855-1923) bekannt geworden, die jedoch die alten rosenkreuzerischen Lehren mit ihren eigenen Vorstellungen vermischten. Diese am Ausgang des 19. Jahrhunderts gegründete Rosenkreuzer-Gemeinschaft bleibt jedoch unbedeutend, da Reuß 1906 einen neuen Orden gründete, den „Orientalischen Templer-Orden“, damit verliert der Rosenkreuzerorden seine Bedeutung, obgleich er bestimmte Rituale wie die Gradeinteilung in den „Orientalischen Templer-Orden“ überführte.[16]

Die größte Rosenkreuzergesellschaft ist der „Alte Mystische Orden vom Rosenkreuz“, gegründet wurde dieser von einem Amerikaner namens Harvey Spencer Lewis (1883-1939).

Dieser Orden, der auch in der BRD tätig ist, unterrichtet seine Mitglieder - gegen Geld - mit amerikanisch zugeschnittenen rosenkreuzerischen Lehren über ein Fernstudium.

Es hat verschiedene Ordensbildungen gegeben, die bis heute bestehen, jedoch existiert im 21. Jahrhundert kaum mehr eine derartig reine Formation des Rosenkreuzertums, wie es ursprünglich der Fall war.[17]

[...]


[1] Vgl. Frick, Karl R. (1998): Die Erleuchteten. Gnostisch-Theosophische und Alchemistisch-Rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Graz. S.1.

[2] Ebd. S.1.

[3] Vgl. Frick, Karl. R.: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Hrsg. Kaltenbrunner, Gerd-K. (1987): Geheimgesellschaften und Mythos der Weltverschwörung. (Herder TB), München. S. 104.

[4] Vgl. Frick, Karl R. (1998): Die Erleuchteten.Gnostisch-Theosophische und Alchemistisch-Rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Graz. S.1f.

[5] Vgl. Ebd. S.2.

[6] Vgl. Frick, Karl. R.: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Hrsg. Kaltenbrunner, Gerd-K. (1987): Geheimgesellschaften und Mythos der Weltverschwörung. (Herder TB), München. S. 104f.

[7] „Neben dem natürlichen Licht, dem Lumen naturale, besteht nach ihrer Auffassung ein Lumen supranaturale, ein Licht, das dem „Erleuteten“ Einsicht in die göttliche Offenbarung gibt.“ In: Frick, Karl. R.: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Hrsg. Kaltenbrunner, Gerd-K. (1987): Geheimgesellschaften und Mythos der Weltverschwörung. (Herder TB), München. S. 105.

[8] Vgl. Steiner, G. (1985): Freimaurer und Rosenkreuzer- Georg Forsters Weg durch Geheimbünde. (Akademie-Verlag), Berlin. S. 58f.

[9] Frick, Karl. R.: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Hrsg. Kaltenbrunner, Gerd-K. (1987): Geheimgesellschaften und Mythos der Weltverschwörung. (Herder TB), München. S. 110f.

[10] Frick, Karl R. (1998): Die Erleuchteten.Gnostisch-Theosophische und Alchemistisch-Rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Graz. S.145.

[11] Ebd. S.147.

[12] Vgl. Ebd. S.150f.

[13] Vgl. Frick, Karl. R.: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Hrsg. Kaltenbrunner, Gerd-K. (1987): Geheimgesellschaften und Mythos der Weltverschwörung. (Herder TB), München. S. 110f.

[14] Vgl. Steiner, G. (1985): Freimaurer und Rosenkreuzer- Georg Forsters Weg durch Geheimbünde. (Akademie-Verlag), Berlin. S. 59.

[15] Vgl. Frick, Karl R. (1998): Die Erleuchteten.Gnostisch-Theosophische und Alchemistisch-Rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Graz. S.157f.

[16] Vgl. Frick, Karl. R.: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Hrsg. Kaltenbrunner, Gerd-K. (1987): Geheimgesellschaften und Mythos der Weltverschwörung. (Herder TB), München. S. 124f.

[17] Vgl. Ebd. S. 126ff.

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638602037
ISBN (Buch)
9783638672481
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67905
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Schlagworte
Geheimbünde Träger Geheimlehren Zeitalter Aufklärung Seminar

Autor

Zurück

Titel: Geheimbünde als Träger von Geheimlehren im Zeitalter der Aufklärung